1893. Ä rfssSi'ÄölJS , x- c_^g----«—L-r ■♦—6—ELj S'5 ■s^g^G^XS- lS—£ * —h.----gx_> AntephalttingsblatL jum Gietzenev Anzeigen sGsneval-2lnzeigev) .’rÄI£^ta<<Ükus -•- •" - -— ----- *'"*■•' 1 Dienstag, den 5. December. i .. ——— ........ """■■........ ... i-, i . i r.u Dunkele Mächte. Novelle von H. v. Limpurg. (Fortsetzung.) Und er bot, jeden Widerspruch abschneidend, dem schönen Mädchen den Arm, führte es zum Flügel und übernahm, nachdem ein Lied gewählt, die Begleitung. Therese hatte sich, um irgend welche Scene zu vermeiden, mit vollster Energie gefaßt und begann das schwermüthig-schöne Lied aus dem Trompeter: „Es ist im Leben häßlich eingerichtet. Daß bei den Rosen gleich die Dornen steh'n." Voll und weich brauste ihre wundervolle Altstimme durch den Salon; Arthur Fels lehnte mit verschränkten Armen am Fensterpfeiler und schaute starr vor sich hin. Er wußte, daß ihm allein die süßen Liebesworte galten und dennoch legte der todestrübe Refrain sich wie ein Alp auf feine Brust: „Behüt' dich Gott, es mär' so schön gewesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein!" „Herr Doctor," sagte plötzlich halblaut eine tiefe Stimme neben ihm, „ich muß Ihnen einige Worte sagen, die mich schwer bedrücken." Die Gräfin stand vor ihm und ihre schönen, ernsten Augen blickten den jungen Mann eigenthümlich an. „Frau Gräfin," sagte Arthur bewegt, „Sie zürnen mir —" „Nein, das thue ich nicht, ich bedauere Sie ebenso wie mein armes Kind! Ihnen Beiden ist der erste Glücksschimmer aus dem Leben mit rauher Hand fortgewischt; gebe Gott, daß die Wunde nicht allzu tief ist. Arthur — Sie müssen entsagen, gerade weil Sie Therese so wahr und treu lieben!" „Frau Gräfin!" — Wie ein dumpfer Wehlaut rang es sich von den bärtigen Manneslippen, doch die Dame blieb fest. „Seien Sie muthig, Arthur, Gott mag Ihnen helfen; Sie machen Therese unglücklich, wenn Sie nicht von ihr lassen 1 Mein Mann gibt niemals die Verbindung mit Ihnen zu, eher verstößt er sein einziges Kind." „Aber, Frau Gräfin, wollen Sie denn zugeben, daß Therese an der Seite jenes Mannes, dem der Lebemann auf der Stirn geschrieben steht, unglücklich wird?" „Wir Frauen müssen uns fügen, mein Freund," seufzte die bleiche Frau. „Glauben Sie denn, daß ich meines Herzens Neigung folgte, als ich mit Graf Weilern vor den Altar trat? Ich habe gelitten und gerungen, wie so manches Weib vor mir und — ich habe überwunden! Daß mein armes Kind dasselbe Weh erleben muß wie ihre Mutter, schneidet mir wie ein Schwert in die Seele, aber sie wird es ebenfalls durch- kämpfen, sie hat eine starke Seele!" „Ich kann nicht so ohne Weiteres entsagen, Frau Gräfin, geben Sie mir Frist." „Bis morgen, Herr Doctor, es gibt keinen Ausweg — Sie müssen entsagen —" „Wir wollen uns jetzt empfehlen," tönte des Oberförsters Stimme beinahe noch hinein in die Worte der Gräfin. — „Komm', Arthur, es wird Zeit." Des Oberförsters Blick flog von der Gräfin zu dem Sohne, feine Verabschiedung war kühl und steif. Als Vater und Sohn vor dem Schlosse standen, frug ersterer, sich beinahe drohend zu Arthur wendend: „Was sollten jene Worte der Gräfin bedeuten, mein Sohn? Ich habe heute Abend eine ganz eigenthümliche Entdeckung gemacht." „Nun denn, lieber Vater, so kann meine Erklärung Dich keineswegs sehr befremden. Ich liebe Gräfin Therese Weilern und werde auch von ihr geliebt." Der Oberförster schritt schweigend vorwärts und Arthur konnte im Dunkeln nicht sehen, wie es in des Vaters Antlitz zuckte und arbeitete. Nach einer Weile sagte der Oberförster kalt: „Die Gräfin hatte übrigens Recht, Arthur, es gibt keinen anderen Ausweg in dieser Frage, als den, daß Du entsagen mußt." „Ich vermag es aber nicht, Vater," erwiderte der junge Arzt entschieden. Da blieb der Oberförster vor dem Sohne stehen, seine Faust ballte sich, die Zornesader an seinen Schläfen schwoll hoch an und er frug mit grollender Stimme: „Bist Du ein Mann, Arthur, der also spricht? Siehst Du denn nicht ein, welch' ein Abgrund gähnt zwischen der Comteß von Weilern und dem schlichten, bürgerlichen Arzt, dessen Vater in den Diensten des Grafen steht? Du hast schon Unrecht gehandelt, daß Du gegenüber der Comteß von Siebe gesprochen hast, denn daß dem so ist, sagten mir Eure Blicke bei Tische gang unverhohlen. Nun aber mache Deinen Fehler rasch wieder gut und reiße Dich los von dieser unglücklichen Neigung, damit die Comteß nicht mit Dir elend wird. Du weißt doch wohl, was Gott der Herr sagt vom Gehorsam der Kinder gegen die Eltern." „O, Vater, Du hast hier nicht ganz Recht. Darf den« der Graf sein Kind unglücklich und elend machen, wenn er sie zwingen wird, jenen serbischen Fürsten zu heirathen?" „Das ist nicht unsere Sache, mein Sohn. Reiß' Deine Liebe aus dem Herzen, wenn es auch bluten mag; Gott gebe Dir Kraft dazu!" — 570 - Unterem flimmernden Sternenhimmel standen Vater und Sohn Hand in Hand; nur wenige Worte fielen noch zwischen ihnen, dann richtete sich Arthur plötzlich auf und sagte fest: „Ich will entsagen, Vater, um Theresens willen. Doch nun kein Wort weiter von der Angelegenheit. Hier meine Hand und mein Ehrenwort, daß ich meiner Liebe entsagen will wie ein Mann — morgen Abend reise ich tt6." „Gott helfe Dir, mein Sohn," gab der Oberförster zurück und seine rauhe Stimme klang bewegt. „Ich habe das Unglück kommen sehen von Anbeginn an," murmelte Arthur, als er hinter dem Vater die steile Stiege des Forsthauses empor schritt, „aber ich wollte blind sein und den schmalen Pfad nicht sehen, welcher Pflicht und Entsagung heißt! Gute Nacht, mein Vater!" Droben am offenen Fenster seines Zimmers stand der junge Arzt noch lange in tiefes Sinnen verloren; er erblickte nicht die goldenen Sterne am Himmel und sah nicht die breiten Stlberstreifen des Mondlichtes über den Garten und die nachtdunklen Bäume dahinfließen; er kämpfte nur allein mit dem eigenen, heißen, rebellischen Herzen, welches diese unerbittliche Entsagung im Menschenleben so gar nicht begreifen wollte. Er sah sich aber im Geiste in die Kinderjahre versetzt und mit dem kleinen, blondlockigen Grafentöchterlein umherstreifen durch Feld und Wald, wie sie miteinander spielten, sangen, Entdeckungsreisen machten. Niemand hatte daran Anstand genommen, lächelnd begrüßte die sanfte Gräfin den Oberförsterssohn, wenn er nach beendeten Schularbeiten in's Schloß kam, wo die kleine Therese jauchzend ihm entgegenlief. Dann hatten sich Beide jahrelang nicht gesehen; erst am letzten Weihnachten, als die junge Gräfin aus der Pension zurückgekehrt und er selbst zum Feste daheim war, begegneten sie sich im Walde, just an derselben Stelle, wo sie gestern sich von Neuem ihre Liebe gestanden! Arthur seufzte qualvoll auf, wenn er daran dachte, wie die Liebe zu dem reizenden Mädchen nach und nach in ihm erwacht war und Wurzeln geschlagen hatte. — Nun sollte ja Alles mit einem Schlage aus und auf immer vorbei sein. Der ganze heutige Abend trat ihm noch einmal deutlich vor die Seele, auch jenes Gespräch über Hypnotismus und — plötzlich prallte er, die Faust vor die Stirn schlagend, zurück, als sei ihm ein Geist erschienen. Welch' ein furchtbarer Gedanke! Aber — doch sollte es ein Ausweg sein, um der Geliebten nicht selbst das Unglück zu eröffnen! Es wogte in der Seele des jungen Arztes ein grauenhafter Kampf in diesen stillen Nachtstunden. Dicker Schweiß rann ihm von der Stirn, ruhelos durchmaß er das Gemach oder lehnte, nach Äthern ringend, weit zum Fenster hinaus. „Es ist ein Verbrechen," stöhnte er verzweifelnd, „fast so schlimm, als wenn ich den Dolch selbst in ibre Brust senkte und dennoch — es muß sein. Wir werden Beide unglücklich auch ohne diesen Gewaltschritt!" Er rang die Hände, er wollte sie empor heben gen Himmel, aber kraftlos sanken sie herab. „Ich kann es nicht," stöhnte er auf, „ich bin ein Verbrecher, ein Mörder an ihrem Glück, ihrem Frieden!" Als endlich ein trüber, wolkenbedeckter Morgen graute, war der Kampf beendet. Bleich, entschlossen, mit reglosen Zügen stand Doctor Arthur Fels am Fenster und murmelte vor sich hin: „Ich werde es thun, denn ich weiß, daß die Geliebte sich völlig bedingungslos in meinen Willen ergibt. Nun kommt, ihr dunklen Mächte, nehmt mich hin! Ich habe es gewollt! — Mag das Geschick dieser Nacht uns Beide tödten; je eher, je besser ist es für uns!" Die leidenschaftliche, aber hoffnungslose Liebe zu der Comteß hatte den jungen Arzt zu einer seltsamen That getrieben. Am folgenden Morgen ließ sich Fürst Sereco mit einer gewissen Feierlichkeit bei dem Schloßherrn melden, der ihn sehr perbindlich empfing; Graf Weilern ahnte den Zweck des Besuches und war überglücklich, so bald schon seinen geheimsten Herzenswunsch erfüllt zu sehen. Der Graf war nicht reich, obschon er in angenehmstem Wohlleben seine Tage zubrachte und auch die Seinen in dem Glauben ließ, ein großes Vermögen zu besitzen. Da er nun genau wußte, über welche Reichthümer der Fürst Sereco verfügte, so erschien ihm schon aus diesem Grunde Theresens Verheirathung mit dem Fürsten sehr wünschenswerth. „Mein bester Graf," lächelte der Serbe verbindlich, „ahnen Sie den Zweck dieser feierlichen Morgenvisite?" „Nicht so ganz, Durchlaucht," gab der Graf Weilern, etwas unficher die Lüge aussprechend, zurück, „doch freue ich mich natürlich ganz besonders, Ihnen in irgend etwas dienen zu können." „Nun denn, verehrter Freund, Sie sehen vor sich ein Opfer von Gräfin Theresens schönen Augen. Ich habe mich in wenigen Stunden sterblich in das reizende Mädchen verliebt." „In der That, das wäre sehr schmeichelhaft für meine Tochter —" „Und ich bin gekommen, lieber Graf," fuhr der Serbe leidenschaftlich fort, „um Gräfin Theresens Hand von Ihnen zu erbitten." „Durchlaucht, Sie Überraschen mich," stieß Weilern mit gut gespielter Bewegung auf. „Was soll ich zu der so plötzlichen Eröffnung sagen?" „Ja sollen Sie sagen, lieber Graf," lachte der Fürst, warf sich behaglich in einen Fauteuil und kreuzte die Beine übereinander, „und dann halten wir Hochzeit und ich entführe mein liebreizendes Weibchen in die weite Welt." „Therese ahnt noch nichts von Ihrem Antrag, Durchlaucht," erwiderte der Graf Weilern verbindlich. „Geben Sie mir Zeit, daß ich das Mädchen vorbereite; in drei Tagen sollen Sie Ihr Jawort haben." „Ich kann ohne Comteß Therese keinen Tag meines Lebens mehr glücklich sein," seufzte der Fürst- „Das liebliche Mädchen hat mich ganz bezaubert. Ich werbe übrigens nur um Ihre Tochter, lieber Graf, und verzichte ausdrücklich auf jede Mitgift, denn ich habe selbst mehr Gold, als ich brauche." „Ich will sogleich zu Therefen gehen, Durchlaucht, und wenn Sie wollen, feiern wir schon morgen Verlobung," rief jetzt Weilern glückstrahlend. „Mir recht! Die Hochzeit soll ebenfalls bald sein, ich will nicht lange warten. Auf Wiedersehen, Herr Graf, bringen Sie mir bald die Erlaubniß, meine Braut zum ersten Male umarmen zu dürfen." Graf Weilern schritt doch etwas unbehaglich gestimmt hinüber nach dem Zimmer seiner Tochter, um ihr den Antrag des fürstlichen Gastes mitzutheilen. Es war ihm doch klar, daß die ganze Angelegenheit gar nicht so glatt sich abwickeln werde, als Serecos Paschanatur sich dies vorstellte. „Sie muß," murmelte der Graf dann finster vor sich hin, „und cs ist gut, daß diese Partie sich gerade jetzt bietet, sonst könnte sich zwischen Therese und dem jungen Arzt noch ein Verhältniß entspinnen. Meine Frau ist zu schwach dem Mädchen gegenüber." Therese saß malend an der Staffelei, als der Vater in ihr Zimmer trat; ein scharfer Stich ging ihr durch das Herz bei seinem Anblick — denn sie errieth sofort die ganze Situation. Was war zu thun? Diesem jähzornigen, herrischen und wenig liebevollen Vater gegenüber hatten weder sie noch die Mutter je eine Ansicht zu haben gewagt, sondern sich stets schweigend seinem autokratischen Willen gebeugt. Nun aber, wo ihre Liebe, ihr Lebensglück auf dem Spiele standen, da bäumte sich doch ihr ganzes Innere auf zum passiven Widerstände. „Guten Morgen, Papa," sagte sie, sich beklommen erhebend, um ihm entgegenzutreten, „das ist ja ein seltener Besuch in meinen vier Pfählen, den man doppelt ehren muß. Bitte, setze Dich doch zu mir und erzähle mir, was Dich herführt." „Guten Morgen, Therese," erwiderte der Graf freundlich. „Ach, wie hübsch Du malst! Wer soll denn dieses Rosenbouquet bekommen?" — 571 — „Ich will's der Wohlthätigkeitslotterie vom Frauenverein spenden, Papa. Es freut mich, daß es Dir gefällt, Blumen sind meine ganze Passion." „Nun, wie ist Dir der gestrige Abend bekommen, Therese? Fürst Sereco ist doch ein charmanter Mann." „Das kann ich nach der ersten Begegnung noch nicht be« urtheilen," antwortete das junge Mädchen beklommen, ohne den sie beobachtenden Vater anzusehen. „Der Fürst hat mich zum Gesang jedenfalls vorzüglich begleitet und ist offenbar hoch begabt." „Ja, mir gefällt er ganz außerordentlich und — denke nur, Du hast es ihm schon an dem einen Abende angethan." „O, Papa, ich bin nicht so eitel, das zu glauben," erwiderte das junge Mädchen erröthend. „Ein.Mann, der so viel in der großen Welt gelebt und erlebt hat, kann doch wohl kaum Gefallen an einem jungen Ding vom Lande wie ich finden. Das sind so weltmännische Redensarten." „Das lehre Du mich nicht unterscheiden," brauste Graf Weilern auf, „ich weiß nur die Thatsache, daß Fürst Sereco bei mir um Deine Hand geworben hat und —" „Und daß Du ihn abwiesest," fiel das junge Mädchen, bleich vor Aufregung und mit flammenden Augen ein. „Wie kann ich denn diesen, mir noch völlig fremden Herrn schon lieben, da ich ihn doch nur einige Stunden kenne? ' „Das ist dabei ganz gleichgültig," gab Graf Weilern heftig zur Antwort, und der Stuhl, worauf er gesessen, fiel polternd zur Erde, als der Graf in die Höhe sprang. „Ich gab dem Fürsten Sereco in Deinem Namen das Jawort, denn es ist eine glänzende Partie für Dich, die sich vielleicht nie wieder bietet und ich fetze voraus, daß Du den schuldigen Gehorsam nicht bei Seite setzen wirst, sondern Dich ebenfalls bereit findest, ihn zu heirathen." „Niemals, mein Vater, ich kann es nicht," entgegnete Therese so laut und fest, daß sie vor der eigenen Stimme erschrak, „ich liebe den Fürsten nicht und kann deshalb seinen Antrag nur dankend ablehnen." „Thörichtes Mädchen," tobte jetzt Weilern, „was soll das heißen? Glaubst Du, ich werde diesem Eigensinn folgen? — Nimmermehr. Mein Wunsch ist unweigerlich und so lange bleibst Du auf Deinem Zimmer, bis Du einwilligst." „Das kann ich nicht — mein Herz ist nicht mehr frei," antwortete Therese zitternd, aber kaum hatte sie in tiefster Bewegung diese Worte herausgestoßen, als sie erschrak, denn sie hatte das tiefste Geheimniß ihres Herzens entdeckt und preisgegeben I „Oho, nun weiß ich Bescheid," erwiderte der Schloßherr hohnlächelnd, „und nun erst recht wirst Du Fürstin Sereco. Meinst Du, ich litte es, daß Du eines — bürgerlichen Arztes Weib und die Schwiegertochter meines untergebenen Oberförsters würdest? Nimmermehr! Die neue Mode, wo Stammbaum und Wappenschild achtlos bei Seite geworfen werden, sobald eine vorübergehende Leidenschaft auflodert, mache ich nicht mit und ich kann Dir nur rathen, Arthur Fels nicht in die Lage zu bringen, daß ich ihn wie seinen Vater nächstens aus dem Schlosse werfe." „Vater, das wirst Du nicht thun l" flehte Therese. „Sol Wer hindert mich daran? Der anmaßende Mensch, der gestern so unverschämt meinen hohen Gast behandelte, ist mir sehr zuwider und ich verbiete ihm einfach mein Haus." „Aber unsere Liebe kannst Du nicht verbieten, Vater," sprach Therese feierlich, während die zarten Wangen erglühten, „wir werden uns immer treu bleiben, auch wenn die ganze Welt sich zwischen uns aufthürmte." „Schöne Romanträume," höhnte Graf Weilern ingrimmig, „Du kannst ja Deinem Geliebten ein treues Andenken bewahren, auch wenn Du Serecos Weib bist. Die Gedanken sind zollfrei, jedenfalls bitte ich mir aus, daß Du.gehorchst." „MemalsI" rief sie außer sich. Da stürzte der jähzornige Mann zu ihr hin, packte sie an den Schultern und riß sie zu Boden. „Sag' es noch einmal und ich vergesse, daß ich meine ■ Tochter vor mir habe," keuchte er wüthend, „ich will Dich lehren, zu gehorchen." „Ich kann nicht, Vater," rief Therese verzweifelnd und umklammerte seine Kniee, „habe Erbarmen —" „Nein, Du mußt gehorchen," schrie der Graf und schleuderte das unglückliche Mädchen von sich, daß sie mit dem blonden Köpfchen an das Sopha schlug. „Du bist nicht mehr meine Tochter, wenn Du Dich weigerst, den Fürsten zu heirathen. Ich fluche Dir!" Wie ohnmächtig lag Therese am Boden, die Augen geschlossen, und nur ein feiner rother Blutstreif drang zwischen den blonden Haarsträhnen hervor. Der Graf stand einen Moment ganz betäubt vor der am Boden liegenden Tochter, dann riß er an der Klingel und herrschte das eintretende Stubenmädchen an: „Sehen Sie nach der Comteß, sie ist gefallen, und sagen Sie der Frau Gräfin Bescheid." Zur selben Stunde stand Doctor Fels vor der Gräfin, todtenbleich, aber fest entschlossen." „Ich komme, gnädige Frau, um Abschied zu nehmen," begann er mit vibrirender Stimme, „nach schwerem Kampf habe ich überwunden." Bewegt bot ihm die Dame die schlanke Hand. „Armer Arthur, zum letzten Male muß ich Sie so nennen; ich fühle mit Ihnen, glauben Sie mir, daß ich es weiß, was Ihnen dies Wort der Entsagung gekostet hat." „Gott hat gesehen, welche Nacht ich durchwacht," stöhnte der junge Mann voll dumpfer Qual, „aber wozu nochmals den Dolch in die Wunde stoßen, Frau Gräfin? Erlauben Sie mir nur Eins: Abschied von Therese zu nehmen." Einen Moment schwieg die Gräfin, dann blickte sie traurig empor und sagte leise: „Was werden Sie sagen, Herr Doctor, wenn ich Ihnen dies verweigere? Aber es ist besser fo. Wollen Sie mein armes Kind noch unglücklicher machen?" „Ach, Frau Gräfin, haben Sie Erbarmen! Reißen Sie uns nicht auseinander ohne ein letztes Wort, einen Händedruck. Denken Sie an das lange, öde Leben, welches von heute an vor uns liegt; es ist so wenig, um was ich Sie bitte." „Der Mensch kann viel ertragen, Herr Doctor Fels, wenn er muß," bemeikte die Dame ernst, „und ich fordere von Ihnen nur das, was ich einst selbst gethan. Damals, als mein jetziger Gemahl um mich warb, gehörte mein Herz und mein Schwur bereits einem Anderen, einem entfernten Vetter, den ich in der Residenz kennen gelernt hatte. Mein guter Vater war damals schon längst tobt, meine Mutter, eine vortreffliche, aber unbeugsam strenge Frau, hatte eine Partie zwischen mir und Graf Weilern geplant, der meinen Reichthum brauchte, um sein stolzes Wappenschild zu neuem Glanze zu bringen. Ich liebte ihn nicht, sein leidenschaftliches Wesen ängstigte mich und als ich eines Tages zufällig Zeuge wurde, wie er sein Lieblingspferd auf die roheste Weise züchtigte, stieg diese Furcht vor ihm säst bis zur Abneigung. Aber was meine Mutter sich vorgenommen, mußte geschehen. Sie nahm mich vor und es gab eine heftige Scene, die trotz allen Vorstellungen mit meiner energischen Weigerung endete. Nun wurden andere Hebel gegen mich in Bewegung gesetzt — Gott vergebe es Denen, die es thaten! Mein Vetter erhielt einen Brief, worin ihm mitgetheilt wurde, ich fei meiner Zusage überdrüssig und bäte, mich davon zu entbinden, da sich mir eine in jeder Weise glänzende Partie böte. Meine Mutter hatte in dem Briefe noch einige bittere Bemerkungen eingeflochten über das „Einfangen der reichen Verwandten" und über den Triumph des armen Offiziers bei diesem gelungenen Streich, die den unglücklichen Empfänger rasend machten. Er setzte sich nieder und schrieb mir einen Abschieds- !>rief, den ich unter bitteren Thränen zerriß, — ehe ich zur Mutter ging, um ihr zu sagen, daß ich Graf Weilerns Gattin werden wollte. Erst Jahre darauf erfuhr ich den ganzen Zu« ämmenhang, als schon das Grab über meiner Mutter sich geschlossen hatte. Und doch kann ich noch heute nicht ihrer ge- - 572 (Fortsetzung folgt.) dann gebe, denken ohne eine gewisse Bitterkeit, wenn ich ihr auch ziehen habe." Doctor Fels küßte bewegt die Hand der Gräfin, antwortete er fest: „Wenn ich Ihnen mein Ehrenwort „ . daß ich Therese dem Willen des Vaters geneigt machen will, werden Sie auch dann auf Ihrem Willen bestehen, Frau Gräfin, und uns keinen Abschied vergönnen?" GeineinirNtzig-s* Zum Haseueinkauf dürften unseren Hausfrauen fol- gende Winke willkommen sein: Gut erhaltene Augen deuten darauf hin, daß der Hase frisch geschoffen zum Verkauf liegt. Sind die Augen des ThiereS eingefallen, so ist der Hase schon einige Tage tobt. Sind die Nägel an den Zehen, vor Allem aber an den Hinterläufen noch schwarz, etwas spitz und scharf, so hat man es mit einem diesjährigen Hasen zu thun, sind aber die Nägel abgelaufen und etwas grau, so ist es ein älteres Thier. ♦ Gegen aufgesprungene Hände. Ein ganz einfaches und gutes Mittel besteht darin, daß man die Hände Abends mit Glycerin einreibt. Bei tiefen Schrammen in den Händen streiche man jeden Abends die Grübchen mit salzloser Butter aus. — Bei oberflächlicheren Hautriffen, welche von der Luft herrühren, rührt man Waffer und Baumöl durcheinander und bestreicht mit diesem Sälbchen die zu heilenden Stellen Abends und zieht wollene Handschuhe darüber. Morgens wird das Nebel geschwunden sein. * * * Verschiedene Mittel, um Herrenkragen und Kleider von Tuch zu reinigen. 1. Man überbürstet die schmutzigen Stellen mit einer Mischung von acht Theilen Waffer nnd einen Theil Salmiakgeist. Statt der Bürste kann man auch Flanell oder Leinenzeug verwenden, nur muß dieses stets erneuert werden. 2. Man wendet eine Mischung von Weingeist, Ochsengalle und spanischer Kreide an und bürstet oder reibt mit einem Wolllappen den Rock damit ein- 3- Man wendet Olemseifenlösung, Quillayrindenwaffer oder Gallseifen- lauge an. 4. Man befeuchtet und reibt den Stoff mit Schwefeläther oder Benzin. 5. Man kocht den billigsten Tabak, 60 Gramm, in l1/2 Liter Wasser gut au» und bürstet mit der noch heißen Brühe den Stoff mit einer harten Bürste tüchtig durch. Ist der Stoff völlig durchzogen, so bürstet man ihn nochmals nach dem Strich aus und hängt ihn zum Trocknen an die Luft- Der Geruch entfernt sich vollständig bei dem Trocknen, und die Farben leiden nicht bei diesem Verfahren. • * * Einfache Fischsuppe. Das ausgelöste Fleisch eines Hechtes oder eines Karpfens wird in Stücke geschnitten, dieselben in Mehl gewälzt und in Butter gelb gebraten. Hierauf gießt man 3 bis 4 Liter kräftige, mit Wurzelwerk und Zwiebeln gekochte Fleischbrühe, läßt Alle» zusammen eine halbe Stunde langsam dämpfen, gießt die Suppe durch ein Sieb, wobei die Fleischstücke zerrieben werden, giebt dann etwa» gehackte Petersilie daran und richtet nun die Suppe über geröstete Semmelwürfel an. * * ♦ Rindfleischwurst. Rindfleisch wird sehr weich gekocht, das beste Fleisch von Haut und Sehnen befreit und ganz fein gehackt. Dann giebt man fette kräftige Fleischbrühe, Salz, Muskat und gestoßene Nelken dazu. Man füllt sie in Rindsdärme, kocht sie 3/4 Stunde in Brühe, legt sie 5 Minuten in kaltes Waffer und hängt sie, völlig erkaltet, an einen lustigen Ort. Gullasch (ächt ungarisch). Man nehme 100 Gramm frischen Speck, schneide ihn dünnblätterig und lasse ihn mit recht viel geringelten Zwiebeln gelb anlaufen, gebe 1 kg halb, fettes Schaffleisch ober wenn kein» vorhanden, sehnensreier schönes Rindfleisch — aber nie Geflügel — würfelig geschnitten dazu, salze es und lasse es bei mäßiger Hitze eine halbe Stunde dünsten. Nun gebe man abermals rohe, geringelte Zwiebeln dazu, etwas Kümmel und je nach Geschmack Paprika. Alsdann lasse man das Fleisch weich dünsten, gebe zwei bis drei Hand voll geschälte, rohe Kartoffeln, fein geschnitten, dazu, so viel Waffer,-daß das ganze Gemenge zwei Finger hoch über- deckt ist, und kocht es weiter, bis die Kartoffeln halb zerfallen. Rübenkraut giebt eine* treffliche Zugabe zu Schweine- fleisch. Weiße ober Wafferrüben werben entweder eingehobelt ober eingeschnitten, am besten aber in möglichst feine Fäden ober Rubeln, ähnlich wie bas Sauerkraut geschnitten und im Uebrigen wie dieses eingemacht Für den Gebrauch wird das Kraut dann mit Essig ober Wein gedämpft. V-pinifchtes. Nicht sein Geschmack. Stubioses Zech: „Na, auch verreist gewesen, Herr Meyer?" — Hausherr: „Selbstverständlich. In Italien war ich l" — Studiosus Zech: „Wie kann man aber in solche bierlosen Gegenden reisen!" ♦ Hauptmann der Bürgergarde: „Hansjörg, i sag' der älleweil, bleib «et so z'ruck und halt an Schritt mit be Andere!" — „Jo, Hauptmann, Du hoscht gut schwätze, i Han der ja g'sagt, Du sollst mer meine Stiefel net so eng mache, und jetzt drucket se me doch* überall!" Durchlaucht (bei strömendem Regen): „Nun, Herr Bürgermeister, was sagen Sie zu diesem Wetter?" — Bürger- meister: „Durchlaucht, 's ist'n Borstenthierwetter." Berechtigte Frage. *,Herr Feldwebel, mein Vater läßt grüßen und schickt dem Herrn Feldwebel hier einen Schinken, wir haben zu Hause Schweineschlachten gehabt." — Feld' webel: „Na, sage 'mal, mein Sohn, haben denn bei Euch zu Hause die Schweine nur einen Schinken?" Sehr erfreulich. „Al*so abgemacht, Herr Stöckel, ich miethe die Wohnung, sie ist wirklich so schön, daß ich darin auch sterben möchte!" — „Soll mich ungemein freuen, Herr Oberst!" * , • Auch ein Grund. „Einhundertstebenundfünfzig und ein halbes Pfund wiegen Sie, genau so viel wie ich, o Fräulein Clara, da müffen sie die Meine werden — eine passendere Lebensgefährtin finde ich auf dieser Welt nicht mehr!" Vater stolz. Fremder, in einer dicht besetzten Wirthschaft: : „Im ganzen Local ist kein leerer Stuhl mehr zu finden . - - das kleine Kind hier könnte wohl auf den Schooß genommen werden!" — Einheimischer: „Dös Kind behalt' sein Stuhl! — wer weiß, ob's net mehr Bier trinkt wie Sie!" ♦ ♦ Ersatz. Herr: „. . . Leider ist die Wohnung zu nahe der Bahnstation, und ich kann Lärm nicht vertragen!" — Hausfrau ! „Dafür sieht man aber van der Veranda auf die Leute, die den Zug versäumen und das ist doch so unterhaltend. ! Kasernenhofblüthe. Unteroffizier: „Sie, Einjähriger ; Mayer, gucken Sie nicht so neugierig in die Welt herein, atr : ob Sie ein neu erfundener Bacillus wären!" Achactionr A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.