chicheiler Jamilienblätter. Belletristisches Beiblatt mm Gießener Anzeiger. Donnerstag drn 19. April. Nr. 46. 1888. Der Gröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) Dunkler noch waren die Schatten der Nacht geworden, drückender und schwüler die mit Electricität gefüllte Atmosphäre. Mit entsetzlicher Gewalt fegte die Windsbraut jetzt heran, thurmhoch stürzte sie die Wogen auf und nieder und mit jähem Sturz schoß der kleine Dampfer in die dunklen Höhlungen, die wie unermeßliche Gräber gähnten. Das Schiff ächzte und krachte in allen Fugen und die beiden Freunde, welche sich kramphaft an die Brüstung des Schiffes klammerten, bemerkten mit Schrecken, daß sie angesichts der nahen Küste in hoher Gefahr schwebten. Mit jeder Minute schien der Sturm an Kraft zuzunehmen, der Druck der Luft und die gewaltigen Stöße des Windes verhinderten selbst oftmals das Athmen. Näher und näher der Küste trieb der Wind das fast stenerlos gewordene Schiff. So verzweifelt auch der Kapitän und die Mannschaft dem Sturme gegenüber Stand zu halten suchten, es gelang ihnen nicht und mit Entsetzen bemerkten sie, daß das Schiff keinem Steuerdruck mehr gehorchte und mit rasender Schnelligkeit der felsigen Küste zuflog. „Barmherziger Gott, wir sind verloren l* ächzte der junge Lord. Stärker noch brüllte der Sturm, entsetzlicher noch wülheten die Elemente und mit Grausen erkannten alle, die auf dem Schiffe waren, wie nahe die Lichter kamen, die aus einer Fischerhütte an der Küste flimmerten. Schreckensbleich stürzte der Kapitän zu den beiden Freunden, hinter ihm drein die Matrosen und mehr aus den Geberden, al» den unhörbar gewordenen Worten entnahm Tressilian und Lowder, daß der Schiffbruch unvermeidlich, daß sie vielleicht schon in der nächsten Minute ihr Grab in den Wellen finden würden. Eine furchtbare Woge, höher als alle vorhergegangenen, wälzte sich in diesem Augenblicke über das unglückliche Schiff--ein lauter entsetzensvoller Schrei, selbst hörbar in dem gräßlichen Tosen — und von den vorhandenen 15 Mann auf dem Schiffe waren 6 weggrfegt, um Atomen gleich ihren Untergang zu finden in der aufgeregten Wafferwüste. Mehrere bange, schwere Minuten noch, dann krachte und ächzte das Schiff - ein entsetzlicher Ruck, der Aller, was lebte, über den Haufen warf — s Berge von Wasser thürmten sich heran und rissen | die Balken des Schiffes auseinander wir Rohr, f Planken und Masten zersplitterten und in wenigen i Minuten war das herrliche Schiff eine formlose, l dunkle Masse geworden. Keine menschliche Seele war mehr darauf sichtbar. Von der See weit auf den felsigen Ufergrund ? hinausgeschleudert, log eine menschliche Gestalt, matt, ; elend, zerschlagen an allen Gliedern. Mühsam rich- l ete sich die Gestalt empor und blickte über das noch k jmmer aufgeregte Meer dahin. a „Da bin ich nun", tönte es vom Munde des \ schiffbrüchigen Mannes. „Einsam und verlassen stehe i ich da, ein Spiel des erbarmungslosen Zufalls, wie j ich vor wenigen Minuten noch ein Spiel des aufge« 5 regten Meeres war, das mich besser verschlungen s hätte I Auch er ist dahin, er, der meine Züge trug, j der allein Willen« und im Stande war, mir das $ Leben angenehm und schön zu gestalten. Meine Hoff- | nung ist hin, meine Zukunft vernichtet und wenn ? Gott kein Wunder thut, dann bleibt mir nichts übrig, j als mich wieder in das nasse Grab zu stürzen, dem ich soeben entronnen." Und Gott that ein Wunder! E n Spiel der Wellen, kam es daher, die Form eines Mannes zeigend und als Lowder hinstürzte an drn Strand, mit Aufgebot der letzten Kräfte den regungslosen Körper I an’« Trockne ziehend, erkannte er Lord Tressilian. Mit zitternder Hand betastete er das Gesicht, den Körper, fühlte den Herzschlag — vergebens! Starr und bleich lag der Lord und der letzte Lebensfunks schien aus ihm entflohen. Lowder richtete sich auf und ingrimmig schüttelte er beide Fäuste gegen den Himmel. „Er ist tobt, unwiederbringlich verloren für mich", ächzte er mit heiserer Stimme. „Verdammt sei mein Schicksal, das mich unter die Verlorenen gewürfelt!" Dann schien er still nachzudenken. „Er | liegt nun da, der Sohn eines stolzen, reichen Hauses, \ von Geburt an umgeben von Reichthum, Luxus und l Glück — nichts mehr vermag das Leben in ihm zu | erwecken und in kurzer Zeit wird in einem Grafen- - schlosse Trauer herrschen um diesen Körper, der da j vor mir liegt und ein schönes, reiches Mädchen wird ; weinen um ihren verlorenen Bräutigam. Wer mag k wohl dazu bestimmt sein, seinen Platz auszufüllen | auf diesem weiten Erdenrund?" i Ein seltsamer, schrecklicher Gedanke keimte in ihm ■ empor und wuchs im Moment riesengroß heran — 186 i ein Gedanke verbrecherisch und schwarz wie die Nacht, die ihn umgab. „Wer kann seinen Platz besser ausfüllen, als ich?" flüsterte er in unheimlichem Tone. „Hat uns nicht die Natur wie Ebenbilder geschaffen? Gleichen mir uns nickt an Gestalt, an den Augen und den Haaren bis m's Kleinste hinein, so daß man uns im Leben ost verwechselte?" Wiederum bückte er sich nieder zu dem Regung?, losen und sühlie und betastete ihn, bis er plötzlch triuNphirmd emrorfchnellt?. ; ,.Er ist tobt, er hat eine schreckliche Wunde am ; Kopfi offenbar von einem Stoß an die Felsen Ich kenne von ihm selbst alle häuslichen Angelegen- Helten, kenne seine Vergangenheit und die ihm vom Vater bestimmte Zukunft. Was mir fehlt in der Kette seiner Erlebnisse, das werde ich erfahren aus den vielen Briefen von feinem Vater und seiner Braut, die er stets bei sich führte und die mir in Verbindung mit der ausgesprochensten Familienähn- lichkeit die beste Legitimation sein werden. Nun bin ich Lord Tressilian, ich kehre zurück zu meinem Vater und meiner Braut, die mich sehnsüchtig erwartet!" Laut und hohnvoll lachte er auf. Vom Himmel herab züngelte ein Blitz.--— Eine kleine Weile kauerte Lowder auf dem naffen Gestein, vielleicht im Kampfe mit dm besseren und edleren Regungen seiner Natur. Aber das böse Prive-p siegte in ihm; gierig griffen seine Hände nach der Brusttasche Lord Tresfiliün's und zogen dchm Notizbuch, ein Packet Briese und einige Schmuckstücke hervor, die er zwischen seinen eigenen nassen Kleidern verbarg, dann leerte er den Inhalt oller Taichm des Leblosen, steckte ihn zu sich und nahm dann ein seltsames Manöver vor. Sein eigenes Notizbuch, seine Börse, seine Briese steckte er in die Tasch'.n des Lords und dann schnellte er empor vom Boden, das Gesicht verzerrt von triumphiren- „Hierher!" rief Jasper Lowder, als er mensch- liche Gestalten mit Lichtern näher kommen sah. „Hierher — um Gotteewillen eilt, wir haben Schiff, bruch gelitten!" Der Laterneniräger und noch rin Mann liefen auf ihn zu und waren bald an seiner Seite. Die beiden Männer waren offenbar Sicilianer und waren voll Aufregung, Ueberraschung und Theilnahme. yn so wenigen Worten als möglich erzählte Lowder die Geschichte ihres Schiffbruches, und machte auf dm Zustand seines edlen jungen Freundes aufmerksam. „Ich glaube, er ist todt", sagte er mit erstickter Stimme, „tragt ihn in Eure Hütte. AllrS soll geschehen, was man thun k»nn, um ihn zu retten. Ich will Euch für jede Freundlichkeit, die Ihr mir erweist, reichlich bezahlen. Armer Bursche I Er war mein Reisebegleiter. Ich liebte ihn wie einen Bru- der und nicht wie einen bezahlten Diener! Armer Jasper!" Dis beiden Sicilianer' hoben den hilflosen Körper des armen jungen Tressilian auf und trugen ihn nach der Hütte. Jasper Lowder folgte ihnen, laut feinen Verlust beklagend. (Fortsetzung folgt.) Wunderöares aus dem! Manzenleöerr. (Nachdruck verboten.) Wenn wir das Innere eines Blumen- und Blü- thenkelches betrachten, so erblicken wir in demselben eine Anzahl feiner Fädchen, deren jedes in eine Anschwellung nach oben, in ein Köpfchen endet, in der Mitte dieses Kreises aber ragt ein stärkerer Stamm, der das Ansehen eines Stengels besitzt, empor, welcher ebenfalls einen Kopf trägt. Jene Fäden heißen Staubfäden und in ihren Köpfchen enthalten sie einen feinen Staub, den Blüthenstaub; dies ist der männliche Thell der Blüthe, während der in der Mitte der Staubfäden ausragende stärkere Stamm, Stempel genannt, den weiblichen Theil der Blüthe repräsentirt und dementsprechend sind die Functionen beider Theile: Die Staubbehälter der Staubfäden zerspringen zur bestimmten Zeit und senken ihren Inhalt, eben den Blüthenstaub, auf den Kopf des weiblichen Blüthentheiles, des Stempels, herab. Vom Kopf oder der Narbe des Stempels wird der Blüthenstaub aufgenommen und durch das hohle Innere des Stempels nimmt dann der Blüthenstaub feinen Weg zum Grund des Stempels, zum Fruchtknoten, um hier zu verbleiben und die Frucht hei vorzurufen. Bei sehr vielen Blüthen nun stehen Stempel und Staubfäden so nahe bei einander und befinden sich meist in so gleicher Höhe, daß die Blü- thenstäubchen ohne sonderliche Mühe auf die Narbe des Stempels gelangen, es giebt aber auch Blüthen, bei denen der die Befruchtung empfangende Stempel dem Hohne. v _ \ „Ich werde reich sein, geehrt, gefürchtet, ein Ge- z bieter über meine Unterthanen", ries er für sich. „Endlich lächelt mir die Sonne des Glückes, endlich — ex ist todt und ich habe nicht Hand an ihn ge- legt! Er hat mir seinen Platz eingeräumt und ich werde diesen Platz behaupten, mc* es kommen, wie es will. Von nun an bin ich Lord Hugh von Tressilian und et- ist an der >-i, daß ich für meinen armen schiffbrüchigen Freund Lotvder, der todt mit einer schrecklichen Stirnwunde zu meinen Füßen liegt, Menschen herbeirufe, die ihn unterbringen." Den Vorsatz mit den Worten verbindend, schrie er in der Richtung nach der Fifcherhütte, deffen Licht man schon vom Schiffe aus bemerkte, laut und mit gellender Stimme: „Hilfe, Hilfe, um Gottes- willen Hilfe!" t f Der Sturm hatte sich gelegt, das Tosen der Ele- msntr sein Ende erreicht und lauthin schallte seine Stimme durch dir Stille der Nacht und rüttelte die Bewohner der Fifcherhütte auf, welche heraus stürzten, d«r Richtung zu, woher der Hilferuf erklungen. 187 di- Staubfäden überragt, so daß hierdurch das Be- fruchtuna-gescbäft erschwert wird. Bei solchen Blüthen Lot man die Merkwürdige Beobachtung gemacht, daß der weibliche Blüthentheil, der Stempel, zur Zeit, da die Behälter der Staubfäden dem Aufspringen nahe sind, außer aus seiner int Allgemeinen passiven Nolle heraus geht und sich zu den Siaubbehäliern der männlichen BlücheMheste förmlich herabneigt, bis er deren Staubkörnchen empfangen hat, woraus sich der Stempel wieder in die Höhe richtet. Doch auch in solchen Fällen ist die Befruchtung noch immer eine verhältnißmäßig le'.chte, da die Blütbe den männlichen und den weiblichen Thei! zu- gleich enthält. Es giebt nun aber Blüthen, die nur Staubfäden, daaegen keinen Stempel haben, also rein männliche Blüthm sind und daher lediglich den brfruchtenden Staub tragen, sich aber nicht zur Frucht selber entwickeln können. Anderseits jedoch sind Blüthen derselben Pflanzcnart vorhanden, welche keine Staubfäden besitzen, sich also als rein weibliche Blü- tben chawkteristi« und nur zu Früchten werden können, wenn Fruchtstäubchen von j nen männlichen Blüthen zu ihnen gelangen. Auf welchem Wege ge» schicht dies nun, da die männlichen und die werb. Itchen Blüthen derselben Pflanzenart ost weit von einander entfernt sichen? Nun, der Wind spielt da eine Hauptrolle, er ist es, der auf seinen unsichtbaren Flügeln den befruchtenden Staub des einen Theitts zu dem empfangenden andern Theile hinüberträgt. Auf seiner Wanderung nimmt der Wind von den Pflanzen, welche nur männliche Blüthm tragen, die Fruchtstävbchen und trägt sie weithin und streut sie umher nach allen Gegenden. Und da die Stäubchen gar so leicht sind, so trägt der Wind viele, viele Millionen solcher Stäubchen auf seinen weiten Fittichen einher, j ne überall auf die Erdoberfläche hin- streuend und so gelangen befruchtende Stäubchen auch zu denjenigen Pflanzen, welche nur weibliche Blüthen tragen. Und auf wUch' ungeheuere Entfernungen führt der Wind nicht manchmal die zarten Blüthen- fiäubchen mit sich! Es giebt in manchen botanischen Gärten Europas Pflanzen weiblichen Geschlechtes, deren Gatten — um uns diese? Ausdruckes zu bi- bienen — nur in den fernen Savannen Amerikas vorhanden sind und welche männlichen Blüthen sich nicht nach Europa haben verpflanzen lasten. Trotzdem treiben diese vereinsamten weiblichen Blüthen zu Früchten, und dies kann augenscheinlich blos dadurch yerbeigesührt werden, daß der Wind von der entsprechenden männlichen Blüihe in Amerika den Staub aufnimmt, ihn viele, viele Meilen und über das Weltmeer hinweg mit sich forlführt, um ihn dann zur Befruchtung auf die weibliche Blüihe in Europa ntederfallen zu lasten — wohl eine der wunderbarsten Rollen, die der W-nd im Haushalte der Natur spielen muß! Neben dKn Wind cxistiren auch noch andere Träger des Blüthenstaubes, nämlich Birnen, Schmetterlinge und andere den Blüthenstaub liebende Vertreter des niederen Thierreiches. Diese Übername» das G> ; schäft, während ihres Streifzuge« von Blüihe zu Blüthe den Fruch staub männlicher Brüchen zu den seiner harrenden weiblichen Blüthenthülen der gleich-n Pflanzengottung hinzutragen. Wenn Bienen und andere Jnscctcn sich in die Kronen der männlichen Blumen hineinzwängen und dort ein süßer, duftiges Mahl feiern, dann springen bei der Berührung durch dis Eindringlinge die Staubbehälter der Staubfäd-n auf und überschütten die »aschigen Gäste mit ihrem Segen und wenn die trunkenen Gäste nach der Bcwirthung durch die männliche Blüche auch noch die vielleicht mildere Kost der weiblichen Blüthe aussuchrn, um in ihrem duftigen Honigseim gewissermaßen das Dosiert zu genießen, so bringen sie alsdann auf ihren behaarten Körpern den Fcuchistaub der männlichen Blüthe mit, um ihn in die weibliche Blüthe abzr- schütteln. So unterhalten die Jnscctcn, die von den Blüthen sich ihres Leibes „Nihrurg und Nothdurft" holen, da? Wüihenleben selber, beim sie übernehmen ja gleich dem Winde dar Vermittlungsgeschäft bei der Befruchtung. Man hat lange Zeit an Zufall bei der Befruchtung der Blüthen durch Jnsecten gedacht unb nahm an, daß dies Geschäft nur beiläufig geschähe, aber diese Annahme erscheint haltlos, nachdem man in neuerer Zeit die Befruchtung einer Pflanze durch ein bestimmtes Jnsect beobachtet hat. Diese Pflanze ist die Osterluzei, welche sich durch eine höchst eigenthüm- licke Beschaffenheit ihrer Kelches auszeichnet. Derselbe hat beinahe das Aussehen einer geschloffenen Tulpe, besteht aber nur aus einem einzigen Blatte, welches einen verschloffenen Behälter bildet, zu welchem sich nur oben an der etwas umgebogenen Spitze ein kleiner Emgang befindet. In diesem verschloffenen Raume befinden sich zwar Fruchtknoten und Staub- behälter, aber die letzteren sitzen nicht auf Staubfäden, die zur Narbe gelangen können, sondern sind am untern stark ausgebildeten Ende des weiblichen Stempels beinahe angewachsen. Eine Befruchtung dieser Blüthe auf dem gewöhnlichen Wege erscheint daher so gut wie unmöglich, da die Blüthe fast völlig verschloss n ift und auch der Wind keinen Blüthenstaub hineintragen kann, zumal das Vermittelungrgeschäst des Windes bei der Pflanzenbefruchiung nur dort hauptsächlich elntti.i, wo Männchen und Weibchen in zwei verschiedenen Blüthen oder auf zwei verschiedenen Bäumen oder in verschiedenen Gegenden wohnen. Da übernimmt denn ein Jnscct die Rolle des Befruchtungs.Gehülftn; es schlüpft durch b5e kleine EmgangLöffnung in den Kelch der Osterluzei, angelockt durch den Blüthenduft und läßt sich hier zum Verzehren des ihm bereiteten leckeren Mahles nieder. Nach seiner Sättigung will das Jnscct den, Kelch wieder verlassen, aber derselbe ist inwendig mit langen, feinen Haaren versehen, welche das eindringende Thierchen zwar hereingelassen haben, die sich jedoch alsdann fest gegen die Oeffnung preßten und dem- nach den Eindringling gefangen halten. Das gefangene Jnscct beginnt angstvoll umherzuklettern und erregt in seiner Pein und Todesangst eine solche Er- 188 schütterung in dem Blüthenkelche, daß die Staub- bchälter aufspringen und der Staub umherfliegt, so daß er schließlich auch auf die Narbe des weiblichen Blüthenthsiles gelangt, um diese zu befruchten. Auf diese wunderbare Weise wird durch ein Jnsect die sonst beinahe unmögliche Besruchtung der Osterluzei bewirkt, während das Thierchen selbst fein Vermitte- lungsgeschäst mit dem Leben bezahlt, denn es ist ihm die Kelchöffnung auf dem Rückwege durch die Haare verschlossen und findet es also in dem blüthen» duftersüllten Gefängnisse sein Grab. Schließlich ist auch noch des WafferS als eines Vermittlers bei der Befruchtung der Pflanzen zu erwähnen. Es giebt viels Pflanzen, die im Waffer leben und unter der Oberfläche des Wassers blühen. Unter diesen befindet sich eine nicht geringe Anzahl von Arten, bei denen die männlichen und die weib. lichen Theile der Blüthe nicht in unmi telbare Berührung mit einander kommen und doch soll der Fruchtstaub von jenen auf diese gelangen, ohne daß das dazwischen fließende Waffer ihn fortführt. Auch hier hat man die Pflanzen in ihren wunderbaren, geheimen Befruchtungen beobachtet und Folgendes wahrgenommen: Der weibliche Theil der Blüths sitzt auf einem Stiel, der fpiralarttg, wie ein Pfropfenzieher, gewunden ist. Zur Zeit, in welcher der Fruchtstaub in den männlichen Theilen der Blüthe zur Reife gelangt, streckt sich der spiralartige Stiel lang sur, bis der weibliche Blüthentheil oben auf die Oberfläche des Waffrrs zu liegen kommt. Jetzt erst öffnet sich der Staubbeutel unter dem Waffer, und da der Fruchtstaub leicht ist, so schwimmt er nach oben auf die Oberfläche des Waffers und hier gelangt er zu der weiblichen Narbe, um das Werk der Befruchtung zu verrichten. Ist dieses aber geschehen, so rollt sich der Stiel wiederum spiralartig zusammen, der weibliche Theil der Blüthe taucht wieder unter das Wasser und reift daselbst schließlich die Frucht. So sehen wir, daß nicht nur der Wind und die Jnsecten, sondern auch das Wasser ein Vermittler der Befruchtung ist, indem rs den leichten Frucht- staub hinauf zur Oberfläche trägt, wo der weibliche Blüthentheil der befruchtenden Stäubchen harrt. Vermischtes. (Wirkung des Schnee's auf den Obst- b a u.) Gelegentlich der Schneeschäden, unter welchen in diesem Winter die Obstbäume in Süddeutschland durch Abbrechen starker Aeste gelitten haben, macht die Zeitschrift „Obstbau" auch auf die Vortheile aufmerksam, welche ein richtiger Schneefall unseren Obstpflanzungen zu bringen vermag, indem sie bemerkt: Es ist ja allbekannt, daß der Landwirth es gar gern hat, wenn eine tüchtige Schneedecke auf den Feldern liegt und die Winterszeit durch aus" j dauert, denn ein gutes Jahr folgt in der Regel einem nicht zu kurzen und nicht zu langen Schneewinter. Woher kommt das? Da ist nicht nur an die allbekannten Gründe zu erinnern (Warmhaltung des Bodens rc.), sondern es kann dem Schnee eine i düngende Wirkung nicht abgesprochen werden. Der i Schnee ist bekanntlich nichts anderes als Regen, der seinerseits aus Wolken entstanden in entsprechend - kalten Luftschichten sich in kleine Schneekrystalle ver- j wandelt und in solcher Gestalt auf die Erde kommt. In jenen Luftschichten ist aber nicht Alles öde und ; leer: es können sich da elektrische Stoffe ansammeln, J wofür die Hochgewitter Zeugniß ablegen; in der Nähe der Erdoberfläche können sich bedeutende Staubmassen mit dem Schnee vermischen und zur Erde niederfallen, kurz die Atmosphäre birgt allerlei nützliche Bestandtheile in sich, und wenn in ihr jene Schneebildung vor sich geht, so werden diese Stoffe an den sich bildenden Schnee gebunden, gelangen mit ihm gleichsam in fester Gestatt auf den Erdboden und bleiben auf dem Platze liegen, wo sie niederfallen. Wenn darnach die Sonne den Schnee langsam schmilzt, so dringen jene Stoffe, Ammoniak oder Erdstaub u. a., in den Boden hinein, auf den sie sich mit dem Schnee gelagert haben, und je offener der Boden ist, um so ungehinderter geht dieses Hineinsickern vor sich; wenn also der Boden unter einem Baum, d. i. die wohlbekannte Baumscheibe, offen ist, d. h. im Herbst aufgehackt wurde, so bekommen die Wurzeln des Baumes durch den Schnee auf der Baumscheibe förmliche Himmelsnahrung zugeführt, und vergelten dies dankbar durch erhöhten Ertrag: wenn die Baumscheibe dagegen ungepflegt daliegt und mit dichter Rasennarbe bedeckt ist, so fängt das dichte Wurzelwerk des Grases Alles auf, zu den Wurzeln des Baumes dringt nichts hinab und der Nutzen, den auch der Schnee haben kann, geht für den Baum verloren. Warum aber nicht Alles mitnehmen, was die gütige Natur einem so nebenher anbietet und zusteckt? Warum nicht im Herbst sich die kleine Mühe machen und die Baumscheibe der im Graslande stehenden Bäume durch s Aufhacken und Umdrehen des Rasens in die richtige s Verfassung bringen, damit der kommende Winter- s schnee den Weg offen in den Boden hinab findet, um auch feinen nützlichen Beitrag zu einem guten Herbst zu liefern? Also im Herbst nicht die Pflege der Baumscheibe vergessen! Wer's vorigen Herbst nicht besorgt hatte, kann sich jetzt freuen, wenn, wie es in diesem Jahre der Fall, noch im Februar reichlicher Schneefall stattfand. Freilich kann es auch i vorkommen, daß der Schnee durch starke Regengüsse - fortgeschwemmt wird, statt durch die Sonnenwärme ' allmälig zu schmelzen, besonders von Abhängen wird, sofern nicht Vorsorge dagegen getroffen wird, der , Schnee meist abgeschwemmt. So wollen wir denn ' hoffen, daß nach dem so schneereichen Winter 1887/88 i ein obstreicher Herbst 1888 folgen möge. (L. T.) Redwttsn-: A. Scheydck. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.