Eneßener Jamilienblätter. Belletristisches Beiblatt sum Gießener Anzeiger. 1888. Samstag, dm 17. November. Nx. 136. Im Kaufe Immendorf. Original-Roman von Emilie Heinrichs. (Schluß.) „O, darüber wird unser Freund Thorsen uns sicherlich ausklären können, da er Dich ohne Zweifel wieder erkannt und deshalb alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um den famosen John Walter über Deine Vergangenheit auszuforschen. Dar ist ja sein eigentliches Felo, ec soll uns die Geschichte bei einem Glase Wein erzählen. Urbrigens soll uns das nicht weiter bekümmern, mein Theuerster, mich betrübt nur eins noch, daß mein Onkel Tellkamp bei dec glücklichen Lösung so gänzlich leer ausg-ht. Tanke Ulrike hat ihm einen Korb gegeben, wie er mir mit einem Lächeln, das wie ein Sonnenstrahl durch Regenwolken erschien, auf meine Frage mittheilte. ,;Unb", setzte er mit zuckenden Lippen hinzu, „es ist gut so, mem Zange, das Glück gehört der Jugend, wir wollen uns in dem Eurigen sonnen, und der Erinnerung uns freuen. Wollen auch uns nicht dem Fluch der Lächerlichkeit preisgebm, sondern als treue Freunde unfern Whist mit einander spielen." „Es lag in seinen Worten Ironie und verhaltener Seelenschmerz", fuhr Egon düster fort, „er that mir so leid, der arme Onkel! Ich kann's der Tante Ulrike kaum vergeben." „Ach, mein lieber Egon, wie wenig kennst Du ein solches Frauenherz", versetzte N'rich wehmüthia, „soll ich Dir sagen, was meins'Ueberzeugum; von dieser traurigen Entsagung ist? — Es handelt sich einzig und allein um einen letzten despotischen Handstreich der tobten Irmgard. Um aber von Hed- wigas Haupt den Streich abzulenken, hat sie sich geopfert und der Sterbenden in dieser Hinsicht einen Schwur geleistet. Ob er aber ohne unsere Dazwischen- kanft gelungen wäre, lasse ich unerörttrt, ihre Entsagung aber kann nur durch einen solchen zwingenden Grund veranlaßt worden sein, ein Grund, den Dein Onkel recht gut kennen, aber natürlich nicht anerkennen will." «Ja, ja, so wird es sein", rief Egon tief bewegt. „Ihr ganzes Leben gleicht einer unabsehbar öden Wüste stiller Entsagung, deren letzte karge Blü> then der Hoffnung die despotische Schwester mit hinab in die Ahnengruft genommen. Das erklärt mir Alles. Arms Dulderin, armer Onkel, der auf dieses Resultat seiner Liebe und treuen Ausdauer sicherlich nicht gefaßt gewesen." Ulrich schwieg, da auch er al» Mann die strenge Pflichterfüllung und das unbeirrte Festhalten einer Idee, von welcher das eigene Lebensglück unv das eines geliebten Mannes unbarmhwzig zertrümmert wurde, nicht zu billigen vermochte. Und doch mußte er Tante Ulrike bewundern und ihrer Seelengröße sich beugen. Im wunderschönen Monat Mai, so halte Tellkamp es ungeordnet, schmückie der grüne Myrthen- kcanz die beiden schönen Bräute. Es war ein Hochzeitsfest, wovon die Stadt X. noch lange zu reden und zu erzählen hatte, da der ganze Hof dazu erschienen war und das gütige Fürstenpaar brr Trauung beigewohnt hatte. Man zerbrach sich den Kopf darüber, ob die schöne stolze Gemahlin des jungen Gelehrten den Gatten auf seinen überseeischen Forschungsreisen begleiten werde und medisirte weidliH, als Egon und Hedwigs in der Thst ein Schiff bestiegen, um ihre Hochzeitsreise bis zu den blauen Fluchen des Atlantischen Oceanr auszudchnen, während Ulrich und Mazda mit dem Dampfroß davonflogen, um im sonnigen Süden ihre Honigmonde zu verleben. Die Rsgiemngtzräthin Dörner war sehr stolz auf die schöne aristokratische Schwiegertochter, welche neben ihren Geburts-Vorzügen auch ein respektables Vermögen besaß, sie verkündete ihren intimen Bekannten mit geheimmßooller Miene eine große Ueberraschung abseiten des Fürsten, welcher ihrem Sohne ganz außerordentlich Halbreich gesinnt sei. Und in der Thst war man nicht wenig überrascht, als nach der Heimkehr der jungen Vermählten dem erstaunten Egon eine Profeffur an einer der ersten Universitäten des benachbarten Königreichs angetragen wurde, welche ec aus Hedwigas Bitte nach kurzem Zögern annahm. Major Tellkamp kaufte ein Rittergut, welches ungefähr in der Mitte zwischen jener Universitätsstadt und X. log und von beiden Seiten leicht erreicht werden konnte. Dieses Gut brachte die junge Frei- frau von Immendorf als Morgmgabe dem Gatten zu, wodurch Ulrichs schönster Traum erfüllt wurde, da er ein nicht geringes Talent für die Lmdwirth- schaft besaß. Die Regierungsräthin trug ein volles Jahr noch die heimliche Furcht mit sich herum, daß ihr Bruder seinen Jugendtraum verwirklichen und das Freifräulein Ulrike heirathen werde; als solches aber nicht geschah, da athmete sie förmlich auf und bewarb sich um die Freundschaft der so nahe mit ihr verwandten, allgemein verehrten Dame, was der Major mit grober Genugrhuung aufzunehmen schien. Sie waren oft beisammen, sowohl in dem 546 Lcllkamp'schen gemüthlichen Heim, wie in dem alten, vornehmen Hause Jmmendorf, wo rin anderer Geist jetzt eingezogen war, wie Johann zu seiner alte» Küchen-Collegin schmunzelnd bemerkte, — es war eine Lust jetzt, im Hause Jmmendorf zu dienen. „Freilich", nickte die alte Rike nachdenklich, „ein fröhlicher, lebenslustiger Geist ist eingezogen, hat aber den vornehm-adligen vertrieben, scheint mir!" „Dm hat die Gnädige mit sich genommen, Gott sei Dank!" lachte Johann vergnügt, „man fühlt sich ordentlich jung wieder, besonders wenn die Frau Profesior mit ihrem Erstgeborenen kommt." „Frau Profesior!" seufzte Rike, „wenn das die Gnädige erlebt hätte!" „Wär' ja ganz unmöglich gewesen", belehrte sie Johann, „ist unser gnädiges Fräulein doch das leben« dige Beispiel davon. Weshalb sie ihn nun nicht heirathst —" „Still, Johann, dar thut sie nicht, weil sie zu stolz ist, um sich lächerlich zu machen." Johann wollte das nicht einsehen, obwohl die Alte sich's nun und nimmer ausreden ließ. Und endlich söhnten sich auch Ulrike und der Major mit der späten Enttäuschung au». Al» treue Freunde, die Glück und Leid mit einander theilten, begegneten sie sich in der gemeinsamen Aufgabe, ihre „Kinder", wofür sie die jungen Gatten auf Ulrichs- hsim, so hatte der Freiherr sein Gut genannt, und Professors erklärten, mit Rath und That zu unter« stützen und die kleine Heranwachsende Generation zu erziehe», während Großmama Dörner und der gute Baron Lerchenheim das Verziehen hinlänglich be- sorgten. Professor Egon Dörner ist ein hochberühmter, glücklicher Mann, der seine schöne, aristokratische Gattin anbetet, während Ulrich als tüchtiger Land- wirth und kerngesunder Edelmann jetzt die harten Lehrjahre, welche ihm zur Selbsterkenntniß und Läuterung gedient, im Stillen segnet, obwohl er er für eine durchaus selbstverständliche Sache hält, daß seine kleine Magda in demüthiger Bewunderung für ihn gänzlich aufgeht. „Natürlich", meinte Tante Ulrike, „wie dürfte im Hause Jmmendorf auch wohl die Selbstsucht aussterben I" fünften Erzählung von Friedrich Friedrich. Der St-uerrath Braun lag seit Wochen krank darnieder. Es war Nacht. In dem Zimmer, in welchem der Kranke sich befand, herrschte ein matte», gebrochenes Licht. Vor dem Nachtlichts stand noch ein Schirm, um jeden Hellen Schimmer abzuhalten. Der Eindruck, den das Zimmer machte, würde ein gemüthlicher, fast eleganter gewesen sein, wenn cd nicht zugleich den Charakter der Krankenstube getragen hätte. Dir schweren wollenen Vorhänge waren dicht zusammengezogen, um jeden Luftzug durch die offenen Fenster fern zu halten. Ein Teppich bedeckte den ganzen Fußboden und machte jeden Tritt unhörbar. Aus einem Tische neben dem Bette standen eine Anzahl Fläschchen mit Medicin. Dir Luft in dem Zimmer war warm, fast brückend. Neben dem Ofen, in einem Lehnstuhl, saß ein junges Mädchen. Es war die Tochter des Steuerraths. Sie schlief. Die durchwachten Nächte an dem Bette ihres Vater» schienen sie erschöpft zu haben, denn ihre Wangen waren bleich. Es lag ein eigenthümlicher, wunderbarer Reiz in den Zügen der Mädchens. Die Augen waren geschloffen, allein das dunkle Haar, die dunkeln, scharf gezeichneten Brauen verriethen, daß auch die Auge« diese Farbe trugen. Das Profil des Gesichts hatte einen südlichen, fast orientalischen Charakter, der Mund war klein, fein geschnitten. E4 konnte auffallen, daß ihre Lippen fest geschlossen waren, denn der Schlaf hat ja die Eigenthümltchkeit, dieselben etwa» zu öffnen. ;5Da6 Gesicht erhielt dadurch um den Mund herum einen etwas scharfen Ausdruck. Der Kranke hatte sich mehrere Male im Betts empargerichtet und blickte im Zimmer umher. Er sah seine Tochter schlafen. Daß sie der Schlaf überrascht hatte, bewies ihm, wie erschöpft sie sein mußte, denn unermüdlich hatte sie seit Wochen bei ihm gewacht. Er gönnte ihr diese Ruhe. Mit Schmerzen hatte er gesehen, wie während seiner Krankheit die Farbe der Jugend und Frische mehr und mehr von ihren Wangen gewichen war, wie selbst ihr dunkle» Haar einen Theil seines Glanze» verloren hatte. Sie war sein einzige« Kind und er hing an ihr mit aller Liebe und Zärtlichkeit. Seitdem schon vor Jahren seine Frau gestorben war, hatke er sich das Glück des Mädchens zur einzigen Lebensaufgabe gemacht. Wieder hatte er sich langsam, mühevoll emporgerichtet, um zu sehen, ob seine Tochter noch schlief. Er sah sie regungslos da sitzen. Erschöpft sank er zurück. Eine innere Angst befiel ihn. Er kannte die Ursachen derselben nur zu gut. Seit Tagen hatte er diesem Zustande entgegengesehen, er war darauf vorbereitet, gefaßt — es war der nahende Tod. Er wußte, daß ihm keine Hoffnung auf Ge- nesung blieb, er glaubte die Schmerzen des Sterbens, de» Abschiede» von seinem Kinde innerlich schon überwunden zu haben, er glaubte völlig ruhig bleiben zu können — diese innere Angst und Beklommenheit scheuchte jede Ruhe von ihm. Er mußte die Schlafende stören — er konnte nicht von ihr scheiden, während sie schlief — noch einmal mußte er ihr in die Augen schauen, den Druck ihrer Hand erwidern, ihre Lippen auf seiner Stirn fühlen. Er wollte mit der Hand über die Stirn fahren, al» könnte er dadurch die Angst von sich scheuchen — die Hand kalt sie b 2ßiebi mehr nah „Pau Die 0 gewahr v Hastig sp Vater». „Der schuldigen men ist." Ein i des Krau „Die macht", t entbehrt, haben — Er v „Wm sie ihm i halb übe! „Reic Kranke, eigentlich rufen. Paul nur einio fest", suh den Stu! Wied Lächeln sich wohl Todes, wirklicher aller Zui eine Unu Durs Er hatte durfte es konnte fd Die Sp schwindet Er u mitzuthei „3a, Paulo, Sie Miet entgegen „Du Soll ich Er s „Se „mir hi! Sie seiner B mit ihm „We mit bebe 847 die Hand zitterte, er erschrak/ als er fühlte, wie kalt sie bereits war. Wieder versuchte er sich emporzurichten. Immer mehr nahmen seine Kräfte ab. „Paula — Paula!" rief er leise. Die Gerufene fuhr empor. Sie erschrak, als sie gewahr wurde, daß der Schlaf sie überrascht hatte. Hastig sprang sie auf und trat an da» Lager ihres Vaters. Er streckte ihr die Hand entgegen. „Der Schlaf hat mich überrascht", sprach sie entschuldigend. „Ich weiß selbst nicht, wie e» gekommen ist." Ein wehmüthige« Lächeln glitt über das Gesicht des Kranken. „Die Natur hat endlich ihre Rechte geltend gemacht", erwiderte er. „Zu lange hast Du den Schlas entbehrt, — und ich würde Dich auch nicht geweckt haben — wenn nicht — wenn nicht —" Er vollendete seine Worte nicht. „War willst Du, Vater", fragte Paula, indem sie ihm mit der Hand über die Stirn strich und sich halb über ihn beugte. „Reich' mir ein Glas Waffer", erwiderte der Kranke. Er vermochte noch nicht zu sagen, was er eigentlich wollte, was ihn getrieben hatte, sie zu rufen. Paula reichte ihm da» Wasier, von dem er jedoch nur einige Tropfen genoß. „Du schliefest ruhig und fest", fuhr Paula fort. „Derhalb setzte ich mich in den Stuhl. Fühlst Du Dich jetzt wohler?" Wieder zuckte ein wehmüthiger, schmerzliches Lächeln über sein Gesicht hin. Sie fragte, ob er sich wohler fühle, und er empfand das Nahen des Todes. Sie hatte noch ' keine Ahnung von dem wirklichen Zustande seiner Krankheit. Sie hoffte mit aller Zuversicht auf seine Genesung, weil sie es für eine Unmöglichkeit hielt, daß rr sterben könne. Durste er sie noch länger in dem Wahne lasten? Er hatte noch manches mit ihr zu sprechen — er durfte es nicht weiter hinausschieben, denn der Tod konnte schneller an ihn herantreten, als er glaubte. Die Sprache und da» Bewußtsein konnten ihm schwinden. Er war eine schwere Aufgabe für ihn, ihr Alles mitzutheilen — dennoch mußte es fein. „Ja, ich fühle mich wohler", sprach er. „Komm', Paulo, setz' Dich zu mir — hier neben dar Bett." Sie that es. Wieder streckte er ihr die bereit» erkaltete Hand entgegen. Erst jetzt bemerkte sie es. Sie erschrak. „Du bist kalt, Vater", sprach sie. , Friert Dich? Soll ich Dir noch eine Decke überlegen?" Er schüttelte ablehnend mit dem Kopfe. „Sei ruhig — sei gefaßt, Paula", fuhr er fort, „mir hilft keine Decke mehr." Sie blickte ihn starr an. Der Athem stockte in seiner Brust — eine Ahnung der Wahrheit, wie es mit ihm stand, schien in ihr aufzutauchen. „Weshalb nicht, Vater, weshalb nicht?" rief sie mit bebender Stimme. „Sei ruhig, Paula", suchte er sie zu trösten. „In das Unabwendbare muß man sich mit Fassung fügen." „Weshalb nicht, Vater?" wiederholte sie mit gesteigerter Angst. „Kind — Kind", erwiderte der Kranke mit schwerbewegter Stimme. „Du hast bis jetzt an meine Genesung geglaubt — ich habe Dich in dem Wahne gelüsten, wozu sollte ich Dein Herz mit Schmerzen erfüllen, ehe e» nicht nöthig war — aber länger darf ich Dich nicht täuschen. Du mußt die Wahrheit misten — für mich ist keine Hoffnung mehr!" Sie schien seine Worte noch nicht recht zu fasten. Mehr und mehr hatte sie sich über ihn gebeugt, ihr Auge blickte angstvoll in da» seinige — endlich schien die volle Wahrheit ihr zum Bewußtsein zu kommen. „Allmächtiger Gott! keine Hoffnung mehr!" rief sie laut auf und warf sich über ihn. Sie weinte nicht. Sie konnte nichts weinen. Schwer rang ihre Brust nach Athem. „Paula — mein Kind, faste Dich", bat der Kranke und legte seine kalte Hand auf ihren Kopf. Sie sprang wieder empor, aufgeregt, zitternd. „Nein — nein, es darf nicht sein — es kann nicht sein!" rief sie. „Ich schicke zum Arzt — er muß Dir helfen!" Sie eilte zur Klingelschnur. „Paula — Paula, laß!" rief ihr der Kranke nach.' „Auch er kann mir nicht helfen — aus fettem eigenen Munde weiß ich es schon seit Tagen. Laß uns die wenigen Stunden, die mir noch bleiben, allein sein!" Sie ließ die Hand, welche sie bereits zur Klingelschnur erhoben hatte, erschöpft herabfinken — die Wort?: „die wenigen Stunden, die mir noch bleiben“, hatten ihre Kraft gebrochen. Der Schmerz, der ihre Brust krampfhaft zusammengezogen hatte, der Schrecken löste sich — sie eilte zum Bette zurück und sank schluchzend neben ihm nieder. Der Kranke ließ sie eine Zeit lang ruhig ge° währrn. Er wußte, daß die Thränen da» beste Mittel waren, ihren Schmerz zu lindern. Ihm selbst rannen sie langsam die Wangen herab. „Paula", sprach er endlich, „sei ruhig, faste Dich. Svh', mir bleibt nur noch wenig Zeit und noch viel möchte ich mit Dir besprechen. Komm, Paula." Sanft hob er ihren Kopf empor. Sie schien sich auch zu fasten. Kaum hatte sie sich indeß aufge- richtet, so sank sie wieder nieder. „Paula — Paula!" mahnte der Vater. „Meine Stunden sind gezählt!" Mit aller Kraft rang sie nach Fassung. Die Thränen drängte sie zurück. In ihrem starren Blicke lag etwa» unendlich Schmerzvolles, Gebrochenes. Der Kranke erfaßte ihre Hand und hielt sie in der feinigen fest. (Fortsetzung folgt.) "...... 548 DoppekschrauSm - Schnelldampfer. (Fortsetzung.) Es kann daher nur mit Freude und Genugthuung begrüßt werden, daß die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft damit vorgegangen ift, zunächst zwei große Dampfer nach dem Zweischrauben- System für die Fahrt zwischen Hamburg und New- York in Bau zu geben. Diese beiden Schiffe, von denen bekanntlich eines bei der Stettiner Maschinenbau -Actien- Gesellschaft „Vulcan" und ein anderes bei Laird Bros in Birkenhead erbaut wird, stehen in ihren Hauptdimenstonen den allergrößten englischen Dampfern nur wenig nach. Ihre Länge beträgt 460 Fuß englisch, ihre Breite 56 Fuß und die Tiefe vom Kiel bis zum Oberdeck 38 Fuß. Um einen Vergleich mit einigen anderen renommirten Dampfern der nordatlantischen Fahrt zu ermöglichen, soll die folgende kleine Zusammenstellung dienen: Länge: Breite: „City of Rome" 560,2 Fuß 52,3 Fuß „City of Newyork" 527,6 „ 63,2 „ „Umbria" und „Etruria" 501,6 „ 57,2 „ „Servia" 515,0 „ 52,1 ,, „Alaska" 500,0 „ 50,0 „ „Lahn" 448,4 „ 49,0 ,, „Aller" 438,0 „ 48,1 „ „Ems" 430,5 ,, 47,0 „ Die Hauptgesichtspunkte, welche bei dem Entwurf der oben erwähnten Zweischrauben-Dampfer m's Auge gefaßt wurden, waren in erster Linie die Sicherheit und dann die Erzielung einer möglichst großen Geschwindigkeit, soweit sich letztere Bedingung mit der Sicherheit in Einklang bringen ließ. Man entschied sich deshalb zunächst für das Zweischrauben-System, um gegen die Folge eines Maschinenbruches gestchert zu sein. Um aber auch den Gefahren einer Colliston möglichst vorzubeugen, entschloß man sich, abweichend von der bisher üblichen Bauweise, das Schiff durch wasserdichte Querschotte in so viele Einzelräume zu theilen, daß dasselbe auch in dem Falle noch nicht sinkt, daß sich zwei benachbarte Abtheilungen mit Wasser füllen, eine Eventualität, die dann eintreten könnte, wenn das Schiff gerade an der Stelle eines seiner Schotte angerannt wird; ja, man stellte sich sogar die Aufgabe, selbst unter diesen Umständen die Reise noch fortsetzen zu können. Die Erfüllung dieser Bedingung ist besonders schwierig und erfordert zunächst, daß die Kessel in drei durch Schotte vollständig von einander getrennten Räumen aufgestellt sein müssen. Sollte in Folge von Collision das zwischen zwei Kesselräumen liegende Schott verletzt werden, so würde bei einer derartigen Anordnung also immer noch ein Keffelraum unversehrt bleiben und das Schiff noch mit einem Drittel seiner Keffelkraft weiterdampfen können. Aber auch die beiden neben einander liegenden Maschinen sind durch ein wafferdichtes Längsschott von einander getrennt,; so daß im Falle einer den Maschinenraum beschädigenden Collision immer noch eine Maschine betriebsfähig bleibt. Um diesen hohen Anforderungen genügen zu können, sah man sich genöthigt, dem Schiffe im Ganzen 11 wasserdichte Querschotte und ein Längsschott zu geben, bei welchen die sonst üblichen wasserdichten Thüren unterhalb des Hauptdecks gänzlich vermieden sind. Von jedem einzelnen durch die Schotte gebildeten Raume führen bequeme Treppen nach dem Oberdeck. Ein sich über den größten Theil der Schiffslänge erstreckender Doppelboden vervollständigt noch die constructiven Sicherheitsmaßregeln und verhindert das' Leckwerden des Schiffes felbst, wenn bei event. Grundstoß der äußere Schiffsboden beschädigt werden sollte. Es sind demnach alle Mittel, welche die moderne Technik uns an die Hand giebt, um das Schiff „unsinkbar" zu machen, in so vollständiger Wekse zur Anwendung gelangt, wie das bis jetzt nur noch bei dem jüngst in Fahrt gesetzten Dampfer „City of Rew- Aork" geschehen ist. Die neuen Dampfer der Hamburg - Amerikanischen Packekfahrt - Actien - Gesellschaft werden also hinsichtlich ihrer Sicherheit als die vollkommensten Schiffe der Gegenwart zu betrachten sein. Außerdem hat man diese Dampfer auch noch mit mächtigen Dampfpumpen ausgerüstet, welche pro Minute das ganz enorme Quantum von 36 Tonnen bezw. 360 Hektoliter Wasser fördern können. Die Pumpen würden daher im Stande sein, das Schiff, wenn es sich überhaupt jemals ganz mit Wasser füllen könnte, innerhalb Stunden wieder leer zu pumpen. Die Einrichtung der Schiffe wird felbstverständlich in jeder Beziehung denen der Concurrenz-Gesellschaften nicht nur gleichkommen, sondern dieselbe in vielen Punkten noch übertreffen. Die unter Deck befindlichen Passagierkammern werden durchgehends hell, luftig und geräumig sein, und es wird außerdem eine größere Anzahl Räume vorhanden sein, welche als drawing-rooms mit anstoßendem Schlafcabinet eingerichtet sind und die einen angenehmen Aufenthalt gewähren, falls die betreffenden Passagiere sich von der übrigen Gesellschaft zurückzuziehen wünschen. Der große Salon befindet sich im Vordertheil des großen Deckshauses, welches sich über den größten Theil der Schiffslänge auf dem Oberdeck erstreckt und über welchem sich das Promenadendeck ununterbrochen in einer Länge von 320 Fuß ausdehnt. Der Salon für die Passagiere II. Classe befindet sich im Hinteren Theile dieses Deckshauses, welches außer einer Reihe von Passagierkammern noch die erforderlichen Räume für die Officiere enthält. Auf dem Promenadendeck sind in besonderen Häusern noch der Damensalon, das Musikzimmer, der Rauchsalon I. und II. Classe, der Damensalon II. Classe und einige Passagierkammern untergebracht. Ein kleiner und besonders elegant ausgestatteter Salon I. Claffe ist im Vordertheile des Hauptdeckes angeordnet. (Schluß folgt.) Siebaction: A. Sch-yda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen