Deutschland zu nii Varrchagm i, Ludwig Roche , in seiner Rutsches Leben, atte, dis Nsi- Preußen und laffsn. „Ich s meiner inne» Aussicht (in u werden) ist Reiz für mich Solche Stellen er Anwesenheit wie stark die stets über den oordenen Fran- i das napaleo- Der Wirbel« auch Chamisso, Hungen seiner ingen, daß er kämpfer gegen er gelegentlich toöl genügend ;Hte. Die Un- er alles um sich ah, verurtheilt !ges der Zvi--- -ntlichen Vater» deutsche Sache, Partei, welche in eine Nieder» $ für nothwen- Zeit lang von ; zu entfernen." amals entstand ufenthaltes der Mannes ohne laligen Seelen« Wunde seines t Neuem erhob, chl" klagt er. gen Bewegung Iben zu müssen; die Anstellung chen Expedition Ereignisse her- ilbwesenhstt in trückkchrte, da eßlich erwähnt, ch schrieb, den« ohne den ge» , Seine AuL- und die Worte und mit einem 1888. Donnerstag den 23. August. Nr. 99. Der Kröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. Pfarrhauses angelangt und stiegen ab. Tressilian band die Pferde an Holzpfähle, uno Olla den Arm reichend, führte er sie zur Thürs des Pfarrhauses, an welche er laut klopfte. Der Geistliche, Herr M'Dougal, eine grauköpfige Gelehrten-Erscheinung von etwas gebeugter Gestalt, öffnete. Tressilian stellte erst Olla und dann sich selbst vor und gab ihm dann seinen Wunsch zu er kennen. „Ihr habt, wie ich glaube, Eile?" fragte der Geistliche in mildem, väterlichen Tone. „Wollt Ihr in der Kirchs getraut werden?" „Ich würde es vorziehen", sagte Olla rrrothend. Sie gingen hinaus, durchschritten den Garten und traten durch eine Hinterthüre in die Kirche ein. Die Kirche war von Innen ebenso einfach wie von Außen. Keine farbigen Glasfenster, kein ge« schnitzter Altar, keine große stattliche Orgel. Die Fensterscheiben waren aus weißem, matten Glas, die Wände einfach weiß getüncht und die alten Bänke und Betstühle sahen aus wie Uebensste einer längst vergangenen Zeit. Zu Olla's Bestürzung war das Haurthor der Kirche geöffnet worden, und ein kleines Häuflein von Dorfbewohnern war neugierig in die Kirche einge» drungen, um Zeugen der Feierlichkeit zu sein. Die kleine Versammlung bestand aus dem Schlosser, einem ! Krämer, mehreren Arbeitern und einigen Weibern. Die kurzfe Csremonie war bald vorüber. Die Worts waren gesprochen, welche Olla und Guy miteinander vereinten, um nie wieder getrennt zu wer« den, so lange sie lebten. Herr M'Dougal zog sich in dis Sakristei zurück \ und schrieb einen Trauschein, welchen er zur Unter- - fertigung von Zeugen in die Kirchs hinaus brachte. I Der Schlosser, der Krämer und einige Frauen setzten - ihrs Namen darunter. Dann führte der Geistliche f das junge Paar in das Pfarrhaus zurück und be» ! wirthete es mit Wern und Kuchen. Tressilian, welcher in der Börse Jasper Lowder's i noch etwa dreißig Pfund gefunden hatte, drückte zwei Dritttheile dieses Betrages dem erfreuten Pfarrer in die Hand und um 9 Uhr stieg das junge Paar ; wieder zu Pferds und ritt nach Blsak-Top zurück. Etwa zwei Stunden später waren sie vor dem 1 einsamen Hause auf dem Berge angelangt. Die Popley's und Ripp's liefen ihnen mit leuchtenden Gesichtern entgegen. Tressilian hals Olla abfierg-n, führte sie zu Frau Popley und sagte lächelnd: (Fortsetzung.) Wenige Minuten darauf erschien auch Olla. Sie hatte ein dunkles Rsitkleid angelegt und trug über demselben ihre Rsisejacke und ein kleines Pelzhütchen. j Tressilian half ihr in den Sattel und bestieg dann das für ihn bestimmte Pferd. Das Haurp-rsonal war versammelt; nur unter herzlichen Glückwünschen trat das junge Paar die bedeutungsvolle Reife an. Ein kleines schottisches Dörfchen, das etwa zehn englische Meilen von Bleak-Top entfernt lag, war das Reiseziel der Liebenden. Sie ritten den Berg hinab über eine ungemein holprige Straße, aber dis Liebenden machten sich nichi viel aus den Mühen und Beschwerden; sie waren zu glücklich, um sich viel darum zu bekümmern. Und dennoch, als sie über dis Grenze waren und schottischen Boden unter sich fühlten, athmeten sie freier auf. Es schien ihnen, als ob sie bereits eine Schranke zwischen sich und Herrn Gower errichtet hätten. Um halb 9 Uhr, als die Sonne bereits ansing, I matt aus dem Nebel hervorzuleuchten, ritt das junge f Paar über die steinige Straße des schottischen Dörf- ? chens Dunmuir ein. Wie Gloam-Vale jenseits der Grenze bestand auch Dnnmuir aus wenigen ärmlichen, aus Stein gebauten Hütten; aber im Ganzen hatte das Dörfchen einen malerischen Anstrich durch die eigenthümlichs B.umrt der kleinen Häuschen. Da« Dorf lag viel zu sehr j versteckt und abseits, um häufig von Reisenden besucht zu werden, und es war daher nicht einmal ein ‘ Gasthof in demselben. ■ An dem unteren Ende der Straße war die kleine Steinkirche, welche weder Thurm noch Glocke besaß, und hinter derselben, inmitten eines düsteren, schattigen Gartens stand das alte, mit Epheu überwachsene Pfarrhaus. „Hier ist das Ziel unserer Wanderung", sagte Gay Tressilian, auf die Küche deutend. „In wenigen Minuten werden wir dort fein." Sie ritten die Straße entlang und die Hufe der Pferde widerhallten laut von dem Steinpflaster. Nach den vielen Gesichtern zu fchließen, die an den Thüren und Fenstern erschienen, al« das junge Paar vorüber kam, waren Fremde in Dnnmuir wohl eine Seltenheit. Endlich waren sie vor dem Garten des (Eichener Iamiüenblätler Belletristisches Beiblatt ?um Gießener Anzeiger. h) in Gießen, 898 „Krau Popley, erlaubt mir, Euch meine junge ' Gattin Frau Guy Tresstlian vorzustellrn." Ein Freudenruf entrang sich Olla's alten treuen Dienern und Freunden. Das junge Paar wurde mit Glückwünschen überhäuft. „Herr Gower ist noch nicht gekommen", rief Frau Popley, während Christoph Ripp die Pferde in den Stall führte. „Das einfache Hochzeitssrühstück ist bereit. Herr Gower kann jetzt kommen, wenn es ihm beliebt. Wir find bereit für ihn!" Olla eilte auf ihr Zimmer und zog rasch ihre dunklen Reisckleider aus. Dann ging sie in den Salon hinab, wo Tressilian allein war und sie erwartete. Er stand vor dem Kamine, wandte sich aber rasch nach ihr um, als sie schüchtern und erröthend hereinkam, und breitete die Arme nach ihr aus, während sein schönes Gesicht von einer unaussprechlichen Freude leuchtete. „Meine Braut! Meine Gattin I" flüsterte er, als ihr kleiner edler Kopf an seiner Brust lag. „Kein Kummer kann Dich jetzt treffen, so lange ich die Macht habe, ihn abzuwehren. Eine lebenslängliche Zärtlichkeit und unvergängliche Liebe soll der Lohn für Deine unvergleichliche Hingebung sein!" Sie standen so verschlungen, als Popley klopfte und meldete, daß das Frühstück servirt sei. Arm in Arm ging das junge Paar nach dem Speisezimmer. Der Tisch hatte trotz der kurzen Zeit und den beschränkten Mitteln, welche Frau Ripp und Frau Popley zu Gebote standen, ein festliches Ansehen. Sie verweilten noch an dem Tische, als mit lautem Gepolter an das Hausthor geklopft wurde. Popley wurde bleich und eilte hinaus. In wenigen Minuten kam er zurück und sagte: „Herr Gower ist angekommen, Fräulein Olla. Er ist im Salon und wünscht Euch augenblicklich zu sehen." „Wir wollen ihn sehen", sagte Tressilian. „Po- pley, laßt in einer Stunde die Pferde satteln, denn wir müffen abretsen. In Alnham wollen wir andere Pferde und einen Wagen zu bekommen suchen, dann kann Ripp diese Pferde nach Hause bringen." Er stand ruhig aus, ebenso Olla, die seinen Arm nahm und das Paar begab sich in den Salon. Herr Gower ging in dem Zimmer auf und ab, wie ein Löwe im Käfig. Als Olla und Guy eintraten, blieb er ihnen gegenüber mit einem triumphi- renden Hohnlächeln auf seinen sinnlichen Lippen stehen. „So habe ich Euch also endlich gefunden?" rief er in siegesbewußtem Tone aus. „Ihr seid mir dieses zweite Mal in Palermo gar schlau entwischt, Olla; aber Ihr seht, daß ich nicht zu überlisten bin. Warum sprecht Ihr nicht? Hat Euch mein Erscheinen stumm gemacht?" „Ihr wollt Euch gefälligst in Acht nehmen, mein Herr, wie Ihr diese Dame ansprecht", sagte Tressilian stolz. „Ein etwas achtungsvollerer Ton könnte Euch nicht schaden." Herr Gower erschrak und starrte den Sohn des Baronets an. — „Ha!" rief er aus. „Ist das Eurr Irrsinniger, Olla? Was — wer —" „Als Ihr mich zuletzt gesehen habt, lastete Nacht auf meinem Verstände", sagte Tressilian. „Seit meiner Rückkehr nach England war ich, Dank Olla, unter ärztlicher Behandlung und habe meinen Verstand wieder vollständig erhalten." „Wirklich 1" schrie Gower, und ein Ausdruck von Wuth und Aerger glitt über sein Gesicht. „Euer Verstand ist wieder hergestcllt! Ei, Doktor Spezzo sagte, Eure Heilung sei unmöglich. Ich glaube, Ihr wißt, daß ich der Vormund dieser jungen Dame bin. Als solcher befehle ich Euch, sie augenblicklich los- zulaffen." „Das Recht zu befehlen ist jetzt vorbei", unterbrach ihn Tresstlian ruhig. „Ich bin jetzt der Vormund dieser jungen Dame." „Ihr seid ihr Vormund? Mit welchem Rechte?'' „Mit dem Rechte eines Gatten!" entgegnete Tressilian ruhig und strenge. „Wir haben heute Morgen über der Grenze drüben in dem schottischen Dorfe Dunmuir geheirathet!" Gower stieß einen heiseren Wuthschrei aus und griff dann nach dem nächsten Stuhle. „Verheirathet", keuchte er. „Verheirathet!" „Ja. Wollt Ihr vielleicht dm Trauschein als Bestätigung meiner Aussage sehen? Hier ist er." Tressilian nahm das Dokument au» seiner Tasche und zeigte es Gower. „Verheirathet", wiederholte Gower mit hohler Stimme. „Es ist also Alles aus?" „Ja, es ist zu spät für Euch, um mit Olla von Liebe zu sprechen", sagte Tressilian. „Die Zeit der Verfolgungen, mit denen Ihr Eure junge Mündel gequält habt, Eurer Pläne, — sie zu einer Heirath mit Euch zu zwingen — diese Zeit ist jetzt auf immer vorbei." Herr Gower hob sein durchfurchtes Gesicht empor, das sich jetzt vor Wuth und Trotz röthete. „Einen Augenblick, Herr Jasper Lowder", sagte er in hartem, bitterem Tone. „Ehe Ihr mich aus dem Hause weist, laßt mich Euch sagen, wer ich bin. Aber erst laßt mich Fräulein Olla sagen, wen sie ge« heirathet hat. Euer verlobter Bräutigam ist rin Bettler — ein elender Bursche! Es befindet sich in der Nachbarschaft eine junge Frau, die jetzt über ihr gestorbenes Kind weint, und welche in Folge einer früheren Heirath ältere Ansprüche an Euren Gatten hat, Olla. Was habt Ihr nun zu alledem zu sagen?" „Daß es falsch Md erlogen ist", erwiderte Olla ruhig. „Glaubt Ihr? Meine Frau wolltet Ihr nicht sein — wie würde es Euch nun gefallen, meine Schwiegertochter, die Frau meines illegitimen Sohnes zu sein? — Denn Jasper Lowder, Euer Bräutigam, ist mein nicht anerkannter Sohn, Madame. Die Verwandtschaft wird ihm jedoch wenig nützen, denn ich will es Euch Beiden nur gleich sagen, daß 899 m Sohn des c Irrsinniger, lastete Nacht n. nd war ich, rg und habe ilten.“ x llusdruck von sicht. „Euer )oktor Spezzo } glaube, Ihr en Dame bin. nblickiich los# itbei", unter# jetzt der Vor# Hem Rechte?" " entgegnete haben heute m schottischen irei aus und irathet I" rauschein als Hier ist er." seiner Tasche : mit hohler mit Olla von ,Die Zeit der unge Mündel einer Heirath ist jetzt auf Gesicht empor, icte. owder", sagte Zhr mich aus , wer ich bin. n, wen sie ge« tigam ist ein efindet sich in jetzt über ihr n Folge einer Euren Gatten !M zu sagen?" erwiderte Olla tet Ihr nicht fallen, meine egittmen Soh- , Euer Bräu# ^n, Madame, wenig nützen, ich sagen, daß ich ihn nie und nimmer öffentlich anerkennen will, noch ihm je einen Pfennig meines Vermögens gebe." Dieser Erzählung lauschte Tressilian mit großer Aufmerksamkeit und Licht drang in seine Seele, als er sich an dis Geschichte erinnerte, welche ihm Low# der in der Nacht des Schiffbruches erzählte, als die beiden jungen Männer dem Leser zum ersten Male vorgeführt wurden. „So seid Ihr also, Herr Devereux Gower, der Vater von Jasper Lowder!" rief er aus. „Ich Habs von Euch schon früher gehört. Euer Sohn, Herr Gower, ist in Tressilian-Hof in Glocestershire unter einem angenommenen Namen. Mein Name ist Guy Tressilian!" Herr Gower wiederholte den Namen erstaunt. „Ihr seid nicht Jasper Lowder?" sagte er voll, ständig verblüfft. „Nein, ich bin nicht dieser Schändliche. Ich bin der Sohn von Sir Arthur Tressilian. Euer Sohn, Herr Gower, ist in Tressilian - Hof unter meinem Namen. Er hält mich für blödsinnig und hat sich meinen Namen und meine Stellung angeeignet. Lady Tressilian und ich reisen gleich nach meiner Heimath ab und ich werde Jasper Lowder Gower in Gegen# wart meines Vaters gegenübertreten und ihn ent# larven, wie er es verdient." Einige Augenblicks lang saß Gower schweigend da; dis Bitterkeit dieser unerwarteten Niederlage traf seine Seele mit furchtbarer Gewalt. Olla war für immer aus seinem Bereiche. Jasper Lowder war in Gefahr, dem Gesetze übergeben zu werden, und wenn die, an denen er sich so schwer vergangen hatte, ihn nach Verdienst verfolgen wollten, konnte seine Strafe wahrlich nicht so leicht sein. Und für den Fall von Lowder's Verurtheilung mußte auch, da Herr Gower sich als Lowder's Vater erklärt hatte, der Name Devereux Gower mit Schmach und Schande bedeckt werden. Nach einer Weile schaute der nieder« gedrückte und überwältigte Schurke mit hohlen, stieren Blicken auf und sagte: „Olla, wenn Ihr die Vergangenheit vergeffen wollt, will ich es auch. Die Welt braucht unsere geheimen Kümmernisse nicht zu kennen. Und was Lowder anbelangt, so will ich mit Euch nach Tressi« lian.Hof gehen. Ich bin begierig, ihn zu sehen." Olla und Guy hatten keine Einwendung gegen diesen Entschluß; und eine halbe Stunde später, als das junge Paar Bleak Top verließ, um seine Reise anzutreten, folgte ihnen Devereux Gower zu Pferde. In Alnham nahmen die jungen Eheleute einen Wagen und setzten die Reffe dir Alnwick fort, von wo sie mit der Bohn nach Glocefler sich begaben. Herr Devereux Gower nahm einen Platz in dem nächsten Coupö und in demselben Zuge reiste auch die arme Hester Lowder. Wahrlich, dieser Zug, der gegen Süden brauste, brachte Jasper Lowder nichts Gutes. Neununbvierzigstes Kapitel. Eine schreckliche Verlegenheit. Es war Weihnachtsmargen — hell, klar und frostig, mit reiner scharfer Luft und kaltem, winterlichem Sonnenschein. Die Natur hatte ihr Bestes geihan, um England eine „fröhliche Weihnacht" zu bescheeren, im ganzen Lande erklangen die Weih# nachtsglocken und Reich und Arm freute sich des größten Festtages im Jahre. In Tressilian-Hof war es feit uralten Zeiten Sitte gewesen, das Weihnachtsfest zu feiern. Alle Vorbereitungen dazu waren bereits getroffen worden. Ungefähr um 9 Uhr an diesem Weihnachtsmorgen fuhr ein Wagen in dem Gasthofe zum Trefsi# lian-Wappen in Ardleigh ein, und eine schwarzgekleidete, junge Frau, deren Gesicht von einem dichten Schleier verhüllt war, stieg aus, und begab sich in den Gasthof. Diese junge Frau war Hester Lowder. Ohne ihren Schleier zurückzuziehen, fragte sie, ob ein Herr Namens John Harville hier wohne. „Ein Herr dieses Namens wohnt weder hier, noch überhaupt in Ardleigh, Madame", war die Antwort des Wirihes. „Ist — ist vielleicht in Tressilian-Hof ein Herr Namens Jasper Lowder?" fragte die schwergetroffene, junge Frau in stammelndem Tone. „Es kann sein, Madame; ich weiß es aber nicht", entgegnete der Wirth. „Soll ich einen Boten schicken und fragen kaffen?" Die junge Frau schüttelte den Kopf und machte sich allein nach Tressilian«Hof auf. Sie ging langsam durch das Dorf hinab, an den gefchloffenen Läden und an Gruppen spielender Kinder vorbei, und an der schönen Steivkirche, aus der frommer Gesang herausschallte. Hester gelangte in das flache Land hinaus. (Fortsetzung folgt.) U ------- „Mil oßne.“ Berliner Gerichtsscene. Ein echter Berliner Junge war es, der gestern vor Gericht ein; Angeklagte zu den folgenden klassischen Worten veranlaßte: ,,Det ick det jedhan hädde, wenn ick ihn jekriegt hädde, det streite ick nich, denn verdient hadde er's uit det derbe. Weil ick ihn nu aber nich jekriegt habe, will ick ooch keene Strafe kriejen, denn ick werde mir doch nich wejen so'n dummen Bengel in’t Loch stecken lassen! — Bors.: Davon ist keine Rede, Sie sind nur wegen groben Unfugs in eine Geldstrafe von drei Mark genommen worden, wofür Sie allerdings auch einen Tag Haft verbüßen können. Nun meine ich, Sie sollten lieber die Berufung zurücknehmen, wenn Sie dm Jungen geohr- feigt haben, denn wenn der Junge :§ auch wirklich verdient hat, so sind Sie doch nicht bercchtigt, ihn so zu strafen, Angell,; Det eener bestraft nw’n soll. 400 weil er eenen wat jejeben hat, wat er verdient hat, bet is mir 'ne Bretzel, aber ick habe ihn ja nich gekriegt. Hinter ihm herjewesen bin ick, bet stimmt, un jeloofen bin ick, bet ick benke, ick soll Teckelbeene kriejen, aber ber infamigte Bengel konnte böller rennen, als wie ick, un dadurch is er mir benn escharpirt. — Bors.: Nun, bann wollen wir in bie Verhandlung eintreten, Sie heißen also Elise N, sind unverehelicht und 46 Jahre alt? — Angekl.: Det stimmt bis uf'n Namen un ’t Alter, un verheirath' wäre ick ooch schon längst, wenn mein seelijer Breitijam der Serschant, nich gestorben wäre. Wenn bat Alles so genau soll genommen wer'n, benn kann bet Alter ooch richtig anjejebcn wer'n, ick bin nämlich erst in't sechsunvierzigste. — Vors.: In ben Akten steht, Sie heißen Albertine Elise N. und sind am 4 April 1842 geboren. — Angekl.: „Ja, bette ooch richtig. — Vors.: Nun, bann rechnen Sie doch gefälligst mal nach, dann sind Sie ja bald 4 Monate über 46 Jahre alt. — Angekl. (nach einigem Besinnen): Mein Jotte doch, ja, Sie haben Recht, nehmen Sie't man nich for iebel. Wie doch die Zeit jetzt! Un denn nenne ick mir Albertine un nich Elise; als ick 70 als Marketenderin mit nach Frankreich jing, da hadde ick eenen Serschanten von die Maikäfer zum Breitijam un der sagde immer, det Albertine ville komilsoher klingen dhäte als Elise. — Vors.: So weit wären wir denn jetzt, reden Sie nun nicht mehr, als nöthig ist, damit wir zu Ende kommen. Sie haben eine Selterswasserbnde? — Angekl.: Jawoll, ick stehe dicht vor bie Hasenhaide. Aber et is 'n schweres Jeschäst un wenn ick keene Haare uf die Zähne hädde, dann würden Sie mir woll manchmal selbst im Ballon stecken un Erfrischungsjedränke von mir machen. Ick habe ville auszustehen von die Radaubrieder. Det is ’ne luftje Sorte, sage ick Ihnen, da muß mau immer uf 'n „vive lequi“ sind, als der Franzose sagt. Natürlich, wenn die Maikäfer in die Hafenhaide zur Schießübung jewesen sind, denn habe ick et jut, die kennen mir un ick kenne die, bet is fo meine Kulör. Vors.: Erzählen Sie uns boch nicht so viel Ueberflüssiges, sondern beginnen Sie bei dem Streit, den Sie mit dem Jungen hatten. — Angekl.: Also Sie kennen woll die berliner Jungens, Herr Jerichtshof. Als Soldaten sind sie ja jut, aber als Jungens? Ne janze Schwefelbande sage ick Ihnen, die nischt als Riedig- keiten in'n Kopp haben. Un denn, wat der is, den Schneider Heinzen seiner, der mir hier in bie Laube rinjebracht hat, ber is bet verwächste Subjeet wat ick kennen jelernt habe. — Vors.: Aber so kommen Sie nun endlich doch zur Sache. — Angekl.: Nu kommt die Schose jleich. Zuerst lernte ick ben Bengel kennen, als er an meine Bude kam unb en Jlas Wasser verlangte. Mit ober ohne? fragte ich ihn. Na, meente er, benn is bet ooch einjal, babruf kann't nich ankommen, benn jeben Sie mich mau mit ohne. Ick benke mir ba weiter nischt bei un plnmpse ihm erst for'n Sechser Himbeer in’t Jlas un benn bet Wasser obenbruf un jeb ihm bet, un uf eenen Zug brückt er’t aus. Denn legte er en Sechser hin un will jehen. Halt stopp, saje ick, bet kostet en Jroschen, wenn Sie „mit" bunten, hier steht es laut und deutlich angeschrieben. „Laut un deitlich angeschrieben, is jut" sagte bie Range un meent, mehr als'n Sechser bhäte er nich berappen, denn er hädde „ohne mit" verlangt un ick hädde ihm mit „mit" jejeben, wo er mir noch wegen Majenverletznng anzeijen wollte, indem sein Sanitätsrath ihm alle Sißigkeiten nn Compotts m it Ausnahme von'ne saure Jurke verboten hädde. Ja, Sie lachen, meine Herren, aber det hat er jesagt. Ick besinne mir denn nu en bisken un ieberleje mir: „ohne mit", un „mit mit", un „mit ohne" un denke zuletzt: na, wat willste Dir den Kopp zerbrechen, laß ben Bengel loofen. Er grinst mir benn noch so recht nieberträchtig an un schlenkert uf seine krummen Beene ab. Da, nach unjefähr acht Daje — ick strickte mir jerabe en Paar neie Fersen an — ba steht mein Mosje Urian roieber vor bie Bube un macht en Jesicht, so ehrbar als ’ne Töpperschürze. „Junge Frau, haben Sie ooch Appelsinensaft?" fragt er nur. Ick merke bet ja woll, bet ber Bengel mir uzen will, sage aber nischt, benn ick benke, er kommt schon so bichte ran, bet ick ihm eene löschen kann. Ick nicke also blos. „Is er benn och jut?" fragte er roieber. Ick jebe ihm keene Antwort. Na, meent er, benn schenken Sie man en Glas „ohne" in. Det muß ick buhn, benn ick bin Jeschäftsfrau. Erst brinkt er en bieten von un benn setzt er bet Jlas hin un meent: „Mein Jott, wo schmeckt bet flau, Sie haben mir wohl Wasser ohne Selter jejeben, bet schäumt jarnich." So: saje ick, berf ick mal kosten? unb babci bücke ick mir so vorne iebern Disch rieber un dhue, als ob ick bet Jlas in die Hand nehmen will, habe aber bie richtige und rejelle Absicht, un will ihm eene an bie Horchlappen jeben. Als ick so mit bie Hand aushole, is die Kröte aber flinker als ick, er zuppt mit’n Kopp zurück, nimmt det halbvolle Jlas un schmeißt mir bet janze Wasser in’t Jesicht rin. Nu können Sie sich wohl benken, bet ick fuchtig wurde, un nich blos in’t Jesichte, ick sack, sack zu die Bude raus un hinter den Bengel her. Aber ben konnte ick nich inholen un bie Leite, bie mir loofen sahen, bie lachten alle un zuletzt kam een Schutzmann, der fragte, wat denn los wäre un denn haben eimje Seite denn erzählt, det ick ben Jungen barbarisch verhauen häbde un benn hat ber Schutzmann mir ufjeschrieben. — Vors.: Warum haben Sie ihm benn nicht ben Sachverhalt mitgetheilt? — Angekl.: Konnte ick benn eenen Ton rauskriejen? Ick habde mit burch ben Aerjer un bet Loofen fo aus bie Constan- tennauze jerennt, bet mir Luft un Äthern stehen jebtieben waren! — Da bie Angaben ber bieberen Dame burch bie Beweisaufnahme unterstützt werden, so erfolgt zu ihrer sichtlichen Freube ein frei- sprechendes Erkeuntniß. (Börsen-Courier.) Redaction: i. B. Hermann Elle. -"Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.