ßnchener Jamilienblätter. Belletristisches Beiblatt ?uni Gießener Anzeiger. -----—.«unun rn i.mni.ji.nii. m — — -— nun' TT—rrrr«! in I imrniTH-rrn i n i i i-u-i r ~m r- -r r ■ i r—"rrn- -nurri n-nn-r— rin -:-i^r mimo -mi~ . M. 32. Donnerstag dm 15. Märr 1888. 3um 9. Mär? 1888. 3u neuem Leben lveckst du, Sturm, die Erde, Entkleidest sie der starren Winterpracht/ Aus deinem Toben spricht ein neues „Werde", Tas bald ahn' Ende uns entgegenlacht. Wie Osterklang willkomtnen ist den Armen Dein Stöhnen: denn dir milderst Noth und Pein; Du lösest Fesseln, ja, du hast Erbarmen, Tu eilst voraus dem Frühlings-Sonnenschein. Doch ach! eilt Leben ließest du erkalten, Das Aller Freude und Verehrung war. Des deutschen Friedensfürsten sorglich Walten Hast Du ein Ziel gesetzt für immerdar. Das Äug', aus dem die Milde sonst gesprochen, Das Herz, das für das Reich in Treue schlug, Der Arm, der siegreich sich hat Bahn gebrochen — — Der Kaiser Wilhelm war es, der ihn trug! Um diesen theuren Todten trauern Alle, Die laut bekennen: „Sehet, welch' ein Mann!" Sein Bild von Erz ziert Deutschlands Ruhmeshalle, Es lebt im Volk, deß Herz er sich gewann. Ist schwer die Zeit, laß uns nicht zaghaft stehen, Wer seine Pflicht erfüllt, den Kaiser ehrt. Sein leuchtend Beispiel kann kein Sturm verwehen: Zeig, deutsches Volk, daß du des Todten werth! Friedberg in der Wetterau am Todestage des Kaisers. Carl Trapp. 126 als Da ahnst. Noch ein Anderer außer nur Hot während des Diners und der ganzen übrigen Zeit keinen Blick von Frieda gewandt und ebemo wenig von Dir. Dieser Mann ist von einer ritterlichen Schönheit, der Erbe eines Millionärs, und was wohl am meisten ins Gewicht fällt, von Adel. Herr von Stolzenberg wird Frieda's Gemahl!" Siegfried schnellte von seinem Sitz empor, und fast unverständlich kam es über seine Lippen: „O, Gott!", dann sank er in den Lehnstuhl zurück, worauf er, den Kops auf die Brust g senkt, die Augen die Liebe, die er sich zu erringen hoffte, etwas Anderes als Liebe wiederzugeben brauche. Es war also nicht genug, daß er sein ganzes Ich, seine ganze Seele hingab, er mußte den Eltern auch noch entweder Reichthum oder einen hohen Rang bieten können, wenn sie ihre Einwilligung geben sollten. Aber «ar dem so? „Ich weiß, Großmama, daß Frieda von ihren Eltern abgöttisch geliebt wird, sollten diese nun, wenn die Tochter mich wirklich liebt, es über sich gewinnen können, das Band zu trennen, wodurch das Lebensglück ihres Kindes für immer zerstört würde?" „Ja, wenn sie Dich wirklich liebt! Doch bevor wir weiter sprechen, Siegfried, sage mir offen, ist bereits das Wort Liebe zwischen Euch gefallen? „Nein, bis jetzt nicht, aber bedarf es denn der Worte? Giebt es nicht stumme Sprache, die ebenso deutlich die Gefühle des Herzens verräth?" „Nur Worte bütden, mein Sohn, nur Worte sind es, die einen Halt geben, alles Andere läßt sich nach Belieben drehen und deuten. Was be- rechtigt Dich denn, anzunehmen, daß sie Dich liebt? ' Frau Rohdenberg erhob sich, näherte sich Sieg« fried's Sitz und ihre Hand auf des Enkels Hrupt legend, sagte sie: ,-n. „Ich höbe Dir heute wch« thun müffen, ich habe in Deinem Herzen Hoffnungen zerstört, die Dich beglückten und von bereu Erfüllung Du bereit träumtest, aber es ist besser, daß Du in einer einzigen schlaflosen Nacht Dich mit dem Schicksal ab- findest, als daß Du später für lange Zeit elend und unglücklich wirst! Versuche es, mein Sohn, habe diesen Willen und Du wirst sehen, daß Da auch die Kraft hast! Willst Du mir das versprechen, : schloß. rt | Eme lange Pause trat ein, die Frau Rohdenberg durch lein weiteres Wort zu unterbrechen wagte, i Die Hand auf die Lehne ihres Stuhls gestützt, sah ste voll Sorge auf Siegfried, der regungslos in sich I zusammenges unken dasaß. ; Endlich schlug er die Augen empor. Sein Gesicht hatte wieder den gewöhnlichen Ausdruck angenommen, $ Friedel?" Siegfried stand plötzlich auf, schlang seine Arme i um den Nacken der alten Frau, und während er ’ 'h.twrM Pt! mit \ schmerzlicher Stimme: „Großmama, o, Gkoßmama, i wenn Da Recht hättest!" „Ich habe Recht, mein Sohn", erwiderte Frau " Rohdenberg, und nachdem Siegfried fast krampfhaft einen Kuß auf die Stirn der Großmutter gedrückt, - ; sank er wie erschöpft auf den Lehnstuhl zurück und i preßte beide Hände auf das klopfende Herz. \ Frau Rohdenberg blickte mit Mitleid auf da« s blaffe, kummervolle Gesicht des geliebten Enkel» - 5 „Wie sich die Dinge auf der Schlangenburg ent- i wickeln werden, steht mir klar vor Augen. Weil dunkler Röthe gefärbt hatten. „Siegfried", fuhr sie fort, „was hast Du Dich unterfangen! Ist Dir jede Ueberlemng verloren gegangen? In einem Hause, das Dich freundlich herangezogen, fängst Du mit der unerfahrenen Tochter ein Liebesverhältniß an? Ich habe Euch scharf be- obachtet, so unangenehm es mir auch war, eine Auf- fichtsrolle zu spielen. Wie kannst Du es wagen, Deine Augen zu der einzigen Tochter eines Mannes zu erheben, der, wenn auch nicht selbst von Abel, - an deren Wange bte sermg- legte, sagte er mit doch durch seinen immensen Reichthum eine dem ' n. G-oßmama. Adel fast gleiche glänzende Stellung ernmmmt? Hast Du Dich nie gefragt, welche Stellung Du einem solchen, auf der Höhe der menschlichen Gesellschaft Stehenden gegenüber einnimmst? Du hast nichts zu bieten, als" einen ehrlichen Charakter und Dein Talent, Eigenschaften, die vielleicht der Tochter genügen können, die aber für den Vater noch lange niSt ausreichen, dem sein liebstes Kleinod zu über- —........— - „ geben, der sich im Sturmschritt als sein Schwieger- , nieder, ihre Augen wollten sich mit Thranen füllen, sobn aufzudrängen sucht. Der Geheimrath Wolter - aber sie bezwang sich. und seine Gemahlin werden sich nur einen solchen s „Wie sich die Dmge auf der Schlangmburg ent- Eidam wählen, der dieselben Vorzüge hat, deren • wickeln werden, steht mir klar vor Augen. Weil Du Dich rühmen kannst, der aber außerdem noch . mir für etwas bangte, was mir thmer ist, habe ich sich auszeichnrn muß entweder durch Reichthum, der heute überall meine Augen gehabt und mehr gesehen, dem Km enlforW, ober durch einen Äug, •*" ™6" "" 6,1 der den ihrigen wenn möglich noch überragt." Siegfried war in seiner unschuldigen Liebe, die , ihn so plötzlich ergriffen und die in der kurzen Zeit ihres Bestehens so mächtig angewachsen war, noch ; mit keinem Gedanken darauf gekommen, daß er für i Die verkorene Wißet. Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Casil Hartmann-Plön. (Fortsetzung). „Ich verstehe Dich nicht, Großmama."''' „Du verstehst mich wohl, Siegfried, und ich kann es auch begreifen, baß Du mich noch nicht in Dein Vertrauen gezogen; aber nichtsdestoweniger muß ich es zur Sprache bringen, und ich werde Dich an- flehen, auf dem Wege, den Du betreten, wieder umzukehren, ehe es zu spät ist. ehe Du habet Deine innere Ruhe verloren." „Großmama, ich bitte Dich -" kam es betroffen über Siegfried's Lippen, deffen Wangen sich mit 127 Doch bevor nir offen, ist gefallen? es denn der e, die ebenso ich?" i, mir Worte Andere läßt n. Was be< e Dich liebt * ' irte sich Sieg« Enkels Haupt i müssen, ich zerstört, die llung Du be# i Du in einer i Schicksal ab» seit elend und Sohn, habe daß Du auch s versprechen, az seine Arme d während er sagte er mit ), Gkoßmama, rwiderte Frau ast krampfhaft utter gedrückt, chl zurück und Hrrz. tleid auf da« liebten Enkel« chränen füllen, rngmburg ent» Augen. Weil er ist, habe ich > mehr gesehen, außer mir hat i übrigen Zeit ) ebenso wenig aer ritterlichen irs, und war ion Adel. Herr ahll" rtz empor, und e Lippen: „O, i zurück, worauf kt, die Augen : Frau Rohden» irbrechen wagte. )l« gestützt, sah zungSlos in sich r. Sein Gestcht ick angenommen, aber von Entsetzen wurde Frau Rohdenberg erfaß;, als sie aus seinem Munds die Worte vernahm: , Warum sind wir nicht reich? Wenn wir e« wären, Großmama, so würde ich die Concurrenz mit Herrn von Stolzenberg nicht scheuen. Hätten wir doch nur einen geringen Anhalt, wo die verlorene Bibel zu staden wäre!" Da war e« nun, da« Fürchterliche, was fie ahnungsvoll hatte kommen sehen. War denn Alles vergebens gewesen» was sie gesagt? Ja, hatte der Hinweis auf Herrn von Stolzenberg das Urbel sogar verschlimmert? War durch Erregung der Eifer, sucht seine Lieb; nun noch mächtiger angewachsen? Diese Gedanken fuhren blitzschnell durch ihr Gehirn und plötzlich war e« ihr, als tauchte in der dämmerigen Ecke des Zimmers die Gestalt ihre« verstorbenen Sohne« Konrad auf. Sie streckte die Hände wie abwehrend aus, in einem gellenden Tone rief sie die Wort:: „Da kommt chie fürchterliche Zeit zum zweiten Male!" und sank bewußtlos auf den Stuhl nieder. Siegfried wurde von ein m tödtlichen Schrecken erfaßt. Er holte sogleich eine starkriechende Essenz, mit der er ihre Stirn benetzte und konnte schon bald zu seiner Freude bemerken, daß seine Bemühungen El folg hatten. Ec kniete nieder und Frau Rohdenberg's Hand ergreifend, lächelte er ihr, die soeben wieder die Augen geöffnet, freundlich zu, und sagte ihr Worte des Trostes. „Ich will Dir auch gestehen, Großmama", fuhr er fort, „daß ich Frieda Wolter sehr gern gehabt, daß ich sie eigentlich schon geliebt habe. Ich hatte mich, schon mit allerlei Hoffnungen getragen und mich ganz gedankenlos meinen Gefühlen hingegeben. Das ist jetzt vorbei! Gottlob waren diese Gefühle noch nicht so mächtig geworden, daß ich nicht mit Leichtigkeit sie unterdrücken könnte." Al« Siegfried seine Trostrede geendet, erhob sich Frau Rohdenberg, und nun beide Hände auf seine Schultern legend, sah sie ihm einen Augenblick schweigend ins Gesicht und während Thränen der Freude über ihre Wangen liefen, sagte sie: „Ist es denn wirklich wahr, Friedel, waren alle Sorgen, die ich mir um Deinetwillen gemacht, un» nöthig? Sieh — e« giebt in jedes Menschen Leben Augenblicke, die eine große, unendliche und habet reine, ungetrübte Freude bereiten, aber weil sie so selten sind, so bleiben sie ewig dem Gedächtniß ein» geprägt. Der jetzige Augenblick ist ein solcher — nie werde ich ihn vergessen!" „Und nun, mein guter Junge", fuhr sie fort, „wollen wir uns zur Ruhe legen, es ist schon sehr spät — und wir bedürfen dringend der Erholung. Sonst war mein letztes Gebet, der liebe Gott möge Dich vor d.m Schicksal Deines Vaters bewahren, und wenn ich dies Gebet auch noch fortsetze, so er» bebt dabei doch nicht mehr mein Herz. Habe Dank, mein Sohn, daß Du meine Seele von einer großen Last befreit." Sie drückte einen Kuß aus seine Lippen und ging in ihr Schlafgemach. Auch Siegfried suchte nun langsamen Schrittes sein Zimmer auf. ^Vierzehntes Kapitel. Im Schatten der Nacht sieht Alle« düster und grau aus. Auch für die richtige Beurtheilung der Vorgänge in der Seel? ist die Nacht nicht günstig, es ist, al« wenn auch der Geist ds Sonnenlichte« bedürfe. So fragte sich auch Siegfried am nächsten Margen, als er mitten im Sonnerischein stand, der durch seine Fenster ins Zimmer fiel, ob nicht sein Geist Schlüffe gezogen habe, die gänzlich falsch seien? Denn wo war nur der geringste Beweis von den Dingen, die seine Großmutter nach ihrer Zurückkunft in der Nacht mit ihm besprochen? Waren es nicht bloße Vsrmuthungen? Konnte die Großmutter in ihrer Besorgniß um ihn sich nicht in Manchem geirrt haben? Was Frieda ihm gezeigt hatte, schien mehr al« oberflächliche Neigung zu sein, and war sie tiefer, so dürste es einem Anderen doch wohl schwer fallen, ihn aus ihrem Herzen zu verdrängen, mochte derselbe an den Eltern auch noch so gute Bundesgenoffen besitzen. Im Grunde war er ja ein reicher Mann, als Erbe der Gräfin Fichtenberg war er eigentlich ein Millionär. Aber nur in der Idee, nicht in Wirklichkeit. Wo war die Million und wo war der Schlüssel, der den Versteck öffnete, wo sie verborgen lag? In diesem Augenblick fielen ferne Blicke auf einen Brief, der zwischen Papieren und Notenblättern auf dem Sophatisch lag. Rasch trat er an den Tisch und öffnete ihn, er war von Langenbach und lautete: Lieber Freund! Wenn es Ihre Zeit erlaubt, ersuche ich Sie freundlich morgen Vormittag um elf Uhr zu einem Frühschoppen in den Rüter'schen Garten zu kommen. Ich habe Ihnen nämlich etwas sehr Wichtiges, das heißt, Wichtige« für mich, mitzutheilen. Hoffentlich sehe ich Sie. Mit freundlichem Gruß Ihr Langenbach. „Auch mein Herz ist voll!" rief er aus, al« er den Brief gelesen. „Ja, vor ihm, vor dem liebenswürdigen, treuen Freunde will ich es ausschütten, er soll mir raihen, was ich thun soll. Wenn ich nur einem einzigen Menschen gegenüber wich au«» sprechen kann, dann wird mir auch die Aufgabe leichter werden, vor meiner Großmutter meine geheimsten Gefühle zu verbergen!" Dieser Gedanke, sich dem Freunde zu vertrauen, goß lindernden Trost in die gemarterte Seele, und eine Zuversicht überkam ihn, daß der Rath be« Freundes für ihn von Nutzen und Erfolg sein i würde. Da hörte er auch schon seine Großmutter im Wohnzimmer. Sein Muih hatte sich plötzlich etwas wieder belebt und es wurde ihm nicht gerade schwer, ein unbefangenes Gesicht zu machen, als er nun in das Zimmer trat, seiner Großmutter die Hand reichte und ihr einen Guten Morgen wünschte, worauf sie sich gemeinsam am Kaffeetisch niederließen. (Fortsetzung folgt.) Eine Gespenstergeschichte. Nach dem Englischen. (Schluß.) Der Lump fiel auf die Knie: „Ich hatte keinen Mitschuldigen", zeterte er. „ Seien Sie barmherzig und schonen Sie mein Leben; l ich will auch Alles gestehen. Ich wollte ihm ja nichts zu Leide tlun; kein Haar auf seinem Kopf krümmen; i. seien Sie gnädig und lassen Sie mich laufen." Blaß und bewegt stand der Vorsitzende auf: •! „Gott im Himmel, welch' schreckliches Geheimniß § steckt noch dahinter!" „So wahr ein Herr über uns ist", sprach Jona- r than mit tiefer Stimme, „Mord steckt dahinter." „Nein, nein, nein! wimmerte Raikes wie ein ge- l schlagener Hund, „nicht Mord; kein Schwurgericht kann Mord daraus machen! Ich wollte ihn nur betäuben .... Todtschlag ist es — o, kein Mord!" Diese unerwartete Offenbarung brachte Grabes- - stille im Saal hervor, bis der General-Director | sagte: „Du Unglücklicher hast Dich selbst angeklagt." „Sie haben mein Geständniß erzwungen und mir Verzeihung verheißen." \ Der Redner antwortete: „Sie haben ein Verbrechen gestanden, welcher Niemand ahnte und wir weder strafen noch verzeihen können. Ich gebe Ihnen anheim, sich vor den Herren Geschworenen schuldig zu erklären und nichts zu verhehlen. Wann thaten Sie es?" : Der Elende stand auf und lehnte sich schwer auf den Tisch. Die Antwort drängte sich widerwillig über seine Lippen, als ob ihn der Alp drücke: „Am 22. September." Am 22. September? Ich blickte auf Jelf und er auf mich. Aller Blut strömte mir zum Herzen und ich fühlte mich blaß und kalt werden, als mein Freund mir mit bebendem Mund zuraunte: „Ewiger Herrgott! was hast Du denn im Zuge gesehen?" .... * * * Was ich int Zuge sah, ich weiß es bis heute noch nicht und habe mir nie eine Antwort aus diese Frage geben können. Er war, wie er leibte und lebte, der Ermordete, der schon seit zehn Wochen tief unten in einer verlassenen Lehmgrube unter faulenden Blättern zwischen Blaawaler und Mallingsord moderte. Mein „Gesicht" sprach, bewegte sich und sah aus, wie jener Mann im Leben. Ich hörte, oder schien von ihm die Berichte zu vernehmen, von denen ich sonst nirgends und nimmermehr etwas erfahren haben würde; dar Gespenst auf der Plattform führte zur Auffindung des Mörders und ich wurde ein passives Werkzeug der Gerechtigkeit. Eine Erklärung habe ich nicht ausfindig machen können. Sie bleibt dem Leser überlassen; ich berichte Thatsachen, die man annehmen muß, wie sie dastehen, mit dem tröstlichen Erfahrungssatz: Es geschehen Dinge unter der Sonne, von denen kein Verstand der Verständigen sich etwas träumen läßt. Was nun schließlich die Cigarrentasche betrifft, so brachte man heraus, daß der Wagen, w rin ich an jenem Nachmittag saß, lange ungebraucht im Schnvpen gestanden hatte und thatsächlich derselbe war in welchem John Dwerrihouse seine letzte Reise machte. Ohne Zweifel hatte er das Etui fallen lassen und es war unbemerkt geblieben, bis ich es fand. Die Einzelheiten des Mordes kümmern uns nicht. Wer sich darüber unterrichten will, findet sie in dem Selbstbekenntniß des Augustus Raikes. Hier genügt, zu erwähnen, daß der Mörder, der mit den Verhandlungen über die Zweigbahn bekannt war, den Entschluß faßte, seinem Vorgesetzten auizulauern; ihm die halbe Million abzunehmm und sich dann mit dem Raub nach Amerika zu flüchten. Zu diesem Zweck nahm er ein paar Tage früher, als das Geld fällig war, Urlaub; ein Passagierbillet nach New Aork in dem Dampfer, welcher am 23.°Sep- t-mber abfegeln sollte; versah stch mit einem gewichtigen Todtschläger und erwartete sein Opfer in Black- watrr. Raikes traf Dwerrihouse auf dem Perron mit dem Vorgeben, daß ihn der Verwaltungsrath schicke; er erbot stch ihn auf einem Richtweg nach Mallingsord zu führen; an einem einsamen Ott schmetterte er ihn mit dem Todtschläger nieder; warf die Leiche in die abseits liegende Lehmgrube und bedeckte sie mit Zweigen und Erde. Sonderbarer Weise fürchtete sich der Mörder, nach gethaner Arbeit, Eng« land zu verlassen. Nach seiner Angabe hat er den Director nicht erschlagen, sondern nur betäuben und berauben wollen und wagte später nicht zu fliehen aus Furcht, Argwohn zu erregen. Der Räuber war in den Vereinigten Staaten sicher, aber der Mörder wäre ausgeliefert worden. Darum ließ er sein Ueberfahrtsgeld im Stich, kehrte nach Ablauf des Urlaubs in fein Bureau zurück und verwahrte die Beute auf gelegenere Zeiten. Es kam ihm zu statten, daß man allgemein der Ansicht war, Herr Dwerrihouse habe sich mit dem Geld aus dem Staub gemacht, obgleich Niemand wußte, wie oder wohin. Ob nun Raikes mit Absicht seinen Herrn erschlug oder nicht, ist unerwiesen geblieben. Jedenfalls erhielt er die volle Strafe für Mord; denn er wurde in der zweiten Woche des Januar 1857 in Old Bailey gehängt. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.