AnterchtErLMgsbLÄtt jum Gietzemev Amzeigev (GenevnL Anzergev) Nr. 1 ISS 3. J Sonntag, den 1. Januar Zum neuen Jahre. Schon wieder ging ein Jahr hinab, Versinkend in dem Strom der Zeiten. Und Blumen streu'n wir auf fein Grab, Wie wir sie jedem Tobten weihten. Was einst verhüllt und dunkel war, Strahlt heut' im Hellen Tageslichte, Und was es nahm und uns gebar, Gehöit von nun an der Geschichte. — Vergangenheit, — ein seltsam Wort! Wie tröstlich klingt es hier ddm Emen! — Und einen Andern seh' iy dort Um sie des Schmerzes Thräne weinen. — O Zeit, du Bmme blühend roth, Wie freudvoll dich die Menschen grüßen! Und morgen liegst du welk und tobt, In Nichts verweht zu unser'n Füßen. — Ein Jahr verging. — Als wär' es heut', Hör' ich die vollen Gläser klingen Zum hoffnungsfreud'gen Nachtgeläut Und froh.r Zecher lustig Singen. Gar Mancher sang mit keckem Muth Der gold'nen Zukunft seine Lieder, Der heute still und einsam ruht. Kein Neujahrsmorgen weckt ihn wieder. — Ein schweres, thränenreiches Jahr! Es kam und ging, Gott Lob, zu Ende. Und wem es holv und freundlich war, Der falte dankbar seine Hände. Und wer ein köstlich Gut verlor Und weinend klagt in dieser Stunde, Der richte hoffend sich empor: Die Zeit bringt Balsam seiner Wunde. — Der Morgen tagt, die Sonne lacht, . Die einem dunkeln Schooß entstiegen. So wird auch über uns're Nacht Die Hoffnung und der Glaube siegen. Glück auf! Glück auf zum neuen Jahr! Laßt muthig Hand und Geist uns regen! Vergessen sei, was trübe war: Wir reifen neuer Pflicht entgegen! Erich zu Schirfeld. Dämon Gold. Original - Roman von W. Höffer. Nachdruck verboten. Da, wo das Meer eine seiner tiefsten, umwaldeten Buchten eine Strecke weit in das grüne Land hineinschob, auf luftiger Höhe, lag ein alter Herrensitz mit dicht umsponnenen Mauern, mit Erkern und kleinen Thürmchen, die wohl vor Jahrhunderten, in ritterlicher Vorzeit, als Ausguck gedient haben mochten, von denen aber sitzt nur flatternde Fahnen in das Thal hinabwehten, während Dohlzn und Sperber in den Schießscharten nisteten und das rankende Grün allmählich alle Zugänge wie mit dichten Schleiern umhüllt hatte. Park und Garten führten hinter dem Schlöffe hinab an den Strand und an der entgegengesetzten Seite bis an die Grenzen eines anderen Gehöftes, das zwar bescheidener dreinschaute, bürgerlicher und einfacher aber doch nicht weniger behäbig und stattlich, obgleich die Gebäude offenbar aus der Jetztzeit stammten und das Ganze des eigentlich vornehmen Anstriches entbehrte. Eine milde Herbstluft wehte über das Land: Georginen und Astern standen in voller Blüthe, und hoch unter dem klar- blauen Himmel tummelten sich zwitschernd die Schwalben in bangen Berathungen über das Wie und Wann der nächsten Reise. Ein schöner sonnengoldiger Tag ging zur Rüste; hell und deutlich sandte die Schloßuhr sechs schwere Schläge über das weite Land dahin. Vor der Thür des letztgenannten Hauses faß auf einer steinernen Bank, die lange Trottelpfeife zwischen den Lippen, ein alter Herr, ein hoher Achtziger, mit bleichem, feingeschnittenem Antlitz und trotz der Jahre noch lebhaft blickenden Augen, lieber seinen Knieen lag eine prächtige Tigerdecke, er ließ die linke Hand müßig in den dichten Fäden ruhen und spähte hinaus auf die Landstraße, von der jetzt Hufschlag und Hundegebell herüberklang. Ein Reiter kam in leichtem Trabe des Weges und winkte schon grüßend von Weitem. Als er näher kam, sah man in ihm einen kräftig gebauten, mittelgroßen Mann von etwa fünfund- dreißig Jahren, mit einnehmenden, freundlichen Zügen und dunkel blickenden Augen. Er trug.einen braunen, lang herabwallenden Vollbart; feine ganze Erscheinung machte den Eindruck der bewußten Ruhe und der Festigkeit. Wer ihn zum ersten Mal sah, der hatte das Gefühl, als könne er diesem Mayne vertrauen. Und so war es auch wirklich. Erich Wolfram, der Besitzer von Dornau, galt allgemein für einen vorzüglichen Charakter, er hatte alle Ehrenämter der kleinen Dorfgemeinde — 2 in Besitz und war der Helfer und Tröster aller Bedrängten. Nur bte Mütter und Tanten der Umgebung rümpften die Nasen, so oft von ihm gesprochen wurde. Weshalb herrathete er nicht endlich? Ja, nnsh-üb vermied er sogar gesüßemlich allen geselligen Verkehr der Nachbarschaft? Irgend eine romantische Geschichte muß doch dahinter stecken. Aber welche? Das war nicht herauszubringen, aber eben deswegen ärgerte man sich so sehr. Jetzt hielt der Reiter. Ein Knecht nahm ihm das Pferd und die Peusche ab, dann gwg der Gutsbesitzer zu dem alten Herrn und reichte ibm die H rnd, während er mit der Linken die Schulter des Alten liebkosend klopfte. „Guten Abend, Großvater 1" sagte er in freundlichem Tone. „Es geht Dir hoffentlich ganz nach Wunsch?" „Weshalb fragst Du mich, Erich?" „Nun — der Ausdruck Deines Blickes gefällt mir nicht so recht." ' „Dann siehst Du sehr scharf, mein Junge. Wirklich, ich dachte eben, daß doch in meinem Alter jeder Tag als ein Geschenk zu betrachten ist, und daß man sich vernünftigerweise be- eilen sollte, alle seine Angelegenheiten vollständig geordnet zu- rückzulaffen." r ~ Der Gutsbesitzer lächelte. „Großvater", sagte er ttn Ton innigster Ueberzeugung, „Großvater, wenn jeder Einzelne so getrost seiner letzten Stunde entgegensehen könnte wie Du!— Aber hoffentlich stehen alle diese Dinge noch weit, weit hinaus!" Der Alte wiegte den Kopf; die Pfeife lag vsrgeffen in seiner Hand, ein halberstickter Seufzer hob die Brust. „G tröst?" wiederholte er. „Getrost? Das ist ein dreistes Wort, Erich. Aber", fügte er dann schnell hinzu, „unser Gespräch ist in eine falsche Bahn hineingerathen, mein Junge. Es war nicht die Furcht vor dem Tode, welche mich vielleicht verstimmte, nein, nur so allerlei Gevankengänge. Das Alter macht empfindlich, egoistisch, es verleitet den Menschen, immer nur an sich zu denken, nur an sich, als wäre er der Mittelpunkt des erschaffenen Alls. Ich hatte vorhin einen Anblick, der mich unangenehm berührte — der Gerichtsvollzieher aus der Stadt fuhr mit feiner Ponyequipage voiüber." Erich nickte. „Ich sprach einen Augenblick mit ihm", warf er ein. „Du? — Du?" Und aus den Zügen des Alten sprach ein jähes Erschrecken. „Du, mein Junge?" Der Gutsbesitzer schüttelte in sichtlichem Erstaunen den Kopf. „Weshalb mcht, Großvater?" versetzte er. „Der Mann ist mein ehemaliger Feldwebel, ein rechtschaffener, ehrlicher Kerl wie nur Einer, weshalb sollte ich also nicht mit ihm sprechen?" „Natürlich, natürlich. Mir läuft nur immer der Tod über das Grab, wenn ich einen von dieser Zunft vor mir sehe." „Obgleich Dir doch durch sie keinerlei Schreckniß droht, Großvater. Nach Dornau kommt sicherlich nie einer." „Sprich nicht so vermeßen, Erich, ich bitte Dich." Der jüngere Wolfram nahm neben dem Alten Platz auf der Steinbank. „Großvater", sagte er nach einer Pause, „fängst Du Grillen der letzten Ernte wegen? — Sie ist sehr schlecht ausgefallen, und mancher Gutsbesitzer mag mit heimlichem Grauen dem Winter entgegensehen, aber das Alles bedroht doch uns selbst durchaus nicht. Es gehen vielleicht tausend Thaler verloren, während selbst die Einbuße von zehntausend noch keine Gefahr brächte." Der alte Herr sah plötzlich auf, seine Hände bebten, die Stimme klang verändert. „Aber wenn es zwölftausend wären ?" fragte er. „Was dann, Erich? Du müßtest Dornau als rui- nirter Mann verlaßen." „D^s allerdings, aber dazu gehört vorläufig noch Vieles. Es werden ja doch mcht zehn Mißernten aufeinander folgen —" „Still! Wer möchte wohl die Gespenster gleich bataillonsweise aufmarschiren lassen! Das Alles sind Seifenblasen, mein Junge, sie quellen hervor aus einem Gedanken, der allerdings seine Berechtigung hat." „Nun, Großvater — und der wäre?" „Weshalb heirathest Du nicht?" fragte ganz unvermittelt der Alte. Ein Schatten flog secundenlang über das Antlitz des Gutsherrn. „Zunächst doch wohl, weil die Braut fehlt, Großvater." „Weiche mir nicht aus, Erich. Ich kenne für Dich eine in jeder Beziehung glänzende Partie!" „Das wäre?" „Bist Du gar nicht neugierig, Näheres zu erfahren?" wenig. Du weißt, daß ich in dieser Beziehung gewissen, rängst verschollenen, von der heutigen Welt verlachten Grillen nachhänge. Ich will, wenn ich einmal heirathe, selbst lieben und vor allen Dingen auch geliebt werden." „Sicherlich. Es gibt in unserer Bekanntschaft eine Dame, von der ich glaube, nein — bestimmt weiß, daß sie in Dich vernarrt ist, daß sie nur Augen für Dich hat und mit tausend Freuden Deine Werbung annehmen würde." „So!" „Ach, als ob Du nicht wüßtest, wen ich meine, die ver« wittwete Frau Consul Bürklin ist vielleicht fünfundzwanzig Jahre alt, sie —" „Schießt, reitet, rudert, fährt, schwimmt; sie hat, ehe ihr der gute alte Consul begegnete — Gott sei es geklagt! — jitoei Semester lang studirt." „Ein Beweis ihrer gründlichen Bildung. Auf dem Ruf lieser Dame haftet kein Schatten, Erich." „Behüte! Das wäre auch vollkommen überflüssig, Großvater. Es ist des Schlimmen, Unerträglichen ohnehin genug vorhanden, denke ich." Der alte Herr zuckte die Achseln. „Thorheiten, die Frucht zu vieler Mußestunden, Erich. Frau Bürklin kann den Sechziger unmöglich aus Neigung geheirathet haben, das siehst Du ein. Die Geschichte ihres Herzens soll erst beginnen, ja, sie hat begonnen, mein Junge, hat tatsächlich begonnen, seit Du in ihren Gesichtskreis tratest." Der Gutsbesitzer lächelte. „Brechen wir ab, Großvater," sagte er. „Es widerstrebt mir, über eine Dame in diesem Tone zu sprechen, besonders da sich Deine gutgemeinten Wünsche doch niemals erfüllen können. Mir meine zukünftige Frau mit der Cigarette zwischen den Lippen zu denken — brrr!" „Aber sie besitzt sünfzigtausend Thaler!" rief der alte Herr. „Ich bitte Dich, Erich, fünfzigtausend Thaler!" „Einerlei! Und wären es ebensooiele Millionen — ich mag sie nicht." In diesem Augenblicke ertönte vom Schlosse herüber eine volle, rauschende Musik. Als die beiden Herren unwillkürlich aufblickten, sahen sie die Uniform einer Husarenkapelle vom Thurme herableuchten. Windgetragen flutheten die Klänge über die ganze Umgebung dahin; Helles Jauchzen vom Dorfe antwortete den fröhlichen Grüßen. „Wieder ein Fest auf Moldt?" fragte beinahe erschrocken der Alte. „Was gibt es denn diesmal?" Erichs Blicke hafteten an den grün umsponnenen Mauern. „Den Erntetanz für das Gesinde," antwortete er, „außerdem aber eine Art Gartenfest für die Herrschaften. Damen in altdeutschen Costümen werden auf der blankgefegten Tenne mit den Bauernburschen allergnädigst den Ball eröffnen, ebenso die Cavaliere mit den Mägden; später treibt man dann im Park noch Dies und Das, trinkt viel Sect, verpufft ein glänzendes Feuerwerk und amüsirt sich köstlich. Daß die Geschichte ein paar Tausend Thaler kostet, daran denkt Niemand." „Bis es zu spät ist, Erich, bis sich das tolle Treiben furchtbar rächt." „Natürlich. Seit drei Jahrhunderten haben die MoldtS zu Molde als Herren auf ihrem Grund und Boden gefeffen — jetzt ist der Augenblick nahe, in welchem irgend ein baro- nisirter Finanzmann den schönen Besitz für die Hälfte des Werthes an sich bringt und vielleicht in dem alten Gemäuer 3 eine Fischräucherei anlegt oder was sonst hübsche Procente abwirft." Der alte Herr hustete krampfhaft; es schien, als ringe er nach Aihem. „Erich," stieß er hervor, „Erich, Du glaubst, daß der Schloßherr in — in —" „Concurs geräth, Großvater. Daran ist nichts mehr zu ändern." „Nichts? — Gar nichts?" Das war wie in furchtbarer Angst gerufen. „Erich", bat der alte Herr, indem er wie beschwörend die Hand erhob, „Erich, Du sollst nicht übertreiben." „Das ist leider ga.iz unmöglich, Großvater. Die Dinge auf dem Schlöffe stehen so, daß ver Katastrophe "licht mehr vorgebeugt werven kann. Hans Adam selbst ist der Einzige, dem das niemals einfällt; er steht unmittelbar vor dem Abgrunde, ohne ihn zu sehen." „Und Keiner findet sich, ihm die Hand zu reichen? Keiner, der Hilfe, Retiung biächte?" „Keiner. Da sind Berge von Schulden, wahre Unsummen. Hans Adam hat seit seiner ersten Lieutenantszeit fürstlich gelebt und nachdem er die Herrschaft Moldt übernahm, auch allerlei falsche Speculationen betrieben. Ec verschenkte Tauserde, ohne sie zu besitzen, er stellte Leute mit hohen Gehältern an, ohne ihnen Beschäftigung geben zu können, und veranstaltet Feste una Aufzüge, die ganze Jahreseinkommen verschlingen- Ihm ist nicht zu helfen." Der alte Herr hielt die wachsbleichen Hände auf der Decke gefaltet. „Sein Vater war mein vertrautester Freund," sagte er, „ihn selbst habe ich am Tauftage in meinem Arm gehalten. So lange ich denken kann, waren die Moldts zu Molde mir eng verbunden und theuer gleich Blutsverwandten." Er wiegte den Kopf wie in körperlichem Schmerz. „Und Cäcilie?" fuhr er dann fort, „die arme Cäcilie, wie wird sie den schweren Schlag ertragen? — Erich, vielleicht kommt der Tag, an dem sie Dich anklagt, Dich mit Vorwürfen überhäuft. Als ihr Vormund hättest Du die Heirath mit dem verschuldeten Manne nicht zugeben dürfen " Jetzt lächelte der Gutsherr, ein freierer Athemzug hob ihm die Brust. „Da irrst Du, Großvater," versetzte er. „Des verstorbenen Pastor Aßmanns Töchter sind keine Frauen im Sinne unserer heutigen Gesellschaft. Cäcilie hat ihren Mann aus Neigung geheirathet, sie liebt ihn über Alles und wird auch das bescheidenste Loos an seiner Seite noch als ein hohes Glück betrachten. Und überdies — wer weiß denn, was geschieht. Cäcilie ist zart wie eine Treibhausblume." „Du denkst, daß sie vorher--ach Erich, wohin führen doch die traurigen Gedanken? — Sage mir, steht das Unglück auf Moldt unmittelbar vor der Thür?" Des alten Mannes Enkel schüttelte leicht den Kopf. „Ein Jahr mag es Hans Adam im besten Falle noch treiben," antwortete er. „Die Zahl seiner Freunde ist groß, die der Wucherer und Speculanten noch größer. Hans glaubt selbst an die Luftschlöffer, welche er fortwährend baut; es ist nicht seine Absicht, irgend einen Menschen zu betrügen. Das wissen die Leute und so gelingen ihm allerlei fabelhafte Schachzüge. Freilich nur, damit später das Unglück um so bedeutender, zerstörender wird." Er erhob sich nach diesen Worten und streckte dem Alten die Hand entgegen. „Ich muß jetzt gehen, Großvater. Willst Du noch länger draußen sitzen bleiben?“ Der Greis sah auf. „Du gehst zum Feste nach Moldt, Erich?" „Ja- Man unterhält sich während einiger Stunden." „Gewiß, gewiß — und man sieht schöne Frauen, auch die schönste, reizendste von Allen — Anna Bürklin." Der Gutsherr lachte, während er den schwerfällig ausstehenden alten Herrn am Arm in das Haus führte- „Anna Bürklin die Schönste?“ wiederholte er. „Großvater, welch' eine Behauptung! Dieser Irrwisch mit den schwarzen, funkelnden Augen und dem dreisten Blick, diese —" „Liebst Du etwa eine Blondine, Erich? Doch nicht des Pastors —" „Gute Nacht, gute Nacht, ich habe Eile." Und der jüngere Wolfram sprang mit drei Sätzen die Trevpe hinauf, um dann nach kurzer Zeit ballmäßig gekleidet, in Frack und weißen Handschuhen, wieder zu erscheinen Jetzt dämmerte es bereits, die Equipage brachte Pen Gatsherrn in einer Viertelstunde nach Moldt und in die Mitte einer zahlreichen, glänzenden Gesellschaft Der ganze vor dem Schlosse liegende Garten war von einem Lichtmeer überflulhet; neben den natürlichen, mit Astern und Petargon en bedeckten T-ppich- beeten lagen andere künstliche, mit exotischen Blüthen aus Glas geschmückte, Kaktus tragens, die Agave und Aloe, den Hibiscus und die Goldlilie. In jedem Kelch brannte versteckt eine Flamme; wie lebend erschienen die bunten, farbenprächtigen Blumen. Es rauschte in den E chenwipfeln der Alleen, weiße Schwäne segelten auf der klaren Flnth des Schloßteiches und badeten wohlig ihr Gefieder im Tropfenregen der Fontaine — überall glänzte üppige Schönheit, tönten L ute der Freude und des Frohsinns- Wie ans den Wo ken kamen die Melodien der Husaren hoch vom Thurme herab, schmeichelnd und mahnend zugleich ein Concert, in dar sich die Stimmen der Singvögel, leise hier und da auftauchend, hineinmischten. Gondeln lagen auf dem Wasser, schwebende Brücken führten hinüber und herüber. Auf den Kieswegen rauschten die Schleppen der Frauenkleider. Erich tauschte bald hier, balv dort einen Gruß; seine Blicke suchten so lange, bis sie den Schloßherrn gefunden hatten. Baron Moldt kam ihm mit ausgestreckter Hand entgegen, ein hochgewachsener, schöner Mann mit fürstlicher Haltung und einem strahlenden, herzengewinnenden Lächeln. Alles an ihm verrieth den Offizier in Cwilkieidern, nur das dnakle krause Haar war vielleicht etwas zu lang geworden; sonst dachte sich der Beschauer bei dieser imposanten männlichen Erscheinung unwillkürlich sogleich die Uniform hinzu Hans Aoam war erschaffen, um zu gebieten, Andere zu beherrschen; vielleicht wußte er das auch selbst! „Willkommen, Wolfram! Gib sogleich Deine Stimme ab, mein Junge! Wollen wir tanzen?" „Weshalb nicht? Sollen die in der Scheune etwas voraus haben?" „Schön! Da ist Rath, unterhalte Dich mit ihr, indeß ich die Sachen anordne. Wir müssen den großen Saal ausräumen lassen." Er eilte fort und Erich sah spähenden Blickes umher. Ruth! Der Name hatte ein höheres Roth auf feine Stirn getrieben. Ruth! Wo war sie? Ach, da drüben! Und der ernste Mann blieb stehen wie gebannt- An einem Pfeiler, halb versteckt hinter wildem,, von blühender Clematis durchzogenem Wein, lehnte ein junges Mädchen in weißem Kleide von jenem Schnitt, in dem wir Goethes Gretchen auf der Bühne zu sehen gewohnt sind- Vom Gürtel herab hing an zierlichen Kelten die Tasche, hochgebauschte Oberärmel zeigten die Mode längst vergangener Tage, einfache, blonde Zöpfe fielen schwer und schmucklos wie goldschimmernde Seide über den Rücken herab. (Fortsetzung folgt) GeineinnütziS^ Gartenkresse und Gurkenkraut im Winter. Den beliebten Salat der Gartenkresse kann man sich, da die Sarnen sich sehr schnell entwickeln, leicht im Winter anziehen. Schon in einen Teller mit Wasser gelegt, entwickeln die Samen sich soweit, daß sie als Salat allein oder als Zusatz zu Kartoffelsalat rc. verwandt werden können. Besser thnt man jedoch, man bringt die Samen in einen flachen Kasten mit etwas Erde, die man fleißig begießt. Der Salat wird hier noch schmackhafter, auch kann man ihn länger sieben lassen. Um frisches Gurkenkraut (Boretsch), dessen junge Blätter ebenfalls — 4 zu den verschiedensten Salaten als Zusatz gebraucht werden, während des Winters zu erlangen, säe man jetzt Samen in einige Blumentöpfe. Die nicht gebrauchten jungen Pflanzen weiden später in's Mistbeet gesetzt. * * Ein gutes Wintergemuse. Wer Schwarzwurzeln in seinem Garten angebaut hat, den machen wir darauf aufmerksam, daß man dieselben den ganzen Winter über zur Bereitung des jetzt so knappen Gemüses benutzen kann. Sind die Wurzeln gefroren, so lasse man sie in kaltem Waffer allmälig auf- thauen. • Milchgefätze reinigt man am besten, indem man dem dazu benutzten Waffer etwas Soda zusetzt. Er wird dem andernfalls leicht entstehenden ranzigen und sauren Gerüche vorgebeugt. * ♦ ♦ Rostflecke in der Wäsche entstehen durch Berührung der nassen Wäschestücke mit Eisentheilen (Nägeln, Reifen rc.) an Waschapparaten, beim Aushängen der Wäsche und aus ähnlichen Ursachen. Man entfernt solche Flecke durch Einwirkung von Kleesalz, Citronensäure oder Salzsäure. In besonders hartnäckigen Fällen wendet man Schwefelammonium mit Erfolg an. Man erhält die genannten Ingredienzien in jeder Apotheke. Die Hauptsache ist, daß die befleckten Stellen nach Emwiikung der Säuren wiederholt gründlich mit reinem Waffer ausgewaschen werden, damit das Gewebe nicht leidet. — Ein anderes Verfahren; Man befeuchte die Rostflecken mit Kleesalz-Lösung, die man in einem zinnernen Löffel erwärmt hat und reibe dann den Flecken auf einem verzinnten Blechdeckel, welcher über einem stark kochenden Waffer liegt. Das Befeuchten mit der Kleesalz-Lösung und das Reiben wird so lange wiederholt, bis der Flecken verschwunden ist. Rach Entfernung der Flecken müssen die befeuchteten Stellen mit reinem Waffer tüchtig ausgewaschen werden, damit das angewandte Mittel auf den Stoff nicht nachtheilig wirken kann. * * * Flecke von Kaffee lassen sich aus Schafwolle und Seide durch geruchloses Glycerm entfernen, indem man den Fleck damit bestreicht und nach einer Viertelstunde mit lauwarmem Waffer mittels eines Schwammes abwäscht. Es zieht sowohl den Fettstoff der Sahne (des Rahms), als die Gerbsäure des Kaffees aus, ohne die Farbe zu schädigen. * * * Schleimige Badeschwämme. Verschiedene Seifen machen mit der Zeit die Badeschwämme schleimig und unansehnlich. Um diesen Uebelstand zu beheben, möge man die Schwämme in lauwarmem Waffer, dem man ein wenig Soda hinzugesetzt hat, tüchtig auswaschen. Heißes Waffer vermeide man, da dieses, mit Soda vermischt, die Badeschwämme mürbe macht. ♦ * * Alte Oelfarbe und Lackanstriche zu entfernen. Hierzu eignet sich, wie die „Fdgr." mittheilt, wenn auch die Anwendung starker Lauge ohne Erfolg blieb, eine Mischung von zwei Theilen Salmiakgeist mit einem Theil Terpentinöl. Ehe man die Mischung auf den zu entfernenden Anstrich aufträgt, ist sie gut zu schütteln. Nach einigen Minuten kann man den Anstrich mit Holzwolle oder sonst hierzu geeignetem Material abreiben. Oevmischtss. Verrathen. „Emil, es ist schauderhaft, was ich von Dir hab' hören müssen — Du seiest gestern Abend total betrunken gewesen! ' — „Ha, Verleumdung! Wer verbreitet eine solche Lüge?" — „Herr Müller hat's seiner Frau erzählt!" — „Was, der! Der lag ja bei mir unter'm Tisch!" Vergriffen. „Angeklagter, Sie sind beschuldigt, den Zeugen an den Ohren gerissen zu haben!" — „Ach nee, Herr Richter! Er hatte mir eben Zahlung einer Schuld versprochen und da wollte ich ihn beim Wort nehmen, erwischte aber statt dessen in meiner Kurzsichtigkeit feine Ohren." * » * Bei der Kaserne-Vifite. General: „SindSie mit der Kost zufrieden?" — Rekrut: „Zu Befehl, Herr General!" — General: „Genug zu essen? Hm, und dann — erhält nicht am Ende der Eine 'ne große und der Andere 'ne kleine Portion?" — Rekrut: „Große kriegt gar Keiner, Herr General!" * * * Auf dem Markt. Frau: „Den Fisch mag ich nicht, der ist schon tobt!" — Händlerin: „Wenn Sie sich Rindfleisch kaufen, ist da der Ochs vielleicht lebendig?" * * * Anzüglich. Herr: „Hören Sie, der Gimbel, den Sie mir neulich verkauften, pfeift ja gar nicht." — Vogelhändler: „O, er ist zunächst nur etwas schüchtern; pfeifen Sie ihm nur etwas vor, dann denkt er, cs ist noch ein Grmbel da, und er pfeift gleich." * * ♦ Begriffsverwirrung. A.: „Sie reden von sieben Musen, es sind doch neun!" — B.: „Ach ja, ich habe sie eben mit den sieben mageren Kühen verwechselt!" * * * Der schrecklichste der Schrecken. Gefangenwärter: „Warum wollen Sie denn durchaus nicht in die Zelle vierundvierzig?" — Sträfling: „Weil man dort die Töchter vom Gesängnißdirector singen hört!" Erlkönig. (Parodie.) Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? — Es ist ein Lieutenant, der sausest geschwind, Er hält den Zügel wohl in der Hand, Er saßt ihn sicher und lenket gewandt. — „Mein Roß, du zögerst in eilendem Lauf?" „„Hörst, Herr, denn noch immer mit Reiten nicht auf? Das Reiten, es währet jetzt Nacht und Tag."" „Nur weiter, bald bist du ledig der Plag'. Du gutes Thier, o daure nur aus, Gar schönes Futter gibt es zu Haus; Du kannst dann ruhen, so lang du begehrst, Wenn deinem Herrn du den Ritt nicht erschwerst." ,,„O Ritter, o Ritter, und merkst du nicht, Wie die Last mir fast den Rücken zerbricht?"" „Geduld, nur Geduld, du treues Pferd, Bald sind wir am Ziel und hochgeehrt. — Willst, edles Roß, du nicht weiter geh'n? Meine Ehre erlaubt es nicht, abzusteh'n, Meine Ehre — du hörst es — sie ist engagirt, D'rum schneidig weiter! — Nicht so geziert!" „„Herr Ritter, Herr Ritter, und sehet Ihr nicht, Schon wieder sich senket des Tages Licht!"" „Mein Pferd, mein Pferd, geschwind, nur geschwind, Früh Morgens wir sicher am Ziele sind. Nur schneller noch, schneller! Jetzt gibt's keinen Halt, Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt." Schon schwingt er die Gerte in sausender Wucht Und geißelt das Roß und wettert und flucht. „,,O Herr, o Herr mit dem Herzen von Stahl, Nicht länger mehr trag' ich die gräßliche Qual."" Den Reiter nicht kümmert's. „Vieh! glaubst du, ich sei Mitglied des Vereines gegen Thierquälerei? Lauf' oder krepir' nur! Hoch lebe der Sport!" Drei Sporen dem Pferd in die Weichen er bohrt, Erreicht das Ziel mit Mühe und Noth, Der Sieg war dem Ritter — das Roß war tobt! Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Die nächste Nr. der Familienb lütter erscheint Mittwoch Nachmittag.