Hießener Isamilienbläller. Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger. mx 121, Samstag ben 13. October. 1888. L_IIWI «■!■—■■■■......... Hill IUI....... »Hl.....■■um III IIIIIIHIIHI Illi .......Wl «III HIIIMII I Im Kaufe Immendorf. | Original-Roman von Emilio Heinrichs. (Fortsetzung.) „Wie der Baron mir mittheilt, sagte Irmgard, zu Ulrike , gewandt, „so werden die höchsten Herrschasten unbedingt durch unsere Straße kommen, da bereits eine Ehrenpforte am Hohenthor erbaut wird. Wir »erden also zeitig genug auf eine würdige Ausschmückung unseres Hause» Bedacht nehmen müssen. Bedenke r» wohl, Ulrike, ich rede von einer solchen, welche des Freihrrrlichen Hauses Jmmendorf würdig ist, somit ebenso reich al» gediegen sein muß. Un. erhört, daß Ulrich gerade j-tzt verreisen mußte, als ob irgend etwas in der Welt für ihn wichtiger sein könnte, als die bevorstehende Feierlichkeit. Er kehrt doch bestimmt bis dahin zurück." „Ohne Zweifel, liebste Irmgard!" beruhigte Ulrike sie mit sanfter, schmeichelnder Stimme, ,rege $ Dich deshalb nicht auf, meine Schwester!" „Nun, ich w'll auch nicht befürchten, daß er so pflichtvergessen sein sollte", hustete Irmgard, nach Athem ringend, „als Erbe seiner Vater« muß er die fürstliche Bestallung de« freiherrlichen Ranges besitzen, muß al« Herr und Repräsentant de« Hauses Jmmen- dorf seine Schwester den höchsten Herrschaften vorstellen und ihr die ihrem Range zvkommende Stellung in der Gesellschaft verschaffen. Er muß sich alsdann eine Gemahlin au« ben adeligen Familien de« Landes erwählen —" „Wo möglich eine Millionärin", schaltete Hedwiga etwas ironisch ein. Die Kranke heftete ihren geisterhaft durchdringenden Blick auf die kühne Sprecherin und sagte mit scharfer Stimme: „Jawohl, meine Theure! — er fall da« Gold nicht gering schätzen, doch vor allen Dingen auf eine untadelige Geburt, einen ritterlichen Namen sehen, deren Vorzüge keine Million aufzu- ■ wiegen vermag. Sind Sie nicht derselben Meinung, । lieber Baron?" wandte sie sich an den etwas betreten dreinschauenden alten Herrn. „Allerdings, allerdings, Gnädigste haben stets recht!" stotterte der arme Lerchenheim. „Ich hoffe, Du wirst Dir diese Grundsätze recht fest einprägen, Hedwiga!" fuhr Irmgard nüch einer Pause hüstelnd fort, da Du vor Allen im Hirblick auf Deine —" „Theuerste Irmgard, Du regst Dich wieder zu sehr auf", unterbrach Ulrike sie mit sanfter, aber fester Stimme, „ich muß im Namen des Arztes diese« Thema untersagen. Auch sind wir", fuhr sie lächelnd fort, „so gänzlich van der Sache abgck^m- men, da wir die würdige Ausschmückung unseres Hauses bcrathen wollten. Selbstverständlich werden wir uns Deiner Ansicht unterordnen und unserer » alten Burg ein recht festliches Ansehen geben." „Gut, gut", nickte die Kranke zufrieden, „ich weiß, Du hast darin einen guten Geschmack, Ulrike, wenn sich derselbe auch hier und da verirrt hak, möchte Dir z. B. um ksinen Preis die Auswahl eine« Gatten für Hedwiga überlassen, nein, nein, um keinen Preis» Schwester Ulrike!" Diese erblaßte und v-rsuchte zu lächeln, während Hedwiga'« Antlitz von einer zornigen Gluth überzogen wurde, und ihre feinen Lippen sich ftst aufeinander preßen, um das heftige Wort zmüchvhrlten. Die Augen der Kranken aber wanderten von der einen zur andern und freuten sich, daß der Pfeil getroffen, die boshafte Bemerkung verletzt hatte. „Gemach", dachte Hedwiga, den Blick der Tante fest erwidernd, „über mich hast Du keine Gewalt, versuch' es nur, mein Glück zu vernichten oder mir einen Gatten auszwingen zu wollen." Tante Irmgard schien diese rebellischen Gedanken in ihren Augen zu lesen, um ihren Mund legte sich ein Ausdruck unbeugsamer Härte und Grausamkeit und ihr Blick funkelte unheimlich ro'e das phos« phorescirende Auge des Raublhiers. Hedwiga schauderte unwillkürlich zusammen, aber sie fürchtete sich nicht vor ihr. „Ja, was ich sagen wollte, meine Gnädigsten!" nahm der Baron, sich verlegen räuspernd, jetzt das Wort, „Sie werden selbstverständlich über meine schwachen Kräfte nach B<Üeb-n verfügen. — Sicherlich wird das gnädige Fräulein Hedwiga unter den Ehren-Jungfrauen der Stadt nicht fehlen, sondern — „Aber, lieber Baron!" unterbrach ihn Irmgard tadelnd, „Sie wollten doch wohl Ehren-Dam en sagen, rote?" Ulrike mußte ihre ganze Strenge ausbieten, um Hedwiga'« Heiterkeit bei diesen unerwaiteten Worten durch ihren Blick zu zügeln, während der Baron in eine grenzenlose Verwirrung gerteth und einige unzu- sammenhängende Worte, wie Uebereilung. alte Sitte, — untröstlich, — Verzeihung hervor stammelte. „Gewiß wird Hedwiga sich nicht von dieser Ehrenbezeugung aurschließen, falls man sie von zuständiger Seite dazu auffordern sollte", kam Ulrtke I ihm rasch zu Hülfe. „Nun ja", stimmte Irmgard gnädigst bei, „auch * ich hätte nicht« dagegen, voramgefttzt, wenn sich der thut mir weh. Doch warum ich Sie noch fragen wollte, — Sie find mit der Pflegetochter der Frau RegierungSräthin Dörner befreunbet, nicht wahr?" „Freilich, ist meiner lieben Magda etwas zu- gestoßen ?" „Das nicht, ich habe die junge Dams kennen gelernt, sie wird, wie ste mir heute selber mitgetheilt, eine der Ehren—" Er brach ab, als suche er nach dem rechten Ausdruck. , t „Damen, wie Tante Irmgard das schöne deutsche Wort Jungsrau corrigirte", ergänzte Hedwiga lachend. „Nun ja, sagen wir lieber eine der Ehren- Jungfrauen beim Empfange sein", lächelte Lerchen, heim verlegen. „Ich weiß in der That nicht, ob der Magistrat auch sonst noch adelige Damen aus der L'ste hat, weiß aber bestimmt, daß Sie darauf stehen, gnädiges Fräulein, und man Sie zu einer Ansprache auserschen hat." „O web", seufzte Hedwiga mit komischem Entsetzen, „ich' soll auch dieses Opferlamm sein? — freilich hat man mir noch keine feierliche Deputation tn'S Haus geschickt, denn nur eine solche könnte Tante Irmgard zur Einwilligung vielleicht bestimmen." „Ich fürchte das ebenfalls und wenn der Adel nicht weiter dabei vertreten —" „Wenn ich, die Freiin von Jmmendorf, dis An- führerin einer bürgerlichen Eskorte sein würde", fiel Hedwigs mit leisem Spotte ein, „dann, li-ber Baron, müßten wir der Tante es nachdrücklich vormalen, daß eine Weigerung meiner- oder vielmehr ihrerseits dis derWar größte Beleidigung für das fürstliche Paar, da ein jeder Osficier auch der Anführer bür- gerlicher Truppen sei. Diese Kerngründe werden hinreichen, die Tante zur Capitulation zu zwingen." „O, Sie sind eine schlaue Strategin", lächelte der Baron entzückt, „so wird es prächtig gehen, dis Furcht vor dem allerhöchsten Unwillen muß alle Scrupel besiegen. Ich war in der That schon ganz niedergeschlagen, Sie haben mir Muth und Zuversicht zurückgegrben, Fräulein Hedwiga! Nur ein« begreife ich nicht, daß Ihr Herr Bruder jetzt gerade die Stadt wieder verlassen hat, und, wie Major Trllkamp mir sagte, auch fein berühmter Neffe, DÄtor Dörner, aus und davon gegangen ist. Ich finde das in der That sonderbar, ja, sogar, pardon, ein wenig rücksichtslos, da die Stadt, wie ich ver- nommen, ihrem berühmten Sohn ebenfalls besonders Ehren zngedacht haben soll." „Ich denke mir, daß sie bi« dahin wieder zurüa- kehren", bemerkte Hedwiga gedankenvoll, „jedenfalls werden dringende Geschäfte die Reite veranlaßt haben.' „Gewiß, gewiß", nickte der Baron eifrig, „verzeihen Sie meine fürwitzigen Zweifel, gnädiger Fräulein!" Ec küßte ihr nochmal« die Hand und empfahl sich, während Hedwiga langsam die Treppe hinauf« stieg, um sich nach ihrem Zimmer zu begeben. I War hatte diese eilige Reise der beiden jungen Männer zu bedeuten? Ulrich hatte ihre daraus hohe Adel überhaupt daran betheiligt, da ich aus früheren Anlässen mich sehr genau erinnere, daß dergleichen Aufzüge stets vom Bürgerstande ausgeführt wurden. Sie werden sich ganz genau darnach erkundigen, lieber Baron!" setzte fie, zu diesem gewendet, befehlend hinzu, „und mir zeitig genug darüber be- richten. Wenn unsere Aristokratie sich nicht daran betheiligt —" „NM am Empfange des Fürsten. Paares?" fragte Hedwiga verwundert. „Ach Thorheit, Kind, nicht am Auszug der Bürgerschaft", rief Irmgard nervös erregt, „dann wirst auch Du in solcher Weise Dich nicht rxponiren, um unseren Kreisen keinen Anstoß zu geben und Dich nicht lächerlich zu machen. Du vergissest stets, was Du Deinem Range schuldig bist, ein Erbübel, wie ich fürchte —" „Tante Irmgard!" — unterbrach Hsewiga sie, das schöne Haupt stolz aufrichtend. „Laß die Tosten ruhen, liebe Schwester!" bat Ulrike in ihrer sanften Weise. Die Kranke bekam einen schrecklichen Hustenansall und mußte, als gerade in diesem Augenblick der Arzt erschien, sich jetzt ganz ruhig verhalten, was Ulrike mit einem stillen Dankgebet segnete. Der Baron und Hedwiga hatten fich einfach empfohlen. „Man muß der lieben Kranken etwas zu Gute halten, gnädiges Fräulein!" flüsterte der alte Herr, als dis Tochter des Hauses sich auf dem Corridor von ihm verabschiedete. „Freilich, Herr Baron", versetzte jene, ihn un- muthig anblickend, „von mir möchte es die Pflicht erheische«, während ich Ste in Ihrer grenzenlosen Herzensgüte und Hingebung st-ts bewundert habe. Wie schade, daß aus Ihnen und Tante Ulrike nicht ein Paar geworden." Der gute Lerchrnheim blickte sie verdutzt an und schüttelte dann energisch den weißen Kopf. „Gnädiges Fräulein belieben zu scherzen, ich bin ein Dutzendmensch, Ihre Tante Ulrike aber gehört zu den Aufnahmen, den wenigen Ausnahmen dieser Erde, welche der Herrgott geboren werden ließ, um Anderen zum Vorbild und zur Nacheiferung in der schweren Kunst selbstloser Aufopferung zu dienen. Wohl darf auch der Unbedeutende den vermessenen Wunsch hegen, eine schöne Blume sein zu nennen, doch niemals sich Ehren, das Erhabene zu sich herabziehen zu wollen." „Ach, Sie find ein Herzensmrnsch, Herr Baron!" sprach Hedwiga, ihm gerührt die Hand reichend, „ich glaube, daß ich Sie noch jetzt heirathen könnte, wenn Sie mich möchten." „Hm, da« käme auf einen Versuch an, meine Gnädige!" lächelte der Baron, ihr die Hand küssend. ,Wa« Tante Irmgard wohl dazu sagen würde? Sie müssen ihr doch al» Neffe gmehm sein, wie, Baron?" „O, scherzen Ste nicht so grausam, Fräulein Heb, wigal" bat der alte Herr. „Schon der Gedanke 487 jetzt wirklich die Gefahr der Entdeckung? Sie zitterte bei diesem Grdauken und schritt in fieberhafter Unruhe auf dem weichen Teppich ge« räuschlos hin und her. Daß Egon Dörner mit ihm gereist, war ihr ein großer Trost, fie dankte ihm im stillen Herzen dafür und erröthels bei der Erinnerung des gestrigen Abends, als sie sich feine Blicks, feine Worte, die, wie sie sich sagen durfte, im Grunde nur ihr allein gegolten, mrückrief. Sie halte ge- bezügliche Frage mit leeren Ausflüchten beantwortet und selbst Tante Ulrike, wie sie sehr wohl bemerkt, darüber in Ungewißheit gelassen. Fühlte der arme Bruder sich noch immer unsicher, oder drohte ihm Paares oufnahm. Hier lag die bleiche, ätherische Gestalt, von elf» ganten Spitzen Wolken umgeben, in halb erhobener Stillung, von Kiffen, welche bis Spitzen ihres weißen Gewandes bedeckten, bequem gestützt, vor dem geschloffenen Fenster, durch welches sie bk Straße genau überschauen und hinreichmd selbst gesehen wer- Herz seine Freude daran harte. Aber was schöner noch als die ganze Prochi, das war der sonnige Himmel, welcher den Tag gar heiter begrüße und nach langen, kalten Regentagen der Erde einen warmen, freundlichen Blck wieder gönnte. Am Mittag sollte das erlaucht« Paar eintreffen und am Morgen schon strömte das Landvolk schaaren» weife zu Wagen und zu Fuß in die Stadt, wogte eine festlich geputzte Menge schon neugierig durch die Straßen, um die Ehrenpforten und alle übrige Pracht sich in Muße anzuschauen, sich schließlich einen guten Platz zu sichern, und hier, stundenlang eingepreßt und von allen Seiten gedrängt, des ersehnten Schauspiels zu harren. So war's zu allen Zeiten und so wird's auch immerdar, so lange es neugierige Menschenkinder noch gie'ot, bleibm. Die Glücklichen, welche bcqaem hoch oben aus offenem Fenster schauen konnten, wurden natürlich beneidet und, je länger das Harren währte und die Ungeduld stieg, auch immer lauter den konnte. Ulr ke, welche im Hintergrund stand, betrachtete sie mit feuchtem Bl'ck. Sie hätte diese Schaust- ll rng der gcbr-chlichm Gestalt so gern vermieden und zitterie im Herzen vor den unbarmheestgen Pfeilen ihr boshaften Menge, doch wäre ein Abrathrn nach dieser Sette hin ein Todesstoß für die noch immer so eitle Irmgard gewesen, das wußte Ulrcks, und deshalb beugte sie sich wie immer ihrem Willen, um das zarte Dasein zu schonen. Hedwiga, welche wirkstch als Führerin und Spre- chsrin der Ehren-Jungfrauen fungiren sollte, hatte bereits vor einer Stunde das Haus verlassen und war zum Major Tellkamp gefahren, um mit Mazda zusammen sich nach dem bestimmten VersammlungS- Ort der Damen zu begeben. Ulrike war, al» Hedwiga die schmeichelhafte Einladung des Bürgermeisters empfangen, auf emen heißen Kampf mit Tante Irmgard gefaßt gewesen. Sie erstaunte deshalb nicht wenig, als diese den gerade anwesenden Baron von Lerchrnheim lächelnd anschautr und ohne irgend welchen Einwand ihre gnädige Zustimmung ertheilte. Der alte Herr rieb sich ebenfalls lächelnd die Hände, hütete sich aber wohlweislich, seine feine Taktik, zu welcher Hedwiga den Anstoß gegeben, voreilig zu verrathen, e» viel- mehr der jungen Dame überlastend, die erstaunte Tante Ulrike aufzuklären. (Fortsetzung folgt.) verhöhnt und verlästert. Beim Jmmendorf'schen Hause, wo die Schloß- straße sich verbreiterte, hatte sich die Menge buchstäblich eingekeilt, fo daß die Polizei nur mit größter Mühe die Fahrstraße freizuhalten, und den Gewerken, welche sich mit ihren Fahnen an den Seiten der ‘ Länge nach ausgestellt, Raum zu verschaffen m rmochte. f Da» Jmmendorf'sche Hau» war unstreitig da» i am schönsten und finnigsten geschmückte in der ganzeü Straße. Ulrike und Baron Lerchrnheim, dem Tante Irmgard selbstverständlich einen feineren Geschmack zutraute als der Schwester, weil er ihr bis heute leine Anbetung und Huldigung bewahrt, hatten das Möglichste geleistet, um mit Hülfe des Decoratem» dem mittelalterlichen Styl des Hauses gerecht zu werden. Die freiherrliche Rüstkammer hatte ihre altsrthümlichen Waffen und Banner, welche bis auf die Kreuzzüge zurückgeleitet wurden, hergegeben, um das in Stein gehauene Wappen des allen kriegerischen G-schlechts, welches au? der Vorderfront de» lllu iyt uuv„. avbv„v„, v„..v av. , Hauses thronte, würdig zu schmücken, während die glaubt, daß Mazda für "ihn bestimmt gewesen, daß I übrigen Bildwerke mittelalterlicher Steinmetzkunst, beide sich lieben müßten, — und nun? — sowie die vorspringenden Erker und durchbrochenen „Es ist unser Verhängnis, flüsterte sie, „die Steingüter mit dm Reiche, und Landersacven und Nemesis für Taute Irmgard!" mit dem prächtigsten Blumenschmuck, eingerohmt vom Unwillkürlich überflog ein Lächeln des Triumphs frischen Tannengrün sich glänzend präsentirten. ihr schönes Antlitz, die schlanke Gestalt hob sich stelz Tante Irmgard beklagte es bitter, dresm pom- empor und ihre Lippen flüsterten leise den Namen | pösen Anblick, der Aller Augen auf sich zog, nicht @poni" I genießen zu können. Doch tröstete sie sich mit dem * I Gedarken, von einem schmalen Bogenfenster aus da» 18. । Schauspiel separat vor sich zu haben, während da» Die Stadt X. prangte im festlichen Schmuck; große Mttelfenster die bekränzten Büsten des Fürsten- was Flur und Wald noch an Grün beseffen, hatten | " sie hergeben müffen, um den wichtigen Tag zu ver- 1 herrlich?«, — alle Gärten und Treibhäuser- waren i geplündert, um stolze Ehrenpforten zu errichten, alle ! Häuser, vom Palast bis zur Hütte herab austs 1 Prächtigste zu schmücken. Darüber hin wogte ein | Fahnen- und Flaggen-Aieer, daß jedes patriotische , 488 Deutsche Kaiser in Kam. Ein zeitgemäßer Rückblick von Dr. Adolf Frank. Die Romfahrt Kaiser Wilhelms bedeutet den Frieden. Die Romfahrt der deutschen Kaiser ehedem hatte gewöhnlich den Krieg zur Folge. Ungezählte Myriaden von tapferen Deutschen fanden ihre ewige Ruhe auf italischer Wahlstatt und da wo heut der Separattrain, welcher den Kaiser Wilhelm II. in die ewige Stadt führt, dahinbraust, maßen die Geschwader der ehemals nach Rom ziehenden deutschen Kaiser ihre Kraft mit den italischen und auch Frankenheeren, welche dem Papst die Macht verliehen, um gegen seine Rivalen in der weltlichen Herrschaft oftmals siegend aufzutreten. Karl der Große erhielt die Kaiserkrone — wir müssen annehmen unerwartet, denn er war ums Jahr 800 am 1. Weihnachtstag in der Peterskirche als Betender, als der Papst Leo auf ihn zuschritt und ihn unter dem Jubel der Römer zum (deutschen) Kaiser krönte. Hätte er geahnt, daß die unvermuthete Huldigung des Bischofs von Rom seine Schöpfung in Frage stellen könnte und das von ihm mühsam eroberte Reich dem Untergang nahe bringen würde — wie hätte er sich gegen diese Form aufgelehnt. Aber seine Nachfolger wollten es ihm an Glanz und äußeren Ehren gleichthun, und die Päpste waren froh, auf diese Weise sich dem Kaiser unterthan zu machen, denn nur die Krönung zu Rom ließ sie zu der zweithöchsten aber eitlen Würde gelangen. Während in der Karolingerzeit Karl der Kahle zum ersten Male nach Rom ging (896) und die Kaiserkrone gewann, mußte 21 Jahr darauf Arnulf v. Kärnthen sie sich schon um Rom erkämpfen. Herrscher wie Konrad I. von Franken und Heinrich von Sachsen,.der Finkler, besaßen gesunden deutschen Sinn genug, um auf die leere Würde zu verzichten, wogegen der mächtige Otto L, welcher durch seine Gemahlin Adelheid Ansprüche an Italien hatte, im Jahr 962 zum ersten Male in Rom erschien und vom Papst Johann XII. die Krone empfing. Roch zwei Romfahr- ten mußte der gewaltige Mann machen — auf der letzten ließ er seinen Sohn Otto II. zum Kaiser salben — aber die von Otto I. angebahnte Verbindung mit Italien wurde Deutschland zum Verderben. Otto II. starb zu Rom (7. Dec. 983) und auch Otto III. welcher 996 zum ersten Male in Rom weilte und zwei Jahr später wieder dort erschien — hauchte 1002 auf italischem Boden seine Seele aus. Der Vater war 28, der Sohn 22 Jahr alt, als sie der Tod wegraffte. Der Nachfolger Heinrich II. machte 1004 eine Fahrt über die Alpen, aber ohne Erfolg mußte er zehn Jahr später wiederkehren und da ward ihm die Kaiserkrone. Aber wie haßten die Römer diese Deutschen, welche über sie nur Krieg und Noth brachten! Mit Konrad II. gelangten die Salier zur Herrschaft, klug,, gewandt und stark in der Herrschaft. Seine Römerfahrt 1027 mußte er zehn Jahr später wiederholen, um sein Ansehen in Italien wiederher- zustellen. Sein Sohn Heinrich III. war ein selten stastvoller Herrscher, er setzte die sich befehdenden Gegenpäpste ab und einen Deutschen auf den Stuhl Petri (1046). Aber sein Sohn Heinrich mußte >afür den Zorn des siegenden Papstes bitter fühlen und als dieser deutsche König über die Alpen ging, da war der Bann über ihn gesprochen und allein mit Weib und Kind, ein Führer voraus, so erreichte er auf Seitenpfaden Italien. Canoffa, wo er drei Tage fast nackt, vor dem Papst Gregor VII. bußfertig erschien, entflammte seine Rache. Dreimal relagerte er Rom (1080. 2. 3.) und endlich zog er 1084 in die „heilige" Stadt ein, um sich von dem Gegenpapst Gregors, Clemens HI. krönen zu lasten. Nur mit Waffengewalt konnte sein Sohn und Nachfolger Heinrich, welcher bis 1125 regierte, die Kaiserkrone von Paschalis erzwingen, und die ewige Stadt widerhallte von den Kämpfen, die in ihren Straßen zwischen Deutschen und Welschen tobten. Der Nachfolger Lothar von Supplinburg kam nur mit geringer Macht nach Italien und er konnte auch das Bollwerk Roms, die Engelsburg, nicht von dem feindlichen Papste und den hartnäckigen Römern erobern (1133), dafür ^unternahm er drei Jahre später eine neue Romfahrt mit einem stärkeren Heere. Trotzdem war er dem schlauen Papste nicht gewachsen und sein Erfolg in Italien war gleich Null. Am 18. Juni 1155 war Friedrich I. von Schwaben auf italischem Boden und diese Waffengänge bilden den Kriegsruhm, aber auch den Untergang des Hohenstaufengeschlechts. Friedrich I. Barbarossa lieferte bei seiner Krönung 1156 den Römern in ihrer Stadt die erbittertste Straßenschlacht und 1158 war er wieder mit einem prächtigen Heere in Italien, während in Deutschland der Krieg im Innern entbrannt war. Bei seiner dritten Römerfahrt mußte er sich den Eintritt in die ewige Stadt (1167) erkaufen und der Papst wie die lombardischen Städte zwangen ihn zur Flucht nach Deutschland. Im Herbst 1174 zog er ein viertes Mal über die Alpen, aber die Schlacht von Leguano (29. Mai 1176) entschied über die Freiheit der italienischen Städte zu ihren Gunsten, und der stolze Hohenstause mußte ein Jahr darauf mit der Curie Frieden schließen, nachdem er Hekatomben deutscher Tapferer einem Phantom geopfert. Noch einmal sah ihn Italien — am 24. Januar 1168 ward in Mailand die Vermählung seines Sohnes Heinrich VI. mit Constanze, der Erbin Neapels und Siciliens geschloffen; vier Jahre darauf fand der greise Kaiser sein Ende im Flusse Saleph. Seinen Nachfolger Heinrich IV. finden wir 1191 zu Nom, wo er Ostern die Kaiserkrone empfing. Im Jahre 1184 führte er sein Heer zur Eroberung des Erbes seiner Gemahlin nach Apulien und Sici- lien und 1196 erschien er zum dritten Male in Italien — und Brand und Entsetzen bezeichneten den Weg, den er genommen. (Schluß folgt.) Rchsetion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.