rs Nimmersatte : Spitze meiner forderte sieben ür den Blitzzug elf bis zwölf > der Beamte, meinen „dritte Dichtungen bis . reisen, wohin ’djön und Vordermann diese :en Dim msion" n. Ich wollte „dritte Zone" meiner ganzen nfuhr." i diese „dritte B. den beiden M der Beamte rildem Lächeln. Sie etwa damit als drei Zonen )hl wenig Zeitnorm." sechs Monaten chäftigt, unfern Publikum einzu- nschlag. Bitte, ch dann. Das groß zur Fort- c in der That nn er lautete: eiche nur neun ets) ausgegeben, eter Entfernung e mit eintägiger 1. Klaffe 2 Mk. s 50 Kilometer teile): 1. Klaffe 4 Mk. iag. g über 50 Klotziger Giltigkeit 1. Klaffe 6 Mk. es sind je zwei he man benutzen etzung folgt.) chichener Jamiüenblätter. Belletristisches Beiblatt rum Gießener Anreiger. Nr. 109. Samstag dm 15. September. 1888.' Zur Kaufe Jmmendorf. § Original-Roman von Emilie Heinrichs. --------- I (Fortsetzung.) Der Major blieb stehen und schaute dem Neffen fest in'» Gesicht. „Dieses mannhafte Wort unterschreibe ich von ganzem Herzen, mein Junge!" sprach er, tief auf, athmend, „und Du wirst mir glauben, wenn ich Dir sage, daß Hauptmann Trllkamp, al» er vom Glück begünstigt worden, sofort beflissen war, sein Lebens« glück zu verwirklichen und sein Wort einzulösen." „Nun?" fragte Egon, als der Onkel schwieg. „Man verschmähte die Einlösung, gab da» Pfand freiwillig zurück und verzichtete auf ein Lebensglück, bas jedenfalls jetzt werthlo» erschien." Der Major stieß diese Worte mit Heftigkeit hervor. „Und der Grund, Onkel? Fräulein Ulrike von Jmmendorf ist ein zu edler Charakter, um nicht einen vollwichtigen Grund für ihre Handlungsweise gehabt zu haben." „Nun, es gab freilich einen Grund", lachte der Major bitter auf, „die kranke Schwester bedurfte der Pflege, konnte nicht verlaffen werden, da dieselbe ' den augenblicklichen Tod davon haben könne, und so weiter! Immer diese Schwester, um welche sich Alles drehen wußte, was zu jenem Haufe gehörte, bis auf den heutgen Tag, — deren Selbstsucht Menschenglück geopfert wurde vordem und sicherlich auch noch heute, wenn die jüngste Generation sich'» gelüsten ließe, ihre eigenen Wege wandeln zu wollen." „Das ist freilich sehr hart", sprach Egon, „und in der That auch grausam genug, um Deine Bitter« keit begreifen zu können, lieber Onkel! Erzähle mir doch nun auch das Lebens «Drama dieser kranken Despotin, deren nähere Bekanntschaft ich in der That wohl machen möchte." „Wünsche es nicht, Egon!" erwiderte der Major melancholisch, „ich fürchte diese Irmgard wie ein Fatum. — Sie war in ihrer Jugend sehr schön und ebenso stolz, weshalb kein Bewerber Gnade vor ihren Augen fand, der nicht mindesten» die sieben» zinkige Krone ihr bieten konnte. Nun, es kam ein solcher, jener Graf Rüdershausen, ein flotter Lebe« mann au« uraltem Geschlecht, der in Pari« sein fürstliches Vermögen durchgebracht und nun daheim nach einer reichen Gemahlin Umschau hielt. Vielleicht mochte er die Jmmendorf« für reicher halten, al» sie waren, da Herr Kuno, Ulrich» Vater, bereit» gut darin aufgeräumt hatte. Genug, der Graf verlobte sich eines Tage» ndt der schönen Irmgard und da» Glück war groß, wie Fräulein Ulrike, die Unglück ahnende Kassandra, mir später seufzend mittheilte. Der Hochzeitstag war festgesetzt, Alle» parat zur glänzenden Frier, al» der Bräutigam in der zwölften Stunde auf und davonging. Mit der Myrthe und dem Brautschleier ist die schöne Braut, wie man sich erzählt, noch um Mitternacht in dem winterlich beschneiten Park gesehen worden, wo die Schwester sie ohnmächtig aufgefunden und sie auf ihren Armen in'» Schloß getragen haben soll. Von jener Stunde datirt ihre Lähmung. Die Unglückliche kannte den schlechten Charakter de» Grasen, wußte, daß er sein Hab und Gut verpraßt hatte, daß sie tief unglücklich an seiner Seite werden mußte und trotz ihrer Schönheit nur ihr Vermögen ihn zu der Heirath veranlaßte, und sie trat nicht zurück. Ob sie ihn wirklich liebte? Wer kann ein solches Frauenherz erforschen, war die eigene Schwester nicht einmal vermochte. Thatsache aber tst's, daß die Unglückliche den Jmmendors'schen Reichthum für unerschöpflich gehalten und von diesem Wahne noch bis zur Stunde befangen sein soll. Graf Rüdershausen freilich hatte den wahren Stand der Dinge kurz vor der Trauung erfahren und sich rasch aus dem Staube gemacht. In einem Duell mit dem Freiherrn von Jmmendorf wurde er von diesem schwer verwundet und hei« rsthete nach seiner Wiederherstellung eine häßliche, aber steinreiche Erbin von altem Adel. Das ist dis Geschichte der kranken Irmgard." „Welche zum Vsrhängniß für die ganze Familie geworden", rief Egon erregt, „denn ist e» nicht das grausamste Vsrhängniß, daß diese durch ihren eigenen Hochmuth an Leib und Seele verkrüppelte Despotin, welche auf die Liebe und Nachsicht ihrer Umgebung so gänzlich angewiesen war, jede Lebensblüthe derselben grausam vernichten konnte, ohne Widrrspnch zu erfahren? — Ich begreife eine solche Schwäche nicht. Möchte in der That die Despotin sowohl, als das gefügige Opferlamm kennen lernen." „Wohlan, gehen wir gleich dorthin —" versetzte der Major, „Fräulein Ulrike wünscht meinen Bei« stand, ich gab mein Wort und will es halten. Es ist die schickliche Besuchsstunde, und wenn, was immerhin anzunehmen ist, da« Jmmrndorf'fchr Haus polizeilich bewacht wird, um so bester, weil man Dich alsdann in meiner Begleitung sieht und mein Besuch dadurch hinreichend motivirt wird. Begreisst Du dar?" „O, es beginnt in meinem Kopf zu dämmern", h Gictztti. 488 Lachte Egon, „so eine Art Schmuggel mit meiner Person oder Aehnliches. Immerhin, Onkel, handelt es sich doch im Grunde um Verhütung eines Justizmords." „Braver Jungel" nickte der Major gerührt, „ist doch etwas Schönes um ein warmes, menschenfreundliches Herz." ' Sie hatten die Stadt jetzt erreicht und wandten sich rasch und schweigend dem Inneren derselben zu, um sich nach dem Jmmendorf'fchen Hause zu begeben. 9. In schneeweißen, mit Spitzen reich besetzten Gewändern, lag das Freifräulein Irmgard auf ihrem Ruhebett, die blauen Augen unverwandt auf einen Sonnenstrahl geheftet, welcher ruhelos zitternd an den Portrait» vorüberhuschte und wunderbare Reflexe in den Zügen derselben hervorbrachte. Auf einem niedrigen Tischchen stand die reich vergoldete Tafle mit ihrer Chocolade, welche sie bequem mit der Rechten erreichen konnte. Draußen läutete die Hausglocke, sie horchte auf, da sie genau unterschied, ob es einen Besuch oder ein Geschäft betraf. Ein zufriedenes Lächeln überflog das schmale Antlitz, der kurze, gebieterische Klingelzug verkündete ihr einen Standesbesuch, einen alten Freund, dessen Geplauder der Aermsten ein Labsal war. Rach wenigen Augenblicken meldete Johann den Herrn Baron von Lrrchenheim, und Irmgard streckte dem Eintretenden lächelnd die kalte, wachsbleiche Hand entgegen, welche der Baron ehrfurchtsvoll an feine Lippen zog. Es war ein alter Hagestolz mit weißem Kopf und verschrumvftem Gesicht, ein früherer Verehrer der schönen Irmgard, welcher von dem ganzen Schwarm Mein ihr treu und ergeben geblieben war. Der alte Herr hatte weder Schönheit noch sonstige Glücksgüter, nur einen untadelhaften Namen und ein Herz voll treuer Liebe besessen, was in den Augen der verwöhnten jungen Dame damals blitzwenig bedeutete. Sie hatte ihn als Anbeter geduldet, und häufig genug zur Zielscheibe witziger Spöttereien benutzt, bis das Unglück kam und mit demselben die Erkmntniß. Da lernte sie den. guten Lerchenheim schätze«, den Mann, der um ihretwillen unvermählt, und ihr, der Hülflosm, Gelähmten, treu geblieben war dir auf den heutigen Tag. Er besatz weder Witz noch scharfen Geist, verstand aber die Kunst, der Kranken durch sein oberflächlicher Geplauder, das die Stadtneuigkeiten und öffentlichen Geheimnisse der varnchmen Welt zumeist umfaßte, die Zeit angenehm zu kürzen und ein flüchtiges Behagen auf die verbitterten Züge zu zaubern. Auch Ulrike und Hedwiga sahen den alten Baron gern und freuten sich stets feines Kommens, was regelmäßig dreimal in der Woche stattsand, und regelmäßig eine stillfchmeigende Einladung zu Tisch mit inbegriff. Der alte Herr, welcher draußen Hut und Ueber- zieher abgelegt, erschien wie gewöhnlich im stahlblauen Frack mit goldglänzenden Knöpfen, schneeweißer Weste und hohen Vatermördern, untadelhaft, wenn auch nach längst vergangener Mode. „Guten Morgen, meine verehrte Gnädigste I" sprach er, die Kranke mit einem prüfenden Blick liebender Besorgniß anschauend und dabei einen duf- tigen Strauß selbstgezogener Monatsrosen auf die seidene Decke legend. „Wie haben Sie diese Nacht geruht?" „Ich danke, lieber Freund, ziemlich gut", versetzte Irmgard, die Blumen ergreifend, „o, wie herrlich, wo haben Sie diese köstlichen Rosen jetzt, im Spätherbste, aufgestöbert?" — „Selbst gezogen, Gnädigste! — und Sie erlauben mir, hinzuzusetzen, für Sie!" erwiderte Lerchenheim mit einem stolzen Lächeln. „Das Glück war mir dabei insofern günstig, als die Mehrzahl der Knospen sich ziemlich gleichmäßig entwickelte und er mir somit ermöglichte, mit einem Sträußchen zu debutiren." „Sie find ein ganzer Cavalier, lieber Baron!" nickte Irmgard mit einem zufriedenen Lächeln, „ich danke Ihnen!" Mit diesen Worten sog sie den Duft der Rosen ein, klagte dann plötzlich über Kopfschmerz und legte fie rasck fort. „Ach, mein Gott, der Duft ist Ihren zarten Nerven zu stark", rief der Baron erschreckt, „verzeihen Sie meine Unbesonnenheit, theure Gnädigste!" Er trug die Blumen nach dem großen Tisch, wo er fie fast unwillig hinwarf, als Ulrike in's Zimmer trat. , „D, wie schön", sagte sie bewundernd, „die Rosen sind von Ihnen, Herr Baron!" „Selbst gezogen, für mich natürlich", hüstelte Irmgard, „trage sie fort, liebe Ulrike, der Duft ist mir zu stark, ich habe bereit« Kopfschmerzen davon." „Ich bin so unglücklich darüber", klagte der arme, zerknirschte Baron, „begehe nichts al» Thor- heilen, — freute mich ganz ungeheuer, als die Knospen heute Morgen fast olle halb aufgeblüht waren, und dachte dabei nicht an die zarte Constitution der Gnädigsten." Er hatte diese halblaut geflüsterten Worte an Ulrike gerichtet, welche ihn mit einem gerührten Blick anschaute. „Sie find ein lieber Mensch, Herr Baron!" sprach sie leise, ihm die Hand drückend, „wie danke j ich Ihnen für diese treue Anhänglichkeit, mit welcher Sie die Tage unserer theuren Kranken verschönern und erheitern." „Kommen Sie doch, Baron 1" rief jetzt Irmgard mit erregter Stimme, welche wie ein scharfer Befehl klang, da jede» Flüstern ihr unerträglich war. Lerchenheim gehorchte erschrocken, während Ulrike mit einem ungeduldigen Seuszer und einer leichten Falte des Unwillens zwischen den Brauen die Rosen ordnete, um damit das Zimmer zu verlassen. Da traf ein Name ihr Ohr, der sie bewog, sich noch etwas mit den Blumen zu beschäftigen. „Erz gard bes einem A „De jetzt in zurücklei bereit»« „Si Jrmgar! „3° zuletzt Alles, Situati lieber! . "3 Theu«, mahlin den Bl gegen« vorbei! 3t ein toi unterd „( gesse, ten H welche Traf welch' kaffes Son« s sende Passt lehrt, die si alte aufz« darü! fasse, könm daß leih« ungl I gard zu r Tau erho verl nach 439 gard spöttisch hin. , _ „Verzeihung, meine Gnädigste", wagte der Baron zu widersprechen, „die Orden sollen, wie Oberst von Tauchwitz mir mitgetheilt, von Sr. Majestät, unserm erhabenen Kaiser und vom Kaiser von Brasilien ihm verliehen worden sein." ~ . „Dörner sagten Sie, Baron?" fragte Irmgard nach einer kleinen Pause, „von hier?" „Der Neffe des Major Tellksmp —" ®’ WgkUgüt0 sitz?rascher vorwärts, um den Gast zu begrüßen, der vom alten Johann soeben empfan- 060 ,A«zeihen Sie, mein gnädiger Fräulein I" sprach Major Tellkamp, ihre dargerechte Hand ehrerbietigst ergreifend und an feine Lippen ziehend, „wir fanden die Haurthür unverschloffen und traten unangemeldet ein. Nicht wahr, Sie absolvier« uns?" „Mit Vergnügen, Herr Major!" versetzte Ulnke, ihren forschenden Blick auf Egon richtend. „Irre ich nicht", setzte sie rasch hinzu, dem jungen Mann ebenfalls mit freundlichem Lächeln drs 6»«^ ent. aeaenstreckend, „so erweist mir der junge Afrika, reffende die Ehrs, ihn unter diesem Dache begrüßen er ist mein Neffe Egon Dörner, welcher sich freut, die Bekanntschaft einer ausgezeichneten Dame machen zu dürfen", sprach der Moior. „Und der nichts weiter htnzuzusetzen weiß, al» den Wunsch, Ihre Hochachtung verdienen und seiner tllt ,He!rlich!^herrlich!" keuchte sie, mit einem heroisch unterdrückten Wehlaut in ihre Kiffen rurückstnkend. „Ich werde mich an'» Fenster begeben — da» fürstliche Paar sehen zu können." „Gewiß, Gnädigste, gewiß, — bevor ich rs ver. aefle - wir haben seit einer Stunde einen berühm« len Reffenden in unserer Stadt, den jungen Dörner, ; welcher di« letzte Afrika-Expedition mitgemacht hat. - Traf einen Bekannten, den Oberst von Tavchwitz, j welcher ihn am Bahnhof begrüßt hatte, - fall ganz - kaffeebraun gebrannt fein, — von der tropischen; Sonne, natürlich." „Fi doncl* machte Irmgard mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Ja", meinte der Baron etwas verlegen, „meine Passton wäre es auch gerade nicht. Aber die lehrten sollen ganz sonderbare Marotten haben, sich die schauerlichsten Strapatzen ausbürden, um einige alte Ruinen oder sonstiges Gerümpel au» der Urzeit aufzustöbern. Ich habe mir ganz unglaubliche Tenge darüber erzählen laffen und kann s platterdings nicht faffen, wie solche Lappalien zum Ruhme verhelfen können. Und doch ist er Thatsache, meine Gnädigste, daß dieser Doktor oder Profeffor Dörner durch Verleihung mehrerer Orden ausgezeichnet worden ist, unglaublich, aber wahr!" . _ „Vielleicht von einem Negerkönig", warf Jrm- „Erzählen Sie mir Neues, Baron!" hatteJrm- gard besohlen, als der alte Herr ihr gegenüber in einem Armfeffel Platz genommen. Der Einzug unsere» jungen Fürstenpaares steht iefet in naher Aussicht", rapportirte er, sich behaglich KÄÄÄW b.-M iS« bereitunaen, es wird glanzvoll werden. Sie müffen unsere Stadt berühren", bemerkte 3-T?, bleie N--.M w«-i» H. »ultfet aufsparen, — aber Sie denken gleich an Alle», ihr lebhafter Geist umfaßt sofort die ganze Irmgard lächelte geschmeichelt. , Sie find der Einzige, welcher mich versteht, lieber Lercheuheim", sprach fie sanft. ^ch danke Ihnen für diese» beglückende Wort, Tbeuerste! - Ja, er wird mit höchst Seiner Ge- mabltn unsere Stadt sogar betreten und ein von den Behörden ° dargebrachte» Geschenk huldvoll entgegennehmen. „Di« höchsten Herrschastsn werden hier "°^Jrmgard"'schnellte vor freudiger Ueberrafchung „Ach, zu dem gehört dieser berühmte Mann", rief Irmgard gedehnt, indem ihre unruhigen Augen zu Ulrike hinüberschauten, „man scheint hier in ferner Vaterstadt nicht viel davon zu wiffen." „Die alte Geschichte, liebe Schwester!" versetzte Ulrike achselzuckend, „daß der Prophet uämlrch am wenigsten in der eigenen Heimath gilt." Mit diesen ruhig gesprochenen Worten verließ sie da» Zimmer, von einem finstern Blick der Schwe. ster begleitet, während der gute Baron, welcher die Herzenrgeschichte der von ihm stet» mit einem stillen Respect betrachteten Ulrike einst halb und halb er- rathen hatte, nachdenklich vor sich hinschaute, well er die vergötterte Irmgard zuweilen für ei« ganz klein wenig ungerecht halten mußte, welche Erkenntlich ihm stet» einen Stich in'» Herz versetzte. Ulrike hatte die Ankunft de» jungen Dörner be- reit» durch Hedwiga erfahren; sie war sehr bedrückt von dieser Nachricht geworden, weil sie »orauisetzte, daß der Major unter diesen Umständen zu sehr in Anspruch genommen sein werde, um ihr zur Rettung der Verfolgten behülflich sein zu können. Langsam schritt sie durch den langen Corridor, um sich nach Hedwiga'» Zimmer »» begeben, al» sie plötzlich eine Stimme vernahm, welche rhr da» »lut in die Wangen trieb. Sie blieb stehen und horchte überrascht aus, war die Hausthür offen geblieben oder hatte sie zum ersten Male in ihrem Leben dis Glocke überhört? Ein sonniger Lächeln überflog ihr eben noch so sorgenvolle» Antlitz, er war auf ihren Ruf sofort gekommen, trotz aller Hindermffe der Welt. Wie b e einst so schöne und gefeierte Irmgard stolz darauf war, von dem ganzen Schwarm ihrer Bewunderer noch dm einen, den unbeachtetsten derselben treu an sich g-f'ffelt zu haben, so durfte die häßliche Ulrike wohl doppelt stolz empfinden bei dem Gedanken, daß der Mann, dem ihr Herz stet» gehört, um ihretwillen : allem Glück entsagt und ihr treu geblieben war bi« 440 Verehrung für Si-, gnädiges Fräulein, thatsächlichen Ausdruck geben zu können", fügte Egon, ihre Hand an feine Lippen ziehend, hinzu. „Ich danke Ihnen von Herzen, meine Herren I" erwiderte Ulrike, „und bitte, jetzt ohne weitere Com- plimente mir folgen |u wollen." (Fortsetzung folgt.) Eine Kisenöaßnreise im Zahre 1893. (Fortsetzung.) Ich machte mir nach dieser Anweisung die Kopfrechnung : „Leipzig - Basel ist „dritte Zone." Sieben Billets — Vergebung „Fahrscheine!" — zweiter Klaffe kosten also sieben mal zwei Mark, also 14 Mark mit dem gewöhnlichen Zuge, die doppelte Zahl Fahrscheine für den Blitzzug 28 Mark! Das heißt sieben Personen zahlen zusammen wenig mehr als die Hälfte des Fahrpreises, den Anno 1888 eine einzige Person für sich erschwingen mußte, um in dem damals viel langsamer fahrenden Schnellzug von Leipzig nach Basel zu reisen (52 Mark 30 Pfg.)!" „Weh Dir, daß Du ein Enkel bist!" rief ich mir bei dieser Entdeckung im Stillen zu. „Wie schade, daß dieser ebenso einfache als bescheidene Tarif nicht schon seit dreißig Jahren in Geltung ist! Ich hätte viele Tausende dabei erspart, und die Eisenbahnen hätten, — wie die Erfahrung zeigt — sich auch nicht schlechter dabei gestanden. Excellenz Varus Maybach, geben Sie mir doch meine Legionen Mark wieder! Ach, das ist ein frommer Wunsch!" „Geben Sie mir also vierzehn Fahrscheine zweiter Klasse nach der dritten Zone," sagte ich laut zum Schalterbeamten. „Aber wollen Sie nicht lieber ersteMaffe nehmen ?" fragte mich dieser Verführer zur Verschwendung. „Die Wagen zweiter Klaffe sind nämlich nach den Vorschlägen des Eisenbahn »Evangelisten Engel bedeutend unbequemer geworden als früher. Die Wagen erster Klaffe dagegen bedeutend bequemer. Ihre Reisegesellschaft würde einen Salon oder zwei Fahr- abtheilungen erste Klaffe für sich haben. Die Sitze sind sehr bequeme, tiefe, breite Polsterstühle, verschiebbar, mit Schemel, zur Nachtfahrt als förmliche Betten auseinander zu klappen. Sie haben da schwere Teppiche auf dem Fußboden, elektrisches Licht, Wascheinrichtung mit allem Zubehör. Ein doppelter, mit dämpfender Füllung versehener Fußboden, beste Federn, holzgefüllte Wagenräder bieten alles, was bisher zur Verminderung des Fahrgeraffels und Wagen- stoßens erfunden ist. Und der Preis für diesen —" „Hochgenuß des Jahrhunderts, wollen Sie sagen —" „Richtig, mein Herr, beträgt von Eydtkuhnen bis Trier und von Emden bis Basel, von Verviers bis Freilassing sechs Mark im gewöhnlichen, zwölf Mark im Blitzzuge. Von Leipzig nach Basel zahlen Sie also für Ihre vierzehn Fahrscheine zum Blitzzuge wenig mehr als früher ein einziges Billet erster Klaffe (70 Mk. 50 Pf.) auf derselben Strecke oder ein zeitraubendes „kombinirtes Rundfahrbillet" zweiter Klaffe hin und zurück (71 Mk. 60 Pf. oder 75 Mk. 50 Pf.). Sie könnten aber, wenn Sie dazu Lust hätten, für daffelbe Geld auch die doppelte Entfernung im Deutschen Reiche durchfahren, als die von Leipzig nach Basel, denn die Entfernung spielt heute nur bei Abgrenzung der drei Zonen, sonst gar keine Rolle mehr." Der Mann hatte mich. Ich nahm 14 Fahrscheine erster Klaffe dritter Zone für 84 Mark. Sie sahen eigenthümlich aus. Auf der Vorderseite stand näm- lich nur: Von Leipzig, Thüringer Bahnhof I. Klaffe I. Dritte Zone. 6 Mark. Umwenden! Auf der Rückseite stand in kleinem Druck: Dieser Fahrschein berechtigt nur zur einmaligen Fahrt nach jeder beliebigen Eisenbahnstation des Deutschen Reiches. Er ist beim Betreten des Bahnsteigs der Abgangsstation vorzuzeigen und beim Verlassen des Bahnsteigs der Endstation abzugeben. Er hat nur Gültigkeit für drei Kalendertage. Der Benutzer einer höheren Klaffe als der, zu welcher dieser Fahrschein berechtigt, wird mit einer sofort zu entrichtenden Ordnungsstrafe von 10 Mark belegt und hat außerdem strafrechtliche Verfolgung zu gewärtigen. Die nächste meiner Sorge war die Aufgabe des Gepäcks. Das war in den alten Tagen des Eisenbahnbetriebes, die mit 1893 zu Ende gegangen waren, in der That ein sorgenreiches Geschäft für einen Familienvater gewesen! Denn mit den 25 Kilo ,,Freigepäck", welche die alte Betriebsordnung dein norddeutschen Eisenbahnreisenden gewährte — Süddeutschland kannte überhaupt kein „Freigepäck" außer dem kleinen Handgepäck — war bei längeren Sommerreisen übel auszukommen, namentlich für Damen. Mit trübem Blick sah man damals die unbestechliche scharfe Nadelzunge der Eisenbahnwaage höher und höher schnellen, bis alle Gepäckstücke der Familie aufgeladen waren — und dann kam die bittere Eröffnung des Gepäckbeamten, daß irgend ein fabelhafter Betrag, 20, 30 Mark und darüber als „Ucberfracht" zu zahlen sei. Wir hatten diesmal, im Vertrauen auf die Weitherzigkeit der Eisenbahnreform auch im Gepäcktarif, eine schwere Menge Gepäck eingeladen, fünf Koffer zu je 50 Kilo. Ich war sehr neugierig auf den Kostenbetrag. (Schluß folgt.) Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr, Pietsch) in Gießen,