Enchener AmilienbMer. Belletristisches Beiblatt ;um Gießener Anzeiger. Nr. 151.Samstag, dm 22. Dezember. 1888. Dunkel! Erzählung von Friedrich Friedrich. (Fortsetzung.) Prell richtete sich empor, sein Herz schlug schnell — er schöpfte tief Athem. Die Brust war ihm beengt. Es fehlte ihm zu dem, was er vor hatte, nicht an Entfchloffenheit, nur die Ungewißheit des Ausganges machte ihn beforgt. Der Abend war längst hereingebroLen — er hatte es kaum bemerkt. Er zündete Licht an und klingelte der Wirthfchafterin. Mit einem Auftrage sandte er sie in die Stadt. Horchend blieb er am Fenster stehen, bis er sich überzeugt hatte, daß sie fortgegangen war. Er war allein mit Paula im Hause. Der Kutscher war im Pferdestalle. Einige Secunden lang blieb er noch am Fenster stehen, er strich mit der Hand über die Stirn, dann wandte er sich ent- schloffen der Thür zu und schritt in Paulas Zimmer. In ihrer Stube saß Paula und la». Sie hatte den Kcpf dabei auf die Hand gestützt. Ihre Wangen waren bleich, es standen auf ihnen geschrieben die Schmerzen der letzten Monate. Ein wehmülhig trauriger Zug lag in ihrem Gesichte. Er machte sie noch schöner. Die bleichen Wangen, dazu da» dunkle Haar und die dunklen Augen. Langsam, wie ermüdet hob sie den Kopf empor, al» es an der Thür pochte. Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht, als sie Prell eintreten sah. ,.AH — Sie sind es!" sprach sie. „Hattest Du einen Anderen erwartet", warf Prell lächelnd ein. „Nein", versicherte Paula. „Wen hätte ich auch erwarten sollen I Aber auch Sie habe ich nicht erwartet, denn Sie kommen ja selten hierher I" Sie machte ihm Plotz auf dem Sopha. „Ich thne es nicht, Paula, um Dich zu stören", erwiderte Prell, indem er sich auf das Sopha niederließ. Jeder finstere Zug war von feinem Gesichte geschwunden. „Ihr Mädchen habt ja oft kleine Geheimnisse und wenn man dann unerwartet kommt —" Er vollendete seine Worte nicht. „Ich hebe keine Geheimnisse", sprach Paula. Sie sprach es so ruhig, so ernst, al« ob sie hatte sagen wollen, daß sie überhaupt nicht« mehr Hobe» was ihr ganzes, volles Interesse in Anspruch zu nehmen vermöge. „Komm', Paula, setz' Dich hierher zu mir", fuhr Prell fort. „Ich habe Mehrere« mit Dir zu besprechen — komm' Kind." Paula setzte sich zu ihm. „Ist es Dir nicht zu still — zu einsam hier im Hause?" fragte der Doktor. „Nein!" erwiderte Paula. „Diese Stills thut mir wohl — sie gewährt mir Beruhigung." „Du sehnst Dich also nicht fort von hier?" warf Prell ein. „Nein", gab Paula zur Antwort. Sie blickte ihn fragend an. Ein freudiges Lächeln glitt über des Doktors Gesicht. „Du brauchst ja auch nur den Wunsch nach Zerstreuung und Unterhaltung zu äußern", fuhr Prell fort, „und gerne werde ich ihn Dir erfüllen — es macht mir ja Freude." „Ich weiß es", entgegnete Paula. „Ich bin zufrieden mit meinem jetzigen Leben." „Paula", nahm Prell das Wort wieder und seine Stimme klang Heller. „Der alte Berger war heute bei mir. Er sprach den Wunsch aus — Dich in sein Haus — an Kindesstatt anzunehmen. Er bat mich — es Dir zu sagen." Forschend war sein Auge auf sie gerichtet. Von ihrer Entscheidung hing ja Alles für ihn ab. Paula schwieg. Diese Mittheilung kam ihr zu unerwartet. „Du schweigst, Paula", fuhr Prell fort. „Sprich Dich offen au« — Niemand soll Dich zwingen, daß Du etwas gegen Deinen Wunsch thust! Hast Du Lust in de« alten Bergers Haus — zu ihm zu ziehen?" Einen Augenblick zögerte Paula noch mit der Antwort, dann sprach sie ruhig und bestimmt ,Ja!" „Ja?" fiel der Doktor ein. Dies Wort erschreckte ihn. Es ließ das Blut aus seinen Wangen weichen. „Ja — sagst Du?" rief er. „Ich will e« thun", erwiderte Paula, welche die Veränderung, die dieses Wort in feinem Gesichte hervorgerusen hatte, nicht bemerkte. „Ich will ihm eine Tochter, will ihm Hugo zu ersetzen suchen, denn meinetwegen, durch mich — hat er ihn verloren." „Durch Dich?" rief Prell. „Ja, durch mich", fuhr Paula fort. „Meinetwegen ist der Streit zwischen ihm und dem Förster entstanden — und meinetwegen hat dieser ihn erschossen." „Und es wird Dir so leicht, dies Hau» — mich zu verlassen?" „Nein — nein!" rief Paula. „Ich bin hier 606 gewesen — Sie haben mir den Vater ersetzt und nie — nie werde ich dies vergessen!" „So bleib' hier!" rief der Doktor hastig, mit Mühe seine Erregung zurückhaltend. „Bleib' hier, Paula", fügte er mit milderer, weicherer Stimme hinzu, „ich will ja Aller — Alles ausbietrn, um Dich glücklich zu machen!" Ec erfaßte ihre Hand. Sie ließ sie ihm, ohne zu bemerken, wie fieberhaft heiß die seinige war. „Hugos Vater steht allein in der Welt da", sprach ste. „Er wünscht, daß ich zu ihm komme, und rs ist Pflicht für mich, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn, so viel es in meinen Kräften steht, den schweren Verlust vergessen zu machen." Prell schwieg. Er hatte die Lippen aufeinander gepreßt, fest, unheimlich fest. Seine Brust athmrte | schneller, sein Auge glühte. „Paula — Du darfst nicht fort", sprach er mit hastiger, bebender Stimme. „Du darfst mich nicht ] verlasse» — Du — Du bist der einzige Wunsch ; meines Lebens — ich liebe Dich, Paula, liebe Dich | glühend, heiß — werde mein — mein!" Er hatte sie mit dem Arme umfaßt, er wollte sie an sich ziehen. Erschrocken wandte sich Paula von ihm ab. Sie blickte in sein glühendes Auge und Bangen er- faßte sie. „Herr Doktor!' rief sie ängstlich. „Werde mein — mein!" wiederholte Prell, indem er sich vor ihr niederwarf und ihre Hände erfaßte. „Schon lange liebe ich Dich — ich kann ohne Dich nicht mehr leben. Werde mein, Paula, und auf den Händen will ich Dich tragen. Du allein sollst hier herrschen, jeden Wunsch will ich Dir erfüllen — ich kann es — ich bin reicher» als Du glaubst! Ich will mit Dir fortziehen von hier, wenn Du es wünschest — Alles will ich thun — nur sprich das eine Wort aus, daß Du mein werden willst!" Erschreckt, verwirrt wollte Paula emporspringen — er hielt sie fest mit beiden Händen. Immer leidenschaftlicher leuchteten seine Augen, immer heißer wurde sei» Athem. „Ich lasse Dich nicht —" rief er, — „sprich, daß Du mein Weib werden willst — sprich!" Gewaltsam riß sich Paula empor, Angst erfaßte sie. — „Nie — nie — nie!" rief sie. „Nie?" wiederholte Prell und auch er sprang empor. „Nie sagst Du! O — Du mußt mein werden. Du sollst es, Paula! Nicht vergebens will ich diese Liede — diese Leidenschaft in mir niedergekämpft haben — Du mußt mein werden — mein - Weib!" Er umschlang ste mit beiden Armen ungestüm, leidenschaftlich. „Herr Doktor!" rief Paula, und suchte sich vergebens aus seinen Armen zu befreien. „Ha, ich lasse Dich nicht!" rief der Mann, bei dem die so lange zurückgehaltene Leidenschaft nun jede Fessel gesprengt hatte. „Ruse nur — wir sind allein im Hause. Ich lasse Dich nicht, wein bist Du — mein!" Fester zog er ste an seine Brust. Nammlosr Angst hatte sich der hilflosen Mädchens bemächtigt. Da raffte st? alle ihre Kräfte zusammen und stieß ihn von sich — er taumelte zurück an das Fenster. Von der Angst getrieben, sprang Paula zur Thür, riß ste auf und stürzte fort, durch die Thür in den Garten. Sie wußte selbst kaum, was sie that, oll-in sie Härte den Doktor hinter sich — er verfolgte sie und schneller eilte sie weiter in dm Pirk — dem Holze zu. Näher und näher Härte sie ihren Verfolger kommen, sie hörte seinen lauten Athem, fast hatte er sie schon erreicht — ihre Angst wuchs — da erblickte sie die Gestalt einer Mannes an einen Baum gelehnt im Parks; sie stürzte auf ihn zu und mit beiden Händen sich an ihn klammernd, rief ste: „Ritten Sie wich — schützen Sir mich!" Schon hatte auch Prell sie erfaßt. Ec hatte den Mann nicht erblickt — erst jetzt sah er ihn und erschreckt stand er still. „Wer sind Sie?" rief er mit vor Aufregung zitternder Stimme. „Ich bn es!" erwiderte der Mann ruhig — er trat einen Schritt vor und der Polizei-Commiffär Körber stand vor Prell. Unwillkürlich wich dieser zurück — seine Fassung schwand, indeß nur für einen Augenblick. Mit allen Kräften raffte er stch zusammen. „Was wollen Sie hier?" rief er. „Wie kommen Sie hierher?" Körber war ruhig. Ec ahnte schon, was vorge- i fallen war- „Ich wollte Sir besuchen, Herr Doktor", ecwi- ! decke er. „Ich hatte Einiges mit Ihnen zu sprechen." „Hier — hier!" rief Prell. „Nicht hier", entgegnete Körber mit derselben < Ruhe. „Ich kam von Alldorf zind habe mir nur \ erlaubt, den kürzeren Weg durch Ihren Pirk einzu- i schlagen — da rief Fräulein Braun mich um Htlfe'-an." „Ich muß mir für die Zukunft jede» Betreten meines Parkes ohne Eclaubnitz verbitten", fuhr Prell = auf. — „Paula — folge mir in's Haus!" fügte er ! streng, befehlend hinzu. Paula hatte noch immer den Arm des Com- i missärs fest umklammert. Sie zitterte heftig. Zu i sehr hatte die Leidenschaft des Doktors sie mit Angst ; erfüllt. „Schützen Sie mich!" rief sie leise Körber zu. „Folge mir in's Haus, Paula!" wiederholte Peell s noch einmal mit derselben Strenge. „Herr Doktor, ich weiß nicht, was vocgefallen ! ist", sprach Körber, „allein Fräulein Braun hat mich $ um Schutz gebeten, ich werde mir deshalb erlauben, « ste zu begleiten." „Sie, Herr!" rief Prell heftig. „Entfernen Sie stch aus meinem Eigenthum." 607 „Sobald ich Fräulein Braun in Sicherheit weiß!" entgegnete Körber. „Ha! Sie werden mich zwingen, von meinem Rechte Gebrauch zu machen und Sie hinaus zu werfen!" rief Prell, dessen Fassung mehr und mehr schwand. Er trat drohend vor Körber hin, der indeß nicht einen Zoll breit zurück wich und ruhig mahnend erwiderte:, Keine Ueberetlung, Herr Doktor!" Prell beherrschte sich, allein man hörte, wie er vor Erbitterung und Aufregung die Zähne aufeinan- der preßte. „Ich bin Paulas Vormund", sprach er. „Ich verlange, daß Du mir folgst!" Immer noch hielt Paula Körbers Arm fest. Sie war ihrer Sinne kaum mächtig. Der Gedanke, mit dem Doktor zu gehen, dessen Leidenschaftlichkeit sie kennen gelernt hatte, dessen Blick sie erzittern machte, erfüllte sie mit namenloser Angst. „Nein — nein — ich kann es nicht!"^rief sie mit gepreßter Stimme. „Ich befehle es Dir! Geh' zurück in das Haus!" rief Prell laut. „Fräulein — Sie stehen unter meinem Schutze — ich werde Sie führen, wohin Sie wünschen!" „Sie wagen er, mir hier zu trotzen!" unterbrach ihn der Doktor. „Kein Wort mehr, Herr Commissär!" „Ich wage nichts — ich komme nur meiner Pflicht nach", entgegnete Körber kaltblütig. In leichtem Kleide hatte Paula dar Haus verlassen. Es war ein kalter, rauher Abend. Körber nahm den Mantel ab, in den er sich gehüllt hatte, und hing ihn Paula um, die es willenlos geschehen ließ. „Kommen Sie, Fräulein', sprach er. „Ich werde Sie begleiten." „Nicht dorthin — nicht in das Haus!" rief Paula. „Ich führe Sie, wohin Sie es wünschen, kommen Sie!" Ohne den Doktor weiter eine» Blickes zu würdigen, erfaßte Körber Paular Arm, um sie mit sich zu führen. Schweigend hatte Prell einige Minuten dagestanden, und des Commissär» Vorhaben mit finsterem Blicke zugesehen. „Halt!" rief er jetzt, entschlossen vor ihn hintretend. „Keinen Schritt weiter! Paula geht mit mir!" " Der Abend war nicht so dunkel, daß Körber nicht das zornige Glühen seiner Augen bemerkt hätte, allein er war zu ost in ähnlichen Lagen gewesen, und kannte keine Furcht. Seine Ruhe verließ ihn in solchen Augenblicken am wenigsten und b.'wähcte stets ihr Uebergewicht. „Sie geht mit mir!" entgegnete er ruhig und fest. „Weshalb sie meiner Schutzes bedarf, Herr Doktor, das wird sich ja ausklären, und -darüber werde ich Rechenschaft von Ihnen verlangen!" Mit festem Schritt ging er weiter und zog Paula mit sich. Prell ließ er geschehen. Unschlüssig stand er da. Sollte er ihnen nacheilen, sollte er sie mit Gewalt zurückhalten, sollte er--die Kraft des so festen, besonnenen, kalten Mannes war gebrochen — er lachte laut und wild auf — er fuhr mit der Hand über die Stirn — in die Luft — er rang nach Athem und ohnmächtig sank er nieder. Mit schnellem Schritte hatte Körber Paula aus dem Park, aus dem Besitzthum des Doktors geführt; bis dahin hatte die Angst sie aufrecht erhalten, jetzt schwand die Kraft. Sie brach in ein heftiges Schluchzen aus. Vergebens suchte Körber sie zu beruhigen, sie war nicht im Stande, sich zu fassen. Er mochte nicht in sie dringen, um die Ursache, weshalb sie vor dem Dokior geflohen, zu erfahren» jetzt zum wenigsten nicht. Nur die Frage richtete er an sie, wohin er sie geleiten solle. „Ich weiß es nicht", erwiderte Paula schluchzend." Ich habe Niemand!" „So vertrauen Sie sich mir an", sprach Körber, „ich werde Sie an einen Ort bringen, wo Sie eben so sicher sind, als Sir freundlich ausgenommen werden." „Wohin — wohin?" rief Paula. Körber nannte ihr den Namen von Hellmanns Mutter. — „Nein — nicht zu ihr!" rief Paula und stand zögernd still. — Körber begriff die Weigerung de» Mädchens. „Fräulein", sprach er, „Hellmann ist nicht der Mörder Bergers! Hier meine Hand zum Ehren- pfande, daß ich die Wahrheit spreche! — er ist es nicht, wenn er auch deshalb im Gefängniß sitzt. Haben Sie Vertrauen zu mir — es muß sich ja bald Alles ausklären. Hellmann ist unschuldig; Sir können dreist bei seiner Mutter Zuflucht suchen. Kommen Sie — Sie haben ja mein Ehrenwort als Pfand!" Einen Augenblick zögerte Paula noch — dann folgte sie entschlossen. Mit wenigen Worten klärte Körber seine Braut und deren Mutter, als er Paula zu ihnen brachte, über dar Vorgefallene auf. Beide boten der Hilflosen bereitwillig ihren Schutz an. Nur bi» hierher hatten Paulas Kräfte ausgereicht. Zusammrnge- brochen saß sie da und starrte schweigend, ohne Thräne, theilnahmlos gegen Aller, war um sie her vorging, auf den Boden. Sie bedurfte der Ruhe und willenlos wie ein Kind ließ sie sich von Anna und deren Mutter zur Ruhe bringen. „Dringt mit keiner Frage in sie", bat Körber seine Braut leise, „forscht nicht nach dem Vorgr- fallenrn, sie bedarf der Ruhe — laßt sie allein — morgen wird sich Aller aufkiären!" Er verließ dar Haus. Wie ein Traum erschien ihm dieser Vorfall. — Was konnte er enthüllen, wohin führen? Vergebens suchte er die ganze Tragweite desselben in Gedanken zu erfassen. Was hatte Prell mit dem Mädchen im Sinne gehabt? Weshalb dessen Angst und entschiedene 608 Weigerung, in des Doktors Haus zurückzukehren? | Täuschte ihn seine Ahnung nicht? — Nicht der Zufall, nicht die Absicht, mit Prell zu sprechen, hatte ihn in dessen Park geführt. Er hatte ihm nicht die Wahrheit gesagt — er durfte sie ihm nicht sagen. Schon mehrere Abende hatte er in dem Parke zugebracht, um Prell zu beobachten. Dies hatte er allerdings nicht erwartet. Seine Bemühungen waren nicht erfolglos geblieben.' (Fortsetzung folgt.) Aas Lied vom Scheuerfest. (Frei nach bekanntem Vorbilde.) (Schluß.) Und der Vater mit trübem Blick Macht sich ebenfalls aus dem Staube, Weicht vor den finstern Mächten zurück, Denen geworden sein Heim zum Raube, Greift zum Paletot und zum Hut, Holet zu seines Leibes Schaden Nasse Füße sich in der Fluth, Die auf der Treppe rinnt in Kaskaden, Fällt an der Thüre über Geschirr Und den „Scheuerwisch" auf der Nase, Höret noch oben ein Geklirr Von der Lampe fallendem Glase; Bis in's tiefste Portemonnaie Kann er die schreckliche Ahnung spüren: An den Kosten des Festes, o,weh, Muß der Arme partizipiren!!-- So lauten sie, die Klagelieder, Die nach des Scheuerfestes Schluß, Wenn Alles kam zur Ruhe wieder, Von dem Gemahl ich hören muß. Dann ist's der guten Hausfrau Sache, Daß sie auch künftig standhaft bleibt, Und klar dem Ehebären mache, X Wie gern er manchmal —- übertreibt! Möbel giebt's zu „putzen" viele, Hurtig, gönnt Euch keine Ruh', Glänzen müssen Tisch und Stühle, Leinöl nimmt und Sprit dazu! Liese, Anna., ihr Putzt das Messiug mir, Glockenzug und Ofenklappen Mit dem Pulver und dem Lappen. Wohlthätig ist's beim Umzug traun, Kommt man in's Haus, wo brave Fr au'n Gewaltet mit geschäftiger Hand, Gehalten Alles gut im Stand, Daß, zieht der neue Miet her ein, Die Wohnung winkt ihm „besenrein". Manches Weib,, o, der Blamage Scheut sich vor des Wasser's Schwall, So daß ihre Wohn-Etage Gleicht — gewisser Thierlein Stall! Wohl mag so ein Weib Mit kostbaren Roben Behängen den Leib, Man wird sie nicht loben; Sie mag sich verstecke n Sie ist nichts nutz. Bei ihr in den Ecken Starrt Alles von Schmutz! Der Staub liegt umher, Auf dem Sekretär, Auf dem Bücherbort, Auf dem Piano fort. Die Kinder, die armen, Es ist zum Erbarmen, Müßen groß und klein Wie Schmutzfinken sein! Da wird ihrem Manne zuwider das Haus, Ein ordentlich Mädchen hält's nicht bei ihr aus. Und das Vehmgericht Ihm entgeht sie nicht Das am Kaffeetisch tagt, Da wird sie verklagt, Da wird sie gerichtet, Ihr Ruf vernichtet: >>».■ „Sie hält nicht rein — Wie mag sonst sie sein? Nun das denkt man sich schon, Eine solche Person, Ueber kurz oder lang. Da ist mir nicht bang, Wird man entdecken Ein Ende mit Schrecken Denn die Frau, keinen rothen Deut ist sie werth. Die nicht scheuert und reinhült, wie sichs gehört!" — Freudig kau., ich um mich schauen, Da hernieder sinkt die Nacht, Denn das groß»'-Werk der Frauen, Glücklich haben wir's vollbracht! Alles, Gott sei Dank, Rein und spiegelblank; Froh seh' ich die Siebensachen, Niemand kann es besser machen! Und nun, mit weißem Linnen frisch, Ihr Mädchen decket mir den Tisch. Wird mein Gemahl nach Hause kehren, Mag er bewundern unsre Kunst, Zwar muß ich noch Lamento hören Von Seifenduft und feuchtem Dunst — Doch das vergeht! Er mag sich freuen, Daß ihm ein Weibchen ward bescheert, Das ihm im Glanz des ewig Neuen Zu wahren weiß den heim'schen Herd; Das, mög' er auch die Stirne falten, Sich schrecken nicht und hindern läßt, Zur Weihnachtszeit es abzuhalten — Das große, heil'ge Scheiterfest! Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl 'schen Druckerei (Fr. Chr. Pier sch) in Gießen.