Enchener I-amitienbläüer. Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger. Nr. 83. Di-nrtag den 17. Juli. 1888. Aer Kröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) Einen Augenblick, lang flammte wilde Mordlust in Lowder'» Blick auf. In der nächsten Sekunde jedoch bannte er den teuflischen Gedanken wie eine giftige Natter von sich. So schlecht er auch war, konnte er doch nicht mit kaltem Blute die Ermor- düng Gvy Tressiltan'», der sein bester Freund ge. wesen war, anordnen. „Ist er in der Räuberhöhle sicher?" fragte er. „Sicherer al» in Sicilien!" „Wer ist dar englische Mädchen?" „Sie ist eine gewisse Signorina Rymple." „Und der Blödsinnige könnte jahrelang in der Räuberhöhle leben und unentdeckt bleiben?" „In einer Tigerhöhle könnt' er nicht sicherer, vor neugierigen Augen nicht besser verborgen sein." Ein triumphirender Aufdruck schlich sich in Low. der'» Züge. „Es ist gut", sagte er, „aber warum habt Ihr da» nicht geschrieben? Warum seid Ihr nach Eng« land gekommen?" Palestro's Augen blitzten schlau. „Ich will offen sein mit Euch, Signore", antwortete er. „Ich hatte mir eingebildet, daß Ihr und der Blödsinnige Brüder wäret, und daß er der Aeltere und Erbe sei. Ich dachte, daß Ihr froh wäret, ihn au» dem Wege zu haben I Ich kam nach England, um zu sehen, ob meine Vermuthung richtig sei!" „Run?" sagte Lowder spitz. „Ich fand, daß ich mich geirrt hatte. Ich habe mit Eurer Parkhüterin und mit dem alten Gärtner gesprochen. Ich fand, daß die Geschichte, die Ihr erzählt hattet, wahr fd. Ich fand, daß Herr Guy Tresolino vor fünf Jahren auf Reisen gegangen sei, daß er keinen Bruder hatte, sondern einen Reisebegleiter Namen« Jarper Lowder und daß derselbe jetzt al» Blödsinniger in Sicilien sei. Der Gärtner hat mir da« Alle« gesagt!" „Ihr wußtet da« schon früher. Jetzt, wo Eure schöne Vermuthung zerstört ist, müßt Ihr sofort nach Italien zurückkehren und Euch um Lowder bekümmern. Ich will Euch gerne noch fünfzig Pfund geben." „E nen Augenblick! ' unterbrach ihn der schlaue Wirth mit funkelnden Augen. „Der brummige alte Gärtner sagte, daß Guy verändert sei, seit er auf • Reisen gegangen ist — daß er nicht mehr derselbe Mensch wäre. Ich wußte von dem Augenblicke an, al« ich durch da« Fensti r von Frau Vicini hineinschaute und Euch über die Gestalt de« verunglückten Kameraden gebückt sah, daß zwischen Euch Beiden ein schreckliches Gehdmniß bestehe. Und ich habe dieses Grheimniß herausgefunben", rief er, zu der Spitze seiner Verdachtsgründe kommend. „Jener Blödsinnige in Neapel ist der wahre Guy Tresstlian. Und Ihr, falscher Freund, falscher Diener — Ihr seid der Reisebegleiter Jarp r Lowder!" Lowder sprang entsetzt zurück. Schuld zeigte sich in seinen Zügen, in seinen Augen. Er kauerte -'völlig zusammen vor seinem Ankläger und Entsetzen malte sich in seinem Gesichte au#. „Da« ist unverschämt!" stammelte er zitternd. „Sir Arthur würde die Sache der Untersuchung würdig halten", meinte der Italiener mit kalter Bosheit. Es entstand ein kurzes Stillschweigen zwischen dem Paar. Lowder fühlte sich entlarvt und der Barmherzigkeit seines Gegners preisgegeben. Vergeblich versuchte er sich mit seiner gewohnten Frechheit herauszuhelfen. Endlich sagte Lowder mit leiser Stimme': „Wie viel Geld braucht Ihr?" Palestro überlegte. „Laßt mich sehen", sagte er. „Ihr habt ein prächtige« Gut und eine reiche Braut, die eine Erbin ist, in Aussicht, Ihr werdet eine« Tages ein Mylord sein. Ihr sollt mir morgen Abend zweitausend Pfund geben. Für diese Summe jetzt, und eben so viel wieder, wenn Ihr Mylord seid, will ich Euch bei allen Heiligen versprechen, Euer Geheimniß unverletzt zu bewahren." „Warum verlangt Ihr nicht gleich die Kron- Juwelen von mir? Zweitausend Pfund! Das ist unmöglich." „Ihr müßt sie zahlen! Ich werde morgen Abend um zehn Uhr wieder hier sein. Ihr müßt mir die zweitausend Pfund bringen oder ich verrathe Sir Arthur Alle». Merket wohl auf; übt keinen Berrath. Wenn mir etwa« geschieht, wird Giuditta sich zu Sir Arthur begeben und ihm Alle» sagen. Ihr thut besser, mir da» Geld zu bringen, sonst seid Ihr verloren. Wen« Ihr nicht um zehn Uhr hier seid, werde ich um elf Uhr Sir Arthur aufsuchen." Und während diese Worte noch in Lowder'« Ohren klangen, verschwand Palestro in den tieferen Schatten de« Parke». 384 Dreiunddreißigstss Kapitel. Noch ein Schritt weiter. Einige Augenblicke, nachdem Jacopo Palestro sich in den Schatten des Parkes zurückgezogen hatte, blieb Jasper Lowder wie versteinert vor Entsetzen und Verzweiflung stehen. Entschiedener Untergang gähnte ihm entgegen. Er wußte, daß die Drohung Palrstro's unwiderruflich war, wie der Machtspruch des Schicksals. Er wußte, daß ein Appell an seine Gnade und Geduld ganz nutzlos wäre. Ec wußte, daß, wenn er nicht zu der von dem Exschreiber bestimmten Zeit die von demselben geforderte Summe in seine Hände lege, er bei Sir Arthur und Blanche verrathen werden würde, und daß ihn der so reichlich verdiente Untergang ereilen müßte. „Was soll ich thun?" fragte er sich ganz verzweifelt. „Palestro würde sein Geheimniß sehr gerne an Sir Arthur verkaufen. Verwünschter Mensch; er ist scharfsinniger, al» ich glaubte. Wie konnte er auf den Grund eine» Geheimnisies kommen, das ich so sorgfältig verbarg? Und wie soll ich bis morgen Abend zweitausend Pfund ausbringen? Es ist ganz und gar unmöglich I" Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirne, Fieber tobte in ihm. Rastlos wanderte er in der dunklen Aller unter den dichten Bäumen auf und ab. Welche Gedanken ihn in dieser verhängnißvollen Stunde erfüllten, weiß nur Gott allein. Aber ein mörderi- sches Verlangen schaute aus seinen wilden, blutum- laufenrn Augen, aus seinem bleichen, verzerrten Gesichte und lauerte um seine hinabgezogrnen Mund- winkel. Wäre Palestro in diesem Augenblicke zu ihm zurückgekehrt, es wäre dem Italiener schlimm ergangen: aber er kehrte nicht zurück und der Betrüger ging unaufhörlich hin und her, während grenzenlose Wuth wie ein wilder Dämon in ihm tobte. Die Stunden vergingen. Nach und nach bemächtigte sich seiner die Ruhe der äußersten Verzweiflung. „Das Spiel ist nicht ausgrspielt", sagte er zu sich selbst. „Ich habe noch einige Stunden vor mir. Ich muß einen Schritt machen, der mich retten kann; aber wenn mir der mißlingt, dann muß ich nach Norden zu Hefter fliehen. Sie wird mich immer aufnehmen I Fluch soll diesen Palestro treffen millionenfach! Ich würde ihn ermorden, hätte er sich nicht gegen meinen Zorn vorgesehen und eine solche That das Signal zu meiner eigene» Vernichtung bezeichnet. Ich muß ihm die geforderte Summe zahlen. Ich muß meins Stellung bewahren. Aber wo soll ich die zweitausend Pfund hernehmen?" Er ersann verschiedene, unmöglich auszuführende Pläne, zu dem Gelbe zu gelangen. Er konnte sich in so kurzer Zeit eine solche Summe Geld nicht borgen, ohne zu erklären, wozu er ihrer bedurfte. Sir Arthur konnte er nicht darum bitten. Er konnte sich an keinen Geldmakler in Glocester wenden, denn ' er konnte fich nicht daraus verlassen, daß die Sache in diesem Falle geheim gehalten werden könne. Er konnte auch kein Geld auf die Privatbesitzung Guy Tresfilian's ausnehmen, ohne daß es der Baronet erfahren hätte. Der Eindringling fühlte, daß er keinen Ausweg offen hatte. Jasper überlegte auch, ob er nicht von einem Wucherer Geld borgen könnte, um es dann erst zurückzuzahlen, wenn er, wie er glaubie, Baronet sein werde; aber er mußte auch diese Idee sehr bald verwerfen. Welcher Geldmakler würde ihm eine so große Summe, wie zweitausend Pfund, vorstrecken, um erst bezahlt zu werden, wenn Lowder in den Besitz von TressiliamHof käme, wo Sir Arthur sich kaum in mittleren Jahren befand und von wahrhaft athletischer Kraft und Gesundheit war. Stundenlang blieb Lowder in dem Parke und kämpfte mit dieser Krise. Der Nachmittag war schon fast vergangen, ehe er sich hinlänglich beruhigt hatte, um in das Haus zurückzvkehrm. Sir Arthur und Blanche faßen in dem großen Bogenfenster des Saales, als der Eindringling über die Terraffe ging. Er schwenkte seinen Hut gegen dir Beiden in erzwungener Fröhlichkeit und ging mit sorglosen Schritten weiter, bis er ins Haus eintrat. In der Halle legte er Hut und Obsrrock ab, zögerte einen Augenblick lang, mit gegen den Salon gewandtem Gesichte und ging dann langsam und matt zu seinem eigenen Zimmer hinauf. Er fühlte fich noch nicht im Stande, den scharfen, forschenden Blicken des Baronets zu begegnen oder die munteren Fragen Blanches zu beantworten. Ec blieb auf seinem Zimmer, bis er die Tischglocke läuten hörte. Dann verließ er daffelbe, obwohl etwas bleich und abgespannt, aber elegant gekleidet und parfümirt, und begab sich in das Speisezimmer. Der kurze Dezembertag war seit mehr als einer Stunde zu Ende. Die Armleuchter in dem großen Speisesaal waren alle angezündet. Dir langen rothen Vorhänge über den großen Fenstern und der Garten- thüre waren zugezogen. Ein Feuer flackerte lustig in drm Kamin. Der ovale, mit schneeweißem Damast bedeckte Tisch glitzerte und schimmerte von Silber, Gold und Porzellan. Alles athmete Licht, Wärme und Behaglichkeit. Sir Arthur und Blanche waren schon in dem Zimmer und Beide schienen etwa« ernst und gedrückt zu sein. Der elegant gekleidete Baronet sah in dem Gegensätze zu dem etwas geckenhaften und verweichlichten Lowder noch schöner und edler al - sonst aus. Blanche bemerkte das vornehme Aussehen ihres Vormundes. „Sir Arthur ist tausendmal schöner al» Guy", dachte.sie. „Und zuweilen kommt e» mir sogar vor, ich weiß nicht warum, daß er frischer und jünger aussteht. Wenn er nur um zwanzig Jahre jünger wäre, als er es ist —" Sir endigte ihren Gedankengang nicht, sondern erröthete nur lebhaft, was Sir Arthur und Lowder 8W den bewundernden Blicken zuschrieben, die ihr der Letztere spendete. Blanche hatte niemals lieblicher ausgesehen, als an diesem Abende, mit ihren großen, glänzenden treuen Augen, in deren durchsichtigen Tiefen jedoch diese gedankenvolle Traurigkeit log, welche Sir Arthur bemerkt, aber nicht verstehen konnte. Die Drei nahmen ihre Plätze bei Tische ein. — Purmton, der würdige, alte Haushofmeister, beaufsichtigte mit großer Umsicht bis beiden Diener und die Mahlzeit ging fast stillschweigend vorüber. Erst als der Wein und das Dessert aufgetragen war und die Diener sammt Purmton sich zurückgezogen hatten, schien Sir Arthur'« Ernst etwas zu weichen. Er sagte gleichsam, als ob er die allge- meine trübe Stimmung aufheitern wollte, mit einem Lächeln: „Du siehst verstimmt aus, Guy. Selbst Blanches Gegenwart ist nicht im Stande, die Wolke von Deiner Stirne zu vertreiben. Ich glaube, Du bist gar nicht derselbe, seit Du heute Nachmittag diesen Bettelbrief empfingst und die Zusammenkunft mit dem sonderbaren Fremdling hattest." Lowder hatte sich eingebildet, daß er für jede Anspielung auf Palestro's Brief vorbereitet und die Aufregung, die er bei dessen Empfang gezeigt hatte, vorüber sei, aber jetzt erschrak er unwillkürlich. Sir Arthur bemerkte den Schatten, der über dar hübsche Gesicht des Eindringlings glitt und sah, daß Lowder mehr als erschrocken — daß er beunruhigt war. „Du — Du hast diesen Menschen gesehen?" stammelte Lowder in heiserem, sonderbarem Tone. „Ich sah ihn, als er aus einer Allee im Parke bervortrat, um Dich zu begrüßen", entgegnete Sir Arthur, jetzt vollends überzeugt, baß die Vergangenheit seines vermeintlichen Sohnes irgend ein Grheim- niß berge. „War er nicht ein ehemaliger Bekannter von Dir, Guy?" Lowder erzwang ein unruhiges Lächeln. „Welch sonderbare Idee?" rief er aus, ohne von dem rothbackigen Apfel, den er mit sichtlich zitternden Händen schälte, aufzuschauen. „Der Mensch war ein Landstreicher, ein gewöhnlicher Bettler, der sich ohne Zweifel nach den Namen der ersten Familien in d-r Grafschaft erkundigt hatte, um seine Börse zu füllen. Ich glaube, mein Name stand ziemlich obenan auf der Liste. Ich gab ihm eine halbe Krone und schickte ihn fort." Sir Arthur schaute seinen Sohn mit verwirrtem Ausdruck an. . "Atr Guy", sagte er ganz ruhig, „Du hast mit dem Menschen eine Stunde lang gesprochen. Poxter aus dem Park schleichen, als Du ihn entließest. Es war beinahe zwei Uhr. „Poxter, ah, der Verwalter", murmelte Lowder. „Der Bursche hat vielleicht noch in dem Parke her- umgelungert, nachdem ich ihm befohlen hatte zu gehen. Aber davon weiß ich natürlich nichts. Der Mensch ist mir, wie ich schon früher sagte, gänzlich fremd." ' Sir Arthur erwiderte nichts, aber der verwirrte Ausdruck in seinem Gesichte machte der schsechrvei- borgenen Anast Platz. Er glaubte, daß Lowder ihn belüge und das unbestimmte Mißtrauen gegen ihn vertiefte sich sehr. u Mit einem Seufzer ließ er den für ihn so unangenehmen Gegenstand falle« und sagte: „Ich habe an ein Hochzeitsgeschenk für Dich gedacht, Guy. Ich hörte vergangene Woche, daß die Roy Farm, welche an Dein Gildethorpe stößt, zu verkaufen ist. Früher gehörte sie zu Gildethorpe und ich habe immer daran gedacht, daß sie wieder damit vereinigt werden sollte. Der jetzige Eigenthümer sieht sich gezwungen, sie zu verkaufen, weil er in Schulden gcrathen ist. Ich habe beschlossen, die Roy Farm für Dich zu kaufen und die kleine Besitzung, die Du von Deiner Mutter geerbt hast, zu vergrößern. Ich habe bereits alle einleitenden Verfügungen getroffen und werde morgen Vormittag, wo ich um 10 Uhr mit Herrn Roy eine Zusammenkunft bei dem Advokaten in Ardleigh habe, den Kauf abschließen." „Das wird ein fürstliches Geschenk sein, mein Vater", sagte Lowder, den Kopf erhebend. Die Roy Farm ist eine der schönsten in der ganzen Grafschaft. Wie viel mußt Du dafür bezahlen?" „Zweitausend Pfund!" Lowder erschrak wieder und senkte seine Augen. Zweitausend Pfund! Das war gerade die Summe, die er brauchte, um das ihm drohende Unheil von sich abzuwenden I „Wie viel von dem Betrage wird als Schuld darauf bleiben?" fragte er, bemüht, sorglos zu sprechen. Sir Arthur schaute ihn überrascht und verletzt a». „Wenn ich Geschenke mache, Guy", sagte er etwas kalt, „so mache ich sie nicht halb, sondern ganz. Ich werde den Betrag baar auszahlen und mir dis Besitzurkunde ausfertigen lassen." „Natürlich", beeilte sich Lowder lächelnd zu sagen. „Ich hätte das für selbstverständlich annehmen sollen; aber nur ist die Summe so groß und ich weiß, daß Du in Ardleigh Dein Geld richt anlegst; aber ohne Zweifel wirst Du einen Wechsel auf die Bark von Glocester aus stellen, um das Geld auszufolgen." (Fortsetzung folgt.) Episoden und Anekdoten ans dem Leöen Kaiser Ariedrichs. HI. Einen recht treffenden W e i h n a ch t s s ch e r z hatte vor Jahren Kronprinz Friedrich Wilhelm für einen Kadetten ersonnen, um ihn auf längere Dauer von der vorzeitigen und ihm verhängnißvoll gewordenen Verehrung des Tabakskrautes zu heilen. Jni Jahre 1863 besuchte „unser Fritz" das Lazarett) in der damaligen Berliner Kadetten-Anstalt und fand unter Anderen einen Zögling „fieberkrank in Folge von 336 Vermischtes. und scheint ein Leckerbissen für sie zu sein, wie man dies in den ersten Tagen des Frühlings sehen kann, wenn man auf die Sperlinge Acht giebt. —• Anbetracht dieser überaus nützlichen Thatrgkert wird man es dein vielverlästerten Spatzen wohl verzeihen dürfen, wenn er zu Zeiten auch ein paar Weinbeeren wegstibitzt oder sich am Obst delectirt. ~ sie dem Offizier scherzend mit den Worten: „Nun, lieber S . . - die Sorte 1863 lagert wohl noch immer? Na, seien Sie nicht mehr böse, jetzt habe ich einen besseren Lieferanten. Probiren Sre mal dieses Kraut, das ist eine andere Nummer." — Die prächtigen Cigarren dampfte der junge Held den Turkos in das kaffeebraune Angesicht, aber dre 63 er Sorte lagert noch immer, sie ruht auf einem prachtvollen, goldenen Gestell auf dem Schreibpult des glücklichen Besitzers. ZurEhrenrettungdesSperlings. „Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte" . . . Dies dichterische Wort könnte man auch auf den GaffeuMngen unserer heimischen Vogelwelt, den Spatzen, anweu en. Denn kaum stehen sich über die größere Nützlichkeit oder aber den größeren Schaden emes Vogels die Ansichten so schroff gegenüber, wie bezüglich des Sperlingsund zwar überwiegt die Zahl seiner Gegner bedeutend diejenige seiner Vertheidiger. Nun, es ist richtig, der Sperling plündert unsere Obstgarten, Weinberge und Getreidefelder öfters in ganz unverschämter Art, aber wie groß anderseits auch die Verwüstung ist, die er unter den ^nsecten und Würmern anrichtet , kann man deutlich aus der Berechnung sehen, die Herr Brad ey, Professor der Botanik an der Universität Cambridge, m seiner Abhandlung über den Ackerbau eingeruckt hat, und worin er die Anzahl von Larven angiebt, welche ein paar Sperlinge gebraucht haben, um ihre Zungen zu füttern. Sie beläuft sich in einer Woche auf 3300. Die Richtigkeit dieser Berechnung zeigt er auf folgende Art. Man hat bemerkt, dach em Sperling, der Junge hat, jede Stunde 20 Mal zu Neste fliegt, um ihnen Futter zu bringen. Dies thut sowohl der Vater als die Mutter. Die Klugen erhalten also jede Stunde 40 Schnäbel voll Futter. Nimmt man nun an, daß beide Sperlinge 12 stunden Redaction: A. Scheyda. — Druck und Perlag der Brühl'schen Drucker« (Fr. Chr. Pietsch) m Gießen. Nikotin-Vergiftung", wie die über dem Bett hängende Tafel nachwies. Anscheinend gleichgültig erkundigte er sich nach der Lebensstellung und dem Wohnort der Eltern, faßte den Patienten noch einmal scharf ins Auge und setzte dann seinen Gang durch das Krankenzimmer fort. Der Fall schien hiermit erledigt, zumal der Kronprinz wohl wußte, daß dem ertappten Sünder nach seiner Entlassung aus dem Lazareth noch eine Arreststrafe blühte, „wegen Rauchens in den Räumen der Anstalt". Die Strafe war bald verschmerzt und sechs Wochen später, am heiligen Weih- - nachtsabend, finden wir den jungen Krieger unter J den Seinen im traulichen Familienzimmer der guten ; Mama — den Vater hatte er vor Jahren schon verloren. Hinter einer dampfenden Punschbowle lehnte er sich behaglich im Sessel und rauchte eine „ganz bedeutende Giftnudel", womit er die feine Havanna-Cigarre des älteren Bruders meinte. Die Lichter am Christbaume waren schon verlöscht, Alfred und Meta, die beiden jüngsten Geschwister, eben zu Bette gebracht, und während der Kadett gerade seiner hübschen Cousine, einem 16 jährigen Backfischchen, mächtige Heldenthaten aus seinem Kadettenleben berichtet, stellte sich der Weihnachtsengel noch em Mal ein und setzte noch schnell eine verspätete Holzkiste vor ihm auf den Tisch. Und was war darin? Eine mächtige — Cigarre! Aber so groß und so hart, wie eine Feldgranate, und so schwer wie ein Kommißbrot! Sonderbare Sorte! Aha, jetzt hat er's! Es war nur eine Atrape, und aus dem Innern derselben zog er eine — Milchflasche heraus, eine Saugflasche in — Lebensgröße — mit einem Gummisaugpfropfen — und gefüllt mit echter, unverfälschter Kuhmilch. Auf der Flasche aber klebte ein Zettelchen mit-der Aufschrift von wohlbekannter Hand: „Wohl bekomm's! Friedrich Wilhelm." Also der Kronprinz war der Spender? Und das galt ihm, dem sechszehnjährigen Primaner, dem alten erfahrenen Kadetten und baldigen Portopee- EksEä ss-bS dieser stylvollen Rede warf er hastig den Rest der • ^halten dwse reden T g W wenn man SÄ“«?*“-*-w- rr»'äSä kam eine ernste und bewegte Zeit. Bald nach der . Vertilgung der 1 Nahrung ist, die sie Pfeife im Munde, knapp vor Sonnenuntergang durch glatter^,grünlicher^ Larven m(m die Vorposten reitet, den heimlichen Cigarrenfreund wieder. Aus jenem grünen Bürschchen ist ein ernster, stattlicher Offizier geworden. Freudig bewegt begrüßt der hohe Herr den jungen Krieger mit einem warmen Händedruck. Eben will er wieder weiterreiten,, da wendet er sich noch einmal um, holt aus feiner Satteltasche ein Päckchen mit Cigarren und überreicht