Am Abend iat angekün- mterbliebene > Bekehrung N. Fr. Pr." distinguirtes n Begleitung gesellen, die en, eingefun- cht für ihren Junggesellen- -Clubs, zum Agende, sind : Furcht vor hiervon ab; hungern und >er Herz hat. llen Mannes, en, ohne daß in der Hand 16 ihrem Club Damenelubs, olle, ein echtes Die Damen ölos Putz und und Muth be« n des Mannes Die Damen zu gründende nett. Zweimal imal mit Aus« i Berathungen »t und gestrickt ingeführt wer- >et, mit weißen der Theekeffel; Irfen nur zwei üssen sie zehn »end und kein iulein Georges, ausgemachter 18 Deutschland pricht, schildert nd hält es als halbes Dutzend sehen. Es sei n Interesse ein einem bestimm- -irathen würde, Treten Sie ein " apostrophirte s-llen, „und er- I« — Schließ- daß ihre Jveen eu Richter nicht iH) sitzt in einer itung. Plötzlich sitzenden (Sofie: inften!" Dabei 6: „Eine Kuh, n u. s. w." - ann wör immer ite unser Mann 3en. Nnterchaltttirgsblatt zunr Gieszenev Anzeigen (Genepal-Anzeigev) Nr. 14 1893. -(5^- p.. MW W WWO WES “3» Dottnerstag, den 2. Februar. Dämon Gold. Original - Roman von W. Höffer. (Fortsetzung). Ruth erhob sich, zitternd vor Aufregung. „Wie soll denn das Alles enden?" preßte sie mühsam hervor. „Ich glaube nicht, daß Hans Adam freiwillig den Tod suchen könnte; er ist vielleicht jetzt —" „Mit etlichen gleichgestimmten Freunden auf einer Vergnügungsfahrt begriffen," ergänzte voll Bitterkeit der Gutsbesitzer. „Das halte ich für sehr wahrscheinlich, Fräulein Ruth! Wenn er zurückkommt, hat er Gelegenheit gefunden, weitere tausend Thaler schuldig zu werden." Ruth schloß für eine Secunde die Augen. „Und dann?" fragte sie. „Ich sprach mit dem Gerichtsvollzieher über diese Wechselangelegenheiten." „Und er sagte Ihnen, daß die Jnsolvenzerklärung außerordentlich schnell erfolgt, nicht wahr? Lassen Sie den Dingen ihren Lauf, Ruth. Je eher der Zusammenbruch eintritt, desto besser wird es sein." „O (Sott — der Zusammenbruch!" «Ja, ja, Fräulein Ruth. Es ist dem Moloch wahrlich genug geopfert worden, übergenug; das muß ich am besten wissen." Das junge Mädchen erglühte purpurn. „All' Ihr Erspartes, Herr Wolfram," sagte sie schmerzlich weinend, „o, ich habe ja —" „Lassen wir das," bat er. „Ich nehme den Kampf auf und werde ihn ausstreiten, Schritt für Schritt, aber sicher. Das Alles ist überwunden, es liegt hinter mir. — Neues, noch Aergeres soll indessen nicht hinzukommen. Ihr Schicksal muß bewahrt bleiben." «Sie vergessen die Erbschaft, Herr Wolfram. Dies Geld würde mir immer eine gewisse Selbständigkeit sichern." Er lächelte. „Einem Lissauer gegenüber? — Denken Sie nicht mehr an diese Frage, Ruth, lassen Sie uns von etwas Anderem sprechen." Sie schüttelte leicht den Kopf. „Ob man jemals- auch in bester Absicht, den Bittenden wahrhaft beglücken kann, indem man ihm ein erbarmungsloses Nein entgegenhält, Herr Wolfram ?" „Das steht dahin; aber wer seiner innersten Ueberzeugung gemäß handelt, der kann alle Folgen gelassen auf sich nehmen." Und so schieden sie. Die alte Haushälterin hatte für die Baronin noch ein Bouquet gebunden und in den Wagen gelegt, sie selbst stand nickend an einem der Fenster und erhielt Ruths letzten Blick ehe Erich den Schlag verschloß. „Wollen Sie mir nicht zum Abschied die Hand geben?" bat er mit veränderter, weicher Stimme. „Zürnen Sie mir so sehr, Ruth?" Sie schüttelte den Kopf. „Ich zürne Ihnen nicht, aber das Herz ist mir zum Sterben schwer." Er bückte sich und küßte ihre Hand. „Gott weiß, mit welcher Freude ich für Sie alle diese Widerwärtigkeiten ertragen würde, Ruth. Aber glauben Sie es mir, das, was Sie heute eine unbegründete Härte nennen, bewahrt Sie vor dem Unerträglichen, vor dem einen Tropfen, der den Kelch überfließen läßt." Und als sie nicht antwortete, da gab er dem Kutscher ein Zeichen; der Wagen fuhr davon, während er mit schwerem Herzen in das Haus zurückging. — Aus einiger Entfernung hatten zwei schwarze brennende Augen den ganzen Vorgang beobachtet. Eine Reiterin mit wallendem Schleier kam auf dem allen Bewohnern von Dornau wohlbekannten kleinen, ganz weißen Pferde die Landstraße herauf und sah das Wappen der Equipage von Moldt. In diesem Augenblick wurde plötzlich die Richtung verändert, der Schimmel verfolgte einen Seitenweg und hinter der Hecke hervor beobachtete die Reiterin den Wagen. Ruth kam ohne Begleitung nach Dornau. Wie seltsam. Der Schimmel rupfte das spärliche Gras, während seine Herrin tausend Vermuthungen aufstellte und wieder fallen ließ. Was bedeutet dieser Besuch? — Aha, da kam Fräulein Aß- mann wieder zum Vorschein und Erich begleitete sie. Wie tief er sich neigte, wie innig seine Lippen die Hand des jungen Mädchens berührten. Ein spöttisches, zorniges Lächeln kräuselte die Mundwinkel der versteckten Lauscherin. „Eine vergebliche Mühe, Erich Wolfram, eine vergebliche Mühe. Es ist nicht Dein Bild, das in diesem Herzen lebt." Dann fuhr der Wagen davon, und nun kam Leben in die Reiterin. Das weiße Pferd flog den Weg hinab, Kies und Staub emporwirbelnd, der Schleier glitt wie eine Schlange durch die Luft. Es galt einen kleinen See zu umreiten und auf offener Landstraße der Equipage entgegen zu kommen. Die Bauern auf den nächsten Aeckern sahen einander an. „Da ist sie wieder, die Hexe!" „Und immer auf dem weißen Gaul." „Wißt Ihr was?" rannte Einer. „Mit dem Spiere, spricht sie in einer fremden Sprache, es versteht sie und antwortet ihr durch allerlei Laute." „Ein Wärwolf, ich habe es ja immer gesagt. Als wir — 54 ’ sis gezwungen hatten, ihre Pistole in das Meer zu werfen, da holte sie aus Rache drei Tage später den guten alten Herrn, dem vorher kein Finger wehthat." Ja! Ja!" bestätigten Alle, „das ist so. Der Alte war ganz allein, da hat sie durch's Fenster gesehen und es ihm an- * alt. AM // „Wahrhaftig," sagte einer der Männer, ,träfe ich das Weib mit den schwarzen Augen an der Mauer meines Hauses, wie sie spähte und horchte und vielleicht drinnen auf die Wiege sähe — es wär' um sie geschehen. Ich hab' noch Erbsilber im Schrank liegen; das versagt nicht." Alle Uebrigen stimmten ihm bei. „Die Doppelkrone, die das Weib dem Peter gegeben, war auch nur Hexengeld," meinte Einer. „Am andern Morgen ist nichts als knisternder Staub in seiner Tasche gewesen." , iri Einer der Bauern, vielleicht ein heimlicher Freigeist, schüttelte bedenklich den Kopf. „Ja, Leute," sagte er, „die Doppelkrone war fort, das weiß ich auch, aber gewiß ist, daß Peter am selben Abend in die Schänke ging und erst gegen Morgen heimkehrte. Da mag das Geld auf ganz natürlichem Wege abhanden gekommen sein." „Peter hat nur zwei Gläser Bier getrunken; er weiß Alles, was mit ihm vorgegangen ist." „Ach, das ist leicht zu behaupten. Alle Hexen der Welt sollten mir doch keine Doppelkrone aus der Tasche zaubern." Während die Leute auf diese Weise hin und her stritten, hatte das kleine ungarische Roß den Weg um den See in fliegender Eile zuiückgelegt, und jetzt sah Anna Bürklin die Equipage von Moldt auf der Chaussee näher kommen. Sie ritt in langsamem Schritt heran und winkte dem Kutscher, zu halten. Ehe Ruth den Ueberfall nur ahnen konnte, sah Anna mit dreistem Blick unter das Verdeck der Halbchaise. „Fräulein Aßmann," rief sie, „Verzeihung, aber ich ließ mir nicht träumen, daß Ihnen ein Leid widerfahren sein könne. Sie weinen?" Das junge Mädchen trocknete ihre Augen. „Meine Schwester ist sehr krank," antwortete sie ausweichend. „Die gnädige Frau? — Ader ich sah doch den Herrn Baron gestern Abend noch in der Hauptstadt. Er schien sehr guter Laune." Ruth fuhr auf wie electrisirt. „Sie haben meinen Schwager gesehen, Frau Bürklin? Ist das gewiß?" „Ich denke doch. Aber weshalb liegt Ihnen an der Kenntniß dieses Umstandes so besonders viel, Fräulein Aß- mann? Es hat doch hoffentlich auf Moldt keine Familien- zerwürsnisse gegeben?" Ruth fand im Stillen die Frage über alle Begriffe tuet» los und sie behandelte dieselbe demgemäß. „Wie kommen Sie auf einen derartigen Gedanken, Frau Bürklin?" „Weil Sie mit so offenbarem Entzücken Hörten, daß der Herr Baron — Pardon I — noch lebt. Dachten Sie an ein Unglück, Fräulein Aßmann?" Ruth heftete auf das spöttisch lächelnde Antlitz der Dame ihren ruhigen, klaren Blick. „Ich fürchte Sie aufzuhalten, Frau Bürklin, Adieu I" „Während Sie doch von meiner Begegnung mit dem Herrn Baron überaus gern etwas Näheres erfahren möchten, nicht wahr?" „Keineswegs, Frau Bürklin." „Wirklich nicht? — Nun, vielleicht ist ja auch die ganze Erzählung nur eine Fabel. Ich bin gar nicht in der Hauptstadt gewesen." Und laut auflachend warf sie das Pferd herum. „Adieu, Fräulein Aßmann. Ich empfehle mich Ihrem ferneren Wohlwollen." Der Wagen fuhr weiter und Ruth trocknete ihre.Thränen. Eine unangenehme Begegnung. Ob diese sonderbar keck auftretende Dame wirklich mit Hans Adam zusammengetroffen war? — — Aber gleichviel, Ruth dachte ja keinen Augenblick daran, daß er freiwillig den Tod gesucht haben könne. Er schien in guter Stimmung, hatte Frau Bürklin gesagt. „In guter Stimmung," während sich Cäcilie fast zu Tode ängstigte. Es war dem jungen Mädchen, als sähe sie Erichs geringschätziges Achselzucken, als höre sie ihn nochmals sagen: „Vielleicht ist Hans Adam gerade jetzt auf einer Vergnügungsfahrt begriffen." Hatte er nicht wirklich recht? —-- Und Ruth seufzte tief. Zu Hause ließ sie eine Stunde vergehen, ehe sie sich, ruhiger geworden, in das Zimmer ihrer Schwester begab. „Keine Nachrichten, Cilli?" Ein Kopfsrütteln war die Antwort. „Bleib' bei mir, Ruth! Was sagte Dir Wolfram?" p , „Er will selbst zur Stadt fahren, Cilli, Du sollst keinerlei Befürchtungen hegen." . Die junge Frau schloß ihre Augen; es wurde tm Zimmer so still, daß man deutlich das Summen einer einzelnen verspäteten Fliege zu hören vermochte. Am späten Abend desselben Tages fuhr Hans Adam von der Hauptstadt direct nach Hause. Ec hatte ein Coupo für sich allein genommen — das war so eine seiner besonderen Liebhabereien — und jetzt lag er mit halbgeschlossenen Augen in der Ecke und rechnete. So viel für Dieses und so viel für Jenes — aber einerlei, die fünfhundert auf diese Fahrt von Hause mitgenommenen Thaler waren fort, das stand schon ganz fest, weshalb also erst lange grübeln, wohin sie kamen? Flügel haben ja doch einmal alle, daß wußte Niemand besser als er. Ueberdies lag auch vor ihm so viel Fatales, daß es wahrhaftig selbstmörderisch gewesen wäre, noch dazu vergangenen Aerger durch die Lupe zu betrachten. Und der Baron schloß die Augen vollständig, er schlief fest, bis er aussteigen mußte und nun in den todesstillen dunklen Straßen der kleinen Stadt allein dastand. Sein spähender Blick überflog den Platz vor dem Bahnhofe. „Keine Equipage!" — Das war es, was er wünschte. Der Handkoffer blieb bei dem Pförtner in Verwahrung, und Hans Adam ging eiligen Schrittes die Straßen hinab. Jetzt seufzte er; die Cigarre flog auf das Pflaster und der Rockkragen wurde hinaufgezogen. Eine kalte, unangenehme, rauhe Nacht. Jetzt kamen die letzten, einzeln stehenden Häuser und etwas später das allerletzte, ein winziger Bau an hoher Berglehne, nur vier Fenster breit und im Giebel ein einziges zeigend, aber überspannen von dichtem, grünem Teppich und umschattet von uralten Bäumen. Welkes Laub raschelte unter den Füßen, hinter der Hecke erhoben Georginen und Stockrosen ihre letzten bunten Blumen. Hans Adam streckte die Hand aus; aber nach einer Secunde ließ er sie wieder sinken. Sollte er wirklich klopfen? Da bellte drinnen ein Hund und stürmte auf gegen die Thür. Es war Tiberius, die Ulmer Dogge, welche er selbst erzogen hatte. Das Thier erkannte ihn; es mußte durch sein Springen und Bellen das ganze Haus wecken. „Ruhig, Tcher, ruhig!" Oben im Erker öffnete sich das Fenster. „Ist Jemand aus Molvt hier?" „Freilich, Willibald! - Mach' auf, hörst Du?" „Hans Adam! — Hans, bist Du es?" „Natürlich. Findest Du das so seltsam?" „Ich komme schon." Das Fenster wurde geschlossen und einige Minuten später öffnete der Bankdirector' von innen die Hausthür. Er trug in der Hand eine Lampe, seine Augen glänzten vor aufrichtiger Freude. „Gottlob, daß Du wieder da bist, Hansl Willkommen! Willkommen!" Der Baron schüttelte den Kopf. „Das ist, als hätte ich eine Weltumsegelung glücklich vollführt," sagte er. „Wußtest Du überhaupt, daß ich verreist war?" Willibald erzählte seinem Gaste, während er ihn in das SS - Wohnzimmer führte, alles inzwischen Geschehene, dann holte er au« einem Schranke Flaschen und Gläser hervor. „Wie haben sich Deine Frau und Ruth geängstigt," setzte er hinzu „Du hättest wohl eine Depesche schicken können, Han«!" Der Baron sank schwer in die Polster des Divans. So traut, so heimlich war das kleine, hübsche Zimmer, so in allen Einzelheiten vom Glücke seiner Bewohner zeugend; Hans Adam fragte sich in diesem Augenblick, ob es nicht bester, redlicher sei, sich eine Kugel vor den Kopf zu schießen, als das Wort, welches ihm auf den Lippen schwebte, wirklich auszusprechen. Der Bankdirector sah erst jetzt das unruhige Gesicht seines Gastes. „Bist Du krank, Hans?" fragte er voll Theilnahme. „Soll ich Mieze wecken, damit sie Dir irgend etwas Warmes beteilet ?" „Nein — um Gottes Willen nicht. Ich bin auch keineswegs krank, Willibald, nur in Sorgen des verwünschten Wechsels wegen. Wovon sprachen wir doch noch? Ja richtig, von einer Depesche an meine Frau. Ich hätte ja. so gern eine Botschaft geschickt, wenn nur irgend etwas Gutes zu berichten gewesen wäre." Das Gestcht des Bankdireclors wurde von Augenblick zu Augenblick bleicher. „Du hast gar keine Aussichten, Hans?" Ein Kopfschütteln antwortete ihm. „Keine, Willibald, außer--einer einzigen." Es kam in die Züge des Bankdirectors etwas Starres, Fremdes; er und der Baron sahen einander unverwandt in's Auge, nicht feindlich, aber doch wie zwei Menschen, die einen Kampf auf Tod und Leben zusammen ausstreiten müssen. „Eine Aussicht hast Du?" fragte mit halblauter Stimme der Bankdirector. „Eine, Hans? Welche ist das?" „Die auf Deine Freundestreus, Willibald, auf Deine ruhige, nüchterne Beurtheilung der Dinge." Und ruhig schien er wirklich, der Mann mit dem blassen, starren Gesicht, seltsam ruhig- „Du denkst an die vermiethe- ten Kellergelasse, Hans, an die Gelder, zu denen ich den Schlüssel besitze, nicht wahr?" In das Antlitz des Barons kam plötzlich neues Leben, neue Farbe. „Also hast Du Dich mit der Idee dieses Aus« kunftsmittels bereits vertraut gemacht, Willibald? Du siehst ein, daß die Sache für Dich ohne jede Gefahr, ohne jeden Nachtheil verlaufen muß!" Der Andere schüttelte den Kopf. „Das nicht, Hans. Nein, das nicht; aber wenn eine große, bedeutungsschwere Frage vorliegt, dann irren die Gedanken ziellos suchend und spähend umher, dann klopfen sie gleichsam tastend an jede Thür, und so kam es denn wohl, daß ich für Dich in Gedanken zum Räuber wurde." Hans Adam lachte. „Laß uns die Sache ohne Aufregung überlegen, Willibald. Es gibt da Gelder, die wochenlang unberührt bleiben, nicht wahr? Leute, für die ein eigenes Conto überflüssig wäre, Damen, Fremde und so weiter benutzen diese Kellergewölbe, um ihr Eigenthum einstweilen vor Feuer und Dieben zu beschützen." Der Baron streckte die Hand au«. „Nun, dann ist doch die Sache ohne alles Risico," sagte er im Tone vollster Ueber- zeugung- „Ich brauche das Geld auf ganz kurze Zeit, in den Fächern liegt es zwecklos, also was wäre wohl einfacher, als daß Du mir die Summe für wenige Tage leihst? Es werden ja doch auf keinen Fall alle Guthaben zu gleicher Zeit wieder eingefordert; das mußt Du zugeben." Willibald nickte. „Wahrscheinlich nicht," antwortete er. „Aber es kann doch immerhin geschehen, Hans." „Gewiß! Aber was kann nicht Alles über uns herein- brechen, Du? Was ist nicht im Leben Alles möglich? Vielleicht stürzt das Haus ein, vielleicht kommt ein Erdbeben — wenn Du so willst, hören die Gefahren niemals auf." Der Bankdirector schüttelte kaum merklich den Kopf. „Wer nichts Unerlaubtes gethan hat, der kann allen kommenden Ereignissen ruhig entgegensehen," sagte er. „Freilich 1 — Aber das ist ein unerreichbarer Standpunkt. Wie willst Du als Einzelner Dich loslösen von dem allgemeinen Menschenschicksal? Wie willst Du die schnurgerade Richtung innehalten, wenn rechts und links Andere den Weg versperren?" Und als der Bankdirector schwieg, setzte er in bittendem Tone hinzn: „Willibald, erlöse mich aus einer unerträglichen Situation, leihe mir diese sechstausend Thaler auf ganz kurze Zeit! Fordert ein Einleger sein Geld, so bezahlst Du ihn aus einem fremden Fache, das ist ja so einleuchtend." „Es scheint so, Hans. Von woher erwartest Du den Eingang größerer Summen?" „Ach — von zehn Seiten. Hauptsächlich aus Frankfurt. Da ist die heutige Depesche — lies selbst." Willibald entfaltete das Blatt. „Kann in jeder Stunde zu Ende gehen. Theilweise ohne Bewußtsein." „Ist das nicht schrecklich, Hans, läuft Dir's nicht kalt über den Rücken, wenn Du gleichsam an einem Sterbebette stehst und ungeduldig die letzte Minute erwartest, ja, wenn Du dem langsamen Gange der Dinge nachhelfen möchtest? — Wer weiß denn, welch' harten Kampf die arme Seele vor dem Scheiden noch besteht!" Der Baron stürzte ein Glas Wein auf einen Zug hinab. „Gott weiß es, daß ich kein böser, engherziger Mensch bin," sagte er. „Wäre es meinetwegen, so mochte Leopold Aßmann hundert Jahre leben — aber so?" Er erhob sich achselzuckend. „Laß es, wenn Dich Dein Gewissen beunruhigt, Willibald. Ich möchte keinen Menschen mit sich selbst in Zwiespalt bringen. Vergiß, um was ich Dich bat." Er wollte gehen, aber der Bankdirector hielt ihn am Arme fest. „Wüßte ich nur, woher Du die Mittel zur Deckung dieser Summe nehmen willst, Hans?" Der Baron zählte an den Fingern. „Da ist Wollheimer," sagte er, „da sind Baruch und Söhne, da ist Berling — mit diesen Allen habe ich Verbindungen angeknüpft und ziemlich sichere Zusagen erhalten. Ich muß nebenher auch für die Bernsteingruben größere Summen flüssig machen" Der Director war besiegt. „So im Hafen sollst Du nicht untergehen, Hans," sagte er mit unsicherer Stimme. „Ich baue auf Deine Worte und will Dir das nöthige Geld vorstrecken." Hans Adam schüttelte ihm kräftig die Hand. „In acht Tagen erscheinen Dir Deine Sorgen dieser Nacht als Thor- heit, Willibald. Du hast dann einen Freund in der Stunde der Noth gerettet und nichts dabei verloren oder rirkirt." „Aber noch Eins," setzte er rasch hinzu. „Deine Damen erfahren von der ganzen Sache kein Wort." „Gewiß nicht- Das Gleiche erwarte ich von Dir, Hans." Der Baron lächelte. „Von dergleichen Angelegenheiten muß man mit Frauen niemals sprechen, Willibald. Macht man ihnen da doch leicht ein X für ein U vor — irgend eine Schmeichelei lenkt sie ab." „Hm — nicht Alle, glaube ich." „Du bist ein Erzphilister, weißt Du das wohl? Nun aber sage mir, wie wir die Sache mit dem Gelds anfangen wollen. Dein Personal darf nichts erfahren." „Um des Himmels willen nicht. Ich gehe morgen eine Viertelstunde früher als gewöhnlich zur Bank, mache aus den nöthigen Kassenscheinen ein Packet und gebe Dir dasselbe, wenn Du kommst." „Schön, alter Junge. Jetzt gute Nacht. Ich muß mich beeilen, so schnell als möglich nach Hause zu kommen." „Willst Du nicht hier bleiben? Auf dem Sopha in meinem Arbeitszimmer schläft sich's vortrefflich." „Nach Allem, was Du mir erzähltest? Vielleicht finde ich ja meine Frau ernstlich krank oder doch wenigstens in großer Aufregung. Ich mache auch den Weg in einer halben Stunde ganz bequem." Die beiden trennten sich mit einem Händedruck und Hans Adam ging schnellen Schrittes davon. Wenn nun während seiner Abwesenheit aus Frankfurt ein Brief mit günstigem Bescheide angelangt wäre — wie herrlich! (Fortsetzung folgt.) Gsinernnutziges. Sammelt den Rutz! Man fülle zwei Blumentöpfe mit Erde von gleicher Farbe, bedecke die Oberfläche des einen mit Sand, während die des anderen in ihrer natürlichen Farbe verbleibt. Säet man nun eine Getreideart hinein und setzt die Töpfe der Sonne aus, so wird man finden, daß im Topfe mit schwärzlicher Erde die Saat schon grünt, während sie in dem andern kaum aufgegangen ist. ♦ * ♦ Kartoffel als Reinigungsmittel. Der Abgang der rohen Kartoffel, die Schale, ist, in kleine Stücke geschnitten und mit nicht zu viel Wasser vermischt, das beste Reinigungsmittel für Karaffen und beizt selbst veraltete Flecken aus dem Glas. Die rohe, geriebene Kartoffel, vorher nur gewaschen, nicht abgeschält, gibt ein vorzügliches Präparat zum Waschen von farbigen Wollsachen und Tapisserie-Arbeiten, die nach zweimaligem Durchwaschen nur mit einem Zusatz von Essig gespült werden. Zum Scheuern von Blech und Zinn gibt die in Wasser ausgelaugte Kartoffelschale ein der Pottaschenlösung ähnliches Beizmittel. Daß sich Meffer mit einer durchgeschnittenen Kartoffel putzen und Stahlfedern durch Hineinstecken der Knolle vorzüglich reinigen lassen, ist wohl ziemlich allgemein bekannt. * * ♦ Fleckwaffer. 1) In einer Flasche mengt man 30 Gr. Salmiakgeist, 30 Gramm Weingeist, 4 Gramm Lavendelöl, 15 Gramm Regenwasser zusammen und schüttelt es tüchtig. Hiermit kann man alle ächtfarbigen wollenen, baumwollenen und leinenen Stoffe von Flecken reinigen. Nachdem man die betreffenden Stellen mit dem Fleckwasser tüchtig befeuchtet und die Flecken verschwunden sind, wäscht man sie in reinem Wasser sofort aus. 2) Man übergieße ein Theil Chlorkalk mit zehn Theilen kaltem Regenwasser und rühre das Ganze gut um. Dann läßt man es eine halbe Stunde stehen und seiht die Mischung durch Leinwand. Sodann setzt man so lange con- centrirtes Kali oder Natronlösung zu, als noch Niederschlag er» solzt. Nachher seiht man die Flüssigkeit durch. ♦ ♦ ♦ Apfelschnee. Von vier gebratenen Aepfeln wird das weiße Fleisch genommen und ganz fein verrührt; dann fügt man das zu Schnee geschlagene Weiße von zwei frischen Eiern, 250 Gramm feingesiebten Zucker, den Saft einer Citrone und etwas abgeriebene Schale derselben hinzu und rührt dies anderthalb bis zwei Stunden lang recht fleißig. * * Blutvergiftung durch schwedische Streichhölzer. Wie vorsichtig man auch bei Verwendung schwedischer Streichhölzer sein muß, beweist folgender, von der „Fundgrube" mit» getheilter Fall. Einer Schlossersfrau K. flog beim Anstreichen eines schwedischen Streichhölzchens ein glühendes Stückchen von der Zündmaffe unter den Nagel des rechten Zeigefingers. Anfangs achtete sie der unbedeutenden Verletzung nicht, nahm schließlich aber doch ärztliche Hilfe in Anspruch und begab sich nach der chirurgischen Klinik, wo ihr der Finger abgenommen werden mußte. Die Blutvergiftung war indeß schon so weit vorgeschritten, daß, ehe man zur Amputation des Armes schreiten konnte, bereits der Tod den Qualen der 42jährigen Frau ein Ende machte. vermischtes. Unangenehm. Pferdebahnschaffner: „Welches von den beiden Kindern ist denn noch nicht sechs Jahre alt, der Knabe oder das Mädchen?" — Die kleine Anna: „Mama, laß mich diesmal noch nicht sechs Jahre alt sein." Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der 56 ■=- Was sie denkt. „Mama, hier in der Zeitung steht etwas von Migränestift; was ist das eigentlich?" — „Hm! Ich denke mir, das ist wohl ein Stift, worin solche Frauen wohnen, die immer Migräne haben!" * * Redensart. Kundin: „Wie kommt es, Herr Prinzipal, daß es jetzt hier so leer ist, es war doch sonst gerade um diese Zeit Ihr Geschäft so unendlich besucht?" — Prinzipal: „Aber, gnädige Frau, sehen Sie sich doch dieses furchtbare Unwetter an, dabei geht doch kein anständiger Mensch aus." ♦ ♦ * Ermunterung. Ein Oberst, der mit seinem Regiment mehrere ungeschickte Manöver vor den Augen Friedrichs des Großen ausführte, suchte seinen vom König eben belobten Adjutanten dadurch bei dem Monarchen in schlechtes Licht zu setzen, daß er ihn als Trinker hinstellte. Der alte Fritz sah den Oberst scharf an und sagte dann ermunternd: „So?! — Nun, dann sauf' Er doch auch!" ♦ ♦ Muthmaßliche Ursache. Knabe: „Können Sie uns nicht sagen, Herr Fischer, warum auf dem niedrigen Dach der Schnee noch liegt und auf dem höheren nicht mehr?" — Herr Fischer: „Hm, das wird wohl daher kommen, weil das höhere Dach der Sonne um ein Stockwerk näher liegt." * * ♦ Ein Mahner. Herr: „Die Stiefel drücken mich ja fürchterlich!" — Schuhmacher: „Ich hab' sie mit Absicht so gemacht, damit Sie die Bezahlung nicht so leicht vergessen." Literarisches Pierers Conversationslexicoi» herausgegeben von Joseph Kürschner. Siebente Auslage. Heber den 10. Band dieses literarischen Unternehmens haben wir zuletzt in Nr. 108 d. BI. vom 13. September 1892 kurz berichtet. Seit einiger Zeit schon ist zu ihm der Elfte hinzugetreten, so daß nunmehr der baldige Abschluß des Ganzen in sicherer Aussicht steht. Auch der vorliegende Band weist, wie seine Vorgänger, durch die geistvolle Ber< bindung des sachlichen mit dem sprachlichen Element, wieder bei ganz gleicher Behandlung eine so erstaunliche Fülle von wissenswerthem und interessantem Stoss, wie ihn keins der vorhandenen Conversationslexica von so beschränktem Umfange bietet. Er umfaßt 1592 Halbseiten, beginnt mit dem Worte „rufen" und schließt mit dem Namen der türkischen Insel „Symi" (Sinnbaki), während oas Lexicon am Rande nach Absolvirung von 10 Sprachen die wichtigsten Vocabeln des altgriechischen Idioms von a bis u> bietet, so daß für den letzten Band nur ein Wörterverzeichniß der russischen Sprache noch aussteht. Als die bemerkenswerthesten und umfangreichsten Artikel des XI. Bandes heben wir hervor die über: Rumänien, Rumänische Sprache und Literatur, Russen, Russische Kirche, Rußland (S. 41 — 65), Sachsen (S. 92—118), Sägemaschine, Säugethier, Sahara, Salm, Salpetersäure, Salz, Salzburg, Samen, Samoa, Sand, St. Gallen, St. Petersburg, Sanskrit, Sardinien, Saturn, Sauerstoff, Savoyen, Schachspiel, Schädel, Schas, Schall, Schauspielkunst, Schelling, Schleiermacher, Schlesien, Schleswig-Holstein, Schmidt, Schnecke, Schnee, Schnellpresse, Schottland, Schrift, Schultz, Schulwesen, Schwaben, Schwarzburg-Rudolstadt und Sondershausen, Schweden ^Schwedische Literatur und Sprache, Schwefel, Schwefelsäure, Schwein, Schweiz, Schwurgericht, Seide, Seife, Seminar, Senegal, Serben, Serbische Sprache und Literatur, Sevilla, Shakespeare, Sibirien, Sicherheitsvorrichtung, Siebenbürgen, Siebenjähriger Krieg, Siemens, Silber, Sicilien, Slawen, Slawische Sprachen, Soda, Sonne, Sociale Republik, Spanien, Spanische Literatur, Spanischer Erbfolgekrieg, Sparta, Spectralanalyse, Specifisches Gewicht, Spiegel, Spinnen, Spinoza, Spiritus, Sprache, Staaten, Staatsschulden, Stadt (Städtewesen), Staar (Augenkrankheit), Steiermark, Stein, Steinkohlen, Stephan, Stereotypie, Steuern, Stockholm, Stolberg, Strafprozeß, Straßburg, Strauß, Stuttgart. Zum Verständniß des Textes sind 10 Kartenbilder beigegeben und außerdem 36 zum Theil recht werthvolle, besonders die Schisfs- baukunst berücksichtigende, schwarze Jllustrationstafeln, während die farbigen diesmal ganz fehlen. Es unterliegt uns keinem Zweifel, daß der XL Band, wenn man ja auch hier und da einzelnes vermissen mag, wie z. B. häufigere Aussprachebezeichnung fremder Eigennamen mnd reichere Literaturnachweise, in Bezug auf Behandlungsweise des vielumfassenden Materials dieselben Vorzüge besitzt, die wir schon an den früheren Bänden rühmen konnten. Wir sehen mit Spannung der Schlußabtheilung entgegen. B. rühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.