Beigeschmack Bei vorüber- e freilich das t nach Maß« einer solchen in organisir- r Mittel zur taße gewährt ag: die stän- en an arme ; hungernder c die Unglück- i Pein schon Moment der n aus unsere „Hungernde die Schule n Körper ge- physische Ver« Zolgen solchen st ein Schritt t Verhältnisse. NntevhaltungSblatt Znnr Gietzenev Anzeiger (General-Anzeiger) Nr. 17 •w-- Donnerstag, den 9. Februar. t, auf Eurem „Nee, Herr sta, das ist ja alt ein kleiner „Nee, Herr och kleiner — ?" — „Nee, : so wenig an ganz kleines : gar nur 'n , ganz kleines o groß war's, : halt zwanzig : „Was macht Meißen in den i so freudig?" >n kann." chte — äh — >er für meinen ne 'mal einen Petroleum hat 1 hätte ich gär ien Sie sich ja mpe und zwei- ! Reden unseres at leider drei ens liest er sie cth, vorgelesen t, Hans, weißt irt wird?" — Batet Wurst?" at er mich!" 'N. Dämon Gold. Original - Roman von W. Höffer. (Fortsetzung). Hans Adam rang nach Athem. Sollte er nun das Ge« richtsgebäude verlassen als geschlagener, hoffnungsloser Mann, ganz ohne ein Wort der Widerrede, ohne dem nagenden, inneren Groll in irgend einer Weise Ausdruck zu verleihen? Es schien so unmöglich, so undenkbar. Sich von der Stätte eines geschehenen großen Unglücks zu trennen, gleichsam Alles freiwillig auszugeben, ist so schwer. Wer ein kostbares Gefäß zu Boden fallen ließ, der besieht immerfort die Scher» den, er kann nicht so plötzlich da« Eigenthumsrecht aufgeben. Erich kam und zog den Halbbetäubten mit sich fort. „Laß uns gehen, Hans, wir haben hier nichts mehr zu thun." „O — es ist schändlich I Schändlich!" Der Baron schauerte zusammen, als ihm draußen die kalte Luft entgegenwehte. „Eins freut mich aber doch, Erich," sagte er, „daß Du es nicht warst, der mich verrieth." „Der Dich verrieth, Hans?" „Ja, als Aßmann Erkundigungen einziehen ließ. Ich bin als Verschwender gebrandmarkt worden uud glaubte bisher, Du seiest es, der mich so genannt." Wolfram schüttelte den Kopf. „Ich hätte die Auskunft verweigert," gab er zur Antwort. „Aber wer —" „Ltssauer natürlich. Aber ich setze Kopf und Krägen ein, um die Pläne dieses elenden Schleichers zu Hintertreiben." Eine Zeit lang schwiegen Beide, dann sagte Erich: „Wenn Du mir heute ein offenes Wort gestatten wolltest, Hans!" „Gern, sehr gern, Erich. Der Kelch ist übervoll; es kommt nicht mehr darauf an, wie viel noch hinzugethan wird." „Ich will sicherlich nicht» Hinzuthun, Hans, nur ein Freundeswort möchte ich in diesem Augenblick sprechen dürfen- Du hast es mir ausdrücklich erlaubt, nicht wahr?" „Gewiß." „So rathe ich Dir, erkläre jetzt den Concur», Hans. Die Gläubiger werden durch den Ertrag des Gutes befriedigt und Du bist ein unabhängiger Mann geworden, kannst Dir eine neue Lebensstellung gründen, während —" „Erich, ich bitte Dich!" „Laß mich ausreden, Hans. Während Fräulein Aßmann Dir inzwischen ohne jeden Zweifel die Zinsen der ganzen Kapi» talshälste mit Vergnügen ausbezahlt. Das sind jährlich mehr al« zweitausend Thaler, die —" „Ein Linsengericht, Erich, eine Jahreseinnahme für einen gutsttuirten Krämer. Ueberhaupt, welch' ein Gedanke — ich sollte Moldt verlieren?" „Du kannst er nicht halten, Han«, unmöglich. Gib es jetzt den Gläubigern, ehe sich neue Verpflichtungen angehäuft haben, ehe Du Gefahr läufst, nie bis an's Ende frei zu werden." „Wahnsinn! Wahnsinn! Ich sollte mein Gut opfern? Nein, Erich, so verzweifelt steht es um den letzten Moldt noch nicht. Im Gegentheil, gerade jetzt werden meine Verhältnisse einen glänzenden Aufschwung nehmen." „Und darf man ftagen, wodurch?" „Sehr gern. Du meinest, daß Ruth mir die Zinsen der ganzen Kapitalshöhe überweisen würde; ich kann Dir aber sagen, daß sie entschlossen ist, bedeutend mehr al» das zu thun. Gestern versprach Ruth, das Vermögen des Alten, so wie sie es bekommt, in meine Hände zu legen. Ich bin also, wie Du stehst, sehr wohl in der Lage, das Erbe meiner Väter zu erhalten und trotzdem alle Gläubiger zu befriedigen." Erich antwortete nicht. Die Cigarre fiel aus seiner Hand, ohne daß er es bemerkte; seine Augen sahen in’« Leere, er war aschbleich geworden. Hans Adam beobachtete ihn heimlich. „Es versteht sich," setzte er hinzu, „daß Deine zwölftausend Thaler das Erste sind, was ich zurückzahle, eine Ehrenschuld, die mir durchaus heilig ist." Wolfram schüttelte langsam den Kopf. „Du schuldest mir keinen Pfennig, Hans, das Geld war Dein Eigenthum." „Ach, Thorheit- Und wenn Du die Summe wirklich nur als ein Darlehen betrachten willst — auch gut. Wieder zwischen den Moldt« und Wolframs auf die Dauer von zwei Menschenaltern." Erich hob plötzlich den Blick, eine heiße Blutwelle war in sein eben noch so bleiches Gesicht getreten. „Das nicht!" sagte er in einem Tone, durch den ein heimliches Grauen hervorklang. „Nein, das nicht." Han« Adam drückte ihm die Hand. „Du hast schwer gelitten, armer Kerl- Aber wie ich Dir schon bemerkte, Du bekommst die Summe als Dein Eigenthum zurück, und was da vor länger als sechzig Jahren zwischen unfern Vorfahren abgeschlossen wurde, das ist tobt, mit ihnen begraben — wir sprechen davon nie wieder. In acht Tagen, denke ich, hast Du das Geld und kannst energisch daran gehen, den Damm zu bauen." Erich schüttelte den Kopf. „In acht Tagen, Hans? Aber Du vergißt, daß Fräulein Aßmann erst nach anderthalb Jahren mündig wird!" Der Baron lächelte. „Durchaus nicht, Erich. Ich bin hitt ganz 3 Du mit Dir reden lassen wirst. Wo das Kapi ,gt, ist schließlich gleichviel." Wo ; Seite. „Selbst wenn ich mich einer Pflichtoe ig machen wollte," versetzte er mit ruhigem No iäre ja doch eine derartige Abstcht vollkommen c. Du vergißt den zweiten Vormund." izrath Gebhardt? Lieber Gott, der Mann hat cif ibt, er ernährt eine große Familie und schlägt lich durch das Jahr. Ich nehme es als leichte ich, ihn mit einigen tausend Thalern willfährig Ich habe schon Schwereres fertig gebracht. Dar nur ganz allein sorgen." zum ersten Male, aber mit einem Ausdruck, der ,... m nicht eben sehr schmeichelhaft erschien. „Hans," sagte er, „Du sprichst da von einigen tausend Thalern. Zwölf nach Deiner Meinung für mich, etwa vier oder fünf für den Justizrath — das Alles wolltest Du von Ruths Vermögen so ohne Besinnen verschenken?" Der Baron wechselte die Farbe. „Es muß sein," antwortete er. „Ruth selbst hat Alles bis zum letzten Pfennig in meine Hände gelegt." „Ach — Ruth ist ein Kind. Nach anderthalb Jahren kann sie verfügen, aber früher in keinem Fall." Es wurde nach diesen Worten zwischen den beiden Männern sehr still; erst im Hotel erkundigte sich Wolfram, ob der Baron gleich nach dem Diner zu reisen gedenke- „Wir ersparen damit drei oder vier Stunden," fetzte er hinzu. Hans Adam sah ihn an. „Du wolltest heute schon fort?" rief er. „Nicht möglich." „Natürlich, mein Bester. Ich habe hier nichts mehr zu suchen." „Aber man will sich doch, wenn man schon einmal hier ist, auch die Stadt ansehen, will ein, wenig Vergnügen haben. Laß uns zusammen losgehen, Erich, so wie damals, als wir Beide noch die Uniform trugen. Ach, das waren noch herrliche Tage." Wolfram bezahlte feine Rechnung. „Sie waren es, Hans, aber sie find es nicht mehr. Kommst Du mit?" „Nein, nein, auf keinen Fall; wohl aber solltest Du hier bleiben. Was können denn ein paar lustige Abende kosten? Allenfalls hundert Thaler." Mit denen ich aber doch Besseres anzufangen weiß, Hans. Bedenke, daß ich mich vor Schulden in Acht nehmen muß." „Du bist ein Erzphtlister geworden, Kerl- Weiß Gott, so könnte ich nicht denken, und ob es meine ganze Existenz kosten müßte." „Das wird es!" dachte Erich, aber er ließ das harte Wort unausgesprochen, und so trennten sich die Beiden; der Eme, um mit schwerem Herzen nach Hause zu fahren und der Andere, um vor allen Dingen eine Gesellschaft zu suchen, in der man aufathmen, das heißt seinem Uebermuth die Zügel schießen lassen konnte. Wenn Hans Adam jetzt nach Hause kam, dann mußte Cäcilie alle diese Einzelheiten erfahren, dann gab es Thränen und Ohnmächten, vielleicht sogar mehr oder minder deutliche Vorwürfe, dann drohte die Auseinandersetzung mit dem Bankdirector, der Kampf auf Tod und Leben gegen Erichs philisterhafte Anschauungen von Recht und Gewissen — dergleichen schiebt ein vernünftiger Mensch so weit als nur möglich hinaus. Und der Baron blieb in Frankfurt, nachdem er täglich eine Depesche nach Hause geschickt hatte, bis das Geld verbraucht war; dann erst kehrte er zurück, abgespannt und in denkbar schlechtester Stimmung. Diesmal hatte ihm Ruth die Wege geebnet; als er kam, wußte Cäcilie schon Alles. Sie lag, kaum noch athmend, blaß wie eine Todte auf dem Ruhebett; ihr Blick voll Verzweiflung war scheu und ängstlich. „Ach Hansi! Hansi!" Und dann weinte die unglückliche Frau ; etwas, das er so sehr fürchtete. „Hansi, wie gern hätte ich das armselige Geld 66 - verloren, Alles, Alles, nur um Dein Leben erträglich zu gestalten." Er beugte sich über sie und küßte ihre wachsbleiche Stirn. „Das weiß ich ja, Maus. Du darfst Dich deswegen keinen Augenblick aufregen." „Siehst Du, Cilli," warf Ruth ein. „Hans denkt ganz wie ich, und überdies haben wir ja nun das Geld erhalten, gleichviel unter welchem Rechtstitel. Das ist doch jedenfalls die Hauptsache!" „Natürlich, Cilli, natürlich. Ruth wird bei dieser Gelegenheit vielleicht binnen Kurzem eine Millionärin werden — ich setzte Dir die Sache ja unlängst schon auseinander." Das junge Mädchen lächelte fröhlich. „Du hast große Pläne, Hans?" „Sehr große. Wir werden Gefchäfts-Compagnons, Du und ich." Es war ein seltsamer Blick, mit dem Cäcilie zugleich ihren Mann und ihre Schwester ansah, nicht böse oder traurig, aber voll stiller Ergebung wie Jemand, der für sich selbst resignirt hat, den es aber doch mit tiefer Wehmulh erfüllt, nun Andere im Besitze des verlorenen Glückes zu sehen. „Gott segne Dich, Ruth," sagte sie mit leisem, innigem Tone- „Uns Alle, Cilli. Die Sorgen sind ja nun gebannt." „Du solltest aufstehen," setzte sie dann hinzu, „solltest in's Wohnzimmer kommen. Es schneit zum ersten Male und der Wind wirft das Flockengeriesel gegen die Scheiben — es ist dabei so gemüthlich am warmen Ofen." Die Baronin schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht, Ruth. Adele bleibt bei mir. Du und Hans müßt Euch allein unterhalten. Er liest Dir vor, denke ich." „Und vielleicht kommt der Bankdirector," setzte Ruth hinzu. „Er möchte Dich sprechen, Hans." Ein heftiger Schmerz zuckte durch den Kopf des Barons. „War Willibald hier?" fragte er mit heimlicher Unruhe. „Dreimal sogar. Was habt Ihr miteinander?" „Nichts. Es ist ein bloßer Besuch." Aber die Kniee des Barons versagten doch, als er sich jetzt erhob, beinahe den Dienst. Wie lange würde es möglich sein, den betrogenen Mann zu täuschen? Es mußte ja Rath geschafft werden, koste es, was es wolle. Und Hans Adam wußte auch schon, wie. Seine Gedanken arbeiteten rastlos; er schickte noch zur selben Stunde einen Reitknecht in die Stadt und ließ fragen, ob der Corn- merzienralh Liffauer von der Reise zurückgekehrt sei? Die Antwort lautete bejahend. Der Geldmann war mit Vergnügen bereit, den Herrn Baron am nächsten Morgen zu empfangen. Hans Adam lächelte schon wieder. Ein wenig den Mephisto zu spielen, das liebte er sehr und er hatte es häufig mit großem Geschick ausgeführt. Jetzt galt es, einen geriebenen Fuchs zu fangen; das sollte gelingen, und wenn sich alle Schwierigkeiten der Welt dem Plane entgegenstemmen würden. War einmal der Gedanke an Willibalds unruhiges Gesicht vom Herzen abgeschüttelt, dann fand sich alles Weitere von selbst. Was sind denn auch anderthalb Jahre? Man schwindelt sich durch, bis diese kurze Frist verstrichen ist, und kann nachher ausruhen. Llssauer hatte mit großer Lebhaftigkeit den Besuch der Barons erbeten, er wollte also horchen, sondiren, ein wenig Umschau halten und womöglich herausbringen, wie für ihn die Dinge standen. Das konnte der gute Mann immerhin versuchen; vielleicht genügte schon ein halbes, hingeworfenes Wort, um ihn geschmeidig zu machen. Vielleicht! — Ein Wechsel ohne Bürgen, eine Forderung, die der Schuldner noch nicht anerkannt hat- Am späten Nachmittag bestellte Ruth den Wagen, um in die Stadt zu fahren. Sie hatte verschiedene Besorgungen zu machen und war während der Abwesenheit des Barons nicht aus denl Hause gekommen; jetzt stand sie im knappen, dunkelgrauen, mit Pelz verbrämtem Costüme, frisch wie eine Rose, flich zu ge- eiche Stirn. »gen keinen denkt ganz ld erhalten, h jedenfalls dieser Ge- werden — nder." hast große rgnons, Du »gleich ihren raurig, aber bst resignirt nun Andere em, innigem gebannt." „solltest in's ale und der en — es ist nicht, Ruth, allein unierte Ruth hin- des Barons. Unruhe. er?" i, als er sich de es möglich es, was es . Seine Ge- selben Stunde ob der Com- sei? ,ann war mit m Morgen zu n wenig den atte es häufig einen geriebe- wenn sich alle mmen würden, unruhiges Ge- alles Weitere Ran schwindelt mb kann nach- jen Besuch der ren, ein wenig jie für ihn die immerhin ver- worsenes Wort, eine Forderung, Wagen, um in Besorgungen zu i Barons nicht nappen, dunkel- wie eine Rose, in Cäclliens Zimmer und streifte die Handschuhe an ihre Finger. „Hast Du noch irgend einen Auftrag für mich, CM?" Die Baronin führte das Taschentuch an ihre Lippen. „Willst Du meine Pulver in der Apotheke erneuern laffen, Ruth? Oder soll ich den Diener schicken?" Cäciliens durchsichtige weiße Finger reichten ihr das Blatt. „Bleib" nicht so lange fort, mein Liebling/' bat sie mit unsicherer Stimme. „Fühlst Du Dich denn so schwach, CM? Soll ich lieber für heute den Wagen wieder abbestellen?" „Rein, nein, geh' nur. Wie hübsch Du bist, Ruth, wie ganz geschaffen, einen Mann zu beglücken. Vielleicht heirathest Du bald." Ein jähes Roth färbte das liebliche Gesicht des jungen Mädchens. „Ich sollte heirathen, CM? Niemals, deffen sei sicher." „Das weißt Du nicht, Kind. Gott schenke Dir tausendfältigen Segen." Ruth beugte sich liebevoll über ihre kranke Schwester. „Du bist so geändert, so sonderbar, Cilli. Soll ich nicht lieber den Arzt herausschicken?" Die Baronin schüttelte beinahe heftig den Kopf. „Nein, auf keinen Fall, Liebe. Du irrst, vollständig; ich bin nicht kränker als gewöhnlich." „Dann Adieu, bis ich wiederkomme. Schlafe, Cilli, — Deine Pulver bringe ich Dir mit!" „Adieu! Adieu!" Ruth verließ das Zimmer und die Baronin lag regungslos mit gefalteten Händen auf dem Bette. Der Schnee knirschte unter dem Druck der Wagenräder; -jetzt verhallte das letzte Geräusch und nun war es ganz erstorben. Die weit offenen Augen der jungen Frau sahen ziellos in's Leere. Eine leise, vorsichtige Hand öffnete die Thür, Adele setzte sich mit einer Stickerei an das Fenster. „Soll ich vorlesen, gnädige Frau?" Cäcilie schauerte wie im Fiebersrost. „Haben Sie die Bibel, liebe Adele?' Die Gesellschafterin blickte plötzlich auf. „Verzeihung, gnädige Frau — ich verstand nicht!" „Haben Sie die Bibel?" Das war in einem etwas bestimmten Tone gesprochen; es schien jede Widerrede von vornherein abschneiden zu wollen. Mit spitzen Fingern erfaßte Adele das heilige Buch und legte es vor sich auf den Tisch. „Welches Kapitel, gnädige Frau?" „Lesen Sie den hundertdreiundvierzigsten Psalm." Dann schloß Cäcilie die Augen, ihre Hände lagen leicht gefaltet auf der Decke. „Herr, erhöre mein Gebet, vernimm mein Flehen um Deiner Wahrheit willen, erhöre mich um Deiner Gerechtigkeit willen. Und gehe nicht in's Gericht mit Deinem Knechte, denn vor Dir ist kein Lebender gerecht. Denn der Feind verfolgt meine Seele und schlägt mein Leben zu Boden, er legt mich in das Finstere, wie die Toden in der Welt. Und mein Geist ist in mir geängstigt und mein Herz in mir verzehrt." Adele schob das Buch von sich; ihr Gesicht war verändert, aschbleich. Solche Dinge an einem Novembertag, wenn der Wind den Schnee gegen die Fenster wirft und kein Geräusch bis zu uns dringt, — wenn Alles in der Natur an den Tod erinnert! Cäcilie lächelte traurig. „Fürchten Sie den Tod, Adele?" „Wer fürchtet ihn nicht, gnädige Frau? Es sind unbekannle Schrecken, die sein Name in unsere Seele trägt." „Der Tod ist ein Freund, ein Erlöser," sagte kaum verständlich die Baronin. „Gerade das Leben birgt die Schrecken." „Soll ich weiter lesen, gnädige Frau?" „Noch die nächsten Verse — nur wenig." „Ich breite meine Hände aus zu Dir, meine Seele dürstet nach Dir wie ein dürres Land. Herr, erhöre mich bald, mein Geist vergeht, verbirg Dein Antlitz nicht vor mir —" Adele sprang auf, ein Schluchzen ihrer Gebieterin ließ 67 - sie plötzlich verstummen; das heilige Buch flog unsanft in eine Ecke. „Weinen Sie nicht, gnädige Frau! Das kommt von diesen schaurigen, immer an Sünde und Strafe erinnernden Worten. Soll ich Ihnen etwas vorspielen oder einen Roman lesen? Es sind neue Sachen da!" Cäcllie schüttelte den Kopf. „Nein, Adele, nein. O, ich bin todestraurig, auf mein Haupt ist ein vernichtender Schlag gefallen." „Gnädige Frau, Sie sprechen im Fieber." Die Baronin hielt mit ihren beiden heißen Händen die Rechte des jungen Mädchens umklammert. „Weshalb sollte ich es Ihnen verschweigen, Adele? Das Alles wird ja so bald schon offenkundig werden! Mein alter Onkel hat mich enterbt, Ruth bekommt das ganze Vermögen." „Ruth?" Die Gesellschafterin fchrie es fast; ein Blitz des ungemefsen- sten Haffes sprühte aus den schwarzen Augen hervor. „Das ist eitt Verbrechen, gnädige Frau, eine Abscheulichkeit ohne Gleichen." Cäcilie ließ den Kopf schwer auf das Kiffen zurücksinken. „Ich weiß es nicht," sagte sie seufzend, „vielleicht war die Absicht gut; der sterbende Mann glaubte das Rechte zu thun. Aber ich bin schwer, unendlich schwer betroffen worden. Es ist mir, als sei der Platz, den ich hier im Hause einnehme, erschlichen; ich Unglückliche, die nichts besitzt, nichts auf der Welt, um damit die Liebe des Barons zu gewinnen, zu erhalten, die nur Mitleid erregen kann, aber keine Zärtlichkeit!" Und als die Gesellschafterin schwieg, setzte sie hinzu: „Ich habe meinem Manne kein Kind geschenkt, sein Name stirbt aus um meinetwillen, ich war seit dem ersten Jahre unserer Ehe krank, ihm eine Last, ein Hemmniß überall. Jetzt wird ihm auch das Vermögen, welches mir gehören sollte, von der fremden Willkür entzogen. Das ist der letzte, schwerste Schlag." Adele schauderte. „Wie kalt es ist!" flüsterte sie unwillkürlich. „Das macht die Aufregung. Mir ist, als hätte ich Eis in den Adern. O, Adele, Adele — wenn ich ruhiger werden könnte." „Fräulein Aßmann hat kein Herz," sagte die Gesellschafterin. „Sie kann scherzen und lachen, ihre Blicke glänzten heute Morgen vor Freude." „Weil sie auf alles Geld freiwillig verzichtet. Der Baron soll ganz so über die Erbschaft verfügen, als sei diese ihm persönlich zugefallen — meine Schwester denkt gewiß an sich selbst immer zuletzt." Adele biß sich auf die Lippen. „Dann ist ja Alles gut," sagte sie in verändertem, hartem Tone. „Alles!" klang es wie ein Hauch aus den Kiffen hervor. „Nur die schreckliche Unruhe, die Fürcht — ich kann sie noch nicht beherrschen." Die Gesellschafterin ließ den Fenstervorhavg herab und entzündete eine Lampe. „Soll ich lesen, gnädige Frau?" „Heute nicht, Adele. Laffen Sie mich für eine Stunde allein — mir ist das Herz unsagbar schwer. Ich möchte schlafen." Ohne ein Wort verließ die Gesellschafterin das Zimmer, dem leisesten Winke gehorchend, schattengleich wie immer. Auf ihrem blaffen Gesichte lag der Ausdruck eines leidenschaftlichen, nicht zu verbergenden Haffes. Als sich die Thür hinter ihr geschloffen hatte, erhob sich die Baronin, warf ein großes Tuch um ihre Schultern und ging mühsamen Schrittes zum Schreibtisch. Hier, im hellen Licht der Lampe, erschien ihr Antlitz wie von Perlmutter, bläulich weiß, ohne einen Hauch von lebendiger, frischer Farbe. Sie schrieb lange und nahm dann den Brief mit sich in ihr Schlafzimmer. Die Jungfer wurde an diesem Abend nicht gerufen. Cäcilie machte ihre Nachttoilette ohne Hilfe und blieb allein, bis Ruth aus der Stadt zurückkam; dann ertönte erst die Klingel. „Ich laffe Fräulein Aßmann bitten." (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Gegen Katarrhe. In der winterlichen Zeit mit ihren trockenen Frosttagen und eisigen Nord« und Ostwinden, wie auch mit den feuchtkalten Thauwinden aus Süden und Westen mit dem oft schnellen Wechsel der Uebergangrtage und den dabei häufig eintretenden Erkältungen und Katarrhen muß allen Ernstes immer wieder auf eine ganz einfache, leichte Manipulation hingewiesen werden, welche einen Schnupfen kaum aufkommen läßt und selbst einen Halrkatarrh mit seinen mancherlei bösen Folgen noch zurückhalten kann, wenn die Anwendung rechtzeitig genug erfolgt. Diese einfache und nicht» kostende Manipulation besteht darin, daß man Waffer au» einem Glase durch die Nase zieht und nachher wiederum durch Gurgeln den gelösten Schleim, der im Munde sich gesammelt hat, entfernt. Niemand sollte, ob klein oder groß, seine Toilette für beendet betrachten, bevor er sich dieser kleinen Mühe unterzogen hat. Für gewöhnlich benutzt man in gesunden Tagen kaltes Wasser dazu. Nur wenn dieses durchaus nicht vertragen wird, oder wenn wirkliche Erkältungszustände und entzündliche Reize und Anschwellungen vorhanden sind, ist dies Verfahren mit lauwarmem Wasser vorzunehmen und im Laufe des Tages öfter» zu wiederholen. Gar manche sich vorbereitende Ansteckung mit schweren Erkrankungen kann durch diese kleine Mühewaltung beseitigt und verhütet werden. Jeden Tag sollte da» Morgenrezept lauten: Aufstehen, ankleiden, Wasser durch die Nase ziehen, gurgeln, waschen, kämmen, Kaffee trinken- Nach einiger Gewöhnung wird e» einem zum Bedürfniß, so daß man e» nicht wieder aufgeben kann. • • Das Treiben der Blumenzwiebeln im Zimmer. Die im October gepflanzten Treibzwiebeln dürfen jetzt warm gestellt werden. Man bringe die allmählich an höhere Wärme gewöhnten Zwiebeln auf das Fensterbrett des Wohnzimmers. Gießt man hier die Töpfe stets derart mit erwärmtem Wasser, daß die Erde immer gleichmäßig feucht, aber nicht naß ist, schützt man sie ferner vor Zugluft und starke Wärmeschwank' ungen, so werden sich die Blumen rasch entwickeln. In der Wärme des Wohnzimmers gelangen alle stützen Hyacinthen und Tulpen, dann auch die niedlichen Scillas und die treibbaren Narzissen, Tazetten und Jonquillen zur Entwickelung. Die übrigen Treibzwiebeln, namentlich Krokus, Schneeglöckchen, Schachblumen, Muskat-Hyacinthen u. a. sollten im Zimmer nicht vor Mitte Januar und nur bei einer Temparatur von 6-8° R. getrieben werden; sie entwickeln sich dann unter Einwirkung der Wintersonne meist schon in wenigen Tagen, während sie bei höherer Wärme vom Ungeziffer befallen werden und verderben. Die Hyacinthen auf Gläsern vertragen kein eigentliches Treibverfahren; man bringt sie, nachdem sie die Zwiebeln ordentlich bewurzelt und eine etwa 1—2 Centimeter lange Spitze getrieben haben, von ihrem bisherigen dunklen und kühlen Standort am besten zwischen die Doppelfenster des Wohnzimmers. Bei Frost öffne man über Nacht die inneren Fensterflügel etwa» oder bringe die Gläser ganz in's Zimmer. Obwohl nicht warm gehaltene Hyacinthen mehrere Kältegrade ertragen, ist doch die oben geschilderte Vorsichtsmaßregel geboten, denn die Gläser platzen, falls das Wasser in ihnen gefriert. Auf Gläsern zwischen Doppelfenstern gepflegte Hyacinthen blühen in der Regel im März und April. Vermischtes. Eine alte, aber wahre Geschichte. Das Gleich, niß ist von jeher ein wirksame» Mittel gewesen, um allgemeine Wahrheiten nachdrücklich zur Erkenntntß und Geltung zu bringen. Eine solche Wahrheit ist z. B., daß die Kindererziehung nur dann ersprießlich sein kann, wenn Vater und Mutter an einem Strange ziehen. Hören wir nun, was hierüber da» Gleichniß sagt: Ein Mann hatte einen kleinen Garten mit seiner Frau umgegraben und bestellt. Ein Beet ist noch leer; da säet er heimlich, um seiner Frau eine Freude zu machen, Salat darauf. Den andern Tag denkt seine Frau an da» leere Beet und steckt, um ihrerseits dem Manne eine Freude zu machen, Bohnen darauf. Jeden Tag nun gehen Mann und Frau heimlich zu dem Beete, um zu jäten, ohne von der Aussaat der andern Ehehälfte Kenntniß zu haben. Die Frau hält den Salat für Unkraut, der Mann die Bohnen, auf diese Weise erhält der Mann keinen Salat und die Frau keine Bohnen. So ist der Erfolg der Kindererziehung, wenn die Mutter erlaubt, was der Vater verbietet, und der Vater ausreißt, was die Mutter gepflanzt hat. Der Klapperstorch und die Sonntagsruhe. Clara, das Töchterchen eines Kaufmanns, der sich wiederholt im häuslichen Kreise über die Sonntagsruhe geäußert hat, ist zugegen, als er der Mama aus der Zeitung den Roman vor» liest. „Was ist denn das, ein Sonntagskind?" unterbricht die Kleine den Papa. — „Ein Kind, das gerade an einem Sonntag vom Storch gebracht worden ist," belehrt der Vater- — „So! Dann gibt es also jetzt keine mehr?" — „Warum denn nicht?" — „Nun, weil wir doch jetzt die Sonntagsruhe haben und der Storch da keine Kinder bringen darf," entgegnete Clärchen gewichtig und wendet sich wieder ihren Puppen zu. Vorsicht. „Heut' hab' ich aufg'sagt — die Lauferei wird mir zu viel; alle Tage zwölf Glas Bier holen und jede» in einem anderen Restaurant —I" — „Warum denn das?" — „Die Frau will's so, weil sie fürchtet, wenn ich'» in einem Restaurant hol', so sagen die Leut': Der Herr trinkt!" * • * Vom Lande. Bauer (zu einem Herrn): -„Ja, wissen Se, wir Bauern hier theilen uns in zwei Klassen, in solche, die nix haben und in solche, die gar nix haben." * * * Natürlicher Grund. Fremder: „Ihr Dorfschulze sieht aber sehr angegriffen aus, der ist wohl krank gewesen?" — Bauer: „Ach nein! Aber der arme Mensch hat in den letzten Wochen so häufig seinen Namen schreiben müssen!" ♦ • Abgeführt. Erste Frau: „Mein Mann ist das Muster eines Ehegatten; er hält mir Pferd und Wagen!" — Zweite Frau: „Das hat meiner nicht nöthig, der trägt mich auf den Händen I' ♦ * ♦ Unterwegs. „Ich benütze grundsätzlich keinen Personenzug, ich benütze nur durchgehende Züge!" — „Ach, Sie sind wohl Cassirer!" • * ♦ Zu viel verlangt Jagdgast (dem eben beim Treiben ein paar große Schrote in bedenklicher Nähe um den Kopf pfeifen, wüthend zu dem unvorsichtigen Schützen): „Zum Teufel, Herr, denken Sie denn, ich sei mitten im Winter in einer Hagelversicherung?" e * * Was er fühlte. Der Herr Pfarrer setzt einem bösen Buben den Kops zurecht. Als er fertig ist, fragt er den Sünder: „Nun sag' mir einmal, was hast Du denn bei meinen Worten gefühlt?" — „Daß — daß mt der Herr Pfarrer all'weil in'» Gesicht gespuckt haben!" • * X Falsch verstanden. Hausfrau (zu ihrem neuen Dienstmädchen vom Lande): „Rest, mein Mann ist nicht wohl — legen Sie ihm heute Abend eine Flasche in's Bett!" — Resi: „Weißwein oder Rothwein?" • e Neugierig. A.: „Sag' mal, lieber Freund, ist Deine Frau neugierig?" — B.: „Die? - Die ist überhaupt blos aus Neugierde auf die Welt gekommen!" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gietzcn.