übrigens in n einige Zeit )ie man sagt, itCitng. „Zacherlin". )as was Bert- das war bei- Jnsektenwelt. iefer das Inheiden vernich- > drüben wohl llen. Ich will halten, mache iseres Massen- g. ierr Vorredner ich, daß ich eineWanze doppelt.) )d, wenn seine : „Wasch' den sein Fabrikat Landsmann : O, auch auf war nur ein inem Haare seine Nachstel- >)rund vorliegt, , die ihm ein Zechen, so bean- gen Stimmung ;n Ausdruck zu reat!" unserem ne Herr'n und ltes Programm, g Ihres Wohler Manen eines tten haben, bin nmlung aufzu- tg Ernst machen, erstäuben. Ein >l, Bilder und Penaten hinter Dritten fliegen Die behenden oder retten sich les Massenquar- iegeben.) (ließener Iamiüenbläiter. Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger. 1888. Dienstag ben 21. August. Nr. 98. W MS Aer Kröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) Drei Wochen vollständiger Ruhe, zärtlicher Sorgfalt und guter Pflege hatten ihn vollständig wieder hergestellt. Wohl war er noch etwas bleich; aber das alte Feuer leuchtete aus seinen hellen, furchtlosen, blauen Augen. Das alte ernste Lächeln spielte um seine LPpen und der alte, klare Geist thronte wieder auf seiner Stirne. Er näherte sich Olla und legte seine Hand auf die ihrige. Das junge Mädchen erschrak und begrüßte ihn erröthend mit einem freundlichsn Lächeln. । „Was starrt Ihr so gedankenvoll in die düstere Nackt hinaus, Olla?" fragte Tresstlian. Olla ließ den Vorhang zufallen und antwortete, während ihr schöne» Gesicht sich unwillkürlich verdunkelte : „Ja, ich habe nachgedacht, und zwar über Euch, Guy. Es ist Zeit, daß Ihr uns verlassen solltet, Ihr seid wieder gesund und solltet nun nach Hause reisen." „Ich habe gleichfalls darüber nachgedacht, Olla", erwiderte Tresstlian sehr ernst. „Ich bin vollständig wieder hergestellt. Morgen Abend ist Christabend. Als ich noch ein Knabe war, pflegten große Festlichkeiten in Tresstlian-Hof zu sein. Ich habe Lust, am Morgen de» Weihnachtstages zu Hause anzukommen. Welche Ueberraschung meine Ankunft für den Vater und Blanche sein wird. Welche Ueberraschung sie für Jarper Lowder sein avird." „Ja", sagte Olla und ihre Stimme zitterte trotz aller Anstrengung, sie fest und ruhig erscheinen zu lassen. „Ihr müßt gehen, Guy. Wenn ich daran denke, daß Euer Vater von seinem angeblichen Sohne — diesen Jasper Lowder — betrogen wird, scheint es mir fast, daß Ihr ein Unrecht begangen habt, so lange hier zu bleiben." „Nein, nein, Olla, ich will Lowder in seiner neuen Stellung gegenübertreten. Ich möchte sehen, wie er die Rolle Guy Tresstlian's spielt. Ich will au» meinen eigenen Beobachtungen erkennen, ob er das Herz meine» Vater» gewonnen hat. Es ist wahr, daß ich schon vor einer Woche hätte fortgrhen können, aber ich hatte einen Grund, hier zu bleiben. Könnt Ihr ihn errathrn, Olla?" Da» junge Mädchen stammelte eine Verneinung. „Wir hatten Alle ganz ungewöhnlich viel Gelegenheit, einander zu studiren", fuhr Tresstlian fort. „Diese drei Wochen, die wir in Bleak-Top zusammen eingeschneit waren, haben uns näher mit einander bekannt gemacht, als drei Jahre gesellschaftlichen Verkehrs.- Ueberdies, Olla, habt Ihr mich bereit» viel länger gekannt, als diese kurze Spanne Zeit. Euch verdanke ich es, daß ich wieder gesundete. Ohne Euch, Olla, wäre mein Geist für immer umnachtet geblieben, mein Vater hätte nie mein Schicksal kennen gelernt und kein menschliches Herz hätte um mich getrauert. Eurer hochherzigen Hingebung verdanke ich Alle»: Leben, Gesundheit und was mir theurer ist — meinen Verstand 1 Ich kann Euch die Schuld niemals vergelten." „Ihr habt es nicht nöthig, so dankbar zu sein", sagte Olla und sehr bleich werdend. „Ich bin reichlich belohnt, Euch wieder gesund zu wissen, Guy." „Aber ich bin dankbar", erwiderte Tresstlian mit leidenschaftlichem Nachdrucke. „Em Leben der Hingebung wäre noch nicht im Stande, meine große Dankoarkett zu zeigen. Doch ist es nicht blos Dankbarkeit, die ich für Euch fühle. Eure unvergleichliche Hingebung, Eure sanfte, zärtliche Sorgfalt für mich, Eure Weigerung, mich selbst in Euren schwersten Prüfungen zu verlassen, Euer hoher und edler Geist, Eure große und herrliche Seele — sie alle haben ein tiefere» Gefühl al» Dankbarkeit in mir hervor- gerufen. Olla" — und seine leise, leidenschaftliche Stimme drang dem Mädchen in die Seele — „ich liebe Dich! Ich liebe Dich! Kannst Du den lieben, bett Du vor einem lebendigen Tode bewahrst hast? Willst Du das Leben glücklich machen, das Du gerettet hast?" Er wartete in Zweifel und Angst auf ihre Ec- widerung. Er fürchtete, daß sie nur Freundschaft und Wohlwollen sür ihn empfinde. „Sprich, Olla", sagte er zitternd, al» sie nicht antwortete. „Ich habe hier gewartet, damit ich ver- i suchen durfte, Dein Herz zu gewinnen. Ich will Dich al» meine verlobte Braut nach Tresstlian-Hof mitnehmen. Willst Du mit mir gehen, Olla?" „Ihr habt gesagt, Guy, daß es der Wunsch Eure» Vater» fei, daß Ihr feine Mündel Blanche | heirathen sollt." I„Die» war fein Wunsch, Olla, für den Fall, daß Blanche und ich einander hätten lieben können; aber er wollte unsere Neigungen nicht zwingen. Ich habe mein Herz für Blanche nicht frei. Wenn Du mich ausschlägst, werde ich sie nimmermehr heirathen, noch würde sie mich wollen, wenn sie wüßte, daß ich i eine Andere liebe. Laß keinen Gedanken an Blanche - zwischen uns treten, Olla, Sie kann mir nie mehr n Gießen. 894 Ry lüul ihn, ®et’ ver jun fuhr ich ! und wir null jedoch er sie beschütz De werde» vor £ Olla । Ti vor F „5 weiht gung nie ui Komik ich es E hinab er ihr $ seins liebte Glulk Veräi Ihre geben höre, cuf i wann Gvy' schafl SBetel mind s beisa psiy' sagte „Eu und sehei sein als eine Schwester. Wenn Du meine Gattin t werden willst, Olla, will ich Dir versprechen, daß mein Vater und Blanche Dich Beide so zärtlich und liebevoll begrüßen sollen, wie Du es verdienst. Du wirst mich morgen nicht allein fortschicken?" Seine Stimme zitterte in leidenschaftlicher Erregung. Seine Augen leuchteten von einer Liebe so stark, so rein, so tief und leidenschaftlich, daß das junge Mädchen seine Blicke nicht aushalten konnte. Ihre Avgen verbargen sich unter den zuckenden, weißen Lidern; das Helle Roth vertiefte sich auf ihren Wangen und sie senkte das holde Gesichtchen, damit der Liebende den verrätherifchen Ausdruck nicht sehen möge. , „ _ „Sprich, Olla!" drang er in sie, zwischen Furcht und Hoffnung schwebend. „Das Leben, das Du gerettet heft, wird ohne Dich werthlos sein. Sage, daß Du mein sein willst I" Olla flüsterte schüchtern da» Wort, da» er zu hören sich sehnte - so schüchtern, daß nur das Ohr eines Liebenden das Flüstern vernehmen konnte. Tresstlian zog sie in jubelndem Schweigen an sein Herz. Und so wurden sie verlobt. Sie saßen noch immer in seligem Schweigen nebeneinander, als in bet Halle Schritts gehört wurden und Jemand an die Thüre klopfte. Olla erhob sich eben hastig vom Sopha, als Po- pley in's Zimmer trat. Sein G-ficht verrieth eine innere Unruhs, welche feine junge Herrin sofort entdeckte. „Was ist geschehen, Poplky? fragte sie. „Seid Ihr in Gloam-Vale gewesen? » „Ja, Fräulein Olla", entgegnete Poplcy ebrer- bietigst. „Ich war im Dorfe und bestellte Euer» Auftrag. Frau Ripp hat da« Packet aus Eure Zimmer gebracht. Ich — ich habe schlechte Nachrichten für Euch, Fräulein Olla.'» „Schlechte Nachrichten?'» „Ja, Fräulein Olla. Als ich durch die Straßen von GloaM'Vale zurückritt, sah ich einen Postwagen an der Thüre des Krämers halten und daneben stand Herr Gower." Olla schlug entsetzt die Hände zusammen. Der glückliche Ausdruck verschwand au» ihrem Gesichte. „Er ist mir also avf die Spur gekommen? O Himmel!" sagte sie schaudernd. „Seine Pferde waren todtmüde", sagte Popl-y, „und konnten unmöglich weiter. Ich glaube, er wird heute Nacht in Gloam Vale bleiben und morgen früh nach Bleok-Top kommen." „Es ist gut, daß wir zur rechten Zeit gewarnt sind", sagte Olla. „Seht zu, daß olle Fenster und Thüren verschloffev werden. Gebt heute Nacht Niemandem Einlaß, Popley. Wir müffen auf unserer Olla'wandte sich wieder zu ihrem Geliebten mit einem so verzweifelten Ausdruck in dem todtenbleichen Gesichte, daß Tresstlian sogleich erkannte, welche furchtbare Erschütterung die Nachricht von Gower'» Verfolgung für sie war. , O Guy", sagte Olla, „ich habe mich hier so sicher und ruhig gefühlt. Was soll ich thun? Herr Gowcr ist mein Vormund und kann mich zwingen, mit ihm zu gehen. Oder es gefällt ihm vielleicht, mich in Bleak-Tcp einzuschließen — er ist so schreck, ich, so grausam, so gewiffenlos. Mein Muth ist letzt zu Ende. Ich habe keine Zeit mehr an Sir Windham zu telegraphiren und fühle mich vollends in die Enge getrieben!" „Du hast mir das Recht gegeben, Dich zu beschützen, Olla", rief Tresstlian aus, ihre zarte, rebende Gestalt sanft umfaffend. „Ich will für Dich sorgen." „Aber Du kennst Deverevx Gower nicht", hauchte Olla verzweifelnd. „Er wird mich nicht mit Dir nach Hause gehen lösten. Er wird Dich von Bleak- Top fortschicken und ehe Du mit Hilfe zmückkehren kannst, wird er mich an irgend einen Ort gebracht haben, wo Du mich unmöglich finden kannst. Er wird nicht eher aushören, mich zu verfolgen, als bis ich für immer außer feinem Bereichs bin." „Dann mußt Du eben unverzüglich in Sicherheit gebracht werden", rief Tresstlian. „Ich kenne die Gesetze zwischen Vormund und Mündel nicht. Natürlich kannst Du Dich an die Gerichte wenden; aber das geht sehr langsam und während bet Proc-ß schwebt, könnte Herr Gower Dich verfolgen und Dir das Leben zur Qual machen. Ich sehe einen Aus- weg aus allen diesen Kümmernisten. Olla, theuerste Olla, Du hast versprochen, als meine Braut mit mir nach Tressilian-Hof zu gehen. Gehe als meine Gattin mit mir dahin." „Als Deine Gattin?" „Ja, mein Liebling. Sich' mich nicht erschrocken an. Beweise mir Deine Liebe und Dein Vertrauen, indem Du mir das Recht giebst, Dich vor diesem Elenden zu schützen. Heitathe mich morgen früh und gieb mir das Recht eines Gatten, Dich zu beschützen.»» r „ Olla schaute ihn verwirrt und erschrocken an. „Das ist so plötzlich", stammelte sie erröthend. „Wir find ja nicht aufgeboten worden — es ist unmöglich.»» „Durchaus nicht, mein Liebling. Wir sind an der schottischen Grenze. Ein Ritt von wenigen Stunden wird uns in ein schottische» Dorf bringen, wo wir getraut werden können. E» find zwei Pferde hier in dem Stalle. Wir können Bleak-Top mit Tagesanbruch verlosten und uns nach einem Pfarrer erkundigen. Und wenn Herr Gower in Bleak-Top ankommt, wollen wir trachten, wieder hier zu sein, um ihn empfangen zu können. Olla, sage doch, daß Du in diese rasche Heirath einwilligst." „Aker Dein Vater, Guy?" „Er braucht nur unsere Geschichte zu hören, um Dich, meine theure Olla, an sein Herz zu schließen und zu segnen." Aber Olla zögerte noch immer. Guy verfocht seine Seche mit der ganzen leidenschaftlichen Energie eine» glühend Lebenden. D''e furchtbare Gefahr war 895 l hören, um zu schließen cht erschrocken in Vertrauen, ) vor diesem morgen früh en, Dich zu , Dich zu be- ihre zarte, will für Dich richt", hauchte sicht mit Dir ch von Bleak- ' zurückkehren Ort gebracht i kannst. Er >lgen, als bis mich hier so thun? Herr nich zwingen, hm vielleicht, ist so schreck, ein Muth ist nehr an Sir mich vollends in Sicherheit h kenne dis nicht. Na. irnden; aber der Proc.ß gen und Dir einen Aus. lla, theuerste e Braut mit je als meine Guy verfocht lichen Energie e Gefahr war Wir sind an reuigen Stun- bringen, wo zwei Pferde leak'Top mit sinem Pfarrer in Bleak-Top hier zu fein, age doch, daß len an. rrröthend. — es ist schön. Der Wind hatte ausgetobt, die Luft war ungewöhnlich milde für die Jahreszeit und dcr Himmel wolkenlos — ein gutes Omen für die Liebenden. Bald nach Tagesanbruch und während im Thals unten noch nebelgraue Dämmerung herrschte, welcher das am Fuße des Berges gelegene Dörfchen Glaam« Vale den Blicken der Bewohner von Bleok Top gänzlich entzog, wurden die zwei kräftigen Farmpfcrde für das junge Paar gesattelt. Wenige Minuten später kam Tressilian hinab. Er war tadellos gekleidet, sein Gesicht lebhaft g?« röthet und seine furchtlosen, hellblauen Bugen leuchteten von einem Ausdruck, welcher deutlich zeigte, daß dies der glücklichste Morgen feines Lebens sei. (Fortsetzung folgt.) jedoch seine stärkste Waffe. Er machte ihr klar, daß er sie nur als ihr rechtmäßiger Gatte vollkommen beschützen könnte. Der Erfolg seine« Bitten kann vorausgesehen werden. Mit ihrer Liebe für ihn und ihrer Furcht vor Herrn Gomer's Haß und Verfolgung wurde Olla endlich zu schüchterner Zustimmung gedrängt. Tressilian schloß seine junge Verlobte außer sich vor Freude stürmisch in seine Arme. „Das Leben, das Du gerettet hast, soll Dir geweiht sein, mein Liebchen", sagte er mit vor Erre- gung zitternder Stimme. „Du sollst diesen Schritt nie und nimmer bereuen, Olla. Kein Schatten von Kummer oder Leid soll je Dein Dasein trüben, wenn ich es verhindern kann." Er neigte seinen schönen blonden Kopf zu ihr hinab und eine Thräre fiel neben dem Kuffe, den er ihr gab, auf ihre Stirne. Wir wollen die heilige Freude dieser Beisammen- seins der Liebenden nicht eingehender schildern. Olla liebte ihn, deffen Leben sie gerettet hatte , mit der Glulh ihrer feurigen Seele. Er war mit einiger Veränderung die Wiederholung der alten Fabel: Ihre Liebe hatte der schönen Statue eine Seele gegeben, und sie fühlte, daß er ihr nun ganz angehöre. Seine Blicke hatten die Kraft, dar Errötden ruf ihre Wangen zu locken und ihr Herz von einem wonniglichen Gefühle erbeben zu machen. Und Gvy's Liebe für sie — so stark, so tief, so leiden, schaftltch — war voll einer zärtlichen und heiligen Verehrung für sie — welche die Zeit weder ver- mindern, noch aurlöschen konnte. Die Liebenden saßen lange in stummer Seligkeit beisammen. Sie wurden endlich durch Frau Po- pley's Erscheinen au« ihrer süßen Träumerei grriffen. „Ich habe Neuigkeiten für Euch, Frau Popley", sagte Guy mit seinem alten gewinnenden Lächeln. „Euer Sohn ist von Glaam-Vale zurückgekommen und berichtet, daß er Herrn Gower dort ge» sehen habe." Frau Popley stieß einen Schrei der Bestürzung aus. „Und da Fräulein Olla in großer Gefahr >st", fuhr Tressilian fort, „so haben Fräulein Olla und ich beschloffen, morgen früh über die Grenze zu gehen, und uns trauen zu laffen. Am Nachmittag reifen wir nach Glocester ab, denn ich will meine Braut meinem Vater in Tresstlian-Hof vor stellen." Man kann sich Frau Popley's Erstaunen denken. Als die gute Frau wieder ruhig geworden war, läutete Tressilian. Popl-y erschien und Guy beauftragte ihn, Frau Ripp nebst Sohn gle'chfalls herbeizurufen. Der kleine Hausholt war bald in dem Salon versammelt und Tr ssilian theilte ihnen den Sach« verhalt mit. Dis treuen Diener beglückwünschten das junge Paar auf das Herzlichste und Aufrichtigste. Achtundvierzigstes Kapitel. Vereint. Der Morgen, welch r auf dis Verlobung Olla RympU's mit Guy Tressilian folgte, war mild und Ghamisso als Deutscher. Von Roderich Böttcher. Am 21. August diese« Jahres werden es fünfzig Jahre, daß eine der edelsten deutschen Dichtergestalten au« dem Leben schied. Aber nicht nur eine der edelsten; die Stellung, welche Adelbert von Chamiffo in der deutschen Litteratur einnimmt, ist eine ganz besondere, seine Erscheinung eine nicht sich wiederholende. Ihn, der al« Sohn eines Edelmsnnes au« altfranzösischem Geschlechte im Jahre 1781 auf Bou- court in der Champagne geboren und erzogen, vielleicht erst in seinem dreizehnten Lebensjahre, als cr durch die Gewitter der großen Revolution mit seiner Familie über den Rhein gescheucht wurde, zum ersten Male die Laute der deutschen Zunge fremd und unverständlich an sein Ohr dringen vernahm, können wir dennoch mit Recht und mit Stolz unter Deutschlands Dichter zählen. Noch in seinem zwar- zigsten Lebensjahr hat er zu lernen und zu kämpfen, um der deutschen Sprache mächtig zu werden, aber wie weiß er sie in der zweiten Hälfte seines Lebens zu meistern. Seine Lieder, Perlen der Lyrik, leben in dem Herzen und Munde deutscher Frauen und Jungfrauen, ja, er erwirbt sich das Verdienst, eine drr schwierigsten dichterischen Formen, die Tsrzinen, auf eine vorher in Deutschland ungekannte Vallkom- menheit zu bringen und dem bis dahin vsrnach. lässtgtsn Strophenbau zu seinem Rechte zu verhelfen. Alles, was seiner Feder emfloffen ist, athmet deutsche Gründlichkeit und Festigkeit, deutsche Herzlichkeit und Gemüthlichkeit, nirgends eine Spur von französischer Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit. Aus allen seinen schriftlichen Beußerungen können wir entnehmen, wie sehr er sich selber als Deutscher gefühlt hat. Im Jahre 1806 nach der schmachvollen Uebergabe Hamelns an die Franzosen schrieb er schmerzerfüllt an Forqrü, den Dichter der Undine: „Ein Deutscher, aber ein freier Deutscher bin ich in meinem Herzen und bletb' ich auf immerdar." Ja, als er im Laufe des folgenden Jahre» seine Verwandten besuchte, wies er alle Versuche derselben, ihn daruhalten, zurück und widerstand selbst, als die Versuchung in dcr Gestalt eine» liebenswerthen und reichen Mädchens, die mau ihm zur Frau bestimmte, an ihn herantrat. Es war für ihn, wie er sich ausdrückte, „eine innere Noth- roenbigtcit", in deutschen Verhältnissen zu leben. Am treffendsten aber schildern seine Stellung die Worte eines Brieses, dm er als gereifter Mann im Jahre 1825 aus Paris, wo er sich zur Abwicklung von Vermögens-Verhältnissen sushielt, an seine von ihm so innig geliebte Gattin Antonie schrieb. „Hätte ich je Alles in Frankreich besser gefunden, als in Deutschland, so würde mich nichts vermocht haben, die Hei- math, die dis Natur mir gab, mit einer andern felbstgewählten zu vertauschen. Deutscher Volksthüm- lichkeit hat sich das Tiefere, Heiligere in mir zuge- wandt; so bin ich durch Sprache, Kunst, Wissenschaft, Religion ein Deutscher." Ja selbst durch bis äußere Erscheinung des Dichters hätte Niemand auf die Vermuthung kommen können, daß seine Wiege jen- seii« der Vogesen gestanden habe. Er trug, wie ein französischer Gelehrter bemerkt, mehr als jeder Andere das Gepräge, das man in Frankreich eins deutsche Tsmnürs zu nennen pflegt. Freilich darf man nicht annrhmen, daß die Umwandlung aus dem Franzosen in den Deutschen sich so leicht und plötzlich vollzogen habe. Mit schweren inneren und äußeren Kämpfen war sie verknüpft, und Einflüsse stark wirkender Art machten sich geltend, bis sie beendet war. Selbst noch damals, als Chs- miflo als Osfickr in das preußische Regiment Götze eintrat, war er der deutschen Sprache nur unvollkommen mächtig und wurde von seinen Kameraden als „Ausländer, als Franzos" betrachtet, so daß es ihm nicht gelang, mit Einem von ihnen in freund- schaftlichen Verk hr zu treten. Und er selbst fühlte sich zu jener Zeit noch als ganz der alten Helmath angehölig; das beweist dis Sehnsucht nach Frankreich, die Freuds, als ihm durch dis Nothwendtgkeit, den etfronften Bruder dorthin zu geleiten, Gelegen- heit wurde, diese Sehnsucht zu stillen. — Zweierlei Einflüsse find es besonders, die dazu beigetragen haben, das Herz Cßamtffo's von Frankreich weg und Deutschland zuzuweudsn. Dis zerfahrenen politischen Verhältnisse seiner Heimath, die protzende Parvenü- wirthschast der napoleonischen Zeit, mit oll' dem Jammer und Elend, das sie über Tausende brachte, stießen den klar denkenden und fein fühlenden Edel- mavn gewaltsam ab. Und als nach dem Sturze des Korsen das alte angestammte Königshaus den Thron wieder eingenommen hatte, da nahm Chamiffo, dem Erfahrung und Umgang eine vorurthülrlofe Anschauung gewonnen hatten, mit Ingrimm wahr, wie Pfaffen und Hofschranzen sich in dem schönen Laude verderblich breit machten. „Nie hab' ich mehr Unlust em Politischen und mehr Ekel gegen Frankreich empfunden, als eben jetzt. Ich schätze mich glücklich, nicht da zu sein.....mir kommt dieser Ausgang wie eine Neige schalen Bieres vor." So klingt es mißmuthig aus einem Briefs jener Zeit. Nicht zu verkennen ist der Einfluß, welchen der freundschaftliche Verkehr mit den gebildetsten Deutschen Rednction: i, V. Hermann Elte, — Druck und Verlag jener Zttt gehabt hat, Chamiffo für Deutschland zu gewinnen. Die innige Freundschaft mit Varnhagen von Ense, Theremin, Hitzig, Neumann, Ludwig Robert und Andere war wohl im Stande, in seiner Seele, deren Boden die Vorliebe für deutsches Leben, Bildung und Sitte bereits gelockert hatte, die Neigung für feine „zveite Heimath" Preußen und Deutschland feste Wurzel schlagen zu lassen. „Ich habe Euch und Eurer Liebe sowohl, als meiner inneren Nothwendtgkeit geopfert! Die Aussicht (in Paris bei den Archiven angestellt zu werden) ist entfernt, ich sage noch mehr, ist ohne Reiz für mich — bei Euch gehöre ich einmal hin." Solche Stellen aus Briefen, die er gelegentlich seiner Anwesenheit in Frankreich schrieb, zeigen deutlich, wie stark die Zuneigung zu seinen Freunden ihn stets über den Rhein zurückzog. Schlimme Zeiten für den dsutschgewordenen Franzosen kamen, als sich die Welt gegen das napoleonische Joch zum Riesenkampfe erhob. Der Wirbelwind der mächtigen Bewegung ergriff auch Chamiffo, und nur den eindringlichsten Vorstellungen seiner Freunde gelang es, ihn davon abzubringen, daß er sich in die Rethen der freiwilligen Kämpfer gegen den napoleonischen Druck, welchen er gelegentlich seines Aufenthaltes bei Frau von Stoöl genügend kennen und Haffen gelernt hatte, stellte. Die Um thätigkeit, zu welcher er so, während er alles um sich zu dem großen Werke fieberisch thätig sah, verurtheilt war, und nach dem Beginn des Krieges der Zwie^ spalt zwischen der Liebe zu seinem eigentlichen Vaterlande und der Theilnahme sür die deatsche Sache, „der schmerzliche innere Kampf über die Partei, welche er zu ergreifen habe, versetzten ihn in eine Niedergeschlagenheit, dis es seinen Freunden für nothwen- big erscheinen ließ, ihn für eine Zeit lang von Berlin, dem Mittelpunkte der Ereignisse zu entfernen." (Varnhagen, Denkwürdigkeiten.) Damals entstand in der ländlichen Einsamkeit seines Aufenthaltes dec Peter Schlemihl, die Geschichte des Mannes ohne Schatten, ein Spiegelbild feines damaligen Seelen« zustandes. Und wieder klaffte die Wunde feines Herzens, als stch 1815 der Sturm von Neuem erhob. „Die Zeit hat kein Schwert für mich!" klagt er. Es regt ihn auf, bei der waffenfreudigen Bewegung nm sich herum müßiger Zuschauer bleiben zu müssen; deshalb pries er sich glücklich, als ihn die Anstellung als Naturforscher bet dec Romanzoff'schen Expedition um die Welt aus dem Strudel der Ereignisse herausriß. Als er nach dreijähriger Abwesenheit in fernen Welttheilen in die Heimath zurückkehrte, da war die Heimath — Deutschland. Als bemerkenswerth sei noch schließlich erwähnt, daß Chamiffo, wie vortrefflich er deutsch schrieb, dennoch nicht drei Sätze sprechen konnte, ohne den geborenen Franzosen merken zu laffen. Seine Aus- drucksweise war reich an Gallicismen, und die Worte wurden nicht ohne einige Anstrengung und mit einem eigenthümlichm Accent hervorgebracht. r Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.