)er alllieb en- rgen die Un- aitäten. Wo »aus ohne ein inag wohl sich Drte gegeben, es der Fall! Gefährte der s Alterthum, it sein respek- mde der Chi- oll, aber die Schattenspen- hcn, oder sie ände, ja sogar ol des König- ande sich zum ! lange es ge- rts im Abend- nauigkeit nicht u Römer und » gebrauchten; wann der llerweltsbürger eundschwächere >. Jahrhundert ; Sonnenschein ■ Schirm schon »en: in Frank- rt unter Lud- n edle Häupter äst eines Sou- ere Zeiten fällt nserer so noth- u! Man darf in der zweiten m die Welt zu Privilegium des fraucn es »orten zu benützen, r Aufstand der »rach, als der whr und mehr :b. Trugen in 3 bereits Para- cst gegen Mitte indem ein Spe- i auslieh; doch — nach vielem stolzen Albion vaun folgte — sches Vaterland rdige Uebel bür- n ein, während e wohlhabendere nach den Luxus aches gestatteten, e Haus und für Hichener Iamilienbläiler. Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger. Nr. 50. _________ Samstag den 28. April, 1888. Der Gröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) Endlich hielt der Doktor, mit der Sonde in der Hand, inne und schaute Lowder mit wohlwollenden Blicken, ht betten tiefe Traurigkeit lag, an. „Nun?" fragte Lowder ungeduldig. „Vicini sagte mir, daß der junge Mann Euer Sekretär oder Diener ist", sagte der Doktor. „Ja — so etwas dergleichen", entgegnete Lowder umuhig. „Dennoch seht Ihr wie Brüder aus", bemerkte Doktor Sp-zzo etwas überrascht. „Die Achulichkeit ist wunderbar! Der junge Marat sieht so vornehm aus wie ein. Mylord! Und er ist nur ein gcmie- theter Diener — ein Gesellschafter — so etwas. Nun gut! Hat er Freunde?" Wieder zitterte Lowder. Was bedeutete diese Frage, von einem Arzt gestellt? „Nein, er hat keine Freunde außer mir", antwortete er, sein bleiches Gesicht über Guy's Kiffen beugend. „Keine Freunde! Armer Junge! Wenn er Je, munden hätte, würde ich rathen, nach denselben zu schicken, da er aber Niemanden Hai . . Er hielt inne, schaute mitleidsvoll auf das leichen- blaffe Gesicht auf dem Kiffen, dann begann er still» schweigend die furchtbare Wunde zu verbinden. „Aber Ihr habt mir E»re Entscheidung noch nicht gesagt, Doktor", rief Lowder jetzt aus. „Wie bald muß er sterben?" „Sterben? Ich habe nicht gesagt, daß ersterben wird", erklärte der Doktor, schonungslos die goldenen Locken wegschneidend, die um die Wunde herumkleb- ten und lange Streifen von Pflaster auf den entblößten Schädel legend. „Er wird nicht sterben, Signor!" „Nicht sterben I" keuchte Lowder, aschfahl werdend. Er schaute den Doktor mit brennendem Blicke an, als er diese Worte wiederholte, ganz vergeffend, daß Palestro ihn unverwandt beobachtete. „Er hat eine herrliche Constitution", erklärte der Doktor mit Begeisterung, „eine unverwüstliche Lebens, kraft. Seht nur diese prachtvolle Brust an." Er war mit dem Verbinden der Wunde fertig und gab Frau Vicint mehrere Aufträge. „Wie lange wird es dauern", fragte Lowder mit fieberhafter Spannung, „bis mein Freund mich erkennen wird." - „Er wird Euch nis wieder erkennen", entgegnete » der Doktor in feierlichem Tone. „Dank feiner guten Constitution wird er leiblich wieder gesund werden, aber sein Geist wird umnachtrt sein und bleiben. Seht Ihr dar blöde Lächeln, das jetzt seine Lippen ' umspielt und den leeren Ausdruck seiner Augen? ; Dar ist der Anfang einer grausigen Zukunft — der Bedauernswerthe ist vom Geschick dazu verurtheilt, I als Blödsinniger zu leben. Der Anprall an den l Felsen hat die Funktion des Gehirns gestört und f niemals wird er feine ' Verstands kräfte wieder ' erlangen." Lywder ging hinaus in das nächtliche Dunkel. I Wie von einem schweren Alp befreit, athmete es s tief auf. „Nun ist die letzte Gefahr beseitigt", murmelte er, „jetzt bin ich Lord Tressilian und keine Macht der Erde soll mir mein Glück entreißen!" Wieder ging er mit heftig arbeitenden Züzen einige Mal ruhelos auf und ab. „Und was den armen Guy anbelangt", begann er wieder, „der ist an einem Platze ebenso glücklich, wie an dem anderen. Wenn ich ihn unter diesen Fischerleuten ließe, würden sie gut gegen ihn sein, und es fände ihn Niemand. Natürlich, wenn mein eigener Vater, der geheimnißvolle Devreux, deffen Name auf den Lippen meiner sterbenden Großmutter war, mich anerkannt und für mich gesorgt hätte, würde ich die Sache anders ansehen; aber verstoßen von meinem Vater, seinen Rang und Namen nicht kennend, unfähig, die Heirath meiner Mutter nach- zumeisen, scheint es, als ob mir das Geschick selbst diesen Weg eröffnet hätte. Ich sehe Guy ähnlich — so sehr, daß diese Leute, rote Jedermann, dem wir in dem letzten Jahre begegneten, uns für Brüder hielten. Ec hatte einst in Deutschland eine sehr gefährliche Krankheit, welche ihn, wie er seinem Vater schrieb, sehr veränderte. Er war 5 Jahre vom Hause abwesend — die bedeutendsten 5 Jahre, während welcher Gesicht, Gestalt und selbst der Ausdruck sich verändern, in dem Uebergange vom Jüngling zum Manne. Ich war fein Vertrauter, kenne alle seine Angelegenheiten und kann mich unbesorgt bet dem nichts ahnenden Baronet für feinen Sohn ausgeben." Er fuhr sich mit zitternder Hand über die Stirn. „Und bann", fuhr er flüsternd fort, „werde ich mit einem Sprunge von der Armuih in den Reich, thum versetzt werden. Ich Haffe die Arbeit, ich hasse die Kümmernisse und Mühseligkeiten meiner früheren : kärglichen Existenz und kann nie wieder zu derselben IN Gießen, 202 sie sich mir nicht diese einzige auf entlarven. Ich immer und ewig gangenheit." Sein Gesicht er wieder in die Anedrich Wilhelm, der große Kurfürst. Em Gedenkblatt zu dessen 200jährigem Todestag am 29. April 1888. Von Dr. W. Rosen. ständen ! Jüngling Erbe in beweinen furchtbar Bürger, von eine' besetzt, ol sein Rett lich der < besteigun- Macht, 8 Regierun weise ein Tugendei regieren/ Was deren Rr ling bm Schlimm in der U anfielm, gegessen jugendlifl beim To! finde ma mal eine beeilt, d elenden würden t War es die Last, nannte? das geht schwedisch von Lani warf: , daß nicht sich wiedc Handel « anderer £ fürst-n C man den man wir halb 4 I Wunder hatte ein? bewirkt, noff en. 1 geleitetes vermag ; genvmme! staaten K Land Eur mit den ■ dem Meer dennoch ti worden, weiter en sich Fried Auf der „Langen Brücke'' in Berlin steht ein gewaltiges Denkmal! Mitten aus dem Gewogs der Weltstadt ragt es empor. Nicht wie andere Monuments erhebt es sich an einem besonderen von der Alltäglichkeit weniger berührten Platz, wo sie zu stehen pflegen, damit man ihnen mit einiger Sammwng entgegentrcten kann. Und dennoch zieht es den Blick mit magischer Gewalt zu sich hinauf und alle d.e Taufende, dis gerade dort in emsiger Geschäftigkeit vorübereilen, sie verharren einen Augenblick an diesem Denkmal, dcm Denkmal des großen Kurfürsten. Es ist das bezeichnend. Denn es giebt ja in Berlin mehr Standbilder, auch von nicht minder bedeuten- den Männern, und dennoch eilt L-rz und Aug ab- qostumpft an ihnen vorüber. Wohl find leit dem Hinscheiden jenes Fürsten, dessen Todestag heute das zweite Säkulum erreicht hat, wohl sind seitdem noch andere Großthaten von Kurbrandenburg und Preußen vsllführt worden, wohl hat Berlin auch ferner große Herrscher in feinen Mauern beherbergt. Ruhm und Ehre ihrem Wirken und Schaffen, von dem die Ge- schlechter nach uns noch singen und fagm werden. Aber alle die Kränze, welche Mit- und Nachwelt ihnen geflochten, sie werden überstrahlt von dem Glanze, der von den Herrscherthaten Friedrich Wil- Helms des großen Kurfürsten ausgeht, und auf seine Regierungszeit blickt der Geist des Vaierlandsfreur» des darum immer wieder mit Vorliebe zurück, gleich unserem Auge, das stets aufs Neue fein Standbild voll Bewunderung betrachtet. Mit Friedrich Wilhelm können überhaupt nur zwei Hohrnzollern riva- listren: Friedrich der Große und Kaiser Wilhelm. : Aber diese beiden Regenten haben ihre späteren Großthaten von einer sicheren Bosi aus durchführen können. Friedrich hatte von feinem Vater das beste europäische Kriegsherr und einen wohlgefüllten Kriegs« schätz geerbt, dazu ein Land, das mehr als em halbes Jahrhundert lang keinen Feind auf femem Boden gesehen hatte. Unter ähnlichen Verhältnissen gelangte Kaiser Wilhelm zur Regierung, und zwar al, ein gereifter, durch die Schule des Lebens bereits gegangener Mann. Doch unter welch' ganz anderen Um» und seine Seele Verhärtend, tret s Hütte ein, in der sein Freund und Gönner todeswund lag. Der Doktor war eben im - Begriffe, sich zu entfernen, wandte sich jedoch, als er l Lowder eintreten sah, nochmals um. dem Schreiber aus Palermo. Der Letztere, der für die Schiffbrüchichen ein | besonderes Interesse gefaßt halte, hatte eine Einladung, über Nacht zu bleiben, angenommen und Lowder erklärte, daß er bei seinem armen Freunve schlafen wolle, und zog sich, nachdem er seinen freundlichen Hausleutm eine gute Nacht gewünscht yatte, in das zweite Zimmer zurück. Als er eintrat, fand er, daß Guy in ruhigem, tiefen Schlafe lag; er schloß dis Thür; hinter sich, stellte fein L chi auf einen Schrank, bann wartete er, bis er hörte, daß dis Vttlni's und Palestro zu Bette gegangen warm. Hierauf näherte er sich leise dem Bette/ setzte sich bei demselben nieder und starrte das Gesicht des schlafenden Kranken an. Wie sehr hatten einige Stunden es verändert! Vor drei Stunden war es frisch, froh und leuchtend von Geist und Glückseligkeit gewesen - jetzt war es todtenblaß und hatte selbst im Schlafe einen etgmtbümliÄ kläglichen Ausdruck, welcher verrieth, daß der Verstand gewichen war. Lowder's Lippen bedtm. • zw Mehren; und Gry kann nicht mehr für mich sorgen — all' das ist vorüber! Es ist gar schön für mich, der ich arm, namenlos und verwaist bin, eine prachtvolle Heimath, eins große Erbschaft und väterliche Liebe zu erlangen. Mein Vater hat Unrecht an mir gethan, warum soll ich drescs Unrecht nicht an Anderen heimsuchen." Sein Flüstern wurde wild und lerbenschoftuch, als er diese Frage stellte. „Ich sagte Guy gestern Abend, daß ich keine Familienbande in der Welt hätte", dachte er nach finer unruhigrn Pause und sein Geist veränderte sich. „Ich habe keine Bande, die ich nicht durch- schneiden kann. Aber da ist eins - bsdaucrns- wertbes Mädchen, sie muß glauben, ich sei in diesem Sturme zu Grunde gegangen und es ist gut so, denn ich darf sie nicht die Wahrheit ahnen lassen, damit - -- ■ immer an die Ferse heftet. Nur der Welt wäre im Stande, mich zu muß Hr den Rücken kchrm für — ihr und «einer ganzen Ver- „Jch werde morgen wieder kommen", sagte er, „Md Ihr könnt Euch darauf verlassen, daß ich mein Möglichstes thun werbe, die Wunde Eures Freundes zu kuriren. Seinen Körper kann ich heilen, seinen Verstand leider nicht —" „Und ist gar keine Täuschung möglich?" „Nein. Ich habe derlei zu oft erlebt, um mich noch täuschen zu können, morgen komme ich wieder — guten Abend!" Lowder war allein mit den Vlcmr's und Palestro, Er nahm den armen verbundenen Kopf in seine Arme und rief leise: i Gny I Guy!" Aber der Kranke rührte sich nicht in seinem tiefen Schlafe und antwortete nicht auf sein angstvolles Flüstern. (Fortsetzung folgt.) 203 Kopf In seins n seinem Hefen in angstvoller ie Kurfürst. M Todestag rrlin steht ein m Gewoge der andere Monu- iberen von der kjo sie zu stehen jer Sammlung >ht er den Blick f und alle die >r Geschäftigkeit nblick an diesem Kurfürsten. EZ ja in Berlin linbtr bedeuten- i und Lug' ab« I find seit dem rslag heute das ad seitdem noch rg und Preußen rch ferner große gt. Ruhm und >n dem die Ge« sagm werden, und Nachwelt rahlt von dem Friedrich Wil- , und aus seine liaterlandssreur- be zurück, gleich sein Standbild Friedrich Wil« chmzollern rioa- Kaiser Wilhelm. , ihre späteren aus durchführen Vater dar beste gefüllten Kriegs« ehr als ein Hal« uf semem Boden iltniffen gelangte d zwar al» ein ;3 bereits gegan« mz anderen Um» ständen bestieg Friedrich Wilhelm den Thron! Sin Jüngling von 20 Jahren, nimmt er das väterliche Erbs in Besitz, welches der 30jährigs Krieg, der beweinenswerrheste, so je geführt worden, in der furchtbarsten Weise zerrüttet hatte. Städte ohne Bürger, Dörfer ohne Bauern, das verwüstete Land von einer fremdländischen, ungezügelten Soldateska besetzt, ohne Geld, ohne eigene Truppen, so fand er sein Reich vor. Sein eifrigster Bewunderer, Friedrich der Große, sagt von diesem Moment der Thronbesteigung: „Herrscher ohne Besitz, Kurfürst ohne Macht, Bundesgenosse ohne Freunde, begann er die Regierung. Und in dieser trüben Zeit gab er Be« weise einer vollendeten Klugheit und aller derjenigen Tugenden, welche uns würdig machen, Menschen zu regieren." Was waren aber bas nun für Menschen, zu deren Regiment der unerfahrene Hohenzollem-Jüng- ling berufen ward? Bettler waren es und noch Schlimmeres als das. Es ist geschichtlich erhärtet, daß in der Uckermark die Verhungernden einander selbst anfielen, daß Menschenfleisch gekocht, gebraten und gegeffen wurde. Der Rath von Berlin schrieb dem jugendlichen Herrscher nach Königsberg, wo er sich beim Tobe seines Vaters befand: Auf viele Meilen finde man weder Menschen noch Vieh, ja nichr einmal einen Hund oder eine Katze. Viele hätten sich beeilt, durch Wasser, Strang und Messer ihrem elenden Leben ein Ende zu machen und dennoch würden die Kriegssteuern mit Gewalt beigetrieben. War es da zu verwundern, daß der Kurfürst selbst die Last, die er auf sich nahm, fast unerträglich nannte? Aber wir er ihrer bald Herr geworden, das geht aus einem Bericht hervor, den der bekannte schwedische General Torstrnson im Januar 1645 von Land und Leuten, im kurfürstlichen Gebiet entwarf: „Sintemal selbige in gutem Zustand, also daß nicht allein dis alten Inwohner zu dem Ihrigen sich wieder gefunden, sicher wohnen, den Ackerbau, Handel nnd Wandel sicher fortsetzen, sondern auch anderer Herrschaften Unterthanm sich unter des Kurfürst-» Schutz begeben haben!" Damit vergleiche man den Schmerzensschrei der Stadt Berlin und man wird diese Wandlung der Verhältnisse innerhalb 4 Jcchrm und weiterer Kriegsunruhen als ein Wunder anstaunen müssen. Und dieses Wunder hatte einzig und allein das Genie Friedrich Wilhelms bewirkt. Er hatte in Holland seine Erziehung genossen. Dort hatte er auch gesehm, was ein gut geleitetes Volk trotz Krieg und Roth zu erreichen vermag und er hatte sich dis Dränier zum Muster genommen. Seit 70 Jahren führten die Generalstaaten Krieg mit Spanien, damals dem mächtigsten Land Europas. Die Bewohnerschaft hatte nicht nur mit den Menschen, sondern auch mit den Elementen, dem Meere, einen bitteren Kampf zu führen — und dennoch war Holland von Jahr zu Jahr reicher geworden, blühten Kunst und Wissenschaften immer weiter empor. Aus dem geliebten Holland führte sich Friedrich Wilhelm denn auch die Braut heim. Er hätte politisch bedeutsamere Ehen eing-hen können. Zunächst hatte ihm 1641 d.r Polmkönig, damals noch sein Lehnsherr über das Herzogthum Preußen, die Tochter zur Frau angetragen. Aber der Kurfürst war höflich mit den Worten ausgewichen: „So lange ich mein Land nicht in Frieden regieren kann, darf ich mich nach keiner anderen Geliebten als dem Degen umsehen!" Dann ward ihm die Königin Christine von Schweden als Gemahlin in Vorschlag gebracht. Aber e$ dar.kie für die Ehre, der „Mann einer Königin zu sein." Er folgte seinem Herzen und am 7. December 1646 vermählte er sich mit Luise Henriette von Oranien, und reiches Eheglück erblühte ihm aus diesem Bande. Nicht die Aufgabe dieser Zeilen kann es sein, die kriegerischen Ruhmes- thaten des großen Herrschers im Weiteren auszu- sühren. Es wäre auch ein überflüssiges Beginnen. Denn jeder deutsche Knabe hat gehört von der dreitägigen Schlacht bei Warschau / wo die Dberlehns- hoheit Polens dahin sank, er weiß von den Kämpfen am Rhein gegen die Heerschaaren des unersättlichen Ludwig XIV. und endlich ist ihm der Name Fehrbellin so geläufig, wie Königgrätz und Sedan. Der großen Menge aber nicht so bekannt sind einige seiner friedlichen Maßnahmen, wie differ weit aus- schauende Fürst Gesetze erlassen wollte, welche erst die allerjüngste Zeit eingeführt hat. So z. B. gedachte er „Gewerbefreiheit" zu geben und nur der Widerspruch des Landes ließ das Gesetz nicht zur That- sache werden. Ebenso hätte er dis Zunftgesetze aufgehoben, wäre seine Zeit nicht dem mit aller Macht entgegengetreten. Doch so viel als er vermochte, durchbrach und lockerte er das engherzige Zunftwesen, indem er durch ausdrückliche Verbote das bisherige Unrecht untersagte, ganzen Klassen von Menschen, z. B. dm Kindern von Schäfern den Zutritt zu den Zünften zu verschließen. Er baute Straßen und Kanäle und ist der Begründer der Staatspost gewesen. Der geschädigte Reichsposthalter, der Fürst" von Thurn und Taxis, erhob zwar bittere Vorwürfe gegen Friedrich Wilhelm, als ob sich dieser durch die Post hätte bereichern wollen. Die Post kostete im Gsgmthsil dem Kurfürsten Geld, er erkannte jedoch, daß sie „zur Wohlfahrt allen Unseren Landen gerichtet" und organisirte sie so vortrefflich, daß sie den anderen Staaten bald zum Muster diente. Zwei Jahrhunderte vor uns schuf er eine Flotte und gründete mit ihrer Hülfe Kolonien. 1884 nahm da» große Deutschland die Kolonialpolit'k wieder auf, welche das kleine Brandenburg im Jahrs 1682 begonnen hatte. Ja I Klingt es nicht wie eine Sage, daß kurbrandenburgische Schiffe im Golf von Mexiko mit spanischen Kriegsschiffen gefochten haben ? Er war auch der erste Fürst, welcher deutsch fühlte, dachte und handelte. Als Karl X. von Schweden in Mecklenburg und Holstein eingefallen war, da erließ der große Kurfürst einen Aufruf: „An den ehrlichen Deutschen!" in welchem es unter Anderem heißt: „Wir sind schier Dienstknecht fremder Nationen geworden. Was sind Rhein, Weser, Elbe, Oderstrom 204 anders als fremder Nationen Gefangene? Wem noch deutsches Blut im Herzen warm ist, muß darüber weinen, darum gedenke, daß Du ein Deutscher bist!" Aber diese kernige deutsche Gesinnung hat ihn nicht gehindert, bedrängten Fremden seine Lande zu öffnen. Den aus Oesterreich ausgewiesenen Inden öffnete er die Mark und die bedeutendsie That am Ende seiner Regierung, das Edikt von Potsdam, dis heroische Antwort auf bas Edikt von Nantes, welches Hun- derttausende braver Bürger um rhrrs Glaubens willen in das namenloseste Unglück stürzte, führte Tausende von protestantischen Franzosen in seine Staaten. Zum Segen seines Reiches haben sie hier in den Künsten des Friedens gewirkt und sind alle mir ganzem Herzm gute Deutsche geworden. Noch heute segnen die „französischen Kolonisten" das Andenken eines Regenten, der allein von allen deutschen Fürsten ohne Furcht vor dem allmächtigen „Sonnenkönig" ihre Vorfahren aus Schmach und Tod einst erreit-te. Wir aber können dieses Ged-nkblatt an dm unsterblichen Fürsten nicht besser beschließen, als mit einer Strophe, welche 1686 u Paris, also unter den Augen des sich für den ersten Herrscher halten- den Ludwig unter einem Bilde des Kurfürsten zu lesen war, und welche in der Uebersetzung ungefähr so lautet: Im treuen Abbild seht den Helden hier, Des Deuschen Reiches Hort und Zier, Die größten Kaiser übertrifft er weit Durch Tugend und durch Tapferkeit. I e r w< richt e s. Wie Kaiser Wilhelm seinen Sohn und Enkel, den Kaiser Friedrich und Kronprinzen Wilhelm, in den Heeresdienst einführte. Kaiser Friedrich steht am 2. Mai d. I. 39 Jahre lang im praktischen Militairdienst. Wie alle Prinzen des preußischen Königshauses, so ist auch unser Kaiser mit dem 10. Lebensjahre mit dein Range eines Lieutenants in die Armee eingetreten, der praktische Dienst beim ersten Garderegiment zu Fuß begann aber erst mit dem 18. Lebensjahre. Der 2. Mai ist für das erste Garderegiment ein Ehrentag, weil am 2. Mai 1813 in der Schlacht bei Groß-Görschen dieses Garderegiment die Feuertaufe erhielt. Am 2. Mai 1849 fand dann auch die Einführung unseres jetzigen Kaisers in das 1. Garderegiment statt. Der damalige Prinz von Preußen, Kaiser Wilhelm, hielt bei dieser Gelegenheit an die im Lustgarten versammelten Offiziere des Regiments eine Ansprache, welche der Ereignisse des Jahres 1848 gedachte und mit folgenden Worten schloß: „So übergebe ich Ihnen denn meinen Sohn in der Hoffnung, daß er Gehorsam lernen wird, nm einst befehlen zu können. Ich hoffe, er wird seinem Namen und seiner Armee Ehre machen. Dafür bürgt mir der Geist, den Gott in ihn gelegt hat — nicht wir!" Und zu seinem Sohne gewandt fuhr der Vater fort: „Dir aber wünsche ich, daß Du dereinst dasselbe erfährst, was Dein Vater erfahren hat! Meine Herren, ich spreche es Ihnen nochmals I aus, es ist die schönste Freude Meines Lebens gewesen, zu sehen, wie die Treue und innige Theilnahme Meiner Untergebenen sich in schweren Tagen — in der Nähe und in der Ferne — nicht verleugnet hat! Das wünsche ich auch Dir! Und so thue nun Deine Schuldigkeit!" — Kronprinz Wilhelm steht feit 11 Jahren im praktischen Militairdienst. Er ist aber bereits am 2. Mai 1869 bei der großen Kirchenparade des ersten Garderegiments in Potsdam als jüngster Lieutenant vor dem Großvater mit dem Regiment vorbei- ! marschirt und dabei dem Offiziercorps vorgestellt wor- i den. Damals machte auch der älteste Offizier des ■ Regiments, der General von Werder, die Parade l mit, als einziger noch lebender Offizier, der mit dem । Regiment die Feuertaufe bei Groß-Görschen empfangen. Der König richtete damals folgende Worte an seinen i Enkel: „Du, Prinz Friedrich Wilhelm, hast an diesem j Tage zum ersten Male Deinen Degen im Regiment ! gezogen. An den ältesten Offizier desselben gedenkend, ! wünsche ich Dir, daß Du Deinen Degen bis in ein [ spätes Alter in und mit dein Regiments tragen mögest e und daß es auch Dir einst vergönnt sei, nach einer Iso langen Dienstzeit, wie des Generals v. Werder, auf ein neues und glänzendes Capitel in der Geschichte dieses braven Regiments zurückblicken zu können, wie dies dem General 1866 beschieden gewesen ist!" In den „Dienst" trat Kronprinz Wilhelm erst im Jahre 1877. Am 9. Februar 1877 wurde er in | Gegenwart des Vaters von dein kaiserlichen Groß- ! vater seinem militairischen Vorgesetzten vorgestellt, i In seiner Ansprache sagte Kaiser Wilhelm u. A. zu seinem Enkel: „Das Gardecorps, welchem Du schon angehörst, und mjt ihm das Regiment, in welches Du jetzt eintrittst, haben in hervorragender Weise zu den rnhmreicheii Erfolgen der Armee beigetragen. Die Zeichen, welche Ich auf Meiner Brust trage, : sind der öffentliche Ausdruck Meiner unauslöschlichen Dankbarkeit und Meiner nie endenden Anerkennung für die Hingebung, mit welcher die Armee Sieg auf Sieg erfochten hat. Deine Jugend ist in diese Zeit gefallen und Du hast in Deinem Vater ein ehrendes Vorbild der Kriegs- und Schlachtenleitung. Nun gehe und thue Deine Pflicht, wie sie Dir gelehrt werden wird. Gott sei mit Dir!" Noch an dein» selben Tage stellte der damalige Kronprinz seinen Sohn im Exercirhause den Offizieren vor. Er selbst, so führte er bei dieser Gelegenheit aus, habe die Schule des Regiments durchgemacht und könne seinem Sohne nur Glück wünschen, daß er berufen sei, dasselbe zu thun. Dieser würde stolz sein, eine Uniform zu tragen, welche er, der Vater, während seiner gesammten Dienstzeit getragen habe. Prinz Wilhelm erhielt als \ Premierlieutenant die Führung des zweiten Zuges ■ und that von diesem Tage an den regelmäßigen Dienst. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.