(S')iefjcnev Zsamiüenblälter. Belletristisches Beiblatt;um Gießener Anzeiger. Nr. 97. Samstag den 18. August. 1888. Der Kröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) Seit jener Nacht, in welcher Olla aus der Villa Bella Vista entflohen war, hatte er sie ununterbrochen gesucht. Erst am nächsten Tage hatte er entdeckt, in welcher Richtung Olla entflohen war und glaubte, wie sie es vorausgesetzt harte, daß sie sich über Marseille nach England begeben habe. Er folgte so schnell als möglich nach Marseille, fand aber dort keine Spur von ihr. Er ging nach Paris, nach England. Ec besuchte alle ihre Bekannten, konnte sie aber nicht finden und eilte nach dem Festlande zurück. In einem Zeitungrblatte in Paris fand Gower zufällig einen Bericht über die Gefangennahme der berüchtigten Räuberbande des rothen Carvelli und feiner Genossen und die Befreiung der von ihm gefangen Gehaltenen, mit genauer Angabe der Namen derselben. Im Glauben, daß Olla noch in Neapel sei, eilte er dahin. Er besuchte den Gasthof zum Vefuv, und nachdem er von der Wirthin desselben Aufklärung erlangt, reiste er wieder nach England zurück. In Folge genauer Erkundigungen hatte er erfahren, daß seine Mündel auf dem Bleak Mountain zwischen den Cheviot-Hügeln ein kleines Schloß besitze, und da er sie bisher überall vergeben» gesucht hatte, war er jetzt gekommen, um sie hier zu suchen. Herr Gower hatte sich von dem Kutscher an den Krämer gewendet und fragte in ungemein hochfabren- dem Tone: „Wie weit ist es von hier nach Bleak-Top?" „Ungefähr drei Meilen, Sir", sagte der Krämer ehrerbietig. „Er ist eine sehr steile Straße, die in vielen Windungen geht." In diesem Augenblicke kam ein Reitersmann langsam an dem Laden vorbeigecitten. Ec war ganz im Schatten und hatte die Kappe tief über die Augen gezogen. Herr Gower schaute ihn flüchtig an, aber keine innere Stimme verrieth ihm, daß der Reiter kein Anderer war» al» Olla's treuer Diener und Verbündeter, Jim Popley. Er war bei einer Schneiderin unten im Dorfe gewesen, um einen Auftrag seiner jungen Herrin zu bestellen und war nun auf dem Rückwege nach Bleak-Top. Popley erkannte sofort Olla's Feind, verrieth jedoch keine Aufregung und ritt ruhig seinen Weg weiter. Al» er nicht mehr gesehen und gehört werden konnte, gab er feinem Pferde die Sporen und sprengte mit seinen schlechten Nachrichten rasch nach Hause. Herr Gower, der im nächsten Augenblick den vor« beikommenden Reiter wieder vergessen hatte, setzte seine Erkundigung weiter fort. „Ist die Straße nach Bleak-Top gangbar?" fragte er. „Ja, Herr; ungefähr seit einer Woche. Sie waren länger als eine Woche eingrschncit in Bleak- Top ; aber al» der Thau kam, hat Ripp die Straße gangbar gemacht." „Wer ist Ripp?" „Der Sohn der Haushälterin, Sir!" „Ah, verweilt eben Jemand in Bleak-Top; Jemand außer den Personen, die sonst das Haus verwalten?" „Ja, Sir! Fräulein Rymple, die Dame, der das Schloß gehört, ist hier mit mehreren Dienern und einem kranken Herrn." „Ach", flüsterte Herr Gower wieder, während ein dunkles Feuer aus seinen unheimlichen Augen schoß und wildes Entzücken seine Züge belebte. Er wandte seinen Kopf ab, damit der Krämer seine Aufregung nicht bemerken sollte. Sein Suchen war endlich von Erfolg gekrönt. „Da die Straße fahrbar ist", sagte er in ungeduldigem Tone, „werden wir natürlich weiter gehen. Ich muß heute Abend noch nach Bleak-Top kommen. Ihr sollt ein gutes Trinkgeld bekommen, wenn Ihr mich möglichst schnell hinbringt. Darum steigt rasch auf den Bock, Kutscher. Wir müssen weiter." Der Kutscher schüttelte mürrisch den Kopf. I„Jch kann's nicht ihun, Herr", rief er aus. „Nicht zwanzig Kronenstücke würden mich bestechen, es zu thun. Die Thiere würden zusammenstürzen, ehe wir eine Meile weit gefahren sind. Ich habe nur versprochen, Euch bis nach Gloam-Vale zu bringen, und ich kann Euch heute unmöglich mehr weiter fahren. Ich muß sehen, daß ich ein Unter« I kommen für die Nacht finde. Wenn Ihr morgen früh die Rsise fortsetzen wollt, soll mic'S recht sein, aber früher nicht." Mit diesen Worten bestieg er den Bock, ein Bild i unerschütterlicher Entschlossenheit. Herr Gower schaute die Pferde an. Er erkannte \ auf den ersten Blick, daß sie zu weiterem Gebrauch jetzt ganz untauglich waren und fügte sich zögernd der eisernen Nothwendigkeit. „Stellt Eure Pferde irgendwo ein!" rief er aus. „Ich werde eine andere Gelegenheit finden, die mich nach Bleak-Top bringt." 896 Der Kutscher schwang seine Peitsche und seine erschöpften Thiers schlichen langsam durch die dunkle, schmutzige Straße hin, nachdem ihm der Krämer gesagt hatte, wo er hingrhen sollte. „Kommt herein, Sir", sagte der Krämer zu Herrn Gower, sich nach seinem Laden wendend. „Ich kann Euch ein Zimmer für die Nacht geben, da Ihr weder für Geld, noch aus Gefälligkeit einen Wagen bekommen werdet! Die wenigen Pferde, die in Gloam-Vale sind, gehören den Pächtern, welche sie den ganzen Tag benutzen, so daß sie für Nachtreisen nicht geeignet sind. Ueberdies ist das Wetter furchtbar schlecht —" ' Herr Gower unterbrach den Mann mit einem ungeduldigen Ausruf. „Seid Ihr überzeugt, daß keine Pferde zu haben sind? Ich will Alles bezahlen!" Der Krämer wiederholte feine Behauptung. „Wenn keine Pferde zu haben sind, will ich zu Fuße nach der Bergerfpitze gehen I" rief Herr Gower entschlossen. „Ich habe äußerst dringend in Bleak-Top zu thun und muß heute Abend noch dort sein!" Er ließ sich von dem Krämer ein Glas Branntwein bringen, stürzte das feurige Getränk auf einmal hinunter, warf einen Schilling auf den Ladentisch und lenkte seine Schritte gegen Bleak.Top zu. „Ausgefpürt!" murmelte er jubelnd, als er die Straße entlang ging. „Ich habe sie also wieder gefunden! Ich werde sie in Bleak-Top mit ihrem irrsinnigen Ritter finden. Sie soll den Tag bereuen, an dem sie es zuerst versuchte, mich zu überlisten! O, diese kleine, neckische, boshafte Schöne! Trotz ihrer Kälte und Verachtung liebe ich sie doch noch! Wir wollen sehen, wer das Spiel gewinnen soll — sie oder ich?" Er eilte weiter, sich dichter einhüllend. Der feine Schnee sprühte ihm in's Gesicht — der eiskalte Wind durchdrang ihm Mark und Bein. Der Weg war schwierig, aber angefeuert von seinen beiden großen Leidenschaften, Liebe und Rache, leistete Herr Gower dem Sturme kühnen Widerstand. Er begann den einsamen Berg empor zu steigen. Unter ihm funkelten die Lichter von Gloam-Vale. Vor und neben sich konnte er in Folge des blendenden Schneenebels gar nichts sehen. „Eine abscheuliche Nacht!" murmelte er. „Er wäre bester gewesen, wenn meine Ungeduld mir gestattet hätte, bis morgen zu warten. Wie überrascht Olla sein wird, mich zu sehen! Ich kann mir ihr Erstaunen und ihren Schrecken vorstellen!" Er ging beharrlich weiter, kam aber nur lang- sam vorwärts, denn der Sturmwind und der schlüpf, rtge Weg, auf welchem er zuweilen bis an die Kniee in Schneehaufen versank, waren seinem Weiterkommen sehr hinderlich. Sein Zorn gegen seine entflohene Mündel wurde um so heftiger und größer, je mehr er mit den Schwierigkeiten des Weges kämpfen mußte. „Thor, der ich war!" rief er aus. „Ich hätte eine Laterne mitnehmen sollen. Aber ich will nicht umkchren, selbst wenn ich in diesem Sturm zu Grunde gehen müßte." Endlich sah Gower Licht, doch es schien ihm unmöglich, daß er bereits Bleak-Top erreicht hätte. Das Licht drang aus dem Fenster eines Hauses zu seiner Rechten, das in einiger Entfernung stand. Es war bet Schein von Hefter Lowder's Lampe, der aus dem Fenster des Wohnzimmers in Gloam-Fell in die finstere Nacht hinaus fiel. Herr Gower ging dem Lichtschein entgegen, entschlossen, sich auszuruhen und sich zu wärmen, ehe er seinen Weg fortsetzte. Er trat sodann in den Garten von Gloam-Fell ein und schritt auf das Haus zu. Als er näher kam, schaute er durch das Fenster des Wohnzimmers hinein. Es war kein Bild häuslicher Freuden, das sich hier seinen Blicken darbot. In dem Lichte des Feuerscheines saß Hefter Lowder. Ihr Kind lag auf ihrem Schooße seltsam ruhig. Kein fröhliches Lachen tönte durch das Zimmer — kein kindliches Jauchzen erfreute der Mutter Herz. Er konnte das Gesicht der jungen Frau nicht sehen; aber ihre Haltung war dir der tiefsten Verzweiflung. Ihr zartgeformter, mädchenhafter Kopf war tief zu ihrem Kinde herabgesenkt. Sie schien zu lauschen, um zu hören, ob das Kind noch athme. Ergriffen von dieser Scene, von dem stummen Schmerz und der Verzweiflung, die sich in Hester'r Haltung ausdrückte, schlich sich Herr Gower von dem Fenster fort und ging zu dem rückwärtigen Eingänge, wo er laut klopfte. Frau Tooker, welche jetzt die Stelle einer Haushälterin versah, öffnete ihm und ließ ihn in ihre kleine, warme Küche ein. „Wir erwarten Euch schon seit langer Zeit", rief sie aus. ,,£), es ist gar nicht der Doktor!" „Nein, Madame, ich bin kein Doktor, nur ein Reisender, der sich gerne an Eurem Feuer wärmen möchte", antwortete Herr Gower, auf den Heerd zugehend. „Ist Jemand krank hier im Hause?" „Nur das Kind, Herr, Frau Blees' Kind", antwortete Frau Tooker. „Wollt Ihr Euch nicht setzen?" Sie schob Herrn Gower einen Stuhl hin, welcher Platz nahm und seine erstarrten Füße in die Nähe des warmen Ofens brachte. „Es muß eine schreckliche Nacht draußen sein", sagte Frau Tooker, unruhig an's Fenster tretend. „Ich wünschte, der Doktor wäre schon da; ich fürchte, der kleine Jasper wird sterben, und wenn der Kleine stirbt, meine ich immer, daß seine Mutter den Schlag nicht überlebt." „Wie habt Ihr gesagt, ist der Name? Wen habt Ihr Jasper genannt?" fragte Herr Gower. „Das Kind, Herr — Frau Blees' Kind. Er heißt Jasper wie fein Vater", erklärte Frau Tooker, welche in ihrer Unruhe und Bekümmerniß ungemein gesprächig war, als ob sie gleichsam hoffte, in dem 8ht Äussprechen ihrer Befürchtungen Erleichterung zu finden. Wir haben nach dem Doktor geschickt und Herrn Blees telegrophirt, aber bis letzt ist keiner von Beiden gekommen. Und wir können den Vater des Kindes auch wirklich vor morgen nicht erwarten, denn er wohnt irgendwo in der Nähe von Glocester. Wohin wolltet Ihr gehen, Herr?" „Nach Bleak-Top." „Ich glaube, sie haben jetzt viel Gesellschaft dort'-, bemerkte Frau Tooker. „Ihr wollt wohl daselbst die Weihnachtrfeiertage zubrtngen? Nun ja, manche Menschen können tanzen und fröhlich sein, und Andere müsien leiden und weinen, wie die arme Frau da drinnen. Ihr Mann hat sie hier noch gar nicht besucht, seit sie da ist. Ich weiß nicht, ob rch nicht an Herrn Tresstlian trlegraphiren sollte, dessen Agent ste hierher brachte." „Herr Tresstlian?" wiederholte Herr Gower, der längst erfahren hatte, daß Jasper Lowder bei Guy Tresstlian Gesellschafter gewesen war. Er hatte die Liste der Reisenden auf dem Dampfer vor dem Tage nachgesehen, an welchem der falsche Tresstlian von Palermo nach Marseille abgereist war, und sehr leicht herausgefunden, daß der Sir Tresolino der Vicini's und Guy Tresstlian ein und derselbe waren. „Ja, dieser Platz gehört Herrn Tresstlian", sagte Frau Tooker, fortwährend unruhig aus dem Fenster schauend. „Meine jetzige Herrin ist die Frau eines Freundes von ihm." „Eines Freundes, welcher auch Jasper heißt?" murmelte Gower. „Ein höchst sonderbares Zusammentreffen!" Er sann darüber nach, ob er nicht auf ein Ge« hcimniß gestoßen sei. In diesem Augenblicke kam der Doktor mit dem Burschen, der nach ihm geschickt war, an und begab sich sofort in das Wohnzimmer hinein. Nach wenigen Minuten kam er mit ungemein ernster Miene heraus. „Ihr habt zu spät nach mir geschickt", sagte er, sich an Herrn Gower wendend. „Das Kind wird den Morgen nicht überleben." Herr Gower, der sich inzwischen erwärmt und erfrischt hatte, machte einen Versuch, ein Fuhrwerk zu bekommen, um nach Bleak-Top zu gelangen. „Ihr thätet am Besten, die Nacht über hier zu bleiben, Herr", sagte Frau Tooker gastfreundlich. „Ich werde Euch ein Bett geben. Ihr könnt am Morgen leicht weiter gehen." H Herr Gower trat vor die Thüre hinaus, die fürchterliche Kälte bestimmte ihn, bi» zum Morgen zu bleiben. Ein Bett wurde ihm zurecht gemacht und er zog sich in daffelbe zurück, vermochte aber nicht zu schlafen. Denn eine Stunde später, als ihn der Schlaf eben übermannen wollte, tönte ein furchtbar gtll-nder Schmerzensschrei durch die Stille der Nacht und er wußte, daß das Kind in dem Zimmer unten tobt fei. Siebenundvlerzigstes Kapitel. Der Himmel klärt sich auf. Während die Schatten des Tode» über dem einsamen alten Farmhause von Glaam-Fell schwebten, während Herr Gower, kaum zwei Meilen von seiner widerspenstigen, jungen Mündel entfernt, Pläne schmiedete, um ste am kommenden Morgen zu seiner Gefangenen zu machen — spielte sich in Bleak-Top eine Scene ab, welche für die Pläne de» treulosen Vormundes nichts Gute» verkündete. Wir laden den Leser abermals ein, uns in den traulichen Salon des Bergschlößchens zu folgen. Neben dem Kamin, in welchem ein helles Feuer lustig flackert, steht ein Tisch, auf welchen eine große Kugel- Lampe ein mildes Licht verbreitet. Um die Lampe herum liegen Bücher und Zeitschriften aufgeschichtrk. In dem vorderen Salon befindet sich nur eine Person — unsere schöne, muthige, edle Olla. Sie steht an einem Fenster, hält mit einer Hand den Vorhang auseinander und schaut in die stürmische Winternacht hinaus. Kein Schatten liegt nun auf dem schönen Gesichte, kein Kummer schaut au» den großen, strahlenden Augen, die schlanke, anmuihigr Gestalt ist hoch aufgerichtet. Es scheint in der That, al» ob da» Glück, da» so lange an ihr vorbeigeeilt war, sich nun von ihrer Ausdauer und ihrem Muthe besiegt gefühlt hätte und beginnen wollte, ihr Leben zu erheitern. „ . ~ , Die Portiören, die nach dem rückwärtigen Salon führten, waren offen und vor dem Feuer saß die gute Frau Popley. Olla hatte die Nähe ihrer treuen, alten Dienerin ganz vergessen. Sie war in tiefe Gedanken versunken und horchte nicht einmal auf, al» die Thüre aufging und Jemand eintrat. Der Eintretende war Guy Tresstlian. (Fortsetzung folgt.) Kirre Londoner Wokksöekustigung. Von Adam Löffler. (Schluß.) Es gießt durch ganz Großbritannien und Irland nämlich Boxer von Profession und einige darunter von großem Renommee, welche auf allen Märkten umherziehen und sich außer dieser Zeit, um diesem oder jenem Lord oder Baron die Zeit mit einem „geist- und herzerhebenden" Schauspiel auszufüllen, für gewisse Summen dingen lassen, mit anderen ebenso berühmten Boxern einen Kampf einzugehen. In der Regel finden nun Wetten statt und es heißt dann in denZcitungen unter dem Artikel „Wrestling“, Ringen oder „Sporting Chronicle“, Jagdchronik: „Mit nächstem werden sich boxen da und da, den 3. Jam Salisbury mit Tom Party, auf jeder Seite 10 Pfd. gewettet; den 4. Jack Martin mit Young Dutch, auf jeder Seite 100 Pfd. gewettet; den 11, Mike Curtain mit Bill Young auf jeder Seite 150 Pfd, geivßttet U- \« w. 892 Nr. genh D falt u Herges das o losen, um ff rotebt: E die ifj grüßt Nackt O währe bunfe Guy. Ihr 1 reisen H erwtb wtede Als i leiten Morc Welct und ' für $ If aller Uff en denke — d es m lange Stell die 2 mein Herz daß i aber Ihr Bei dergleichen Wetten sind oft viele hundert Pfund Sterling im Umlaufe, denn außer den beiden Hauptwettenden parieren noch andere Personen auf diesen oder jenen Boxer. Da dieses Amüsement öffentlich vor sich geht, so strömt natürlich alles herbei. Zur bestimmten Zeit erschienen nun die beiden berühmten Athleten des Tages unter allgemeinem Beifall der Menge auf einer jener erwähnten Tribünen. Wird der „match" (Kampfvereinigung, Kampfvorstellung) im Freien abgehalten, so schließt ein Viereck, welches mit Pfählen und Stricken markirt fit, die Kämpfenden, ihre Sekundanten und Bouteillenver- wahrer (bottleholders) ein. Nachdem sie sich gegen das Publikum verneigt haben, reichen sich beide Boxer, zum Zeichen, daß sie gute Freunde sein und bleiben wollen, die Rechte und setzen sich ungefähr einen Fuß weit von einander getrennt, in den Vertheidiguugszustand. Den einen Fuß vorwärts, mit halb gebeugtem Kinn, den Körper etwas geduckt, beide Arme bis an das Kinn erhoben und fest an die Brust gedrückt, sehen sich beide unverwandt Auge in Auge, bis der erste Schlag gefallen ist. Wenn solcher Kerl den Schlag schleudert, so glaubt man, nach dem „Knistern und Knacken" zu urtheilen, das die Gelenke hervorbringen, er würde sich seinen Arm aus dem Gelenke werfen. Nun geht es Schlag auf Schlag. Wie eine Feder springen die-Arme kerzengerade hervor und hier klebt ein Auge an den Knöchel des Gegners, dort werden auf einen Schlag einige Rippen durchgeboxt. Zwischen jeder Pause (eine Pause entsteht, wenn ein entscheidender Schlag von der einen oder anderen Seite gefallen ist) ruhen die Kämpfer, wie ich das im Anfänge geschildert habe, auf den Knien ihrer Sekundanten aus und stärken sich durch tüchtige Züge von Gin oder anderen geistigen Getränken. Oft ist einer der Boxer schon nach dem ersten „Round" (welches wir beim Fechten mit dem Kunstausdruck „Gang" bezeichnen würden) so zugerichtet, daß er platt auf den Boden gelegt, mit Branntwem gerieben werden und welchen zu riechen bekommen mußte, um nur wieder ins Leben zurückzukehren. Trotzdem aber hört der „Edle" nicht auf, zu kämpfen, bis er entweder den Gnadenstoß oder doch wenigstens einen solchen bekommen hat, welcher ihn total zum Weiterkämpfen unfähig macht. Die meisten dieser Boxer lassen sich in ihrem besten Lebensalter zu Krüppeln schlagen und das oft für nur wenige Pfund Sterling und fristen ihr Leben alsdann als Bettler oder finden auf dem Boxfelde der Ehre ein frühes und wenig beneidens- werthes Grab. Den Tag nach jedem Faustkampfe nun herßt es wieder in den Zeitungen: Gestern den 3. re. fochten Jam Salisbury und Tom Party mit 16, 20 rounds und nun wird mit pedantischer Genauigkeit referirt, wie Tom Party den Boden im ersten Gang behauptete, dem Jam Salisbury die Kinnlade zerschmetterte u. s. w. Die Boxer von Profession leben übrigens in jeder Beziehung sehr mäßig und haben einige Zeit vor dem beginnenden Kampfe eine, wie man sagt, ganz besondere Diät zu beobachten. Redaction: A. Sch-Yda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pret sch) m Gießen. Eine Insekten-Wersammkung. Abgehalten anläßlich des Absterbens des Erfinders des „Zacherlin". Ein Floh: GeehrteMitbrüterl Das was Berthold Schwarz für die Menschheit, das war beiläufig Johannes Zacherl für die Jnsektenwelt. Jener hat das Schießpulver, dieser das Insektenpulver erfunden. Diesen beiden vernichtenden Erfindungen sind hüben und drüben wohl ungezählte Legionen zum Opfer gefallen. Ich will weiter keine beißenden Reden halten, mache aber anläßlich des Unterganges unseres Massen- Vertilgers einen Freudensprung. Eine Wanze: Nachdem der geehrte Herr Vorredner das Stichwort gegeben, gestehe ich, daß ich mich heute das erste Mal nicht „wieeineWanze gifte". (Sie stinkt vor Freuden doppelt.) Eine Motte: Was nützt uns sein Tod, wenn seine Erfindung fortbesteht? Das heißt: „Wasch' den Pelz und mach' ihn nicht naß." Ein Schwab: Ich mochte ihn und sein Fabrikat nie recht schmecken, obwohl er mein Landsmann war. , _ , , Ein gewisses anderes Insekt: O, auch auf mich hatte er es abgesehen und es war nur ein Glück, daß mein Leben nicht an einem Haare zu hängen pflegt! Der Floh: Da wir Alle uns über seine Nachstellungen zu beklagen haben und kein Grund vorliegt, unsere Gesinnungen zu verhehlen, die ihm ein ehrendes Angedenken geradezu absprechen, so beantrage 'ich dieser unserer gegenseitigen Stimmung durch ein donnerndes Pereat lauten Ausdruck zu geben. AlleJnsekten (tumultuarisch): „Pereat!" unserem Todfeinde! Ein anwesender Staarl: Meine Herrn und Damen! Nachdem Sie Ihr festgestelltes Programm, die Berathung über die Förderung Ihres Wohlergehens, durch Verunglimpfung der Manen eines unserer größten Erfinder überschritten haben, bin ich genöthigt, die ganze Versammlung aufzu- lesen .. (Er will mit seiner Drohung Ernst machen, worauf die Anwesenden auseinanderstäuben. Ein Theil verkriecht sich in die Möbel, Bilder und Mauerritzen, ein anderer sucht die Penaten hinter dem häuslichen Herde auf, die Dritten fliegen eiligst in ihre Winterrockquartiere. Die behenden Flöhe machen sich in die Socken oder retten sich durch Springen in ein nahegelegenes Massenquartier, wo sie sich sofort zu Bette begeben.)