steht. Noch scheu Buche ästen kleinen sich während . Kapitälchen t aufgegeben Fleißes zu Zinsen ihres wie sie es orgens früh Seinen sind, nachzujagen. . sind solches t „zum Ver- ', wie man gen wackeren len Gebieten lamentarier, mtziger Stif- thätig sind. Zeschäftigung lteu. Zivei- ienigen „Be- t Erbfeinde, Zeschäftigung ihre Stecken- eth fröhnen. r Umständen enste leisten, los kindisches Daudet'schen nne Lust am Gattin kein I, alle Buch- ittelst vieler rgoldet, ein gen Gesellen, rrungen wir Erfahrungen , theils mit nden Raum, wahren und rn doch gar oor muß sich >llte in einem :en. Appen- - Fräulein: ) übel! Aber n: „Löcher? jeHer: „Daß Deckel zahlt, chießeuer Familien blätter. Belletristisches Beiblatt ?um Gießener Anzeiger. Nr, 101. Dienstag beit 28. August. 1888. Der Kröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Schluß.) Jasper Lowber sank bleich und zitternd nieder, die Röthe des Schuldbewußtseins stieg ihm in die Wangen und ein furchtbarer Ausdruck trat in seine Augen. Seine Stunde hatte endlich geschlagen und mußte er der Strafe entgegensehen. Er dauerte lange, ehe die wieder Vereinten, Vater und Sohn, an etwas Anderes, als an sich selbst denken konnten. Aber endlich machte sich Guy sanft aus den Armen des Baronets los und Olla's Hand ergreifend, führte er sie zu Sir Arthur hin. „Vater", sagte er mit seiner weichen, wohlklingenden Stimme; „ich muß Dir eine Erklärung ab- geben. Ich wurde bet meinem Schiffbruche an der sicilianischen Küste am Kopfe verwundet. Ich erwachte wieder zum Leben, aber — vollkommen hilflos und irrsinnig. Ich war freundlos, verlaffen, dem Tode nahe. Daß ich meinen Verstand wieder erlangt habe, ja, daß ich lebe, danken wir dem edlen Mädchen an meiner Seite. Hier ist meine Retterin, mein Schutzengel, meine Wohlthätertn. In ihrer eigenen größte« Gefahr wollte sie den hilflosen Blödsinnigen nicht verlaffen. Ihr hast Du er zu danken, daß Du mich in diesem Leben wieder siehst." Sir Arthur streckte in warmem Gefühl seine Hand nach Olla aus. „Vater", fuhr Guy fort, und seine Stimme zitterte vor gewaltiger Aufregung. „Olla ist mir mehr als Schutzengel oder Wohlthätertn, sie ist — meine Gattin!" Sir Arthur erschrak vor Ueberraschung, aber das zärtliche Lächeln auf seinem Gesichte wurde noch zärtlicher und seine Augen leuchteten Heller auf, al» er da» junge Mädchen an seine Brust zog und da» schüchterne holde Gesichtchen küßte. „Meine Tochter", sagte er mit väterlicher Freundlichkeit, und seine Stimme zitterte wie die Guy'», „sei willkommen in unserer Heimath und in unserem Herzen. Die» ist eine glückliche Ueberraschung für mich, e» ist da» glücklichste Weihnacht-fest, da» ich je erlebt habe!" Ec küßte sie wieder und Olla fühlte, daß er sie in sein Herz eingeschloffen und ihr seine Liebe geschenkt hatte, wie unbekannt sie ihm auch war, und daß sie nicht nur einen Gatten, sondern auch einen Vater gewonnen hatte. Guy legte den Arm seiner jungen Gattin in den seinigen und führte sie zu Blanche hin, welche sie unter Thränen und Lächeln empfing. „Blanche", sagte er einfach, „ich bringe Dir eine Schwester. „Olla, dies ist Blanche, von der ich Dir erzählt habe." Die beiden Mädchen umarmten einander zärtlich. Guy ließ ste beisammen und wandte sich zu seinem falschen Freunde und früheren Gesellschaftkr und betrachtete ihn mit strengem, traurigen Blicke. Lowder zitterte wie ein Blatt im Sturmwinde, stand auf und näherte sich Tresfilian mit niedergeschlagenen Augen. „Jasper Lowder", sagte Tresfilian in tief schmerzlichem Tone, „müffen wir un» so wiedersehen." Ein gewaltiges Schluchzen drang aus Lowder'» keuchender Brust. Er streckte wie abwehrend die Hände au». „O Guy, Guy!" schrie er mit bebenden Zügen, „ich danke dem Himmel, daß Ihr gerettet und Euren Angehörigen wiedergegeben seid! Gott ist mein Zeuge, daß ich immer um Euch trauerte. Ich glaubte, Ihr wäret so gut wie tobt. Ich war arm und durch Euren Unfall in die Welt htnausgestoßen; die Versuchung war stärker als meine Widerstandsfähigkeit. Ich bin schuldig — ich habe Sir Arthur gekränkt, betrogen und beraubt. Ich habe die unschuldige Blanche bethört und würde sie geheirathet haben, trotzdem ich bereit» eine Frau habe. Ich verdiene", fügte er verzweifelnd hinzu, daß Ihr mich verhaften und streng bestrafen laßt." Hefter Lowder stieß einen gellenden Schrei au» und warf sich Sir Arthur zu Füßen. „O schonet ihn, Herr Tressilian!" flehte ste. „Er wußte nicht, wa» er that. Schonet ihn, um meinetwillen! Ich habe Niemanden in der ganzen Welt außer ihn! Und ich liebe ihn trotz alledem!" „Vater", sagte Guy sanft, während seine blauen Augen sich plötzlich mit Thränen füllten, „wenn diese arme, schwergekränkte junge Frau dem Gatten verzeihen kann, der sie verließ, können wir ihm nicht auch vergeben?" Sir Arthur senkte den Kopf. „Er kann gehen", sagte er. „Seine einzige Strafe wird sein Gewissen für ihn sein." Hefter Lowder stand auf und küßte, heißen Dank stammelnd, die Hand de» Baronets. Jasper stammelte Dankesworte, ergriff Hester's Hand und wankte zur Thüre. Er war kaum drei Schritte weit gegangen, al» er schwer athmend stehen blieb. Auf der Schwelle stand Herr Devereux Gower; in Gießen. 406 ein Ausdruck bitteren Hasses glitt über Jasper Low- drr's Gesicht, als er ihn erkannte. „Mein Vater!" stammelte er. „Halt!" rief Gower. „Ich bin Dein Vater, Deve- reux Gower. Ich bin unvrrheirathet und Habs keine Kinder außer Dir. Da Sir Arthur Tresstlian Dir verziehen hat, bin ich bereit, Dich als Jasper Lowder Gower, meinen Sohn und Erben anzuerkennen. Soll nun Friede zwischen uns sein?" „Friede!" hauchte Hefter. „Ja", versetzte Lowder nach hartem Kampfe, „es soll Friede sein." Er reichte ihm die Hand und Herr Gower schüttelte sie warm. Die Versöhnung war eine herzliche und vollständige. „Du willst mich nicht verlassen, Hefter, jetzt wo Du Alles weißt?" fragte Jasper demüthig. „Ich würde es verdienen, daß Du mich verließest." „Aber ich thus es nicht", sagte Hefter zärtlich, „Du hast Dich schwer vergangen, Jasper, aber Du kannst bereuen. Wir wollen ein neues Leben mit einander beginnen, Komm!" Sie gingen zusammen fort und wenige Minuten darauf verkündete Wagengerassel Lowder's Abreise von Tresstlian-Court auf Nimmerwiedersehen. Sie reisten nach Northumberland. Jasper lebte mit Hefter ruhig und zufrieden. — Das edle Weib verstand es, das bessere Selbst in ihrem Gatten wach zu erhalten. Jasper wurde ein ehrlicher, allgemein geachteter und auch ein glücklicher Mann, denn ein Jahr später schaukelte Hefter wiederum einen Knaben mit rosigen Wangen auf ihren Knieen. Deverevx Gower konnte sich des Enkels nicht mehr erfreuen — ein halbes Jahr hatte vor der Geburt de« Knaben ein Schlaganfall feinem Leben ein Ende gemacht. Und wie gestaltete es sich in Tressilian-Hof? Al» Jasper mit seiner Frau und seinem Vater da« Schloß verlassen hatte, da fand Sir Arthur nach wenigen Stunden Blanche im Bibliothek-Zimmer mit thränenüberströmten Augen. „Du weinst?" fragte er mit zitternder Stimme und in einer seltsamen Aufregung befangen. „Doch nicht um den Elenden —" Sie schüttelte verächtlich den Kopf. „Ich habe ihn längst verabscheut", entgegnete fie, „in meinem Herzen liebte ich ihn nie!" Er legte die Hand auf ihr goldgelocktes Haar. „Blanche — Herzenskind! Lebt kein Mann, den Du lieben könntest, rote das Weib den Mann lieben soll?" Sie blickte auf und sah ihm voll in'« Auge. Sie las in seinen markigen Zügen die Qualen der entsagenden Liebe zu ihr, wie Schuppen fiel e« ihr von den Augen und laut auf jubelte es in ihrem Innern vor Lust und seliger Freude. Dann schlang sie die Arme um ihn und erröthend flüsterte sie die Worte: „Ich liebe Dich — ich habe Dich längst geliebt — Dich allein!" Er war keines Wortes mächtig, aber er küßte ihre Stirne, Augen, Mund und feine Arme schlangen sich um das herrliche Mädchen, als wolle er es nimmer loslaffen in diesem Leben. Friede, Liebe und Glück wohnte von nun an in Tressilian-Hof. Im Kaufe Immendorf. Original-Roman von Emilie Heinrichs. (Nachdruck verboten.) 1. Dar schöne, mittelalterliche Hau» in der Schloß- straße mit seinen vorspringenden Giebeln, den hohen Bogenfenstern und dem mächtigen in Stein gehauenen Wappen über dem breiten, thorartigen Eingang gehörte seit Jahrhunderten dem freiherrlichen Geschlechte von Jmmendorf, auf welche« das Haus in unmittelbarer Reihenfolge bis zur Gegenwart herab stets von Vater auf Sohn vererbt worden war. Mit den jetzigen Erben schien nun allerdings der Mannesstamm der in früheren Zeiten hochberühmten Geschlechts der Herren von Jmmendorf erloschen zu sein, da der letzte Freiherr seit Jahresfrist in die Ahnengruft hinabgesenkt worden war, und nur eine Tochter zweiter Ehe und zwei unverheiraihete Schwestern, welche bereits das Matronenalter erreicht, al« Hüterinnen der Hauses hinterlassen hatte. Es war in der ersten Hälfte des Octobers, der sich mit rauhen Herbststürmen und bemerkenswerther Kälte einführte. Ein dichter Nebel lagerte auf Stadt und Land, welcher eine frühe Abenddämmerung brachte und des Herde« Flamme doppelt verlockend erscheinen ließ. Durch die Promenade, an welcher die Mauer de» großen Jmmendors'schen Garten« sich entlang zog, eilte in diesem Augenblick ein Mann in solcher athem- losen Hast, als ob ihm ein Verfolger auf den Fersen säße. Es mochte wohl so sein, da in geringer Entfernung sich ebenso eilige Laufschritte hören ließen, welche erst am Ende der genannten Mauer plötzlich inne zu halten schienen. Vor der hohen eisernen Pforte, welche al» Ausgang nach der Promenade diente und selbstoerständ- lich stet« verschlossen gehalten wurde, standen während diese« Vorgangs ein Herr und eine Dame im leisen Gespräch. Ersterer war nicht jung mehr und schien dem militärisch geschnittenen Schnurrbart, der straffen Haltung nach ein Osficier zu fein, während die Dame jung, schön und sehr aristokratisch erschien. „Bitte, öffnen Sie rasch die Pforte, Herr Major!" flüsterte die Dame, „es ist heute recht graulich hier draußen." „Ja, in der Thal", erwiderte der Herr halblaut, „das sieht ja ganz genau wie eine Verfolgung aus. Ich will Sie doch lieber durch den Garten bi» an'« Haus begleiten, Fräulein Hedwiga, und den alten Johann herauscitiren." 407 der er küßte Arme schlan- 3 wolle er es n nun an in srf. nrichs. jck verboten.) n der Schlobin, den hohen Stein gehaue- tigen Eingang »errlichen Ge- 6 Haus in un- enwart herab eben war. allerdings der hochberühmten :f erloschen zu rerfrist in die und nur eine ralhete Schwe- c erreicht, alr tte. Dctobers, der rerkenswerther , lagerte auf Abenddämme- ! doppelt ver- die Mauer des entlang zog, solcher athem- luf den Fersen geringer Ent- hören ließen, Iraner plötzlich rlche als Aus- selbstoerständ- rnden während ame im leisen chr und schien ct, der straffen rend die Dame lien. :te, Herr Ma- recht graulich Herr halblaut, wfolgung aus. irten bi» an's und den alten Warum nicht gar, Onkck Tellkamp!" lachte dis junge Dame etwas übermüthig, „wenn ein armer Klücktlina sich in unser Revier gerettet haben sollte, würde ich ihn sicherlich nicht au-ltefern. Grüßen Sie Maada, auf Wiedersehen, Herr Major!" Sie reichte ihm die H-nd, schlüpfte durch die in- rwischen von dem besorgten Beschützer geöffnete Pforte, welche st- vorsichtig von Innen wieder verschloß und eilte wie ein flüchtiges Reh durch den Garten dem Hause zu, dessen Thür sie nach Verabredung nur angelehnt fand. Als sie den schwachrrhellten Vor- raum durchschritt, welcher durch einen schmalen Cor- ridor mit dem Vorderhause verbunden war, trat plötzlich wie aus einer Versenkung gestiegen, eine männliche Gestalt auf sie zu, welche, den Hut in der Hand, sie mit leiser Stimme bat, nicht zu Fräulein Hedwiga unterdrückte mit fester Willenskraft einen Schrei und fragte scheinbar kalt und ruhig: „Wer sind Sie? Was oder wen suchen Sie hier?" „Ich suche ein theilnehmendes, menschlich fühlendes Herz, mein Fräulein!" versetzte der Fremde, „und hoffe, es bei Ihnen zu finden. Ich werde wie ein wilde» Thier verfolgt, — habe mich in dieses Asyl geflüchtet und bitte um Ihren Schutz." Der Fremde sprach diese Worte mit tonloser, völlig erschöpfter Stimme, doch mit einem Anklang feiner Bildung und, trotz seiner abgetragenen Kleidung, unverkennbar vornehmen Haltung. Hedwiga blickte ihn einen Augenblick forschend an und sprach dann kurz: „Folgen Sie mir, womöglich aber geräuschlos." Sie schlüpfte durch den Corridor, die breite Treppe hinauf nach dem ersten Stock und blieb vor einer Thür stehen, um sich nach ihrem zweifelhaften Schützling umzuschauen. Unwillkürlich zuckte sie zusammen, als sie ihn dicht neben sich erblickte und trat dann rasch in ein hübsches, alterthümliches Gemach, wo eine brennende Ampel» welche an einer feinen Kette herabhing, den behaglich eingerichteten Raum hinlänglich erhellte. Die junge Dame ließ den Fremden eintreten, verriegelte kaltblütig, ohne die mindeste Furcht zu empfinden, die Thür und wandte sich dann im vollen Lichte dem Verfolgten zu, der, das dunkle Auge frei und offen auf sie heftend» seinen Blick so forschend aus ihr ruhen ließ» daß sie errörhete und ein wenig in Verwirrung gerieth, zumal sie sich der Wahrneh. mung nicht verschließen konnte, daß dieser Mann, der offenbar ein Verbrecher war oder als solcher doch verfolgt wurde» eine gewisse Aehnlichkett im Blick, ja in den Gesichtszügen mit ihr hatte. Sein Aeußeres war verwildert, arg mitgenommen, er gehörte zu den Ausgestoßenen der menschlichen Gesellschaft, sie sah und wußte es, und fühlte sich doch sympathisch von dem wehmüthigen Ausdruck, mit welchem er sie anblickte, berührt. Wer war dieser Mensch, wie kam er zu dem Jmmendorf'schen Gesicht? Plötzlich, al« ob er ihren Gedankengang errathen, trat er ihr einen Schritt näher, streckte die Hand aus und nannte leise mit vor Rührung bebender Stimme ihren Namen: „Hedwiga!" Das junge Mädchen zuckte wie von einem Schuß getroffen, zusammen, starrte ihn mit weitgeöffneten Augen an und rief dann im Tone innerster Ueberzeugung: „Mein Bruder Ulrich!" Der Fremde nickte bejahend. „Ja, Kind, ich bin Dein unglücklicher Bruder", sprach er dumpf, „der Sohn Deines Vaters, der vor zwölf Jahren dieses Haus verließ, um es heute als ein vom Gesetz Verfolgter wieder zu betreten. Dein Herz hing al» kleines Kind schon an dem armen Stiefbruder, Dein Herz, da» heute dem Verfolgten, ohne ihn zu kennen, ohne nach seiner Schuld zu fragen, ein Asyl gewährte. Gesegnet sei diese« Frauenherz, das so gut und mild geblieben in der Atmosphäre der Selbstsucht!" „Wo eine Tante Ulrike waltet", setzte Hedwiga, ihm die Hand drückend, hinzu, „doch still", fuhr sie erschreckt auf, nur ganz ruhig. Ich verberge Dich, Ulrich, ob Du schuldig bist oder nicht; ein gemeiner Verbrecher kannst Du nimmermehr sein." „Ich danke Dir, Hedwiga, für dieses Vertrauen. Nein, ich bin kein Verbrecher, obwohl eine Ver- kettung unglücklicher Umstände mich als einen solchen erscheinen lassen." „Gut, ich glaube Dir, mein armer Bruder! — Bleibe einstweilen hier, damit ich den alten Johann, der Dich, wie ich fürchte, gesehen hat, instruire; ich will nicht, daß er Tante Ulrike unnöthig erschreckt." Hedwiga drückte ihm noch einmal die Hand und verlieb das Zimmer, welches sie verschloß. Sie brauchte nach dem alten Diener nicht lange zu suchen, da derselbe in auffallender Unruhe sich ihr in den Weg stellte. „Johann!" sprach die junge Dame kurz mit halblauter Stimme, „Du sahst mich vorhin mit einem Fremden?" „Ja, gnädiges Fräulein! stotterte der Alte. „Ich dachte, er wollte betteln oder —" „Unsinn!" fiel sie lächelnd ein, „ich kenne ihn, er ist ein Unglücklicher, und meine» Schutzes würdig. Du erwähnst nichts davon gegen meine Tante. Sie darf e» nur durch mich erfahren." Johann seufzte und blickte ihr nach» al» sie geräuschlos die Treppe wieder hinaufhuschte. „Vagabond» Bettler, vielleicht ein Dieb!" murmelte der alte Mann, „sie vergißt es zu oft, daß sie eine Jmmendorf und von uraltem Geschlecht ist. Freilich - ihre Mutter - e» liegt ihr im Blut!" (Fortsetzung folgt.) Jauttenzer. Von G. Kopal. (Schluß.) Nein, die richtigen Faullenzer sind auf anderem Gebiete zu finden, als auf dem der soeben besprochenen Berussart, und dem forschenden Auge der Statistik entgehen sie gänzlich. Wir nehmen zunächst die Individuen in Betrachtung, welche von der übel angebrachten Gutherzigkeit ihrer Verwandten leben; sie sind viel zahlreicher als man gewöhnlich annimmt. Da ist zunächst der Ehemann, welcher sich von der Ehegattin ernähren läßt. Ein Jeder, welcher die unbemittelten Volksklassen näher kennen gelernt hat, wird bestätigen, daß es zahlreiche Ehemänner und Väter giebt, die, obschon noch ganz rüstig und arbeitsfähig, nach und nach sich das Faullenzen angewöhnten, weil die opferwillige Liebe der Frau oder der Kinder sie mit durchschleppte. Treffliche Characterzeichnungen dieser Art finden sich auch in einigen der berühmtesten Dickens'schen Romane, u. A. der würdige Mr. Man- talini in „Nicholas Nickelby", ferner in „Fromont jeune et Risler aine“, von Daudet, der meisterhaft geschilderte alte Komödiant, welcher durchaus „dem Theater nicht entsagen will", aber nie einer Bühne angehört. Alle Klassen der Bevölkerung liefern ihr Kontingent zu dieser Schmarotzergattung; im Arbeiterstande mögen sie verhältnißmäßig nicht allzu zahlreich vorkommen, weil der Verdienst der Frau und Kinder gewöhnlich kaum für den nöthigen Lebensunterhalt der Arbeitenden selbst ausreicht. In den mittleren Schichten dürften die Beleg-Exemplare noch zahlreicher zu finden fein. „Haben denn solche Leute keinen Funken Ehrgefühl?" höre ich im Geiste manche entrüstete Leser und Leserinnen rufen — ja, was diesen Punkt betrifft, so kann man sich darauf verlassen, daß die meisten der Faullenzenden sehr entrüstet wären, wenn man an ihrem Ehrgefühl Zweifel aussprechen wollte. Der vorhin erwähnte alte Komödiant betrachtet das Nichtsthun geradezu als ein schweres Opfer, welches er blutenden Herzens zu bringen gezwungen sei. Einen andern Herrn von Adel lernten j nur kennen, dessen Frau ein Hotel garni hielt; er klagte oft genug, wie weh es ihm thäte, durch Staudesrückfichteu zur Uuthätigkeit gezwungen zu sein; auch er betrachtet sich als Opferlamm. Wiederum ein Individuum gleichen Schlages, das als Kaufmann mehrfach fallirt hatte und sodann von Frau und erwachsenen Töchtern, Schullehrerinnen, sich mühesam ernähren ließ, klagte stets über Krankheiten aller Art. Der Mann war kerngesund; sein Klagen sollte die Beobachter seiner sozialen Stellung täuschen. Er selbst war sich über die Ehrlosigkeit seiner Handlungsweise klar, denn sonst wäre ihm nicht einmal im Rausche der Ausspruch entschlüpft: „Das Arbeiten ist doch eigentlich nur für die Dummen." Auch in Harbert's Schriften kommt ein famoser Faullenzer vor; mir ist bekannt, daß der Autor nach dem Leben schilderte. Ein verbummelter Student erbt vom reichen Onkel eine Jahresrente, die ihm ausgezahlt werden soll, „so lange er studirt;" er bleibt daher Student, heirathet auch als solcher, verzehrt gemühtlich seine Rente und denkt gar nicht daran, die Universität zu verlassen. Das ist natürlich ein selten vorkommender Fall; äußerst oft dagegen findet man erwachsene Söhne, die von liebenden Eltern, namentlich von zärtlichen Müttern, fort und fort ernährt werden und jahrelang das herrliche Faullenzen gemüthlich fortsetzen. Töchter solchen Schlages giebt es unserer Ansicht nach zwar gleichfalls, aber verhältnißmäßiger weniger. Zu den absoluten Nichtsthuecn kommen dann noch die partiellen Faullenzer, z. B. auf schlecht überwachten Bureaux die Meister im Zeittodtschlagen, die „Zeitungsleser und Frühstücksvirtuosen", die es verstehen, ein ganz winziges Quantum Arbeit auf die gesammteu Bureaustunden zu vertheilen. Das Sprüchlein vom „Maurerschweiß, dessen Tröpflein einen Dukaten kostet", ist längst veraltet, seit die Akkordarbeit im Bauwesen eine so große Rolle spielt; was dagegen ein dem Arbeiten abholder Schreiber, Kommis, Beamter rc. für Minuten, Viertel- und Halbe-Stundm vertrödeln kann, das kann nur derjenige beurtheilen, der es schaudernd selbst erlebt; eine eingehende Schilderung derartigen Treibens lasen wir einmal mit großem Amüsement in den fliegenden Blättern. Auch manche Lakaien sollen das Faullenzen trefflich verstehen. Schließlich sei noch der „Gelegenheitsarbeiter" gedacht, welche die Plage der Polizisten, Untersuchungsrichter, Amtsgerichts-Anwälte rc. sind, der arbeitsscheuen Vagabunden, die sich mit der erbärmlichsten Speise, der zerlumptesten Kleidung begnügen, die aber um keinen Preis der Welt die Hand zum Schaffen rühren möchten. Man verwechsele sie nicht mit den zahlreichen Bettlern, die gern arbeiten möchten, wenn sie nur Arbeit hätten, wir meinen diejenige Kategorie, gegen deren unüberwindliche Arbeitsscheu sich diverse Alineas des § 361 des Deutschen Strafgesetzbuches richten. Doch genug von diesen traurigen Nachtseiten, deren wir nur der Vollständigkeit halber Erwähnung thun mußten. — Alles in Allem genommen, glauben wir, daß trotz des besprochenen Abschlages, welcher den „Berufslosen" der Statistik zu Gute zu rechnen ist, wohl noch mehr als 7 Prozent wirklicher Faullenzer herauskommen dürften. Beneide sie nicht um's süße Nichtsthun, freundlicher Leser; glücklicher daran sind doch entschieden die wackern Leute, die gern und redlich arbeiten um's tägliche Brot; es liegt eine tiefe Wahrheit in dem alten Verslein: „Der nur hat Bekümmerniß, der die Arbeit haßt." Und tritt einmal der Zwang zur Thätigkeit an den Faullenzer heran, so schmeckt er doppelt bitter. Stiebaction: i. V. Hermann Elle. — Druck unb Verlag bet Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.