- Blicke er. : Liebe ein fin Albany m fernsten ugen sahen i auf dem gemeiselten dlung, wie übern ver. Zone stolze r über ihn hn lächelte, h und ver- der er. itlich jühlte Villenskraft den er sich :ine Folter- ersuchr auf und Seele lame ganz st für diese erwein der i ertränken i Vergessen es — jene rchsn, mit stcr seinen n«r Gegen- er trotzdem olze Stirn ien Glücks nicht, das m wurden o elastische langsam, wenn sie t UNS der oänder die ne in dem strahlende ille der ge« ten — der !S nimmer ; er selber, jühlte, wie rstdigungin als ob fie Hießener Jamilienblätler. Belletristisches Beiblattzum Gießener Anzeiger. Nr. 19. Dienstag den 14, Februar. 1888. Die verkorene Mißet. Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartnrann-Plön. (Fortsetzung). Meine Schwester rang mit einer Ohnmacht, und war nicht im Stands ein Wort zu sprechen. Ihr Gemahl aber drehte sich auf der Schwelle noch einmal um und sagte mit scharfer Stimme: »Es muß Dir doch gerade klar geworden sein, daß wir nicht mehr zu einander paffen, daß wir nicht mehr miteinander leben können. Ich meinerseits habe eine unüberwindliche Antipathie gegen kranke, nervöse Frauen und kann in deren Nähe nicht athmen. Mit Aufgebot aller Kraft habe ich es ermöglicht, nmlich eine kurze Zeit neben Dir auszuhalten und freundlich zu erscheinen, den Zweck hast Du richtig erkannt, ich wollte mir dis Mittel verschaffen, ein unabhängiges Leben führen zu können, der Versuch ist aber, wie ich Dir schon mitgetheilt habe, mißglückt. Jetzt bietet fich mir eine andere Gelegenheit dar, diesen von mir ersehnten Höhepunkt zu erreichen. Dazu aber ist es nöthig, daß wir ein Band trennen, das für uns Beide gleich drückend geworden. Ich allerdings kann die gerichtliche Scheidung unserer Ehe nicht beantragen, denn ich habe Dir nichts vorzuwerfen und das Gesetz verlangt einen stichhaltigen Grund, Du aber kannst den Antrag stellen und Du kannst mir nachsagen, was Du willst, wenn ich nur von dieser Kette befreit werde. Ich habe nämlich in Monaco eine russische Gräfin kennen gelernt, fie ist nicht mehr ganz jung, aber immerhin noch ganz hübsch, und für jedes Jahr, das fie nach meinem Geschmack zu viel hat, kann fie eine Million in dir Wagschale legen. Diese Gräfin hat fich, nun, ich darf es wohl aursprechen, in mich verliebt und ich werde mich mit ibr und ihren Millionen vermählen. Ich gelte in Monaco für einen reichen Mann, weil ich an der Bank mit Tausenden umherwarf, und Niemand hat eine Ahnung, daß ich mich bankerott gespielt und daß die Summe, die ich für das rubinenbesetzts Silber diesrs Einbandes erhalten werde, meine ganze Habe ist, womit ich aus's Neue das Rouletts befragen werde. Wenn Du also in die Scheidung willigst und beim Gericht die einleitenden Schritte unternimmst, so verspreche ich Dir, daß ich Dir späterhin eine Absindungs- summe übermitteln werde, die Dir einen ausreichenden Lebensunterhalt gewährt- Was hast Du mir darauf zu erwidern?" Meine Schwester hatte sich gefaßt und erhob sich langsam aus ihrer Sophaecke. Er war mir unbegreiflich, woher sie, die seit dem Eintritt ihrer Krankheit bei jeder Erregung sogleich leidenschaftlich aufloderte, in diesem Augenblick die Rahe nahm, mit der sie ihm antworte e. In eiskaltem Tons mu mit einem Gesicht, in dem sich verletzter Stolz und zugleich tiefe Verachtung aussprach, sagte fie zu ihm: „Was ich Dir zu erwidern habe? Du sollst es hören! Wie sehr ich Dich früher geliebt, mag Dir nicht allein der Umstand beweisen, daß ich Dich all' den vielen reichen und zum Theil hochgestellten Bewerbern um meine Hand vorgezogen, sondern daß ich Dich wählte, trotzdem Da mir mit triumphirender, cymscher Offenheit einen kur zuvor begangenen Schurkenstreich bekanntest. Du sagtest mir zwar, daß Du ihn aus Liebs zu mir, aus Eifersucht vollführt — und ist es zu faffen, daß ich in meiner verliebten Verblendung sogar darüber gerührt war und zu keiner weiteren Schlußfolgerung gelangte? Die Strafe für die wahnsinnige Verirrung meines Herzens hat mich ereilt. Du trägst mir die gerichtliche Scheidung an und hast die Stirn, mir von dem Gelbe Derjenigen, die Du ehelichen willst, eins Abfindungssumme anzubieten? Nein, so schamlos ist noch kein Weib von ihrem Gemahl erniedrigt worden und für. diese Beschimpfung will ich mich rächen! Trotzdem ich nur noch Widerwillen gegen Dich empfinde, trotzdem ich aus tiefstem Grunde meiner Seele Dich Haffe und verachte, verweigere ich die Scheidung, und Deine Strafe für alle Leiden und meine Rache soll sein, daß Du, so lange ich lebe und athme, mit dieser Kette umherlaufen wirst, ohne fie zerreißen zu können, denn keine Macht kann mich, den unschuldigen Theil dieser Ehe, zwingen, meine Einwilligung zu geben, daß sie gelöst werde, und in dem gremenlofen Eiend, in »das Du mich gebracht, soll mir der Gedanke ein Trost und eine Erquickung sein, daß ich einem Ungeheuer in Menschengestalt seine glänzende Zukunft vernichtet habe." Dar Gesicht meines Schwagers wurde bei den letzten Worten erdfahl, die Augen erweiterten sich und starrten mit einem fürchterlichen Ausdruck auf die Sprecherin, er machte eine Bewegung, als wenn er sich auf seine Frau losstürzen wolle, um vielleicht schon in diesem Augenblick durch einen gewaltsamen Act die Kette zu sprengen; doch schien er zur Be- stnnung zu kommen, wie gefährlich ein solcher für ihn selbst werden könne, aber über die blutlosen 74 Sippen kam es jetzt in Zischlauten hervor: Weib! widerrufe bas, oder es giebt ein Unglück! Denn wifle, ich will von Dir frei werden, sei es auf die eine oder die andere Art. Ich gebe Dir drei Tage Bedenkzeit — wir sehen uns wieder! Darauf verschwand er aus der Thür, meine Schwester aber sank ohnmächtig nieder und lange währte es, ehe ich sie wieder ins Leben zurückrufen konnte. f* ßAm andern Tage kam ein Brief von ihm. Der Inhalt war wiederum ein Meisterstück von Lüge und Falschheit. Er bat sie darin, sie möge ihm glauben, wenn er ihr sage, daß Alles, was er ge- than, nur in der Verzweiflung geschehen sei. Er liebe meine Schwester noch eben so sehr, wie am ersten Tage ihrer Bekanntschaft, aber es sei ihm unmöglich, in ärmlichen Verhälüffsen zu leben, er würde darin wahnsinnig werden und um sich daraus zu befreien, zu einem Selbstmord schreiten. Sie solle sich doch die Mühe geben, sein Inneres zu be- greifen, wie eine fast krankhafte Manie, auf dis Höhe des Reichthums zu gelangen, es durchziehe, und wie all' feine Handlungen, die, er wiffe es selbst, theilweise verwerflich wären, aus diesem rastlosen Streben entsprängen. Jetzt böte sich eine Ge- legenheit, das Endziel all seines Ringens zu erreichen und nun beschwöre er sie, in die Scheidung zu willig n. Er habe sicher nicht die Absicht gehabt, sie zu demüthigen und zu beschimpfen, als er ihr eine Abfindungssumme angeboren, er habe es nur gethan, um ihr eine sorgenfreie Zukunft zu bereiten. In diesem Tone war die sechs Seiten lange Epistel abgefaßt. Daß meine Schwester auf diesen Brief gar nicht antwortete, war begreiflich. Drei Tage später hatte ich das Haus verlaflen, um das einzige Schmuckstück, das sie vor ihrem Gatten gerettet, zu verkaufen» da wir keinen Thaler baaren Geldes mehr im Besitz hatten. Als ich zu- rückkam, fand ich meine Schwester in der furchtbarsten Aufregung. Ihr Gemahl war abermals dort gewesen. Noch zitternd an allen Gliedern erzählte sie mir, daß er bald nach meinem Weggangs gekommen und Anfangs liebevoll und herzlich ge- wesen sei. Sie habe auf seine Bitten, die er vor einigen Tagen schriftlich an sie gerichtet und jetzt mündlich wiederholte, 'schroff und ablehnend geantwortet. Als er endlich gesehen, daß alle seine Anstrengungen vergeblich waren, da habe er die Maske abgerissen, einen Revolver aus der Tasche gezogen und mit wilder Mene ausgerufen: „Ich gebe Dir vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit, und so wahr ich vor Dir stehe, wenn Du dann noch bei Semem Nein beharrst, so erschieße ich erst Dich und darauf mich, denn wenn Du mir durch Deins Hartnäckigkeit den Weg zu dem Rsichthum der russischen Gräfin versptrrft, so bin ich verloren Md es bliebe mir nichts anderes Übrig, als Zins Kugel durch mein Geb rn zu jagen; aber muß ich ins Grab sinken, so shsist An mit hinab! Morgen um dich Zeit komme ich wieder, und wehe Dir und mir, wenn Du wie heute widerstrebst! Mit diesen Worten eilte er rasch aus dem Zimmer. Mochten nun feine Drohungen ernst gemeint fein oder nicht, meine Schwester war durch sie in eine fürchterliche Angst versetzt und sie bestürmte mich» sofort zu entfliehen und die Stadt zu verlaflen. Meinen Vorschlag, bei der Polizei die Anzeige zu machen und von ihr sich Schutz zu erbitten, verwarf sie, da sie nichts so sehr verabscheute, als einen öffentlichen Scandal. So packte ich denn Alles, was noch nicht verpfändet war und uns gehörte, in mehrere große Kisten und Abends um elf Uhr fuhren wir mit der Bahn ab und langten gegen Morgen in dieser Stadt an. Wir bezogen eine bescheidene Wohnung, gaben uns andere Namen, um nicht von meinem Schwager entdeckt zu werden, und sobald wir nur eingerichtet waren, ging ich auf die Suche, um etwas zu verdienen, denn wenn irgend möglich, wollte ich das Geld, das wir für das Armband erhalten, für unvorhergesehene Fälle reserviren. Lange währte es, ehe ich in der mir fremden Stadt, wo mich Niemand kannte, eine Stellung fand, die einen Lohn abwarf. Um Klavierunterricht zu geben, I spielte ich nicht fertig genug; wohl hätte ich im Englischen und Französischen unterrichten können, ich beherrschte so ziemlich beide Sprachen, aber wo ich mich bewarb, wies man mich ab, und zumeist sicherlich meines so wenig mich empfehlenden Aeußeren wegen. Aber wir sollten doch l eben und da blieb mir nichts anderes übrig, als in untergeordneten Verhältnissen für das tägliche Brod zu arbeiten. Wohl ward es mir im Anfang schwer, darin aut» zuhalten, denn wir hatten eine gi te Erziehung genoffen und das Zusammenleben mit ungebildeten, zum Theil rohsn Genossinnen war nicht erquicklich, aber woran gewöhnt der Mensch sich nicht schließlich I Leider ist meine Schwester nicht im Staude, mit ihren zitternden Händen auch nur die kleinste Arbeit zu verrichten, wodurch unsere Einnahme, wenn auch nur um ein Geringes erhöht worden wäre, und wenn Sie nicht, Herr Geheimrath, nachdem sie zufällig erfahren, daß ich eine kranke Schwester zu ernähren habe, großmüthig meinen Wochenlohn um ein Beträchtliches vergrößert hätten, so wäre es uns unmöglich gewesen, die großen Summen zu erübrigen, die wir Jahr ein Jahr aus dem Arzt und Apotheker bezahlten mußten. Unser Nothpfennig, der Erlös aus der reichhaltigen, kostbaren Garderobe meiner Schwester war schon dafür hingegangen! Seit einem Jahre, wo die Kranke keinen Tag mehr ohne beruhigende Medicin fertig werben kann, reichte auch der Zuwachs zu meinem Gehalte nicht mehr und wir sahen uns genöthigt, die akademische Poliklinik in Anspruch zu nehmen. Jetzt wird meine Schwester von einem Studirenden der Medicin ärztlich behandelt und zwar unentgeltlich und auch die Medikamente erhalten wir frei. Ihr ganzer Zustand hat sich in der letzten Zeit bedeutend gebeffert, und nun drückt mich die Sorge, daß die Aufregung, in der sich dir Unglück wieder Ich daß ich genomi umstän laubt, No Schwef sie geti sie beh sich be selben elntretf sucht j es wü schmack Jahre: flehe 1 wehrlo fürchte nachric und i wenn stören „e „werbt vor di bin I theilne für I! D Aufmt zählm berfell Schm Künsi eine ; deren sich f< Gesch hatte doch ir miede n etwa einer an n gebet mahl dem halb oder hebe 75 Gin altes Lied. Novellette von Elise Polko. mehr am Leben oder mit derselben einverstanden fei. Nun war guter Rath theuer. Nach der ersten Aufforderung hatten wir uns schweigend verhalten, nach der zweiten loderte der Haß in meiner Schwester wieder hell empor, sie wollte von ihrer Rache nicht lassen, ihr Gatte sollte die Kette, von der er sich befreien wsllte, weiter schleppen. Meine Schwester kam selbst auf den Gedanken, ohne Angabe ihres Domicils an das betreffende Gericht zu schreiben. In diesem Briefe schilderte sie die Verhältnisse ziemlich genau und sprach mit aller Bestimmtheit aus, daß sie niemals in eine Scheidung willigen würde. Sie schickte das Schreiben an unfern Bruder in Hamburg mit der Bitte, daffelbe dort auf dis Post zu geben. Was danach nun geschehen ist, haben wir nie erfahren, ob die Scheidung vollzogen ist oder nicht, wie denn überhaupt seit jener Zeit nie auch nur die kleinste Nachricht üb>r meincn Schwager bis zu uns gelangt ist. Ob er Europa verlassen, ob er noch lebt oder tobt ist, das wissen wir nicht, wenigstens waren wir bis gestern im Zweifel, nun will meine Schwester ihn ja gesehen haben — ach, wenn sie doch falsch gesehen hätte!" (Fortsetzung folgt.) tn Du wie lte er rasch tft gemeint urch sie in bestürmte r verlassen. Anzeige zn rt, verwarf als einen Alles, war ehörte, in Hr fuhren m Morgen bescheidene . nicht von md sobald die Suche, ib möglich, mband er- m. Lange Stadt, wo die einen zu geben, te ich im önnen, ich rer wo ich leist sicher- Aeußeren da blieb geordneten arbeiten. mrin auk- iehung ge- gebildeten, erquicklich, schließlich! ande, mit lste Arbeit nenn auch iäre, und m sie zu- ter zu er« llohn um ce es uns «übrigen, Apotheker Der Erlös e meiner eit einem ohne beichte auch lehr und Poliklinik Schwester behandelt nente er- t sich in un drückt : sich dir Unglückliche seit gestern befindet, alles Gewonnens $ wieder in Frage stellt. cm bitte um Entschuldigung, Herr Geheimrath, daß ich Ihre Ausmerksamk it so lange in Anspruch genommen und Ihnen unsere traurige Geschichte so umständlich erzählt habe, aber ich habe es mir erlaubt, weil ich Ihr menschenfreundliches Herz kenne! Noch bin ich der Ueberzeugung, daß meine Schwester sich geirrt und daß nur eine Aehnlichkeit sie getäuscht hat, wenn sie aber recht gesehen, und sie behauptet es mit aller Bestimmtheit, wenn es sich bestätigte, daß mein Schwager mit uns an dem- selben Orte weilt, und wenn dann das Entsetzliche eintreten sollte, daß er seine Eattin entdeckt, sie aufsucht und seine Drohungen von früher wiederholt, es würde sie tödien oder wahnsinnig machen. Ihrs schwachen Kräfte sind solchrn Scenen, wie sie sie vor Jahren erlebt hat, nicht mehr gewachsen. O, rH flehe Sie an, Herr Geheimrath — wir sind zwei wehrlose Frauen — schützen Sie uns vor diesem fürchterlichen Mann! Gestatten Sie mir, Sie zu bc- nachrichtigen, sobald wir Gewißheit erlangt haben, und darf ich Sie zu unserer Hülfe herbeirufen, wenn er Miene machen sollte, unseren Frieden zu stören ?" „Gewiß, liebes Fräulein", erwiderte Wolter, „werbe ich Alles thun, was ich vermag, um Sie vor diesem gewissenlosen Menschen zu schützen. Ich bin Ihrer Erzählung mit großer Spannung und theilnehmendem Interesse gefolgt und danke Ihnen für Ihr Vertrauen." Der Geheimrath hatte in der That mit größter Aufmerksamkeit und lebhaftestem Jntereffe dieser Erzählung zugehört. Mehrmals war ihm während derselben der Gedanke gekommen, ob wohl die Schwester seiner Arbeiterin, die frühere berühmte Künstlerin dieselbe sei, für die er in seiner Jagend eine Zeitlang regelrecht geschwärmt, und ob auch deren Gemahl ihm nicht unbekannt sei, ja, er hatte sich sogar die Frage nörgelest, ob er selbst zu dieser Geschichte in Beziehung stände, aber ebenso rasch hatte er diese Gedanken wieder verworfen, sie waren doch zu haltlos. „Haben Sie von Ihrem Schwager später nie wieder etwas gehört?" „Richt direkt, wohl aber indirekt. Wir waren etwa ein Jahr hier in dieser Stadt, als wir tn einer Zeitung von Gerichtswegen eine Aufforderung an meine Schwester lasen, ihren Aufenhaltsort anzugeben, und zwar zu Hern Zwecke, dis von ihrem Gemahl beantragte Scheidung an einem näher zu bestimmenden Termine zu verhandeln. Ganz dieselbe Aufforderung erfolgte ein Jahr später, jedoch mit dem Zusatz, daß, wenn meine Schwester nicht inner» halb einer festgesetzten Fr st ihren Wohnort angäbe öder gegen die beantragte Scheidung Einwand erhebe, "Letztere vom Gericht ausgesprochen werden Würde- Wem man «nnähme, daß sie entweder nicht (Fortsetzung.) Und endlich mußte sie kommen, jene Schreckensnacht voll Mondschein und Rosendufr, wo ihre kleine weiße Hand die Ketten zerriß, wo dir Wassertropfen . vom Springbrunnen das Kleid der Grüfia Albany näßten, als sie für immer aus dem Hause ihres Gatten floh und in den Schatten des Klosters der weißen Flauen flüchtete. Wie er flehte und tobte und wie wirkungslos seine Stimme verhallte an den Mauern ihres Friedensasyls. Aber auch später, als die schöne Frau, unfähig, die Trennung von Alfieri länger zu ertragen, die frommen Frauen verließ, die ihr den ersten Schutz gewährt, um sich wieder in das lärmende Getriebe der Welt zu begeben, blieb fie für ihn verloren, so energisch er sie auch zurückforderte. Sein Weib hatte sich unter den Schutz der Großherzogs von Toskana gestellt und wandte sich dann an ihren mächtigen Schwager, den Cardinal York tn Frascati, der ihr auf ihr flehendliches Bitten Die Erlaubniß des Papstes erwirkte, in Rom leben zu dürfen. Alfieri eilte nun zu ihren Füßen, aber die vor- nehme Gesellschaft wandte sich von den Liebenden, dis das Gesetz und die Kirchs nicht verbunden und nimmer verbinden konnte. Da war ja keine Frau, dis der blonden Deutschen den gefeierten Dichter nltzß 76 mißgönnt hätte und die römischen Damen waren e$, die den Cardinal 3)ot! bestürmten, seine Schwägerin zu veranlassen, das anstößige Verhältniß zu lösen und zu ihrem Gatten zurückzukehren. Ein Lächeln war die Antwort, als der gewandte geistliche Würdenträger der Gräfin Albany dieses Anliegen überbrückte. Von dem Manne sich trennen, der ihres Lebens Ödem geworden war, zurückzukehren in den Kerker der Ebe mit einem verhaßten Tyrannen — lieber sterben! Und sie würde in der That gestorben sein, gewaltsam ihrem Dasein ein Ende gemacht haben, wenn man sie gezwungen hätte, mit dem Letzten der Stuarts wieder zusammen zu leben. O» das Astes erfuhr er, das Alles sagte man ihm! Und so gab er ste denn mit blutendem Herzen frei und der heilige Vater sprach die Trennung der Gatten aus. Die Augen seines Herzens aber verfolgten fein ehemaliges Weib nach Paris, wohin str und Alfierie übersiedelten, jener leichtlebigen Hauptstadt der belle Prange, wo man das romantische Liebespaar mit offenen Armen aufnahm. Lethe — Lethe für den armen Einfamen! Er war nun allein, ganz allein, der kranke, gebrochene Mann. Wer half ihm? So fragte “er wieder und wieder in jener schlaflosen Nacht voll schwerer Erinnerungen, wo der Mondschein die verschwundenen Gestalten wach rief und der alte Springbrunnen das alte Lied rauschte: „Prince Charlie is my darling! “ Da plötzlich wehte es daher wie der Dust jener blauen Glockenblume des Heimathlandes, frisch und kräftig und doch so süß bedeutend. Es legte sich wie weiche Kinderhände auf seine schweren heißen Augenlieder und sie sanken über die Stuartaugen und in da« Summen des Springbrunnen spielte ein kurzer Traum. Mary war wieder bei ihm, die treue selbstlose Gefährtin des armen Verbannten, mit ihrem Kindrrlächeln und reichte iym einen Strauß der blue bells hin und flüsterte ihm zu: „Du sollst nicht mehr allein sein — rufe unser Kmd! Es lebt, um Dich zu trösten!" „Wie er da auffuhr, der Schlummernde, als das Morgenlicht strahlend oben hereinbrach. „Mein Kind, mein armes vergeffenes Kind!" rief er und richtete sich empor. „Meine Tochter, ich will meine Tochter bei mir haben! Und ich selber werde sie suchen in Paris und sie zu mir holen!'< Und etw'S von der alten Energie des Siegers von Pans schien über ihn gekommen zu sein und die Stuartaugen blitzten auf wie in jenen längst entschwundenen Tagen de» schönen geliebten Prinzen Charlie. Karl Edward gab . zum Erstaunen seiner Diener den Befehl, die Vorbereitungen zu einer Reise nach Paris zu treffen. — Es war das Einzige, was er von seinem Kinde wußte, daß es bei den barmherzigen Schwestern eines bestimmten Klosters der Rue St. Anne in der französischen Hauptstadt als Posiulatin lebte. In den ersten Jahren nach dem T.de Mary's hatte er sich von Zeit zu Zeit noch nach seiner Tochter erkundigen lassen — seit Erscheinung Louise Stolberg's hatte er sie und Alle, vergessen. Ach, er mußte seinen Befehl nur zu bald wieder zurücknehmen, wie durfte sein gebrechlicher Körper solch eine weite Reise wagen! So konnte er nur seinen alten vertrauten Secretär und Diener nach Paris senden, einen Schotten, mit einem Briefe voll inbrünstigens Flehens an sein Kind, daß er es zu sich rufe aus voller Seele, daß er einsam und Mflos, krank und gebrochen sei und untergehen müsse in jenem reißenden Strom, in den er sich ge- stürzt und der doch kein Lethestrom für ihn geworden sei, und daß er nimmermehr die Kraft habe, sich selber zu retten! — Ob sie wohl kommen würde, die Tochter seiner treuen Mary, zu dem Vater, der sie lange Jahre vergeflen?! Und nun begann eine Zeit des fieberhaftesten Hangens und Bangens, wo der arme Einsame die weiten Prachtgemächer seines verödeten Palastes langsam durchschlich, an den mächtigen Spiegeln vorüber, die seine kranke Gestalt, sein entstelltes Antlitz wie zum Hohne ihm immer von Steuern zeigten, jene Räume, die sein entflohenes Weid bewohnt und die sein Fuß seitdem nie wieder betreten und die er doch nun von Neuem einrichten ließ für sein Kack. Würde feine Jeanne jemals darin wohnen?! U-ib die Tage wurden so dunkel und die Nächte so end- los lang und die Flamme des Hoffens auf einen lebendigen irdischen Engel des Trostes erlosch immer mehr und wurde zu einem winzigen Lichtchen, da« der Wmd des Zweifels hin und her wehte, daß es jeden Augenblick zu erlöschen drohte. Auf dem Tische aber neben dem Sessel, in welchem der Letzte der Stuarts den größten Theil seiner Tage verbrachte und verträumte, lag eine neue Ausgabe der wunderbaren Verse des Dichters Vittorio Alfieri — und dann und wann griff eine zitternde Hand nach dem kostbar gebundenen Buche, um darin zu blättern und die müden Augen lasen und lasen — bis der Verlassene wild ausstöhnte und das Büchlein von fich schleuderte in namenloser Qual. Lethe! Lethe! Es kamen aber auch Stunden, wo ihn die blühende Schönheit jener Dichtungen, die alle jener Einen galten, berauschte, der Duft frischer Rosen und Orangenblüthen, und wo die Lippen derMuarts murmelten: „Sie gehörten zu einander — Er und Sie!" Und die Zeit schlich weiter und keine Kunde kam von Paris, von dem einzigen Wesen, das noch zu ihm gehörte auf der weiten Welt. Wenn sie nun gestorben, wenn sie zu ihrer Mutter gegangen wäre, um den Vater anzuklagen, der sein Kind vergessen?! Er fühlte, dann war er rettungslos verloren. (Schluß folgt.) Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen,