Hichmer Jamilienblätter. Belletristisches Beiblattzum Gießener Anzeiger. Nr. 135. Donnerstag, den 15, November. 1888. sasa Im Kaufe Irrrrrrerrdorf. Original-Roman von Emilie Heinrich». (Fortsetzung.) „Sie ist tobt!" rief sie außer sich, „und Ihr habt sie getödtet! — So war mein Opfer nicht grob genug, um ihr diese schreckliche Sterbestunde zu ersparen." Sie sank an dem Bett auf die Kniee und drückte ihr thränenüberströmtes Gesicht auf die kalten Hände der Schwester. Alles war still in dem weiten Gemach, die drei Herren standen stumm und erschüttert bei dem Anblick dieses tiefen Se-lenschmerzes. Der Major winkte endlich den beiden jungen Männern, sich zu entfernen, was geräuschlos geschah. Dann trat er leise an's Todtenbett und legte seine Hand sanft auf Ulriken» Scheitel. „Theure, Geliebte, höre mich an", bat er leise. Sie fuhr empor und blickte ihn so entsetzt an, daß er zmüöbebte. „Nennen Sie mich nicht mit solchen Namen, Herr Major!" sprach sie mit einer rauhen, unnatürlichen Stimme. „Angesichts dieser Leiche, welcher die Heftigkeit der Jugend ein jähe» Ende bereitet hat, klingt es wie Sünde in meinen Ohren. O, Irmgard, ich werde mein letztes Versprechen halten", setzte sie, sich wieder über die Todte neigend, wie irrsinnig hinzu, „.Deine Ruhe soll durch mich nicht gestört werden. Ich gelobe Dir, unvermählt zu sterben und werde diesen heiligen Schwur halten." Tellkamps Brust entrang sich ein Laut, der wie Zorn und Verzweiflung klang. Dann verließ er mit wankenden Schritten das Zimmer, und da» Haus, welches der Arzt soeben betrat. 28. Irmgard von Jmmendorf ruhte seit acht Tagen in der Ahnengrust, während Tante Ulrike in den Delirien eines Nervevfieber«, das ihr Leben bedrohte, lag und nicht» von den Trauer«Feierlichkeiten sah und hörte. Dem ärztlichem Verbote trotzend, theilten Hed- wiga und Magda sich in der Pflege der Kranken, welche in der Raserei de» Fieber» den ganzen Jammer ihres freudlosen Daseins enthüllte und das letzte schwerste Opfer, welche» die egoistische Schwester ihr abgefsrdert und hohnlaäe^d mit ir.’s Grab genommen, verzweiflungrvoll bttioßte. Voll Ehrfurcht und Bewunderung staunten die BÖS i beiden jungen Mädchen die Selbstlosigkeit und Seeln- t grüße dieser Dulderin an und weinten heiße Thränen l über ihr Geschick. Die Regierungsräthin Dörner war helmgekehrt und hatte ihre Einwilligung zu der Krar ksnpflrge gegeben, da man ihr die Natur der Krarkheir verschwiegen. Allabendlich wanderte Major Tellkamp vor dem Jmmendorf'schsn Hause, um Botschaft durch Magda zu empfangen, aber seine Gestalt hatte 4tit jener Sterbe-Scene die stramme, jugendliche Haltung verloren, sein Gesicht war alt und vergrämt, Haar und Bart auffällig grau geworden. Magda bemerkte diese Veränderung mit tiefer Trauer und selbst die Regierungsräthin schüttelte besorgt den Kopf über die äußerliche und innerliche Wandlung des Bruders, der von dem tobten Frei« fräulein nicht sprechen hören konnte, ohne in heftigen Zorn zu gcrathen. Er verbot es mit ungewohnter Strenge, ihren Namcn in seinem Hause zu nennen und drohte in solchem Falle mit sofortiger Abreise, mit jahrelangem Fernbleiben. Die Regierungsräthin klagte es Mazda, welche seufzend meint«, daß Onkel Tellkamp wohl Ursache dazu haben müsse, die Tante solle ihn nur recht sanft und schonend behandeln, sie wisse doch, wie viel die Todte ihm geraubt. Damit mußte sich die gute Dame beruhigen. Ulrich und Egon waren, da der Winter sehr mild, und die Ströme vom Eise frei geblieben, mit der Weltmeer Expedition abgefahren. Der Abschied von den beiden jungen Mädchen war umgangen worden, da die letzten Ereignisse und Tante Ulrike» schwere Erkrankung ihnen schwer genug auf der Seele lasten mochte. In zwei zärtlichen Briefen hatten sie um Verzeihung, um Liebe und Treue gefleht, während am Krankenbette die jungen Bräute ihren Muth und ihre Seelenstärke erprobten. Als der Frühling wieder in's Land kam, war Ulrike auch von ihrem Schmerzenslager erstanden, an welchem Tod und Leben mit einander gerungen hatten. Sie war still und ruhig wie immer, ergriff mit gewohnter Energie die häuslichen Zügel und studirte in ihren so lange vernachlässigten Geschäftsbüchern. Ihren beiden Pflegerinnen dankte sie mit der ganzen Liebe ihres reichen, selbstlosen Herzens, und las mit wehmüthigem Lächeln die Abschiedebriefe der jungen Männer, worin auch ihre Verzeihung dernüthig erfleht wurde. Es war das erste Lächeln seit langen Tagen, das die resignirten Züge der armen Ulrike erhellte, und mit diesem'Lächeln betrat sie zum ersten Male feit Irmgards Tode die Ahnengruft, um einen Jm- morttllell'Kranz auf den Sarg der Schwester zu legen und ihr Gelübde zu erneuern. „Es ist genug, daß wir Beide gedarbt haben an Lebensglück, Du arme Verblendete, Du, die jetzt in einem höheren Lichte auf die Nichtigkeiten der Erde herabschaut. Mein Gelübde halte ich Dir, aber die Kinder sollen glücklich werden." Sa sprach sie mit halblauter, fester Stimme, ihre Hand auf den Sarg legend und verließ die Gruft, während durch die Bäume des Friedhofs leise tröstend der Wind strich. Hedwiga erschrak nicht wenig, als Tante Ulrike nach Hause kehrte und sie im ruhigsten Tone ersuchte, zum Major Tellkamp zu gehen und ihn um einen Besuch zu bitten. Sie ging, ohne eine Frage zu wagen und der Major erschien augenblicklich, während Hrdwiga bet der Freundin blieb und sich mit derselben in Hoffnungen und Befürchtungen erging. Was Ulrike und Tellkamp mit einander geredet, erfuhr Niemand, Nach einer Stunde kehrte er heim; sein Antlitz erschien noch bleicher und verfallener, seine Augen wie von Thränen geröthet, seine Haltung wie die eines Greises. „Sie haben Abschied genommen von den letzten welken Blättern ihres Jugendtraumes", sprach Heb- wiga, während eine Thräne über ihrs Wange rann. „O, Mogda, ich glaube, sie hat sich meinem Glück geopfert —" „Der treffen, abscheulichsten Selbstsucht", rief Magda erbittert. „Auch das, doch nur, um mich zu retten; wie kann ich ihr das jemals vergelten." „Durch die zärtlichste Liebe, deren reiche Blüthen ihr Alter umkränzen sollen, Theure l" versetzte Magda mit feuchtem Blick. 29. Zwei Jahre waren seit diesen letzten Ereignissen vergangen. Major Tellkamp, welcher mittlerweile eine längere Reise unternommen, hatte verschiedene Briese von Egon erhalten und dieselben nach Hause gesandt, da er sich seine Briefe stets nach bestimmten Stationen schicken ließ. Würden die Zugvögel denn niemals wieder heim- kehren? Hedwiga und Magda hatten diese Frage nach dem ersten Jahre unzählige Male an einander gerichtet, dann gezürnt, daß nicht ein einziges Zeichen der Liebe an sie gelangt und endlich mit stolzer Scheu es förmlich vermieden, die Abwesenden zu nennen. Sie litten sichtlich unter diesem sich selber auferlegten Zwange, und eines Tsgs erklärte Hedwiga der Tante, daß sie an die Fürstin schreiben wolle, ob sie ihre Stellung dort wieder antreten könne. „Armes Kindl" sprach Ulrike, sie zärtlich an- blickerd, „Du führst ein Einsiedlerleben bei mir, ich kann's Dir nicht verdenken. Doch warte noch acht Tage mit dem Schreiben, da ich er für besser halte, Dich selber an den Hof zurückzubringen, — wenü es bis dahin noch Dein Wille fein sollte." „Das wolltest Du thun, Tante? fragte Hedwiga ungläubig. „Und weshalb nicht, Kind?" lächelte Ulrike, „hältst Du mich im Ernsts iür nicht hoffähig?" — „O Du böse, — gute Tante, — ich würde mich ja närrisch darüber freuen." „Ja, wenn Ulrich daheim wäre, könnte er es natürlich übernehmen, aber so —" „O, schweig' von ihm, Tante Ulrike I" unterbrach Hedwiga sie in ungewöhnlichem Zorn, „er ist ein schlechter, undankbarer Mensch, der sicherlich für die gute Gesellschaft auf immer verloren sein und wieder am freien Umherstreifen in der Welt Gefallen gefunden haben wird." „Rasch fertig ist die Jugend mit der Welt!" citirte Ulrike, sie nachdenklich anblickend, „wie kannst Du so vorschnell urtheilen, Kind, da Du doch weißt, in wessen Gesellschaft er Europa verlassen hat?" „Aber nicht ein einziges Mal an uns zu schreiben, uns so gänzlich ohne Nachricht zu lassen." „Du erinnerst, was vor seiner Abreise sich zu- trug, Hedwiga I" versetzte Ulrike sehr ernst. Ich hege die Überzeugung, daß er sich selber damit eine schwere Buße auferlegt hat. Wir haben durch den Major Nachrichten empfangen —" „Ja, sein Neffe ist auch nicht besser", warf Hedwiga nachlässig hin, „mir kommt es wir maßloser Gelehrtenstolz, unmotivirter Männer-Hochmuth vor, der sich nicht herablaffen kann, an junge, unwissende Mädchen zu schreiben. Und was Ulrichs Buße anbetrifft, Tante!" setzte sie mit einem an ihr ganz ungewohnten Hohn hinzu, „so finde ich dieselbe recht bequem für einen jungen Mann, in der That eine wenig aufreibende Buße!" Sir lachte spöttisch auf, während Tante Ulrike vorwurfsvoll den Kopf schüttelte. „Ich weiß doch nicht, ob eine solche Buße nicht ebenso schwer dem Herzen fällt, als irgend eine andere Enthaltsamkeit, mein Kind! — Geliebten Wesen undankbar und lieblos zu erscheinen, sich selbst in den Verdacht eines wankelmüihigen Charakters, leichtsinniger Vergeßlichkeit und Untreue zu bringen, das möchte doch nicht jedem Menschen möglich sein, es gehört meiner Meinung nach schon eine Art Heroir- mus dazu, diese Buße durchzuführen. Vielleicht hat dieselbe auch den Zweck, gewisse Herzen auf die Probe zu stellen, um die Beständigkeit und das Vertrauen derselben zu prüfen." Hedwiga erröthete und erblaßte. „Tante, Du kannst also auch ein wenig boshaft fein." „Beunruhige Dich nicht, mein theures Kind!" lächelte Ulrike, sie zärtlich küssend, „er that mir nur weh', Dich so lieblos über Deinen Bruder reden zu hören. Man bricht so leicht den Stab über Abwesende, wenn dir Eigenliebe sich verletzt fühlt, thue es nicht wieder, meine Liebe, solche Bitterkeiten find 848 Rostfleäen, welche den edelsten Kern des Menschen zerfressen." Hedwig» fühlte stch beschämt und gedemüthigt, ihr Stolz bäumte sich gegen diese ernste Mahnung, doch ein Blick in die sanften Augen der Tante, in denen eine Thräne zitterte, bannte den Stolz und drängte das Wort der Liebe, die Bitte um Verzeihung auf ihre Lippen. Tante Ulrike wußte sehr wohl, weshalb sie so sicher die Abwesenden vertheidigen durfte; sie hatte einen Brief von Tellkamp erhalten, der ihr die Gründe des beharrlichen Schweigen« darlegte und ihre baldige Heimkehr verkündigte. Und eines Tages lasen die beiden verlassenen Bräute mit stockendem Herzen in der Zeitung die Kunde von der glücklichen Heimkehr jener Expedition, welche der berühmte Doktor Dörner als wissenschaftliche Koryphäe geleitet und die ein zweiter Sohn dieser Stadt, der junge Freiherr von Jmmendorf ebenfalls mitgemacht hotte. Und dann kam der Tag, wo die beiden Zugvögel in die Vaterstadt einzogen, welche ihnen zu Ehren geflaggt hatte, — die ersehnte Stunde, wo sie des Lebens höchstes Glück mit fester Hand ergreifen durften. Hedwigs hatte sich der Tante Mahnung tief zu Herzen genommen und ihrerseits Mazda eine weife Vorlesung hinsichtlich der verletzten Eigenliebe, und ihrer unvermeidlichen Rostflecks, des seltsamen Büßer» Ulrich und der geheimen Herzenrprüfung so eindringlich gehalten, daß die sanfte Mazda ganz verwirrt geworden und schließlich hatte gestehen müssen, kein Wort dieser seltsamen Vorlesung verstanden zu haben, ein Geständniß, welches Hedwiga Anfang« tief verletzt, dann aber mit großer Heiterkeit erfüllt und ihr dadurch den alten kecken Muthwillen wieder gegeben hatte. Nun, als das unfreiwillige Siegel gebrochen, war auch Magda zum Verständniß jener Mahnung gekommen und sogleich bereit, der Tante Meinung aus vollem Herzen beizustimmen. Daß die beiden Sünder demnach einen ungetrübten Empfang und nur zärtliche Blicks und Worte fanden, war ihnen sicherlich die angenehmste Ucber- raschung, obwohl Egon später nicht ganz davon erbaut schien. „Er ist im Grunde nicht ganz schmeichelhaft für um", bemerkte er am nächsten Tage gegen Ulrich, „daß di« jungen Damen uns ohne jegliche Empfindlichkeit über unsere Vernachlässigung ihrerseits begrüßt haben. Mir wäre ein wenig Schmollen und Grollen, eine Art Strafpredigt doch lieber gewesen." . „Wird schon noch nachkommen, mein guter Egon!" We Ulrich, der allen Mißmuth und alle Sorgen in den Ocean geschüttet zu haben schien. „Ich bin herzensfroh, daß die kleine Magda ihr Vertrauen trotz alledem und alledem mir bewahrt hat. Wie ich jedoch meine Schwester Hedwiga kenne, so wirst Du - Deine Strafpredigt sicherlich noch bekommen, über • diesen Punkt kannst Du beruhigt sein, alter Junge! ; Wenn nur die Tante Ulrike und Deine Mutter stch jetzt mit der Hochzeit beeilen wollten." „Dar soll Onkel Tellkamp besorgen", versprach Egon, „was meinst Du wohl zu dem Gesichte, das di« Fürstin zu unserer Verlobung» - Anzeigs machen wird?" setzte er gutgelaunt hinzu. „Bah, sie wird ein erstauntes, über freundliches Gesicht dazu machen. Siehst Du, Egon, ich fühle mich jetzt wirklich wie ein Mensch, der den alten Adam ausgezogen und ein ganz neues Leben begonnen hat. Was mein Dasein wie ein Alp belastete, ist beseitigt, sie, die lange Jahrs den Sonnenschein d-s Glück» aus dem Haufe Jmmendorf verscheucht, ruht in der Gruft; der Schurke, welcher mich zum Mörder stempeln wollte, ist auf Deins Fürbitte dem Zuchthaus entgangen und genießt in Ruhs den Reich- thum seines Onkels —" „Mit der Bedingung, niemals seinen Fuß nach Deutschland zu setzen, was immerhin die vernünftigste Rache war, mein lieber Junge!" „Gut, ich widerspreche nicht, da er vorher Alles zu Protokoll gegeben und mich vollständig entlastet hat. — Ich bin ein freier, glücklicher Mann —" „Und willst doch in den Hofdienst zurückkehren, Ulrich?" unterbrach ihn Egon ein wenig ironisch." „Nein, ich will frei bleiben, alter Junge!" sprach Ulrich mit feierlichem Err sie, „unser Regenten- Paar ist edel und hochstnnig genug, um meinen Entschluß zu billigen. Ich will mir ein Rittergut pachten und Landmann werden." , Richt Übel, wird stch machen lassen", nickte Egon beifällig. Sage mir doch, hat der Onkel Major Dir von unserm famosen Detcctiv schon erzählt?" „Nein, was ist'» mit ihm?" „Mr brave Thorsen, so war sein Name doch, hat durch Deine Geschichte Saniere gemocht. Er befindet stch jetzt in der Residenz zum sp.ciellen Dienst de» Fürsten, auch soll er Aussicht haben, CH f der Geheimpolizei zu werden. Er ist immerhin in seinem Fach ein Genie, der zur rechten Zeit seinen j Vortheil erkannte und mit zäher Ausdauer sich I dem Schuldigen an die Fersen heftete. O, wir kennen um sehr gut, da er selbst mich ohne die Dazwischenkunft meines Onkels ohne Gnade hätte einsperren lassen." „Ja, es ist ein famoser Kerl", lachte Ulrich, „nur über eins möchte ich noch Aufklärung haben, die er vielleicht ebmfalls zu geben vermag. Ich - möchte wissen, wer mich verschiedentlich mit dem i Namen Adam Sturm abscheulich in Furcht gefetzt und mich so zu sagen zur Flucht gezwungen hat." (Schluß folgt.) Aoppetschrauöen - Schnelldampfer. Schon oft ist auf den großen Fortschritt während der letzten Jahre in der Construction der Oceandampfer hingewiesen worden, und nicht ohne Berechtigung hat man mit Genugthuung constatirt, welch' außerordent- 544 Oi von zwei Schrauben gewährt Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. wurde! Die Anwendung aus diesen Gründen liche Geschwindigkeit unsere jetzigen Dampfer in der nordatlantischen Fahrt entwickeln. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß das erste Dampfschiff, der „Sirius", welcher im Jahre 1838 die regelmäßige Paflagierfahrt nach New-York eröffnete, eine Länge von nur 178 Fuß hatte und 17 Tage zu seiner Reise brauchte, während jetzt Collosse von 500 Fuß und mehr Länge dieselbe Fahrt in 6 Tagen zurücklegen, so giebt uns das in schwachen Umrissen ein Bild davon, was die Technik innerhalb der letzten fünfzig Jahre auf diesem Gebiete geleistet hat. Da die Seefahrt immer, mehr als jede andere Art der Beförderung, eine Reihe von Gefahren in sich birgt, so sollte man mit Recht erwarten, daß die Vervollkommnungen im Bau unserer Oceandampfer namentlich auch auf die Erreichung einer größeren Sicherheit gerichtet gewesen wären. Leider muß eingeräumt werden, daß nach dieser Richtung hin bis jetzt nur wenig geschehen ist. Das Einzige, was in Bezug hierauf hervorgehoben zu werden verdient, ist die Einführung der wasserdichten Querschotte, welche dazu bestimmt sind, ein Schiff im Falle des Leckwerdens vor dem Sinken zu bewahren. In welcher unvollkommenen Weise dieses System jedoch selbst bei den größten Dampfern der Gegenwart zur Anwendung gelangt ist, zeigt der Fall des Dampfers „Oregon", welcher am 14. März 1886 in Folge einer Collision innerhalb weniger Stunden in Sicht des Landes sank, ohne daß es möglich war, ihn in den nahen Hafen in Sicherheit zu bringen. Eine der größten Gefahren, welcher ein Dampfer ausgesetzt ist, besteht in dem Unbrauchbarwerden seiner Maschinen, indem er dadurch hülslos dem Spiel der Wellen preisgegeben wird. Erst der allerneuesten Zeit ist es vorbehalten gewesen, dieser Gefahr in der atlantischen Passagierfahrt durch Anwendung von zwei Schrauben, welche jede für sich durch eine besondere, von der anderen ganz unabhängige Maschine bewegt wird, zu begegnen. — Die bekannte „Jnman Line" hat am 1. August dieses Jahres den ersten großen Zweischrauben-Dampfer für die Fahrt nach New-York in Betrieb gesetzt und damit einen epochemachenden Schritt in der Vervollkommnung der Oceandampfschifffahrt gethan. Die Zweischrauben-Schiffe sind schon seit einer längeren Reihe von Jahren in der Kriegsmarine eingeführt, und ihre große Ueberlegenheit im Vergleich zu den Dampfern mit einer Schraube ist längst erwiesen. Es sind auch wohl einige wenige Handelsdompfer mit zwei Schrauben ausgestattet worden; für die große Paffagierfahrt hatte sich jedoch diese Construction, die hier ganz besonders am Platze ist, bis jetzt noch nicht einbürgern können. Der Grund hierfür ist eigentlich schwer zu ersehen, und es läßt sich diese auffällige Thatsache nur dadurch erklären, daß man bis jetzt immer an der etwas complicirten und kost- spieUgcu Eonsi niction, sowie an dem immerhin theueren Betriebe Anstoß nahm und daß jede Neuerung sich nur langsam und mit Widerstreben Bahn bricht. Die Vorzüge der Ziveischrauben-Schiffe sind sehr vielseitiger Art. Da zur vortheilhaften Ausnutzung einer gegebenen Maschinenkraft immer eine Schraube von einem gewissen Minimaldurchmesser und damit ein bestimmter Tiefgang des Schiffes erforderlich ist, so wird man folglich durch die Anwendung von 2 Schrauben bei einem Schiffe von gewissem Tiefgänge auch eine verhältnißmäßig größere Maschinenkraft verwerthen können. Mit der Zunahme der Schiffsdimensionen und der immer weiter gehenden Steigerung der Geschwindigkeit — beides Umstände, welche immer stärkere Maschinen erfordern — mußte man daher nothwendig auf die Zweischrauben-Con- struction kommen. Schiffe von der Größe, wie sie uns die Zukunft zu bringen scheint, lassen sich eben nicht mehr durch eine Schraube allein mit der hohen, den jetzigen Anforderungen entsprechenden Geschwindigkeit treiben, wenn man nicht den Tiefgang des Schiffes in der unvortheilhaftesten Weise erhöhen will. Da die Schrauben bei einem Zweischrauben- Schiffe ganz unabhängig von anderen vorwärts und rückwärts arbeiten können, so ist hierdurch ein Mittel gegeben, nicht nur die Steuerfähigkeit des Schiffes wesentlich zu unterstützen, sondern dasselbe selbst ohne Ruder zu steuern, indem man eine Schraube schneller als die andere laufen, bezw. die eine vorwärts und die andere rückwärts arbeiten läßt. Im Falle eines Bruches des Ruders ist das Schiff also durchaus nicht hülflos, sondern den großen Gefahren weniger ausgesetzt als ein gewöhnlicher Einschraubendampfer. Die große Steuerfähigkeit wird den Schiffsführer auch viel besser in den Stand setzen, einer Collision ausweichen zu können. Der Hauptvorzug der Zweischrauben-Dampfer besteht jedoch immer darin, daß sie zwei von einander ganz unabhängige Maschinen und Treibapparate besitzen. Beim Bruche einer der beiden Maschinen oder Schrauben ist daher immer ein Treibapparat Vollkommen betriebsfähig, und das Schiff kann ungestört mit einer nur um etwa 25% reducirten Geschwindigkeit seine Reise fortsetzen. Dies ist ein Vortheil, der gar nicht hoch genug angeschlagen werden kann, denn da sich die Segel bei den jetzigen großen Dampfern als vollständig nutzlos erwiesen haben, so sind nur bei doppelten Maschinen die großen Gefahren ausgeschlossen, welche bei gewöhnlichen Dampfern ein Wellen- oder Schraubenbruch in sich schließt. Wie oft haben sich Fälle ereignet, daß ein Dampfer mit gebrochener Maschine, mit mehr als tausend Passagieren an Bord, wochenlang hülflos auf dem Ocean umhertrieb, bis er endlich durch Zufall von einem anderen Dampfer aufgefunden gar nicht erzielbar ist. (Fortsetzung folgt.) sicherlich wieder ei gesetzt ho Vergangi liches Fe Glase W weiter b nur ein! glückliche Ulrike hc einem L Regenwo „Und", gut so, 1 wir woll Erinnern Fluch de Freunde „ES lener Si that mir Tante X ein solch „soll ich dieser tr einzig u streich i wigas § geopfert Schwur kauft g Entsag» flenben den Sei nicht an „Ja wegt. öden W then d< hinab i mir All dieses $ sicherlich Ulr eine Sicherheit gegen die Gefahren zur See, wie sie bei gewöhnlichen Dampfern