WS. In tung) vom cschlag": Ehe vor- ; wird dar Charakter« Nachricht, >e und von genen und lde Gründe rieges ent» zu erhalten t ist, auch Thaler be- olchergestalt ;en, werden en Namen, fschrist: An ,as Herzog» der großen örigen Ortr der Mann größte Verden 3. April 40 Jahren" n wir nicht, ten Anzeigen int uns der r „der nicht ung erlangt n ein freier, zeraden Weg zu schreiben, idenschast ge- nfttg gedacht, i geben mag, auch minder, nen Mädchen, nett Liebling, i an Bildung, in die Jahre Rann ehlichen, selber nicht I i Rthlr. mehr Bekantschast, appt im Finnen, — W wird die Ehe muß der Ehe ft trübe! und die Liebe sich hale verspricht i mehr schwer- tritt unmöglich iett Unbekannt- 6 Dank wißen, rnerin sina * brauchen gegen rinkt an einem Loch'!" iMum heirathen mähren kann. 'N. Dienstag, den 5. September. Nr. 104 1893. ■WA M Das Erbe. Preisgekrönte Erzählung von R. Blankenburg. (Fortsetzung.) Eine kurze Pause entstand, dann sagte der Pastor ruhig und fest: „Am Tage nach Ihrer Flucht entdeckte Ihr Vater das Fehlen Ihres mütterlichen Erbes, das Ihnen noch nicht Mstand, sowie einer nicht sehr bedeutenden Geldsumme in baarer Münze. Was er that? fragen Sie mich. Er ließ den Verbrecher entweichen, weil er sein einziger Sohn war, und verbarg sein Vergehen, so weit es ihm möglich war." Der Druck der Finger, welche das Handgelenk des Pastors umspannten, Erde so heftig, daß er ihm einen körperlichen Schmerz verursachte, dann ließ Erich plötzlich seinen Arm fahren und beide Hände vor das Geficht schlagend, taumelte er einige Schritte zur Seite, während der Pastor in leisem Tone fortfuhr: „Er zeigte dadurch die Größe seiner Liebe, Erich Hagen, und es mehr, als richtig und gut ist, wenn wir die menschliche Obrigkeit als Vertreterin der göttlichen ansehen müssen. Und dann hat er geharrt, Erich Hagen, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr, ich will nicht sagen ohne Groll oder gerechten Zorn, denn Sie hatten seine Ehre befleckt und feine Liebe bitter gekränkt, aber doch mit Sehnen, baß der Ver- lorene zu Reue und Buße sich wenden möge. Und nun kommen Sie aus der Ferne heim, und ich danke Gott, daß Sie das Verlangen des schwerbeleidigten Vaters stillen wollen, so daß setne grauen Haare nicht mit Kummer in die Grube fahren müssen. Sie haben schwer gefehlt vor Gott und den Menschen DUtCt) — . cc»ff?Egen Sie, Herr Pastor," rief Erich in ausbrechen- der Heftigkeit, indem er die Hände von dem Gesicht nahm und ineinander krampfte, „nehmen Sie Ihre Zunge in acht, denn so wahr Gott lebt, eine Beschimpfung meiner Ehre soll nicht ungeahndet über Ihre Lippen gehen." Es entstand eine Pause, dann sprach Erich von Neuem mrt gewaltiger Anstrengung, kurz und herrisch: „Geben Sie nur weitere Auskunft, Herr Pastor. Was setzte meine Mutter denn nur die kann es zum Spott des Mutternamens gewesen sein, in'« Werk, nachdem sie meinem Antlitz das Brandmal der Schuld ausgeprägt hatte? Aber zuerst sehen Sie mich an!" r,„ Er bückte sich, indem er den Hut abnahm, bis er sein schönes Gesicht dicht vor die Augen des Pastors gebracht hatte, so daß dieser jeden Zug des jetzt Bleichen und tief Erschütterten genau betrachten konnte, dann fragte er: „Sehen Sie das Zeichen der Schande auf meiner Stirn, wie es auf Kains zu lesen stand? Finden Sie Gemeinheit und schändliche List auf den Zügen meines Angesichts?" Der Pastor antwortete nicht und Erich richtete sich mit einem tiefen Seufzer wieder empor. Beide gingen von Neuem schweigend neben einander, bis der Pastor begann: „Es ist Ihnen bei der Heimkehr zu Muth, wie dem verlorenen Sohne, der zu dem Vater spricht: „Ich habe gesündigt im Himmel und vor Dir;" das haben Sie selber bekannt; wie soll ich Ihre Worte deuten?" xi e. es kein Unrecht, daß ich sein Haus heimlich verließ, in das er mich gerufen, und die Arbeit, die seinen Hän- den zu schwer geworden war? War es kein Unrecht, daß ich Pflicht und Kindesliebe in die Schranke schlug, um meiner ungezügelten Natur zu folgen? Mußte es denn ein Verbrechen vor dem richterlichen Gesetzbuch des Landes sein, das mir jene Worte in den Mund legte? Wahrlich, wenn der verlorene Sohn sich eines solchen schuldig gewußt hätte, er wäre bis an das äußerste Ende der Welt gegangen, ehe er einen Fuß in das Vaterhaus gesetzt hätte." . er hätte doch keinen Frieden außer ihm gefunden und feine Ruhe für seine Seele, als zu den Knieen der allerbarmenden Liebe," sagte der Pastor mehr für sich, als zu seinem Gefährten sprechend. 8 Wieder entstand eine Pause. Der Pastor drängte das Gefühl, das in feinem Herzen laut für Erich zu sprechen be- gann, im Interesse des erwägenden Verstandes zurück, und auch dieser schien seinerseits auf eine Erklärung noch verzichten zu wollen, denn er kehrte mit einem tiefen Seufzer zu der vorhin gestellten Frage zurück. „Ich bat Sie, mir mitzutheilen," sagte er, „was meines Vaters Frau und meiner Schwester Mutter in’« Werk setzte, nachdem ste mich als Verbrecher von Haus und Hof hatte flüchten lassen. Behielt mein Vater die Zugel des Regiments in der Hand, wie die an mich gelangten Briefe aussagten, oder war das auch eine Lüge?" „Es mag im Anfang der Fall gewesen sein," war des Pastors Antwort, „seit ich in Willnick bin und ihn kenne, ist er leidend gewesen, und die Herrschaft hat in der Hand Ihrer Mutter und des Schwiegersohnes gelegen." War es denn nur möglich, anzunehmen, daß der Schreck, welcher Erich durchfuhr, ein erheuchelter war, oder daß da« Entsetzen, welches man in feinen Zügen las, nicht wirklich empfunden wurde? Jetzt lachte er auf, hohnvoll und scharf. „Besser, immer besser," rief er laut, „eine Hochzeit gefeiert in Grashagen, ohne daß der Sohn des Hauses, der Bruder der Braut, davon Kenntniß erhält! Wer mag denn der Schwiegersohn fein, der in die Rechte und Würden eingesetzt ist, die mir zukamen? e> - 414 -- Es ist vorwärts gegangen mit Deinen Wünschen und Plänen, Frau Mutter, aber — es ist noch nicht aller Tage Abend!" „Dem großen Gute mochte die Leitung eines Manne» wohl nothwendig fein," begann der Pastor von Neuem. „Der furchtbare Schreck, welchen die Entdeckung Ihres Vergehens ihm verursachte, die Anstrengung, Sie vor den Ihnen drohenden Gefahren zu schützen," — der Pastor sprach langsam und beobachtete scharf die Haltung des Mannes, der neben ihm ging, indem er die Hände krampfhaft zusammenpreßte und den Kopf mit trotziger Gebärde aufgeworfen trug, — „waren Ihrem V iter zu viel geworden. Ein Schlaganfall traf ihn, durch den er lange krank darnieder lag, und als er sich erholte, wollte sich die alte, geistige Kraft nicht wiederstnden. Er hat mir Alles dies selbst erzählt in mancher Stunde, wo ich dem Leidenden Trost zusprechen wollte, denn Sie wissen, daß ich zu jener Zeit noch nicht in Willnick war. Ihre Mutter mußte also die ganze Arbeit auf sich nehmen und sie that es mit Hilfe des geschickten, treuen Mannes, der schon zu Ihrer Zeit auf dem Hofe war. Mit gewissenhafter Pflichterfüllung stand er ihr zur Seite, er scheute nicht die Arbeit um geringen Lohn, und —" Bis hierher hatte Erich schweigend und finster zugehört, jetzt blieb er plötzlich stehen. „Malte Hamann, der Aufseher und Verhetzer, den sie mir zum Wächter gesetzt hatte. O, ich weiß, wie er ihr Alles hinterbringen mußte, jede jugendliche Thorheit, die sie meinem Vater berichten konnte, jeden unüberlegten Schritt. Um Gotteswillen, Herr Pastor," rief er dann und streckte mit heftiger Bewegung beide Hände abwehrend gegen ihn aus, „sagen Sie nicht, daß er der Schwiegersohn meines Vaters geworden ist!" „Er ist der Mann Ihrer Schwester Hertha," war des Pastors Antwort. Kein Ausruf de» Zornes oder des Entsetzens kam von Erichs Lippen, aber er preßte die Zähne zusammen, daß der Pastor ihr Knirschen vernehmen konnte, während er stürmisch vorwärts drängte. So gingen sie den jetzt ansteigenden Weg empor, bis sie oben die Grenze des Waldes erreichten und auf das offene Feld heraustraten. Dort hemmte Erich seinen Schritt und der Pastor blieb ihm zur Seite stehen auf der Spitze des Hügels, von der man bei Tageslicht eine weite, freie Aussicht in das offene Land genoß- Es hatte längst aufgehört, zu regnen; der hier frisch daherstreichende Wind hatte die Wolken zerstreut, und die volle Mondesscheibe stand am klaren Himmel. Sie erleuchtete die freundliche Gegend. Rechts von ihnen, etwas im Hintergründe, denn sie waren schon darüber hinausgegangen, indem sie sich weiter nach links gehalten hatten, lagen die letzten Häuser Crumbachs, aus denen man noch freundliches Licht schimmern sah, im Vordergründe konnte man Willnick erkennen, und über die ganze Fläche zerstreut lagen wie dunkle Punkte die vereinzelten Gehöfte. Nicht weit von hier, am Fuße des Hügels, trennten sich die Wege beider Männer, der Pastor mußte sich dann links wenden, während Erich, geradeaus schreitend, den väterlichen Hof bald erreichen konnte, auf dem sein Blick jetzt ruhte, als ob er ihn nie wieder abwenden wolle- Dabei zuckte es wie in verhaltenem Schmerz über sein Antlitz, dessen Züge der helle Schein des Monde» so schars und klar hervortreten ließ, als ob man die innersten Gedanken des Mannes von der Stirn ablesen sollte, die er dem Beschauer unverhüllt darbot, denn er hatte den Hut abgenommen und hielt ihn in der Hand. Und einen ernsten Beobachters hatte er in dem Manne gefunden, welcher mit scharfem Blick sein Gesicht durchforschte, als ob er wie in einem offenen Buch seine Gedanken in ihm zu lesen bemüht wäre. Plötzlich unterbrach er das Schweigen. „Sie haben mit keinem klaren Wort Ihre Schuld mir gegenüber in Abrede gestellt," sagte er. Erich hielt noch immer die Augen auf die Bäume gerichtet, die sein Vaterhaus beschatteten, als er in müdem, leidenschaftslosen Tone antwortete: „Würde Ihnen ein solche» mehr Gewähr bieten, al» was Sie bisher gesehen und gehört haben? Ich fürchte, es wäre nutzlos gesprochen." „Sie haben recht," war die ruhige, feste Entgegnung, welche ihm wurde, „es bedarf dessen nicht. Erich Hagen, Sie rnd unschuldig!" Erich zuckte zusammen, al» ob der Blitz in den Erd- >oden neben ihm gefahren sei, und wendete sich schnell zu seinem Begleiter. Emen Augenblick lähmte die Ueberraschung eine Zunge, jetzt aber scholl ein Ruf, fast de» Jubels, durch die Stille der Nacht, dann faßte er die Hand des Pastors und zog sie an feine Lippen. „Gott sei Dank, ich glaubte, er habe mich ganz verlassen," waren die bebend hervorgestoßenen Worts, und er legte den Arm um den Hals feine» Begleiters. Ein tiefes Stöhnen entrang sich dem gequälten Herzen, während er den Kopf gegen die Schulter des Pastors lehnte. Abgebrochene Worte kamen über seine Lippen. „Diese Heimkehr, die ich ersehnt — von der ich auf der einsamen Wacht geträumt habe, wenn die Wellen mir das Lied vom deutschen Vaterlands sangen — und nun stehe ich beschimpft, entehrt, verstoßen — o Gott, was habe ich gethan, daß Du mich so schwer straftest!" Der Pastor legte seine Hand beruhigend auf da» gesenkte Haupt des Gebeugten. „Tragen Sie die Heimsuchung wie ein Mann, welcher weiß, daß die Hand des himmlischen Gärtners den jungen Baum ziehen muß auch durch manchen schmerzhaften Schnitt, damit er emporstrebe und Frucht bringe zum Wohle der Menschheit und zum Preise seine» Namen»-" Aber es schien, als ob Erich augenblicklich nicht im Stande sei, Trost in diesen Worten zu finden. Er richtete zwar sein Haupt empor, aber der schmerzliche Ausdruck der Verzweiflung, welcher in seinen Zügen lag, schnitt dem Pastor tief in die Seele. Er faßte nach seiner Hand. „Lassen Sie uns unseren Weg fortsetzen und kommen Sie für'» Erste mit mir, lieber Freund," sagte er mit herzlicher Theilnahme in der Stimme, „wir wollen zusammen erwägen, welche Schritte Sie zu thun haben, damit das Wiedersehen mit Ihrem Vater —" Er schwieg, denn diese Worte schienen Erichs Thatkraft aus ihrer augenblicklichen Erschlaffung geweckt zu haben. Er hob stolz den Kopf in die Höhe und ein zorniges Licht blitzte in seinen Augen auf. „Nur ein einziger Schritt geziemt mir," rief er heftig, „und ich werde ihn thun, sogleich, noch ehe der Mond den Wipfel jener Bäume, hinter denen mein Vaterhaus verborgen liegt, erreicht hat. Es zieht mich mit Macht dorthin, wenige Minuten — und ich schreite über seine Schwelle. Mein Vater soll die Wahrheit hören, er soll es vernehmen, wer mich verrieth und ihn betrog! Noch in dieser Nacht werde ich die Ketten brechen, die ihn fesseln, ich werde meiner Mutter ihr Unrecht in die Zähne schleudern, ich werde dem Manne, den sie in meine Stelle und Rechte gesetzt hat, die Wege weisen, ich werde —" „Halten Sie ein, Erich Hagen," unterbrach der Pastor mit erhobener Stimme, „in Ihrem fleischlichen Eifer nach Rache und Vergeltung sind Sie derselbe Mann, der zu semem Vater treten und sprechen wollte: „Ich habe gesündigt im Himmel und vor Dir? Haben Sie vergessen, daß Gottes die Rache ist, und daß er vergelten will?" * „Und was verlangen Sie, daß ich thun soll?" tief Erich außer sich. „Soll ich den Schimpf tragen, den die Bosheit mir angstthan hat, soll ich meinen Vater in dem Glauben lassen, daß sein einziger Sohn ein dem Zuchthaus entgangener Verbrecher ist!" Erich bebte an allen Gliedern und strebte wieder mit Eifer vorwärts, aber der Pastor ließ feine Hand nicht fahren- Ernst und mit Ueberlegerheit in Miene und Ton sagte er fest: „Nein, das sollen Sie nicht, Erich Hagen, aber Sie sollen denken, ehe Sie handeln. Ihr Vater ist krank und schwach, eine Aufregung dieser Art könnte leicht die bedenklichsten Folgen für ihn haben, für ihn und auch für Sie, denn wie würden Sie es ertragen, wenn Ihr stürmischer, von rachsüchtigen Gedanken eingegebenes Vorgehen den Tod des alten Mannes im Gefolge haben sollte, wenn Sie selbst Ihrem Leben die tiefste, unheilbare Wunde geschlagen hätten?" ‘ Erich war sehr nachdenklich geworden. Sie hatten, letzt schnell vorwärts schreitend, die Stelle hinter sich gelassen, wo der Weg nach Grashagen sich abzweigte und er folgte in un- e 415 Unterbrochenem Schweigen dem Pastor, bis die ersten Häuser von Willnick dicht vor ihnen lagen. Da blieb Erich stehen, während er leise und doch mit fester Stimme sprach: „Sie glauben an mich, Herr Pastor, trotz Allem, was Sie gegen mich gehört haben. Das danke ich Ihnen von Grund meiner Seele, und es ist mir deshalb doppelt schmerzlich, daß ich mein Urtheil dem Ihren in dieser Frage nicht unterwerfen kann. Mein Vater muß meine Unschuld erfahren." „Und meinen Sie, daß ich Ihnen dar Recht, ja die Pflicht bestreite, ihm die Wahrheit zu bekennen?" fragte der Pastor zurück. „Alles, was ich wünsche, weil Sie mir lieb sind, ist, daß Sie frei von Bitterkeit und niedriger Rachsucht handeln, Gott und der Gerechtigkeit zur Ehre, und dazu bedürfen Sie der Sammlung und der Gebetes, Erich Hagen." Wieder entstand eine Pause, dann seufzte Erich aus gepreßtem Herzen. „So ist es denn, ich will mich Ihrem Willen unterwerfen, aber machen Sie meine Prüfungszeit nicht zu lang." „Wir wollen gemeinsam erwägen, was das Beste ist," war die Antwort des Pastors, und er drückte herzlich die bittend aurgestreckte Hand des Seemanns. Zwischen den Häusern des Dorfe» entlang, deren kleine, mit einfachen Sommerblumen geschmückte Vorgärten an die Straße stießen, gingen sie dem Pfarrhause zu. Es lag seit- wärt» von dem mit einer niedrigen Steinmauer umgebenen Friedhöfe, aus dessen Mitte die kleine, "altersgraue Kirche hervorragte. Durch die Fenster des Hauses zwischen den Wein- blättern hervor, die es von oben bis unten bezogen, schimmerte freundlich einladendes Licht. Der Pastor blieb stehen und legte ferne Hand auf Erichs Arm. „Kommen Sie mit mir herein, I lieber Freund," sagte er liebevoll, „auch meine Hausfrau wird Ihnen em freundliches Willkommen bieten, wenn sie Alles ge- hört hat." ! ^u: »Es war gegen Abend ein Boote aus Grashagen hier. Mit dem alten Manne scheint es zu Ende I 9efen,,,er läßt Dich bitten, zu ihm zu kommen und ihm das Abendmahl zu rerchen." Der Pastor ging in lebhafter Bewegung im Zimmer auf und ab. „Ich werde sogleich gehen," sagte er dann, und Erich, — unter diesen Umständen müßte er mich begleiten Aber vielleicht ist es besser, wenn ich ihm zuvorkomme?dam?t 1 ich — „Erich!" rief die Frau Pastorin erregt. „War es Erich Hagen, von dem Du vorhin erzähltest, der ungeratene Sohn der verlorene Mensch, der Schimpf und Schande über die Semen brachte?" „Martha," antwortete der Pastor sehr ernst, „der Mensch stehet, was vor Augen ist, Gott siehet das Herz an Es ist ihm bitteres Unrecht geschehen und unser Werk muß sein es gut zu machen, soweit wir e» vermögen." Sie schüttelte den Kopf und sah sehr ungläubig aus. „Thue mir die Liebe, Dein Mißtrauen zu überwinden" sagte er bittend und faßte ihre Hand. „Er ist jetzt auf den Kirchhof gegangen zum Grabe seiner Mutter, nimm ihn freund- lich auf, wenn er kommt und sage ihm, daß ich ihm bei seinem Vater den Weg bereiten will. Er mag mir nach Grashagen folgen und dann dort warten, bis ich ihn zu dem Sterbenden rufen werde." Sie nickte nur, aber ihre Miene hatte sich nicht erhellt. Dann half sie ihrem Manne das Amtskleid anlegen, nahm die schon vorher zugerüsteten und in ein schmales Kästchen verpackten heiligen Geräthe und geleitete ihn zur Thür. Als er aber die Hand ausstreckte, sie selbst zu fassen, schien ihr ein neuer Gedanke zu kommen. „Ich werde Bertha rufen," sagte sie, „Du wirst immerhin fast eine halbe Stunde gehen, da könnte sie Dir behilflich sein." Aber er wehrte es ihr. , Du wirst sie zu Hanse nöthig haben," sagte er etwas zaudernd, „wenn Du das Gastzimmer zurecht machst. Es kann sein, baß e» besser ist, wenn Erich Hagen wieder mit mir zurückkehrt." Frau Martha ging senkend in das Haus zurück. War es ihr, der practischen Hausfrau, die sonst gern bereit war ihren Mann auch in seiner geistlichen Wirksamkeit zu unter- stützen, zu verargen, wenn dieser Wunsch fast ihre Kräfte überstieg? Ihr Haus einem Manne öffnen, den er von der Landstraße zu ihr führte, das hätte sie vermocht; aber hier sollte sie in ihrem freundlichen Oberzimmer Den beherbergen, von dem Jedermann wußte, daß er ein Verbrecher war! Willy zwar glaubte es nicht, aber war es denn nicht möglich, daß fein Urtheil auch einmal in die Irre geführt werden konnte? Jedenfalls würde aber eine Weigerung von ihrer Seite ihn bitter gekränkt haben, so stieg sie denn freilich nicht ohne ein bedenkliches Kopfschütteln die Treppe hinauf und bereitete das Gastzimmer. (Fortsetzung folgt.) Aber Erich schüttelte trübe den Kopf. „Ich will Ihnen folgen, wenn Sie es erlauben, Herr Pastor, und mit herzlichem Dank, wenn —" er schwieg einen Augenblick und setzte dann fast verlegen hinzu: „Meine Mutter schläft dort drüben, und es zieht mich heute mehr zu ihr, als sonst. Ihr Herz würde nie an mir gezweifelt haben, wie es das meines Vaters gethan hat, und mein erster Gruß soll ihr gelten.« Der Pastor schaute ihm nach, wie seine hohe Gestalt durch die schmale Pforte des Kirchhofs trat und verfolgte sie, bis sie in dem Schatten des Gebäudes den Blicken verschwand Es war ihm im Grunde ganz lieb, daß er Zeit fand, die Ankunft des unerwarteten Gastes im Haufe erst zu melden, denn wenn er auch an dem guten Herzen seiner Hausfrau, sobald Einern Rothleidenden zu helfen, nie zweifeln konnte, so schien es ihm doch gerathen, sie auf den Eintritt dieses Fremd- lings vorzubereiten. Was würde sie dazu sagen, daß er ihre Theilnahme für den Vielverurtheilten, Vielbesprochenen in Anspruch nehmen wollte! Sobald er die Hausthür öffnete, kam sie ihm aus dem Hintergründe des Hauses entgegen. „Ich habe mich um Dich gesorgt, Willy," sagte sie lebhaft, „Gott sei Dank, daß Du hier bist." Er zog sie lächelnd in seine Arme. „Und nicht einmal allein, mein Lieb. Ich bringe Dir einen Mann, der int kleinen Boote stundenlang den wildesten Wellen des Meeres ausgesetzt gewesen ist. Du wirst ihm eine freundliche Aufnahme zu Theil werden lassen, nicht wahr? Es ist eine wunderbare Geschichte, die er zu erzählen hat." Sie waren in das Zimmer getreten, während er sprach, und sie lachte heiter. „Ich weiß, in welchem Rosenlicht Du die Helden wunderbarer Geschichten zu sehen pflegst," meinte sie neckend, „und kann nur hoffen, daß der Fremde sich nicht als ein ganz gewöhnlicher Sterblicher und seine Erzählung als Seemannsbericht entpuppen wird. Ich werde mein Bestes I thun, zu hören und zu glauben, denn ich fürchte, er wird sich mit meiner und der Kinder Unterhaltung begnügen müssen, die freilich mit offenen Augen und Ohren alle feine seltsamen Abenteuer vernehmen werden, denn Deine Ruhezeit, mein Lieber, ist leider für heute noch nicht gekommen." Er sah sie fragend ! Gemeinnütziges. Goldfische im Aquarium. Es ist ein sehr Zweifel- Haftes Vergnügen und oft sehr mühevolles Geschäft, Goldfische in der gewöhnlichen kleinen Glasglocke für längere Zeit gesund und am Leben zu erhalten. Bedingung des besseren Gedeihens ist, sie annähernd in Verhältnisse zu versetzen, welche ihrer natürlichen Lebensweise entsprechen. Diese sind sich selbst reinigendes, sauerstoffreiches Wasser — das durch die Vegetation von Wasserthieren erzielt wird — und Besetzung mit kleinen Süßwasserpflanzen, z. B. Schnecken, deren Eier den Fischen als Nahrung dienen. Ist dies in richtigen Verhältnissen geschehen, so hat man — einen richtigen Standpunkt des Aquariums vorausgesetzt, d. h. ein kühles Zimmer und Schutz vor zu grellem Sonnenlicht — weder für die Fütterung, noch um eine Erneuerung des Wassers ängstlich Sorge zu tragen. e Cmpfehlenswerthe Beerensträucher. Ein j** Grundbesitzer sollte bei seinem Hause ein kleine» Stück Land mit Beerenfrüchten bepflanzen; die Cultur derselben erfordert nicht viel Arbeit und der Ertrag ist ein reichlicher; gibt es doch kein wohlschmeckenderes und der Gesundheit zuträglicheres Nahrungsmittel, als das Beerenobst. Und was kann man nicht Alles aus Beeren machen? Einen ausgezeichneten Wein, Gon* serven^ Gelee rc. Daß sich die Beerencultur für den Mary auch bezahlt, ist schon oft durch Beispiele bewiesen worden- Ich meine in erster Linie die Stachel* und Johannisbeeren. Diese beiden Beerensträucher sind unter allen Obststräuchern hinsichtlich des Bodens die anspruchslosesten, wenn man ihnen nur von Zeit zu Zeit eine Düngung zukommen läßt. Vermehrung von Buchsbaum. Es kommt zuweilen vor, daß eine nie beschnittene, verwilderte, alte Buchsbaumeinfassung das Material liefern soll zur Anlage einer neuen Einfassung. Der alte Buchs ist sehr schlecht geeignet, denn er ist vom Boden bis fast auf ein Fuß Höhe kahl und aus den langen, dünnen, kahlen Stengeln würden keine neuen Wurzeln ausschlagen, wenn man sie abtrennen und einpflanzen wollte. Da ist nun ein einfaches Verfahren zu empfehlen. Man gräbt die alten Sträucher mit fämmtlichen Wurzeln gut und tief aus, und pflanzt sie bis an die untersten Blätter in den Einschlag ziemlich dicht. Hier bilden sie aus den Stengeln neue Wurzeln und können, sobald sie nur den Ansatz dazu zeigen, getheilt und zum Anpflanzen neuer Einfasiungen benutzt werden. Blumentopferde zu verbessern. Bekanntlich wird die Topferde leicht sehr fest, dadurch unzugänglich für die Luft und sauer. Infolge dessen mangelt es den Wurzeln an Lust zur Athmung und die Pflanze kränkelt dann. Gutes Gegenmittel ist außer Beimischung von grobem Sand und einer ungefähr 2 Centim. starken Sandbedeckung der Zusatz von geriebenem getrocknetem Moor und HMohlenpulver. Gehäkelte Schleppenhalter. Da trotz Allem, was dagegen geschrieben wurde, die kleine Schleppe an Straßenkleidern dennoch in Aufnahme gekommen ist und das Tragen des Kleides bei schlechtem Wetter oft sehr lästig wird, hat man natürlich auch wieder zu den Schleppenhaltern seine Zuflucht nehmen müssen. Heutzutage gibt es aber kaum einen Toiletten- gegenstand, dessen sich die Mode nicht sofort bemächtigte, um ihn durch Handarbeit auszuschmücken. So begnügt man sich nicht mit der dicken Seiden- oder Wollschnur, an deren einem Ende die metallene Klammer, am andern ein Keiner Knebel zum Schluß in der Taille befestigt ist, man häkelt auch Auf- schürzer in schwarzer Cordonnetseite über Ringformen. Man braucht dazu etwa 60 Ringe von I Vr Centim. Größe, welche mit einer Tour fester Maschen umhäkelt werden. Durch die Ringe wird dann eine paffende, ziemlich starke Seibenlitze geleitet, welche man in der Weise an jeden einzelnen Ring festnäht, daß die Ringe schuppenartig übereinander liegen. Die mit Schieber versehene, oben erwähnte Klammer — das System ist natürlich immer dasselbe — wird am einen Ende befestigt, der am anderen Ende befindliche Knebel wird durch eine in Taillenweite angebrachte Oese aus Litze gezogen und vermittelt dadurch die Befestigung des Halters. Kaffeeflecken aus Kleidern zu entfernen. Fünfzig Gramm Kochsalz löst man in 1 Liter kaltem Waffer auf und wäscht hiermit die Flecken aus. Eichenholzmöbel zu reinigen Schmutzige, fleckige und staubige Eichenholzmöbel werden durch Abwaschen mit warmem Bier so rein wie neu. Sollte die Glätte der Möbel schon abgenutzt sein, so kocht man ein Stück Wachs von der Größe eines Hühnereies mit halb so viel Zucker und einem Viertelliter Bier, bestreicht die Möbel mittelst eines Pinsels mit dieser Mischung und reibt sie, wenn sie völlig trocken sind, mit einem wollenen Lappen blank. Vermischtes. Aus der Volksschule. Fritze Schulze hat die schlechteste Censur in der Klaffe und dabei natürlich eine gründliche Ermahnungsrede vom Herrn Lehrer zur Befferung erhalten. Höllisch „beteppert" verläßt er das Schulgebäude. Seine Kameraden gehen neben ihm her nach Haufe. Fritze hat den Kopf gesenkt und ist fehr kleinlaut. Plötzlich scheint ihm ein Gedanke aufzublitzen. Er wendet sich zu seinem Nachbar Heinrich Müller und sagt hoffnungsfroh: „Vielleicht verhaut mir Vater!" — „So," sagt Heinrich, „und bet frit Dir noch?" — „Nee, bet nich, aber nachher schenkt mir Mutter immer en Jroschen." — Hermann Piefke hat wegen mangelhaften Kopfrechnens brummen müffen unb ben üblichen Nachsitzezettel mit nach Hause bekommen, ben er mit bet Unterschrift bes Vaters zurückbringen muß. Sein Vater ist ein biederer Klempnermeifler, der über feinen Jungen ein strenges Regiment ausübt. Hermann übergibt dem Lehrer den Zettel mit sehr gesenkten Augen. Die Unterschrift lautet nach berühmten Mustern: „Gelesen und gewichst. C. Pieske." ♦ Aus dem Gerichtssaal. Untersuchungsrichter (zur Angeklagten): „Machen Sie nicht solche Ausflüchte! Bekennen Sie sich doch einfach schuldig!" — Angeklagte: „Nun ja! So einem hübschen jungen Herrn, wie Sie, kann man ja nichts ab- schlagen!" * , • Erbauliche Verteidigung. Dame: „Nanni, feit etlichen Tagen sehen Sie so aus, als wenn unser Kohlenträger Ihnen seine Zärtlichkeit beweisen würde." — Köchin: „Etliche Tage nur darf Unseroaner vergessen, sich's G'sicht und die Händ' zu waschen, so hat gleich der Kohlenträger die Schuld." ♦ Auf der Vicinalbahn. Handwerksbursche: „Jetzt fahrt'« amal weiter, sonst geht mir mein Reisepaß aus!" * Höchster Optimismus. Studiosus (in der Kneipe): „Wer kann mir denn zwanzig Mark borgen? > - . Aber schreit nicht Alle so durcheinander!" * * * Unangreifbar. „So ein kleiner Knirps und rauchen 1 Warte, das werde ich Deinem Vater sagen." — „Meinem Vater? He, der raucht ja selber." * * ♦ Auch ein Grund. „Wie, Fräulein Hedwig, Sie haben Italien besucht und waren nicht in Rom?" — „Nein! An der Stelle waren int Bädecker gerade mehrere Seiten heraus- geriffen!" e Heirathsgesuch. Ein armer Teufel sucht einen reichen Engel. ♦ Eine Ehe zwischen Zahlen und Buchstaben. 1-am verirrt im tiefen Tann Die Gräfin saß, ver-L-felt schier I Da trat ganz 3-st ein Jägersmann Hervor aus dichtem Waldre-4. Ms er die junge Grä-F.and, Die sich ganz trostlo-8-altirt Benahm, bot er ihr seine Hand, Die V-etzt mit Zähren, Und hat sie 8-sam weggeführt; Sie ließ ihn gern gewähren. Beim Abschied gab die Schöne, Um die Bekanntschaft zu er-9, Nach dieser ersten S-Ltt-e Dem Jägersmann ein Stelldichein. Es trafen sich im stillen Hain Der Jäger und die ILe Am andern Tag um 18-eI Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.