ausschließlich für die Ge- Mäbchen geile mächtiger er weiblichen a — sondern und Geistes- g noth, eine anschließen nnde ist, die len Schaden rder trennt." i dem ganzen -Heren Unter» arbeitstunden kritifirt auch welchen die m Lehrer bei ;rer mit der en. Es be> nmal Lehrer, nur tue gute, äter indessen en dieses In» Entwickelung t. Wir oei» igcn auf die ihrer Bitten eordnetenhans > Erklärungen herben Ton m Programm n der Gegner, ls den Herrn chauung hört ze mehr auf. selbst durch iertrauen auf ch der großen der Mädcher- en Volkes be- tlie ihr eigen» ilie ruht der >n, stch näher der drohenden »er Anstellung an Mädchsr- zu erwarten r jedoch sollie alb empfehlen md Leserinnen ite Bestimmung." iische Unterrichtsag (R. Appelius.) Girßem Hiehener Jamilienblätler. Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger. ÜTIsT™ Dienstag den 31. Januar. 1888. Die vertorene Wiöet. Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartm ann-Plön. (Fortsetzung). Er reiste hierher, und nachdem er stch vorher gründlich über alle Verhältnisse informtrt hatte, erstand er im Verkauft termin die Fabrik für einen verhältnißmäßtg niedrigen Preis. Sogleich legte er Hand an'» Werk, aber fast ein volles Jahr verging, ehe die Schornsteine wieder rauchten. Es war ihm gelungen, ein umfangreiches, an die Fabrik stoßendes Stück Land anzukaufen, auf welchem sich jetzt nicht allein eine Anzahl neuer colossaler Fabrikgebäude erhoben, sondern auf dem er auch eine Stadt im Kleinen mit regelrechten Straßen aufführen ließ, deren Häuser, wenn auch kleine, doch gesunde Wohnungen enthielten, in denen er seine Arbeiter unterbrachte. Er hatte e» verstanden, ein ausgezeichnetes technisches Personal zu engagiren, und es währte nicht lange, da war der frühere Ruf der Fabrik nicht allein wiederhergestellt, sondern er war noch bei W-stern größer und besser geworden. Es konnte nicht fehlen, daß die ganze Stadt, namentlich die Grschäftswelt, von Anfang an sich sehr lebhaft in Gedanken und Gesprächen mit einem Manne beschäftigte, der dis ehemalige, schon sehr große Stern» berg'sche Fabrik nun noch um das Doppelte vergrößerte. Es war selbstverständlich, daß Wolter während des Banes mit sehr vielen Leuten in Berührung trat; unter diesen gab es eine Menge Neugieriger, die ihn direkt nach seiner Vergangenheit fragten, und bann von ihm erfuhren, was vorhin schon erwähnt worden ist. Sehr bald hieß e» allgemein, daß das Vermögen, welches stch der neue Fabrikherr im Lande der Hottentotten häuptsächlich durch einen Handel mit Wolle und Straußenfedern erworben, aus vielen Millionen bestehe. Die» Gerücht, es mochte übertrieben fein ober nicht, umgab ihn, wie das so leicht bei Leuten geschieht, deren Reicht bum als ein fabelhafter angesehen wird, mit einem gewissen Nimbus, der vor dem Betreffenden einen Respect erzeugt, den auch Andere empfinden als diejenigen, die von ihm abhängig find, zumal dann besonders, wenn der reiche Mann sich eine all» festige Achtung zu verschaffen weiß. Und das war in jeder Weise der Fall. Es war kaum Jemand in der Stadt, von dem Überall so viel, sei es an der Börse, die Wolter täglich besuchte, oder in Familien- f cirkeln, oder an Biertischen, sowohl in den vor l nehmsten Restaurants, als in der schmutzigsten Kneipe I gesprochen wurde wie von ihm, und ein seltenes I Vorkommniß — bis dahin nur Gutes. Man lobte i seinen Wohlthättgkeursinn, an den niemals vergebens : appellirt würde, noch mehr aber die humane Be» ; Handlung seiner vielen Arbeiter. Es war bekannt, ■ daß Letztere bei ihm einen Lohn bezogen, wie ihn andere Fabrikanten nie gegeben hatten, und daß er ' im Uebrigen für sie und ihr Wohlergehen wie ein liebender Vater sorgte. So hatte er auf seinem Etablissement eine Kranken-, Sterbe, und Pensionskaffe errichtet, wozu jeder Arbeiter nur wenige Pfennige wöchentlich beisteuern mußte; was daran fehlte, legte Wolter freiwillig zu. Von dem ver- I hältnißmäßig hohen Lohne mußte jeder seiner Unter* gebenen den zehnten Theil, den der Kasstrer am wöchentlichen Zahlung? tage zurückbchielt, zu Anfang jeden Monats persönlich auf die Sparkasse tragen. So zwang er Alle, sich ein kleines Vermögen zu sammeln. Eine viertel Stunde von der Fabrik entfernt hatte Wolter eine An ahl Hektare Ackerland gekauft, das er in Scheffel eingetheilt hatte, von denen jeder Arbeiter einen zur Benutzung erhielt, um auf demselben seinen Bedarf an Winterkartoffeln zu bauen. Nur Faullenz-r und Trunkenbolde duldete er nicht, doch jagte er solche nicht eher fort, als bis er Beffemngsversuche mit ihnen angestellt; erwiesen dieselben sich als fruchtlos, wurden sie, um den Uebrigen bas böse Beispiel zu entziehen, ohne Gnade enilaffen; doch war es mehrfach vorgekommen, daß er die Familien dieser Unverbesserlichen heimlich unterstützt hatte. Es war nicht zu verwundern, daß bei einer solchen Behandlung sämmtliche Untergebene ihren Brotherrn liebten und verehrten und daß fir mit Lust und Freude ihr- Arbeit verrichteten und ihre Pflicht erfüllten. Zwar waren andere Fabrikanten auf Wolter ungehalten, und der Eine und Andere haranguirte ihn auch wohl an der Börse und stellte ihm vor, daß er die Preise verderbe und unter ihren Arbeitern Unzufrievettheit und Mißgunst hervorriefe, worauf er ihnen gelassen antwortete, daß sie es doch machen sollten, wie er, und wenn das ? Herz es ihnen nicht dietire, so müßte der Kopf e» | doch einsehen und berechnen können, daß das Mehr, f was er feinen Arbeitern gäbe, durch die Fröhlichkeit » und den Eifer, womit sie ihre Arbeiten ausführten, ; reichlich wieder eingebracht werde. Es vergingen nur wenige Jahre, da hatte man 50 Wolter bereits mit verschiedenen städtischen Ehren« . Ämtern betraut, bis er mit G.wisserchastigkea und i einem großen Aufwands von Arbeitskraft verwaltete, - so daß auch dies die allgemeine Anerkennung fand. Auch wählte man ihn in verschiedene Commissionen, in denen nicht allein über städtische, sondern namentlich auch über kaufmännische Angelegenheiten be- rathen wurde, und auch hier hatte man Gelegenheit, seine Intelligenz und Bildung, sein gesundes Urtheil, sein reformatorisches Talent und abermals seine Arbeitskraft und Hingabe an dis Sache zu bewundern. Man hatte bald erkannt, welch ein Gewinn für die ganze Stadt dieser begabte Mann sei, und als Anerkennung der Dienste, die er für dar öffentliche Wohl geleistet, sah sich die Oberbehördr veranlaßt, ihn als würdig einer Auszeichnung dem LandeZ- fürsten vorzuschlagen, in Folge dessen er bald darauf zum Commerzienrath ernannt wurde. Al» Wolter von Afrika nach Europa zurückgekehrt war, hatte seine Tochter erst soeben das sechste Jahr erreicht. Eine alte Dienerin, die von Deutschland aus schon die Mutter seiner Frau in das fremde Land begleitet hatte und wegen ihrer Treue und Anhänglichkeit seit lange schon al« zur Familie gehörig betrachtet wurde, war während der Schiffe- reisr Frieda's Pflegerin gewesen. Das blieb sie auch fortan, fie hätte auch keiner Andern die Sorge für das körperliche Wohl des Kindes, das ihr Abgott war, überlassen. In Hamburg engagirte Wolter für feine Tochter sofort eine Gouvernante, welche in den neuen Wohnort mit übersiedelte und vier Jahrs lang Frieda's Erziehung leitete, worauf fie sich mit einem Beamten verheirathets. Frieda wurde jetzt in eins Töchterschule geschickt, und zwar that der Vater e», weil er glaubte, daß der Unterricht in einer solchen ein vielseitiger sei und weil er hoffte, daß das etwas schüchterne und verlegene Wesen seiner Tochter in dem Umgang und dem täglichen Verkehr mit anderen jungen Mädchen sich leichter verlieren würde. Er hielt aber die Bildung des Herzens und die gesellige Bildung für evenso wichtig als dis des Geistes und dis Erlernung der Schulwissen- schäften, und da Ersteres nur im Hause gewonnen werden konnte, und mit Rücksicht darauf, daß an ihn immer größere gesellschaftliche AnforderunLsn gestellt wurden, die er nicht mehr Lust hatte, in Gasthäusern oder Restaurants zu erledigen, bemühte er sich, eine Dame zu finden, die nicht allein zu reprä- fentiren vermochte, sondern indem sie gewissermaßen Mutterstelle bei feiner Tochter vertrete, bei Letzterer auch die Herzensbildung übernähme und sie in Allem unterrichte, was außer den Schulkenntniffen sonst noch von einem jungen Mädchen gefordert wird. Es gelang ihm, eins Frau für diese Stellung zu gewinnen, die alle Bedingungen im vollsten Maße erfüllte. Dieselbe war die Wittwe eines adeligen Herrn, nach dessen Tod sich herausstellte, daß das ehemalige nicht unansehnliche Vermögen desselben fast gänzlich zusammengeschmolzen war und daß die Revenuen des Restes kaum aus; eichte», das Leben der Witwe zu feisten, viel weniger, ein standesze- Niäßes führen zu können. Frau von Rettwitz war eine feingebildets, liebenswürdige Dams von lieben- undmsrzig Jahren und mit fast allen angesehenen Familien der Stadt befreundet, zum Theil sogar verwandt. Schon bald, nachdem sie das Haus der Fabrikanten betreten, hatte sich zwischen ihr und Frirda ein inniger Band geknüpft; sie selbst war kinderlos, und es verging nur geringe Zeit, da hatte sie die Tochter des Hausrs in ihr Herz geschlossen, als wäre sie ihre eigens, und Frieda liebte sie mit gleicher Innigkeit wieder. Wolter hatte seiner dame d’honneur, was die häuslichen Angelegenheiten betraf, eine unumschränkte Herrschaft eingeräumt, und es währte nicht lange, da war durch Frau von Rettwitz, die ihren ganzen z Bekanntenkreis heranzog, sein Haus ein gesuchtes । geworden und er selbst in die ersten Familien der = Stadt eingsführt und mit ihnen in Verkehr getreten, s Man erkannte in der exclusiven» das kaufmännische | Element fast gänzlich ausschlikßsnden Sphäre sehr f bald, daß der Fabrikbesitzer nicht allein ein ehren- 1 weither, gediegener Charakter sei, sondern eine mehr j als gewöhnliche Bildung besäße. Drei Jahre später l kaufte Wolter die Schlanzsnburg mit dem dazu ge- l hörenden Areal, und noch in demselben Herbst war I während der Kaisermanöver, die in der Nähe der- i selben abgehalten wurden, auf dem Schlosse der - oberste Kriegsherr nebst Gefolge sein Gast, wonach s er nicht nur einen Orden erhielt, sondern auch zum - Geheimen Commerzienrath ernannt wurde. Fra» - von Rtttwitz hatte eine Nichte, die in Berlin wenn auch in auskömmlichen, immerhin doch bescheidenen i Verhältnissen lebte. Sie war die Wittwe einer ; Major Scharfenberg, der ihr nur ein kleines Ver- - mögen hinterlassen. Schon mehrmals hatte sie die f Tante im Hause des Fabrikanten auf einige Wochen - besucht. Gleich während ihrer ersten Anwesenheit f hatte str einen mächtigen Eindruck auf Wolter ge- > macht, der sich bei ihrem zweiten Besuch noch steigerte. Er war im Ganzen eine ruhige, leidenschaftslose Natur, dem das Herz bis dahin noch niemals unruhige Stunden bereitet; er hatte seins Frau herzlich geliebt, aber was sich jetzt in seinem Innern regte, war ein ganz anderes Gefühl, und ein Schrecken erfaßte ihn, als es ihm klar wurde und er dis Ueberzeugung gewann, daß das, was er für ; Alexandra empfand, dis wirkliche erste Liebs fei, die ihn in so spätem Alter noch ergriffen. Er war aber Mannes genug, seine Gefühls lange Zeit zu unterdrücken, er sagte sich, daß er zu alt und zu häßlich fei, um bei einem Weibe von solcher Schön- i heit und solchen geistigen Eigenschaften Gegenliebe i erwecken zu können, und es gelang ihm dadurch, baß ; er sich dies täglich wiederholte, in so weit feine Eai- ; pfindungen zu beherrschen, daß sie ihn, was bereits i der Fall gewesen war, bei der Arbeit nicht mehr l störten. Da kam Alexandra zum dritten Mal, aber ms» ' er bis dahin mühsam znrückgehaltsn, brach mit vtt- 51 mehrer Kraft wied-r hroor. Sie war aus der Durchreis und blieb nur wenige Tage; als sie wieder abgereist war, vertraute Wolter sich der Tante, der Frau von Rettwitz, an und legte ihr die Frage vor, ob sie glaube, daß ihre Nichte, wenn er ihr einen Antrag mache, denselben annehmen würde. Frau von Rettwitz erwiderte ihm darauf, sie wiße, daß sie ihn achte und schätze, aber wie sie einen Antrag von ihm aufnehmen würde, darüber habe sie nicht die leiseste V-rmuthung. Sie erböte sich aber, an Alexandra zu schreiben und den Ge- danken einer ehelichen Verbindung in dem Briese, als von ihr ausgehend zu bezeichnen, dann würde man erfahren, wie sie überhaupt über eine solche Eventualität dächte, und Wolter bliebe dabei gänzlich im Hintergründe. Letzterer billigte den Plan und sprach hocherfreut seinen Dank aus. (Fortsetzung folgt.) Lokomotiven-Iagd. Von G. Kopal. (Nachdruck verboten.) Auf meinen Wanderungen durch den Süden der Vereinigten Staaten lernte ich einen alten Lokomotivführer kennen, welcher mancherlei Interessantes aus seinem vielbewegten Leben zu erzählen wußte. Eines der aufregendsten Abenteuer, die ihm passirt waren, sei hier mit seinen eigenen Worten wiedergegeben. Er erzählte etwa wie folgt: In mehreren Staaten der Union ist es bräuch- lich, die Sträflinge der Zuchthäuser auch außerhalb dieser Anstalten zu verwenden, z. B. zum Graben von Kanälen, zum Eisenbahnbau und dergleichen, selbstverständlich unter steter Aufsicht von Wächtern, deren scharfgeladene Büchsen und Revolver von Fluchtversuchen abschrecken sollten. Nichtsdestoweniger gelang es immer Einzelnen, zu entkommen. Ich hatte vor etwa zwanzig Jahren eine Anstellung an einer Wrst.Karolina.Bahn, deren Route zu den schwierigsten und gefährlichsten gehörte, welche es in den „Staaten" geben mochte. Sie hatte einen Gebirgs-Abhang zu pafsiren, an welchem dir Schienen- stränge im Zickzack htnaufführten, mit den schärfsten Krümmungen natürlich; die Ingenieure, welche seiner Zeit den Bau leiteten, hatten mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen, die aber sämmtlich genial überwunden worden waren. Nur an einem Punkte hatte fort und fort die Menschenkraft mit dem Walten der Natur zu kämpfen. Ganz nahe der Kuppe des Bergzuges war da eine Strecke, welche dauernde Beaufsichtigung erforderte und .den Aktionären der Bahn viel Geld kostete; wir nannten sie die Geröll-Strecke. Die Felsenwände an beiden Seiten des Bahneinschnittes zerbröckelten nämlich stetig und nam^ulich nach jedem Regengüße lag so und so viel Geröll aus den Schienen. Es waren genügend Bahnwärter dort postirt, um die Geleise ste's frei zu erhalten, aber von Zeit zu Zeit mußte ein eigener Zug kommen, um das zu beiden Seiten der Bahn aufgeschüttete Geröll zu entfernen. Das war der sogenannte „Kier.Zug". Er brachte eine Anzahl Zuchthaussträflinge, welche die Waggon» vollschaufelten, nebst den bewaffneten Aufsehern. Eines schönen Julimorgens hielt ich auf einem Nrbengeleise dieser „Geröll-Strecke" mit meiner Lokomotive, welche zum „Vorspann" diente; nahe dem Gipfel des Berger konnten nämlich die Züge nicht mehr durch die Kraft einer einzigen Lokomotive über die steilsten Steigungen hinweggebracht werden, und da wurde dann die zweite Maschine, diejenige, welche ich führte, vorgelegt. Arff einem zweiten Neben- geleiss hielt der „Kies-Zug." Die Sträflings schaufelten Karren auf Karren voll; die Aufseher plauderten sorglos mit einander, denn wie hätte ein Fluchtversuch stattfinden können, wo auf beiden Seiten schroffe Felswände hinaufstiegen, beten Gestein schon von selbst locker zerbröckelte? Da wäre keine Katze hinaufgeklettert! Der Kie«-Zug war beinahe mit dem Geröll gefüllt. Seine Lokomotive stand natürlich abgehängt wenige Schritte abseits; ihr Führer hatte Mes zur Abfahrt bereit gemacht und umging nur noch einmal mit der Schmieröl-Kanne in bet Hand prüfend dis I Räder und Achsen. Dann näherte er sich dem Zugführer .... und im selben Moment sehe ich, der ich auf meiner gleichfalls zur Abfahrt völlig fertigen Lokomotive stehe, wie einer der Sträflinge die Schaufel hinlegt, rasch wie der Blitz zur Kieszug-Lokomotive läuft, hinaufspringt und den Hebel dreht — sie setzt sich in Bewegung I Mein lauter Alarm-Ruf kommt zu spät. Zwar feuert sofort ein halbes Dutzend Aufseher die Schußwaffen gegen den Flüchtling ab, aber dieser duckt sich hinter die schützenden Blechwände des Tender», und die Kugeln gehen entweder in die Luft oder klatschen wirkungslos gegen die Lokomotive. Ein nahestehender Eisenbahn.Angestellter, bei welchem die Maschine noch ziemlich langsam votbeifährt, will hinaufspringen, aber der Sträfling hat sich mit der Kohlenschaufel bewaffnet und holt zum Schlage aus; erschrocken prallte der Beamte zurück. Der fliehende Sträfling Hai freie Bahn. Und eine halbe Stunde vor uns, bergabwärts, kommt ein Paflagierzug, derselbe, dem ich hinauf- helsen sollte! Rssch entschlossen rufe ich: „Ich verfolge ihn! 5 Stellt die Weiche um. Rasch, rasch I" Der Weichen- | stellet gehorcht mir, mein Heizer springt zu mir I herauf, auch noch ein Gofängniß-Aufsehet steigt noch ? auf, und vorwärts geht's, bald mit voller Schnellig- | feit, so daß wir bergabwärts mit rasender Ge- ” schw'mdigkeit dahmflogen. 52 Jetzt erst kam ich zum Ueberlegen besten, was ich gethan hatte und was ich thun wollte. Ich frage den Wärter: „Ist der Kerl ein gelernter Lokomotivführer?" „Nein, meiner Mistens nicht." „Dann hat er wahrscheinlich nur meinem Kollegen abgesehen, wie der Hebel gedreht werden muß, um Dampf zu geben. Es ist sehr die Frage, ob er auch das Stoppen versteht. Er wird sich die Sache so gedacht haben, daß die Maschine nach und nach langsamer laufen und von selbst stille stehen werde." „Oho", lachte der Wärter, „jetzt ist durch seine Rechnung ein Strich gemacht. Wenn seine Loko- mottve langsamer fährt, find wir sofort zur Verfolgung da. Es ist lobenrwerth von Euch, Landsmann, daß Ihr sofort an die Habhaftwerdung des Verbrechers dachtet." Ich spie mein Priemchen Kautabak aus und antwortete ernst: „Ob der Flüchtling entkommt oder nicht, ist mir vollständig gleichgültig. Für mich handelt es sich um die Rettung von zweihundert Menschenleben. Läuft die schwere Frachtzug-Lokomotive des Kies-Zuges in den Passagier-Train hier auf diesem gefährlichen Abhang, so kann möglichen- falls kein Knochen heilbleiben." „Und was soll denn geschehen?" fragte bestürzt der Wärter. »Ich weiß es selbst noch nicht. Schlimmstenfalls lauf ich direkt mit meiner Maschine auf die Kieszug-Lokomottve und lasse Alles über den Haufen fliegen in Trümmer und Splitter; dann wird der bergauf kommende Zug 'das Hinderniß schon sehen und rechtzeitig stoppen." „Dabei sind aber auch wir verloren?" „Ja." Mein Heizer Bill, ein braver Junge von achtzehn Jahren, schüttelte mir die Hand: „Recht so, Kollege. Ich bin dabei." Der Wärter aber war todtenbleich geworden. „Lassen Sie mich abspringen!" bat er. „Keine Möglichkeit. Fahre ich langsamer, so holen wir die andere Lokomotive nicht ein." Und dabei sausten wir pfeilschnell dahin, über Krümmungen, wo uns das Haar zu Berge stand, an AbgründLn vorbei, mit voller Dampfkraft. Er war eine tolle Fahrt, mir schaudert noch, wenn ich daran denke I Aber Fuß um Fuß näherten wir uns der Kies» zug-Lokomotive. Sie war für Frachtzüge bestimmt, schwerer als die meinige. Da endlich, als wir ron ihr noch etwa 50 Schritt entfernt sein mochten, wandte ich mich zu dem Gefängniß-Aufseher: „Jetzt machen Sie Zhr Gewehr schußfertig und rufen dem Entflohenen zu, daß er halten solle, sonst würden Sie Feuer geben." Die Aufforderung war fruchtlos, der Mann lag zitternd, halb ohnmächtig auf den Kohlen des Tenders und lallte unverständliche Worte. Ich nahm ihm da« Gewehr fort und gab es an Bill. „So, nun rufe dem Kerl zu, daß er den Hebel wieder zurückbreht, und drohe, wenn er das nicht thue, Feuer zu geben." Bill sprang nach vorn auf das Trittbrett, welches längst der Lokomotive läuft. Das Rufen aber half nicht«, bet der rasenden Schnelligkeit, mit der die Lokomotiven dahinflogen, wurde jeder Ton verschlungen. Da drehte sich der Flüchtling herum und warf einen Blick auf uns. Als er die drohend erhobene Schußwaffe in der Hand des Heizers sah, erschrack er und spang mit einem verzweifelte » Satze von der Lokomotive hinab in ein Gebüsch. Er mußte verloren sein, denn das Gebüsch wuchs am Rande eines schauerlichen Abgrundes. Nun kehrte Bill zu mir zurück: „Was jetzt?" fragte er. Wir sausten gerade über eine Krümmung, die uns den freien Ueberblick der unter uns liegenden Strecke gestattete. Ich sah dm Paffagierzug kommen, noch ziemlich weit entfernt, aber es war die höchste Zett. „Ich will versuchen, von unserer Maschine auf die andere hinüber zu springen. Es ist sehr bedenklich, aber es muß gewagt werden. Komme ich zu Schaden, so weißt Du, Bill, was Du zu khun hast." Wir verstanden un«. Mit der Maschine wußte Bill gut Bescheid, das war mir bekannt, doch gab ich ihm rasch noch einige Anweisungen und begab mich dann nach vorn. Beide Maschinen liefen nut gleicher Schnelligkeit; ich hatte die meinige so genau l regulirt wie nur irgend möglich. Endlich befand sich der Tender einige Fuß von mir, Zoll auf Zoll verminderte sich die Distanz — da wagte ich een Sprung. Auf ein Haar wäre derselbe mißglückt, nur mit einem Arm konnte ich mich zunächst anklammern, aber krampfhaft hielt ich fest und es gelang schließ, lich, ich konnte mich hinaufziehen. Im selben Augenblick hatte Bill Kontredampf gegeben, die Bremsen angezogen und die Sandkasten geöffnet. Gleich darauf that ich dasselbe. Beide Lokomotiven hielten. Da bog um dir nächste Krümmung der Paffag'er- zug, langsam die Bahn hinauskeuchend. Es war gerade im letzten Augenblick noch gelungen, den Zusammenstoß zu vermeiden. Der Körper des Sträfling» wurde hernach total zerschmettert in der Schlucht gesunden; nur an dem buntgestreift« Zuchthaus-Anzug konnte er erkannt werden, so furchtbar waren Kopf und Glieder verstümmelt. Redaktion: A. Gcheyda, •* Druck «nb Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen,