Hiehener Jamiüenbläiter. Belletristisches Beiblatt ?itm Gießener Anzeiger. 1888. Dienstag dm 17. April. Nr- 45. f -■ 6c war Hug Tressilian, der einzige Sohn und Erbe von Lord Tressilian auf Tressilian Court. Sein Begleiter, der offenbar in gleichem Alter wit ibm stand, glich ihm Zug um Zug, so daß ste Zwillingsbrüder zu sein schienen. Aber hm fthlte das offene freie Lächeln, der klare furchtlose Blick. Sir Jaspar, Lord Tressilian's Freund und Genoffe, hatte des Lebens Schattenseiten kennen gelernt und ferne schlimmen Charaktereigenschaften hatten stch in ibm mehr und mehr entwickelt, abschüssige Bahnen war er in seinem Leben bereits gewandelt, bis er auf eine höchst merkwürdige Weise die Bekanntschaft Lord Tresstlian's macyte. Der Lord hatte vier Jahre auf einer deutschen Universität zugebracht und darauf mit seinem Erzieher eine Rundreise durch ganz Europa angetreten. die roheste Art und Weise hinterrücks von drei Männern angegriffen wurde. Offenbar verkannten sie ihn, denn Hug war total unbekannt in der Stadt, aber er war nicht in der Lage zu sprechen, denn die Raschheit des Angriffes bedingte eins energische wiederfinden. _ . . „In der That, ich glaube der Sturm wird von Minute zu Minute stärker", sagte Lowder. „Glaubst Du, daß das Schiff Stand hält?" „Es hat keine Gefahr", entgegnete Tressilian, „ich habe ungleich größere Stürme mitgemacht und bin stets mit heiler Haut davongekommen. In zwei Stunden werden wir den Hafen von Palermo an- laufen und in drei Stunden werden wir vergnügt im Hütel zu Abend speisen. Morgen Mittag", fügte er hinzu, „werden wir uns nach Marseille etnfSorobeE lachte bitter auf. „Ja wohl", sagte er, „und von Marseille nach England unb Tressilian- Court! Du gehst in Deine Heimath, in das Schlag Deines Vaters und umgeben von Reichthum, Gluck und Liebe wirst Du ein sorgenloses Dasein führen. Ein Jahr des Glückes und der Freude habe ich nun genoffen an Deiner Seite, nun werde ich wieder Freund mit vorwurfsvollem B icks an. „Und glaubst Du das wirklich, was Du M sprichst? Kannst Du auch nur einen Augenblick cmnchmen, ich hätte Dich ein Jahr Freund und Der Kröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Nachdruck verboten.) Erstes Kapitel. Die verhängnißvolle Katastrophe. Der Nordwest tobte in langen Stößen - wie bewegliche Berge und Schluchten, den weißen Gffcht auf dem hohen Kamm, kamen die Wogen daher und dis graugrüne Farbe schwoll in den Hefen Höhlungen zum tiefen Schwarz, bunker al« die Wolken, die der Sturm über den Himmel peüschte. Zwei junge Männer in eleganter, tadelloser Reise- Toilette hielten sich am Bollwerk des kleinen sardinischen Dampfers fest, den die Wogen wir eine Nußschale hin- und herschleuderten. Der Eine, der Auffallendere von Berben, war ein schöner junger Mann, von aristokratischer Hal- tuna arvß, schlank und schön mit freundlich lächelndem Munde und einem herrlichen Paar furchtloser blauer L EÄe? erhiett jLch'pZtzäch 7ne Profeffur | ^gestoßen in die wM Welt und statt Deiner und in Baden-Baden sah sich der junge Lord ge- j wird Roth, Kummer uno sorge meine Gessllschast “• a"b"We6‘8‘eite L sää; äää •aa ÄÄm *ssKÄ«*b« i Abwehr. Und doch wäre Hug Tressilian der drei- V, fachen Uebermacht gegenüber unterlegea und schon ^begannen seine Kräfte zu schwindeü, als ihm ein i völlig Fremder zu Hilfe kam, deffen Erscheinen die Angreifer zur schleunigen Flucht veranlaßte. Dieser Retter in der Roth aber, dem Lord Tressilian das Leben baute, war Jasper Lowder, und der Mann, der eine so augenfällige Aehnlrchkett mit ihm hatte, erregte des Lords höchstes Jntereffe- Gleich von Gesicht, gleich von Gestalt, vrrmuthete der junge Lord euch Gleichheit des Charakters und der Geschmacksrichtung, ein Jrrthmn, den er schrecklich theuer bezahlen un • der sich entsetzlich rächen sollte. Nachdem er erfahren, daß Lowder arm sei, ohne Hoffnung auf ein Erbs, ein alleinstehender Mann, engagirts er ihn unter den denkbar großmüthigstm Bedingungen als Reisebegleiter und ein Jahr lang hatten ste bereits mehr wie Brüder, wie als Herr und Diener zusammen gelebt unb gereist, bis wir ne auf dem kleinen Dampfer inmitten hochgehender See 182 Bruder genannt und würde jetzt von Dir gehen und , Dich nßein einer sorgenschweren Zukunft überlassen? 1 Nimmermehr I Längst schon wollte ich meinem Vater in Bezug auf Dich und Deine Zukunft schreiben, aber sein gestriger Brief, der mich so schnell in die Heimath ruft, verhindert mich, ihm vor der Ankunft M ttheilung über Dich zu machen. Von Marseille aus werde ich telegraphiren, daß Du mit mir kommst. Und Du wirst doch mitgehen, nicht wahr, mein Freund? Ich will für Deine Zukunft sorgen, will Dir eine Deinen Kenntnissen entsprechende Stellung schaffen, die Dich zeitlebens vor Kummer und Sorge schützt.' Oder — fesseln Dich Bande an den Continent?" Einen Augenblick, einen kurzen Augenblick nur zögerte Lowder, dann sagte er kurz und entschloffen: „Nein, keine Bande feffeln mich an den Conti- nent. Ich bin bereit, mit Dir zu gehen, aber — wie wird Dein Vater mich, den fremden Eindring« ling, aufnehmen? Wird er nicht den bezahlten Gesellschafter, der es wagt, seinem einzigen Sohne so ähnlich zu sehen, wie ein Ei dem andern, hinaus - stoßen aus seinem Hause?" „Nein, das wird er nicht. Er wird den Freund seines Sohne« mit offenen Armen empfangen, er wird ihn willkommen heißen und ihm ein Heim bereiten", entgegnete der junge Lord in ernstem, würdigen Tone. „Dein Vater scheint aber doch sonst nicht so recht zärtlich zu sein", bemerkte Lowder. „Fünf Jahre warst Du von ihm getrennt und heute erst ruft er Dich zurück." Hohe Röths bedeckte das Gestcht Lord Trsfsil an's bü diesen Worten. „Du wirst diese Verhältnisse bald kennen lernen", sagte er mit einiger Verlegenheit. „Wie Du weißt, hatte mein Vater eine Mündel, die Tochter eines Freundes —" „Ich weiß, ich weiß — Miß Jrby, die goldhaarige Blanche, von der Du so oft gesprochen und mit der Du Briefe gewechselt." „So ist es. Mein Vater hat es fich zur Lebens-' aufgabe gestellt, mich mit Blanche zu verhsirathen und deshalb ließ er mich fünf Jahre nicht nach Hause. Er wollte nicht, daß wir zusammen heran» wachsen, er wollte, daß wir uns erst Wiedersehen in den Jahren, wo die Menschen verständig genug sind, über ihr Schicksal zu entscheiden. In der Nacht vor meiner Abreise schloß er sich mit mir in die Bibliothek ein, theilte mir seine Hoffnungen und Wünsche mit und beschwor mich, Herz und Sinn rein zu erhalten und Blanche würdig zu bleiben. Und nun", fuhr er mit schwermüthigem Tone fort, „ruft er mich zurück. Mein Vater will seinen Herzenswunsch verwirklicht sehen, er will mich jetzt mit Blanche verhsirathen." Längst schon war die Nacht hereingebrochen und der junge Lord konnte deshalb den seltsamen lauernden Ausdruck in den Augen seines Freundes und die gespannte Aufmerksamkeit, mit welcher derselbe jedes Wort seines Freundes zu verschlingen schien, nicht wühmehmen. „Wenn ich mich recht erinnere", sagte Lowder, „so hörte ich von Dir, daß Blanche nicht nur eine reiche Erbin, sondern auch ein Engel an Schönheit sei. Ich darf wohl als gewiß annehmen, daß Du ihr jetzt schon ein H?rz voll Liebe entgegen bringst." „Nicht doch. Blanche versprach schon vor fünf Jahren ein herrliches Mädchen zu werden, aber Herzen lasien sich nicht zwingen und meinem Ideal entspricht sie nicht. Ich schrecke vor der beabsichtigten Heirath zurück, ich schrecke aber auch davor zurück, den Vater zu beleidigen, der mich mehr liebt, als Alles in der Welt." „Wirklich, liebt er Dich so sehr?" fragte Lowder, indem ein seltsamer höhnischer Zug seine Mundwink l umspielte. „Du Glücklicher bist in der Lage, von einem liebenden Vater sprechen zu können, hast Du aus meinem Munde schon Aehnliches gehört?" „Seltsam — ich erinnere mich nicht, daß Du je von Deinem Vater gesprochen", entgegnete der Lord. „Ich bin deshalb auch stets von der Ansicht ausgegangen, daß er tobt sei —" „Wollte Gott, er wäre todtl" rief Lowder mit schriller, unheimlicher Stimme. „Verflucht, dreimal verflucht sei der, dm mir die Natur zum Vater gegeben! Erschrick' nicht", fuhr er fort, als er bemerkte, wie ihn der Lord bei diesen Worten betroffen anschaute, „erschrick' nicht über die unkindlichen Aeuße- rungen, die aus meinem Munde kommen, aber dieser Sturm in der Natur regt alle Gefühle in mir auf; auch in meinem Innern stürmt und tobt und grollt es, und wenn Du meine Geschichte erfahren, wirst Du die harten Worte begreifen, die ich gesprochen." „Erzähle mit", sagte der Lord theilnehmend. „So viel ich in Erfahrung bringen konnte, war mein Vater der jüngere Sohn einer alten Adelsfamilie. Beweise davon besitze ich allerdings nicht, aber das weiß ich, daß meine Mutter von geringer Herkunft war, daß sie ein unschuldiges reines Wesen mit rosigen Wangen, blauen Augen und reinem, unverdorbenen Herzen gewesen. Sie war die Tochter einer Wittwe, die in Brighton lebte, und hatte zwei kaum dem Knabenalter entwachsene Brüder. Die Wittwe, meine Großmutter, lebte vom Wohnungs- vermiethen und mein Vater, ein lustiger, leichtsinniger Lebemann, kam zu ihr in'S Quartier. Wie voraus- zusehm, verliebte er sich in die Tochter seiner Haus- wirthin. Er schlug dem jungen Mädchen die Ehe vor unter der Bedingung, daß die Heirath, so lange er es wünschte und bis sich seine Aussichten gebessert hätten, geheim gehalten werden müsse. Das junge Mädchen liebte ihn, ihre Mutter war ehrgeizig und habgierig. Das Ende war, daß der Liebende seinen Willen durchsetzte und die Tochter seiner Hausfrau in aller Stille — fast heimlich heirathete. Dann nahm er seine Braut nach London in eine billige, entlegene Wohnung und ein Jahr später wurde ich geboren." I Immer stärker tobte der Sturm, höher und höher 183 thürmte bet Norbwrst die Wogen und Blitz auf Blitz zerriß bas Dunkel der Nacht. Mit lauter grollender Stimme, als wolle Lowder in Mitte der aufgeregten Natur auch seiner Aufregung Luft machen, fuhr er fort: „Meine Mutter und ich bewohnten viele Jahre hindurch eine dumpfe unansehnliche Wohnung, in der uns der stolze Herr von Zeit zu Zeit besuchte, wie ich mich wohl erinnere. Seine Besuche wurden in der Folge immer seltener und die Wangen meiner Mutter wurden welk und die Augen trübe. Ich glaube, daß er sich unser geschämt hat, daß er in einem seinen Hause Gesellschaften empfing, als Hagestolz galt und im Ueberfluß lebte, während ich und dir arme Mutter in der Dunkelheit des Unbekannt- seins ihr Dasein verbrachten. Wie oft hat sie ihn gebeten, uns anzuerkennen, wie ost hat sie gefleht, die Schmach der Illegitimität von uns zu nehmen. Aber stets wußte der seine Herr Ausflüchte, immer betheuerte er, es sei noch u früh, er könne nicht handeln wie er wolle und Jahr und Jahr rollte dahin im Laufe der Zeit. Als ich das zehnte Lebensjahr erreicht hatte, da stand ich am Sarge meiner Mutter — sie war dahin gewelkt mit krankem Herzm und krankem Körper — das Opfer eines Wüstlings, eines Ruchlosen!" Ein Schauder schien die Gestalt des Erzählers zu erschüttern, als der junge Lord seine Hand ergriff und voll Mitgefühl drückte. „Einen Monat ungefähr blieb ich mit unserer ein igen alten Dienerin in der Wohnung", begann Lowder wieder, „und mein Vater besuchte mich einige Male, wobei er seine Ratlosigkeit aussprach, was er mit mir thun solle. Eine Woche nach dem Tode meiner Mutter theilte er mir mit, daß sein Bruder todt sei, nach einem weiteren Monate stürzte sein Vater vom Pferde und mein Vater war nun unbe- strittener Erbe all' der Reichtbümer und Ehren der Dahingeschiedenen. Nun beschloß mein Vater sich meiner gänzlich zu entledigen und brachte mich zu meiner alten Großmütter nach Brighton. Die alte Frau stand jetzt, nachdem auch ihre Söhne aus dem Leben geschieden waren, einsam und verlaffen da und die Habgier dieser Frau wohl kennend, versprach er ihr reichliche Belohnung, falls sie seine Vaterschaft geheim halten werde, bis es ihm möglich sei, mich als seinen Sohn und rechtmäßigen Erben öffentlich anzuerkennen. Die alte Frau willigte ein — ich aber sah meinen Vater nie wieder. Ich ging in die Schule, wuchs heran und als ich 21 Jahre alt war, starb meins Großmutter und ich erbte ihrs Ersparnisse. Mein Vater hatte mich längst ver- laffcn — auch wußte ich nicht, wo ich ihn suchen konnte, wenn ich gewollt hätte. Ich nahm mein Geld, ging auf Reisen und war noch nicht zwei Jahre auf dem Festlande, als mein kleines Vermögen aufgezehrt war und ich Dir begegnete. Das Uebrige weißt Du." Finster brütend schaute Lowder in die tosenden Wogen. „Ich bedauere Dich", sagte Lord Trelsilian in theilnahmsvollem Tone. „Aber was geschah weiter? Heirathete Dein Vater wieder?" Lowder lachte bitter auf. „Wenigstens glaube ich mit Recht annehmen zu dürfen, daß er wieder geheirathet hat und ich Habs begründete Ursache dazu. Ich, der Sohn aus seiner ersten Ehe, bin heimathlos und arm, ein anderer Sohn von ihm, hervorgsgsngen aus seiner zweiten Ehe, wird sein anerkannter Erbs sein, aber ich will es ihm gedenken — ich werde einer Tages mit ihm zusammsntreffsn, wenn er noch am Leben weilt, und will Vergeltung an ihm üben." „Darf ich mir die Frage erlauben, wie Dein Vater hieß?" „Ich kann hierüber nicht mit voller Gewißheit I antworten, denn ich kenne seinen wirklichen Namen nicht, aber sein Gesicht würde ich unter allen Umständen wieder erkennen, obwohl ich ihn 13 Jahre nicht mehr gesehen. Als meine Mutter starb, da * wiederholte sie im Todeskampfe mehrmals den Ra« mm Devererx und ich werde diesen Namen, den ich für den meines Erzeugers halte, niemals vergeffen. | Denn alle Beweise fehlen mir, und auch die Zeugen, ■ welche bei der Trauung meiner Mutter zugegen l waren, sind längst todt." Lord Tressilian wollte etwas Etwas entgegnen, i aber die Wuth des Sturmes, welche jetzt mit voll- i ster Heftigkeit hereinbrach, verhinderte jedes weiters * Sprechen. (Fortsetzung folgt.) Wermi sch Les. (Schutzmittel gegen ansteckende Krankheiten.) Gegen die Ansteckungsgefahr bei allen mit Husten und Auswurf verbundenen Krankheiten, also zumal bei Lungenschwindsucht und Diphtheritis, ist es von größter Wichtigkeit, daß die Auswürfe der Kranken sofort dircct in ein Thon« oder Porzellangefäß gelangen, welches bis zu einem Drittel mit öprocentiger Karbolsäure gefüllt ist. Es be, festigt sich nämlich in ärztlichen Kreisen immer mehr die Ansicht, daß die Verbreitung des Ansteckungk- stoffss (Bazillen) bei Lungen-Tuberkulose und Diphtheritis doch sehr leicht durch die Auswürfe des Patienten möglich ist, zumal Eventualitäten in Bezug auf die Berührung und Vermischung des Ansteckungsstoffes mit gesunden Menschen und deren Speisen eintreten, an die man bisher kaum gedacht hat. Es ist dies die Verbreitung des Ansteckungsstoffes durch die Stubenfliege, welche sich ja auch in wenigen Exemplaren im Winter in den Wohnzimmern aufhält, und die Gewohnheit hat, mit Vorliebe von allen Flüssigkeiten etwas auftusaugen und sich dann überall hin, auf Tische, Schüffeln, Teller, Speisen u. s. w. zu setzen und dadurch Ansteckungssioffe, wenn solche in den am Boden liegenden Flüssigkeiten vorhanden 184 waren, zu verbreiten, lieber die Verbreitung der Tuberkelbazillen, den gefährlichen Erregern der Lungenschwindsucht, haben die medicininischen Forscher Spillmann und Haushalter der Pariser Akademie der Wissenschaften vor Kurzem auch einige sehr wichtige Mittheilungen gemacht, die allgemeines Interesse verdienen. Die beiden genannten Forscher haben Fliegen, welche längere Zeit an tuberkulösem Auswurf gesogen hatten, eingefangen und nach dem Ab- sterben in ihren Darmausscheidungen und in ihrem Leibe massenhaft Tuberkelbazillen, gefunden. Selbe fanden sie in großer Zahl auch in den von den Wänden des Krankensaales abgeschabten Schmutzflecken von Fliegen. Es ist nun eine Verbreitung dieser Bazillen durch die Fliegen, welche entweder ihren Koth auf Speisen legen, oder nach sehr kurzer Lebensdauer irgendwo eintrocknen, zu Staub zerfallen und so eingeathmrt werden, gar nicht ausgeschlossen, zumal die Lebensfähigkeit der Bazillen in den Fliegenleichen feststeht. Aus diesem Grunds ist es rathsam, die Auswürfe Tuberkelkranker in den Gefäßen zuzu- deöen und sie entweder mit kochendem Wasser oder Sprocentiger Karbolsäure abzuködien. (Verschiedene Erklärungen vonNatur- erscheinungen.) Die Völker, welche sich besondere Naturerscheinungen nicht zu erklären verwögen, suchen sich dieselben zu versinnbildlichen. Die alten Scythen meinten, daß die Schneeflocken Federn seien und die irischen Kinder erfahren von ihren Eltern, daß, wenn es schneie, die Schotten ihre Gänse rupfen. Die Eingeborenen in Peru haben von Blitz und Donner folgende Vorstellung: In den Wolken sei ein himmlisches Mägdlein ausgestellt, einen Wasser- krug in der Hand, um zur gehörigen Zeit der Erde Regen zu geben. Unterläßt dies das Mägdlein, so daß auf der Erde Dürre entsteht, so kommt der Bruder des Mädchens und zerschlägt zornig dessen Krug und Blitz und Donner, mit Regen verbunden, ist die Folge dieses brüderlichen Zornes. Die alten Griechen brachten das Erdbeben in Zusammenhang mit ihrem Glauben an Titanen und Cyklopen. Diese waren es, welche in die Erde eingeschlossen durch ihr ungeduldiges Schütteln und Rütteln dieses Naturereigniß verursachten. Rach der nordischen Mythologie schüttelt sich der gefesselte Loki, bekanntlich die Personi- ficirung des bösen Princips, wenn Gisttropsen auf sein Antlitz fallen und es entsteht eine Erschütterung des ganzen Weltalls. Die Indier meinen, daß das Erdbeben dadurch hervorgerufen werde, daß einer der acht Stephanien, welche nach dem Glauben der indischen Eingeborenen die Erde tragen, sein Haupt schüttele. Literarisches. Tausend und abertausend Stimmen verkündigen den Ruhm des dahingegangenen ersten Kaisers im neuen deutschen Reiche; wie alle Tageszeitungen wochenlang den weitaus größten Theil ihrer Spalten seinem Gedächtniß widmeten, so wird er ohne Frage auch fernerhin durch zahlreiche Schriften und Bücher gefeiert werden. Welche Verdienste sie sich aber auch um seine Charakteristik und um die Geschichischreibung der großen Zeit, der er seinen unvergänglichen Stempel aufgedrückt, erwerben mögen,— kein ihn und sein Leben und Wirken behandelndes Werk wird sich rühmen dürfen, in ähnlicher Weise seine eigensten Anschauungen zum Ausdruck zu bringen, in allem Wesentlichen ein Ausfluß feiner innersten Gesinnungen und somit geradezu ein unmittelbares geistiges Vermachtniß des großen Kaisers an sein Volk und die ganze gebildete Welt zu sein, wie das soeben in neuer, bis zum Tage seiner Beisetzung fortgeführtrr Ausgabe erschienene Buch: »Ein« «ndneunzig Jahre in Glaube, Kampf und Tieg, ein Menschen- nnd Heldenbilb unseres unvergeßlichen Kaiser Wilhelm ).*, von OskarMeding, als Erinnerungsgabe für das deutsche Volk herausgegeben von Carl Hallberger. Preis geheftet X 2.50; in feinstem Original-Einband X 3.50. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) Als dieses Buch in Gestalt einer literarischen Festgabe für den fünfundachtzigsten Geburtstag des allge- liebten Kaisers zum ersten Mal erscheinen sollte, gestattete Kaiser Wilhelm für diesen Zweck nicht nur die Nachbildung der interessantesten Stücke jener Aquarellensammlung, die er zur Erinnerung an die denkwürdigsten Momente seines Lebens für sich selbst hatte anfertigen lassen und deren Hauptblätter nun zugleich den künstlerischen Schmuck dieses Buches bilden, sondern er übte auch auf die Gestaltung des Textes den unmittelbarsten Einfluß aus. Er sah das ihm abschnittweise vorgelegte Manuskript Zeile für Zeile durch, veränderte, schied aus, schaltete ein, führte durch Randbemerkungen bedeutsame Richtigstellungcu unb Neugestaltungen herbei und bildete so das ganze Werk in solch eingreifender Weise durch, daß es schließlich — ganz auf seine Angaben gestützt und in seiner endgiltigen Fassung von ihm bestätigt — als sein eigenstes Getsteskrnd erschien. Mit dem strengen Sinn für lautere Wahrheit und erschöpfende Gründlichkeit, der sein ganzes Leben auszeichnete und allen seinen Handlungen ein historisch denkwürdiges Gepräge gab, wollte er auch, daß dieses Buch, dem er seine unschätzbare Mitwirkung in hochsinniger Weise zu Th-rl werden ließ, in allen seinen Angaben durchaus korrekt und zuverlässig sei. So gelangt in dieser Darstellung namentlich auch sein innerstes Denken und Fühlen bei den historisch bedeutsamen Wendungen seines Lebens, als seinen persönlichen Mttlheilungen entflossen, zum unmittelbarsten authentischen Ausdruck. Durch all das gewinnt dieses einzig in seiner Art dastehende Buch den vollen Werth einer Selbstbtographie. Dabei treten auch hier überall wie in dem Leben des edle» Monarchen die seltene Demuth und Bescheidenheit hervor, die sein Charakterbild zu einem so überaus liebenswürdigen machen. Die treue Pflichterfüllung, an die er die ganze Kraft feines langen, thaten- reichen Lebens gesetzt, ist das einzige Verdienst, das er für sich in Anspruch nimmt, ein Verdienst, das auch der erbittertste seiner Feinde ihm bestreiten zu wollen nie versuchen könnte, das vielmehr selbst von leinen grimmigsten Widersachern jeder Zeit mit nicht geringerer Bewunderung anerkannt worden ist als von seinen glühendsten Verehrern. In allem übrigen giebt er Gott allein die Ehre und stellt sich selbst nur als bescheidenes Werkzeug der Vorsehung dar. Von solchem Geiste erfüllt, gewinnt das schon vorher von Tausenden hochgeschätzte Buch jetzt nach dem Tode seines gekrönten Helden und Mitverfassers ein unendlich höheres Interesse, das sich in ungeschwächter Kraft be- haapten und erhalten wird bis in unabsehbare Zeit. Als weltgeschichtliches Quellenwerk wird es nach Jahrhunderten noch denselben hohen Rang einnehmen wie heute, — in jeder Bedeutung des Wortes ein echtes Kaiserbuch, das in keiner deutschen Familie fehlen sollte. A. Scheyda. 4»Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Nr. T worbe Gefüllt die W Wogei der kl wie u und t welche klamm sicht- Mit y nehme Stöße Athme Ni fast st der Kc über € und ji keinem Schnei „9 der ju SI noch kannte! die Lii Küste zu den trosen bar gei der, i vielleid den M Ei ganger unglüc Schrei und öl waren gang i krachte der Al