hren nach " zu Zeit en - seit und Alle, rr zu bald rbrechlicher konnte er nd Diener !-m Briefe daß er es lsam und «ntergrhen er sich ge. geworden habe, sich m würde, Later, der srhastesten lsame die Palastes !geln vor« es Antlitz 1 zeigten, ohnt und ib die er ein Kind. n?I Und, e so end«" uf einen ch immer hen, dar ■ daß es 3«f dem i>er Letzte age vergäbe der lfieri — md nach blättern bis der -in von ihn die le jener Rosen Stuarts Sr und be kam loch zu ie nun wäre, essen?.' cloren. Hiehener Jamilienblätler. Belletristisches Beiblatt Mm Gießener Anzeiger. n»‘i "11iiii.rm i r 11: u .n i1 l- - i i >i■■■rn rrtin i inTBiminrwmrini—» i Hx, 20. Donnerstag den 16. Februar. 1888 Die oerkorene Wiöel. Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartm ann-PlSn. (Fortsetzung). Wolter erhob sich und sagte: „Lassen Sie mich MSsprechen, mein Fräulein, wie sehr ich es anerkenne, tr.it welcher Liebe und Treue Sie für Ihre kranke Schwester gesorgt, mit welchem Opfermuih Sie in untergeordneter Stellung sich für den Lebensunterhalt abgemüht. Ich wage nicht, Ihrer Frau Schwester eine Summe anzubieten, um ihr Loos etwas zu erleichtern, es könnte ihren Stolz verletzen; aber Sie dürfen mich nicht hindern, es indirekt zu thun, indem ich Ihnen eine« anderen Posten anweise, mit dem ein größeres Einkommen verbunden ist. Herr Brandes, der zumeist nur die auswärtige Corcfepondenz. namentlich auch dir englische und französische führt, geht fort, um selbst ein Geschäft anzufangen, die Stelle w.rd frei, dieselbe ist mit viertausend Mark dotirt, hätten Sie Lust, in dieselbe einznrücken?" „Mein Gott!" rief Auguste freudig überrascht und doch zaghaft nur, „ich weiß nicht — wenn ich dieselbe nur ausfüllen kann, und wenn —" „Bei Ihren Kenntnissen nichts leichter als das! Sie bekommen Ihr kleines Comptoir für sich, und wenn die Bauten in Holzendorf erst recht im Gange und mit der ganzen Kraft in Angriff genommen sind, werde ich mit der Hälft« meines Comptoirpersonals für einige Zeit nach der Schlangenburg übersiedeln, dann würde ich Sie bitten müssen, mit uns zu gehen. Sie bekommen dort Ihr eigenes Zimmer, und dabei fällt mir ein, wie wohlthäiig es für Ihre Frau Schwester fein würde, wenn dieselbe Sie dahin begleitete. Nicht allein, daß sie sich daselbst vor einem Zusammentreffen mit ihrem Gemahl gesicherter fühlen würde, sondern die schöne Waldluft würde ohne Frage ihre Nerven stärken und kräftigen. Nun, was sagen Sie zu meinem Vorschlag?'' lieber die runzeligen Wangen des alten Fräuleins rannen die Hellen Thränen. „Wie soll ich Ihnen danken!" schluchzte Auguste, die Thränen, deren sie sich fast schämte, mit dem Taschentuche trocknend. „Kehrt das Glück wirklich noch einmal bei uns ein? Ach, wie freue ich mich meiner Schwester wsgen! Ja, Herr Geheimrath, sie, die früher von fürstlichem Glanz und Luxus umgeben war, ich weiß es — sie hängt noch an diesen gingen, wenn sie in ihrer Bescheidenheit auch nie einen Wunsch solcher Art geäußert hat, denn sie wußte, daß ich so lange gespart und entbehrt hätte, bis ich ihn ihr hätte erfüllen können. Wie froh wird sie sein, wenn ich ihr ein neues anständiges Kleid, einen neuen Hut kaufen, wenn ich einen kleinen Schmuckgegenstand für sie anschaffen kann! Viertausend Mark Einnahme, wie reich wir mit einem Male find! Wir werden es erst lernen müssen, mit so vielem Gelds vernünftig umzugehen. Noch einmal, Herr Gcheimrath, nehmen Sie meinen tiefgefühltesten Dank für Ihre Großmuth!" Wolter reichte ihr dis Hand. „Liebes Fräulein", sagte er, „ich habe in dieser Stunde Ihren vortrefflichen Charakter kennen gelernt, und vor jedem ganzen Charakter habe ich eine unbegrenzte Hochachtung. Ich bedaure nur, daß wir uns nicht schon vor Jahren näher getreten sind, es wäre mir vielleicht vergönnt gewesen, Ihnen und Ihrer Frau Schwester das Dasein etwas früher zu erleichtern. Den erbetenen Urlaub gewähre ich Ihnen selbstverständlich, sie scheiden mit dem heutigen Tage aus Ihrer jetzigen Stellung aus und können die neue antreten, wenn Ihrs Frau Schwester Ihres Beistandes nicht mehr so dringend bedarf. Hoffen wir, daß Sie sich recht bald beruhigen möge, und sollte wirklich das Gefürchtete eintreten, so rechne» Sie unter allen Umständen auf meinen Schutz!" „Schon dies Versprechen wird ihr ihre Ruhe zurückgeben!" Auguste Brandt entfernte sich, nachdem sie noch einmal ihren Dank ausgesprochen, in größter Eile, um nur so rasch wie möglich ihrer Schwester diese Freudenbotschaft überbringen zu können. Kaum war sie verschwunden, als Wolter durch das Fenster sah, wie eine elegante Equipage durch die Hinterpforte rollte und vor dem Eingang hielt. Kutscher und Diener waren in reicher Swree. In dem Fond des zurückgeschlagenen Wagens saßen die Frau Geheimrath Wolter und ihre Stieftochter Frieda. Zweiter Band. Achtes Kapitel. Eilig verließ Wolter das Zimmer, ging den Damen entgegen und empfing dieselben an der Ein« t gangsthür, die bereits vom Diener geöffnet war. j Beide waren in gesuchrtoilette, Alexandra in matt j violetter Seide, Frieda in einem Kleide von weißem i Kaschmir. Letztere flog sofort auf ihren Vater zu, umarmte und küßte ihn, Erstere reichte ihrem Gemahl die Hand und sagte mit gewinnendem Lächeln: „Wir konnten doch unmöglich hier vorüberfahren, ohne Dich, wenn auch nur flüchtig, zu begrüßen." „Und wohin wollt Ihr?" fragte der Geheim- ratb, Alexandra, deren Hand er noch in der seinen behalten, in sein Comptoir führend. „Zur Baronin von Schleiben aus Waldhausen. Dieselbe war, wie Du weißt, lange Zeit verreist, nach ihrer Rückkehr machte sie mit ihrer Tochter uns eine Visite, die wir heute erwidern wollen." „Natürlich hast Du sofort die Baronin und deren Tochter für Deinen Musikoerein zu gewinnen gesucht?" sagte Wolter lächelnd. „Kannst Du noch fragen? In den Adern der Frau von Schleiben und der jungen Baronesse rollt noch echtes Künstlerblut, die Mutter der Baronin war ihrer Zeit eine berühmte Sängerin, deren Stimme sich auf Tochter und Enkelin vererbt hat." „Baronesse Anna ist ein allerliebstes Mädchen", bemerkte Frieda. Alexandra hatte sich auf einen Lehnstuhl niedergelassen. Wolter sah aus seinen dunklen, tiefen Augen eigenthümlich auf sie nieder. Seine Gattin warf einen sekundenlangen verwunderten Blick auf das Gesicht ihres Gemahls, das schon wi-der den gewöhnlichen ernsten ruhigen, von keiner Leidenschaft bewegten Ausdruck zeigte. Hatte sie sich getäuscht? Es entstand eine kurze Pause, in der Wolter die Angen gesenkt * hatte. Nach dieser erhob sich Alexandra, und was sie bis dahin noch nie gethan, sie legte ihrs kleine, von einem feinen Glacöhand- schuh eng umschlossene Hand auf ihres Gatten Schulter und sagte mit Anfangs vibrirender Stimme: „Wie wäre es, lieber Mann — uns fehlt für unseren Chor noch eine Baßstimme — wenn Du Dich aktiv an unseren Uebungen betheiligtrst?" „Wie? Ich sollte mitsingen?" rief Wolter mit gezwungenem Lachen aus. „Wie kommst Du auf diesen Gedanken?" War ihm der Druck dies r zarten Kinderhand, sie kaum seine Schulter zu berühren schien, lästig? Ec ergriff Alcxandra's Hand und führte sie langsam von seiner Schulter herab. Ein fragender, ver- wuNderter, fast erschrockener Blick seiner Gattin traf ihn. Er führte die Hand an seine Lippen und sie darauf loslassend, sagte er, sich mit der ihm eigenen liebenswürdigen Galanterie, die er stets seiner Frau gegenüber beobachtete, verbeugend: „Diese kleine Hand vermag allerdings sehr viel, wen sie h-ranwinkt, der muß ihr folgen, für den sie sich schützend erhebt, der ist geborgen und wem sie sich auf die Schulter legt, den. hält sie fest und sicher, so daß er ihr mit Leib ■- nd Seele verfallen ist und Alles thut, was die Besitzerin von ihm ver- langt. Wenn ich mich nun gewaltsam von diesem Joche befreie, so geschieht es, weil es mir unmöglich ist, so lange ich den Druck fühle, Nein zu sagen, und weil ich doch Nein sagen muß, denn ist mir auch jeder Deiner Wünsche ein Befehl, aber dem eigknm Wunsche, meinem Kehlkopfs eine Stimme zu entlocken, kann ich mit dem besten Willen nicht entsprechen." „Glaubst Du denn, lieber Mann, ich würde Dich auffordern, wenn ich nicht wüßte, daß Du eine Stimme hast?" „Ich eine Stimme?" „Ja, Du bist ertappt! Ich habe Dich gehört, wo Du vielleicht von Niemandem gehört zu werden glaubtest, gestern auf der Schlangenburg. Ich war mit dem Kastellan, von dem ich mir dann und wann mit vielem Vergnügen seine köstlichen Gespenster, geschichten erzählen lasse, in der Kapelle. Er hatte wie immer, wenn er Jemanden in der Burg umherführt, seine Laterne angezündet, und während er nun in diesem halbdunklen Raum mit seiner leisen furchtsamen Stimme mir erzählte, daß von dem Grade der Grästn eine Thür auf einen dunklen Gang führt, auf eine Treppe, die unter dem Todten- tempel endete, da hörten wir in dem Augenblick, wo er bei dem Paffu« von dem wilden, Mädchen- mordenden Herzog angelangt war, der in dem dunklen Gange einen Schatz bewacht und bisweilen int Schloß umherspukt, in ziemlicher Nähe mit starker, prächtiger Baßstimme das Lied ertönen: „Im kühlen Keller sitz' ich hier „Auf einem Faß voll Reben." Grdelmann sank vor Schreck in die Knie, er zitterte wie Espenlaub und mit blmchem Gesicht stotterte er: „Ach, mein Gott, das ist der wilde Herzog!" Auch ich war vor Überraschung stumm, aber nur deshalb, weil ich die Stimme sofort erkannte, weil ich einen Mann mit vollem Brustton singen hörte, von dem ich bisher keinen Ton ver- nommen. Ich ließ den Kastellan mit seiner Angst allein, eilte die Treppe hinauf, die zum Chor der Kirche führte — der Chor ist durch einen schmalen Gang mit der Galletie des Rittersaals verbunden, — o, tch kenne schon fast alle Schleichwege der Schlangenburg — von der Gallerie herab erblickte ich meinen Herrn Gemahl mitten im Saal stehen, und ich war gerade im Begriff, in die Hände zu klatschen und ihm meinen Beifall für den Gesang zu spenden, als ich mehrere Herren in den Saal treten sah, es waren Deine Ingenieure. Natürlich verschwand ich sogleich. So hat mir bis zu dieser Stunde jede Gelegenheit gefehlt, Dir meinen Beifall mündlich auszusprechen. Doch jetzt, mein Herr und Gebieter, wünsche ich, daß Du mir Rede und Ant- wort stehst, warum Du mir einen solchen Schatz in Deinem Kehlkopf so lange verheimlicht hast?" „Schatz in meinem Kehlkopf!" ries Wolter lachend aus. „Liebe Alexandra, wenn Du diesen Schatz in der Nähe hörtest, und ich will sehr gern noch ein- mal Probe ablegen, Du würdest vor Entsetzen die Ohren zuhalten, so rauh und hart klingt dieser Schatz. Doch Scherz bei Seite, ich kann wahrhaftig nicht singen, weder nach Noten, noch im Tact. Das Lied, das Du von mir gehört hast, ist dar einzige, was ich je in meinem Leben gekonnt habe. Und daß ich es mit voller Kehls intonirte, geschah ein» fach, weil es mir überhaupt nicht möglich ist, einen Ton leise zu singen. Ich habe dies Lied, weil es mein einziges war, in meiner Jugend unzählige Male gesungen, und daß ich es gestern nach langer, langer Zeit einmal wieder anstimmte — ich habe ja den ersten Vers kaum halb zu Eads gesungen — kam ganz unwillkürlich, jedenfalls ohne die Absicht, mich an dem Wohlklang meiner eigenen Stimme ergötzen zu wollen. Ueber der Estrade, auf der noch die beiden alten, unverrückbaren Thronfeffel stehen, befindet sich, wie Du weißt, das finster blickende Bild des sogenannten wilden Herzogs. Diesem vis-ä-vis hängt, einen Theil eines Wandgemäldes verdeckend, ein anderer Bild, ebenfalls in Lebensgröße. Es stellt, wie uns eine silberne Platte auf dem Rahmen der Bildes meldet, einen Herrn Leopold von Stolzenberg dar, der nach dem Tobe der berüchtigten Gräfin Fichtenberg Besitzer der Schlangenburg gewesen sein soll. Das Gesicht des Herrn nun, der sich, wie er scheint, ä tont prix in dem fürstlichen Ahnensaal einen Platz verschaffen wollte, hat mich schon oft, obgleich er das eines älteren Mannes ist, sehr lebhaft an einen Jugendvekannten erinnert, und ist dis Aehnlichkeit such keine frappante, so ist doch der Ausdruck des Gesichts et» gleicher und namentlich ist ein kleiner markanter Zug um dis Mundwinkel, der bei meinem Bekannten nur sehr selten zum Vorschein kam, auf unserem Bild indessen als ein stereotyper sich darstellt, ganz derselbe. Ich war zu der von Dir erwähnten Zeit mit dem Gasinspektor aus Holzendorf im Rittersaal gewesen, der sich mit dem Versprechen entfernt hat, die Gaseinrichtung an den drei großen Kronleuchtern bis zu Deinem Geburtstags fertig stellen zu wollen, den wir j« in diesem Jahre auf der Schlangmdurg feiern werden. Als ich mich darauf im Saal allein befand und nun zufällig mein Blick auf das Bild des Herrn von Stolzenberg fiel, da stieg plötzlich meine ganze Jugendzeit in — in Hamburg vor mir aus, wo wir in gemüthlichsm Kreise, bei einem Glase Bier oder Wein, fröhlich und guter Dings waren. Wir hatten in abgeschloffenes Zimmer, wo wir ungestört gemeinschaftliche Lieder singen konnten und nicht selten kam es vor, daß ein Rundgssang verlangt wurde, wo dann ein Jeder nach seinen Kräften ein Sololied zum Besten geben mußte. (Fortsetzung folgt.) Mn altes Lied. Novellette von Elise Polko. (Schluß.) Da, in einer Nacht ohne Mondlicht und Siernen- schein, wo das graue Antlitz des Winters schon melancholisch durch di? Scheiben blickte, um dem r einsamen, schlaflosen Manne zuzurufen: „steh mich [ an, ich bin Dein Abbild!" ertönten lebhafre Schläge au die Pforten des Palastes am Arno. Karl Edward horchte auf. Er vernahm bie Schritte der hin- und hereilenden Diener, Stimmen wurden laut — unter ihnen eine lang vermißte, wohlbekannte, fei« Secretär war zurückgek-hrt. „Bringst Du mir mein Kind?!" wollte der Letzte bet Stuart? rufen, die ungeheure Erregung erstickte ihm die Worte in der Kehls, er wollte sich erheben, ihm entgegen zu eilen, chie Füße versagten ihren Dienst. Hatte man ihn denn vergessen?! Zählte man ihn zu den Tobten schon bei lebendigem Leibe, daß Keiner kam. Es dünkte ihm eine Ewigkeit, seit er di- Stimme des H-imgekehrtm auf der Treppe vernommen — und doch hatte er noch nicht Zeit gehabt nach der silbernen Klingel zu greifen, als ein leises Klopsen an seiner Thür ertönte. So klopft keine Mä-nerhand — sein Herzschlag stockte. Ein Rauschen von Gewändern, ein leichter eiliger Schritt und wei weiche Arme, die sich um den Hals des Verlassenen sanft und fest schlingen. Die Stuartaugen, in Thränrn schwimmend, blicken in ein sanftes Frauemrmlitz, aus dem die Jugend längst weggeweht, und eine süße Stimme sagt in der Sprache seiner Heimath: „Ich b n und bleibe bei Dir, mein Vater, um Dich zu lieben und zu pflegen, wie meine Mutter Dich geliebt und gepflegt!" Es ist in einem glänzenden Salon in der Rue Richelieu in Paris, inmitten einer Versammlung reich geschmückter Frauen und eleganter, vornehmer Männer, wo eben Vittorio Gras Alfirri seine neuesten Gedichte vorgelesen. — Die Einrichtung der Z-mmer- r-ihe ist kostbar — überall begegnet man einer Krone al» Verzierung der Sessel, Spiegel und Bilderrahmen, die silbernen Platten, auf denen die gallonirten Diener Erfrischungen bietrn, tragen sie auch. Aus einem haut pas, auf einer Art von Thronseffel, hat sie Platz genommen, die blonde Gräfin Albany, wo sie stolz und noch immer schön, auf ihre Gäste ntederschaut. Zu ihren Füßen steht das Sammtttabouret des gräflichen Dichters. Der Blick, dm er eben auf seins Herrin richtet, sagt: „Ich gehöre nur Dir mit Leib und Seele!" Du bist und bleibst meine Muse auf Erden! Eine junge Frau von auffallender Erscheinung, die üppige Gestalt umhüllt von weißen Gewändern von griechischem Schnitt mit rothen und goldenen Borten, den dunklen Kopf mit einem Diadem geschmückt, nähert sich jetzt dem Sitze der Gräfin und da» unschöne Antlitz mit den geistvollen Augen zu ihr erhebend, ries sie: „Ma chero Souveraine, ich habe eine neue Nachricht von meinem Vater erhalten. Der Prätendent in Florenz hat irgendwo au» seiner ersten heimlichen Ehe eine alternde Tochter entdeckt und an'S Licht gezogen — in seinem Palast regiert jetzt eine ehemalige Postulantin irgend eines Klosters, der er den Mel gegeben: Herzogin von Albany und dis alle Welt anerkennt!" Es war die berühmte Tochter N«Ser's, Fc-ru von Stae[, dis diese Worte gesprochen. Em Schatten flog über die Stirn Lomfi's, dis feinen Lippen preßten sich zusammen. Eine Herzogin von Albany lebte also jetzt?! Wunderliche Gedanken und Erinnerungen flogen auf und zogen vorüber. Eine seltsame Pause entstand — viele Augen richteten sich fragend auf das stolze Fcaurnantlitz. Da neigte sich die Gräfin Albany mit dem be- zanberndsten Lächeln herab zu dem Dichter und sagte mit fester, klarer Stimme: „Weiter, mein Freund! Wir sind ^unersättlich im Hören 1" Ja, sie regierte unumschränkt im Palaste am Arno, die stille, ehemalige Postulantin der Klosters der barmherzigen Schwestern, aber ihr Regiment war das des Friedens und der Liebe. Sie pflegte ihren Vater mit der Zärtlichkeit einer Tochter, mit d-r Aufopferung eines liebenden Weibes und ihre sanften Augen, ihre Bitten, ihre unermüdliche Sorge, Geduld und Wachsamte.it verscheuchten und besiegten endlich, nach langem stillen Kampfs, jenen Dämon, der ihn seit Jahren in seinen Händen gehalten. Der Letzte der Stuarts verlernte endlich jenen verzweifelten Ruf nach Lethe, der immer und immer auf seinen durstenden Lippen geschwebt. Ach, er hätte flehen mögen: „Sonne stehe still!" um jene Zeit zu verlängern, die ihm noch in der Nähe feines Kindes zu leben vergönnt. Leise und demüthig war ihr Schalten und Walten, einfach und doch so vornehm ihr Sein und Wesen und eine unerschöpfliche Fülle von Liebe entströmte ihren Augen, ein neuer Lekhestrom, in dessen Fluthm all' sein Elend versank. Er wurde ein neuer Mensch in den Armen seiner Tochter. Wenn auch der Körper nicht mehr zu erstarken vermochte, denn hier kam alle Hilfe zu spät — so genas doch die Seele und blickte aus den Stuartaugen wiederum mit dem vollen alten Zauber. Es war, als geleite diese kleine Hand, die in der seinen tag, ihn langsam und fich.r in jene Hei- math, in der feine treue Mary schon so lange seiner harrte. Mehr und mehr erblaßte das Bild jenes vrr- Wrenschen Leibes, das er so leidenschaftlich geliebt und das ihn verlaffen — und das Köpfchen der Gestorbenen grüßte in Jugendfrische aus Wolken herab, verweht war der Rosenduft und der be- rauschende Orangedlüthenparsüm und nur der reine herzerquickende Blumenathem der blue bell of Sottland wogte und wallte um ihn her. Und Tag für Tag sang der Springbrunnen das Lied vom Prinzen Charlie und Karl Edward schilderte seinem Kinde die siegreichen Tage von Preston und Pans und die Begegnung mit seiner Mary in den Straßen von Edinburgh. Nie wurde die Hörerin dieser Schilderungen müde. Wie ein guter Genius stand die zarte Herzogin 80 i oi« Mary, zu welchem Rang Karl Edward seine Tochter erhoben, nm ihr nach seinem Tode eine Stellung in der Welt zu sichern, neben dem hinsterbenden Manne. Sie pflegte ihn wie ihr Kmd, sie las ihm vor, fh betete mit ihm, der, ach, wie lange das Beten verlernte, sie bewachte den Schlummer seiner Nächte, der immer ruhiger wurde und sah ein glückliches Lächeln, wie einen Sonnenstrahl, wieder und wieder sein Gesicht ve klären. Stundenlang ruhte der Kranke in einem Sessel im Garten — aber es war kein Schmerz mehr, wenn er ben Springbrunnen das Lied vom Prinzen Charlie summen hörte. Und dann und wann, wenn er seine Tochter bat, sang sie mit schwacher lieblicher Stimme das stolze Lied, das man ihr schon in ihrer Kindheit gelehrt — uns dann strahlten die Stuartaugen in demselben Glanze, wie in jenen ruhmreichen Tagen der Landung an Schottland's Küste. Hin und wieder erschien ein vornehmer Freund aus früheren Zeiten in dem Palast am Arno und war freudig überrascht von jm;r wunderbaren geistigen Wandlung, de der Letzte der Sruarts erfahren. Klar und ruhig dachte er, mild und versöhnlich zeigte er sich, die Vergangenheit war abgethan mit ihren Schatten, sein verfehltes Leben voller Jrrthümer, ma dem glanzvollen Anfang, lag hinter ihm, das ewige Licht brach hell und immer Heller herein und warf einen.Ausdruck von Verklärung auf seine Siirn. Vier Jahre lang durfte der Letzte der Stuarts noch athmen an dem Herzen seines Kinder. Dann kam ein Frühlingsabend voll Vetlchenduft, wo man ihn noch einmal hinaustrug in den Garten, zu dem Springbrunnen, dessen Sang er so oft in verzweif- lungsvollen Stunden gelauscht. Wir schön war doch der Frühling in Florenz, wie schön war die Erde an dec Seite solcher Tochter I Seine Augen sprachen es deutlicher aus, als seine Lippen. Dann flogen seltsame Schatten über sein G sicht — angstvoll faltete seine engelhafte Pflegerin die Hände um seine erstarrenden Finger — der Springbrunnen summte so laut — noch ein zuckendes Lächeln und dis leisen Worte: „Prince Charlie ia my darling! “ und von dem Letzten des stolzen KöN!g»geschlechks war nicht» mehr übrig als — eins Hand voll Staub. Von der üppigen Rose, der schönen geistvollen Muse Alfieris, der deutschen Prinzessin Louise Stoll- berg, die auch nach dem Tode des Prätendenten, trotz ihrer Leidenschaft für den Dichter, vorzog, eine Königin ohne Land zu bleiben, statt eine einfache Gräfin Alfierie zu werden, erzählen viele Bücher, von der stillen weißen Blume aber, der Herzogin von Albany, wissen gar Wenige. Sie entschlummerte kurze Zeit nach ihrem Vater, dessen Pflege sie die ganze Kraft ihres zarten Körpers gewidmet, — nichts zurücklassend als den Lilienduft, mit dem ihre Liebe den L-brnsabend des Letzten der Stuarts verschönte, dem man einst das Lied vom Prinzen Charlie gesungen. Siebaction: A. Scheyda. v Druck und Perlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.