'Yl Professor von \ 1 ien hergestellt. • m Jrrenhause, , indem inter- m, Hypnotisir- 1 in fortlaufend anntlich ist es iicksanfnahmen Firma Gadicke im wesentlichen i und hat die i/i0 Sekunde >te fast gleiche .st der bekannte n auf den Gees im Dunkeln at nämlich im urchmesser, als inzelheiten um 'nahmen gefun- ingen ic. geben , welcher sonst >n Augenspiegel -sem Verfahren rofefsor Mn, aß erst nachher t, nachdem die sln bereits er- CH. T. — herrschte früher lz hauen durfte, ier nicht so sehr daß alle Haus- nem bestimmten io sie das Holz te daselbst zwei :nde aus seiner ren die Bäume um einen mit aus uni) gingen ährre. r Frauen, denn sie ls sie früher waren, n Personen, denn hast ausweichen, es h ausführen. Durst und Kälte. :: Ihre Kraft und um Vorschein, wenn ■fcn sind. ll er auf Niemand > auf ihn hören. eine merkwürdige jungen beider felten ßnchener Familien Glatter. Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger. Nr. 62. Dienstag den 29. Mai. 1888. Der Gröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) Alr'Olla am nächsten Tage im Begriffe stand, ■ dir Villa zu verlassen, um ihren gewöhnlichen Besuch abzustatten, traf sie auf der Terrasse ihren Vormund, welcher ihr in geheimnißvollem Tone mittheilte, daß er eine wichtige Sach: mit ihr zu besprechen habe. Verwundert und einigermaßen beunruhigt, folgte sie ihm bis an den Meeresstrand, wo kein Zeuge sie zu belauschen vermochte. „Ist es Euch nicht aufgefallen", begann er, „daß sämmtliche Landsleute, die neben uns wohnen, der reichen englischen Erbin und künftigen Besitzerin eine» fürstlichen Vermögens, welche unter meiner Vormundschaft steht, noch keinen Besuch gemacht haben?" „Aufgefallen ist e» mir allerdings", entgegnete Olla in stolzem Tone, „aber ich kann derlei Nach- lässigk iten verschmerzen." „Ist es Euch nicht aufgefallen, daß mich neulich mein Freund, der englische Kaplan, besuchte, ohne, wie es die Regel der Höflichkeit erfordert, auch bei Euch vorzusprechsn?" „Allerdings; der Mann ist eben kein Gentleman." Gower lächelte höhnisch vor sich hin. „Und jene ganz: englische Gesellschaft, welche uns unlängst bei einer Bootsfahrt auf dem Meere begegnete und die Euch mit so merkwürdig mitleidsvollen Blicken betrachtete, bestand sie nicht au« Gmtle« men und Ladies?^ „Doch, doch! Aber ihr Betragen war zum Mindesten sehr sonderbar und heute noch fehlt mir jede Erklärung darüber." Gower war stehen geblieben und blickte nun dem schönen, jungen Mädchen mit unsagbar dreistem Ausdruck in da« unschuldr volle Gesicht. „Die Erklärung vermag ich Euch zu geben: Ihr geltet in der ganzen englischen Gesellschaft al» eine kleine Wahnsinnige. Ich selbst habe da« Gerücht verbreitet, daß es in Eurem Kopfe nicht richtig sei und Ihr werdet nun begreifen, daß man Euch bemitleidet, fürchtet und jeden Umgang mit Euch meidet." Todtenbleich war Olla einige Schritte zurück- getaumelt. „Das war eine bübische Handlungsweise, die Sie vor Gott zu verantworten haben. Darf ich den Grund dieser Verbreitung erfahren?" „Natürlich, mein schönes Kind! Indem Ihr allgemein als eine jener Unglücklichen geltet, die nicht Herr ihres Verstandes sind, findet man es begreiflich, daß ich Euch durch drei Diener und einem großen Hund bewachen lasse. Macht einen Fluchtversuch — Niemand wird Euch Hilfe leisten, Niemand ein Unterkommen gewähren. Ich habe diese» Gerücht verbreitet, um Euch ganz macht- und hilflos zu machen, ich habe es gethan, um den heißesten Wunsch meines Lebens in Erfüllung gehen zu sehen. Da« hilflose Mädchen — die arme Wahnsinnige, sie wird einwilligen müssen, meine Frau zu werden, oder — fuhr er in drohendem Tone fort: „sie verläßt dieses Haus nicht mehr, sie wird eine Gefan- gene im wahren Sinne des Wortes und Jedermann wird es begreiflich finden, wenn man erfährt, daß Ihr dieser Tage einen Selbstmordversuch gemacht habt." „Elender! Niemals wird Euer frevler Wunsch in Erfüllung gehen. Eher will ich auf dem Grunde de« Meeres liegen, eher lebendig begraben sein, ehe ich einwilligte, das Weib eines Schurken zu werden!" „Wir werden sehen", sagte Gower mit vor Wuth funkelnden Augen. „Ich bin sicher, mein Ziel zu erreichen. Ihr wißt nicht, was es heißt, gefangen zu fein, immer zwischen vier Wänden zu leben, wäh- rend auf der anderen Seite eine freie, angenehme Existenz, ein Lben der Freude und des Genusses an der Seite eine« geachteten Mannes winkt. Von heute an seid Ihr meine Gefangene, von heute an verlaßt Ihr dieses Haus nicht mehr und augenblicklich will ich die nöthigen Anordnungen treffen." Ein Gefühl von Schwäche überfiel das sonst so muthige Mädchen. Olla ließ es ruhig geschehen, daß er sie am Arme ergriff und dem Hause zu- führte. Wie im Traume sah sie in da« Gesicht Krigger's, sah sie in die wild funkelnden Augen des zottigen Wolfshundes, dann überkam sie eine wohl- thuende Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kam, fand sie sich mit Frau Poplcy allein und eine tiefe Traurigkeit bemächtigte sich ihrer. „Der arme Jasper", rief sie laut aufweinend. „Er erwartet mich in diesem Augenblick auf dem Felsen — der Unglückliche! Er wird heute warten und morgen und übermorgen und ich kann nicht zu ihm kommen. Möge Gott den Elenden strafen, der er sich zur Aufgabe gemacht hat, ein junge», schutzloses Mädchen zu peinigen und zu verderben!" „Wir wollen lieber an uns selbst bentn, Fräulein Olla, als an Andere", sagte d'e alte Frau ängstlich. „Dieser arme Blödsinnige ist bü den ----—,—— kN Siegen, A V\ 250 braven Fischerleuten ganz gut aufgehoben, aber Ihr, Fräulein Olla —" „Mach' Dir seinetwegen keinen Kummer", entgegnete Olla. „Ich bin jung und stark und kcmn diese Einkerkerung so lange tragen, als Herrn Go- wer's Geduld aushält." „Aber Einkerkerung ist nicht das Schlimmste, was wir zu befürchten haben", sagte Frau Popby in großer Angst. „Diese Eesangenschssi wird nur der Deckmantel zu vielen anderen Verfolgungen fern, schlimmer als die, welche Ihr in Neapel erdulden mußtet, bis Ihr entflohen seid. O, Ihr kennt Herrn Gower gar nicht so, wie ich ihn kenne, ich bin nur eine Dienerin und er hat es nie der Mühe werth gehalten, sich vor mir in seinem besten Lichte zu zeigen. Trotz seiner lächelnden Mienen und seiner glatten Mankeren ist er doch ein Schurke — er ist ein Tiger in Menschengestalt, Fräulein Olla. Was er sich in den Kopf setzt, das wird er ausführen, selbst wenn er sich gegen die Gesetze vergehen müßte. Ihr wißt nicht, was für einen eisernen Wllen er hat. Ich fürchte für Eure Zukunft!" „Die Vorsehung, die mich mein ganzes Leben lang beschützt hat, wird mich auch jetzt nicht ver- lassen", sagte Olla ruhig. „Laß uns recht muthig sein, Mutter Pople y, Muth wird wohl das Einzige Mn, dem Herr Gower Achtung zollt." „Wer aber kann in solch' einer Lage muthig sein?" fragte Frau Popley in traurigem Tone. „Ich halte Gower jeder Schlechtigkeit fähig und wäre gar nicht erstaunt, wenn er selbst den Versuch macht, Euch in das Irrenhaus zu bringen." „Ja, das zu thun ist er im Stande, und nach sein;« Drohungen zu schließen, glaube ich sogar, daß er cs wirklich beabsichtigt. Aber was kann es uns nützen, wenn wir all' diese schrecklichen Möglichkeiten erwägen? Nehmen wir diese Dinge lieber, wie sie kommen, gute, liebe, treue Seele. Leiden wir nicht zweimal — erst in der Erwartung und dann in der Wirklichkeit. Tausend Dinge können sich ereignen, ehe das Schlimmste geschieht. Er kann sterben — ich kann entfliehen - irgend Jemand kann kommen, um mich zu befreien, obwohl das so unwahrscheinlich ist, daß man gar nicht daran denken sollte. Ergeben wir uns in unsere Lage und verzweifeln wir nicht. Ich werde cs gewiß nicht thun." Olla trat auf die brave, alte Frau zu und legte ihre Wange liebkosend an die ihrer Amme. „Wäre es nicht besser für mich, das Alles allein zu ertragen?" sagte sie. „Du hast olle meine Leiden getheill, seit ich als zarte Waise zmückblieb und zu fremden Menschen kam. Liebe Mutter Poplr«, willst Du nicht nach England zmückkehren und in dem Dorf", wo Du geboren wurdest, Deine letzten Tage in Ruhe verleben? Dein Leben wird durch Deins Hingetung für mich ganz zerstört." „Fräulein Olla". sagte die alte Frau, ihre Lippen auf den kleinen schwarzen Kopf pressend, der jetzt an ihrer Brust lag, „wenn Ihr mir nicht das Herz brechen wollt, sagt so etwas nicht wieder. Jim ist mir nicht so fest an's Herz gewachsen, als Ihr! In Eurem ganzen Leben hebt Ihr mir nie ein hartes Wort gesagt. Ihr wäret immer so sanft und gut und auf mein Glück bedacht. Ich werde Euch nie verlassen, bis ich sterbe. Ich sage wie da» Weib in der Bibel: wohin Ihr geht, dorthin will auch ich gehen; wo Ihr weilt, da will ich auch weilen und ich will allen Kummer mit Euch theilen. Euch verlassen ! Ei, Fräulein Olla, das h'eßs aus dem war- men Sonnenschein in die kalte Finsterniß gehen." Die treue, alte Frau drückte die zarte Gestalt ihrer jungen Herrin noch inniger an sich und küßte st-- r n , „Du und ich, wir wollen unser Lebcnlang einan- der Alles sein, Mutter Pcpley", sagte Olla, an deren langen, seidenen Wimpern große Thränentropsen hingen. „Ich werde Herrn Gower nie hcirathen. Wenn ich meine Großjährigkeit erlangt haben werde, I werde ich mit Dir nach unserem geliebten England zmückkehren und ich will auch den armen Jasper Lowder dort haben. Er scheint meiner sehr zu be- dürfen, und ist mir so ergeben. Er wäre bei mir glücklicher, als er es hier ist." „Aber wenn Ihr heirathet, Fräulein Olla, werdet Ihr den armen Menschen nicht in Eurem Hause haben können?" „Ich werde i ie heirathm", entgegnete Olla ernst und traurig; „niemals!" „Aber Fräulein Olla, es ist die Bestimmung des i Weibes, zu heirathen. Euer Leben war so abgc- ! schieden, daß Ihr bisher noch nicht geliebt habt, i Aber Eure Stunde wird auch schlagen." Das bleiche, dunkle Gesicht röthete sich. Die ; leuchtenden Augen fer kle« sich unruhig. „Sprich mir nicht vom Heirathen", sagte Olla. ! „Hast Du je von Pygmalion gehört, der sich in die i Stallte verliebt, die er geschaffen hatte? Es scheint fast unmöglich, daß man eine Statue ohne Herz, \ Geist und Leben lieben kann. Ader seine Liebe gab seinem Werke alle diese Eigenschaften und sein Mar- , morbi ld wurde ein lebendes Weib! Und — und I — ich habe etwas Aehnliches erfahren — nur wird es nie so glücklich enden. Ich habe eine Stalue be- wundert, wclche athmen kann — ein geistloses Stein- ! bild. Ich liebe ihn nicht. Aber, Mutter Popley, wenn der arme Jasper Lowder im Besitze seines Verstandes gewesen wäre, würde ich ihn lieber gehabt haben, al« irgend einen Mann, den ich bisher gesehen. So bemitleide ich ihn nur." „Wartet nur, bis der Rechte kommt", sagte Frau Popby munter. „Es ist noch Zeit genug, Fräulein Olla I Auf der Terrasse unten steht jetzt auch Jim. Er wird Krigger nicht ganz seinen Willen lassen. Könnte Jim nicht nach Palermo zum englischen Konsul oder zu unserem Kaplan gehen und Eure Freilassung bewirken?" fragte Frau Popley, von einer plötzlichen Idee ergriffen. „Nein", erwiderte Olla bitter, „denn sowohl der Konsul, als der Kaplan und die anderen Engländer hallen mich nicht für ganz richtig im Kopfe. Sie 251 , als Ihr! lir nie ei» o sanft und werde Euch le da» Weib will auch ich weilen und . Euch ver- us dem war« 6 gehen." zarte Gestalt in sich und »lang einan« lla, an deren jränentropsen le hcirathen. haben werde, bten England rmen Jasper r sehr zu be« wäre bei mir in Olla, wer« Eurem Hause lete Olla ernst stimmung des war so abgc- geliebt habt. ete sich. Die V ", sagte Olla. der sich in die e? Es scheint ue ohne Herz, seine Liebe gab und sein Mar- Und — und — nur wird Ine Statue be« geistloses Stein« Diuttet Popley, Besitze seines i ihn lieber geben ich bisher I# id", sagte Frau genug, Fräulein jetzt auch Jim. Willen lassen, zum englischen ehen und Eure i Popley, von renn sowohl der oeren Engländer im Kopfe. Sie aekomu en. Als ihn Olla rief, erhellte sich sein trauriges, abgehärmtes Gesicht freudig. Er trat einige Schritte auf der Terrasse zurück und scheute mit am gebreiteten Armen zu ihr auf. ,,011a 1 Olla! schrie er in einer Art wahnsinnt- ßct Freude. „Hier bin ich, Jakper", sagte sie, sich über den Balkon lehnend. „Und Ihr seid zu mir gekrm- men? Ihr müßt mich vermißt haben!" Guy schaute bittend zu ihr auf. Ec konnte unmöglich verstehen, warum sie nicht zu ihm kam. „Komm', Olla!" rief er ihr zu. „Ich kann nicht kommen, Jasper", rief das Mädchen, mit Thränen in den Augen. „Mein armer Freund, ich bin eine Gefangene! Ich kann merre Zimmer nicht verlassen!" Abir der arme Guy konnte sie nicht verstehen. Er hielt fortwährend die Arme nach ihr ausgebreitet, während sein Gesicht immer bleicher und trauriger wurde. Sein blondes Haar flatterte um seine ernsten edlen Züge; feine schlanke Gestalt bebte. „Du kommst nicht, Olla?" rief er abermals md kläglicher Stimme, halb hoffnungslos und verzweifelnd. ’ Ehe sich Olla so weit gefaßt halte, um antworten zu können, schrie Krigger: „Marsch, fort mit Euch, Landstreicher! Wir haben stcengen Befehl, keinen Fremden hier einzu« lassen. Fort mit Euch!" Tressilian beachtete den Mann gar nicht. Seine Blicke starrten unverwandt nach dem schönen Mädchen auf dem Balkon empor — das ihn mit ihren großen, schwarzen Augen so traurig und mitleidsvoll anschaute. , „Ich warte auf Dich, Olla", rief er kläglich m-t zuckenden Lippen. , , , r Und er kann nicht verstehen, daß ich nicht zu ihm kommen kann', jammerte Olla, von furchtbarem Schmerze ersaßt. „Was kann ich thun?" „Wollt Ihr gehen? ' schrie Krigger noch wilder als zuvor. „Fort, blödsinniger Bettler, oder ich Hetze meine Hunde auf Euch!" ' Olla rang vor Schmerz und Entrüstung des $än,JD, das ist hart", murmelte sie. „Wir kann ich fein Flehen ertragen und der rohen U>rosrfchämt- heit diese» Kriggcr zuseh n? Ec wird es nicht wagen, ihm etwas zu thun." v Aihemlos und keuchend lehnte sie sich noch weiter gegen den Balkon hinaus und rief Jim Popliy. Ihr treuer Diener trat ernst und niedergeschlagen auf Tressilian zu, und zog vor seiner jungen Herrin den Hut. . „Geht mit ihm nach Haufe", befahl das Mge Mädchen. „Macht es ihm begreiflich, daß ich mcht zu ihm kommen kann. Seid freundlich m.t ihm, Poplcy, und jetzt geht!" Aber keine Ueb-rredung, kein sanftes Drängen, keine freundliche Erklärung Pophy'ü konnte Tressilian bewegen, sich von seinem \ Platze zu rühren. Er halte nur einen Geda; ken in UNS selbst kommen!" _ , , ™ s ' Sie entzog sich sanft Frau Popley's Armen und ging zu dem Kamin, vor welchem sie sich niedersetzte. Der Vormittag verging ohne Zwischenfell. In der Mitte des Nachmittags, als Olla emsig zeichnend am Fenster faß und Frau Popley neben ihr sich mit einer Näharbeit beschäftigte, drang von der Terrasse ein Lärm wie von einem heftigen Streite ^“öljne Zweifel streiten die Dienfileute mit einander", sagte Olla, ohne von ihrer Arbeit auf« zuschauen. „Am ist vorsichtig genug, sich Euretwillen von jedem Streite fern zu halten, Fräulein Olla", sagte die alte Frau ruhig. „Die Uebrigen sind im Stande, sich gegenseitig umzubringen. Sie sind gar heißblütig , diese Sicilianer!" In diesem Augenblick hörte man den großen Hund heftig bellen. Kaum war das Bellen auf Krigger s Befehl verstummt, als ein anderes Geräusch zu den Gefangenen heraustönte. , , , „ Es war eine traurige, klagende, doch helle und klare Stimme, welche im kläglichen Tone rief: „Olla! Olla! Olla!" Das junge Mädchen ließ den Bleistift fallen, sprang auf und eilte an'» Fenster. Sie riß es auf und flog auf den Balkon hinaus mit glühenden Wangen und fliegendem Athem. „Jasper!" rief sie. „Jasper, wo seid Ihr?" Ihr Gehör hatte sie nicht getäuscht. Es war die Stimme Guy Tresstlian's, dir sie bei dem Namen tief, dm sie ihn gelehrt hatte. Und Gvy stand unten auf der Terrasse fast unter ihren Fenstern und sein bleiches Gesicht war ängstlich suchend empor gerichtet. Ec sah lummer» voll und niedergeschlagen ou», al» ob er sich unbestimmt irgend eines großen Schmerze« bewußt sei. Ein kleiner sicilianisches Mädchen hielt ihn fest bei der Hand. Den ganzen Morgen hatte Gvy vergeblich auf Olla's Kommen gewartet und war mit jeder verrinnenden Stunde ängstlicher und ruheloser geworden. Er hatte sich geweigert, sein Mittagsmahl einzunehmen und hatte sich bald darauf von dir Hütte fortgeschlichm, offenbar gesonnen, Olla zu suchen. Er war schon über die Hälfte des Hügels hinab- gestiegm, als Frau Vicini ine Flucht mtdeckce. Sie folgte ihm sogleich und Holts ihn in dem kleinen Dorfe ein, das auf dem halben Wege zwischen ihrer Hütte und der V lla Bella Vista lag; aber all' ihr Zureden, mit ihr umzrkehre.i, war recgeblich. Er hatte nur e'ne Erwiderung auf alle ihre Worte; dm kläglich ausgesprochenen Namm — Olla. Und endlich wurde Frau Vicini's Klugheit von ihrem Mitleid für ibn übermannt. Ein kleines Dorfmädchen, das den „armen jungen Engländer" nach der Villa führen sollte, war bald ge unden; Frau V'c'mi wollte seine Rückkunft in dem »Met. mit Ml «etfenl Unter« S'lft muß non D°-s--r-M-u und »ar «™ k “«* 252 seiner Seele — und dieser Gedanke war Olla. Niemand sollte ihn von ihr fortbringen. „Geht fort, Kleine, ich werde den Hund lor- lassen I Ich wll doch sehen, ob er nicht geht, wenn man ihm befiehlt!" rief Krigger aus. Ein Kreischen ertönte gleichzeitig von der Haushälterin auf der Terrasse und von Frau Popley auf dem Balkon. Krigger hätte seinen unmenschlichen Vorsatz auch ausgeführt, wenn nicht in diesem drohenden Augenblick Herr Dcverevx Gower auf dem Schauplatze erschienen wäre, um fich nach der Ursache der Lärms zu erkundigen. Ein einziger Blick verrieth ihm, was vorging und feine Stirn umwölkte fich. (Fortsetzung folgt.) Der Hfironcandidat. Eine heitere Geschichte aus Bulgariens jüngster Vergangenheit von H. Atony. (Schluß.) „Nicht erst zu Neujahr, Herr Thron, noch heute unbedingt müssen Sie Visitenkarten haben, ich kenne in der Nähe eine lithographische Anstalt, da kann man unter fünf Minuten ein anständiger Kerl werden — nämlich Visitenkarten bekommen. Nichts für ungut. Das nennt man Schnellpressendruck." „Aber verzeihen Sie, Herr Strobel, zu welchem Zweck, — weshalb soll, oder muß ich denn gerade heute noch „unbedingt" Visitenkarten haben? — ich beabsichtige ja gar nicht irgend eine Visite zu machen — außerdem —" „Außerdem", erwiderte Herr Strobel mit einer an Grobheit streifenden Energie — „außerdem besteigen wir jetzt sofort den ersten besten Fiaker, fahren zu mir, — frühstücken ordentlich, und da Sie leichtsinniger Weise Ihren Ueberzieher zu Hause vergessen haben, ziehen Sie meinen Gala-Pardessus an, — auch einen frischen Stehkragen müssen Sie anlegen — rafiren müssen Sie sich lassen — Handschuhe ? — na die vom Journalistenball, die werden Ihnen passen — so — der Plan ist fertig — Halt! — dann kommt die Hauptsache — die Visitenkarten!" „He! Fiaker! fix nachanander — Panigelgasse Nr. 13!" so rief Herr Strobel die Nr. 320 an, und trotzdem der arme Candidat der Theologie, Ferdinand Thron, seinen Freund und Gönner, den Journalisten Strobel, hoch im Verdacht hatte, daß er urplötzlich übergeschnappt sei, ließ er sich in christlicher Demuth in den Fiaker schieben und rollte in Wiener Fiakergeschindigkeit an der Seite des Herrn Strobel der Panigelgasse zu. Es war 3 Uhr Nachmittag. Im Hotel Metropole herrschte große Aufregung. Hieß es doch, daß der bulgarische Throncandidat Prinz Ferdinand von Sachsen-Koburg der Deputation, welche ihn auf Schloß Ebenthal bei Dürnkrut in Niederösterreich „heimgesucht" hatte, ihnen dies heute zurückbezahlen wolle, nämlich seinen „Gegenbesuch" abstatten wolle. — Das aufgeregte Hotelpersonal sollte nicht allzu lange über das „kommt er", oder ' „kommt er nicht" in Ungewißheit bleiben. Einige : Minuten nach 3 war's, da rollte ein sogenannter ' „Unnumerirter" — (ein Fiaker ohne Nummer, dessen sich selbst die höchsten Herrschaften, beim 1 Vorfahren, um kein Aufsehen zu erregen, in Wien bedienen), vor das Hotel. Der Portier eilte, den ; Wagenschlag zu öffnen, aus dem Coupo aber wurde ' eine riesige Visitenkarte herausgereicht mit den Worten: • „Fragen, — ob Besuches gewärtig!" j „Bitt', Euer Gnaden, wem soll'n merdenn fragen?" „Bulgarische Deputation. — Natürlich! Dumme e Frage!" ! Der Ober-Schani entriß die Karte den Händen ! des Portier, warf einen Blick auf sie — und | wie elektrisirt, immer drei Stufen nehmend, erstürmte | er die erste Etage, klopfte an Nr. 8 — Salon — | und die Karte ablesend überreichend, avisirte er: 8 „Ob's ang'nehm, „Ferdinand—Thron —Candidat!“ — nämlich" — so ergänzte er aus freien Stücken, — „wie die Exeellenzherrenja wissen: Prinz-Ferdinand von Sachsen-Koburg, bulgarischer Thronz-Candidat!" „Da, da, rizayra!“ rief die Dreimänner-Depu- tation wie aus einem Munde, — „natürlich angenehm, und wie angenehm — letzte Hoffnung!" Mit diesen Worten stürzten sie auch schon die Etage herab, den illustren Ankömmling im Portal zu empfangen. Einer geknickten Lilie gleich, oder besser, wie ein Verurtheilter, der zur Nichtstätte geschleppt wird, erstieg „Ferdinand — Thron — Candidat“, respeetive der Candidat der Theologie Ferdinand Thron an der Seite des stolz und siegesbewußt einherschreitenden Herrn Strobel die Treppen zur ersten Etage. Was die fünf Herren da oben auf Nr. 8 sich alles erzählten, welche Vereinbarungen sie getroffen rc., darüber sind wir nicht im Stande, zu berichten, wohl aber, daß die Herren Thron und Strobel, als sie nach einer halben Stunde das Hotel verließen, weder von Herrn Stoikoff, nach von Grekoff und nicht einmal von Kaleeff begleitet wurden, — höchstens erinnert man sich eines heftigen Thür- zuschlagens und des herzlichen bulgarischen Ausdrucks: „Feas, huttza!“ welches ihnen gefolgt sein soll. Nun, das konnte Herrn Strobel vom Standpunkt eines tüchtigen Berichterstatters ja egal sein — seinen Zweck hatte er erreicht, 50 Gulden nebenbei gewonnen — bei seiner Zeitung, in welcher am nächsten Tage ein zwei Ellen langer Artikel unter dem Titel: „Unsere Rücksprache mit der bulgarischen Deputation" stand, wurde er vergöttert und erhielt ein glänzendes Honorar, 20 Kreuzer die Zeile! Ende gut, alles gut, — Herr Ferdinand Thron, Candidat, — behielt den beinahe noch neuen Ueberzieher , die Jourualistenball-Handschuhe, war rasirt, frisirt, pomadisirt, hatte gut gegessen und getrunken und besaß Visitenkarten. Si-dactivn: A. Scheyd«. — Dr^ck und N-rlag der Brühl'schm Druckerei (Fr, Ehr. Pietsch) in Gießen.