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Aber dadurch konnte er mich unmög« lich täuschen; ich habe immer gewußt, daß ein Unglück bevor« stand und — nun ist es gekommen." Sie ließ den Schleier herab und ging fort, ohne sich länger als einige Minuten aufgehalten zu haben. Der Wagen fuhr davon — wieder stand Hans Adam allein am Fenster, seinen quälenden Gedanken wehrlos preisgegeben, aufgeschreckt unruhig wie nie zuvor. Wo war Willibald? Er suchte jedenfalls die Katastrophe hinauszuschieben, er gab sich Mühe, die fehlende Summe aufzutreiben. Zu Allem gehörte Zeit. Vielleicht hatte Willibald irgend welche bestimmte Aus« sichten; er wußte, wer ihm das Geld vorstrecken würde. Hans Adam klammerte sich mit aller Macht an diesen tröstlichen Gedanken, aber doch ohne denselben festhalten zu können. Wo war Willibald? Und wieder fuhr das Taschentuch über die heiße Stirn. Diese unerträgliche Ungewißheit, wie sie folterte und quälte! Ein Postbote kam den Weg herauf und Hans Adam selbst eilte ihm entgegen. Er kümmerte ihn in diesem Augenblicke nicht, was die Dienstboten sagen würden; er wollte nur so schnell als möglich Gewißheit erlangen. Zwei Briese fielen in seine Hand — beide von Advocaten aus der Stadt. Willibald hatte nicht geschrieben. Immer noch sah der Baron auf die Adressen, als könne er dem Zeugniß seiner Sinne nicht mehr vertrauen. Nichts von Willibald? War das möglich? Und dann ließ er den Wagen vorfahren. Es litt ihn nicht länger in dieser schweigenden, todesstillen Umgebung. Frau Willibald erhob sich. „Gott allein weiß, schehen sein mag oder noch bevorsteht," schluchzte sie. bald hatte in der letzten Zeit ein Geheimniß, dessen ganz sicher, er verbarg mir ein Unglück." „Aber, gnädige Frau!" „Ich weiß, was ich sage, Herr Baron. Sprechen Sie ganz aufrichtig; ist Ihnen mein Mann nicht vollständig verändert vorgekommen? Können Sie mir nicht helfen, diese ge« heimnißvolle Angelegenheit zu ergründen? ' Hans Adam zuckte die Achseln. „Willibald hat mir keiner- An der Treppe kam ihm Tante Anna entgegen. „Hans, mein guter Junge, könntest Du Dich nicht irgendwo erkundigen, ob sie auch wärmere Kleider braucht?" Er sah verständnißlos in das Gesicht der alten Dame. „Sie, Tante? Sie? — Von wem sprichst Du?" , Mein Gott, doch natürlich von unserer armen Ruth. Ist es denn nicht ihre Angelegenheit, um derentwillen Du zur Stadt fährst?" „Auch das," stammelte er vor Verwirrung. „Auch das." „Daneben kannst Du noch an Anderes denken, Hans?" „Adieu, Tante. Ich habe im Augenblick keine Zeit." „Und Du willst Dich erkundigen?" rief sie ihm nach. „Gewiß." „Laß die Pferde tüchtig ausgreifen," befahl er dem Kutscher. „In einer halben Stunde müssen wir zur Stelle fein." „Wo, gnädiger Herr?" Dunkle Gluth schlug über das Gesicht des Barons. Ja — wo? „Fahre zum Ausspann, Friedrich. Der Wagen flog davon und Hans Adam stützte den Kopf. Wo sollte er Willibald suchen? Und mehr und mehr befestigte sich in seiner erschütterten Seele die Ueberzeugung, daß ein Unglück geschehen sein müsse. Ein schreckliches Unglück. Als er in der Stadt angelangt war, begab er sich zunächst zur Bank. Der Buchhalter empfing ihn mit verstörtem Gesicht und auf die hastige Frage nach seinem Vorgesetzten antwortete er, daß der Herr Director nicht anwesend sei. „Heute überhaupt noch nicht?" brachte der Baron mit Mühe hervor. „Nein." „Aber ich glaubte, daß eine Revision — Der Buchhalter zuckte die Achseln. „Sind Sie persönlich bei der Sache interessirt, Herr Baron?" fragte er. „Sehr lebhaft sogar." „Dann kann ich Ihnen mittheilen, daß die Kellergewölbe sowohl als auch die Kasse versiegelt worden sind. Morgen treffen vermuthlich die Directoren der Hauptstelle zum Zweck weiterer Versügungen hier ein." „ Hans Adam grüßte stumm und ging fort. Es hatte etwas Schauerliches, fo die ersten Vorbereitungen für em schmerzvolles Ereigniß anzusehen; es ist, als sei nun die Furcht zur That- sache geworden, als sei rings jeder Ausweg versperrt. In das Haus an der Berglehne wagte sich Hans Adam nicht, aber er suchte die Nachbarschaft desselben, erst rechts, dann links, in der Gegend, die auf das freie Feld hinausführt. Hier war Willibald am Morgen desselben Tages gesehen worden. --w—--- bekannter Weise ihre besten Complimente und auch ich grüße Dich in altgewohnter herzlicher Liebe. Dein Hans Adam." Das Blatt sank in denSchooß hinab und Ruth sah vor sich hin, ohne zusammenhängend zu denken, aber doch auch ohne Schmerz, still, viel stiller, als sie selbst für möglich ge- halten haben würde. Mochte Hans Adam das Glück seines Lebens gefunden haben: sie war es, die ihm das aus Herzens« gründ wünschte. Im Morgenlichte zerflattern die spielenden Fäden des Traumes. Vielleicht war er süß und schmeichelnd, vielleicht kehrt Aehnliches im Leben nie wieder; aber höher und höher steigt bis zum Mittag die Sonne, und die Wirklichkeit des wachen Tages tritt in ihr Recht. Als später Wolfram den Brief seines Jugendfreundes las, da sahen er und Ruth einander an, und sie lächelten Beide. Hans Adam hatte nichts gelernt und nichts vergessen. An diesem Tage wurde Erichs Frage noch nicht gesprochen aber doch bald danach. Als Ruth mit ihrem Bräutigam allein war, konnte sie ihm offen in's Auge sehen und aus Herzensgrund versichern: „Ich habe Dich innig lieb, Erich. Bist Du nun zufrieden?" Er küßte ihr das Wort von den Lippen. Bis zum Frühling blieb Ruth im Predigerhause, dann wurde eine sehr stille Hochzeit gefeiert und fort ging es auf die Reffe, von der das junge Paar erst nach Wochen zurück- kehren wollte. Am Abend der Ankunft auf Dornau, zu sehr später Stunde, waren alle Dienstboten und Taglöhner des Gutes im besten Sonntagsstaate versammelt, um bei der großen Ehrenpforte vor dem Hause die heimkehrende Herrschaft mit allerlei kleinen Huldigungen zu begrüßen. Besonders sollte geschossen werden. Die meisten Männer trugen Gewehre und eine höchst vergnügte Stimmung beherrschte den ganzen Kreis. Wenn jemals ein Mensch verdient hatte, so recht glücklich zu sein, dann war es ihr Gebieter, das wollten sie ihm an diesem Abend beweisen. Er sollte sehen, wie sehr sie ihn liebten. Dichtgedrängt umstanden Alle das Haus. In einer Viertelstunde konnte der Wagen auf den Hof rollen. Der Wagen hielt, und Schießen und Jubeln begrüßte die Heimkehnnden. Wie glücklich er aussah, der junge Ehemann, wie stolz er seine Frau den Leuten vorstellte! — „Das ist Eure Gebieterin, meine Freunde! Habt sie lieb wie mich selbst und Alles wird gut sein," - 108 - Neue Schüsse, neues brausendes, donnerndes Hurrahl Drinnen im Hause zog Erich sein junges Weib fest mit beiden Armen an die Brust. „Bist Du glücklich, mein süßes Herz, Du, die ich geliebt habe, so weit mein Denken zurückreicht; bist Du ganz glücklich?" Sie sah ihn an, fast wie Wehmuth bebte es durch ihre Stimme. „Erich, hättest Du es mir früher gesagt — Man» ches wäre anders gewesen." ...... Er lehnte ihre Stirn gegen die seine. „Und ist nicht Alles gut geworden, mein Lieb?" flüsterte er. „Alles!" bestätigte sie aus Herzensgrund. Seköstverstümmeümg öei HHieren. Bon Dr, Ludwig Staby. (Schluß.) Bekanntlich lassen viele langbeinige Spinnen, Mücken, Schnecken und andere Insekten ihre zarten dünnen Beine in der Hand des Angreifers zurück und eilen davon, aber hier haben wir es nicht mit Selbstverstümmelung zu thun, denn die Thiers thun außer ihrem Bestreben zu entfliehen, nichts dazu, sondern die überaus zarten Glieder reißen bei der für solche Gebilde viel zu groben Behandlung aus den Gelenken und die Thiere entkommen denn unten Zurücklassung derselben. Es kann bei diesen Insekten, vorausgesetzt, daß sie vollkommen ausgebildet waren, keine Rede von Widerersetzen der fehlenden Gliedmaßen seien, sie müssen ihr Leben als Krüppel weiter fristen. Eine sonderbare Art echter Selbstverstümmelung tritt uns aber bei den Heuschrecken entgegen. Biele Heuschrecken, und zwar ausschließlich Laubheuschrecken, beißen sich in der Gefangenschaft die Vorderbeine an der Wurzel ab, einerlei ob sie mit Nahrung reichlich versehen sind oder nicht, ja die Weibchen vergreifen sich sogar an ihrem Legestachel und beißen denselben ab, während die Männchen, besonders gegen die Tarsen und Schienen der Vorderbeine wüthen. Manche dieser Heuschrecken, so besonders Laga servata und Barbitistea servi- canda, haben eine wahre Wuth auf diese Selbstverstümmelung, sobald sie gefangen werden, beißen sie sich die Vorderbeine am Grunde ab, und zwar so schnell und eilig, daß man selten ein unversehrtes Exemplar in die Hand bekommen kann, denn in demselben Augenblick, in dem sie ergriffen werden, vollziehen sie die Selbstamputation. Was diese sonderbare Manie für einen Zweck hat, ist bis jetzt noch nicht genügend ergründet worden, daß sie ganz grundlos sein sollte, ist nicht anzunehmen, denn sie wird bei diesen Heuschrecken regelmäßig angetroffen. Deutlicher tritt der Zweck zu Tage bei den Selbstverstümmelungen vieler niederen Seethiere. Wird ein Seestern an einem seiner Arme ergriffen, so läßt er diesen einfach fahren, um seinen übrigen Körper in Sicherheit zu bringen, der Verlust schadet ihm nichts, nach kurzer Zeit ist ein neuer Arm nachgewachsen, ja, wirft der enttäuschte Angreifer den abgerissenen Arm wieder ins Wasser zurück, so hat er noch dem Geschlechte der Seesterne einen Dienst erwiesen, denn an dem einen Arm sproßen nach einiger Zeit die übrigen fehlenden wieder neu hervor, so daß anstatt des angegriffenen einen Seesterns jetzt zwei vollständige Individuen dank der rohen Gewalt des Angreifers sich ihres Daseins erfreuen. Noch empfindlicher als die Seesterne, sind die sogenannten Seegurken oder Seewalzen (Holothurien), ihr weicher Körper theilt sich bei der Berührung entweder sofort in eine Anzahl Theile, er schnürt stch in viele Abschnitte ab oder aber die ergriffene Seewalze, wie z. B. die Röhrenholothurie (Holothuria tubulosa) zieht sich sofort krampfhaft zusammen und speit sämmtliche Eingeweide aus der Mundöffnung heraus, den Angreifer mit dem klebrigen Inhalte besudelnd. Die Abschnürung sowohl wie auch die LoSreißung der Eingeweide kommt durch heftige Muskelkontractionen zu Stande, aber den niedrig organisirten Wesen schadet dieser tiefe Eingriff in ihre Lebensfunktionen nicht viel, denn das den Kopf tragende Stück der getheilten Seewalze wächst bald wreder zum vollständigen Thiere aus und ebenso sollen auch die inneren ^erausgeschleuderten Organe stch wieder ersetzen und neubtlbett. Aus den angeführten Beispielen ergiebt stch, daß bte Selbstverstümmelung hauptsächlich als Schutzmittel bei den niederen Thieren verbreitet ist, die noch einen ziemlich einfachen Körper- >au haben und bet denen das Prinzip der Arbeitstheilung noch nicht so weit durchgeführt ist, daß mit Verlust eines Organs )ie gesammten Funktionen desselben für den Organismus ver- oren gehen, sondern bei denen dann die anderen Organe bte Pflichten des abgetrennten mit übernehmen, was bei den höheren Thieren nur in geringem Maße eintreten kann. Der Seestern kann ohne Schaden mehrere Arme verlieren, weil bei ihm Mr Arm gewissermaßen für stch selbst ein Individuum rst, indem er alle zum Leben notwendigen Organe selbst trägt, bei hoher organisirten Thieren ist dies aber niemals der Fall, da rst em Organ nur lebensfähig in Zusammenwirkung mit den übrigen, es besteht hier ein complicirter Mechanismus, und wird em wichtiges Organ aus demselben entfernt, so hört der ganze Körper auf zu functioniren, gerade wie eine Maschine still steht, an der ein Rad herausgenommen ist. Kommt aber dennoch bei ziemlich hoch entwickelten Thieren, wie z.B. bei Eidechsen, Selbstverstümmelung vor, so tritt sie immer nur an Körper- theilen auf, die zum Leben an und für sich nicht unbedingt notwendig sind, die aber von dem Körper noch ersetzt werden können: bei höher organisirten Thieren, wie den Warmblütern, kann dieser Ersatz nicht mehr eintreten, hier ist mit der Selbst- Verstümmelung immer eine Verkrüppelung des Thieres für fern ganzes Leben verbunden, und deshalb finden mir Selbstverstümmelung hier nur sehr selten, nur als letztes Rettungsmittel in der äußersten Roth. Vermischtes. Unerwartet. Lehrer (welcher den Schülern das Beispiel vom guten Hirten erläutern will): „Denkt Euch einmal, , Ihr wäret Alle kleine Schäfchen — was wäre ich dann? — Mehrere Stimmen: „Ein großes Schaf!" Triftiger Grund. „Wie kommt es, Frau Mayer, daß Ihnen Ihre Dienstmädchen nie kündigen, obwohl Sie die- selben so gering bezahlen und so schlecht behandeln? — „Ja wissen Sie, ich wohne vis-a-vis der Kürassier-Kaserne! Aus der Kaserne. Lieutenant: „Kann mir vielleicht einer von Euch sagen, aus welchem Grunde der Soldat beim Grüben die Kopfbedeckung nicht abnimmt, sondern nur die Hand anlegt? ... Na, Müller, wissen Sie'S vielleicht?' — Müller: „Damit er nicht in Arrests kommt!" Ein sonderbares Leiv en. Richter: „Warum find Sie nicht beim ersten Aufruf vorgetreten?" — Zeuge: „Infolge eines früheren Ohrenleidens höre ich halt Alles ein btffel später!" , * । Dann. Piccolo (zur Kellnerin): „Fräulein Toni, ich liebe Sie!" — Kellnerin: „Lausbub, mach', daß Du roetter- kommst, oder Du fängst eine 1" — Piccolo: „So! In einem halben Jahre krieg' ich einen Frack . . - da woll'n wir uns 'mal wieder sprechen I" * KindlicheFrage. Der* kleine Hans (vor einem Baume, unter welchem ein Korb voll Aepfel steht): „Du, Tante, wenn man einen Korb voll Aepfel stiehlt, gehört Einem dann der Korb auch?" * * Im Dienstbotenbürean. „ . . . Ich würde Ihnen einen Neger als Bedienten empfehlen; erstens sind sie sehr zu verlässig und dann - - . schmutzen sie auch nicht so leicht!^ Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.