v\' AiS4, ” - I ' ; /. ' • , - . . - - :- . ■ 7 , *■ Ä s^BI Za?'-: Nr. 118 1893 Samstag, den 7. Octover. — lS-'J-—■* fS—w----- Unterhaltungsblatt jtnn Girstenev Anz«ig«v (Gsneral-Anzeiger) Dunkle Mächte. Novelle von B. Corony. (Fortsetzung.) „Ich würde doch vorschlagen, sogleich zu einer Haussuchung zu schreiten," bemerkte Frank. „ES wird wohl kaum etwas Anderes übrig bleiben," stimmte die alte Dame bei, „und doch möchte ich diese Roth- wendigkeit so gern umgehen, erstens, weil mir das unvermeidliche Aussehen höchst unangenehm ist und zweitens, weil ich Niemandens Ehrgefühl verletzen will. Meine Dienstleute gaben mir nie Grund, sie zu beargwöhnen. Würde es sich nicht um eine so große Summe und zugleich um den Verlust eines theuren Andenkens handeln, so zöge ich wirklich vor, die ganze Sache fallen zu lassen." Mit sichtbarer Erregung ordnete sie die Papiere in der aufgezogenen Schublade, hielt jedoch plötzlich inne und starrte wie versteinert auf einen kleinen Gegenstand, der unter einigen Schriftstücken hervorrollte. Im selben Augenblick schrie Rasaele, die sich über ihre Schulter geneigt hatte, laut auf und umklammerte mit beiden Händen die Stuhllehne. „Was ist geschehen?" rief Magda tief erblassend. Schweigend betrachtete Frau v. Waldau immer noch den unerwarteten Fund. Es war ein Chemisettenknöpfchen, in ungemein kunstvoll ausgeführter Arbeit einen Januskopf darstellend, und die Versammelten konnten keine Secunde darüber im Zweifel sein, daß dieses Kleinod Erich von Degenfeld gehörte. „Seltsam," sagte die alte Dame endlich und ihre Stimme klang ganz fremd, „was soll ich davon denken?" „Wie kommt diese Gemme hier herein?" stammelte Rafaels und schwankte wie vom Schwindel ergriffen, richtete sich aber sofort wieder stolz empor, als Frank den Arm stützend um sie legen wollte. „Welch' ein Räthsel! Der Schreibtisch war ja verschlossen." „Dann muß man ihn mit einem anderen Schlüssel geöffnet haben." Frau von Waldau sprach diese Worte schwer und langsam, wie mit halbgelähmter Zunge, und fuhr, nachdem mehrere Minuten drückendes Schweigen geherrscht hatte, fort: „Es handelt sich jetzt um viel Wichtigeres, als um den Verlust des Geldes — nämlich' um die fast unabweisbare Befürchtung, daß mein Vertrauen schwer getäuscht wurde und zwar von Jemand, dessen Ehre mir theuer war." „Mutter, was für ein Verdacht taucht in Deiner Seele auf?" rief Rasaele, während die Röthe des Unwillens ihre Wangen färbte. „Herrn von Degenfeld kannst und wirst Du doch nicht einer so niederen Thal für fähig halten?" Die Gegenwart des Arztes legte ihr eine gewisse Zurückhaltung auf, aber die zarten, blauen Adern an den Schläfen traten viel deutlicher als sonst hervor, weil das empörte Blut siedend heiß von dem cheftig pochenden Herzen emporschoß: „Das ist gerade so widersinnig und ungerecht, als ob Du mich oder Magda beschuldigen wolltest." Fast herausfordernd blickten die wundersamen Augen und dennoch glühte die düstere Flamme der Verzweiflung in ihnen. „Mein liebes Kind," erwiderte die alte Dame herb, denn ei» Gefühl tiefer Beschämung erfaßte sie bei dem Gedanken an ihre, dem Doctor gemachten Mittheilungen, „ich besitze mehr Erfahrung und größere Menschenkenntniß als Du und bin dessen ungeachtet schon oft genug irre geführt worden. Daß Deiner reinen Seele solche Gesunkenheit unmöglich scheint, begreife ich sehr wohl, aber das Leben bereitet uns oft traurige Ueberraschungen. — Ich beschuldige Niemand, sondern verlange nur Aufklärung des mir durchaus Unverständlichen. In ein Möbel, welches, wie Du selbst behauptest, fest verschlossen war, kann nichts zufällig hineingerathen und hier halte ich einen unerbittlichen, kleinen Ankläger in der Hand." „Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll, — aber der Argwohn ist unbegründet." „Es sollte mir lieb sein, wenn ich diese Ueberzeugung gewinnen könnte — indes — Wunder geschehen nicht mehr." „Warnte'Erich Dich nicht selbst vor der Unsicherheit dieses Schreibtisches?" „Gewiß. — Er war der Erste, welcher mich darauf aufmerksam machte und mithin auch der Erste, der daran dachte. Ich erinnere mich sehr wohl seiner Bemerkung, daß in Altdorf ein ganz gleicher, unbenützter stehe, daß die Schlösser alle große Aehnlichkeit miteinander haben und daher sehr leicht zu öffnen sein dürften." „Und diese ehrliche Warnung gibt Dir Grund, ihn zu be- argwöhnen?" L , ,c „Ich halte mich an die Thatsachen, und die sprechen leider gegen ihn. — Daß über seinen Bruder die schlechtesten Ge- rüchte circulirten, dürfte auch Dir nicht unbekannt sein." Rasaele lachte bitter auf. „Der meinige starb als Kind schon an einer schleichenden Krankheit — und ich bin gesund und blühend." Still weinend saß Magda am Fenster. „O, wie leid — wie leid mir das Alles thutl" flüsterte sie, den zierlichen Kopf auf die verschlungenen Hände sinken lassend. „Könnte ich nur helfen! Wäre ich nur nicht so machtlos." Finster starrte Frank vor sich hin. Wie sehr mußte Rafaele, das stolze, unnahbare Mädchen doch Degenfeld lieben, daß sie auch jetzt so entschieden an seine Seite trat- — Diese Erkenntniß glich dem Stich eines Scorpions, sie wirkte wie tödtliches Gift. „Was ist denn Ihre Meinung, lieber Doctor? Sonst so entschieden in allen Dingen, beobachten Sie heute ein wahrhaft auffallendes Stillschweigen und doch bedarf ich gerade, was diese Angelegenheit betrifft, Ihres Rathes!" rief Frau von Waldau mit schmerzlicher Ungeduld. „Mein Gott, ich stehe ja so allein und so hilflos da! Was soll ich denn thun?" Mazda sprang empor und ergriff seine Hände. ,,O, lieber, lieber Freund," stammelte sie, während Thränen über ihr bleiches Gesichtchen flutheten, „verlassen Sie uns nicht! Wir haben ja Niemand auf der Welt, der uns armen, einsamen Frauen beisteht. Könnte ich nur sagen, nur ausdrücken, wie mir zuMuthe ist! — Sie dürfen sich nicht von uns wenden!" „Ich will es ja auch keineswegs," erwiderte er mit einer Stimme, durch deren Rauhheit tiefe Bewegung klang. „Halten Sie mich nicht für kalt und theilnahmlos. Gleichgiltig ist mir dieser Vorfall gewiß nicht- — Wie soll ich aber rathen, da wir hier vor einem unlöslich scheinenden Räthsel stehen? — Ich kenne Herrn von Degenfeld zu wenig, als daß ich im Stande gewesen wäre, mir eine unumstößliche Meinung über ihn zu bilden, sogar ob der hier gefundene Gegenstand ihm gehört oder nicht — würde mir unmöglich sein mit Bestimmtheit zu behaupten. Mich beschäftigen stets so viele Gedanken, daß ich auf Dinge, die anderen Personen auffallen und sie in» teresstren, kaum achte. — Uebrigens bin ich der Ansicht: ein Jrrthum ist niemals ausgeschlossen und hier könnte der allerdings seltsame Zufall walten, daß Jemand ein gleiches Schmuckstück besessen habe. — Wunderbar würde das freilich sein, denn solche kunstvoll gearbeitete Gemmen sieht man nicht häufig. Es kommt also einfach auf die Frage an, ob Herr von Degenfeld beide Chemisettenknöpfchen vorzeigen kann; wenn ja, so darf ihm natürlich das Verschwinden der Kassette nicht zum Vorwurf gemacht weroen, denn an die Möglichkeit der schnellen Nachbestellung eines derartigen Kunstwerkes ist gar nicht zu denken." „Sie haben das Rechte getroffen, Herr Doctor!" rief Rafaele lebhaft. „Nun muß und wird sich Herausstellen, daß der Mutter häßlicher Verdacht ganz unbegründet ist." Sie schien diesen Gedanken wie einen Rettungsanker zu ergreifen. Frau von Waldau schellte. „Robert soll nach Altdorf hinüber reiten und den Verwalter Herrn von Degenfeld bitten, womöglich sogleich zu mir zu kommen," befahl sie. „Erlauben Sie mir, mich zu verabschieden," sagte Frank. „Gerade jetzt würde ich Sie gern in Clauswitz wissen." „Unmöglich, meine Anwesenheit könnte die Situation nur noch peinlicher machen. Bedürfen Sie meiner, so bin ich stets bereit, Ihrem Rus zu folgen." „Ich begreife, daß ich Sie nicht zurückhalten darf." „Das muß Ihnen Ihr eigenes Zartgefühl sagen." „Ja, ja — aber welche Stunde steht mir bevor!" „Vielleicht klärt sich Alles leicht und schnell auf." „O gewiß, gewiß!" rief Rafaele- „Leben Sie wohl, meine Damen! — Und kämen Sie in die Lage, das größte Opfer von mir zu fordern — ich würde glücklich fein, es bringen zu dürfen. Gott weiß, daß ich Ihnen mit ganzer Seele ergeben bin." „Auch wir wissen es, Herr Doctor," sagte Frau von Waldau, seine Hand drückend. Magda schlüpfte neben ihm hinaus. Ein heftiger Sturm hatte sich erhoben und schüttelte goldgelbe und purpurrothe Blätter von den Bäumen. Emporwirbelnd und sich im Kreise drehend, sanken sie endlich langsam nieder und einige blieben in den krausen Haaren des Mädchens hängen, das so klein und zart wie ein Kind an der Seite des stolzen, hohen Mannes -erging und dessen Füßchen förmlich in dem dürren, raschelnden Laub versanken. „Ich verabscheue — ich hasse alles Matte und Farblose," agte sie. „Dem, der mir theuer ist, gebe ich meine ganze Seele hin, und deshalb thut es mir so weh, daß ich hier nicht helfen kann, denn Ihnen, dem treuen, ehrlichen Freunde, darf ich ja anvertrauen, was mich quält und beunruhigt: Rafaele, meine Schwester, meine Jugendgespielin liebt Herrn von Dege» feld. O Himmel, wie muß sie leiden! — Wie sehr kann ich mich in ihre Lage denken! Ein häßlicher Fleck auf dem Namen, der einem das Theuerste auf der Welt ist! Giebt es wohl Entsetzlicheres? — Das Leben möchte ich opfern für Diejenigen, die mir, der unglücklichen Waise, eine Heimath boten! — Und nun sehe ich den Jammer, fühle ihn tausendfach in der eigenen Brust — und vermag keinen Trost zu spenden. — Glauben Sie denn, daß Erich fähig war, eine solche Schändlichkeit zu begehen?" „Er wird ja nun bald Gelegenheit haben, sich zu rechtfertigen," erwiderte Frank fast schroff. „Mag er es doch thun! Ein erbärmlicher Wicht, der in seinem Rechte ist und doch keine überzeugenden Accente zu finden vermag! In solchem Falle muß Jeder sein eigener Anwalt sein. Ich kann ihm nicht helfen! Leben Sie wohl! Mich ruft meine Pflicht!" „Wollen Sie nicht den Wagen benutzen?" „Danke. Der Abend ist wunderschön." Nur flüchtig verabschiedete er sich und verließ sodann den Garten. Erstaunt und gekränkt blieb Magda an dem niederen Gitter stehen. So rauh und ungeduldig hatte er noch nie zu ihr gesprochen. Das goldigflammende Licht der untergehenden Sonne hüllte die Richtung nach der Bahnstation zu in blendendes Gefunkel. Das Mädchen mußte schützend die Hand über die Augen halten, um dem rasch Dahinschrettenden nachsehen zu können. Dabei riß sie bald das schmale Thürchen auf, bald schloß sie er. Fast hätte ihr leidenschaftliches Ungestüm wieder über Vernunft und Ueberlegung gesiegt. Es war ihr, als zögen unsichtbar! Ketten sie dem Scheidenden nach. Auf die Landstraße hinaus- fliegen, ihm folgen, sich an seinen Arm klammern und ein einziges gutes Wort erflehen, hätte sie mögen. Zwischen den halbgeöffneten Lippen klang es wie das trostlose Wimmern einer hilflosen, ängstlichen Kindes hervor. Ihre ganze, ach, ost so schnell erlahmende Willenskraft mußte sie aufbteten, um nicht eine thörichte That, deren sie sich fpäter geschämt haben würde, zu begehen. Nun verschwamme» auch die letzten Umrisse der sich schnell entfernenden Gestalt wie in blutrothem, von sprühenden Funken durchrieseltem Nebel. Magda warf sich nieder in das welke Laub. „Mein Gott — liebe ich ihn denn? — Liebe ich ihn denn?" stöhnte sie, mit dem feinen Fingern in dem üppigen Haar wühlend. „Dann müßte ich ja wahnsinnig werden oder sterben — denn er — liebt mich nicht! Ich bin ihm gleich- giltig — ich bin nichts - nichts für ihn! Selbst nicht jene Freundin — oder ein Wesen, das ihm nöthig ist, das ihm helfen kann, den Gipfel des Ruhmes zu erklimmen." Eine andere Stimme schien sich in ihrem Innern zu erheben und diese antwortete: „Nein, Du liebst ihn nicht — wer er fesselt Dich wie mit Zauberbanden. Dein Wille, Deine Gedanken gehören Dir selbst nicht mehr an. Sein Blick brennt tief — tief in Deine Seele und vermag seltsame, verworrene Bilder heraufzuschwören. Wenn Frank behauptet, Du habest Dies oder Jenes gesagt, dann suchst Du oft vergebens in Deinem Gedächtniß — aber wenn er darauf beharrt dann wird Dir zu Muthe wie Jemand, in dem unklar und dunket die Erinnerung an einen fast ganz vergessenen Traum ausdämmert. — Dann antwortest Du, gegen Deine bessere uever- zeugung, zustimmend. Die Macht, über Dich selbst zu verfügen, ist Dir genommen. — Solltest Du den Mann w hassen, der solche Gewalt über Dich hat?" — , „Mein Gott, hilf mir! Hilf mir, wenn ich nicht zu Grunde gehen, wenn ich mich selbst und den Glauben an Dich nuy in diesen Zweifeln verlieren soll!" schluchzte die Bange, Rary - 4W ~ lose. „Du befiehlst uns, Dir zu vertrauen — über wir sind nur arme, schwache Menschen, deren Blick das furchtbare Dunkel der Zukunft nicht zu durchdringen, nicht das Echte von dem Falschen zu unterscheiden vermag. Könnten wir uns vor Deinem Thron niederwerfen, in Dein Antlitz sehen, Dein Gebot hören — dann wäre Alles, Alles anders und besser. Wer auf Erden wandelt, der bedarf sinnlicher Wahrnehmungen- Nur wenige sind so erhaben, daß sie, alles Irdische vergessend, sich dem Höchsten zuwenden können. Ich gehöre nicht zu Ihnen. Ich flehe Dich an, mir betzustehen, denn ich fühle, daß der Boden unter meinen Füßen schwankt, daß ich verloren bitt, wenn kein allmächtiger Schutz über mir waltet. — Was soll ich beginnen? Was wird aus mir, die sich selbst nicht mehr kennt?" Ihre Stirne sank auf die gerungenen Hände. Wie lange sie so verharrte, wußte die Tieferregte kaum. Erst die Worte: „Was ist Dir?" schreckten sie auf, so daß sie sich taumelnd erhob. Rafaele stand neben ihr. „Ich bin unglücklich — unglücklich —" stammelte Magda. „Was hier vorgeht, bricht mir fast das Herz." „Warum ängstigst Du Dich?" fragte die Freundin mit seltsam ruhig klingender Stimme. „Ich bin fest überzeugt, Erich kann mit wenig Worten die Erbärmlichkeit dieses Verdachtes beweisen. Sieh' — Dir allein vertraute ich an, wie unendlich ich ihn liebe — sogar die Mutter weiß die Größe dieses Gefühles nicht zu ermessen — und doch bin ich ruhig, weil ich seiner Ehre so fest vertraue, wie der meinen. Er hat den Schreibtisch niemals berührt." Ferne Hufschläge wurden vernehmbar. „Komm'," rief Rafaele, den Arm um das Sylphenfigürchen legend, „die Entscheidung ist uns nahe, und ich zage nicht vor ihr, denn meinen Glauben an den Geliebten wird nichts erschüttern." Von dem Reitknecht begleitet, sprengte Erich von Degenfeld in den Hof des Gutes Clauswitz, eilte rasch die Treppe empor und stand bald darauf vor Frau von Waldau, zu der man ihn führte. Sie erhob sich von ihrem Stuhl und trat ihm entgegen, er bebte aber fast zurück, so blaß und ernst sah sie aus. Ihre Hand, die ihm sonst stets freundlich dargeboten wurde, hing schlaff in den Falten des schwarzen Kleides und die alte Dame schien gar nicht zu bemerken, daß er die {einige hinreichte. „Herr von Degenfeld," begann sie, ihn mit einer kühl höflichen Bewegung einladend, Platz zu nehmen. „Sie besaßen zwei wunderbare Gemmen, die ich oft bewunderte. Sind Sie noch im Besitz derselben?" Betroffen blickte er sie an und erwiderte: „Die eine ge« rieth in Verlust. Mehrere Wochen mögen indessen verstrichen sein. Wann und wo ich sie verlor, ist mir übrigens selbst ein Räthsel. — Sollte sich dieselbe vorgefunden haben?" „Ja. — Erkennen Sie diesen Gegenstand als Ihr Eigen- thum?" „Gewiß I" rief er, den kleinen Januskopf in Empfang nehmend. „Ich selbst entdeckte ihn. Jnteresstrt es Sie vielleicht, zu erfahren: wo?" Ihre Stimme klang so eisig, daß er eine Geberde der Ueberraschung machte. „Ich bitte Sie, es mir mitzutheilen." „Er lag in der Schublade meines Schreibtisches, dessen Schlüssel ich sorgfältig verwahrte." „Wie sollte das möglich sein?" „Dies zu erklären muß ich Ihnen überlassen und will nur hinzufügen, daß aus derselben Schublade meine Kassette von oxidirtem Silber verschwunden ist, welche, wie Sie wissen, große Geldbeträge barg." „Was wollen Sie damit andeuten?" rief Degenfeld, die Stirne furchend. „Ich ersuche Sie, offen zu sprechen." „Das würde ich auch ohne diese Aufforderung gethan haben," erwiderte sie mit gleicher Eiseskälke, wie früher. - „Nur ungern willigte ich in eine heimliche Verlobung meiner einzigen Tochter. Gar viele Bedenken erhoben sich in mir gegen die projectirte Verbindung, aber der Wunsch, mein Kind glücklich zu sehen, war mächtiger. — Einer umständlichen Erklärung bedarf es hier wohl nicht. Die Krage: Was soll ich davott denken, daß dieser winzige Schmuckgegenstand in dem Möbel lag, aus welchem mir fast ein Vermögen geraubt wurde? dürfte wohl genügen." „Sie genügt in der That vollkommen, um mir zu beweisen, daß Sie mich für einen Schurken halten." Degenfeld war aufgesprungen. Seine Stimme bebte, Zorn und Empörung flammte aus seinem Blick. „Wenn Sie so schnell den Glauben an meine Ehrlichkeit verlieren können, bann war es überhaupt leichtsinnig gehandelt, daß Sie Rafaelens Hand in die meine legten. I ch sollte fremdes Eigenthum berührt, sollte mich eines gemeinen Vergehens schuldig gemacht haben? — Dieser Verdacht ist so furchtbar und dabei so lächerlich, daß ich keine Antwort finde." „Mit hochmüthigen Redensarten widerlegen Sie ihn nicht. In Gegenwart Rafaelens, Magdas und Franks fand ich die Gemme in dem Schreibtisch, vor dessen Unsicherheit Sie mich warnten, fand sie an derselben Stelle, wo früher die Kassette stand. — Und nun frage ich: was ist geschehen? Nicht das Geld beklage ich; was mein ist, gäbe ich gern hin, gelänge es Ihnen, mich von Ihrer Rechtschaffenheit zu überzeugen, denn ich weiß, wie tief die Liebe in meiner Tochter Herzen wurzelt. So viel mir bekannt, kamen Sie nie in unmittelbare Nähe dieses alten Schreibtisches — es konnte nur an jenem Abende geschehen sein, wo Sie sich über eine Stunde allein hier aushielten. Indem ich Ihnen rückhaltslos Alles zeige, was einen Schatten auf Sie wirst, gebe ich Ihnen zugleich die Möglichkeit, sich zu rechtfertigen. Ich bin keine Phantastin und gehe von der Voraussetzung aus, daß sich auch das unerklärlich Scheinende auf natürliche Ursachen zurückführen läßt. Also sprechen Sie." „Wie dieser Januskopf in Ihren Secretär kam, ist mir räthselhaft. Daß ich hier eine Stunde und länger allein verweilte, kann weder in Abrede gestellt werden, noch habe ich die Absicht, es zu leugnen. Da Sie überhaupt einen so beleidigenden Argwohn fassen konnten, würde es wohl wenig helfen, wollte ich Ihnen auch mit den heiligsten Eiden versichern, daß ich dem seltsamen Vorfall ganz fremd gegenüberstehe. Ich kann daher nur eine strenge Untersuchung verlangen." „Eine sorgfältige Durchforschung des ganzen Hauses wurde sogleich nach Entdeckung des Diebstahles und auf dringendes Anrathen Doctor Franks vorgenommen, hat aber zu keinem Resultat geführt," erwiderte Frau v. Waldau. „Weitere Schritte in dieser traurigen Angelegenheit zu thun, bin ich nicht gesonnen." „Ich verlange aber, daß polizeiliche Anzeige erstattet wird!" fuhr Degenfeld auf. „Dann müßte ich auch meines seltsamen Fundes erwähnen." „Thun Sie es!" • „Würden Sie dann nicht ebenso wie jetzt die erklärende Antwort schuldig bleiben?" „Es giebt überhaupt keine andere, als daß mir die Gemme geraubt und in boshafter Absicht in den Secretär verborgen wurde." „Und wen würden Sie als muthmaßlichen Urheber dieser Jntrigue bezeichnen? Mich, Rafaele oder Magda?" fragte die alte Dame bitter und geringschätzend. „Nur eine von uns könnte es gewesen fein, denn sonst vermochte Niemand zu dem wohlverwahrten Schlüssel zu gelangen, eines falschen kann sich aber auch keiner unserer Hausgenossen bedient haben, denn hier in Clauswitz befindet sich kein zweites Möbel, dessen Schloß diesem ähnlich construirt wäre. — Ich verzichte nicht nur darauf, Anzeige zu erstatten, sondern bat auch Herrn Doctor Frank, strenges Schweigen zu beobachten. Schon aus Rücksicht auf Rafaele kann ich nur so und nicht anders hau- dein. Die Verlobung, obschon nicht veröffentlicht, ist trotzdem manchen Personen kein Geheimniß mehr- Ich will, daß sie ohne jedes Aufsehen gelöst wird, und danke dem Himmel, daß er mein Kind vor einem bejammernswerthen Lose bewahrte. — Nun haben wir uns auf dieser Welt wohl nichts mehr zu sagen-" --- 472 - Genreinnütziges Vevnrifchtes Ja, wissen II* wohl nicht erwarten." „Vielleicht werden Sie noch einmal Ursache haben, Ihr Mißtrauen und die Beleidigung, welche mir heute zugefügt wird, bitter zu bereuen I" rief Degenfeld, in dessen blassem Antlitz nur die zornblitzenden Augen zu leben schienen. „Ich meinte es ehrlich mit Ihnen und liebe Rafaele über alle Be> griffe, jetzt muß mein ganzes Streben darauf gerichtet sein, den Elenden, der meiner Ehre diesen Makel anhestete, zu entlarven." „Bis Ihnen das gelungen ist, erwarte ich, daß Sie mein Laus meiden und keinen Versuch machen, sich meiner Tochter Zum Schutz gegen das Wild umbinde die Bäume im Herbst mindestens vier Fuß hoch mit Dornen, Reisig oder Schilf, oder beschmiere sie auf dieser Höhe leicht mit einer Speckschwarte oder mit Thran. Das Einbinden ist aber sicherer * e * Aepfel - Conservirurrg. Wenn Aepfel beim Aus- bewahren einschrumpfen, so liegt dies zum Theil in der ungeeigneten Ausbewahrung. Das beste Verfahren hiergegen besteht darin, die Aepfel, welche Neigung zum Schrumpfen zeigen, in Fässer, Kisten oder andere Gefäße za verpacken und trockenen Sand darüber zu streuen. Die Gefäße stellt man an einen trockenen, kühlen Ort, wo es nicht gefriert, und läßt sie un- gestört, bis man die Aepfel gebraucht. Auch etwas. Richter: „Was sind Sie denn nun eigentlich, Angeklagter?" — Angeklagter (stolz): „Ick habe vor dreißig Jahren bei die Dragoner gestanden!" Difficile Frage. Mutter: „Meine Töchter können Alles, was ein Mann braucht." — Freier: „Ach, wirklich! cvr.tX /tAttllrtH O-öfToH 9** Die geschossenen Treiber. Gattin: „Warum Hs Du denn das Geschossene nicht mitgebracht?" — Gatte (Som O doch! Wenn auch gegenwärtig durch ein seltsames schon im Herbst die Pflanzenlöcher gemacht haben und, wenn Zusammentreffen gravirender Umstände unfähig, mich zu recht- dies nöthig, im Laufe des Winters gute Erde beifahren, fertigen, muß ich dennoch wiederholen: es handelt sich hier * * um einen schändlichen Betrug. Der Ihnen die Caffette raubte, - wußte mir wahrscheinlich vorher auf geschickte Weise die Gemme zu entwenden und suchte, indem er letztere in die Schublade legte, den Verdacht von sich ab und auf mich zu lenken." „Daß ich dieser Erklärung Glauben schenke, dürfen Sie Ausnutzung. „Aber Herr Pimperl, was fällt Ihnen denn ein, bei dieser Kälte noch zu baden?!" — " Sie, ich bin mit meinem Abonnement noch nicht fertig! Apfelberg. Zu diesem werden kleine, ausgebohrte zu nähern." I Aepfel pyramidenförmig auf eine Schüssel gesetzt und mit Ein- „Zweifelt auch sie an mir?" gelegtem gefüllt. Man überzieht die Pyramide mit gesüßtem, „Was die Augen sehen, vermag selbst das zärtlichste Herz wohl mit Vanille versetztem Eierschnee und bäckt sie eine nicht hinweg zu leugnen." halbe Stunde in der Röhre. Betguß wird hierzu nicht gereicht. „Ich weiß genug!" preßte Degenfeld wie zwischen ge- * e • schlossenen, im Krampf aufeinander gepreßten Zähnen hervor. I Tomatensuppe. Man dämpft einige Chalotten und „Run ist es an nur, meine ganze Willenskraft auf eine ein» I , .„schnittene Tomaten mit 50 Gramm Mehl, Salz zige große Aufgabe zu concentnren. Labe ich das Gluck ver- ^n?50 Gramm Butter weich, gießt so viel Wasser, loren — meine Ehn nuch und will ich zuruck gewinnen! I «uvve braucht, hinzu und läßt diese eine Stunde Die Thüre fiel hinter rhm zu, fern verhallte auf I langsam kochen Dann giebt man sie durch ein Sieb, der Treppe, dann vernahm mani die! Hufschläge des Pferdes, 9M 81 der Menge, 15 bis 25 Gramm Liebigs Fleifch- das in gestrecktem Galopp fortsprengte. Aract hinzu, würzt mit wenig Salz und Muskatblüthe und (Fortsetzung folgt.) rt^tet die vorzügliche Suppe über verlorenen Eiern an und reicht aus besonderer Schüssel Suppenbisquit dazu. Der Werth des Laubes für deu Garten wird von vielen Gärtnern und Gartenfreunden noch nicht genug erkannt oder, wenn solcher auch erkannfwird, so ist man dennoch -------------- ziemlich gleichgültig gegen dasselbe, läßt es im Herbste gar Auch Caution stellen?" oftmals unbenutzt und vom Winde wegführen. Im Garten | * * hat man das Laub wohl weniger des Düngers halber nöthrg, sondern benutzt es mehr zur Gewinnung der Lauberde. Es ist solches hier auch das Richtige, denn eine Laubdüngung des Gartenbodens genügt für viele Gewächse nicht, sondern für sie ist eine kräftige Mistdüngung eher am Platze. Vielen Gewächsen, so namentlich vielen Stauden-, Knollen-, Zwiebel- und Topf- vw# .......... gewächsen, ist aber eine Laubdüngung wieder vorthellhaster ^gsjäger): „Aber wir sind doch keine Menschenfresser!" und dieserhalb sollten wir kein Laub vom Winde fortsühren | " • » lassen, sondern sammeln und in den Garten bringen. Die zweckmäßigste Verwendung des Laubes im Garten ist, wenn man solches im Herbste sammelt, auf Haufen schichtet und zu- sammen faulen läßt, und es erst in verwestem Zustande auf ÄÄ KÄÄ««I „.ÄM'Ä Ä»- ä? »ä ää b-, &> SÄÄi« einerlei. „W°. - S-, ^ck-r? Md gleich,-wg auch gelind seuchi erhsit. Mi man h-irath- ober fort e' net fetage? - „Mach,, wie SO«, aber das gesammelte Laub zwei Jahre auf einem Haufen I willst, Hans, nachher reut Dich s doch! lieaen fo erbält man Lauberde, die in gleicher Weife benutzt I • werden kann? dann aber auch noch zur vorzüglichen Erde für Schlechtes Gewissen. Der Kellner bringt mm Tovsaewäckse wird. Hotelgast am Morgen die Rechnung. Der Gast, weicher am Topfgewächse wrro. , . Abend vorher viel getrunken hat, liest die zweite Sette zuerst. Sobald das Laub abfällt, können Bäume und nämlich: Transport 6 Mark. — "Donnerwetter! ruf Sträucher verpflanzt werden. In sumpfigem Boden pflanzen entsetzt. „Wer hat mich denn gestern Abend hier h wir jedoch indessen erst im zeitigen Frühjahr, nachdem wir I portirt? ____ Redaction: I. V.: Hermann Elle. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.