Nntevhaltrrngsblatt jum Gieszenev Anzeige (Geneval-Anzeig-vj 1893, :v-v. .,; RuS«'?' Dienstag, den 10. Oktober. KeröstKkänge. (Ein Lebensbild.) Hoch am Himmel jagen Wetter, Dämmerung zieht durch Wald und Flur, In den Bäumen rascheln Blätter, Kalt und starr liegt die Natur! Und die Abendsonnen sinken, Spiegeln sich im Weltenmeer; Ihre letzten Strahlen winken Uns so bang und sorgenschwer. Abgeblüht und längst erblichen Ist des Leben« gold'ner Mai, All' die Freuden sind gewichen, Alles, Alles ist vorbei! Alles ist dahingeschwunden Wie ein märchenhafter Traum, All' der Jugend frohe Stunden Sind dahin, — wir ahnen's kaum! Wo sind all' die frohen Lieder, Die einst deine Welt beglückt? Wo die Liebe, treu und bieder, Oft von dir an's Herz gedrückt? Ach! die Saiten sind zersprungen, Und die Klänge sind verhallt, Und die Brust, die einst gesungen, Ist verstummt, — ist tobt und kalt. Wo sind all' die schönen Sterne, Die in Hoffnung dir gelacht? Und aus ungetrübter Ferne Dich so glücklich einst gemacht? Längst schon ist in Nacht versunken Deiner Träume süßes Bild, Das dich einst so wonnetrunken, Einst mit Seligkeit erfüllt! Daß das Glück so schnell vergangen, Alle Lust so rasch entflieht, Und die Rosen auf den Wangen Oft so flüchtig abgeblüht! Daß der Jugend heit're Bilder Unaufhaltsam untergeh'«, Und das Schicksal wild und wilder Braust heran mit Sturmesweh'n! Daß so oft im Morgenrothe Schon des Friedens Stern erlischt, Und des Unglücks dunkler Bote Tückisch seine Gifte mischt; Daß das ganze Menschenleben Dornen ost statt Rosen streut, All' das Ringen, all' das Streben Selten nur mit Glück erfreut! — Stiller wird's im Lebensgange, Träume durch die Seele zieh'«, Und das Herz schlägt schwer und bange, ™ Still die Abendsonnen glüh'n!-- Und der dunkle Herrscher senket Manches Leben in das Grab; Seine Hand, die Alles lenket, Knickt so manche Blüthe ab! Und so wechseln die Gestalten, Endlos drängt sich Bild an Bild; Alles beugt sich den Gewalten, Die kein Sterblicher enthüllt! Ja, in ew'ge Nacht gewoben Bleibt das große Weltgeschick; In den Plan der Götter droben Dringt-kein Mensch, kein Geistesblick! _____ Th. Look Dunkle Mächte. Novelle von B. Corony. (Fortsetzung.) Frau v. Waldau stand lange regungslos da. Ein furchtbarer Sturm erhob sich in ihrem Innern. War sie ungerecht gewesen? Konnten die Dinge anders liegen, als wie sie sich fast unzweifelhaft darstellten?--- „Nein, nein, nein!" mußte sie rufen. „Ich handelte recht! Ich durfte nicht schwach werden! Um meines Kindes willen durfte ich es nicht. „Besser ein kurzer Schmerz, als eine lange Reue!" so sagte Frank, und ich muß ihm beipflichten." - 474 Langsam, zögernd, wie Jemand, der vor einer furchtbaren l Entscheidung, vor etwas, das er kommen sieht und doch nicht sehen will, zurückbebt, schritt sie zu ihrer Tochter hinüber, allerlei nichtige Vorwände suchend, um den Moment des Eintritts hinauszuschieben. Bald hemmte sie den Fuß, weil ein kleiner Riß in dem Laufteppich war, bald bemerkte sie ein winziges Spinnengewebe, das doch eigentlich entfernt werden mußte. — Aber endlich stand die zagende Frau doch vor der Thüre, hinter der ihr Alles, ihr geliebtes Kind, einer Nach- richt harrte, die nur jubelndes Glück oder namenlosen Jammer bringen konnte.--Diese Thür flog auf und Rafaele er- schien in ihrem Rahmen. Beide Hände der Mutter ergrrff sie und zog die Erschauernde in das Zimmer- „Er hat sich gerechtfertigt, nicht wahr? Alles ist aufgeklärt," fragten mehr noch die Augen, als die farblosen Lippen. „Nein — er konnte es nicht. Vergiß den Ehrlosen und weine Deinen Schmerz an meiner Brust aus " Ein markerschütternder Schrei hallte durch das kleine, traute Gemach. Rafaele taumelte zurück wie vor einer plötzlich auftauchenden gräßlichen Vision- „Kind, Kind, höre mich l Der Mutter Arme sind Dir geöffnet- Wohl Dem, der noch an ein treues Herz flüchten darf. „Ich bin jetzt keinem Tröste zugänglich — und käme ein Engel von jenen Höhen herab geschwebt, so würde ich kaum auf seine Worte hören," erwiderte das Mädchen. „Nur eine Wohlthat kannst Du mir erzeigen: Lasst mich allein I Was jetzt in meiner Seele tobt, dieses wilde Weh, diese Scham und Verzweiflung, muß ich selbst niederkämpfen, da vermag mir Niemand zu helfen. Geh', Mutter, geh'! - Wenn wir uns wiedersehen, werde ich ruhiger sein — und will die Wunde nicht heilen, dann ziehe ich einen Schleier darüber: — aber jetzt gönne mir die Einsamkeit, die l» auch ein tüdtlich verwundetes Thier aussucht. Ich bitte, ich beschöre Dich : geh „Gott helfe Dir und mir, die nur in ihrem Kmde lebt! sagte die alte Frau. r , Schon auf der Schwelle stehend, wandte sie sich noch einmal um und breitete segnend die Hände aus, während ihre Lippen sich wie im stummen Gebete bewegten. Wochen zogen vorüber, ohne daß zwischen Mutter und Tochter des Vorgefallenen erwähnt wurde- Oft reichte Frau v Waldau dem Mädchen die Hand hin oder zog es an die Brust und streichelte zärtlich das goldene Haar; aber es war dann etwas in den märchenhaften Augen, was sie zu schweigen zwang. Und doch hatte Rafaele keineswegs mit der Vergangen« heit abgeschloffen. Ihr ganzes Leben bestand nur mehr aus fieberhaftem Harren. „Heute muß etwa« geschehen, wodurch der furchtbare Zweifel verscheucht und Ehrichs Ehrenhaftigkeit bewiesen wird," sagte ste sich stets, wenn der junge Tag dämmerte, und flüsterte Abends mit blaffen Lippen: „Also morgen. Morgen ganz gewiß!" Doch die ersehnte frohe Nachricht blieb aus, und als es endlich hieß, Herr v. Degenfeld sei von Altdorf geschieden und abgereist, da meinte sie zu fühlen, daß sich gleichsam ein er- starrender Reif aus alle Hoffnungsblüthen, die immer wieder in ihrer Seele empor sprießen wollten, legte- Kem Schreiben war an ste gelangt, keine letzte Zusammenkunft hatte Erich erbeten. Er war gegangen, die Last einer furchtbaren Anklage mit sich schleppend. Nichts - nichts gab es, was ihren Muth und Glauben aufrecht erhalten konnte. Die äußere Ruhe und Faffung wußte das stolze Mädchen auch jetzt zu bewahren, und Niemand vermochte eine wesent« liche Veränderung an ihr wahrzunehmen, nur das Mutterauge blickte schärfer. Frau v- Waldau entging es mcht, daß alle Freudigkeit von ihrem Kinde gewichen, und rote der Gärtner vor einer sorgfältig gepflegten Blume, die er welken sieht, trauernd steht, so beobachtete sie das Mädchen, und der vergiftete Stachel der Sorge bohrte sich immer tiefer m ihr Herz. Daß die seit langer Zeit schon erschütterte Gesundheit der zarten Frau unter diesem geheimen, nagenden Gram litt, war selbst- verständlich. Nachdem ein Jahr verfloflen, wiederholte Frank seine Werbung. Rafaele lehnte sie ab. „Zwingen kann und will ich Dich nicht," sagte die alte Frau mit müdem Ton, „aber das entscheidende Wort zu sprechen, magst Du auf später verschieben." „Weshalb? Ich werde nie zu einem anderen Entschluß kommen," erwiderte das Mädchen, doch es fiel ihr auf, daß die Mutter in wenig Monaten furchtbar gealtert sei, und zum ersten Male durchbebte sie wie eine ernste Mahnung der Ge- danke: „Gtebt es nicht noch herberen Schmerz, als den getäuschten Vertrauens?" Während der Men Stunden schlaflos verbrachter Nächte mußte sie sich immer wieder diese Frage vorlegen, und es war ihr, als sähe sie einen Hügel von vielen, vielen Blumen 6e« deckt — und sich selbst daneben knieen, und als höre ste eine klagende Stimme rufen: „Jetzt ist Dir die Theure genommen." Du kannst nie wieder in die treuen Augen blicken, nie wieder die sanft schmeichelnde Hand über Deine Wange streicheln fühlen. — Und als Lohn für ihre unwandelbare, grenzenlose Liebe gabst Du der nun Geschiedenen den Schmerz einer unerfüllten Hoffnung mit. — ., , , Ach, Rafaele wußte ja, daß die Mutter keinen innigeren Wunsch hegte, als sie mit Frank zu vermählen, und machte sich bittere Vorwürfe, weil es ihr unmöglich schien, eine Ab- neigung zu überwinden, für die sie selbst vergebens nach rechtfertigenden Gründen suchte. • Erst nach Wochen fragte Frau v. Waldau, die wieder recht leidend war: „Nun? — Bist Du mit Dir zu Rathe ge- aangen? Ich darf unseren Freund nicht länger warten taffen." Den Blick auf das Antlitz, das so unheilvolle Spuren raschen Verfallen« zeigte, gerichtet, verharrte das Mädchen in düsterem Schweigen- „ . „Sprich nur offen und ohne Rückhalt. Er ist ein Mann, dem das Streben nach hohen, edlen Zielen helfen wird, den Schmerz überwinden, und ich — ich mußte ja oft meinen theuersten Wünschen entsagen, und werde e« auch in diesem Falle klaglos thun." ,, . ,, „Würde es Dich denn so glücklich machen, mich mit ihm zu vereinigen?" stammelte Rafaele niederknieend und die geliebte Gestalt, die immer schattengleicher wurde, umschlingend- „Es würde mir insofern das Scheiden von der Welt erleichtern, weil ich Dich an seiner Seite wohl geborgen wüßte." „Aber ich liebe ihn nicht." „Mein Kind — dieses leidenschaftliche Aufflammen, welches Dich zwang, mir meine Einwilligung zu einer Verlobung mit Degenfeld abzuschmeicheln, wirst Du vielleicht nie wieder empfinden. — Und führte es Dich denn nicht irre? Die erste heiße Liebe ist ein Götterfunke, doch unsere Welt kein Olymp- Achtung und Bewunderung kannst Du doch Frank nicht ver- I QM „Genügt aber Das, um mich für meinen süßen, holden Traum einer überirdischen Wonne zu entschädigen? Wird er selbst zufrieden sein mit Dem, was ich ihm bieten kann? - Ach, es ist sehr, sehr wenig." v m Frau v. Waldau ergriff die Hände Ihrer Tochter: „Darf ich aus Deinen Worten entnehmen, daß Du seine Gattin werden willst?" _ „ , . ,. Rafaele schüttelte den Kopf- „Von Wollen kann da keine Rede sein, ebensowenig aber von einer entschiedenen Ablehnung, sobald ich weiß, daß meine Zustimmung Dir eine schwere Sorgenlast abnimmt?" r „Du bist jung, feurig, unerfahren. Ich fürchte für Dich. Nur wenn ich mein Theuerstes in sicherem Hort weiß, vermag ich dereinst ruhig die Augen zu schließen. Du liebst Frank nicht, wirst aber — dessen bin ich sicher — es lernen, Deine Stütze in ihm zu sehen. Du, die vom Sturm der Leidenschaft hin« und hergeriffen, wirst Dich endlich an ihn klammern, wie die schwache Epheuranke den Stamm der Rieseneiche umschlingt. Erich kann und darf Dir nichts mehr sein! — Oder besäßest Du so wenig Stolz, um —" „ , „Sprich nicht ans!" unterbrach Rafaele. „Fest glaubte \ ich an ihn, und hätte er mir ein Wort gesagt oder geschrieben, so roilrt wankellc stehe es mögen- that nie qualvoll Stunde um mid getrennt Ob ich kehren i beschreib und He! versproc lege mel „U haben!" Freude Soll ich „2 Di bemerkt« Diener: wartet, M Hand R beglücket Braut s demiffe, sammen einer Z W Es rief „E ruhig zi „E lich mac „I soll mid Zimmer zuhalten Freundr thümlich und hat bereitet Zeit gör von schr Er vielleicht sicht fas blick au beherrsd sinn rei; geffen? und dro sein Eio auf jede und sie Ein rul denkbar. Ra dunkelro Schreckt langen < letzten ( Blumen! und wa Der Gli war ges Einer, verzweif 475 so würde ich nie an ihm gezweifelt haben, so stände ich jetzt wankellos an seiner Seite und selbst Dein Wunsch — ich gestehe es — würde keinen Einfluß auf mich auszuüben vermögen- --Aber er schied, ohne sich zu vertheidigen, er that nichts, um mir in dem Kampf mit bangen Zweifeln, mit qualvollen Befürchtungen zu Hülfe zu kommen. Tag für Tag, Stunde für Stunde harrte ich — und nichts — nichts kam, um mich aufzurichten, um meinen Glauben zu stärken. Losgetrennt fühle ich mich von Allem, außer von Dir und Magda. Ob ich jemals vergeffen werde? Ich bezweifle es. Vielleicht kehren meine Gedanken immer wieder zu jenen Stunden unbeschreiblicher Seligkeit zurück — aber strenge Pflichterfüllung und Heilighalten des Namens, den ich künftig führen soll, sei versprochen. So verfüge denn über mich, theure Mutter. Ich lege mein Schicksal in Deine Hände." „Und Du wirst es niemals bereuen, so gehandelt zu haben!" rief die alte Dame, deren Antlitz ein Schimmer reinster Freude verklärte. „Frank ist hier und harrt der Entscheidung. Soll ich ihn rufen lassen ?" „Wie Du willst." Die feinen Lippen erblaßten doch, aber Frau v. Waldau bemerkte es nicht. Sie klingelte und befahl dem eintretenden Diener: „Bitten Sie Herrn Doctor Frank, der im Salon wartet, zu mir zu kommen." Mit schlichten, herzlichen Worten legte sie die kalte, weiße Hand Rafaelens in die des Eintretenden, der jubelnd eine hochbeglückende Zusage erhielt. Was kümmerte es ihn, daß die Braut so bleich und kühl wie ein Mondenstrahl war? Hindernisse, die unübersteiglich geschienen, lagen, in ein Nichts zusammen gebrochen, vor ihm, und er schritt über sie hinweg, einer Zukunft voll berauschender Wonne entgegen. Was er sagte, vernahm das Mädchen nur wie im Traum. Es rief kein Echo in ihrer Seele wach. „Einen Wunsch hege ich," bemerkte sie endlich, ihre Hand ruhig zurückziehend. „Er ist gewährt I Selbst das Unmögliche wollte ich möglich machen." „Ich verlange nur etwas leicht zu Erfüllendes. Magda soll mich später in das neue Heim begleiten." „Sie wird mir willkommen sein!" Rafaele glitt aus dem Zimmer. Frank machte erst eine Bewegung, wie um sie zurückzuhalten, unterließ es jedoch auf einen Wink seiner alten Freundin und auf ihre leise Mahnung: „Sie ist so eigen» thümlich, so ganz verschieden von anderen Altersgenosstnnen und hat das erste große Weh, von dem sie jäh und unvorbereitet getroffen wurde, noch nicht vergeffen. Man muß ihr Zeit gönnen, sich selbst wieder zu finden und sie wie eine von schwerer Krankheit langsam Genesende betrachten." Er neigte zustimmend den Kopf und trat ans Fenster, vielleicht um die Miene finsterer Unzufriedenheit, die fein Gesicht fast entstellte, zu verbergen. Hatte ihn im ersten Augenblick ausschließlich eine Empfindung schwindelnden Entzückens beherrscht, so stürmte jetzt ein Heer quälender, bis zum Wahnsinn reizender Gedanken auf ihn ein. „Sie hat nicht vergeffen? — Aber sie foll, muß und wird es!" hätte er laut und drohend ausrufen mögen. Schon betrachtete er sie als sein Eigenthum und fühlte, daß er auf jeden ihrer Gedanken, auf jede Regung ihrer Seele eifersüchtig sein würde, daß er und sie nur entweder glücklich ober elend werden konnten. Ein ruhig freundschaftliches Verhältniß war durchaus undenkbar. Rafaele schritt inzwischen unter dem schon gelb und dunkelroth gefärbten Laubdach dahin. Auch damals, als das Schreckliche, Unfaßliche vorfiel, bereitete die Natur sich zum langen Schlummer vor, rissen rauhe Stürme verheerend den letzten Schmuck von den Zweigen und wirbelten halbwelke Blumenblätter umher. Nur ein Jahr war seitdem verflossen, und was hatte sich in dieser kurzen Spanne Zeit zugetragen? Der Glaube an die Rechtschaffenheit eines heißgeliebten Mannes war gestorben, langsam mit tausend Schmerzen ringend, wie Einer, der nicht von dem Leben scheiden will, der sich mit verzweifelter Energie gegen die ewige Vernichtung sträubt und doch endlich unterliegen muß. — Und sie, die diesen hinsterben. den, mit jedem Tag, mit jeder Stunde schwächer werdenden Glauben mit ihrem eigenen Herzblut hätte nähren mögen, hatte ihn einsargen müssen, war jetzt Braut, ohne Liebe ober auch nur Sympathie zu empfinben, nnb meinte über ein großes Grab hinzugehen, in betn alle Lebenslust, alle Hoffnungen eingescharrt lagen, und das der Spätherbst mitleidig mit seinen letzten Gaben zudeckte. „Rafaele! — Um Gotteswillen, was ist geschehen? Wie siehst Du aus?" fragte Jemand neben ihr. — War es die Stimme des Gewissens? War es der warnende Ruf frevelhaft gebrochener Treue? — O nein! Wie doch die erregten Nerven ein armes Menschenkind, das mit sich selbst uneins geworden ist, martern können!--Magda, die sie vergebens im Hause gesucht, stand vor ihr und sah sie angstvoll forschend an. „Mir ist nichts geschehen, nichts! — Ein freudiges Er- eigniß muß ich Dir verkünden." „Sprich ruhig!" „Thue ich es denn nicht?" „Nein, nein! Mir ist, als würde ich Furchtbares hören." „Kleine Thörin! Dich beherrscht immer Deine krankhafte Einbildungskraft. Ist es etwa eine Unglücksbotschaft, wenn ich Dir sage, daß ich mich verlobte?" „Verlobt? — Du? — Mit wem?" „Mit Doctor Frank." Was für ein seltsames, schneidendes Gelächter klang an ihr Ohr? Erschrocken blickte sie sich um. Da lehnte Magda an dem von Epheu umzogenen Stamm einer uralten Buche und lachte — lachte, als hätte sie nie etwas Lustigeres vernommen, aber dabei strömten ihr die Thränen über das schmale Gesichtchen und die kleinen Hände ballten sich wie im Krampf. „Verlobt mit Frank? — — O, das ist ja sehr, sehr erfreulich! Du glückliche Braut! — Kaum ein Jahr ist es her, daß Erich geschieden! Wohl Denen, die sich so leicht und schnell zu trösten vermögen! Ich gratulire Dir! — Ja, gewiß, ich thue es, denn das Traurigste, was Jemand geschehen kann, ist: ein Herz zu besitzen." „Magda! Nichts Anderes hast Du mir zu sagen?" rief Rafaele bestürzt. „Nein, nichts Anderes." „Erich — o, Gott weiß, wie ich ihn liebte — war ja ein Unwürdiger." „Es mag fein — aber ich an Deiner Stelle würde es niemals geglaubt haben." „Alles spricht gegen ihn — und er selbst verteidigte sich nicht." „Vielleicht, well er erst mit Beweisen vor Dich hintreten wollte." „Warum willst Du neue Zweifel in mir erregen? — Die Würfel sind gefallen. Um der Mutter willen folge ich dem Ungeliebten." „Es ist bequem, wenn man die eigene Schwäche und Unbeständigkeit hinter der Maske edler Aufopferung verbergen kann." „Mein Himmel, ich erkenne Dich nicht wieder! Von Dir hoffte ich, ermuthigt und getröstet zu werden." „Du bist zu felbstständig, um des Trostes zu bedürfen." „Wie sehr Du mich verkennst! Das Erste, was ich von Frank erbat, war, Dich in das neue Heim mitnehmen zu dürfen." „Mich? — Ich folge Dir niemals!" „Magda!" „Nein, nein, nein!" Minutenlang stand Rafaele sprachlos vor ihr, dann ergriff sie die feinen, bebenden Hände. „Wirklich nicht?" „Nein! Und müßte ich zu Grunde gehen — Deine Schwelle überschreite ich nie!" Los riß sich die unbegreiflich Erregte und stürmte fort gleich einem verwundeten Thier, welches in das Dickicht hinein bricht. — (Fortsetzung folgt.) OenieinnÄtzrges. Wetfäiekenc Saucen zum Rindfleisch. Peter- silien-Sauce: Mehl wird hübsch braun geröstet und mit Fleischbrühe aufgefüllt. Petersilie wird fein geschnitten; bester ist's, man wiegt sie ganz fein. Die Petersilie muß einen Augenblick mit aufwallen. — Lauch-Sauce: Mehl wird mit Wasser glatt gerührt; ein Stück Butter dazu. Lauch ganz fein geschnitten und dazu gethan. Der Lauch muß aber eine volle Stunde mitkochen. — Schnittlauch.Sauce: Dieselbe wird wie die Petersilien-Sauce bereitet. — Die Hauptsache bei allen Saucen besteht darin, daß man das Mehl hübsch glatt rührt und keine Knöllchen entstehen läßt. * * * Recept zu einem guten Wachholderbeerwein. 5 Kilo gut zerstoßene Wachholderbeeren vermische man mit 5 Kilo Honig, dazu gibt man 50 Gramm Roggensauerteig oder auch Preßhefe und gießt 10 bis 12 Liter ziemlich warmes Wasser daran. Diese Mischung rührt man in einem Bottich eine Viertelstunde tüchtig durcheinander. Der Bottich wird nachher gut zugedeckt und in ein Local gebracht, welches auf mindestens 20 Grad Reaumur erwärmt werden kann. Diese hohe Temperatur ist nothwendig, um eine ziemlich rasch verlaufende Gährung zu veranlassen. Es bildet sich an der Ober- fläche während der Gährung eine krustenartige Decke, die sich am Ende derselben vertheilt, auch erkennt man am Klarwerden der Flüssigkeit die Beendigung der Gährung. Sobald man dies wahrgenommen, zieht man den Wein zur Nachgährung von den Trebern in ein Fäßchen. Jetzt genügt die gewöhnliche Kellertemperatur (etwa 12 bis 15 Grad Reaum.). Nach weiteren sechs bis acht Wochen wird der Wein zum zweiten Male abgelaffen und gut verspundet. Nachdem er ungefähr ein Jahr im Faß gelegen, kann er in Flaschen abgezogen werden, die bis zum Gebrauch beliebig lang aufbewahrt werden können. Dieser Wein ist ein äußerst angenehmes Getränk. * * • Vorsicht bei Anwendung von Carbvl. Eine Dame in der oberschlesischen Industriestadt K. riß sich den Daumen der rechten Hand an einem Nagel blutig und verband die verletzte Stelle, um Blutvergiftung zu vermeiden, mit Carbol- wasser. Diese Manipulation setzte sie fort, bis die Wunde ge- heilt war, mußte aber zu ihrem größten Erstaunen merken, wie sich Schmerzen einstellten, die immer größer wurden und selbst den eifrigst angelegten Umschlägen mit dem Hellwaffer Trotz boten. Zufällig 'kam der Sohn der Kranken, welcher als Lazarethgehtlfe beim Militär steht, auf Urlaub nach Hause und dirigirte seine Mutter schleunigst zu einem Arzte. Hier erfuhr die Kranke den Grund der immer heftiger werdenden Schmerzen — es war bereits das erste Stadium des trockenen Brandes eingetreten. Während der nächsten Tage schwebte das Damoklesschwert einer Operation über dem Daumen, bis es endlich gelang, neues Leben in dem Finger zu erwecken. Mit dem Vorsatz, nie wieder selbst Arzt spielen zu wollen, verließ die Dame mit Ausdrücken des Dankes das Consul- tationszimmer. Und die Lehre aus diesem Vorkommniß? Große Vorsicht bei Anwendung des Carbolwassers ohne Einholuna ärztlichen Raths. ♦ » ♦ Rationelles Waschen wollener Sachen. Bei dem Waschen wollener Sachen werden bekanntlich in allen Haushaltungen oft sehr üble Erfahrungen gemacht, indem die wollenen Stoffe durch das Waschen filzig werden, zusammen- schrumpfen, Farbe und Fason verlieren u. s. w. Die Mein« ungen über die beste Waschmethode wollener Sachen sind daher sehr verschieden und noch nicht eine Methode ist gefunden, die allen Anforderungen entspricht. Recht empfehlenswerth ist folgendes Verfahren, auf welches wir Haushaltungen, Wasch- anstalten u. s. w. aufmerksam machen. 1) Stets muß die zum Syaschen benutzte Laugenflüssigkeit sehr heiß sein. 2) Um Schweiß und Schmutz vollständig aus wollenen Sachen, namentlich aus Unterjacken, zu entfernen, nimmt man Seifenlösung, der man etwas Salmiakgeist hinzurührt. 3) Zur Bleiche weißer Wollsachen ist zweckmäßig eine mit Borax versetzte heiße Seifenlösung. 4) Um das Einlaufen der Wäschegegenstände zu vermeiden, müssen dieselben möglichst schnell und zu wiederholten Malen zwischen weichen Rolltüchern trocken gedrückt werden. Nie sind wollene Sachen in der Sonne zu trocknen, sonst werden sie dicht und hart; am vortheilhaftesten trocknet man sie in mäßigem Luftzug oder, besonders im Winter, in nicht unmittet» barer Nähe des Ofens. N. d. L. si. » Wie macht man ein gutes Fleckwasier? Nehme vier Eßlöffel voll starken Salmiakgeist und einen Eßlöffel voll Salz, schüttele das Ganze in einem Glase tüchtig durcheinander und wende es mit einem Schwamme oder wollenen Läppchen an. Mit dieser Flüssigkeit kann man alle Fett- oder Oel» flecken u. s. w. auswaschen. Flecken von Harz oder Theer auf Tuch müssen erst durch ein wenig Butter erweicht werden. Vermischtes. Zuverlässig. Karlchen kommt aus der Schule nach Hause und erklärt auf Befragen, daß der Lehrer sie über Columbus unterrichtet habe. — „Wer war den Columbus?" examinirt ihn der Vater. — Karlchen wird roth und schweigt verlegen. — Der Vater geräth in Hitze und schreit: „Schafr- kopf, wer hat denn Amerika entdeckt?" — Karlchen (in Weinen ausbrechend): „Ich nicht, Papa!" ♦ ♦ * Falsch aufgefaßt. Fräulein (zu ihrem Clavierlehrer): „Nicht wahr, der Componist dieser Sonate ist ein fürchterlich eiteler Mensch?» - Lehrer: „Warum?" - Fräulein: „Nun, er weiß doch nicht, ob die Sonate gefallen wird, und doch schreibt er an ein paar Stellen ganz trotzig hin „Da capo“ I" • » * Sonderbare Bezeichnung. Reisender (beim Bezahlen eines Diners aus einem Ueberfahrtdampfer): „Donnerwetter, ist der Ocean aber ein theueres Pflaster!" ♦ ♦ • Zerstreut. Professor: „Himmel, meine goldene Dose ist mir aus der Tasche gestohlen worden!» — Herr: „Nicht möglich! Haben Sie denn keine Hand in der Tasche gespürt?" — Professor: „Das wohl, aber ich glaubte, es wäre meine eigene!" * * Hänschen und die Mama. Hänschen hat in feiner Klasse einen neuen jungen Lehrer bekommen. Die Mama ist Wittwe und fragt nach ihm: „Hat er Locken?" - „Nein, ^ai?Q- V" * glatte Haare? Wie trägt er den Scheitel? In der Mitte?" — „Nein." — „Links oder rechts?" - „Nein " — „Kämmt er die Haare gerade hoch?" — „Nein." - „Bengel, Du bist wohl tückisch." (Hänschen bekommt Prügel.) „Nun, wie trägt er die Haare?" — Der Bube heulend: „Er hat gar keine, blos hinten ein paar." • # • Amerikanisch. Ein alter Freund aus dem Westen besuchte einen Redacteur in Philadelphia und erzählte ihm, daß er „drüben" eine Zeitung gekauft habe. - „Ist sie gut ausgestattet?" fragte der Redacteur. — „Das wollte ich meinen!" entgegnete selbstgefällig der Hinterwäldler. „Wir haben drei Revolver im Redacttonszimmer, siebzehn Mnchester» Repetir-Gewehre im Setzersaale und zwei Gatling-Kanonen am Eingänge." Redaction: I. V.: Hermann Elle. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Unt Ton, i Aber ! nach un Fr entgegen II * Si zugefügt „T beseitige nicht en „I mich nu ,.a „3 „G ich Ihr „a Lo verlöret nach, g und fan den Ko; trotzige: so anmt kühn gk plötzlich ihren 9 machte .,a Freund fragte । c HX R „S c Hx