Nr. 129 1893 Untephaltungsblatt znnr GZefzensv Anzeigen (Geneval-Anzeig-v) " '-.• I,.,**. .2..,-?' • :-V™- - . „„, — WM-NH Donnerstag, den 2. November. Eine verhängnißvolle Nordlandsfahrt, j Humoristische Novelle von Johannes Wilda. (Schluß.) „Ein Haus bauen I" So kläglich ich das sagte, mußte ich doch lachen. Ich ein armer Sextalehrer in Tuttlingen und ein Haus bauen?! „I was!" rief Minnie resolut. „Glauben sollst Du es nur! Das Haus baut Papa dann schon und damit basta!" Ein Dutzend Küffe befestigten mich nun in meinem Glauben, und dann fanden wir es rathsam, uns zu erheben, um uns mit der nächstliegenden Zukunft zu beschäftigen- „Du, das hätte ich mir doch vor acht Tagen nicht träumen lasten, daß ich heute mit meinem Bräutigam in einem Graben bei Christiania sitzen würde." „Ich auch nicht, mein Kind. Der gesegnete Graben! — Wie denkst Du indeffen über unser Fuhrwerk?" „Ei, das wird seinen Stall wohl ohne uns finden!" „Wie treten wir aber nun Deinem Papa gegenüber?" „Bor allen Dingen mit Entschlossenheit! Du warst eben so heldenhaft kühn, Ingo! Du weißt garnicht wie mir das imponiert hat. So mußt Du fortfahren, verstehst Du!" „Hm, ja. Ein Schwiegervater scheint mir aber noch schlimmer wie ein Gaul, und dieser hat mich schon so zu sagen vor die Thür gesetzt." „Um Dich Deinem Glück in die Arme zu werfen, Du Kleinmüthiger! Bin ich etwa nicht Dein Glück, he?!" Diese Frage mußte nothwendigerweise mit einem besonders bekräftigenden Kuß beantwortet werden, der meine Entschlossen« heit wesentlich stärkte. Mittlerweile waren wir einen Theil des Waldes zurückgeschritten. „Merkwürdig, daß sie noch garnicht kommen," meinte Minnie. „Ja, sehr merkwürdig!" erwiderte ich, im Innern eigentlich ganz froh darüber. Eng einander umschlungen haltend stiegen wir weiter bergan. „Der arme Asmus, er wird mich für einen abscheulichen Verräther erklären, denn Du wirst wohl bemerkt haben--" Minnie lachte hell auf. „Und ob ich es bemerkt habe! Er hat mir heut Nachmittag auf dem Wagen einen regelrechten Antrag gemacht und ist glänzend abgeblitzt!" Asmus einen Korb erhalten! Nun waren mir die rothen Ohren allerdings sehr verständlich. „Wenn Du nun feilt Herz gebrochen hättest?" „Wenn ich nun Deins gebrochen hätte?" „Schelm! Du warst nahe dran!" „So schien es Dir. Ich aber fürchtete nur für das meinige. Herr Schratt wird sich zudem rasch trösten. Mich dünkt, daß er vorhin schon in der allerbedenklichsten Weise den Anfang dazu gemacht hat." „Ja leichtsinng ist er leider, daß es bis auf die Bäume steigt." „Ja, und Du nicht. Das wußte ich schon nach den ersten zehn Minuten nach der Bekanntschaft mit Euch. Du hast es garnicht gemerkt, daß ich sein Süßholzraspeln lediglich deshalb ertrug, um Dich genauer kennen zu lernen!" „Nochmals, Schelm Du!" So wurde wieder eine Kußstation gemacht- Der Berg ward in gewiffem Sinne der reine Calvarienberg für uns. „Ich begreife aber gar nicht, daß sie noch immer nicht da sind. Papa muß ja schauerlich langsam fahren, Ingo!" „Schauerlich langsam! Doch still! Schreit da nicht etwas? Das sind fiel" „Ihre Stimmen sind es allerdings; den Wagen höre ich nicht. Sie kommen auch nicht näher. Merkwürdig!" „Merkwürdig I" Noch sünfzig Schritte weiter und wir bogen um eine Ecke und was erblickten wir? Der Wagen lag mit gebrochenem Rad mitten auf der Straße, Herr Sasse und Asmus zankten sich wie die Rohrspatzen und der Gaul stand unparteiisch mit beklommen gesenkten Ohren daneben. „Mein Gott, Kinder, da seit Ihr ja! Warum sind Sie so blind und toll davongejagt, Herr Doctor ? Wo ist denn Ihr Fuhrwerk?" In Anbetracht seiner ersichtlich schlechten Laune hatten wir einander losgelasien, im Uebrigen war die Situation so erheiternd, daß Minnie in ein unauslöschliches Gelächter ausbrach, in welches ich und Asmus bald einstimmten. Auch Herrn Saffe begann es lächerlich zu werden, obgleich er sich noch dagegen sträubte. nii L , „So redet doch blos, was ist vorgegangen? drängte er- „Nichts, als daß unser Pferd mit diesem herrlichen Kut- scher hier durchgegangen ist!" flüsterte Minnie- „Und uns in einen Graben abgesetzt hat, worauf es vor» zog, allein nach Hause zu fahren," ergänzte ich wahrheitsgemäß. Das war Balsam auf Herrn Saffes Wunde- „Ho, ho!" lachte er. „Also andere Fuhrleute können auch ungeschickt sein. Und ich war es gar nicht einmal, sondern der werthe Doctor Schratt, der —" 514 „Bitte, Herr Sasse, ich muß mich doch noch einmal dringend verwahren —" „Was verwahren I Sie griffen mir in die Zügel und da „Ja, aber erst, als Sie bereits an den Meilenstein an- geprallt waren!" „Dann war nur die infame Kurve schuld! Ich mußte Sie doch einholen, Herr Doctor Döderlein! Ich dachte ja gleich, daß Ihnen so etwas Malheur passirt wäre und wollte Sie nicht im Stich laffen. Ohne diesen Herrn hier wäre ich auch noch glücklich herumgekommen!" „Aber verehrter Herr Saffe, das Rad war doch schon —" „Ach, Rad hin, Rad her! — Wie kommen wir Viere nun nach Haus, wie unser Wagen? Das ist hier die Frage, alles Andere ist gleichgiltig!" „Ich reite und hole Hilfe!" erklärte Asmus, der bereits wieder leidlich nüchtern geworden war, edelmüthig. „Gut! Schieben wir die Karre an den Graben und dann reiten Sie. Wir Drei folgen zu Fuß nach. Mehr wie eine Stunde kann es ja nicht bis zur Stadt fein." So geschah es. Nachdem wir schweißtriefend den Wagen seitwärts geräumt hatten, kletterte der mit einer schneidigen Haselgerte bewaffnete Asmus nach einer argwöhnischen Musterung, die Minnie und mir galt, auf fein Roß und trabte stolz wie ein Ritter davon. Ich beneidete ihn nicht, denn er hockte ganz entsetzlich auf dem spitzknochigen Pferderückgrat, ohne sich indeffen feine Qualen, so lange wir ihm nachblicken konnten, merken zu lassen. Herr Sasse hatte sich mittlerweile auf einer Zaunerhöhung, von der man eine himmlische Aussicht auf den int Abendlicht traumverlorenen, paradiesisch schönen Fjord genoß, niedergelassen und trocknete noch immer mit seinem rothseidenen Schnupftuch an seinem echauffirten Antlitz herum. Trotz des Mißgeschicks war er wieder vollständig vergnügt. „Einerlei, Kinder!" rief er. „Schön ist's hier doch I Eine famose Tour, da muß man das Uebrige mit in den Kauf nehmen. Auch für Ihren väterlichen Schutz bezüglich meiner Tochter, Herr Doctor, bin ich Ihnen sehr--Kinder, seid Ihr verrückt geworden, was wollt Ihr?!" unterbrach er sich hier in jähem Entsetzen. „Deinen Segen, Papa!" „Die Hand Ihrer Fräulein Tochter, Herr Sasse!" Heimlich hatten wir Beide uns ein Zeichen gegeben und a tempo vor dem Entscheider unseres irdischen Glücks auf die Kniee geworfen gehabt. „Meinen Segen?! Die Hand meiner Tochter?! Den Teufel auch! Heißt das ehrenhaft, heißt das väterlich gehandelt, Herr Doctor? Pfui, schämen Sie sich, Herr, wie schmäh» lich haben Sie mein Vertrauen getäuscht!" Der Muth der Verzweiflung regte sich in mir. „Mit Nichten habe ich Sie getäuscht, Herr Sasse. Sie selbst gaben mir Gelegenheit, mehr als ich es anfangs wünschte, mich Ihrem Kinde zu nähern und schließlich sind Sie doch auch an dem Rest schuld." „Wieso?!" brauste der Apotheker auf. „Wreso? „Run, ohne Sie wäre der unwiderstehliche Liebreiz Ihrer Fräulein Tochter doch wahrhaftig nicht in der Welt vorhanden!" Meine schmeichelhaften Worte blieben nicht ohne Eindruck, wennschon sie den Sieg noch nicht errangen. „Larifari, ich und Liebreiz!" polterte Herr Sasse weiter. „Wer sind Sie denn, Herr! Können Sie denn überhaupt eine Frau ernähren? Denken Sie denn im Ernst, daß meine Tochter, die die glänzendsten Hamburger Partieen machen kann, einen hunqerigen Schulmeister aus Schwaben heirathen wird?" Das war doch zu stark! „Keine Beleidigungen, Herr Sasse!" rief ich aufspringend. „Das dulde ich nicht!" „Nein, keine Beleidigungen, Papa! Dazu hast Du kein Recht!" rief Minnie, ebenfalls aufspringend. „Du kannst Dich überhaupt mit Deinen reichen Hamburgern. einpökeln lassen. Ich will keinen Pfennig von Dir. Aber ich heirathe ihn und keinen Anderen in der Welt, das schwöre ich Dir und Du weißt sehr genau, daß Du nicht im Starcks bist, meinen Willeü zu brechen!" Dies rief sie flammenden Auges, während sie mich fest umschlang. Wer sie so sah, konnte gar nicht an ihrer Energie zweifeln. Ganz herrlich sah das kleine Geschöpf aus. In Herrn Sasses Augen trat ein rathloser Ausdruck. Er merkte, daß seine Position wankend wurde. „Wenn Deine Mutter doch noch lebte, die würde Dir gehörig den Kopf zurechtsetzen," bemerkte er endlich fast kläglich. „Und Du sollst mir ja auch Mutter sein, lieber Papa!" rief Minnie an seinen Hals stürzend und ihn unter Thränen küssend. „Aber anders wie jetzt! Mama würde ganz gewiß meinem Glück nicht im Wege stehen wollen und Du willst dies im Grunde doch auch nicht, Papa!" „Nein, Kind, nein!" Herr Saffe begann ebenfalls zu schluchzen. „Was ich will, ist ja eben Dein Glück und das —" „Kann ich nur bei diesem Manne finden, Papa I Du hast ja selbst gesagt, daß man in fünf Minuten seine Gediegenheit und Lauterkeit erkennen könnte. Und was Du in fünf Minuten kannst, werde ich wahrhaftig doch auch in zwei vollen Tagen vermögen!" „Ja, Kind, aber die verschiedenen Verhältnisse —" „Ach, Papa, komm' doch nur nicht immer wieder auf die verschiedenen Verhältnisse I Er will ja mich und gar nicht Deine dummen Mark Banko. Und wenn Du sie uns doch einmal geben willst, nun, in Gottes Namen! Dann reicht es doch wahrhaftig für uns Beide, warum soll er denn partout noch etwas dazu geben können?" Herr Sasse neigte das Haupt- Er war besiegt! Auch ich hatte angefangen zu schluchzen und nun sank ich abermals zu Füßen des fassungslosen Mannes, um seine Hand mit Küffen zu bedecken und — als Schwiegersohn wieder auf» zustehen. Schwiegersohn I Welches süße Wort! Wie hatte ich es bisher verachtet und wie wonnig durchrieselte mich jetzt dieser Begriff, als mir die ganze Würde, die lachende Zukunft, die er umfaßt, klar wurde. Ich glaube nicht, daß auf den blauen Christianiafjord jemals zwei Menschen seliger hinabgeblickt haben, al» Minnie und ich, an diesem ereignißvollen Tage! Was soll ich nun noch viel über unsere Pfingsttour erzählen? Im Rausch kamen wir nach der Stadt zurück. Als Asmus, der sich vollständig durchgeritten hatte und kaum drei Schritte ohne Schmerzen humpeln konnte, wieder zu uns stieß und wir uns als neugebackenes Brautpaar vorstellten, machte er zunächst ein über die Maßen bitterböses Gesicht. „Ihr seid Beide falsch!" fließ er hervor. „Von Dir hätte ich das weiß der Himmel nicht gedacht, Ingo! So die Kennt» niß meiner Absichten zu benutzen, um Dich in ihr Herz ein» zuschleichen. Schlange, Du!" Begütigend legte ich meine Hand auf seine Schulter. „Nur nicht so tragisch, Asmus! Du weißt sehr gut, daß wir nicht gegen Dich intriguirt haben. Bei dieser Brautfahrt hattest Du eben keine Chancen, Du warst „ungefährlich", mein Junge, und Du mußt es doch selbst einsehen, daß die kleine Minnie hier für ein so leichtsinniges Huhn, wie Du es bist, wirklich zu gut ist!" „Nein," fügte Minute lachend und aufrichtig hinzu, „schwet- gen wir von meiner Güte; indeffen Sie hatten wirklich von vornherein nicht die geringste Chance, Herr Doctor Schratt! Doch darum können wir ja Freunde bleiben. Ingo behauptet, Sie wären im Grunde besser, als man es nach Ihren Streichen vermuthen sollte und weil er es sagt, so glaube ich daran. Also, Herr Doctor, Versöhnung und gute Freundjchast! Hier schlagen Sie ein!" , Der gute Karl machte ein sehr sauer-süßes Gesicht, aber einschlagen that er vernünftiger Weise doch. „Es gibt ja auch mehr Millionärstöchter in der Welt, Asmus," tröstete ich. „Die hoffentlich ihren Titel mit größerem Recht tragen, als Fräulein Saffe," bemerkte Minnie launig. überhai wenigst' nicht - Ei Rückzal A lobung. Promei regen i es bele ten san von de Herübei sondert £ Daß d nicht g S sichtig» dem d dies 3 die en nach 3 als fit sich in Weg i Eindri 1 Reise. Mine, Vermi kleiner fidel 1 s seiner mir i Schm denen vorra macht mand gelack uns ' so eil liche jenes Erle! gesäl wurt die! Lebe sinn drei! geg< des The sicht „Und die ganze Rückfahrt liegt noch vor Dir," ergänzte ich. „Ach was! Spottet nur!" brummte Asmus. „Du bist überhaupt ein ganz anderer Kerl geworden, Wuz! Ich würde wenigstens Dir die Freundschaft kündigen, wenn — wenn nicht Er brach ob und schwieg. Ich glaube, er dachte an die Rückzahlung der zweihundert Mark. — Am späten Abend feierten wir gewissermaßen unsere Verlobung. Mit zahlreichen anderen Menschen lagerten wir am Promenadenstrand zu Füßen der alten, von Syringen und Goldregen umblühten Veste Akerhus. Noch um Mitternacht war es belebt, dabei sommermilde und tageshell. Vor uns plätscherten sanft die Fjordwellen. Lichter blitzten aus dem Hafen und von den traumverlorenen Inseln. Ferne Musik schallte zu uns herüber. Es war nicht wie eine Nacht im hohen Norden, sondern wie ein stiller Abend in Malaga oder Palermo. Hand in Hand saßen Minnie und ich dicht nebeneinander. Daß die Welt so schön sein könne, hatten wir bisher Beide nicht geglaubt ♦ Die Rückfahrt von Christiania durch die Schären, die Besichtigung des stattlichen Gothenburgs, das Wiedersehen mit dem dicken, rothen Capitän und den skatspielenden Studenten, dies Alles ging ziemlich spurlos an uns vorüber. Ja, sogar die erneute kleine Attacke der Seekrankheit auf der Rückfahrt nach Kiel schädigte nur Asmus. Letzteres besonders insofern, als sie seinen Plänen auf eine junge dänische Millionärin, die sich in Gothenburg mit eingeschifft hatte, empfindlich in den Weg trat. Der neue weiße Filz, den er sich extra gekauft, um Eindruck auf sie zu machen, verfehlte seine Bestimmung. Und doch hatte Asmus einen reellen Vortheil von dieser Reise. Vernünftiger machte sie ihn nicht, die Tuttlinger Mineralwafferfabrik ward auch nicht begründet, allein durch Vermittelung meines Schwiegervaters erhielt er einen netten kleinen Posten bei einer Kölner Firma, für welche er heute fidel künstlichen Guano fabrizirt. Mein Schwiegervater hat stch vollständig mit der Wahl seiner Tochter ausgesöhnt. Er ist schon ein paar Mal mit mir im „rothen Löwen" gewesen, wo er den Stammgästen Schauergeschichten über unsere norwegische Reise auftischte, in denen Bären, Walfische, Eisberge und das Nordcap eine hervorragende Rolle spielten. Asmus könnte es nicht schöner gemacht haben. Und Minnie? Ich erwähnte im Anfang meiner Bekenntnisse, daß Jemand, der hinter mir gestanden, mich am Ohr gezupft und laut gelacht habe, als ich die Frage stellte, warum Asmus und ich uns durch Schicksalsfügung in Kiel rasiren ließen und Asmus so eine dumme Zeitungsannonce lesen mußte? Wenn ich nun mittheile, daß dieser Jemand unvergleichliche Spätzle bäckt und Frau Doctor Döderlein heißt, so wird jenes „Warum?" wohl für leidlich scharfsichtige Leute seine Erledigung gefunden haben. — Mir bleibt nur noch übrig, Eins hinzuzusügen. Nach Niederschrift dieses „Pfingstausfluges" (welche un- gesähr ein Jahr nach den geschilderten Geschehnissen vollzogen wurde) warf ich befriedigt die Feder hin und mich selbst in die Arme der erwähnten Frau Doctor Döderlein. „Ingo," flüsterte sie, „wie gut ist es doch, zuweilen im Leben leichtsinnig zu sein!" „Gefährliche Theorie, mein Kind! In das Kapitel Leichtsinn gehört es nämlich ebenfalls, wenn sich Leute nach kaum dreitägiger Bekanntschaft blindlings verloben." „Dies ist aber doch schon manchmal einigermaßen gut gegangen, mein Herr und Gebieter." „Meinst Du? Ja, dann muß dem leuchtenden Prototyp des Leichtsinns, unserem Asmus, allerdings die Belohnung zu Theil werden, die er mir seiner Zeit so großmüthig in Aussicht stellte." „Welche Belohnung?" „Nun, er wird in nicht allzu ferner Zeit hier eintreffen und dem Herrn Pfarrer in Frack und weißen Glacss ein einziges, schreiendes Bündelchen präsentiren dürfen, welches —" Ein Kuß schloß mir energisch den Mund. Und da ein Kuß für alle Herzensgeschichten unbedingt den erfreulichsten Schluß bildet, so endige er hiermit auch die meinige. Was sollen wir trinken? Müssen wir denn überhaupt trinken? Ja, das ist unumgänglich nothwendig. Unser Körper besteht zu drei Vierteln aus — Wasser. Hiervon verlieren wir durch die Haut und die Nieren im Durchschnitt täglich zwei Liter, und die müssen wieder eingebracht werden. Der Durst meidet sich deswegen gebieterischer als der Hunger und läßt stch viel weniger lange ertragen. Einige Hungerkünstler, die unsere Zeit hervorgebracht hat, sind bis zu vierzig Tagen ohne feste Nahrung ausgekommen, unter der Bedingung, daß sie nach Belieben Wasser tranken; dagegen erfolgt nach vier- bis fünftägiger Entziehung aller Flüssigkeiten in der Regel unter großen Qualen der Tod. Nun ist aber erstens zu bedenken, daß in aller festen Nahrung: int Brod, im Fleisch, im Gemüse, noch mehr im Obst, Wasser enthalten ist, und daß die meisten Speisen mit Wasser ober wasserhaltigen Flüssigkeiten bereitet werden. Man muß also nicht das Exempel so ansetzen, daß man sagt: Verliere ich zwei Liter, so muß ich auch zwei Liter trinken. Das richtige Maaß müßte eigentlich der Durst geben. Er thnt es auch, wenn man ganz naturgemäß lebt und ihn nur mit dem natürlichsten Getränk, mit Wasser stillt. Wenn Menschen im Trinken unmäßig sind, so wendet man wohl allerlei kräftige Vergleiche aus dem Thierreich auf sie an. Aber damit thnt man den Thieren großes Unrecht: sie übernehmen sich nicht im Trunk. Der Mensch hingegen, wenigstens in allen Cultur« ländern, trinkt häufig nicht um den Durst zu stillen, sondern weil's ihm gut schmeckt, ober weil er von dem Getränk angenehme Wirkungen verspürt. Ja, er richtet wohl gar seine Nahrung danach ein, um sich einen künstlichen Durst zu züchten, damit er desto mehr trinken kann. Das erreicht er durch scharf gesalzene und stark gewürzte Nahrung. Das betreffende Getränk mag nun Wein, Bier, Branntwein, Kaffee, Thee oder wie immer heißen; mit jeglicher Art von Zusätzen besteht es doch zumeist aus Wasser, und die Folge alles übermäßigen Trinkens ist also, daß dem Körper zuviel Wasser zugeführt wird. Und die Folge davon? Nun, die fällt schon äußerlich in die Augen bei den vielen Biertrinkern, die, um mit ihrem Liebesgetränk recht viel Alkohol zu genießen, solche Mengen davon zu stch nehmen, daß ste zuletzt wie wandelnde Bierfässer aussehen. Alle Gewebe des Körpers werden aufgeschwemmt, mit mehr Wasser durchzogen, als sie enthalten dürfen. Das Blut, dieser hochwichtige Bestandtheil des Körpers, an den die ganze Ernährung und die Fortschaffung aller verbrauchten Stoffe gebunden ist, wird ungebührlich verdünnt; das Herz und die Adern .'müssen sich übermäßig anstrengen, um es im beständigen Kreislauf durch den Körper zu erhalten. Trinker neigen deshalb zu Schlagflüssen; das heißt, es springen ihnen leicht Adern, besonders im Gehirn. In Bayern, wo mehr Bier getrunken wird, als sonstwo in der Welt, giebt es die meisten Herzleidenden Es steht bei den Aerzten längst fest, daß diejenigen Menschen, die durch Trinken ohne Blaß ihr Blut verschlechtern, und ihren Körper aufgeschwemmt haben, allen ernsten Eikrankungen ober Verletzungen viel leichter er« liegen, als nüchterne Menschen. Wasser haben wir vorhin das natürlrchste Getränk genannt. Als solches hat es einige große Vorzüge. Es löscht den Durst besser, als jede andere Flüssigkeit. Es verleitet nie zur Unmäßigkeit. Es ist bis jetzt noch überall umsonst zu haben. Und doch hat man gerade in den letzten Jahren anerkannt, daß Wasser ein sehr gefährliches Getränk werden kann Der Wanderer, der den silberhellen Bergquell aus der Felsenspalte hervorsprudeln sieht, mag immerhin sich nach Herzenslust daran laben. Aber dem Wafler in der Nähe menschlicher Ansiedelungen trauen wir jetzt nicht mehr ohne Weiteres, dem fließenden nicht und noch weniger dem stehenden. Jetzt wo die Cholera wieder hier und da ihr unheimliches Gesicht zeigt, lesen wir immer wieder in der Zeitung, daß der und der Fluß „verseucht" sei; er enthält die dem bloßen Auge unsichtbaren Spaltpilze und ähnliche Lebewesen, deren Einführung in den Körper in wenig Stunden den Tod bringen kann. Sobald irgendwo eine Seuche auftritt, heißt es also mit dem Waffer äußerst vorsichtig umgehen, und sowohl zum Trinken und Kochen, wie auch zum Spülen aller Geschirre nur solches gebrauchen, in welchem durch längeres Kochen alle krankheiterregenden Bestandtheile unschädlich gemacht worden sind. Außer der Cholera können auch Typhus, Scharlach, Diphtheritis durch Waffer verbreitet werden. Daffelbe gilt leider auch von der Milch, die sonst als Getränk nicht genug empfohlen werden kann. Es ist daher hochwichtig, daß sie nur ganz gesunden, richtig gefütterten Thieren entnommen und mit der äußersten Reinlichkeit behandelt wird. Auf Milchverfälschung hat in den meisten Städten die Obrigkeit ein scharfes Auge; aber der Michkunde muß auch nicht allzu vertrauensselig sein und in bedenklichen Zeiten nur gekochte Milch genießen. Die größte Vorsicht ist bei der künstlichen Ernährung kleiner Kinder nöthig, denen irgend eine schädliche Beimischung oder Beschaffenheit der Milch nur zu oft das Leben kostet. Im übrigen sollten Kinder, so lange sie Kinder sind, nichts anderes als Waffer und Milch zu trinken bekommen. Dem Waffer kann in heißer Zeit oder zur Erfrischung für einen Kranken, oder auch, um es im abgekochten Zustande schmackhafter zu machen, ohne schaden Fruchtsaft, Citronensaft, Kohlensäure beigemischt sein. Milch dagegen trinkt man am besten ohne jeden Zusatz Kaffee, Thee, Cacao, Chokolade haben das mit den alkoholhaltigen Getränken gemein, daß sie die Nerven anregen, Hunger und Kälte weniger fühlbar machen. Ihre Wirkung aber ist viel schwächer und deshalb auch die Gefahr geringer, sie im Uebermaß zu genießen. Allerdings wirkt der Genuß von sehr starkem Kaffee oder Thee schädlich, umsomehr, jemehr er zur Gewohnheit geworden ist. Diese beiden Getränke enthalten fast gar ikeinen Nahrungsstoff; sie werden nur durch den gebräuchlichen Zusatz von Milch und Zucker etwas nahrhafter. In Cacao und Chokolade ist dagegen viel Eiweiß, Fett, Stärke enthalten, und in der gewöhnlichen Zubereitung mit Milch und Zucker bilden sie daher mehr ein Nahrungsmittel als ein bloßes Genußmittel. • D- Arb.-Ztg. GsineinniWges. F? Glasgeräthe zu feilen. Ein einfaches Mittel besteht darin, daß man eine Feile in starke Natronlauge und dann noch naß in groben Sand steckt. Mit dieser mit Sand und Natronlauge bedeckten Feile kann man Glasgeräthe in ganz rücksichtsloser Weise bearbeiten, ohne ein Springen des Glases befürchten zu müssen. ♦ * ♦ Kitt für zerbrochene Cigarrenspitzen aus Bernstein. Zerbrochene Cigarren- oder Pfeifenspitzen (Mundstücke) aus Bernstein kann man durch eine syrupdtcke Lösung von hartem Kopal in Schwefeläther zu kitten versuchen. Man reinigt die Bruchstellen von dem anhaftenden Tabaksaft und anderen Unreinigkeiten mit Weingeist unter Anwendung einer Federfahne, bestreicht sie mit obiger Kopallösung, drückt sie mit der Hand fest zusammen oder verbindet sie, wenn thunlich, mit geeigneten Bindemitteln. Da der Aether rasch verdunstet, so muß schnell gearbeitet werden. Etwa austretender Pitt muß, so lange er noch weich ist, vorsichtig abgewischt werden. Nach einigen Tagen ist die Kittung haltbar. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Das Knarren der Schuhe. Das Knarren der Schuhe ist eine Marschmusik, für musikalische Ohren auf keinen Fall angenehm, wenn auch von Manchen vielleicht gesucht. Am besten ist, man verhindert es durch Tränken der Sohlen mit erwärmtem Leinöl, bis nichts mehr einziehen will. Bei hartnäckigem Verbleib dieser Quietschtöne ist das Verfahren zu wiederholen. Im Uebrigen gewinnen die Sohlen dadurch besonders an Haltbarkeit. * * * Geröstete Griessnppe. Schmalz wird heiß gemacht und Griesmehl darin schön braun geröstet; sodann gießt man unter beständigem Rühren kaltes Wasser oder Fleischbrühe daran, läßt es einige Zeit kochen und zieht es mit einigen Eidottern ab. ♦ * ♦ Coteletts von Kalbs-, Schweine- oder Hammels- Rippchen. Die Knochen werden abgehauen, die Rippchen stark geklopft und gestreift, mit Pfeffer und Salz eingerieben, zuerst in verklöpperten Eiern, dann in geriebenem Milchbrod oder Paniermehl umgekehrt und in Schmalz langsam und schön gelb gebraten. Vermischtes. Irische Aufschneiderei. „Hier, meine Herren, sehen Sie das Bildniß meines Großvaters, der keiner Schlacht beiwohnte, worin er nicht einen Arm oder ein Bein verloren hätte." — „Und wie viel Schlachten hat er beigewohnt?" — „Genau gezählt siebenundzwanzig!" ♦ ♦ • Schlagender Beweis. Collecteur (in's Zimmer stürzend): „Herr Maier, Sie hab'« 's große Loos g'wonnen! Schauen S' das Glück!" — „Gott sei Dank! Endlich weiß ich doch, warum mich die Leut' mein ganzes Leben lang für so an saudummen Kerl gehalten haben." * • Wo sonst? „Sie haben doch so viel Geld, Herr Schlemmer, auf welcher Bank legen Sie denn Ihre Ersparnisse an?" — „Fragen S' doch net so! Auf der Bierbank!" * * * Bescheiden. Ausrufer: „Hier ist das große Rhinozeros zu sehen. Nur zehn Pfennige für die Person." — Schusterjunge: „Lassen Sie mir for fünf Pfennig'rinn, ich kiek et bloß mit een Doge an." * Der verkannte Dichter. Fräulein (zum Buchhändler): „Bitte, könnte ich vielleicht eine gute deutsche Uebersetzung von Jean Paul haben?" * Im Wohlthätigkeitsconcert. Herr (gähnend): „Ja, die Armen, die haben's gut; die brauchen nicht hier zu sein!" ♦ Passender Nebenberuf. Bergführer: „Meine Herren, wir kommen jetzt an eine äußerst gefährliche Stelle; hier müssen Sie sehr vorsichtig sein, da hier schon wiederholt Leute abgestürzt sind. Ich benutze diesen Anlaß, Ihnen hier meine Prospecte vorher zur Durchsicht zu übergeben — denn ich bin auch nebenbei noch Agent einer Lebensversicherungs- Gesellschaft!" In der Sommersaison. A.: „Sie sind seit einigen Wochen nicht auf der Stammkneipe gewesen! Haben wohl Badereise gemacht?" — Rittmeister: „Offen gestanden — blos markirt!" ühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.