Hießen er Jamiüenblätter. Bettetristisches Beiblatt ;um Gießener Anzeiger. .JrWWWW—WWTTJWHm MtjguX1 n> - "fr-"—ar irrv-riyrTerfcyiirTyy^n •'■W^naTv.m WFl^T*- —— 7.-.~-i*-"~r~rrr~ ■-•''—p-, rTTVTlflfTi,w^^ »e. A... W.MI» Nr. 39. SamstsgdM 31. März. ' 1888. «MSWSWSWNMSWIKWLWSW-W^^LeKLKWEWJErr^WWW!!^ 111 l’l—fi l«»»»I l IIIllllll Illi U l!rMWA^r8A8^?^WSKMWWS«WMßSN-MMSS«»>W»»»W Koffnun g. Hoffnung ist des Lebens schönste Blüthe, Ist ein Stern in jeder Erdennacht, Wohnet in der strohgedeckten Hütte, Im Palaste, wo die Freude lacht! Hoffnung schlingt um uns're Lebensstunden Kränze schön, und ewig jung und grün, Läßt im Kummer unser Herz gesunden, Wenn die Sonnen uns, die heitern, flieh'»! Hoffnung lächelt, kehrt der Frühling wieder, - Auf der bräutlich schön geschmückten Flur, Senkt sich lieblich in die Thäler nieder, Lebt und webt im Reiche der Natur! Hoffnung strahlet in des Kerkers Dunkel, Wo dis Unschuld still und einsam weint, Lächelt ihr im sanften Sterngefunkel, In dem Mond, der traulich niederscheint. Hoffnung breitet ihren Rosenschimmer Ueber alle Erdenleiden aus; Doch Verlor'nes kehrt dem Herzen nimmer, Und entblättert liegt der Freude Strauß! Hoffnung füllt den Säugling in der Wiege, Der noch nicht der Leiden Kelch geleert, Schwebt um seine engelholden Züge, Noch von keinem herben Gram zerstört; Glücklich noch am treuen Mutterherzen Ruht er, träumend eine Farbenwelt, Um die Wangen spielt ein leichtes Scherzen, — Mutter schaut's, — von Hoffnungen geschwellt l Hoffnung windet ihre frischen Kränze Um der Jungfrau lebenssrohes Haupt; Ueberglücklich in dem jungen Lenze, Sie der Welt mit ihrem Truge glaubt! Hoffnung füllt des Jünglings kühnes Streben, Greift zum Schwerte er mit starker Hand, Will's für Freiheit nur, für Recht erheben, Muthig streiten für das Vaterland! Stern der Hoffnung! deine schönen Träume, Würden sie dem Sterblichen erfüllt! Leider, ach! sind's oft nur leere Schäume, Alles Hoffen ein zerfloss'nes Bild! Hoffnung führt uns an dem Gängelbande Durch das Leben bis zum Grabe hin, Trägt uns seelig nach dem Heimathlande, Wo des Friedens ew'ge Palmen blüh'»! Th. Loos. Die verlorene Wiöek. Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartmann-Plön. (Fortsetzung.) „Herr Geheimrath", sagte der Prokurist und legte einen bittenden Ton in seine Worte, „mein Herz ist mit Sorge erfüllt, Wenn das Schlimmste Eintreten sollte, daß wir Alles verlieren — geben Sie mir die Beruhigung, daß Sie selbst glauben, sich halten, sich arrangiren zu können!" „Ich weiß es noch nicht, ich muß selbst erst einmal alle Aetiva und Passiva genau abwägen. Hätten wir nur nicht dm Bau der Fabriken be- gonnkn, aber welche Kapitalien stecken jetzt darin und welche großen Zahlungen werden nothwendig! Und nun lassen Sie mich allein, lieber Freund, ich muß meine Gedanken ein wenig sammeln und will versuchen,. Entschlüsse zu fasten, die das Rergste vielleicht noch abwenden können." Bärmann Verabschiedete sich, aber kaum war Wolter allein, so sprang er empor und mit großen Schritten das Zimmer durchmessend, rief er aus: „Verloren! Doppelt verloren! O mein Weib, mein Kind! Luft! Luft! In dieser Gluthhitze hier ersticke ich!" Er nahm einen Strohhut und begab sich in den Garten. Den Kopf gesenkt, die Hände auf dem Rücken wanderte er weiter. Er sah nicht, daß am Ende der Allee eine Dame in die Laube trat, es war Frau Schmidt. Er sah und merkte auch nicht, daß wenige Mmuten später ein Mann die Allee betrat, der ihn mit laichen Schritten einzuholen suchte. Erst als dieser ihn fast erreicht und er seinen Namen rufen hörte, stand er still und drehte sich um. Um dieselbe Zeit etwa, als der Prokurist Bärmann das P ivmzimmer des Gchsimraths betreten, 154 preßtet Stimme. ' Felix schritt über die Chaussee, durch das steinerne । ^Verzeihen Sie, Herr Geheimrath", nahm Felix Thor und wanderte den Berg hinauf. das Wort, „wenn ich Ihrs Zeit einen kurzen Augen- Ärn“ SmSWÄ te« wfÄFÄ'Ä Ä Mt*> I-I» "‘•ife ’ft.ssj’ awÄÄÄ ?s reichlich eins Stunde Zeit, ich werde inzwischen noch rasch einen Besuch auf der Schlangenburg machen. Sie brauchen nicht auf mich zu warten, der Wagen kann nach Fichtenberg zmückfahren." Uli* ■***»» UvlpiVv« ö Hsf . ßiUf/ürt« ä in Reisekleidern. Dem Diener, der bei dem Kutscher auf dem Bock saß, sagte er: E „Trogen Sie den kleinen Handkoffer hinein und überzeugt, daß die Nächste Minute ihm etwas Entsetzliches bringen würde. „Ah, Herr von Stolzenberg", sagte er mit ge- jchattigen Eiche. „Ist der Herr Geheimrath in der Burg?" fragte Felix. „Der Herr Geheimrath befinden fich im Garten", eroberte Johann, „und find soeben in die große Alice getreten. Befehlen Euer Gnaden, daß ich Sie anmelde?" „Ich stehe zu Diensten." Sie verließen die Allee und schlugen einen kurzen Seitenweg ein, der zu dem Felsen führte. Felix sprang die steinernen Stufen zuerst hinauf, trat sogleich an den Rand des Steines und blickte in dis Taxuslaube hinab. Run hatte sich aber Frau Schmidt auf den- jenigen Theil der Bank gesetzt, der dem Felsen am nächsten war; es war dies die einzige Stelle, dis, wenn man von oben in die Laube hinabblickte, von der Taxusetnfaffung verdeckt wurde. Felix war in diesem Augenblick selbst sehr erregt, er bemerkte, als er seins Augen in dis Tiefe senkte, daß der innere Raum der groß n, weiten Laube leer sei. Wolter war ihm langsam auf den Felsen gefolgt und ließ sich hier auf der Bank nieder. Felix blieb aufrecht stehen und begann: „Sie werden fich erinnern, Herr Geheimrath, daß ich Ihnen schon vor einiger Zeit sagte, in Ihrem Gesicht läge etwas für mich so Bekanntes, daß ich glaube, Sie früher schon einmal gesehen zu haben. Jetzt ist es mir klar, daß Sie mein früherer Kamerad, der ehemalige Lieutenant Thalheim sind." Wie viele Mals hatte Wolter sich auf den Augenblick vorbereitet, wo Herr von Stolzenberg ihm sagen würde, daß er ihn erkannt habe, wie viele Male hatte er sich die Worts zurecht gelegt, dis er ihm dann erwidern wolle. Auch jetzt gelang e» ihm, zwar mit Aufgebot seiner ganzen Kraft, ihm in ruhigem Tone zu entgegnen: „Sie irren sich, Herr von Stolzenberg, und werden durch eine Aehnlichkeit getäuscht. Ich habe nie in meinem Leben von einem Lieutenant Thalheim gehört. Ich war nie Osficier, Sie machen ein zweifelhaftes Gesicht - zum Beweise bin ich ja ' „Wenn der Hauptmann Koblenz glaubt", sprach ] Anspruch nehmen muß. Ich habe Ihnen er vor sich hin, „diese Erpressungen regelmäßig aus- s etnm§ mitzutheilen, was für Sie sowohl als für führen zu können, so irrt er sich. Ich Habs rhm » mld) von ßlet$ großer Wichtigkeit rst. Doch dort damals viertausend Mark versprochen und sie von ifi be$ F«iMock _ ist es Ihnen recht, so erste gen hier aus ihm zugeschickt unter der ausdrücklichen | m{$ ba roir dort vor Lauschern sicher find! Bedingung, sofort damit nach Amerika zu reisen, k mar vielleicht der Moment gekommen, wo Statt deffen ist er ruhig in Berlin geblieben, hat | M oon fordern würde. Wolters das Geld verpraßt und fordert nun abermals vier- ; M _ wurde noch bleicher. Er mußte sich tausend Mark. Gut, er soll sie haben, aber । zusammen nehmen, um in einem möglichst ruhigen werde mir in Berlin Anweisungen auf em Haus in ; f * San Franzisko geben lasten, auszahlbar nur an den ■ stehe zu Diensten." ve.sönlichen Ueberbringer. Mit diesen muß er sich j dann schon auf den Weg machen. Das war ein » Tropfen Gift, der auf meine fröhliche Stimmung: fiel, als ich vor einer Stunde den Brief dieses >, Elenden erhielt. Ich glaubte sie Alle verschwunden ; Md nun ist bet Schlimmste noch hier und muß mich beunruhigen! Mit Geld kann man dis Hölle be- j zwingen und auch wohl diesen lästigen Mitwisser. - Und schließlich — stö haben nichts Schriftliches von mir, ich war so vorsichtig, von Petersburg und Paris aus stets einen Complicen schreiben zu lasten, — Md alles Mündliche kann man ableugnen, da gilt mein Wort so viel wie das eines Anderen. Der Feldwebel, der Hauptbetheiligte, ist fort, sein Ge- ständniß allein könnte gravirend werden, ich konnte die Zeit nicht erwarten, das liebliche Kind an mein Herz zu ziehen, und nun muß diese Zwangsreise dazwischen kommen! Run wohl, so warten wir, bis morgen Abend kann ich zurück sein, dann kann das Geburtstagsfest der Mutter zugleich das Verlobungs- f st der Tochter werden! Heute setze ich mich mit dem Vater auseinander, morgen führt er mir dis Tochter jeibR in dis Arms! Diese angenehme Erinnerung wird mir die langweilige Fahrt nach Berlin verkürzen. Ob ich das Glück haben werde, Frieda in dieser so kurz bemessenen Zeit zu sehen?" Als Felix das Plateau erreicht hatte, bemerkte rr den Diener Johann auf einer Bank unter einer to9t« «uf b« W ! m"5*” 6it • Ed- * ** •* -m. ■» .W*S f»”« S-« üSffi beWImnlgle fei« «M. mb balb w | er den Geheimrath erreicht. Wolter drehte sich erschrocken um, und als er Im Ssffon ßtflRAf «iNeN fO feit# 155 gern bereit, Ihnen alle meins Papiere, meinen Ta» - schein und was dazu gehört vorzulegen." „Warum wollen Sie es leugnen, Thalheim? Ich irre mich nicht I Nun will ich Ihnen meine Beweise vorlegen. Ich war vorgestern Abend in dem Zimmer der Kastellans, er hatte mich gebeten, ihn zu besuchen, weil er mir die Geschichte meiner Ahn» Herrn erzählen wolle. Da sah ich Sie im Rittersaal und hörte, wie Sie dar Lied sangen: Im tiefen Keller sitz ich hier. Und Jeder, der den Lieutenant Thalheim nur einmal das Lied hat vortragen hören, wird ihn allein schon daran wiedererkennen. Wie ein Blitz schlug dies Argument vor Wolter nieder. Daß man ihn an dem Liede erkannt hatte, raubte ihm so vollständig die Fassung, daß er nicht im Stande war, ein Wort zu erwidern. „Doch beruhigen Sie sich, Thalheim", fuhr Felix fort. „Ein Mißgeschick hat Sie vor zwanzig Jahren in die Welt hinausgetrieben und mir scheint, Sie find für diesen Unfall glänzend entschädigt worden. Würden Sie jemals ohne ihn zu einem Millionär geworden sein? Ich werde Sie nicht ver- rathen, aber für mein Schweigen müssen Sie mir eine kleine Bedingung erfüllen." Wolter's Haupt war auf die Brust gesunken, seine Augen blickten starr vor stch nieder, die Lippen waren fest geschlossen. „Sie find im Besitze eine» Engels", fuhr Felix fort, „ich liebe diesen Engel und habe das Glück, von ihm wiedergeliebt zu werden. Sie werden sich von ihm trennen müssen, Herr Geheimrath, aber ich verspreche Ihnen, daß ich Alles aufbieten werde, damit n sich an meiner Seite glücklich fühlt. Hier, auf dieser Stells haben wir uns gestern verlobt. Leider muß ich sogleich aufbrechen, eine Privatangelegenheit zwingt mich noch heute nach Berlin zu reisen, aber bis morgen Abend, bi» zum Beginn des Geburtstagsfestes, bin ich zurück und wenn ich daun den Engel von Ihnen fordere, werden Sie ihn mir geben, werden Sie unsere Hände ineinanderlegen?" Ein Schauer durchlief Wolter, er währte mehrere Secunden, ehe er nur im Stande war, zu sprechen, darauf sagte er in einem harten, kalten Ton: „Sie werden von ihr geliebt — hat sie Ihnen dar selbst gesagt?" „Wir haben uns gestern verlobt." „Wenn er so steht, werde ich das Unvermeidliche zu ertragen wissen." „Sie werden es nie zu bereuen haben. Doch es wird hohe Zeit für mich, leben Sie wohl, Thalheim, und es wird das letzte Mal fein, daß ich diesen Namen nenne, von nun an sind Sie in meinen Augen nur noch der Geheimrath Wolter. Grüßen Sie von mir die Lieblichste ihres Geschlechts! In raschen Sätzen eilte Felix die Felsenstufrn hinunter und war bald Wolters Blicken entschwunden. Eine kurze Zeit nur saß der Geheimrath noch da, apathisch, zusammengesunken, fast wie ein Leb- lofrr, dann stand er auf, sein Äuge glänzte unheimlich, in seinen GesiHtSzügen zuckte es energisch auf, seine Muskeln schienen ihre Spannkraft zurückerhalten zu haben. Wie ein Mensch, der einen plötzlichen Entschluß gefaßt und den e» treibt, so rasch wie möglich an die Aurführung zu gehen, wanderte et eiligen Schrittes auf demselben Wege, den er gekommen, in sein Zimmer zurück. Hier entfaltete er jetzt eine rege Thätigkeit, er holte seine Hauptbücher, sowie sein Geheimbuch hervor, ganze Bogen Papier beschrieb er mit Zahlen und rechnete und zählte unausgesetzt. Er war so vertieft in seine Arbeit, daß er ein Pochen an der Thür vollständig überhörte und erstaunt dm Kopf wandte, als Al?xandra ihn begrüßte. „Ich sehe, lieber Mann, d ß Du stark br- schäftigt bist und will Dich daher nicht lange stören. Einige dringende Besorgungen rufen mich nach der Stadt, entschuldige daher, wenn wir nicht zusammen speisen können." Nach einem kurzen Gespräch verabschiedete sich die Geheimräthin, Wolter begleitete sie bis in die Vorhalle und küßte ihr inbrünstig die Hand. Wohl fiel Alexandra die vertiefte gälte auf der Stirn ihres Gatten auf, aber sie suchte die Erklärung dafür in jener aufreibenden geschäftlichen Thätigkeit. Wolter blickte ihr schmerzbewegt nach, als sie mit elastischen Schritten den Parkweg hinabwandelte, kehrte dann in sein Privatcomptoir zurück und vertiefte sich wieder in seine Arbeit. Um sünf Uhr kam der Diener und meldete, daß das Essen servirt sei. „Wo ist meine Tochter?" „Das anädige Fräulein läßt sich entschuldigen, weil die Kopfschmerzen sie noch nicht verlassen haben." „Gut — ich komme." Wolter schloß die Thür ab und ging in den Speisesaal. Nachdem er in sein Zimmer wieder zurückgekehrt war, setzte er seine Arbeit fort, bis der Abend hereinbrach. „Es ist genug", sagte er — „wenn Aller regulirt ist, bleibt für Frieda so viel übrig, daß sie sorgen- frei leben kann, für Alexandra wird — ihr Gatte sorgen!" Hierauf verschloß er die Bücher wieder, zerriß alle beschriebenen Bogen und warf sie in dm Kamin, dann setzte er sich an seinen Schreibtisch und schrieb folgenden Brief: Liebe Alexandra! Es thut mir leid, daß ich Dich noch nicht zu- rückgekehrt fand, um Dir Lebewohl zu sagen. Ich muß noch heute in die Stadt. Mein Bankier Römer hat fallirt, ich verliere dabei große Summen, um den Verlust zu decken, werde ich meine afrikanischen Besitzungen verkaufen müssen. Zu diesem Zweck muß iS vielleicht sogleich weiter nach Hamburg reifen, ja, es ist nicht unmöglich, wenn sich der Verkauf in Hamburg nicht realistren 156 „Mer was ist denn geschehen, gnädiges Fräulein?" „Ich bin auf daß Schändlichste betrogen! Frau von Barsen machte mir vorhin einen Besuch, sie stand im Begriff, ihrem Verlobten, einem russischen Grafen Tonjes, entgegenzureism. Sie war in großer Erregung, erzählte mir, daß ihr Verlobter unschuldig im Gefängniß gesessen, hauptsächlich in Folge einer falschen Denunciation des Herrn von Stolzenberg. Und dann berichtete sie mir, daß Siegfried ihr in der Laube kein Liebesgeständniß gemacht, wie tcy geglaubt habe, sondern Stellungen zu lebenden Bildern probirte. Das Ganze sei ein von Felix inscenirtes Spiel gewesen, um meine Liebe zu Siegfried zu erschüttern. Sie können stch gar nicht vorstellen, Herr Langenbach", fuhr Frieda fort, „wie es in mir jubelte. Aber jetzt bin ich wieder zaghaft und zweifelhaft, ob Herr Rhodenberg mir auch verzeihen wird." , , , Hinter ihnen wurden jetzt Schritte laut und als j ste sich umwandten, sahen sie Alexandra bereits in läßt, daß ich persönlich deshalb nach der Kapstadt muß. Sollte dies unvermeidlich werden, schreibe ich natürlich von Hamburg aus. Einen herzlichen Gruß an Dich und Frieda von Eurem Wolter. Dies-n Brief verfiegelte er und legte ihn auf den Sophatisch- sodaß er jedem Eintreienden in die Augen fallen mußte. Als er die Burg durch das Sütenportal verließ, schien bereits der Mond hell. Fichtenberg war sein nächstes Ziel. . * * * Heinrich Langenbach, der mit seiner Braut eimn Spaziergang gemacht, kam etwas nach W Uhr desselben Nachmittags nach Haufe, um vrs zum Abend noch einige Stunden zu studiren. Die Magd kam ihm schon auf dem Flur entgegen mit .er Nach richt, daß schon vor etwa zwn Stunden ein Tele gramm für ihn angrkommen sei, dasselbe liege auf seinem Schreibtisch. Rasch eilte er auNein Mmec. Das Telegramm lautete: Sofort rommm zu meiner Schwester. Auguste Brandt. „Lieber Gott", sagte Langenbach, nachdem er gelesen, „sollte Tante Marie einen Rüsfall bekommen haben? Wie harte sie sich in der letzten Zeitfo schön erholt! Ich werde sogleich absahren, ohne Helene damit zu beunruhigen." Auf dem Bahnhofs traf er zu seinem Staunen die Frau Geheimräthin Wolter, mit der er zusammen die Fahrt nach der Schlangenbmg zurück- • g Unter Wechselnden, indeß von keiner Pause unterbrochenen Gesprächen langte man in Holzendorf an. Am Bahnhofs stand die Equipage des Geheimrathes, Alexandra lud hier Langenbach ein, ar; ihrer seüe Platz zu nehmen und so fuhren sie den Berg hinWs. Als der Wagen hielt und Beide denselben verlassen hatten, verabschiedete sich Langenbach und chlug mü eiligen Schriitm den Weg nach dem Jägerhäuschen ein. An der Stelle, wo der Park anfing, trat p: ötzlich hinter einer großen Eiche Frieda hervor. „Verzeihen Sie, Herr Langenbach", sagte sie, „wenn ich mir die Frage glaube: Haben Sie den Brief, den ich Ihnen gestern überreichte, Herrn Rvhdenberg gegeben?" „Jawohl, gnädiges Fräulein." „Ach. hätten Ste es doch nicht gethan.' ',Jch hatte gar keinen Grund, mem verehr es Fräulein, anzunehmm, daß ich den Brief behalten habe Ihnen den Brief in der Verblendung gegeben» wie ich ihn auch in grenzenloser Verblendung geschrieben — Sie sind ja Sugfried s Freund, rch darf daher ganz offen zu Ihnen sprechen. Warm Sie dabei, als er den Brief las?" „Ja, der Inhalt traf ihn ms Herz." „Er kann mir nicht verzeihen, ich habe zu schwer gegen ihn gesündigt!" nächster Nähe. ö , „Waren Sie schon im Jägerhaurchen, H:rr Doktor?" fragte Letztere. „Noch nicht, gnädige Frau." „Daran bin ich schuld, Mama", sagte Frieda. „Ich hatte Herrn Langenbach etwas sehr Wichtiges mttzutheilen, Herr Langenbach aber darf in diesem AugenbliS noch nichts verrathen, Dir, Mama, werde , ich es heute Abend anvertrauen, wenn wir allein sind." Während Frieda dem Schlosse zuschritt, wanderten Langenbach und Alexandra nach dem Jägerhäuschen. „ n . „Mir ist soeben gemeldet", sagte Letztere, „daß der alte Kastellan schwer erkrankt sei und es wohl sehr bald mit ihm zu Ende gehen wird. Er will aber absolut nicht, daß ein Arzt geholt werde, wollen Sie trotzdem die Güte haben, später einmal nach ■' „Ich bin sehr gern dazu bereit, Frau Geheimrath." Nach einigen Minuten war dar Jägerhäuschen erreicht, aber wie erstaunten sie, als ihnen diejenige, die sie krank und elend wähnten, so frisch und kräftig, wie sie sie Beide noch nicht gesehen, auf dem Flur schon entgegentrat. Zwanzigstes Kapitel. In dem gern en Aeußeren der Frau Schmidt war sine auffallende Veränderung eingetreten. Er war eins vornehme Dame, dis ihnen in eleganter Besuchstoiletts entgegentrat. „Da bist Du ja, Heinrich", rief Marte dem dir Schwelle UeberschreUenden zu, „und auch die Frau Geheimrath geben mir die Ehre, da habe ich nicht nöthig, da» Haus zu verlassen. „Bitte, treten Sie, : näher, ich habe Jhnrn wichtige Dinge mitzutyei en. „So bist Du also nicht krank, Tante Marie?' 157 „Krank? Keine Idee! Seit heute bin ich völlig genesen. Ich habe es geduldet, daß man Dich her« bei rief, aber nicht, weil Deine Gegenwart als Arzt nothwendig werden könne, sondern weil ich nicht wußte, ob meine moralische Kraft ausreichen würde, ohne den Schutz meines einzigen Verwandten vor den Mann hinzutreten, der mein WohlthLter geworden und gegen den ich mich vor zwanzig Jahren so frevelhaft vergangen. Wie danke ich dem Himmel", fuhr sie fort, „daß der Zufall Sie, Frau Geheimrath, in diesem Augenblick hierhergesührt. Sie werden in mir leichter das Weib begreifen können, als er ein Mann vermag, und mir wird es nicht so peinlich sein, Ihrem Herrn Gemahl meine Bekenntnisse zu wiederholen, wenn Sie ihn vorher damit bekannt gemacht." „So steht mein Gemahl selbst zu Ihren Bekenntnissen in irgend einer Beziehung?" fragte Alexandra. „Sie sollen Allee erfahren, gnädige Frau." „Sie wissen", begann Frau Schmidt ihre Erzählung, „daß ich Sängerin gewesen bin, es sind reichlich zwanzig Jahre her. Ich nannte mich damals Elfriede Bach." Doch ich war nur wenige Jahre die berühmte Künstlerin, mein Stern erlosch nach kurzem Elanze. Bei einem meiner Gastspiele wohnte ich bei einem Baron Bleiken. In diesem Hause verkehrten sehr viele Osficiere, namentlich ein junger Lieutenant der Infanterie, den man fast mit zur Familie rechnete, und ein junger Dragonerofficier. Doch verzeihen Sie mir eine Frage, Frau Geheimrath", „hat Ihnen Ihr Herr Gemahl von seiner Vergangenheit vor seiner Auswanderung nach Afrika Mitthkilungen gemacht?" „Nun wohl, daß er in Hamburg geboren, dort erzogen und in einem großen Handlungshause thätig war." „Also nichts mehr? Dann bin ich so frei, fortzufahren: Ich machte in dem Hause des Baron Bleiken sehr bald die Bemerkung, daß der Jnsanterie- lieutenant, der sich Thalheim nannte, für mich ein wenig schwärmte, daß aber der Dragonerofficier sich mit einer feurigen Leidenschaft in mich verliebt hatte. In dem Umstande, daß ich mir nach wie vor dir harmlosen Aufmerksamkeiten Thalheim's gefallen ließ, erblickte er eine Neigung für letzteren und beschloß, um freie Hand zu bekommen, diesen aus dem Wege zu räumen. Und er hat ihn beseitigt. In dem Osficirrrkasino spielte man damals viel mit Würfeln, die meisten Osficiere trugen fast beständig ihre drei Würfel in der Tasche. Einer Abends spielen Thal- heim, der Dragonerlieutenant und zwei andere Osficiere zusammen. Thalheim hat ungeheure» Glück, jeder Wurf fällt für ihn, er gewinnt eine große Summe. Da entlarvt der Dragonerlieutenant ibn als Betrüger, seine Würfel sind falsch, eine furchtbare Aufregung entsteht unter den anderen Officieren, am andern Tag wird er vor das Ehrengericht gestellt und unter dem Vorsitz des Obristen Tramm — des jetzigen Besitzers von Fich rnberg — wird der Unglückliche als ehrlos aus dem Officiers- stande ausgestoßen. Noch denselben Abend verläßt er die Stadt und noch denselben Abend stürzt der Dragonerlieutenant in wilden Ausbrüchen seiner Leidenschaft mir zu Füßen, er schwört mit den heiligsten Eiden, daß er mich liebe, er schildert mir die furchtbare Eifersucht, die ihn erfaßte, daß er Thalheim, wenn er dageblieben, ermordet haben würde, und daß er, um nicht zum Mörder zu werden, ihn unmöglich gemacht habe, indem er ihn durch falsche Würfel, die er mit Thalheims eigenen vertauscht, zum scheinbaren Betrüger gemacht, in Folge dessen er die Stadt verlassen müsse, und ich — ich sank an seine Brust." „Das sind die Bekenntnisse meiner Schuld, meiner Doppelschuld. Ich kannte die Unschuld des jungen Officiers, dem man sein höchstes Gut, die Ehre geraubt, aber ich schwieg aus Liebe zu dem Verbrecher, wie ich später aus Furcht vor ihm schwieg. Jetzt nun hat Gott die Macht in meine Hand gelegt, den Lieutenant Thalheim zu rächen, seine Ehre wieder herzustellen und seine Tochter vor einem furchtbaren Unglück zu bewahren!" „Wer ist der Lieutenant Thalheim?" fragte Alexandra, in deren Herzen eine plötzliche Ahnung aufgestiegen war. „Sie sollen es sogleich hören, gnädige Frau. Heute Nachmittag sitze ich in der runden Laube, neben dem Felsblock. Da höre ich, wie zwei Männer letzteren besteigen und wie der Eine zu dem Andern sagt, daß er ihn nicht verrathen werde, wenn er seine Tochter ihm zur Gemahlin geben wolle, mit der er sich aus ebenderselben Stelle am Abend vorher bereits heimlich verlobt. Der Eine dieser beiden Männer", fuhr Frau Schmidt mit erhöhter Stimme fort, „war der Herr Geheimrath Wolter, der Andere Herr von Stolzenberg, mein Gemahl." Wie?" rief Alexandra entsetzt. „Mein Gatte ist der Lieutenant Thalheim, der durch Herrn von Stolzenberg seine Ehre verloren? „Und mit diesem Herrn von Stolzenberg hat sich Frieda verlobt?" „Ja, mit meinem Gemahl!" „Nein, nein, das ist zu viel, das kann ich nicht fassen!" „Als meine erste Ueberraschung vorüber war", fuhr Frau Schmidt fort, „da erhob ich mich, ein Muth wallte in mir auf, wie ich ihn früher nie besessen, ich stellte mich mitten in die Laube und blickte nach dem Felsen hinauf. Da sah ich den nach langen Jahren zum ersten Male wieder, den ich aus vollster Seele verachten gelernt, und ich war erstaunt, wie wenig er sich verändert und wie fast spurlos die Zeit an ihm vorübergegangen. Da sah ich auch den Geheimrath, den ich, als ich nur den Namen Thalheim gehört, auch sogleich als den früheren Lieutenant erkannte." „Mein Gott", sagte Alexandra, „ist denn Alles Wahrheit." Es ist mir, als wenn ich in einem fürchterlichen Traume mich befinde. Ach, mein 158 Wohl 13 Sommer sind es her, Daß einst in Potsdams Sanden-Meer Erbaute eine Festung sich Das kleine Prinzchen Friederich; Da kam nun Zastrows Rudolf auch. Und - wie's so ist der Kinder Brauch — Gemeinsam stürmen sie den Femd I Nußknacker war es, riesengroß. Es traf ihn gut der Freund Geschoß. Er stell Den Sieg sie erfochten haben. Und wenn den Knaben schon ^eses gerathen Wie werden erst leuchten d,eMannesthatenI So floffen nun die Jahre hin An beider Kinder heit'rem Smn; Der eine liebte Blumen gar sehr. Und pflückte den halben Thiergarten leer, Der andere Insekten und Eichhörnchen ragte, Das ganze Thierreich er hchte und plagte. Sie lernten viel in allen Weisen, Auch Erziehungstalent sie thaten beweisen. Es hielt fich jeder einen Hund Doch beim Erziehen gibt viel sich kund, Der Rudolf war zu mild gesinnt, Doch Fritze nur für Strenge stimmt Und wie's nun geht, Ihr wißt es schon, Der Strenge trug den Sieg davon; Denn Springen, Tanzen unb w4e» Sefcen Das war des geplagten „Prettis Leben. Doch ach! „Fidel", der Verwöhnte, blieb dumm, Hochverehrtes Publikum! Ein Jeder hat so seine Noth; Biersupp' haßt Fritzchen, w,e den Tod Und hätte der Gouverneur mcht erzählt, Daß alle seine Ahnen sich damit gequält Und dadurch so ganz unvermerkt Zu Heldenseelen sich hätten gestärkt, Die Suppe wäre nimmer gegeffen, Gewiß die zweite Portion vergessen Doch so, da ging es wunderschön, — . , Die Resultate werdet dereinst Ihr sehn! Gegensatz dazu einen ganz ungeheuren Abscheu vor . ^Weniger indiscret erscheint es uns, wenn da verrathen wird, daß der jugendliche Prinz und.des. gleichen sein Gefährte Rudolf je einen Hund be. spaßen, bei denen sie ganz und gar entgegengesetzte Erziehungsmethoden in Anwendung brachten. Des Prinzen Friedrich Vierfüßler, „Pretti hwß er wurde mit militärischer Strenge erzogen. , Der bracht' es auch zu etwas. Der konnte springen, tanzen, Pfötchen geben, exerciren, schön machen u. s. w. Nicht so aber Rudolfs Köter „Fidel." -Der blieb bei seines Herrchens mildem Erziehungssr)stem dumm wie Bohnenstroh! Und dann--doch ich will das Lied selbst erzählen lasten. - Wer s verfaßt hat? Ich weiß es nicht genau, wohl aber das, I daß es authentisch ist, und daß sich der Kaiser, wenn die Geschichte auch bereits 41 Jahre her ist innert: Also der Leierkastenmann sang auf dem besagten Kinder.Hof-Maskenball: „Hier kommt der alte Leiermann, Ihr Leutchen tretet nur heran Und hört die niedlichen Geschichten, Die ich Euch jetzund will berichten- armer, armer Mann, wie hat er wohl gelitten!" rief sie mit schmerzlicher Stimme, wahrend ^.hrane über ihre Wangen liefen. „Es giebt _ kem edleres ßen als das seine! Ich muß zu meinem Gatten, B) werde ihm jubelnd zurufen, daß ferne Unschuld entdeckt ist! Und Ihnen, Pau Schmidt sage ich meinen unbegrenzten Dank ur das Gluck, welches | Sie meinem Hause gebracht. In Begleitung Langenbach s, der nach dem alten Kastellan sehen wollte, verließ die Geheimrathin das Jägerhäuschen. Sie konnte es nicht erwarten, ihrem Manne die Freudenbotschaft zu bringen. Im Schlosse angelangt, befahl sie einem Diener, Langenbach in-das Zimmer des Kastellans zu geleiten und iraate ihn darauf, ob ihr Gatte zu Hause ser. ^„Der Herr Geheimrath wird auf fernem Zimmer sein" erwiderte der Diener. Langenbach entfernte sich mit Letzterem und Alexandra ging an Wolter's Zimmer und Hopf e an die Thür. Als Niemand Herein nef, öffnete sie dieselbe und sah, daß es drinnen^ dunkel l war. Sie entzündete eine Lampe und erblickte sogleich den Brief. (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich und das Leierkastenlied. (Aus unseres Kaisers Jugendzeit.) Miigetheilt von R- Trebor. (Nachdruck verboten.) Vor mir liegt ein kleines Lied eines Leierkasten- | Liedlein schwatzt indiscreterweise gar manches aus, von der frühesten Jugendzeit »unseres Jritz" bis hinein in seine JüngliNgszahre, und laß uns^ da ohne weiteres erfahren, was Mir , war ch kaiiorlicb osmanischer Unterthan — schon dadurch, daß ich den Inhalt des Liedes publieire, dm ,,Orden ™ l’mdiscretion, an der seidenen Schnur sicherlich einbrächte. Aber in Anbetracht, daß wir im großen Deutschen Reiche wohnen, wo man gern anch^in ferneren Zeiten von des besungenen Helden^ uniert Fist?, Thun und Lasten hört, geb' ich Lick, des alten Leierkastenmannes, der dastelbe nn0 1847 im Februar gelegentlich eines Hof- Kinder - Maskenballes vortrug und, auf bemalte Leinwand "mit dem Stabe weisend, anschaulich wackle - bier wieder. Ja, ich geb's hier wieder, j ' T' in hem Lied des Leiermannes gar entsetz- - Le Dinge verrathen werden vom Prinzchen | Friedrich und seinem Erziehungsgenossen Rudolf \ öon,Em°aüch gar zu indiseret! Was haben sich s x Andere darum zu kümmern, daß der junge! PMz Friedrich allzugern Chokolade trank und im 6 3 a s r 9 9 3 a L a 9 i 9 ä l 5 6 1 9 Du Laß' s an Dei Profess schäft! Prophe offenba sich nei mann, dem I. 3 Un noch re Wi sich mit vor-chri schon d uno ab barkeit. thum, Sinnbi aufersta Sünder der Un lings'E 159 Di« Musik nur hat es ihm angethan, Concerte mußte er oftmals hören, — Da hätt' er sich gerne gezeigt mit Ehren. Doch wißt Ihr, was er am besten vertrug? Die Chokolade, die man dabei austrug, Und wenn dann Liszt so 'ne Saite zerschlug, Das war für ihn wie Sphärengesang. Jetzt aber thut er sich baß hervor, Denn nächstens gehört er zum Offizier-Corps; Doch um zu der Würde zu gelangen, Da kostet es noch viel Seufzen und Bangen. Schon Morgens um 5 Uhr — glaubt Jhr's wohl? Da sagt er dem Schlafe Lebewohl, Nur um sein Pferd sich selber zu putzen Und seine Montirung zurecht zu stutzen. Mit Leib und Seele exercirt er, Voltigirt, reitet und einstudirt er Und 12 Grad Kälte kaum verspürt er. So muß es aber auch jeder anfangen, Der will zu hohen Ehren gelangen. Ich kann seine Zukunft Euch prophezeih'n Und wahrlich, die wird glänzend sein. Jetzt sreilich, Ihr Leutchens, schweigt noch die Geschichte, Doch in dem lieben, hübschen Gesichte, Das glaubt nur, liegt so viel gutes geborgen, Sein Walten wird leuchten wie Sonne und Morgen, Und jeder im Volke, groß und klein, Wird seines Erscheinens sich herzlich freu'»"! Du mir unbekannter Leiermann vom Jahre 1847! Laß' sie Ausstellungen machen, so viel sie wollen an Deinem Leierkastenlied, laß' sie, die Dichter von Profession, bemängeln Deine poetische Künstler- schast! Die glänzende Sehergabe, die Du einem Propheten gleich, zum ' Schluffe Deines Liedes offenbarst — müssen sie schweigend anerkennen und sich neigen vor Dir. Ja, Du „ alter “ Leierkastenmann, Du hast's wahrlich getroffen, wenn Du von dem Jüngling von anno 1847, sagst: „Jeder im Volke, groß und klein, Wird seines Erscheinens sich herzlich freu'»!" Und so möge es Deutschland vergönnt sein, noch recht lange Kaisers Friedrich sich zu erfreuen. Das walte Gott! Vermischtes. Wie alt sind dieOstereier? — Die Sitte, sich mit Eiern zu beschenken, reicht zurück bis in's vor-christliche Alterthum; — galt doch bei den Alten schon dar Ei als etwas Heiliges, Geheimnißvolles, unv al» ein Symbol der Schöpfung und der Frucht- barkeit. So verpflanzte es sich auf das Christen« thum, in neuerer Form und Bedeutung, um das Sinnbild des Erlösers darzustellen, der vom Grabe auferstand zum Leben, auf daß die Menschheit die Sünden abstreifr, zur Wiedergeburt, zur Hoffnung der Unsterblichkeit. Und wie man einst der Früh« lingt'Göttin Ostara Eier zum Opfer darbrachte, so brachten später die Christen den Geistlichen als Ostergaben Eier, bunt gefärbt nach altem Brauch, besonder«: roth und gelb, doch später auch verziert mit christlichen Emblemen: Engeln, dem Christkind, ode dem Lamme mit den rothen Friedensfahnen. Da zur Frühlingszeit am Osterfest die Natur erwacht zu neuem Leben, so wuchs die Sitte mehr und mehr, just zu Ostern sich mit Eiern zu beschenken, dem Symbol der schöpferischen Kraft. Außerdem besaß die Sache auch — als Revers — noch eine praktische äußerliche Sitte! — Zn jenen fernen Zeiten nämlich, da das Goldland Amerikas noch nicht entdeckt war, stand das edle Metall noch in größerem Werths in Europa, und Gold war noch ein rarerer Artikel, wie in unserer Gegenwart. — Folglich mußte man sich oft mit Naturalien dafür helfen, — auch betreffs der üblichen Gaben an dis Geistlichkeit, zu verschiedenen Jahreszeiten, und weil im Ostermonat es schon viele Eier gab, so entstand eine Schenkung: „Das Osterei" genannt, welches die Geistlichen ihrerseits oft in so großer Zahl erhielten, daß sie nicht nur den Armen den gewohnten Anthetl zukommen ließen, sondern auch sonst davon abgeben konnten. Dies Alles verbunden mit manch' anderer alter, znm Theil uralter Sitte, bürgerte das Ei immer mehr zum Attribut des Osterfestes ein, wozu noch kam, daß auch die Taufpathen bei verschiedenen Gelegenheiten — darunter auch zu Ostern — ihren Pathenkindern: „Wasch-Eier" zu schenken pflegten, wohl in Beziehung zur „geistigen Abwaschung durch die Taufe" stehend. Wieviel Freude, Spiele, Lust und Scherz sich für Groß und Klein an das Bescheeren, Verstecken. Suchen und Finden der Ostereier knüpft, ist ja allgemein bekannt, ebenso in welch' hohem Grade die Industrie» ja sogar die Kunst, sich der Verzierung und Verfertigung von Eiern aller Art und Größe bemächtigt hat. — Um schließlich noch der — besonders für dis Kinder- | weit — hochwichtigen Persönlichkeit zu gedenken, deren viel in Anspruch genommene Thärigkeit darin besteht, zu Ostern die unzählig vielen Eer zu legen, so sei zur Biographie des berühmten, allbelievten und gekannten: „Oster-Häslein" nur constatirt, daß er diesen verantwortungsvollen Posten seiner großen Fruchtbarkeit zu verdanken haben soll. Jedenfalls besteht das Ehrenamt des heißersehnten Osterhasen darin, möglichst schöne und süße Portraits von seiner werthen Person zu verschenken, sowie möglichst viele und schöne Eier zu verstecken, — für Jeden, welcher sie zu finden weiß: — Viel Vergnügen 1 Das Iuöikäum der Krau Kartoffel. Das gegenwärtige Jahr 1888 ist bekanntlich ungewöhnlich reich an Jubiläen der verschiedensten Art und unter ihnen ragt ein ganz eigenartiges Jubiläum hervor; In diesem Jahre sind drei Jahrhunderte 160 tcI (Fr. Chr. Pictsch) in G'chrrr. vergangen, daß aus deutschem Boden zum ersten Male l ble Kartoffel gepflanzt wurde. Es geschah dies du. ch den Botaniker Carolus Clusius, welcher in Wien mit de? Aufsicht der kaiserlichen Gärten betraut war. Clustus hatte von Philippus von Sten), dem dama« liaen Bürgermeister der Stadt Mons im Hsnnegau, zwei Knollen der Kartoffel und eins Frucht dieser zugeschickt erhalten, pflanzte sie im Anfang des Jahres ÄnffÄ»” Siu" di- ihr« X***Ä*Ä rum nlantarum historia“ und spricht ClusiuS am j Schlüsse die Ber.nuthvng aus, daß die Kartoffel wahr- I fcheinlich schon den Ziten bekannt gewesen sei. Heu.e, | roo jedes Kind in der Schule erfährt, daß die Kar- löffel von Franz Drake von Amerika nach Europa 2'Lt worden ist, möchte man vielleicht über diesen kleinen Jrrthum des Clustus lächeln, der indessen wohl m entschuldigen ist. Denn gewiß wußten nur die Nik^nitiffen aeleürtsn Leute der damaligen Zert um die i amerikanische Abstammung der Kartoffelpflanze, auch «ft fimp.it die damaligen Botaniker an, d-e Alten hätten alle eristirenden Pflanzen gekannt und wohl auch iS- L;« Kartoffel mit einer vom griechischen Ph'wwpyen Theophrastos beschriebenen Pflanze „Arachnide zu identificiren. Nebriaens steht die allgemein verbreitete Annahme, der berühmte & DraZ die Kartoffel zuerst toaction: A. Scheyda. - Druck und Berl-g dern nur die bekannten grünen Knollen der Staude servirt wurden. Die letzteren wurden noch dazu schön mit Mucker und Zimmt bestreut, aufgetragm und da ist 88 freilich erklärlich, wenn der zeitgenösfüche Chro- L ,u H--MU Miß. daß w ft-md-Im* d« Tischgenoffen gar nicht sonderlich geschmeckt habe