en. (Nach- Bonbonniere > solchen bei eben, wenig selbst nicht. Soldaten, ist ie Legitima« ) die schärfste ;ut sind. — bender Hum« — Je weni« Diejenigen, enschen nackt >en läßt, hat ier und nicht ; der edelste ßtsein seiner leit, daß sie iebt. Daher schr Carriere. sich zu Allem rrdacht einer in Aristokrat bet hat, daß ie sein Leben !S Zinsfüße». Aufschneider — Auch der ich Roth hat, altegyptische dil als noth« sser verehrte, des goldenen uff. — Ren« d ersetzt alle 'N Eberkopfer es Künstlers, während der hlt. — Ein )arum Hausen es Tages bei iffe: „An den hier nicht," ' Der Herr und schreibt meister zuzu- t zum andern der Student, r Herr wor'n :l, ich möchte — Feldwebel ir sein, mein so was . . - kleines GänS« sie kannst Du so lange in - zum Gieüenrv Anzeigrv (Genrval-An.Mgev) Samstag, den 10. Juni. M 1893. 5^3 ^S! 'Z^WW Verschlungene Pfade. Roman von Max Hochberg. (Fortsetzung). dann nehmen Sie Ihren guten Ruf aus Freund, schäft für mich in Acht," erwiderte der Maler. „Mich würde es schwer betrüben, wäre ich direct oder indirect die Veran. laffung, daß auch nur der leiseste Schatten auf Sie siele." . Der Ernst seiner Worte wirkte für den Augenblick. Sie senkte schuldbewußt den Kopf. „Ich würde nicht darauf ge- fiTS Ä @renier«im ?lelier aufzusuchen, hätten Sie s?ch Wbia“ M te** u»d ”1“W "'b--.- er mit „Ach, dummes Zeugt» Sie lachte kurz auf. „Ich dachte, m °Sen ^no be-n Nachmittag zu uns kommen. Ich wollte Ihnen blos die Leviten verlesen, weil Sie nicht mit mir getanzt haben und mit einem Mal verduftet waren, wie der US ""Märchen! Aber nun hören Sie die allerneueste Neuigkeit. Sie sind's gar nicht werth, daß Sie sie aus erster 2"/?° erfahren, aber das schadet nicht. Ich will Ihnen die Geschichte ganz ausführlich berichten, ehe ich mich von der Mama Huhn abführen lasse. Ich bin neugierig, was Sie dazu sagen; ich finde es nämlich schrecklich komisch Mama wollte mit mir zu der „Frau Herzogin"." „Schon wieder boshaft!" ^Müssen Sie mich denn immer schelten? Ich bin schon mir üÄÄaCe und unmöglichen Bosheiten, die toBer fÄ9e" könnten, gar nicht mehr ich ick smn^-?!^/rch kaum noch zu reden. Es ist schänd. Oh hSribS hn S!ent mu61 man jämmerlich unterdrücken. Oti hornble. hornble, most horrible! Sehen Sie, mit ^brer gebrackt ^Um ^abetn ?ie mich blos aus dem Concept ffÄ gSr a" faIn: Mama war mit mir Visite ^ir wurden tn den Salon geführt. Frau von Malten begrüßte uns, Leonie war nicht sichtbar! Aber nebenan wurde gesprochen! Frau von Malten schien in gelinder Er- regung, ihre Fragen und Antworten bäuchten mir arg zerstreut und ihre Aufmerksamkeit ließ viel zu wüniiben ührio Miv wart, «Mo* fie auf bas. maataSSmmet träte ®I«ma mußt, das auch empfiuden, benn [ie erhob sich sebrtlb und wollte sich empfehlen. Wir glaubten, wir seien zu unae« egener Zeit eingetroffen, dann beschränkt man bett Besuch gern auf b,e für* Frist, »och grau vou Wt« S J* bte Damen müssen noch bleiben! Ich lasse Sie noch nicht fort! Sie bereiten mir bie größte Freube durch Ihren Besuch!" Und mit gewinnender Liebenswürdigkeit faßte sie Mamas Hand, ’V# 8J?eut Mama setzte sich auch natürlich auf Durchlaucht Befehl richtig wieder hin." „Asta, Asta!" Der Maler drohte mit dem Finger. „Da wird die Flügelthür aufgestoßen — jetzt kommt das Beste, nun passen Sie auf! — Leonie erscheint auf der Schwelle und hinter ihr der Oberst Strehlen. Er ist weitläufig mit uns verwandt das wissen Sie, nicht wahr? Ich nenne ihn Onkel; eigentlich ist er nur Mamas Vetter. Folgt allgemeine Begrüßungsscene. Dann fange ich einen fragenden Blick Frau von Maltens auf. Leonie blickt mit den Augen eine Bejahung, sie hat sprechende Augen, und sagt dann plötzlich: „Unsere lieben Verwandten dürfen sofort an unserer Freude theilnehmen. Wo fänden wir Herzen, die uns wärmer entgegenschlagen" und so weiter und so weiter. Ich war ganz verblüfftl Sie hat sich mit ihm verlobt und Onkel Strehlen ist doch ein Fünfziger. Dreiundfünfzig, hat Mama unterwegs ausgerechnet. — Herr Werner, lieber Herr Werner - was ist Ihnen? Was haben Sie? Stnd Sie krank?" Sie war vor Schreck über bie jähe Veränderung, die in seinen Zugen vorgegangen, selbst kreideweiß geworden. „Nichts, es ist nichts! Es geht vorüber," erwiderte er tonlos. Er stützte sich schwer auf den Stuhl, bei dem erstand, und schloß die Augen. _ "Liebster Herr Werner, habe ich Ihnen wehgethan?" stammelte Asta. Bestürzt und teilnahmsvoll griff sie nach der schlaff herabhängenden Rechten und preßte sie an ihr Herz. Die heißen Thränen, die auf seine Hand fielen, ließen ihn aufsehen. „Nicht doch, Kind!" Er lächelte wehmüthig und zog dann plötzlich den Blondkopf an sich, leise ihr Haar und ihre Stirn mit den Lippen berührend. „Ich werde jetzt die Castellanin holen und Sie gehen hübsch folgsam mit der alten Frau durch den Garten. Ich werde ihr einschärfen, sie soll erst zur Pforte hinauslugen, ob in der Gartenstraße auch keine Leute sind, von denen Sie nicht gesehen werden dürfen." „Ja, Herr Werner," flüsterte sie verschüchtert und dernüthig wie ein Kind, das Unheil angerichtet hat, ohne es zu wollen. * ♦ ♦ In der maurischen Villa gegenüber dem Prästdentenpark herrschte geschäftiges Treiben. Die jungen Maltens gaben bie erste große Gesellschaft nach ihrer Rückkunft von ber Hochzeitsreise. Asta fuhr gleich nach Tisch zu ihrer Schwester hinüber. 266 und wußte, Erna hatte Aerger gehabt und schluckte ihren Zorn hinunter, für den unfehlbar die arme Minna der Blitzableiter fein mußte. Sie wollte den Schwager schnell aus dem Zimmer haben, um der Jungfer genügend Zeit für das Ordnen des Haares zu gewinnen. „Schwager Hans," hob sie an, „ein armer Mann wartet draußen I Er hat ein Anliegen und ist schon zu verschiedenen Malen dagewesen. Laß ihn nicht abweisen I Es sieht sonderbar aus, kommt Jemand und er steht frierend und wartend in der Vorhalle!" Ein böses Zucken flog um Hans von Maltens Mund- Er verließ das Zimmer, etwas von Bettelei und unnützer Schererei vor sich hin grollend. „Was hat Schwager Hans?" „Nichts von Bedeutung, Kleine!" Erna legte den Finger auf den electrischen Telegraphen, die Jungfer herbeizurufen. „Entschuldige Asta, ich muß mich beeilen, Minna ist ge- wöhnlich gerade dann langsam und ungeschickt, wenn es schnell gehen soll. Du bist wohl so freundlich und machst gleich em- mal die Runde durch Saal und Zimmer." Sie wollte es der Schwester nicht merken taffen, daß ihr Honigmonat schon vor- junge Schwägerin. , Asta hatte nur einen Blick auf ihre Schwester geworfen über. , . . Asta entfernte sich mit einem Achselzucken und einem bedauernden Blick auf die Jungfer. Musternd durchwanderte sie die elegant ausgestatteten Räume. Es gab nicht viel zu ändern, hier und dort eine Kleinigkeit, eine Statuette, die sich aus dem Grün wirksamer abhob, eine seltene Pflanze, die besser zur Geltung gebracht werden könnte. So gelangte sie bi» in ein Zimmer, an welches sich das Arbeitsgemach ihres Schwagers kann Sie unmöglich heute und morgen befriedigen!" hörte sie ihren Schwager sprechen. „Sie müssen sich unbedingt gedulden, Herr Wiesel. Ihr Geld ist doch nicht verloren; ich feilsche ja nicht um die Procente, für die Sie es thun! Ich kann mich nicht gleich in den Flitterwochen mit meiner Frau auf Kriegsfuß stellen. Sie müssen doch ein Einsehen haben! Der unangenehme Besucher lachte gezwungen. „Sie scherzen, Herr von Malten! Sind Sie doch bereits volle sechs Wochen verheiratet. Es ist mir doch nicht um die Procente! Ich komme in Ihrem eigensten Interesse, die Sache in Ord- nunq zu bringen. Als ob mir das Geld jetzt bei Ihnen nicht ftdier genug wäre. Ich bin gut unterrichtet und weiß recht wohl, was für vermögender Leute Kind die gnädige Frau Ge- mahlin ist. Sind doch nur ihrer Zwei in der Familie! Ist nicht jedes unter Brüdern seine 200,000 in Thalern werth? - Habe ich mich denn gescheut, Ihnen Summen vorzustrecken, dä Sie keinerlei Aussichten hatten, zur Zeit, als keiner der großen Bankiers am Ort zehn Goldstücke au Ihren Namen risküt hätte? That ich's etwa^aus „Speculation? - Helf n wollte ich Ihnen aus purer Gutmütigkeit. Was hat ein Oisizier ohne Mittel? Ein nobles Elend — kann Einem in der Seele leid thun! - Ich will Sie nicht drängen, Herr von Malten, was denken Sie von mir! Ich will kein Geld per sofort, nur die kleine Unterschrift der gnädigen Frau, daß sie mit gutstehen will dafür. Die alten Schuldverschreibungen habe ich gleich mitgebracht, ich bin ein vorsorglicher Mann, dazu das Formular, um den neuen Schein auszustellen. Bitten Sie die gnädige Frau Gemahlin, sie möge so gut sein unv unter^tchnen-rbelte ^opf von dem Gehörten. Sie floh aus dem Zimmer und hörte den guten Rath nicht mehr, welchen Arnold Wiesel ihrem zögernden Schwager erteilte, die „zig von den fünfzigtausend Mark zu verschlucken und in der Schr st Raum zu lassen, sie nachher ganz fein einzufugen, Alles nur damit die gnädige Frau in den Flitterwochen k^nen zu großen Schreck bekäme. Vielleicht würde sie sich der Bagatelle Halver gar nicht die Mühe nehmen, genau hinzusehen. Hans von Malten begab sich mit dem PapiernachErna ■ Zimmer. Asta traf er im Salon, sie stellte eine Blattpflanzen gruppe um- Er hieß seine Frau das Mädchen Hinausschi Sie waren allein- bis sie eingetreten war. , \ Sie schaute durch die broncevergitterte obere Glashalfte der Thür nach ihm zurück. Die stechenden hellblauen Augen folgten ihr. Es berührte sie unangenehm- „August, was will der Mann?" fragte sie den Burschen ihres Schwagers, der hinter ihr die Thür einklinkte. „Hat er em Anliegen? „Bettelei, gnädiges Fräulein, nichts als Bettelei I Er war I schon öfter da, um den gnädigen Herrn zu sprechen. Erst waren der Herr Lieutenant verreist und dann waren der Herr Lieu- tenant nicht zu Hause und dann wollten der Herr Lieutenant nicht zu Hause sein. Ich habe ihm schon steigt, heute wäre nicht daran zu denken, wir hätten große „Fäte (so hatte sich die Jungfer vornehm ausgedrückt), er solle einen andern Tag wiederkommen." „Schon gut, August!" Sie schritt weiter. Freudig grinsend schaute ihr der Bursche Er war durch die lange Unterhaltung mit dem gnädigen Fräulem in seiner Selbstachtung gestiegen, und Minna sollte es ihm nur noch einmal anzuhören geben, er könnte nicht zehn Worte her I vorbringen, ohne eine Dummheit zu sagen- , Asta ließ im Vorzimmer den weichen, warmen Mantel von den Schultern gleiten. Minna zupfte ihr Spitzen und Bänder zurecht, die sich bei der Fahrt gedrückt- „Das gnädige Fräu- lein sehen entzückend aus," schmeichelte sie dabei. „Wenn nur die gnädige Frau bald mit der Toilette ansangen wollten- Sie sprechen noch mit dem gnädigen Herrn. Nachher muß Alles fliegen und sitzt es nicht gleich, wie es soll, werden die gnädige ^““„sTroerbe treiben," versicherte Asta. Sie eilte durch die Gemächer zum Boudoir ihrer Schwester und ließ sich nicht ] Hans?onÄa?ten stand am Schreibtisch und zwar so, daß er der Eintretenden den Rücken zukehrte und sie nicht wahr« nehmen konnte. Das Geräusch war ihm entgangen, weil er mit der Linken auf der Tischplatte trommelte. „Geh nicht zu weit, Erna, ich warne Dich," sprach er. Es klang eigenthirrn- ^Erna^war^am Fenster damit beschäftigt, einer frühzeitigen gefüllten Hyacinthe eine Blüthe nach der andern abzukneifen. Die Erde des Topfes war bereits weiß überdeckt und der Stengel seines duftenden Schmucks zur Hälfte beraubt- Sie wandte sich um: „Ah, da ist mein Schwesterchen I Bist hübsch zeitig eingetroffen! Das hast Du recht gemacht, Kind. Doch stimmten die freundlichen Worte fchlecht zu der finsteren Miene. Auch Hans versuchte heiter und unbefangen zu erscheinen und bewillkommnete mit ein paar freundlichen Redensarten die Erna hatte sie darum gebeten. Das enfant temble wm Bei gewissen Gelegenheiten sehr brauchbar; sie hatte künstlerischen Geschmack und wußte hier und da einen Wink zu geben, besonders in Toilettensachen, der nicht zu verachten war. Asta stieg vorsichtig aus dem Wagen und raffte das Spitzenkleid zu- sammem^ fi(e-b |W bo$ nicht auf, Johann?" erkundigte sie sich mit geheuchelter Aengstlichkeit- r, , .... „Nein, gnädiges Fräulein können unbesorgt sein, bemühte sich der Alte, sie zu beruhigen. v , „Gewiß?" Damit war sie dem schützenden Schirm ent« schlüpft und lief schon durch den Vorgarten- Johann setzte pflichtgetreu die alten Beine m schnelle Bewegung und keuchte hinterdrein. „ ... „Sie hätten sich den Schnelltrab sparen können, lachte sie ihn aus- „Kommen Sie ja nicht zu früh mich abholen und vergessen Sie die Pelzgefütterten nicht." Sie nickte ihm ein Adieu zu und sah befremdet auf einen in der überdeckten Halle vor der Hausthür wartenden Mann in schäbiger Kleidung- Er stampste noch den Schnee von den Füßen und schlug ihn mit dem rothgewürfelten Taschentuch von Schulter und Arm herunter- Bei ihrem Näherkommen zog er den bereits abgestäubten Hut bis zum Knie, sich nef verbeugend und in dieser unterwürfigen Stellung verharrend, „L an Dich „L angelegen wahrhaf dern- 5 Handschi aber lies hättest 3 zu dem, Dann kc Bankier „W „und glo wie Du Anna ei Geldes z willst, w „W kann's, Strehlen die Mali Ein Spr „Ke darfst 5D: die gerin in welche „W „Ft der Kehl „M „D> „Die Sn sicher ge! Sie den Sche nehmbar Har über's I Vierundf wollen! ! Vor Elsa von mit dem kehrte sic „Di „Gerade »Ni schnippisc t "S- bringe m Der seines M und beeil Sie sich halb reist?" fi »Jv Italien c „As „Si men für ist ein p: „Sc wenigsten die junge Trumpf Der mein Fr - 267 - „Liebste Erna," begann er stockend, „ich hätte eine Bitte an Dich. Es ist mir sehr fatal, Dir gerade heute —" „Wenn Du „liebste" sagst, betrifft es natürlich eine Geld« angelegenheit," unterbrach sie ihn schneidend. „Ich glaube wahrhaftig, Du hast mich nur geheirathet, um mich auszuplün- dern. Deine Equipirung war brillant! Dutzendweise waren Handschuhe und Alles auf's Feinste vertreten — hinterher aber liefe« die Rechnungen ein. Einige kleine Bummelschulden hättest Du zu berichten! — Dreißigtausend Mark ließ ich Dir zu dem Zwecke auszahlen und meinte, nun wären sie abgethan. Dann kamst Du mit neuen Forderungen! Ich fuhr selbst beim Bankier vor und beglich Alles." „Well Du voll Mißtrauen wärest," fuhr Hans wild auf, „und glaubtest, ich wollte das Geld für andere Zwecke erpreflen, wie Du Dich ausdrücktest. Das versichere ich Dir, ist Tante Anna einst nicht mehr, erhälst Du jeden Groschen Deines Geldes zurück! Wenn Du für die Lumperei nicht aufkommen willst, werden sich Andere dazu finden." „Wohl Deine schöne Coufine?" höhnte sie. „Freilich, die kann's, das läßt man sich gefallen, heirathet den steinreichen Strehlen, den reichsten Mann aus unserer Familie. Es scheint, die Maltens gehen nach Geld, wie die Marder nach Federvieh. Ein Sprung, und sie sitzen blutsaugend an der Kehle!" „Kein Wort über Leonore!" brauste Hans auf. „Mir darfst Du viel bieten, aber was sie anbelangt, dulde ich nicht die geringste refpectlofe Aeußerung. Sie ist selbstlos und edel, in welchem Maße, kann ich erst jetzt beurtheilen!" „Wie viel beträgt die „Lumperei"?" unterbrach sie ihn. „Fünftausend Mark." Die Lüge blieb ihm zur Hälfte in der Kehle stecken. „Muß das sofort sein?" „Du brauchst nur zu unterzeichnen," entgegnete er hastig. „Die Summe ist erst in Monaten fällig. Er wollte nur über- sicher gehen." Sie ging zum Schreibtisch und setzte ihren Namen auf den Schein. „Walther von Habenichts," zischte sie halb vernehmbar dabei. Hans von Malten ballte die Faust nach rückwärts. Bis über's Jahr war es eine lange Frist; Tante Anna hatte ihre Vierundsiebzig auf dem Rücken; sie konnte doch nicht ewig leben wollen! Aufathmend verließ er das Gemach. Vor dem großen Spiegel im Ankleidezimmer paradirte Elsa von Toffsky. Sie bog sich dicht zum Glase und betupfte mit dem Spitzentuche ihre Wangen. „Annette!" Ihre Schwester kehrte sich nach ihr um. „Der Puder liegt doch nicht zu dick?" raunte sie ihr zu. „Gerade heute bin ich außergewöhnlich roth." „Richt mehr als immer!" antwortete die jüngere Toffsky schnippisch. „Schau' zu, ob Herr von Götz schon im Saal ist und bringe mir Bescheid," befahl Elsa. Der, den sie erwähnte, kam eben. Er entledigte sich rasch seines Mantels, begrüßte den Oberstlieutenant mit seinen Damen und beeilte sich, Fräulein Elsa in den Saal zu führen. Sie erkundigte sich nach so vielen gleichgiltigen Dingen, sich halb selbst beantwortend. „Ist Herr Werner wirklich verreist? fragte sie plötzlich ganz unvermittelt. „Ja, gnädiges Fräulein, er ist für den Winter nach Italien gegangen." „Asta von Schönholz wird ihn recht sehr vermissen." „Sicher," pflichtete er ihr bei, „sie ist ungemein eingenommen für ihren Lehrer. Verdenke ihr das nicht. Paul Werner ist ein prächtiger Mensch!" „So," sagte Elsa gedehnt- „Run, dann werden Sie wenigstens nichts dabei finden, wenn dieser prächtige Mensch die junge Dame in seinem Atelier empfängt," spielte sie ihren Trumpf aus. Der Lieutenant ließ Elsas Arm fallen. „Paul Werner ist mein Freund," entgegnete er, „und Fräulein von Schönholz steht in meinen Augen viel zu hoch, als daß ich ein Wort zu ihrer Vertheidigung verlieren sollte. Er verbeugte sich kurz und trat zurück. „Rein, bitte, Herr von Götz, Sie dürfen es mir nicht falsch auslegen! Ich meine es wirklich gut mit Fräulein von Schönholz." Ihre Stimme war bei den letzten Worte» zum Flüsterton herabgesunken. „Eben deshalb bin ich so außer mir, daß die Siebzehnjährige, dies halbe Kind, sich derartig com- promittiren konnte." „Eine Verleumdung ist leicht erfunden und wohlfeil nachzusprechen," sagte er mit Schärfe. „Es ist die reinste Wahrheit, Herr von Götz," vertheidigte sie sich. „Wir sahen sie mit eigenen Augen, Annette und ich, in das Stiftsgebäude hineingehen. Meine Schwester wird es Ihnen bezeugen." „Dort wohnen mehr Leute, Geheimrath Sperling, die alte Castellanin und — und —" Götz wußte keine Namen weiter anzuführen. „Und wir sahen Asta bei Herrn Werner," ergänzte Elsa, „denn es ist das Atelier, von dem drei Fenster verhängt sind. Sie kamen übrigens auch kurze Zeit darauf, grüßten uns und gingen dann ins frühere Schloß. An einem Donnerstag war es, besinnen Sie sich nur, dem vor der Verlobung Fräulein von Maltens. Es war ..." „Mithin hätte ich die Dame dort antreffen müssen," unterbrach er sie eilig. „Unmöglich, Herr von Götz," setzte sie ihm auseinander, „gleich nachdem Sie unseren Blicken entschwunden waren, wurde Asta für uns sichtbar. Sie stand am vorletzten Fenster. Ihr tiefgrünes Straßencostüm, Hut, Muff, Jacke und Kleid vom selben Stoff und mit Silberfuchsverbrämung, hob sich scharf von dem gelbrothen Vorhang ab. Wir beobachteten sie eine ganze Welle. Sie schaute in all' der Zeit nicht ein einziges Mal nach der Straße hinaus." Das Wort Muff wirkte auf den Lieutenant geradezu lähmend: tiefgrün mit Silberfuchsverbrämung. Alles stimmte nur zu gut. Was Fräulein von Toffsky nach der Beschreibung des Straßencostüms noch zu ihm sprach, hörte er nur ungenau. Er empfahl sich, sobald es thunlich war, und stürzte zum Buffet, um seinen auflodernden Zorn durch ein paar Glas Wein hinunter zu spülen. Hatte Elsa von Toffsky gehofft, ihn durch ihre interessanten Mittheilungen für den Abend an sich zu fesseln und Asta dadurch ins Herz zu treffen, war sie arg im Jrrthum gewesen; in anderer Hinsicht aber wurden ihre Erwartungen nicht getäuscht, und sie zischelte ihrer Schwester frohlockend zu: „Siehst Du wohl, wie er sie schneidet und wie furchtbar sie sich darüber ärgert?" In der That, Heinz von Götz vermied es geflissentlich, in Astas Nähe zu kommen. Sie hatte bei ihrer Schwester gestanden, als er diese begrüßte. Sein Blick war über Asta hinweg geglitten mit jenem tobten Ausdruck, mit dem man in die leere Luft sieht- Im Augenblick war es ihr nicht aufgefallen, daß er keine directe Anrede für sie gehabt, weil Andere hinzudrängten. Ihre Aufmerksamkeit war überdies durch Herrn Fernow in Anspruch genommen, der ihr ein Compliment über ihre Haltung beim Lenken der Pferde, sie hatte es letzthin durchaus lernen wollen, machte. Der Gedanke, Götz könne sie absichtlich ignorirt haben, lag ihr völlig fern. Sie wartete voll Ungeduld auf ihn. Seinetwegen zumeist hatte sie sich auf die Gesellschaft gefreut. Werner fehlte ihr. Sie war durch seine Abreise in ihren liebsten Gewohnheiten gestört worden. Sie vermißte die harmlosen Plauderstunden mit ihrer mannigfachen Anregung und die zeitweiligen Strafpredigten, welche ihr immer so viel heimlichen Spaß gemacht hatten. Sie fühlte das Bedürfniß, wenigstens von ihm zu spreche«, da sie seinen Umgang entbehren mußte. Zu Mechthild von Hagedorn und Annette von Toffsky nannte sie seinen Namen nicht mehr; hatten doch die nüchternen, prosaischen Freundinnen ihre Schwärmereien für Werner überspannt und sein Lob überschwänglich gesunden. Zu Erna durfte sie ihn gleich garnicht erwähnen. In Herrn von Götz aber hatte sie zu ihrer aufrichtigen Freude einen aufrichtigen Bewunderer ihres Herrn und Meisters gefunden und das hatte ihn ihr sofort sympathisch gemacht. Sie wollte ihm erzählen, was ihr der Maler aus Mailand geschrieben, und nun widmete er sich beständig einer der reiferen jungen Damen. Ihre Ungeduld verwandelte sich allmählich in Zorn. Die prachtvollen Toiletten, Onkel Strehlens Braut erregte förmlich Sensation, vermochten sie heute nicht zu interessiren. Tausend Kleinigkeiten, die zu anderer Zeit ihre Spottlust herausgefordert hätten und mit denen sie die jüngste Jugend zu electrisiren pflegte, entgingen ihrem dafür geschärften Beobachtungsvermögen. Sie antwortete auf Elsa von Toffskys hämische Bemerkung, warum sie heute so still sei, kein Wort und litt es geduldig, daß Annette ihr immer von Neuem ihre Courmacher aufzählte. Ein Gefühl trostloser Verlassen« heit kam über sie. Sie wäre am liebsten davon gelaufen, sich in einem stillen Winkel auszuweinen. Sie schaute sich um. Alle, die sie umgaben, waren heiter und vergnügt. Schwager Hans war lebhaft und witzig, manchmal beinahe ausgelassen lustig. Auf Ernas Lippen wohnte ein verbindlich liebenswürdiges Lächeln. Sie kam ihren Pflichten als Wirthin mit der größten Anmuth nach- Die Geldgeschichte mit dem fremden Mann konnte nicht schlimm abgelaufen sein. Onkel Strehlen war lebhaft und beredt. Er erging sich in glänzenden Schilderungen seines italienischen Aufenthalts und sprach mit dem Feuer eines Jünglings. Seine Lebendigkeit täuschte über sein Alter hinweg. Leonie strahlte in stolzer Schönheit. (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Gegen das Rauchen der Lampe«. Das lästige Rauchen von Petroleumlampen, sowie das damit verbundene Verkohlen der Dochte kann dadurch vermieden werden, daß man letztere vor dem Gebrauche in möglichst starkem Essig einweicht und nachdem sie wieder trocken geworden, in die Lampe einzieht. Durch dieses einfache^Verfahren wird das Rauchen und Dunsten beseitigt. * ♦ * Mittel gegen Nasenbluten. Das von Nasenbluten befallene Individuum athmet bei festgeschloffenem Munde durch die Nase tief ein, schließt sodann mittels der Finger die Nase fest und athmet durch den nunmehr geöffneten Mund aus. Die atmosphärische, durch die Nase eingeathmete Luft bringt bekanntlich das Blut in der Nase zum Gerinnen, die auf 38° R. geheizte Lungenluft würde die Gerinnung wieder beseitigen, wenn sie nicht durch den Mund entfernt würde. Probiren! * Wenn Gesundheit im Hühnerhof herrschen soll, ist folgendes nöthig. Reine Luft und pünktlichste Reinlichkeit in den Stallungen, Schutz vor Näffe, gutes Trink- waffer und richtige Abwechslung von Weichfutter und Körnern, sowie von Zeit zu Zeit Umgraben des Auslaufs und Beschotterung desselben mit frischem Sand und Kies; letzteres unumgänglich nothwendig bei beschränkten^ Räumlichkeiten! Bei Einrichtung eines Taubeubodeus sind alle außen an den Gebäuden angebrachten einzelnen Nistkästchen, ebenso die freistehenden Taubenhäuser zu verwerfen. Auch einen gewöhnlichen Haus-, Scheunen- oder Stallboden kann man nicht empfehlen. Als der zweckmäßigste Raum für einen Taubenschlag kann in erster Linie nur der auf dem südlichen Giebel befindliche Teil eines über einem alleinstehenden Stallgebäude gelegenen, zur Aufbewahrung von Rauhfutter dienenden Bodenraums bezeichnet werden. Vom Innern des Stallgebäudes wird ohne Schwierigkeiten ein besonderer Zugang durch eine kleine Thüre und Treppe herzustellen sein. Einen Tauben- 268 schlag für mehr als 50 Tauben einzurichten, ist nicht anzü- rathen, da hierdurch die Aufsicht, Abwartung und Pflege sehr erschwert wird. Vermischtes. Woher der Name Backfisch kommt- Unsere niedlichen aufkeimenden Mädchen werden nicht selten mit dem Worte Backfisch bezeichnet. Diese Bezeichnung stammt aus den ostdeutschen Küstenländern. Die dortigen Fischer versenden die Fische nach den Hauptstädten, die kleinen geringen Thiere verwenden sie sür sich zum eigenen Bedarf, die Äittelsorten jedoch schonen sie, indem sie dieselben in den Booten in einem besonderen mit Wasser gefüllten Raum, die „Back" genannt, geben, um ste später in das Meer zu werfen, wo sie aus „Backfischen" zu großen schönen Fischen werden sollen- Also die „Backfische" find zu schonen, damit sie später ihre Aufgabe um fo besser erfüllen. Und so paßt denn diese Bezeichnung für die künftigen Jungfräuleins. In der Reitstunde. „Sie haben mir etwas vorgeredet, Herr Stallmeister. Sie haben mir gesagt, nach 24 Stunden würde ich reiten können!" — „Ja lieber Herr, es ist aber doch nicht meine Schuld, wenn Sie während dieser 24 Stunden öfter auf der Erde als auf dem Pferd gesessen haben!" * * ♦ Zur Wahl. „Weshalb denn so ärgerlich, Herr Pump» heim?" — „Denken Sie sich das schauderhafte Pech, hab' ich an der Wahlurne meinen Remontoiruhr- Versatzzettel abgegeben." • Nach dem Commers. Professor der Geographie: „Hm! ich weiß ganz genau, wo alle Flüsse und Städte der Erde liegen, aber wo ich selbst gelegen habe, das ist mir völlig unklar." * * • Erkannt. Frau: „Hör mal das Gedicht, Schatz, das ich diesen Morgen gemacht habe!" — Mann: „Ach, hast du denn fchon wieder nichts gekocht, daß du mir auf diese Weise den Appetit vertreiben willst?" * Verdient. Banquier: * „Denk' Dir an, den rothen Adlerorden hab' ich bekommen! Endlich finden doch meine Verdienste mal Anerkennung!" - Frau: „Ach, wieviel hast Du denn den Herren gesagt, daß Du verdient hast?" ♦ Gewohnheit. „Rechtsanwalt 3E. verheirathet sich demnächst, hat es aber bei seiner Braut durchgesetzt, daß sie die Schwiegermutter nicht ins Haus nehmen." — „Je nun, da hat er eben gethan, was er so oft als Vertheidiger thut, er hat um mildernde Umstände gebeten." Literarisches — Jugend-Gartenlaube. (Verlag der Kinder-Gartenlaube in Nürnberg. Vierteljährlich 1 Mk.) Heft 10 Bd. III (1893) enthält: Das Gedicht „Frühlingslied" von Käte Dorn; die anziehende Erzählung „Nadine" von Fr. Holle, mit gutem farbigem Bild; das liebliche Gedicht „Maitanz" von Heinr. Zeise; „Am Strande der Ostsee" von F. v. Minra, mit Ansicht aus Swinemünde; „Wiegenlied" von G. Lang; „Der alte Nettelbeck", patriotisches Drama von Hans von der Mark; die „Sage von Wilhelm Tell" mit zwei Abbildungen: „Tells Sprung aus dem Boot" und „Die hohle Gasse". — Dann zahlreiche kleine Mittheilungen aus der Geschichte, Raturgeschichte, Scherz, Räthsel und Aufgaben. — Briefkasten. Wir müssen gestehen, daß die Redaction der Jugend-Gartenlaube es sehr ernst nimmt mit ihrer Aufgabe, daß sie Gutes, und nur Gutes liefert. Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.