«samstag, den 9. September. Nr. 106 1893. M ----s-®----lS-^----¥•---5x3—w----- Untevhaltungsbl^tt zuin Gi-tzenev Anzeigev (Genepcil-Anzergev) m«3 i--PW Das Erbe. Preisgekrönte Erzählung von R. Blankenburg. (Fortsetzung.) VI. Die Sommernacht breitete ihren Schleier über Land und Meer. Leise zogen die Wellen wieder zum Stande, und der Mond spiegelte sein mildes Licht in dem wenig bewegten Waffer. Von dem Häuschen auf dem Höwt grüßte der freundliche Schein den vorüberziehenden Schiffer auf seiner gefährlichen Bahn, und im Erdgeschoß ruhte ein junges Mädchen auf seinem Lager und träumte von dem aus der Ferne Heimgekehrten, für den es gesorgt und gebangt hatte. Ueber den Rasenplätzen des Gartens von Grashagen schimmerte dasselbe bleiche Mondlicht und ließ die dunkeln Schatten der Bäume in gespenstischen Vergrößerungen sich scharf von den mild erleuchteten Flächen abheben. Das Haus lag finster und schweigsam mit seinen festgeschloflenen Läden, als ob es ein trauriges Geheimniß zu wahren habe. Nur aus dem Giebelfenster, zu dem der wilde Wein emporkletterte, strahlte der Schein der Lampe heraus, und wer hineingeblickt hätte, der würde einen großen, kraftvollen Mann erspäht haben, wie er die Leichenwacht neben dem tobten Vater hielt. Am Fußende des Bettes stand er, den Blick auf das stille Antlitz gerichtet, von dem er die verhüllende Decke entfernt hatte. Oftmals mußte er die Hand zu den Augen emporheben, um die Thränen zu entfernen, welche sich wie ein Schleier über sie legten, und deren er sich fast schämen wollte, als ob sie seiner Männlichkeit Abbruch thäten. Und doch hätte er das nicht zu fürchten gebraucht. Dem Sohne stehen die nassen Augen wohl am Todtenlager des Vaters, und daß er überhaupt hier weilen durfte, war ein unbewußter Tribut, den die Hausgenoffen seiner Mannhaftigkeit brachten. Er hatte es als selbstverständlich angenommen, daß ihm dieser Liebesdienst zustehe, und Niemand hatte Einwendungen dagegen zu erheben gewagt. Die Mutter hatte das Nothwendige besorgt, ehe sie das Zimmer verließ, dann hatte Malte seine Frau mit sich genommen, und Erich war allein geblieben in der stillen, ein» hmen Sommernacht. Durch das geöffnete Fenster drang der Duft der Rosen herein, Friede und Ruhe lag über der Natur, Friede und Ruhe auch auf dem Angesicht des Tobten. Erich hatte es lange betrachtet, der Anblick war wie lindernder Balsam für seine tief erregten Gefühle gewesen, als er sich aber abgewendet hatte und den Platz am Tische wieder ein» nahm, da zogen finstere Wolken über das Gesicht des Einsamen, und er neigte das Haupt in die Hände. Tiefe Bitter» feit erfüllte feine Seele, als er dessen gedachte, was seinem sehnsuchtsvollen Herzen als Antwort auf sein heißer Verlangen nach der Heimath geworden war, als er sich zurückrief, was er von dem Pastor vernommen hatte. Für einen Verbrecher hatte ihn fein Vater gehalten, der dort im Todesschlummer ruhte, und ihm war keine Zeit gegönnt worden, sich vor ihm zu rechtfertigen und seinen Segen zu empfangen. O, warum war er dem Rathe des Pastors gefolgt, warum hatte er sich nicht von feinem Gefühl leiten lassen? Er hatte es Rachsucht genannt und fleischlichen Eifer, aber war nicht Alles, Aller besser, als zu wissen, daß sein Vater mit Zorn und Verachtung gegen den einzigen Sohn im Herzen für alle Zeit von ihm geschieden war. Der Gedanke war unerträglich, er raubte ihm den Athem, er bedrängte sein Herz; und er wollte sich hastig erheben, da, al» er aufblickte, — er hatte ihren geräuschlosen Eintritt nicht bemerkt — stand Hertha neben ihm, und beide Arme um seinen Hals schlingend, drückte sie ihr Antlitz gegen feine Schulter. Einen Augenblick nur, denn er machte eine ungeduldige Bewegung, sie zurückzuweifen, und sie zog sich schüchtern zurück und er erhob das gesenkte Haupt. So standen sie sich gegenüber. Mt düster gefalteter Stirn und finsteren Augen schaute er auf die schwache, junge Frau im weißen Nachttleide und halb gelöstem Haar, welche den scheuen Blick zu seinem Geficht erhob, dann sprach er und seine Stimme klang, wenn auch nicht laut, so doch scharf- „Geh' hinunter, Hertha, zu Deinem Manne!" Sie bebte uw willkürlich zusammen, als er Maltes erwähnte. Er bemerkte es und fuhr in milderem Tone fort: „Ich danke Dir, daß Du Deine Nachtruhe mir geopfert hast, aber ich rathe Dir doch nach Dem, wie die Verhältnisse zwischen mir und Euch liegen, daß Du ihn nicht erfahren läffest, daß Du zu mir gekommen bist." Noch einmal suchte der scheue Blick, der ihn vorhin bewegt hatte, sein Herz zu rühren, während sie flehend die Hände emporhob. „Erich," sagte sie dann leise, „ich kam, well ich Dich sprechen mußte, und ich gehe nicht, ehe Du mich gehört hast. Ich habe eine Botschaft an Dich auszurichten von unserem Vater, den wir Beide liebten." „Erinnere mich nicht, daß er auch der Euere war," wollte er heftig entgegnen, aber es lag etwas so Rührendes in ihrer gebeugten Haltung, daß die bösen Worte nicht über seine Lippen wollten. So hörte er denn schweigend, was sie ihm zu sagen hatte, aber feine finsteren Mienen wurden sanfter, feine Augen füllten sich mit Thränen, und al» sie geendet hatte, streckte er die Hand nach ihr aus. Sie warf sich in seine Arme. „Vergieb mir, Erich, mein Bruder," schluchzte sie, „wenn ich auch an Dir gezweifelt habe. Ich weiß nicht, auf welche Gründe hin meine Mutter und mein Mann jenen Verdacht gerechtfertigt hielten. Sie muffen ihnen als unwiderleglich erschienen sein, und ich war jung und verstand nur, daß Du etwas zu Deiner Vertheidigung thun würdest, wenn es sich anders verhalten hätte. Ich habe um Dich getrauert, Erich, alle die Jahre —" „Alle die Jahre, die man mich kluger Weise von hier entfernt hielt, alle die Jahre, in denen ich keine Ahnung von dem schmachwürdigen Verrath hatte, den sie an mir übten," unterbrach er sie, die Arme ineinander verschränkend, während seine Augen zornig aufleuchteten. Sie zuckte zusammen, ihr Gesicht wurde todtblaß, und ihre Augen erweiterten sich in starrem Entsetzen, als sie verstand, was er meinte. „Erich, mein Gott, mein Gott!" Sie bebte an allen Gliedern, und ihre Zähne schlugen hörbar gegeneinander. Ein herzliches Mitleid stieg in seinem Herzen auf, als er sie mit seiner starken Hand stützte und zu dem Sopha führte. Dort setzte er sich neben sie und, den Arm um sie schlingend, ließ er ihr Haupt an seiner Schulter ruhen. Es währte eine geraume Zeit, ehe sie es wieder emporrichtete; als sie dann sprach, klang ihre Stimme müde und erschöpft: „Ich kann es nicht ausdenken," sagte sie leise, „aber ich weiß, daß ich an Dich glaube, Erich, und der Vater hat auch an Dich geglaubt in seiner letzten Stunde. Ich sah es an dem verklärten Ausdruck seines Gesichts, während der Herr Pastor von Dir sprach, er ist in der Ueberzeugung hinübergegangen, daß Du unschuldig bist." Erich schloß beide Arme um sie und küßte sie herzlich. „Wenn nur sein Leben noch um ein Weniges verlängert worden wäre," sagte sie klagend, „daß Du es aus seinem Munde gehört hättest. Aber der furchtbare Schreck, als er von Deiner Ankunft erfuhr —" Sie stockte plötzlich und fchmiegte sich wieder an ihn. Nach einer kurzen Pause fragte Erich unvermittelt: „Liebst Du Deinen Mann, Hertha?" und als sie nicht sogleich antwortete, fuhr er fort: „Es scheint eine seltsame Frage, aber Du wirst verstehen, daß ich sie thue. Ich habe nichts von Deiner Hochzeit erfahren und finde nun plötzlich, daß Du seit Jahren mit Malte Hamann verheirathet bist, den, als ich fortging, nichts dazu berechtigte, die Augen zu der Tochter des Hauses zu erheben. Wie ist das nur gekommen, Hertha?" „Es war der Wunsch der Mutter," war Herthas ruhige Antwort. „Malte hatte ihr gesagt, daß er den Hof verlaffen wollte, wenn sie nicht des Vaters Einwilligung zu unserer Verbindung erlangen könne, und er war ihr unentbehrlich geworden, seit die Last der Wirthschaft allein auf ihr lag." Erich schwieg einen Augenblick, dann fragte er noch einmal: „Und Du hast Deinen Mann lieb gewonnen in diesen Jahren Eurer Ehe?" Herthas Entgegnung kam nicht sogleich und was sie dann erwiderte, war jedenfalls nicht eine freudige Bejahung der Frage. „Er ist fleißig in der Arbeit und — ich habe einen prächtigen Sohn, einen Jungen, wie Du gewesen sein mußt, Erich, so unerschrocken und treu. Er liebt mich, Erich, und er trägt Deinen Namen und den unser» Vaters." Sie saßen zusammen, Hand in Hand, bis das erste Morgengrauen am Himmel erschien und das Zimmer mit unsicherem Dämmerlicht erfüllte. Kein Wort von irdischen Fragen oder Bedenken wurde mehr zwischen ihnen gewechselt, es war, als ob Alles in den Hintergrund getreten fei in dem einen Gefühl, daß sie sich trotz der Trennung langer Jahre verstanden und nahe standen. Jetzt erhob sich Hertha, löschte die Lampe und trat mit geräuschlosem Schritt, als ob sie seine Ruhe nicht stören wolle, an das Lager des im Tode Schlummernden. Sie beugte sich und küßte die kalte Hand, ehe sie sich zu Erich wandte, der ihr gefolgt war und neben ihr stand. Noch einmal schlang sie beide Arme um seinen Hals, und diesmal drückte er sie an sich und küßte sie herzlich. Dann verließ sie das Zimmer und er folgte ihr bis zum Anfang der Treppe- Dort blieb er stehen und schaute ihr nach. Am Fuß derselben blickte sie noch einmal grüßend zu ihm zurück und war dann seinen Augen entschwunden. Langsam und schwer verstrichen die folgenden Tage. Er lag wie eine düstere Wolke über dem Hause und Garten, in dem sich während der dem Begräbniß vorangehenden Tage kein Gast aus Crumbach sehen ließ. Dafür hatte ihn sich der kleine Erich als ungewohnt freien Tummelplatz für seine kindlichen Spiele erkoren, er trabte auf seinem Steckenpferd auf und nieder in den verlassenen Gängen oder folgte dem Ball, wie er hoch hinauf in die Lüfte fuhr -und dann plötzlich an unerwarteter Stelle wieder zur Erde kam. Sein frisches Kindergeficht mit dunkeln Augen und braunem Haar, einem Erbtheil von des Großvaters Seite, war das einzige, welches frisch und fröhlich in die Welt hineinblickte, und wenn er neben ihm stand und die kleine, braungebrannte Hand auf sein Knie legte, so zog ein freundlicher Ausdruck über die sonst so ernsten Züge. Erich war in Grashagen geblieben, unangefochten durch Worte oder Vorstellungen von Mutter und Schwager, wenn ihnen auch seine Gegenwart ein Grund beständiger Unruhe war und sie die Zeit herbeisehnten, wo es klar zwischen ihnen werden mußte. Das konnte jedoch erst sein, wenn das Testament ihm die richtige Stellung anwies, und es schien in ihrem Interesse zu liegen, die Meinung zu erwecken, daß sie keine Kenntniß von seinem Inhalt hatten. Daß bis dahin Alles im Hause blieb, wie es vorher gewesen war, erschien selbstverständlich. Malte besorgte die Angelegenheiten auf dem Hofe und im Felde und kam später, als es sonst seine Gewohnheit war, oft erst Abends mit den Arbeitern heim, die Mutter verwaltete, was zur Jnnenwirthschaft gehörte und traf Anordnungen zu dem großen Begräbniß, wie es die Würde und der Reichthum des Verstorbenen nach den dörflichen Begriffen erforderte. Zwischen ihr und Erich wurde kein Wort gewechselt, was sich auf seine Abreise oder Wiederkehr bezog, sie fühlten Beide, daß heftige Scenen dann unausbleiblich waren und daß sie deshalb das Schweigen nicht brechen durften, welche« die stille Gegenwart des Tobten im Haufe ihnen auferlegte. Aber die bald finsteren, bald besorgten Mienen, die das Gesicht der Mutter annahm, wenn sie in gefliffentlich beherrschtem Tone einmal das Wort an den Stiefsohn richten mußte, wie der abweisende, kalte Ausdruck seiner Züge zeigten genugsam, daß sie sich ihrer gegenseitigen Stellung bewußt waren und sich zum Kampfe vorbereiteten. So war der Tag der Beerdigung gekommen und mit ihm die Stunde, wo man den Besitzer von Grashagen aus den stillen Friedhof hinausgetragen hatte, welcher die Kirche von Willnick umgab. Viele Leidtragende hatten ihm das Geleit gegeben, Verwandte, die au» umliegenden Dörfern gekommen waren, Freunde und Standesgenossen au» Willnick und Crumbach, die Arbeiter de« Hofe», sowie Alle, die in irgend einer Beziehung zu ihm gestanden hatten. E» war eine große Versammlung gewesen, die der heimgekehrte Sohn de« Hauses begrüßen mußte, und er hatte wohl da» Stutzen, das kaum merkliche und doch entschiedene Zurückweichen empfunden, mit dem man ihn empfangen hatte. Mit fragendem, fast drohendem Blick hatten seine dunklen Augen Einen nach dem Andern gemustert, dann hatte er stolz den Kopf emporgerichtet und den ersten Platz dicht hinter dem Sarge eingenommen. Dort war er allein geschritten, das Herz erfüllt von Bitterkeit und Haß, und — plötzlich hatte er bemerkt, wie Jemand neben ihn trat. Hertha war es, die bleich und doch mit entfchloffener Miene neben ihm stand und mit thränengefüllten, flehenden Augen zu ihm aufschaute. Da hatte tiefes Weh die Stelle der vorigen Entrüstung eingenommen, das eigene Selbst war zurück- getreten, er hatte ihren Arm durch den seinen gezogen und ihre schwankenden Schritte durch seine männliche Kraft gestützt. Sie waren nebeneinander geblieben und Hatter: dem Sarge des Vaters in die Grube nachgeblickt, bis die hinabstnkenden Erdschollen ihn ihnen verborgen hatten. Nachdem die ernste Feier vorüber war, kehrte die Versammlung nach Grashagen zuruck, um dem Trauermahl beizuwohnen, das dem Tobten zu Ehren reichlich und gut bereitet sein mußte. Auf Erichs dringende Bitte hatte Pastor Helfer ihn begleitet, obgleich das sonst ganz gegen seine Gewohnheit war. „Ich weiß, daß Sie meine Unschuld kennen," hatte er leise gesagt, „Sie ahnen nicht, wie da« mich stärkt unter all' diesen Menschen, die mich mit miß- Iranischen Blicken betrachten," und al« Pastor Helfer immer noch zögerte, hatte er hinzugefügt: „Die Testamentseröffnung ;oll noch heute erfolgen, und — mir ist, als ob Ihre Gegenwart mir beistehen werde, das Rechte zu thun." Pastor Helfer hatte der dringenden Aufforderung des Mannes, der in den letzten Tagen mehrmals fein Haus aufgesucht hatte und ihm in längerem Gespräche sehr lieb geworden war, nicht widerstehen können und, neben ihm am Tische sitzend, hatte Erich seinen Platz in der Gesellschaft eingenommen. Aber nur ein geringes Einlenken in freundlichere Bahnen war dadurch bemerkbar geworden, und mit einem Gefühl der Erleichterung sah Erich, wie einer nach dem anderen sich verabschiedete und den Heimweg antrat. Als der Nachmittag sich dem Abend zuneigte, hatte der letzte Gast das Haus verlaffen bis auf Pastor Helfer, gegen dessen von Erich erbetene Gegenwart bei der Verlesung des Testaments keiner der Betheiligten einen Einspruch erhob. So versammelten sie sich denn in dem großen Wohnzimmer, au« welchem man vor wenigen Stunden den Sarg des Vaters getragen hatte. Die Frauen in ihren dunkeln Kleidern nahmen auf dem Sopha Platz, Hertha bleich und zitternd, die Mutter mit vor innerer Unruhe hochgerötheten Wangen. Malte saß neben semer Schwiegermutter. Er spielte mit der großen, schweren Uhrkette, welche aus seiner Westentasche heraushing während ein Ausdruck triumphirender Erwartung auf seinem schlauen Gesichte lag. Der Pastor hatte sich auf einen Stuhl am Fenster gesetzt, und neben ihm, etwas von der herab- hängenden Gardme verborgen, lehnte Erichs hohe Gestalt. Mit langsamer Bewegung, als ob er die Würde des Actes hervorheben wolle, legte der Notar das verhängnißvolle Schrift- öu Msch rnw schickte sich an, das Siegel zu erbrechen. Aber er hielt noch einmal inne, und seine Augen nach einander auf den Gesichtern der Anwesenden ruhen lassend, begann er «mm »Wenn ich Ihnen, verehrte Versammlung, den letzten Willen des Verstorbenen noch einige Secunden vorenthalte, so L ich dar in bester Absicht. Ich möchte, ehe ich mit dem s-L. Äne' bemerken, daß unter uns vielleicht Einer, viel- leicht Mehrere sein mögen, denen die Bestimmungen dieses Testaments als ungerechtfertigte erscheinen werden. Deshalb I beeile ich mich, hierdurch zu erkennen zu geben, daß sie mir ebenso vorgekommen fein möchten, und ich mich gewiß auf Ihre Seite gestellt haben würde, wenn nicht ganz bestimmte Veranlassungen, die er mir nicht vorenthalten hat, meinen Clienten bestimmt hätten, so und nicht anders zu testiren. Daß er trn Besitz seiner vollen Geisteskräfte war, ist mir nicht zweifelhaft gewesen, und diese Meinung würden auch Diejenigen getheilt haben, welche zu dem Wunsche Ursache haben, daß seine Anordnungen anders ausgefallen wären." Erich konnte nicht zweifeln, daß die etwas orakelhaften Aussprüche, welche der Rechtsgelehrte mit stockender Stimme gab, eine von dem rechtlich denkenden Manne ihm ertheilte Benachrichtigung fein sollten. Sie kam ihm nicht überraschend. Von dem Augenblick an, wo ihn Pastor Helfer über die Sachlage in Grashagen aufklärte, hatte er vermuthet, welches der geheime Zweck des Anschlags gewesen war, den man dort gegen ihn ins Werk gesetzt hatte. So hob er denn das Haupt trotz g empor, aber er konnte nicht verhindern, daß er bis in die Lippen erbleichte, als der Notar die kurzen Be- strmmungen vorlas, welche das Testament enthielt. Nach der üblichen Vorrede folgte zuerst die Vertheilung einiger kleinen Summen, die an Freunde oder Verwandte gezahlt werden sollten, dann war ein beträchtliches Capital namhaft gemacht, von dem seiner Frau die Jahresrente zustehen, das selbst aber auf Grashagen eingetragen bleiben sollte. Und nun kamen die eigentlich gewichtigen, mit Spannung erwarteten Worte- „Grashagen ist bisher Sohneserbe gewesen, aber als mein Sohn dem Hause seiner Voreltern als Verbrecher entsiob bat er alles Recht darauf verloren, wie er, wenn die Stunde der Erkenntniß kommt, die ich nicht aufgehört habe, für ihn zu Kürbis eittzumachen. Hierzu nehme man den Kürbis wie zum deutschen Ingwer, richte ihn vor, wie bemerkt worden, und rechne auf jedes Pfund % Pfund Zucker, zwölf ganze weiße Pfefferkörner, eine Muskatblüthe und -/« Liter halb scharfen Weinessig, halb Wasser. Bieressig wird zum Kochen gebracht und der Kürbis in kleinen Portionen, so daß alle Stücke auf der Oberfläche liegen, hineingethan, nur eben aufgekocht und bis zum nächsten Tage trocken hingestellt. Alsdann läßt man den Zucker mit etwas Weinessig und Wasser sieden, 423 B I ^.flehen, sich in tiefer Beugung selbst sagen wird. Ich be- I stimme deshalb, daß es mit all' meinem anderen Besitz auf mene Tochter Hertha übergeht und nach ihrem Tode ungJ FE auf ihre Kinder oder deren Erben. Erst in dem Falle, daß keine solchen vorhanden sind, sollen mein Sohn Erich oder seine Hinterlassenen zur Erbfolge berechtigt sein" (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. » Deutscher Ingwer von Kürbis. Nr. 1. So viel I Kürbis auch zum Einmachen empfohlen werden, so ist »» der große gelbe Centnerkürbis mit röth- lich-gelbem Fleisch vorzüglich. Stellt man denselben nach der I Reise an einen kalten, luftigen Ort und verzieht mit dem Ein- machen einige Wochen, so steht er der Melone ziemlich gleich. I Za deutschem Ingwer wurden indeß vorzugsweise der neue chinesische hellgrüne Riesenkürbis und im Uebrigen Valparaiso ^^edenenSorten der zarten Beschaffenheit und des reinen Geschmacks des Fleisches wegen als die allerbesten Speisekürbisse ^^fohlen. Zum nächstfolgenden Recept rechne man auf zwei Pfund Kürbisstücke 2 Pfund Zucker, 2 Gramm pulveristrten Ingwer (der nicht durch langes Liegen an Kraft verloren hat) uad eben so viel gestoßenen weißen Pfeffer, nach Gefallen auch s??n^@er^i6L6a9ennepfeffer- Der Kürbis wird bis an das Fleisch abgeschält, durchgeschnitten, das Kerngehäuse A"bm Eßlöffel vollständig herausgemacht und in Stücke von der Größe eines kleinen Fingers geschnitten, die man, nachdem A,6,» stark siedendem Wasser einmal aufkochen läßt. Dann lasse man solche auf einem Siebe ab- lausen, lege sie m eine porzellanene Schüssel, streue das bemerkte Gewürz und den geriebenen Zucker darüber und lasse sie über Am nächstfolgenden Tage bringe man !^n Zuckersaft zum Kochen, lege den Kürbis hinein und lasse ! ihn nur eine kleine Weile darin kochen, bis er klar wird, weich darf er nicht werden. Darauf fülle man ihn in ein Glas, den Saft fyrupähnlich ein und gieße ihn abgekühlt da- ruber. Sollte derselbe nach einigen Tagen wieder dünn gewor- 7'u, so wird er noch ein wenig eingekocht und erkaltet der Kürbis damit bedeckt. hrtä ^"tsch-r.Jngwer. 2* diesem Eingemachten, da« dem ostindrschen Ingwer täuschend ähnlich sein soll, wurde des grünen Kürbis, der vorstehend benannt ist, 8- i» M U "ach bemerkter Vorrichtung die Kürbis- stücke in Wasser halb gar kochen, zum Abläufen auf ein Sieb Ä' ™eLner P°rzellanschüssel stark mit sehr feingestoßenem weißem Pfeffer und pulverisirtem Ingwer bestreuen und sie zu- gedeckt eine Nacht stehen lassen. Anderen Tages, heißt es, werden auf 2 Pfund Kürbis 2 Pfund echter Farinzucker (nicht von Runkelrüben) mit etwas Wasser gekocht, die Kürbisstücke wrenben gelegt und dann herausgenommen. Hierauf oll man den Saft, um ihn zu klären, durch ein Haar- fieb (welches nicht zum Durchgießen von Bouillon gebraucht wurde) fließen lassen, dann mit 2 Pfund Zucker abermals aufkochen und zum Erkalten hinstellen, welches Aufkochen und Er- kalten des Saftes so oft geschehen soll, bis derselbe die Dicke des Syrups erhalten hat, wo er nun über den zuvor in das bestimmte Glas gelegten Kürbis gefüllt wird. -- 424 — N! Ul hatte wenic Erich Fenst nicht fliege- Ihr aber ein fi thum ment Erich aber fahrei schenk Urspr mein eisern gelenk Recht einer sein 1 stürzt! Mutti ich D ( Narr jetzt - die w ließe i den de den ssi führte Stuhl. Hand । unter E ’ er sich vermag. e , Herbstanbau der Gemüsepflanzen. Vielfach be- qnügt man sich mit dem Herbstanbau von Spinat und Feld, salat, und doch eignen sich Wintersalat, Sellerie, Pastinaken, Möhren u- s. ro., namentlich aber frühe Kohlarten für diesen I Anbau. Ru diesem Zwecke werden genannte Gemüse-Arten im September angesäet. Gegen Ende October werden die Setzlinge die zum Auspflanzen nöthige Stärke erreicht haben. Es werden die stärksten ausgesucht und auf gedüngtes Land in etwa 10 Centimeter tiefe Furchen, und zwar die Kohlarten so tief gepflanzt, daß das Herz derselben noch etwas mit in die Erde kommt. Den Blumenkohl, sowie die übrig gebliebenen Setzlinge von Wirsing, Roth- und Weißkraut pckirt man in einen kalten Kasten oder auf besondere Beete tnt Garten und umgibt dieselben mit einem Bretterumschlag, damit die Pflanzen bei eintretendem stärkeren Frost mit Brettern, langem Stroh und Laub geschützt werden können. Bei den bereits ausgepflanz- ten Wirsing-, Roth- und Weißkrautpflanzen kann man die Furchen mit kurzem Dünger oder Laub ausfullen, damit sie vor dem mehrmaligen Aufihauen und Zufrieren etwas geschützt sind. Sobald Thauwetter eintritt, müssen die Plklrbeete vor- sichtig abgedeckt und möglichst viel gelüftet werden, damit die Pflanzen beim Aussetzen recht abgehärtet sind, und können letz- tcre dann schon zeitig im Frühjahr, sobald dre Erde völlig auf gethaut und etwas abgetrocknet ist (oft schon Ende März oder Anfang April) auf das bestimmte Land gepflanzt werden. Reife Samen-Gurken und Melonen sind nach der Abnahme auf Bretter zu legen an einen luftigen Platz, bis die Samen herausgenommen und im Schatten getrocknet werden können. * , In den Monaten August-Septemberi bilden sich an den Obstbäumen die Tragknospen für dar nächste Jahr aus. Sehr fördernd auf die Ausbildung derselben ^irkt folgende Düngung : In 100 Liter Wasser löse man 2 Pfund Superphosphat und 1 Pfund schwefelsaures Kal . Mit dieser Flüssigkeit dünge man die Obstbäume von Mitte August bis Mitte September dreimal in Zwischenräumen von zwei Wochen. Für größere Bäume genügen zwei bis vier, für kleinere ein bis zwei Eimer. # , Qitü »ereituna der Obstsäfte. Die Hausfrauen sind vielfach noch der irrthümlichen Meinung, die Säfte müßten, um haltbar zu fein, eingekocht werden. Wenn aber auf 1 JPfunb Saft 1 Pfund Rucker verwendet wird, ist ein weiteres Ein Achen gar nicht nöthig. Es genügt, die Säfte so lange im I gelinden Sieden zu erhalten, bis die Anfangs sehr bedeutende Ausscheidung von zähem Schaume fast aufgehört hat- Unter bricht man dann das Sieden, so erhält man Säftevonfchüner Farbe und gutem Aroma, die niemals Zucker ausscheiden wer den. In der Regel ist eine Kochdauer von 3—10 Minuten ausreichend. # * Aepfel in Aprikofenmns. Man nehme 20 kleine I Reinetten, steche die Kernhäuser heraus, ohne bte Aepfel zu I »erbrechen; man stoße das dazu erforderliche Werkzeug nur bis »ur halben Tiefe des Apfels ein und verfuche dann dar andere Ende; man schäle sie und schneide sie in dünne Scheiben, bedecke eine Schüssel mit Aprckofenmus und dann mit den Aepfeln und so fort, bis man einen Dom über der Mitte der Schüssel erlangt; man glasire dieselben mit Sestebtem Zucker bringe sie in den Ofen, und wenn die Speise gar ist, fo wische man den Rand der Schüssel ab und fervire sie. Melonen einznmachen. Die Melonen müssen mhl reif aber nicht überreif genommen werden. Man schneidet sie in zwei Finger breite Streifen, fchält sie, entfernt alles Faserig, legt sie in eine Schüssel, besprengt sie über und ÜbeiHjtt* Weinessig und läßt sie fo emige Stunden liegen. Hierauf legi man sie zum Abtrocknen auf ein Tuch. Run kocht man Zucke, l?t sie in ein Einmacheglas, gießt den Zucker darüber 'M derselbe wieder dünnflüssig werden fo gießt man ihri noch M mal ab und kocht ihn einige Male aus. Auf Kilogramm Melonen rechnet man knapp Vt ^°gramm Zucktt. So gemacht, halten sich die Melonen sehr lange. Sollten dem Herausnehmen der Melonentheile einige weniger we ch rsch°i nen so läßt man diese nur noch ein wenig länger kochen un g« st-d« a«ch in da« ®IM. Da. @la. nerbinb.1 m.n mit nasser Blase. j Vermischtes. Vergeßlich. Dame: „Gratulire zu dem neuen Spröß- ling, Herr Professor; es ist wohl der fünfundzwanzigste, nich St? - Professv-- »»W’ muß ich ja jetzt ungefähr auch silberne Hochzeit feiern I Guter Trost. Ein Patient, magenleidend, kl^t dem Arzt feine Appetitlosigkeit. Dieser tröstet ihn mit den Wortarten Sie froh, jetzt ist ja so wie so Alles fündentheuerl S e l b st b e s ch i m p f u n g. * Professor : ,M ist wirklich m Skandal, was sich jetzt für Gelichter k» die Gymnasien drangt. Früher war das anders. Zu meiner Zeit hat nicht PderS» studirt — ich war bet einzige aus bem ganzen Bezirk- den Kürbis theilweife so lange barin kochen, bis er klar geworben ist, nicht länger, wo man ihn bann auf eine flache Schüssel legt, nach bem Kaltwerben mit ben Pfefferkörnern und Stückchen Muskatblüthe durchstreut und nebst dem Saft tn ein I Glas füllt. Das Aufkochen ist hierbei überflüssig. Kürbis Wie Girrten'einznmachen. Zu 10 Pfund Kürbis 130 Gramm Salz, 1 Pfund kleine Zwiebeln, vier bis sechs Handvoll Dill, zwei Handvoll Meerrettigscheiben, stark 15 Gramm Nelken, desgleichen Pfefferkörner und so viel Bier» essia, als zum Bedecken des Kürbis nöthig ist. Hierzu ist der I große Kürbis mit gelbem Fleisch am besten. Nachdem derselbe bis an das Fleisch abgeschält und in zweifingerbreite und finger- lange Stücke geschnitten ist, werden diese lagenweise mit Salz bestreut und zwölf Stünden hingestellt. Dann laßt man den Essig mit den Zwiebeln zum Kochen kommen, die Kürbis darin eben durchkochen, nimmt dieselben heraus, legt sie lagenweise mit den Gewürzen in den Topf, gießt den Essig kalt darüber und bindet den Topf zu. Nach Verlauf von acht Tagen wird der Essig aufgekocht und vollständig ausgeschäumt, kalt über die Kürbis gegossen, diese wie bei den Gurken nut einem Senfbeutel bedeckt und fest zugebunden. Anmerkung. Nicht in jedem Jahre hat man sich emer guten Gurkenernte zu erfreuen; Kürbis gerathen fast Emer und bringt schon eine einnae Pflanze so viel Früchte, als em gewöhnlicher Haushalt bedarf. Es wird vielleicht das wohlfeilste Eingemachte sein, was es gibt. Um solches nun auch nicht durch vielerlei Gewürze zu vertheuern, machte die Verfasserin eine gelungene Probe nach vorstehender Angabe, und sind die also eingemachten Kürbis zum Suppenfleisch, zu Kartoffeln und Kartoffelsalat zu empfehlen. Uebrigens kann man dieselben Gewürze rote zu Gurken anroenden. Gegen Schnecken re. im Garten. Mittels eines Blasebalges bläst man eine bis zwei Hände voll Kalkhydrat etwa einen Meter hoch über die von dem Ungeziefer zu be- freienden Beete in die Lust. Der sehr feine Staub biwtt eine Wolke, die sich auf die Pflanzen medersenkt. Jede Schnecke, welche auch nur von einem Stäubchen dieser scharfen Substanz getroffen wird, geht zu Grunde. Den Pflanzen selbst wird durchaus kein Schaden zugesügt. Man wählt zur Vornahme dieser Arbeit am besten die Zeit unmittelbar vor Sonnen- aufgang oder die späte Abenddämmerung. Kalkhydrat erhält man, wenn man in ein Gefäß ungelöschten Kalk thut und da- rauf nur so viel Wasser gießt, als der Kalk aufzusaugen Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Vrühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.