1888. Samstag drn 28. Juli. Nr. 88. Hichemr Iamilienblätter Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger. Der Gröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) , Sir Arthur war kaum zu diesem Entschlüsse gc- langt, als er Lowder die Allee herauftraben hörte. : Etwas später trat derselbe in dis Bibliothek ein, s geröthet vor Aufregung und von der scharfen Decem- i birluft. Sein Benehmen war auffallend lustig. „Ich vrrmuche, daß Du noch keine Aufklärung bezüglich bt§ Diebstahls gefunden hast, Vater I" sagte er, zu dem Kamin tretend und sich die Hände wär- mend. „Hast Du nach London wegen eines Detektivs telegraphirt?" „Nein, Guy, ich habe beschlossen, cs zu unterlassen." Ein Blick der Erleichterung, welcher dem Baronet nicht entging, zuckte Über Lowder'» Gesicht. „Du hast beschlossen, den Verlust still zu ertragen, nicht wahr? Es ist auch das Beste. Der Mensch, | der es gestohlen hat, wird jede Vorsicht gebrauchen, | es zu verbergen, und eine in nächtlicher Stille voll- I brachte That war natürlich ohne Z-ug-n. „Er war ein Zeuge da", sagte Sir Arthur feier- lich. „Der Dieb konnte den Augen des Allwissenden nicht entgehen." Lowder rückte etwas unruhig umher. „O, natürlich", sagte er. „Aber bezüglich Deines Geschäftes, Vater, muß ich Dir berichten. Ich ging hinüber nach Ardle gh zu dem Advokaten, und richtete bei demselben meinen Auftrag aus. Ich war noch dort, al» Herr Roy erschien. Der Advokat, dem ich die Geschichte von dem Diebstahl erzählte, entschuldigte Dein Nichtkommen vor Herrn Roy. Der Pächter gerieth jedoch in eine gewaltige Aufregung und erklärte, daß er ein anderes AnerbKien für seine Farm bekommen habe, welches so gut wäre, wie das Deinige und daß er sie dem neuen Bemer- ber sofort verkaufen wolle. Und damit ging er fort, sich weder um meine, noch um des Advokaten Einwendungen kümmernd." „Es ist gut", sagte der Baronet ruhig. „Ich habe mich, während Du fort warst, entschlossen, die Farm nicht zu kaufen." Jarpcr Lowder warf einen raschen und durchdringenden Blick auf den Baronet. „Warum nicht?" rief er überrascht au»; „dieser Verlust von zweitausend Pfund hat Dich doch nicht zahlungsunfähig gemacht, mein Vater?" Sir Arthur'» G'.sicht rötheke sich etwas ärgerlich, ' als er antwortete: „Rei -, meine Hülst quellen sind durch diesen Verlust noch nicht erschöpft, Guy; aber ich habe den Gebar km, die Roy-Farm zu kaufen, aufgegeben. Gildrthorpe ist eine hübsche, kleine Besitzung für sich selbst, und wirst ein hübsches Erträgniß ab." „Run, man braucht nicht um die Roy-Farm zu seufzen, wenn man eh ft den Tressilian - Hof erben wird", sagte Lowder, zufrieden lächelnd. „Der künftige Eigenthümer dieser großartigen Besitzung hat es nicht no h vendig, um einen einzigen Pachihof zu seufzen. Und dar habe ich auch dem Advokaten gesagt, ber ganz meiner Ansicht war." Die Unzartheit Lowder's, so auf drn Nutzen anzuspielen, den er einst aus dem Tode des Baronets ziehen würde, ersüllte diesen mit einem Gefühle des Ekels. Er rück-e ungeduldig in seinem Stuhle hin und her und bittere Worte der Anklage und des Vor- wurfs drängten sich aus seine Zunge. Ec bezwang sich jedoch gewaltsam und wandte sich zu seinem Arbeitstische, wo er sich in die bereitltegenden Zeitungen vertiefte. Lowder, welcher seine Verstimmung bemerkte und sie seiNW Verluste zufchrieb, entschuldigte sich bald und ging aus sein Zimmer. Beim Frühstück vereinigte sich die Familie wie gewöhnlich. Blanche sah wohl bleich und angegriffen aus, aber ihre Schönheit war ungetrübt und Lowder sagte ihr einige Schmeicheleien darüber. Sir Arthur war sehr ernst, aber Lowder, nicht» ahnend von dem Zwischenfall, dec chn za vernichten drohte, war Hüter und liebenswürdig. Bald nach dem Frühstücke kam die Familie Eger- ton zu Besuch und nach diesen erschienen andere Gäste. So verging der Nachmittag, ohne den Zwang, welchen Blanche gefürchtet hatte. Gegen 5 Uhr — nachdem alle Besuche sich entfernt hatten — ging da» junge Mädchen auf sein Zimmer, um sich umzukleiden und erschien erst wieder, als die Tffchglocke läutete. Sie trat in da» Speisezimmer, in welchem Sir Arthur und Jasper Lowder sie erwarteten, ein himmelblaues, mit weißen Spitzen besetztes Seidenkleid brachte die zarte Schönheit ihrer weißen Gesichtsfarbe wundervoll zur Geltung. Sie war auffallend ruhig und gedankenvoll; aber die leich'e Wolke stand nicht schlecht auf ihrer sonst so heiteren Stirne, 854 Sie nahm ihren Platz am Tische ein und bemühte sich sehr, ihren Vormund aufzuheitern, dessen Verstimmung mit jeder Minute zunahm. Der hochstnnige, edelherzige Baronet hätte jeden Kummer leichter ertragen, als die Entdeckung von ter bodenlosen Schlechtigkeit des Mannes, den er für seinen Sohn hielt. Nach dem Speisen reichte Sir Arthur Blanche seinen Arm und führte ste in den Salon. Der Abend rerging wie gewöhnlich, nur daß Sir Arthur in ein Blatt der „Times" vertieft schien, au« der er kaum aufschaut?. Blanche spielte Klavier und sang dann mit Lowder Duette. Als ste genug mustcirt hatten, führte Lowder das Mädchen zu einem Fauteuil unter dem großen Armleuchter, setzte sich auf einen Schemel zu ihren Füßen und las ihr mit weicher Stimme und zärtlichem, bewunderndem Blicke die Liebesgedichte von Tennyson vor; und das Mädchen lauschte und lächelte, wäh- rend ihr Herz von Unwillen und Abscheu erfüllt war. Wie weit entfernt von dem Heldcnideale, das sie sich geschaffen hatte, war dieser Lügner und Fälscher, dieser Verräther an seinem Vater, dieser mitternächtliche Räuber. Es ging eine Umwälzung in ihrer Seele vor, die Niemand, nicht einmal sie selbst, ahnte. Um 9 Uhr -wurde, wie gewöhnlich, der Ther ser- virt, um 10 Uhr zog sich Blanche zurück. Str Arthur und Lowder waren nun allein. Offenbar hatte Letzterer keine Lust, mit dem verstimmten, düster blickenden Baronet allein zu bleiben und er stand gähnend auf. „Ich glaube, ich bin schläfrig, bemerkte er, „und ich will zu Bette gehen. Gute Nacht, VaterI" Er ging hinaus und stieg die zu seinen Zimmern führende Treppe hinauf. Sir Arthur, wchcher in die Halle hinausgetreten war, hörte ihn daselbst eintreten und seine Thüre doppelt schließen. „Das ist nur eine List", dachte er. „Ich glaube, er wird mit dem Fremden im Parks zusammenkommen. Ich will List mit List erwidern." Er löschte Feuer und Licht in dem Salon aus und verschloß die Thüren. Dann ging er auf sein Zimmer hinauf; eine Minute später stieg er wieder die Treppe hinab. Sein Oberrock und seine Pelz- jacke hingen auf dem Kleiderhaken. Er hüllte sich dicht und warm ein und ging dann durch eine Seitenthür in dm Garten hinaus. Die Nacht war kalt und düster. Nur wenige Sterne schienen trübe und ein rauher Wind fegte durch die Bäume. Aber Sir Arthur achtete in seinem Herzenr- kummer nicht auf diese Unbill des Wetters. Sich im dichtesten Schatten der Bäume haltend, schritt er auf den Park zu. Hier erwartete er Gry an einer Stelle, von wo er den östlichen Flügel des Schlaffes übersehen konnte, mit Empfindungen, die nur ein Vater in seiner Lage sich vorstellen kann. D>e Minuten vergingen. Die Uhr in dem alten Thurm von TreMtan-Hof schlug halb Elf. Noch § war der letzte Schlag nicht ganz verhallt, als dieselbe Seitenthüre, durch welche Sir Arthur das Schloß verlaflen hatte, sich langsam öffnete und eine vermummte Gestalt aus dem Hause heraus kam. Sir Arthur, welcher sich prüfend vorwärts beugte, erkannte in dieser Gestalt seinen vermeintlichen Sohn. „Meine Vermuthung bestätigt sich!" murmelte er. „O-Guy, mein Sohn!" Die Bewachung nicht ahnend, überschritt Lowder rasch dir Wiese und trat in den Park ein. Als er näher kam, trat aus dem Dickicht eine Gestalt auf ihn zu; diese Gestalt war Palestro. „Ihr seid sehr pünktlich, Mylord Treffolino", hörte Sir Arthur den Italiener in höhnischem Tone sagen. „Ihr habt es nicht gewagt, Palestro zu trotzen?" „Fort von hier", befahl Lowder in leisem Tone. „Wollt Ihr vom Schlöffe aus gesehen werden? Wollt Ihr Alles verderben? Ja, ich bin hier, Palestro. Und ich habe die zweitausend Pfund, die Ihr fordert, in Bereitschaft für Euch." Während er sprach, nahm der Eindringling den Arm des Italieners und die beiden Männer schlichen durch die Nacht geradewegs zu dem Baume hin, hinter welchem der Baronet sich verborgen hatte. Achtunddreißigstes Kapitel. Immer noch auf der Flucht. Als Olla und Treffilian mit ihren beiden Beglei' fern in London angekommen und im Viktoria-Hotel abgestiegen waren, trat ein schlimmer Umstand zu Tage. Guy Tressilian, dessen Verstandrkräfte in der letzten Zeit fast normal genannt werden konnten, klagte über unerträgliche Schmerzen im Kopfe und entsetzliche Müdigkeit in ollen Gliedern. Sein Aussehen bot das Bild eines Menschen, der in eine lang andauernde, schwere Krankheit zu verfallen scheint. Olla war in Verzweiflung. Zu alledem hatte Jim die ihr befreundete Familie Pugh, auf der en Schutz sie sicher gerechnet, nicht aufzvfiuden vermocht, da sie verreist war und nun starrten ihre Augen rastlos auf den jungen Mann, der stöhnend auf dem Ruhebett lag. „Mein Gott, mein Gott!" jammerte Olla. „Nun befinde ich mich hier in dieser Riesenstadt in einem Hotel, unter fremden Menschen und keine Stunde bin ich sicher, nicht von meinem Vormund eingeholt zu werden. ... Es wäre furchtbar! Der arme Jasper, was würde sein Schicksal sein? Ohne Zwiifel würde man den unglücklichen Menschen in das nächste Spital stecken, wenn es Herrn Gower gelänge, mich wieder in seine Gefangenschaft zu dringen. Und was fange ich anderseits mit dem armen Kranken hier im Hotel an?" „In dem Lärm dieser großen Stadt könnt Ihr mit dem Krarken nicht verweilen!" sagte Frau Po- pl-y. „Gehen wir nach Bleak Top in Northumber- land! Er ist ein kleines Gütchen, dos Euch gehört, 385 rhallt, als dieselbe rthur das Schloß ete und eine ver- eraus kam. rüfend vorwärts seinen vermeint- ich!" murmelte er. überschritt Lowder iark ein. dem Dickicht eine rar Palestro. flord Treffolino", höhnischem Tone agt, Palestro zu : in leisem Tone, gesehen werden? ich bin hier, Pa- send Pfund, die ich." Eindringling den Männer schlichen )em Baume hin, rborgen hatte. itel. Flucht. en beiden Beglei' m Viktoria-Hotel >mer Umstand zu andrkräfte in der werden konnten, a im Kopfe und ern. Sein Aur- der in eine lang verfallen scheint, tu alledem hatte wgh, auf deren »finden vermocht, ten ihre Augen löhnend auf dem erte Olla. „Nun enstadt in einem ad keine Stunde irmund eingeholt ar! Der orme l sein? Ohne tzen Menschen in 16 Herrn Gower efangenschaft zu erseits mit dem Stadt könnt Ihr sagte Frau Po- in Northumbik- >08 Euch gehört, Olla, und einsam liegt es zwischen dm Cheviot- hügeln. Das Jagdschlößchen ist üem, die Besitzung unfruchtbar und ich nehme al« sicher an, daß Herr Gower als Verwalter Eurer Güter an dieses kleine Stück Land kaum denkt." Ein Hoffnungsschimmer leuchtete auf in Olla s ^»Ja, Amme, Du hast wahrscheinlich Recht", ent« gegnete sie. „Von all' meinen großen Gütern, die unter H-rrn Gower's Verwaltung stehen, wird dieses das einzige sein, das mir Schutz gewährt. So Gott will, kann unser armer Jasper die Reise bis dorthin noch ertragen." Der Kranke schlug in diesem Momentes Augen auf und lächelte Olla traurig an. Unter dnem Strome von Thränen ergriff sie seine Hand. „Wie geht es Euch?" fragte sie. „Glaubt Ihr, ohne Schaden für Eure Gesundheit, noch einmal reisen zu können?" „Ja, ja", flüsterte er. „Mrt Euch, Olla, bis an das Ende der Welt." „Ich habe bereits nach einem Arzte geschickt", sagte sie, „hoffentlich wird sein Ausspruch über Euer» Zustand ein solcher sein, daß wir heute noch in jene stille, einsame Landschaft gelangen können, die ich für uns zum Aufenihalt bistimmt habe und in der Ihr Eure Gesundheit sicher wieder erlangen würbet." Es verging auch nur kurze Zeit, als Jim mit Sir Windham Winn, einem der berühmtesten Aerzte Londons, erschien. Olla erzählte dem Arzte ausführlich ihre und Jasper Lowder's Geschichte. Sir Windham Winn hörte mit sehr großer Aufmerksamkeit zu, dann begann er den Zustand des jungen Mannes genau zu studiren. „Der Aufenthalt hier in diesem Hotel ist aller- ding« durchaus ungeeignet für diesen Patienten", sagte er. „Ich finde eine nervöse Urbcrreizung an ihm und höchst wahrscheinlich wird an seinem Kopfe eine Operation vorgenommen werden müssen. Euer Plan, wein Fräulein, ihn nach Rorthumberland zu verbringen, ist so übel nicht, denn unbedingte Ruhe und Abgeschlossenheit ist für die nächste Zeit die Hauptsache." „Wird er den Transport ertragen?" fragte Olla angstvoll. „Heute ja — morgen oder übermorgen wahrscheinlich nicht mehr", lautete die bestimmte Antwort. „Allerdings muß mit einigen stärkenden Mitteln nachgeholfen werden." „Würdet Ihr die Operation vornehmen und mit uns nach Rorthumberland gehen?" „Warum nicht? Ich habe derlei Fälle schon vielfach mit Erfolg behandelt — meine Zelt ist allerdings sehr kostbar . . Olla verstand vollkommen und beeilte sich, al« erste» Honorar Sir Windham eins garze Reihe von Goldstücken einzuhändigen. „Ich habe nichts dagegen", erwiderte der Doktor, „wenn roi- noch den Abendzug benützen wollen, denn Eile thur noth. Wo liegt Euer Landhaus in Rorthumberland?" „Zwischen den Cheviothügeln; es heißt Bleak- Top. Uebrigeus fällt mir jetzt ein, daß ich vergessen habe, Euch meinen Namen zu nennen. Ich bin Fräulein Olla Rymple, verwaiste Tochter des verstorbenen Honourable James Rymple, und später Mündel Lady Feodora Wclby's, der Freundin meiner Mutter. Die Umstände haben mich allein in die Welt gestoßen, aber ich bin nicht ganz freundlos, denn diese treuen Diener haben mich seit meiner frühesten Kindheit beschützt." „So seid Ihr also dir Tochter von Sir Jam « Rymple", rief Sir Windham wit lebhaftestem Interesse. „Ich kannte Euren Vater sehr out — es war ein edler und großmüthiger Mensch; aber das wußte ich nicht, daß er eine Tochter hinterlassen hatte. Run ich Euch kenne, betracht« ich es als meine Pflicht, die Tochter meines Freundes Rymple zu schützen und zu schirmen. Wir werden mit dem Abendzuge reisen und gut wird es sein, wenn Euer Diener schon den nächsten Zug benützt, damit dir Zimmer gelüftet und gewärmt sind, wenn wir ankommen." So geschah s« auch. Jim fuhr mit dem nächsten Zuge und der Doktor bereitete ein kühlendes Grträn! für den Kranken; dann empfahl er sich, um seine Voibereitungen zu treffen. Den ganzen Tag lag Treffilian in dumpfer Betäubung, manchmal wohl regte er sich bei dem Klange von Olla'» Stimme, aber nur, um gleich wieder in Lethargie zu versinken. Endlich wurde es Abend. Ehe es noch ganz dunkel war, erschien Sir Windham Winn wieder, vollständig zur Reise ausgerüstet. Von diesem Moment übernahm er die Obhut über den Patienten. Er flößte ihm eine kräftige Brühe ein und gab ihm eine belebende Medicin, welche die Wirkung halte, Tresstlian Kraft zu verleihen, so daß or aufstehen und sich ar kleiden lassen konnte. Olla und Frau Poplcy waren bereits reisefertig und Sir Windham führte Tresstlian zu dem bereit- stehenden Wagen hinab. Die beiden Frauen und Sir Windham halfen Tresstlian hinein und eine halbe Stunde später, als es bereits ganz Nacht geworden war, reisten sie nach den kahlen, düsteren Cheviothügeln ab. Neununddreißigstes Kapitel. B l e a k - T o p. Einer der einsamsten und düstersten der Cheviothügel in Rorthumberland ist der unter dem Namen Kahlenberg bekannte. Er ist öde und kahl und nur his und da wachsen kleine Gruppen von zwerghasten Tannen und Fichten; an einer Seite ist eine ausgedehnte Fläche mit kurzem Gesträuch bestanden. Am Fuße de« Kahlenberges liegt das kleine Dörfchen Glosm-Vale, das wir dem Leser schon bei 856 Gelegenheit von Jakper Lowder's Besuch der Nach» baischast beschrieben haben. An der Seitenwand der Berges und etwa eine Meile von dem Dorfr entfernt liegt das einsame, .alte Farmhaus, welches Guy TreUlian gehörte, und in d-sien traurige Einsamkeit Jasper Lowder seine schwergckränkle junge Frau und ihren Knaben verbannt hatte. Die unebene Straße windet sich von Gloam-Vale über die Haide an Gloam-Fell vorbei und schlingt sich dann noch steiler bis zur Spitze des Hügels hinan und auf diesem einsamen Hügel steht das als Blrak Trp b.kannte Ham. Es >st ein altes, unregel- wäfigcs Gebäude aus Steinen, zwei Stockwerke hoch, und hat ein steiles vorspringendes Dach, mit großen Giebelfenstern. Dar Haus ist einfach gebaut, sieht aber äußerst einladend aus. Es war ein sehr beliebtes Jagdschlößchen der v-rstorbenkn Herrn Rymple, OLa's Vater, gewesen; seit seinem Tode war er aber nicht mehr benützt worden. Seit Jahren stand das Haus unter der Aussicht einer allen Frau und ihres Sickels. Hinter dem Hause befinden sich in einiger Ent- ferr ung Nebengebäude, welche Pferdestall, Mrirreien und Hühnerhof enthielten. Gloam^Fell ist außer Bleck-Top das einzige Haus auf dem B rge und seilst Gloam-Fell ist über eine Meile weit entfernt. Der Schnee fiel in dichten Flocken und der Wind fuhr heulend über die Berge an dem stürmischen Decembermorgcn, als Olla Rymple und Frau Popkey, Windham Winn und Gry Tressilian in Alnwick die Eisenbahn verließen. ®;e verfügten sich zuerst in einen Gasthof, wo sie ein heißes Frühstück bestellten. Tressilian war unter dem Einfluß der Medicin im Stande, auf dem Arm des Doktors gestützt, zu gehen. Er sah sehr krank aus. Sein Gesicht war todtenbleich, nur auf seinen Wangen brannte eine hektische Röche. Er hatte in Folge narkotischer Mittel die Nacht hindurch gvt geschlafen und schien sich trotz der anstrengenden Reise nicht schlechter zu befinden; aber es war deutlich sichtbar, daß die be- ständigen Anfregur gen, in denen er, seck er ©teilten verlassen hatte, lebte, ihm rasch aufrieben. (Fortsetzung folgt.) Die üeöe Eitelkeit. Von Robert von Hagen. (Schluß.) „Natürlich — oh, ich bin sehr, sehr gern bereit, Sie hierfür zu entschädigen. Verzeihen Sie einen Augenblick — ich will blos die Photographie in ein Couvert legen," — und während sie dies bewerkstelligt, gleitet mit derselben eine große Banknote in das Couvert — was dem Herrn Doetor jedenfalls nicht entgangen ist, denn er lächelt vergnügt in sich hinein. — „Hier, bitte Herr Doctor, — vorläufig-- und nun noch Eins; könnten Sie es beMrkstelligen, daß das Bild meines Mannes gerade zum 22. Juli erscheint? es ist das der Geburtstag meines Mannes." — „Ich werde es so einzurichten wissen, gnädige Frau; nun aber, wie steht's mit Ihrem Bild?" — „Ich danke entschieden, Herr Doetor, für mich kenne ich keine Ambitionen, — mein einziger Stolz, meine einzige Eitelkeit, das ist mein Mann. Wenn Sie aber im Text, welcher dem Bilde meines Mannes zugefügt wird, meiner auch gedenken wollen, so konnten Sie höchstens erwähnen —" „Nun bitte, was soll ich erwähnen?" „Aber ich bitte Sie um große Diseretion . . . Also, da könnten Sie beiläufig erwähnen: „Seit 1870 mit der Tochter des......, in ungetrübter, unendlich glücklicher Ehe, welcher zwei reizende blonde Knaben entsprossen sind, lebend u. s. ro." „Sie sollen mit mir zufrieden sein, meine Gnädige, sagte der freundliche Herr Doetor, nahm seinen Hut; versprach nochmals, „daß Niemand von der Sache erfahren solle" und ging ab. Zwei Tage später sitzt Frau von X. mit ihrem geliebten Gatten, der die Zeitung lieft, beim Thee. Sie betrachtet ihn verstohlen. Wie hübsch er aussehen wird — ich kaufe mindestens 50 Exemplare der betreffenden Nummer," sagte sie sich im Stillen. „Nun, das nehme mir Keiner übel — da gehört aber auch eine gehörige Portion Dummheit dazu, sich von so einem Schwindler Hineiulegen zu lassen" — platzt plötzlich Herr von X, hervor; „hier mein Herzchen, lies mal. Na, zu uns soll sich mal so'n Kerl verirren, wir würden ihn schon ordentlich heimleuchten. He?" — Frau von X. tanzen die Buchstaben vor den Augen — Taube, Dr Traube, Taubes — das Blut stieg ihr in die Wangen; doch sie bezwang sich: „welche Frechheit!" — vermochte sie blos hervorzubringen. Abends aber, draußen im Garten, wo's so recht lauschig sich in der Laube saß, da hatte es nicht Platz mehr im engen Mieder, — das Geheimniß vom famosen Doetor. „Lache, lache und schelte mich aus, so viel Du willst, liebes Männchen; ich kann Dir nichts verheimlichen — hör' zu, wie man Dein eitles Weibchen düpirt hat." Frau vou X. beichtete ohne Rückhalt — behauptete aber, nur mit zehn Marks?) „reingefallen" zu sein. Herr von X. wußte nicht, ob er sich ärgern oder ob er lachen solle — entschloß sich aber als echter Philosoph zum Letzteren. Seine Frau hatte aus Eitelkeit gefehlt, aber aus Eitelkeit auf ihren Mann und eine solche mußte er doch am allerersten verzeihen. Das hat Herr von 3E. auch freudig gethan, Frau von X. aber wartet mit Sehnsucht des Augenblicks, da der Doetor Traube noch einmal ihr begegnen sollte. Der aber wird sich hüten. Der weiß am besten, wie gründlich er sie geheilt hat — v o n i h r e r lieben Eitelkeit. Redaktion: A. Sch eh da. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.