(Gießener AmilienbMler. Nr. 69. Belletristisches Beiblattsum Gießener Anzeiger. Donnerstag dm 14. Juni. l< ■— —11 WIT I■ :XU» 1888 isaaniHHiiainw^ Aer Kröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) ? Alles war Jarper Lowder geglückt. Er hatte sich ruhig auf Guy Tressilian's Platz festgesetzt und > genoß Reichthümer und Ehren im Ueberfluß. Die alten Freunds und Nachbarn Sir Arrhur's, welche \ aus den ersten Familien des Landes bestanden, • kamen, um ihn zu besuchen. Und er erwiderte diese ' Besuche in Begleitung B'anche's und Sir Arthur's, : Bälle und F-stmahle wurden ihm zu Ehren veran- , staltet und überall war er der Held des Tages. Aber obgleich seine schlechten Pläne gelungen ■ waren, gab er doch Augenblick' — besonders in der - einsamen Nacht, wenn er im Bett lag und die - Schatten irm ihn her voll düsterer Gespenster waren ] — wo Angst und Gewissensbisse sich seiner brmöch- '■ tigten. Er war ncch nicht so ganz vertraut mit der > Schuld, um vollkommen unempfindlich gegen die Ge- i wissensbiffe zu sein. Zuweilen dachte er an dm | armen Guy Tressilian — an den edlm, großmüthi- i gen und guten Guy, der zu einer furchtbaren Existenz, z in einem fremden Lande schmachtend, verdammt war; | und in solchen Momenten wünschte der Eindringling f aus tiefster Seele, daß Guy Tressilian unverletzt | zurückgekommen wäre und daß er ole sein Freund | und Begleiter mit ihm hätte kommen können. Aber dennoch dachte Lowder nicht einmal daran, seinen Betrug ein »gestehen und den Sohn des Ba- ronets zu seinen grtunbtn zurüchubringen. Er schätzte den Wohlstand und Ueberfluß im Trrsstlian- Hose zu sehr, um ihnen so leicht zu entsagen. Und jetzt liebte er die schöne Blanche Jrby mit einer Gluth und Stärke, die j?de Feber seines Wesens oufregte. Um sie zu seiner Gattin zu machen, wäre er willig gewesen, seine Seele für alle Zeilen zu verkaufen und zu seinen jetzigen Fälschungen Verbrechen hinzuzuiügen, deren er sich noch vor einem Monat für unfähig gehalten hatte. So vergingen zehn Tage. Eines Morgens bald nach dem Frühstücke, als Sir Arthur sich mit dem Verwalter in das Studir- zimmer zurückgezogen hatte, um Rechnungen durchzusehen, und Blanche im Treibhause mit dem alten Luke bezüglich der Winterpflanzen eine Unterredung hatte, ließ sich Jarper Lowder sein Pferd satteln und ritt in der Richtung nach Glocester fort. Seine Ansicht war, einen Brief von Jocopo Pa- leflro, dem Schreiber von Palermo, abzuhylen, welchen er mit Bestimmtheit unter seiner solchen Adresie in der genannten Stadt zu finden hoffte. Der W-g führte Lowder zumeist den Severn entlang. Der Morgen war nebelig und durch den grauen Dunst waren die Umriffe der Landschaft nur schwer zu erkennen. Aber Lowder kümmelte sich wenig um die Gegend um ihn her. Er war in seine eigenen Gedanken vertieft und diese waren, wie man aus dem Charakter und der gegenwärtigen Stellung des Mannes schließen konnte, sehr angenehm. Ein ziemlich scharfer Ritt von zwei Stunden brachte Lowder nach Glocester. Er ging in einen Gasthof, stellte dort sein Pferd ein, schlenderte dann auf die Straße hinaus und erkundigte sich nach dem Wegs zum Postamte. Als er bei demselben angelangt war, blieb er einen Augenblick stehen, um seinen Rockkragen hinaufzuschlagen, so daß der untere Theil seines Gesichtes verborgen blieb und sich die Mütze so hinunterzuschlagen, daß seine Stirn sammt den Augen vollkommen bedeckt war. Da der Tag sehr unfreundlich und düster war, fielen diese Veränderungen in seinem Aeußeren gar nicht auf und überdies hatte er sich durch dieselbe gänzlich unkenntlich gemacht. Er trat in das Bureau ein, wo die Briefe ausgegeben wurden und fragte mit heiserer, verstellter Stimme nach einem Briefe für John Harrville. Wie Lowder es erwartet hatte, war ein Brief für ihn da. Er nahm denselben und eilte damit wieder in die kothigen, nebligen Straßen hinaus. Ein kleiner, ärmliches Kaffeehaus, das sich in der Nähr befand, zog Lowder's Aufmerksamkeit auf sich. Er ging in daffelbe hinein und fand in einer entfernten, unbenutzten Ecke einen kleinen Tisch. Er setzte sich an denselben und bestellte sich etwa« zu effen. Während man da« Bestellte bereitete, öffnete er seinen Brief und überflog hastig den Inhalt. Er war von Palermo datirt und mit dem Namen „Palestro, Schreiber", unterzeichnet. Er war italienisch und schlecht geschrieben, aber e« gelang Lowder, denselben zu entziffern. Er berichtete, daß der arme, unglückliche junge Engländer Signore Lowder in demselben beklagens- werthen Zustande war, in welchem ihn Milord Tre- selino zuletzt gesehen hatte. Es bekommt ihn gar Niemand zu sehen, außer eine gutherzige Engländerin, die zweimal bei ihm war, und welche, wie es heißt, auch wahnsinnig fein soll, die Aermste. Er hatte nur ein einziger Mai das Vorgebirge verlassen 278 ihr, wä sie To das Hal nu der schau! war der e heiter graue lächrl 6 griff Peits aber wie l fühl ein s. wenn Man als i Ihr Hau! schwl da« Toch ich e wert Euch heirc siegt cber mdr Ihr war heir zu i Hüt Dm thig Bla faß! seh, tröf den Uns Val zuu f'g Wo und Lei dieser Gelegenheit hatte ihn Signora V'clni zur Grotte der heiligen Rosalia gebracht. Aber die Pilgerfahrt hatte ihm nicht gut gethan. Nicht ein. mal eine Berührung der Reliquien konnte ihm helfen. Er war immer still und traurig und vollständig blödsinnig I Dies war der Hauptinhalt des Briefes. Ec schloß mit einer überschwenglichen Erklärung von der Ergebenheit und Treue des Schreibers. Ein finsteres Lächeln leuchtete in Lowder's Ge- sicht, als er diesen interessanten Brief zu Ende gelesen. „Alles geht gut", dachte er, und das Herz schwoll ihm in der Brust mit einem triumphirenden Gefühle. „Guy Tressilian ist so gut wie todt, und ich stehe fest aus feinem Platzei ycfc bin der Erkannte Erbe eines stolzen, alten Namens und einer großen Besitzung I Wenn Sir Arthur diese Nacht stürbe, würde ich Sir Guy Tressilian sein. Ich kann sehin, daß Blanche enöthet und wzittert, wenn ich näher komme. Sie wird in meine Arme sinken, wenn ich um sie werbe, wie schüchtern, stolz und bescheiden sie auch ist. Und ich will sie noch heute darum bitten. Ich möchte wiffen, was sie sagen würde, wenn sie wüßte, daß sie von zwei Männern geliebt wird — wenn sie wüßte, daß Sir Arthur sie heimlich liebt!" Seine Lippen verzogen sich zu einem cynischen Lächeln. In diesem Augenblicke wurde ihm die bestellte Erfrischung gebracht. Er trank nur ein Glas Bier, ließ olles Andere unberührt stehen, bezahlte seine Zcchr und verließ das Kaffeehaus. Etwas weiter unten an der Straße befand sich eine Papierhandlung- Lowder begab sich in dieselbe und ersuchte um Schreibmaterialien. Dann schrieb er in dem an die Popierhandlunz stoßenden Comtoir eine Antwort auf den Brief seines sicilianischen Verbündeten. Diese Antwort war kurz und mit virstellter Schrift geschrieben. Er lag nicht in Jasper Low- der's Natur, sich in irgend einem Punkts eine Blöße zu geben. Ec wollte jede Möglichkeit verhüten, daß seine Correspondenz aurgespürt w rden könnte. Nn« glücklicher Weise schätzte er die Verschmitztheit und Schlauheit des hinterlistigen Sicilianer« nicht nach i^rtm vollen Werths. Sein Brief, in welchem er Palestro und den Vicini's dis größte Sorgfalt und Wachsamkeit für ihren unglücklichen Pflegling aufgab und worin er sein Versprechen der reichlichen Bezahlung für aur- sührliche und fleißige Berichte über den Zustand Jasper Lowdcr's wiederholte, war bald vollendet. Er unterschrieb sich als John Horrville, versiegelte den Brief und gab ihn dann auf die Post. Dann kehrte er in den Gasthof zurück, wo er sein Pferd eingestellt hatte, bestieg daffklbe und war bald in bester Saure auf dem Heimwegs nach Tressilian-Hof. Alles war bisher gut gegangen. Er hatte noch keine Klippen auf dem Wege der Schuld gesunden, welche sein findiger Geist und sein rücksichtsloser Wille nicht zu besiegen im Stande gewesen wären. „Und jetzt gilt die Loosung: Tressilian.Hof und Blanche I" dachte er, als er die Stadt verließ. „Ich muß mich mit meiner Bewerbung beeilen. Ich bin ungeduldig, das holdselige, goldlockige Mädchen meine Gattin zu nennen. Mein romantischer Papa hat mir das Feld geräumt. Ich habe nichts zu thun, als zu kommen und zu siegen. Ehe der Tag um ist, muß ich Bräutigam dieser reizenden, kleinen Erlin sein." — Er erreichte das Dorf Ardleigh zur rechten Zeit und sprengte goloppirend der Straße zu, die nach Tressilian-Hof führte. Er war noch nicht weit gekommen, als er einen kleinen Korbwagen einholte, der denselben Weg zrrücklegte. Dieser Wagen wurde von zwei feurigen, schmerzen Ponries gezogen. Auf den blaue» Seidenk ssm desselben saß die reizende Blanche Jcky und hielt die Zügel in ihren mit weißen Handschuhen bekleideten Händen. Sie war ollein in dem Wagen, aber ein Reitknecht zu Pferde folgte in einiger Entfernung. Der Morgen war noch grau und neblig, aber als Lowder das junge Mädchen erkannte, erschien ihm die Lust plötzlich Hill und sonnenklar. Er ritt an ihre Seite und lüstete höflich den Hut. „Dies ist ein unerwartetes Vergnügen, Blanche", sagte er fröhlich. „Habt Ihr mich gesucht?" „0 nein, durchaus nicht", entgegnete Blanche, ihn mit schelmischem Lächeln begrüßend. „Bildet Euch nicht ein, daß Ihr von solcher Wichtigkeit seid, Master Guy. Ich war in Ardleigh. Und Ihr, wo seid Ihr gewesen, H-rr Ritter?" „Ich habe einen Spazierritt längs dem Flusse gegen den Wald von Dean zu gemacht", erwiderte Lowder. „Ihr wäret verschwunden, sonst hätte ich Euch gebeten, thetlzunehmen. Ich glaube, mein armes Pferd ist müde." „Das ist's auch", sagte Blanche. „Wellt Ihr nicht mit mir nach Hause fahren? Der Reitknecht kann Euer Pferd führen." Die Einladung war gerade das, was Lowder wünschte und er nahm sie sofort an. Er stieg vom Pferde, übergab es dem Reitknecht und nahm dann an Blanche's Seite Plotz. Die Ponntes fingen sofort wieder an, im Trabe zu gehen. Als Jasper Lowder so nahe neben Blanche saß und ihr Athem ihn fast berührte, als er sich zu ihr neigte, da fühlte er sein Herz erbeben, und die Versuchung übermannte ihn, sein Geschick gleich kennen zu lernen. Der Reitknecht saß rückwärts und entfernt genug, um nichts hören zu können. Sonst war die Straße ganz öde und menschenleer. Auf der einen Seite leg der Tressilian-Park, auf der anderen Felder und eine junge Anpflanzung, die ebenfalls zu dem Guts gehörte. Sie waren in dieser stillen Novemberlandschaft ebenso verlassen, als ob fie sich in dem Empfangszimmer des Herrenhauses befänden. Jasper Lowder wandte sich plötzlich um und 279 schaute voll in das schöne Grsicht Blanches. Es war kein stolzes, leidenschaftliches Gesicht, wie das der edlen Olla Rymple; er war schön und zart uno heiter, aber es lag auch Geist in den großen, grauen Augen und Festigkeit um den holdselig lächelnden Mund. , , Einem unwiderstehlichen Impuls gehorchend, ergriff Lowder die zarte, weiche Hand, welche die Peitsche Kielt. Blanche entzog sie ihm nicht, schaute aber auch nicht ouf zu ihm; aber Lowder fühlte, wie ihre Hand in der seinigen zitterte und ein Gc- fühl der Gewalt über sie machte ihn plötzlich kühn. „Blanche", sagte er sanft, „diese Eure Hand ist ein Preis, um den ein Fürst werben dürfte und wenn Euer Herz diefelbe begleitet, so wird der Mann, den Ihr damit auszeichnet, glücklicher fein, als irgend ein Fürst. Ich habe Euch gesagt, daß Fhr mir während meiner langen Abwesenheit vom Haufe stet» als das Ideal edelster Weiblichkeit vor- schwebtet. Ich kehrte heim, voll Bewunderung sür das junge Mädchen, welches mein Vater wie feine Tochter liebte: aber, um die Wahrheit zu glichen, ich erwartete nicht, daß diese Bewunderung zur Liebs werden sollte. Ich glaubte sicher zu sein, daß ich Euch nie so lieben werde, wie man liebt, um zu heirathen; doch der erste Blick in Eure Augen besiegte mich. Ich habe viele reizende Frauen gesehen, ober keine war so reizend, als Ihr. Ihr kennt meines Vaters Pläne für unser Glück, holde Blanche. Ihr wißt auch, daß es der Wunsch Eures Vaters war, daß Ihr den Sohn Sir Arthur Tresfilian's heirathen sollt?" Da« Mädchen senkte den Kopf, um ihr Erröchen zu verbergen. Nur die Spitze ihres kleinen, weißen Hütchens war für Lowd-r's glühende Blicke sichtbar. Durchaus nicht zurückgefchreckt, sondern eher ermu« thigt, fuhr der Betrüger fort: „Jung wie Guy — jung wie ich auch war, Blanche, hatte er eint große Vorliebe sür mich ge faßt und äußerte ost den Wunsch, daß ihm die Vorsehung einen solchen Sohn hätte geben sollen. Ec tröst te sich mit der Hoffnung, daß Ihr eines Tages den Erken von Trefstlian-Hof heirathen werdet. Unsere Hetrath ist der sehnlichste Wunsch meines Vaters; und ich, Blanche", - er senkte seine Stimme zum zärtlichen Fl-Herr herab — „muß ich es erst f 'gen, wie sehr ich mich sehne, Euch mein zu nennen? Wollt Ihr mir diese kleine zarte Hand geben, Blanche? Wollt Ihr mich heirathen?" Eine nie gekannte Glückseligkeit bemächtigte sich ihrer. Dieser edle Guy, dachte sie, der würdig wäre, eine Prinzessin zu heirathen, liebte sie! War sie jemals so glücklich gewesen? „Sprecht, Blanche", fcg’e Lowder in angstvoll m Tone, denn ihr Schweigen beunruhigte ihn. „Sagt, daß Ihr mich liebt — daß Ihr mein sein wollt." Sir legte die kleine Hand, die sie ihm entzogen hatte, sanft in die seinige zurück. Und einige Minuten später fchaute da» reizende Gesicht, von glühender Röthe übrrgoffen, zu ihm auf, und in den glückselig strahlenden Äugen und von den zuckendett Sippen tas Jaspir Lowder seine Antwort. „Ihr li-bt michl" rief er entzückt. Und das Mädchen antwortete in kaum vernehmbarem Flüstern: „Ja, Guy!" Jasper Lowder ergriff ihre Hand in höchstem Entzücken. Er hatte Guy Trefsilian Heimaih, Freunde, Stellung und dis Liebs eines edlen Vaters geraubt. Und nun hatte er ihm auch die Lieb- gestohlen, d?s n diesem edlen und reinen Herzen für Gny Tcesfi- lian groß gezogen worden war. Falscher Freund! W-lcher Verrath konnte schänd- licher sein, al« dieser? Er sehnte sich danach, da» Mädchen iUtn Verlobnngskuste in sein- Acme zu Meßen und versprach sich diese Wonne lei seiner Ankunft auf dem Schlöffe. Jetzt gab er sich damit zufrieden, ihre Hand in warmem Drucke festzuhalten. „Mein! mein!" flüsterte er. „Dieser Augenblick belohnt sür Aller!" „ Er meinte vielleicht für all' die Schlechtigkeit und Grausamkeit und für den schändlichen Verrath, den er an einem Menschen ausübte, welcher ihn w>s ein Bruder geliebt und ihm vertraut hatte. „Ihr liebt mich, Blanche?" flüsterte er in freu- digew, entzücktem Tonr. „Ja, Guy", stammelte das junge Mädchen mit niedergeschlagenen Augen. „Ich habe Euch immer geliebt! Sir Arthur hat mir viel von Eurem Mathe und Eurer Hochherzigkeit erzählt, daß ich Euch schon seit Jahren liebte!" Lowder's Gesicht umwölkte sich. Diese Liebe ge- hörte also nicht ihm — war nicht durch sirre Blicke und s in Lächeln entstanden, sondern sie gehörte Guy — dem armen blödsinnigen Guy. Die Eat- deckung war ein bitterer Tropfen, der sür den Auzm- blick seine Glückieiigkeit trübte. „Ich habe nie einen Anderen geliebt, al» Euch, Guy", sagte Blanche sanft und schüchtert. „Und Ihr, hobt Ihr nie zuvor geliebt?" Ihre Augen waren noch immer niedergeschlagen und sie sah nicht, wie seltsam sich Gy's Gesicht veränderte, Ihre unschuldige Frage brachte ihm einen Thril seiner Vergangenheit zurück, den er gerne für immer aus seinem Gedächtnisse verbannt hätte. Sin anderes Gesicht schien sich zwischen ihn und seine neue Liebe zu drängen — das Gesicht Derjenigen, der er unter Frau Hefter Lowder g - schrieben hatte. _. Ein geisterhaftes Lächeln spielte um seine L pp w, als er antwort« te. , _ - „Nein, Blanche, ich habe nie zuvor gesiebt. Es muß ein günstiges Geschick gewesen sein, das mem H r; sür Euch frei gehalten hat! Kein anderes Weib hat je meine Küste cus ihren Lippen gefühlt! Kein anderes We b hat mir bisher Inter, ff; ein- geflößt. Das Geschick hat uns Beide für emander bestimmt!" ~ , -. Blanche versank in ein seligrs Stillsq weig-n. Die Zügel lagen schlaff in ihrer Hand und die Ponnies, 280 welche sich nicht angefeuert fühlten trabten langsam weiter. Und Blanche, die mit ihren eigenen ®o danken beschäftigt war, hielt sich für das glücklichste Mädchen der Welt. Lowder war nicht weniger glücklich. Seine erwachenden Erinnerungen begrub er auf's Neue und machte Pläne für eine. Zukunft^ voll , Wonne und seliger Freuden. Plötzlich hielten di« Ponnies vor dem Parkthore des Trefsilian-Hofes und nachdem das Gitter geöffnet worden, fuhren sie rasch die Allee entlang, dem Her« renhauie zu. „Ihr habt mich sehr glücklich gemacht, Blanche", sagte Lowder. „Wie sich mein Vater freuen wird!" und seine Lippen zuckten eigenthümltch. Blanche'S Gesicht leuchtete. „Der gute Onkel", sagte sie sanft, „er wird sich sehr freuen." „Noch eins, meins süße Blanche", sagte Lowder. „Ihr werdet mich nicht zu einem langen Brautstande verurtheilen. Ich sehne mich darnach, Euch bald meine Gattin zu nennen. Können wir nicht am WeihnachtStage heirathen? Bedenkt, wie glücklich ich damit wäre und wie sich mein Vater freuen würde!" „Es ist unmöglich", erwiderte Blanche erröthend. „Ganz unmöglich, Guy. Ich kann bis dahin nicht mit Allem fertig werden." „So werden wir uns also im Januar vermählen, Blanche!" flehte er. „Ah, das ist auch zu schnell!^ (Fortsetzung folgt.) Ham, Ham!! Etwas von der transatlantischen Reklame von Hugo von K up ff er. (Schluß.) Grundidee ist: „Du sollst und mußt trinken, und je befferen lunch ich Dir gratis biete (manche Wirthe, namentlich in den Weststaaten, sind in diesem Punkte wahrhaft splendid), um so eher und um so öfter wirst Du mein Lokal mit Deinem Besuche beehren." Daß die Suppen meist sehr salzig und sehr gepfeffert sind, nun das ist ja doch nur — reiner Zufall. Die interessanteste Reklame jedoch, diejenige, welche die geistreichsten Kabinetstückchen geschäftsmännischen Erfindungsgeistes aufweist, ist die selbstständige Zettel-, Brochuren- und Kalender- Reklame. Wenn man in der Mittagsstunde den Broadwey in Rew-Dork hinuntergeht, etwa den Union-Square bis nach dem Battery Place, dann kann man sich der zahllosen Zettel, Kästchen, Bilder und Brochuren, die einem an jeder Straßenecke in die Hand gesteckt werden, kaum erwehren. Es grenzt natürlich an Unmöglichkeit, die verschiedenen Arten dieser Reklamezettel und Traktätchen, die nicht selten von Geist, Witz und trefflichem Geschmack zeugen und oft keineswegs werthlos sind, hier vor das große Publikum zu bringen. Manche Firmen geben regelmäßige Wochenblätter aus. Der große New-Dorker Schneider N i c o l l, dessen Firma in der ganzen Stadt zerstreut ist, vertheilt ein Monatsblättchen mit oft recht guten Witzen und prächtigen Silhouetten, in denen er bekannt macht, daß „geschätzte Beiträge nach der Elle bezahlt werden." Ho st et ter, der „berühmte" Ersinder des nach ihm genannten Magenbitters, wirft alljährlich viele Tausende illustrirte Familienkalender in verschiedenen Sprachen auf die Straße heraus , deren Blätter mit Anekdoten und Witzen gespickt sind und in gleichmäßiger Vertheilung geschickt abgefaßte Reklamen für das koübare Arkanum enthalten. Oder man erhält den Text eines beliebten Volksliedes, eines populär gewordenen Couplets, das auf allen „Variety-Bühnen" gesungen wird. Man freut sich wirklich darüber, hat man doch oft die Melodie vor sich hingesummt ohne die Worte genau zu kennen. Auf der Rückseite des Blattes steht natürlich deutlich genug, daß Callahaw auf der Bowery der beste und billigste aller Hutmacher ist. Der Mann hat uns einen Gefallen gethan — also, wir gehen bei nächstem Bedarf zu Callahaw. Er hat seinen Zweck erreicht. Eine zweifelhafte Errungenschaft ist , daß das Reklamefieber in Amerika bis hinein in die Schichten der „Reverends", der ehrwürdigen Geistlichkeit gedrungen ist. Daß man täglich Anzeigen findet, wie: Taufen und Trauungen werden billigst in und außer dem Hause ausgeführt: für Unbemittelte gratis, Pastor N. N., nun das ist sehr gewöhnlich. Jnter- effanter ist es, zu bemerken, wie verschiedene Kirchengemeinden für ihre Gottesdienste Propaganda machen. Die vom Wege abirrenden Schafe werden durch folgende (Tageblättern New-Yorks und Brocklyns entnommene) verlockende Bekanntmachungen zur Teilnahme an den betreffenden Gottesdiensten aufgefordert: „Fremde willkommen. Sitze gratis." „Fünfhundert junge Leute für diese Gottesdienste gesucht." „Höfliche und aufmerksame Platzanweiser." „Gesangbücher für Alle!" „Keine Kollekte!" (vermuthlich sehr wirksam!) „Predigt nur 15 Minuten (!)" „In der Willostreet-Methodist Church wird die Predigt durch prachtvolle Gemälde illustrirt." „In der Church of the Holy Spirit wird für Musik ersten Ranges garantirt." „In anderen Kirchen wird auf die Mitwirkung besonders interessanter Persönlichkeiten aufmerksam gemacht, wie: „Miß Wilson, Schwester des verstorbenen Pastors Bliß und Mr. Miltauer, Cornelist." Andere Magnete sind: „Eine interessante Temperenz-Dame," „Hagem, der bekehrte Spieler!" u. s. w., während eine Brooklyner Kirche bekannt macht, „daß vier Studenten der Theologie vom Drew-Seminär am Morgen anwesend seien und Abends den Gottesdienst leiten werden." Also bis ins Gotteshaus die große Trommel der Reklame! Gott sei Dank! So weit haben nur es noch nicht gebracht und die Alte Welt darf der Neuen ruhig den Triumph lassen, auf diesem Gebiet Siegerin geblieben zu sein. Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. «hr. Pietsch) in Güßen.