den, wenn « m Augenblick iuf der Plattsprach , und ist, so kann uf dem Per» ner. in der Halle men." Secretär: ureau, Herr r; „aber ich c letzten Zeit > er Gelegen» ngestellte mit Herr Raikes, December be- und überlief »alten. Dann haften und er itent Tag den Crampton in t habe. l Sessel vorn» )t und sprach mittag, Herr ittag und am Ausdruck des esicht ziemlich ieir, daß Sie waren- Ist keinen Urlaub i." oas wir wissen gen des Herrn »legen könnten. >, einen Herrn lle, holen und n sofort; denn ms nie in den die man ihm ifibent lächelte Behauptung." 6iie[;ra Hiehener Jamilienbläüer. Belletristisches Beiblattzum Gießener Anzeiger. Nrl 31. ~ Dienstag dm 13^März. 1888. Die v erkorene Wiöek. Original-Roman in 3 Bünden von Dr. Carl Hartmann-Plön. (Fortsetzung). Frieda holte unter ihrem Kopfkissen das Notenblatt hervor, das Siegfried ihr heute überreicht und welches sie vorhin, ohne daß Frau Behrens es ge- sehrn, dahin gelegt hatte. Sie reichte der Letzteren es hin und sagte: „Dies ist ein Lied, welches er auf meine Veranlassung componirt und auch selbst gedichtet hat. Lies die Worte einmal durch. Nach acht Tagen soll ich ihm sagen, wie mir die Compostiion gefallen, und wenn ich ihm sage, daß sie mir gefallen, werden wir uns wahrscheinlich bei der Gelegenheit verloben." „Das ist ja eine complette Liebeserklärung in Versen", rief Frau Behrens aus, nachdem sie gelesen. „Also so weit seid Ihr schon?" „Du weißt doch, wer es ist?" „Natürlich, Du hast Dein Interesse für den Direktor Eures Gesangvereins längst verrathen, wenn Du mir von ihm erzähltest." „Aber Eins mußt Du mir versprechen, Mutter Behrens, Du darfst weder der Mama noch dem Papa ein Wort von dem mittheilen, was ich Dir heute anvertraut." „Habe ich je Dein Vertrauen getäuscht, Friedchen?" „Nein, das hast Du nie und weil ich überzeugt war, daß Du es auch in diesem Falle nicht thun würdest, so habe ich mein volles Herz vor Dir ausgeschüttet. Und Deine Bedenken, Mutter Behrens, thetle ich nicht. Von nun an denkst Du besser über den, den ich liebe, nicht wahr? Glaube mir, wenn auch Alle so sind, er macht eine Ausnahme I" „Nun ja, ich will es ja auch gerne glauben, Kindchen, und wünsche von ganzem Herzen, daß er eine solche Ausnahme bildet." „Hast Du Siegfried heute gesehen, Mutter Behrens?" „Also Siegfried heißt er? Ich habe einen Augenblick während des Concerts durch die Portieren in den Musiksaal geblickt, da sah ich ihn den letzten Chor dtrigiren." „Ist er nicht ein hübscher Mann?" „Das ist er, aber, weißt Du, Friedchen, da war noch ein anderer Mann, den ich noch hübscher fand, und wenn ich ein junges Mädchen wäre, wie Du, in den würde ich mich weit eher verlieben können." „Du meinst Herrn von Stolzenberg?" „Das wäre eine Partie für Dich! Er ist von s Adel, Erbe eines Millionärs und ein schöner ? Kavalier." „Der ist viel zu alt für mich." „Ein hübscher Mann ist nie zu alt." „Kch könnte mich nicht in ihn verlieben." „Selbstverständlich, weil ein anderes Bild in Deinem Herzen ist, aber könntest Du es auch nicht, ; wenn das nicht der Fall wäre?" „Darauf bin ich noch mit keinem Gedanken ge» i kommen." „Nun haben wir genug geplaudert, mein Kind, 1 und jetzt wollen wir schlafen." Frau Behrens reichte Frieda die Hand und sagte ! ihr gute Nacht. Frieda war viel zu munter, um schon schlafen i zu können. Es war doch nicht ganz ohne Eindruck auf sie geblieben, war sie heute über den Charakter der Künstler gehört, und sie legte sich die Frage - vor, ob es möglich sei, daß Siegfried auch so sein ; ober so werden könne, und wenn sie auch jedes Mal ! die Frage energisch verneinte, so kehrten doch immer \ und immer die Gedanken wieder auf diesen Gegen- l stand zurück. Erst gegen Morgen schlief sie ein. Nachdem der General, Franziska und Felix in Fichtenberg angelangt waren, entfernte sich Ersterer sogleich, um sich zur Ruhe zu legen. „Was glaubst Du", sagte Felix, als er mit l seiner Cousine allein war, „Du hast Dich ja mit Rohdenberg unterhalten, hast Du Aussicht, daß Du j reusstrst?" „Nein!" erwiderte Franziska kurz. I „Und weshalb nicht?". „Weil er, so lange ich mit ihm sprach, kein Auge • von der Tochter des Geheimraths verwandt hat. I Hier wird alle Mühe vergebens fein, Frieda ist I feine etfle Siebe» $ „Ich bin leider auch zu dieser Ansicht gelangt. I Nun, können wir keine Wirklichkeit schaffen, müssen 8 wir den Schein hervorzaubern." „Und dabei habe ich auch wieder eine Rolle zu l spielen?" „Natürlich, die Hauptrolle." „Erlasse sie mir, ich habe keine Lust dazu." „Ob Lust ober nicht, Du wirst sie dennoch über» nehmen." „Und wenn ich mich weigere?" 122 „Das wirst Du nicht wage«, denn Du kennst mich." „Ja, ich kenne Dichl" rief Franziska schmerzlich aus und bedeckte mit beiden Händen das Gesicht. „Da Du mich kennst, so weißt Du auch, daß ich meine Drohungen ausführen werde, wenn Du mir nicht gehorchst." „Ich bin in Deiner Hand, ja, noch bin ich es, aber sieh Dich vor, daß ich die Bande nicht zerreiße!" „Du wirst Dich hüten." „Daß ich Schauspi lerin war, wird den Onkel nicht allzusehr verstimmen, zumal wenn er erfährt, daß ich eine Künstlerin war, in deren Salons Männer der höchsten Aristokratie verkehrten. Würdest Du ihm aber ein Geheimniß erzählen, das Du, Gott mag wissen, durch welche Mittel entdeckt hast, dann würde ich wohl nicht länger Gnade vor seinen Augen finden. O, dies unglückselige Geheimniß, das mich willenlos in Deine Gewalt giebt! Alles Elend, was über mich hereinbrach, Dir habe ich es zu verdanken. Du hast mich gewisiermaßen an den Fürsten, trotzdem Du wußtest, daß ich den Grafen Tonjef liebte, verkauft für die Auslieferung eines politischen Geheimnisses an Dich!" „Bist Du wahnfinnig!" rief Felix mit lauter Stimme. „O, ich weiß mehr als Du glaubst, und könnte ich nur Beweise erbringen für das, was ich weiß, fo solltest Du so sicher Dich zu meinen Füßen winden, wie ich es jetzt vor Dir muß!" „Ich wiederhole, Du bist von Sinnen!" „Und solltest Du nicht auch Deine Hand dabei iw Spiel gehabt haben, als man plötzlich den Grafen Tonjes verhaftete, weil man .ihn beschuldigte, mit Nihilisten in Kontact zu stehen? Ich lasse es mir nicht ausredsn, daß es da» Werk des Fürsten war, und dann warst Du sein Helfershelfer!" „Franzika! Wage das nicht noch einmal zu behaupten!" „Der Fürst war bis zur Leidenschaft in mich verliebt und eifersüchtig wir ein Othello. Der Graf war ihm im Wege. Aber wenn ich an etwas mit teuflischer Freude zurückdrnke, so ist es der Triumph» daß Euch Beide schon in kurzer Zeit die Nemesis ereilte. Der Fürst starb innerhalb weniger Tage und als man unter seinen hinterlassenen Papieren Briefe fand, die Dich compromittirten, da wurde Dir der Boden unter den Füßen plötzlich zu heiß, Du mußtest St. Petersburg schleunigst verlassen und gingst nach Paris." „Das ist erlogen", rief Felix heftig aus. „Aus ganz anderen Gründen verließ ich Rußland, um nach Frankreich überzustedeln." „Ich habe ja keine Beweise, aber wahr ist es doch! Und hüte Dich", fuhr sie mit erhobener Stimme fort, „noch schwebt der Prozeß gegen den Grafen Tonjes, aber alle Aussichten sind vorhanden, daß schon bald seine Freisprechung erfolgt. Ich habe unter der Hand Nachricht von ihm, er liebt mich mit der gleichen Gluth wie früher, seine Ehescheidung ist während s iner Haft perfect geworden, und isi er erst frei, so wird er kommen, um mich zu holen. Ich habe früher gezittert, daß er das Geheimniß meiner Irgend erfahren könnte, aber jetzt werde ich es ihm selbst sagen, und weil er mich liebt, wird er nicht den Stab über mich brechen, daß ich, fast noch ein Kind, in einer schwachen Stunde dem Schicksal erlag. Und dann, dann ist Deine Macht, die Du über mich hast und die Du so schonungslos gebrauchst, für immer gebrochen!" „Meinst Du?" erwiderte Felix mit einem spöttischen, sardonischen Lächeln. „Glaubst Du, wenn ich seiner stolzen Schwester es unterbreite, daß die ehemalige Schauspielerin weder eine adelige Geborene, noch eine adelig Vermählte ist, daß sie überhaupt gar nicht vermählt ist, sondern daß sie den Namen Frau von Barsen nur willkürlich angenommen hat, um sich in der Eigenschaft einer jungen Wittwe mit einem interessanten Lüstre zu umgeben, und wenn ich dann noch die Mittheilung von dem bewußten Geheimniß hinzufüge — glaubst Du, daß dann die Gräfin Romanos und mit ihr die ganze übrige hocharistokratische Verwandtschaft nicht alle Hebel in Bewegung setzen werden, den Grafen Tonjes von seiner Absicht, Dich zu heirathen, zurückzu- bringen? Und sei versichert, ich kenne den Grafen so gut wie Du ihn kennst, er ist viel zu haltlos und unselbstständig, um sich nicht überreden zu lassen und um nicht, nachdem er erst soeben in der Gesell' schäft rehabilitirt ist, einen Sturm in der Mißachtung heraufzubeschwören und sich an der Seite einer Frau mit Antecedenzien unmöglich zu machen." „Und Du könntest, Du würdest seiner Schwester verrathen, daß —" „Ich kann und werde e», wenn Du Dich weigerst, mir beizustehen in dem, was ich unter allen Umständen erreichen will." Franziska sank wie gebrochen auf einen Stuhl nieder, sie fing an zu schluchzen und Thränen rannen über ihre Wanzen. „Du machst ein Aufhebens", sagte Felix in ärgerlichem Tone, „als wenn ich an Dich das Verlangen gestellt, mir bei einem Morde oder Diebstahl zu helfen. Die Sache ist doch so einfach und was Du dabei zu thun hast, so leicht und geringfügig. Ich liebe Frieda Wolter und sie muß die Meine werden. Was sagt denn diese Backfischschwärmerei für den Musiker? Eine solche macht ihr Herz nur empfänglicher für die darauf folgende wirkliche Liebe. Mag der Herr Rohdenberg noch so gut seine Geige spielen, das berechtigt ihn noch nicht, um die Tochter eines Millionärs zu freien, und niemals werden Frieda'» Eltern ihr einziges Kind einem Manne geben, der nichts ist und nichts besitzt als fein bischen Talent. Die Tändelei muß also ss wie so über kurz oder lang aufhören. Da» Ende derselben zu beschleunigen, den Riß de» Pcobepfeils so bald wie möglich zur Heilung zu bringen, um da» Herz für meine Liebe zu präpariren, da» ist die Aufgabe, die ich mir gestellt und die hoffentlich nicht schwer 123 rfect gern Jtben, 'men, um mich !, daß er das könnte, aber ib weil er mich mich brechen, •iner schwachen dann, dann ist st und die Du er gebrochen!" Ix mit einem „Glaubst Du, interbreite, daß ne adelige Ge« , daß sie über« cn daß sie den ch angenommen jungen Wittwe umgeben, und i von dem be- ubst Du, daß ihr die ganze haft nicht alle Grafen Tonjes then, zurückzu« ne den Grafen iel zu haltlos reden zu kaffen in der Gesellin der Miß« an der Seite ich zu machen." einer Schwester u Dich weigerst, ater allen Um« if einen Stuhl Dränen rannen sagte Felix in Dich das Vsr- oder Diebstahl infach und was nb geringfügig, ruß die Meine !fifchfch wärmerei : ihr Herz nur ! wirkliche Liebe, gut feine Geige um die Tochter siemals werden einem Manne resitzt als fein also so wie so Ende derselben igpfcUs so bald um da» Herz ist die Aufgabe, ch nicht schwer zu erfüllen ist. Da», war Du dabei zu thun hast, ist kinderleicht." „Bevor wir Fichtenberg verlassen," fuhr er fori, „werden wir noch eine große Soiröe veranstalten. Am nächsten Mittwoch theilst Du dem Herrn Direktor Rohdenberg unter dem Siegel der Verschwiegenheit mit, daß wir beabsichtigen, die Gesellschaft durch lebende Bilder zu überraschen und bittest ihn, ob er Dir nicht bei dem Arrangement derselben behilflich sein wolle. Du wirst Dich des mitten im Garten liegenden Felsblocks erinnern. Eine in den Stein gehauene Treppe führt uf die Höhe deffelben, wo eine Bank steht. Daneben befindet sich eine runde Taxuslaube, die nach oben hin offen ist. Hierher dirigiist Du Herrn Roydenbrrg. In den Pausen oder vor der Probe betreten die Sänger jedenfalls den Garten. Da die lebenden Bilder eine Ueber- raschung bilden sollen, so ersuchst Du den Direktor, die Sache geheim zu halten, und aus diesem Grund führt Ihr die Verhandlungen darüber in einem leisen Flüsterton. Du besprichst mit ihm einige Sujet» und fragst ihn dabei um seinen Rath. So könntest Du ihm zum Beispiel sagen, Du beabsichtigst das Bild „Hektors Abschied" zu stellen, Du selbst wollest die Anvromache vorstellen, und nun berathet Ihr die Situation, wobei schon ein Händereichen und Armauflegen statlfinden kann. Dann mußt Du ein andere» Bild ersinnen, wo er zu knieen hat. Ich denke an die Scene, wo Don Karlos sich leidenschaftlich vor seiner Stiefmutter auf die Knie wirft und diese sich zürnend abwendet, da» macht Ihr gleich zur Probe durch, und da man auf dem Felsen das Geflüster nicht versteht, die Bewegungen aber deutlich steht, so verspreche ich mir hiervon den Ec« folg, den ich erwarte. Und nun frage ich Dich noch einmal, Franziska, willst Du mir hierbei Deine Hülfe leihen?" „Du befiehlst", sprach ste fast tonlos, und ich, ich muß gehorchen!" Gleich darauf verfiel sie in ein krampfhaftes Weinen, wobei ihr ganzer Körper convulsivifch erbebte. „So unterdrücke doch diese hysterischen Ausbrüche", rief Felix mit scharfer Stimme, „Du weißt ja, wie widerwärtig sie mir find!" Und während er der Thür zuschritt, fuhr er fort: „Wir sprechen über die betreffende Angelegenheit noch eingehender, Gute Nacht!" Franziska brückte rasch, nachdem ihr Vetter sich entfernt, das Taschentuch fest auf beide Augen, sie sprang empor und es war ein Blick tödtlichen Haffe», den sie auf die Thür warf, die sich soeben hinter Felix geschloffen. „Ich bin noch so munter und wach", sagte Sieg« fried, nachdem er sich seine» Paletot» entledigt, „daß rch unmöglich schon zur Ruhe gehen kann, ist e» Dir recht, Großmama, wenn wir noch ein halbes Stündchen plaudern?" „Es geht mir wie Dir und ich war gerade im Begriff, Dir denselven Vorschlag zu machen." „Du stehst prächtig aus in Deinem neuen grauseidenen Kleide und der hübschen Spitzmbaube, Großmütterchen, ganz so vornehm wie eine Gräfin« oder Fürstin-Mutter." Mer Dein Grsicht paßt mir heute gar nicht recht zu dem festlichen Anzug, jeie» Mal, wenn meine Augen heute Abend Dich suchten, fand ich einen so erregten Ausdruck darin. —" „Mir war auch ernst zu Sinn." „Warst Du mit meinem Dirigiren nicht zufrieden oder hat Dir mein Spiel nicht gefallen?" „Gewiß, die Chöre wurden vortrefflich gesungen und noch nie habe ich Dich so — begeistert spielen hören." „Em Lob au» Deinem Munde macht mich immer glücklich, weil ich weiß, daß Du auch nicht mit dem Gegentheil zurückhälst, wenn Dir etwa» nicht recht erscheint." „Ich habe stet» getadelt und gewarnt, wo ich e» für nothwendig gehalten, und Du wirst es mir nicht übel nehmen, wenn ich es auch jetzt noch thue." „So ist doch wohl etwas vorhanden, was. Deine Unzufriedenheit erregt hat." „Wir wollen uns setzen, Siegfried, und einmal in aller Ruhe eine Sache besprechen, die, ich kann'« nicht leugnen, mein Herz mit Sorge erfüllt." Nachdem Frau Rohdenberg in der Ecke de» Sopha's unb Siegfried auf einem Seffel Platz genommen, sagte der Letztere, während ein schelmischer Lächeln seine Lippen umspielte: „Großmama, Du hast doch nicht etwa bemerkt, daß sich zwischen der Frau Geheimräthin und mir etwas entwickelt?" „Gott sei Dank, nein, und ich wiederhole Dir, was ich heute schon dem Profeffor Marquardt gesagt, daß ich der ausgezeichneten Frau in meinem Innern längst abgebeten habe, was ich damals über sie gesagt und wie ich über sie gedacht habe. Aber trotzdem, mein guter Siegfried, bebaute ich die Stunde, wo Du zum ersten Male das Haus de« Geheimraths Wolter betreten hast." „Warum denn, Großmama?" „Weil Dir dort, wenn auch nicht von Seiten der Frau Geheimräthin, so doch von einer anderen Seite eine Gefahr droht, durch die Du Deinen ganzen Frohsinn, Dein ganzes Lebensglück verlieren kannst." (Fortsetzung folgt.) Eine Gespenstergeschichte. Nach dem Englischen. (Fortsetzung.) „Ihre Ueberzeugung hat wenig Grund", hüstelte er; „ich befürchte, oaß Sie „Träume träumen", um dieselben für Wirklichkeiten zu halten. Das ist gefährlich und mag schlecht auslausen. Der Herr da 124 wäre in einer garstigen Lage, wenn er nicht sein Alibi so genügend nachwiese." Ich wollte noch etwas sagen, aber er ließ mir nicht die Zeit dazu, sondern wendete sich an die ver- sammelten Directoren: „Es wäre reiner Zeitverlust, meine Herren, wenn wir die Untersuchung weiter sühren wollten; das Zeugniß des Herrn Langford erscheint in jeder Be- ziehung und überall, von „gleich hohem Werth." Den einen Theil widerlegt die Aussage von Benjamin Somers und der letzte Zeuge widerspricht den zweiten. Daraus möchte zu schließen sein, daß Herr Langford auf seiner Reise nach Clayborough einschlief und sehr lebhaft und umständlich träumte. Nichts ärgert und reizt mehr, als wenn man unfern tiesinnersten Ueberzeugungen nicht glaubt und der Sarkasmus des Verwaltungsrathes schnitt wir durch ? Mark und Bein. Am unerträglichsten jedoch war ! das ruhige Lächeln, welches in Somers Mundwinkel lauerte, und der halb triumphirende, halb boshafte Blick des Herrn Raikcs. Offenbar war nicht alles richtig mit ihm; er schien zu fragen: Wer ist das? was will er? warum steht er da? warum kümmert ; es ihn, ob ich Urlaub habe oder nicht? Ich war aufgeregter, als vielleicht die Sache ver- ; diente und bat deshalb die Versammlung noch um I einen Augenblick Geduld. Jelf zupfte mich abmatz- - nend am Äermel und flüsterte: „Laß dcch sein; der Präsident hat recht; Du i hast geträumt und je eher die Geschichte vergessen i ist, desto besser." Das half nicht. Ich war nicht zum Schweigen i zu bringen und wollte sprechen, so lange ich etwas zu $ sagen hatte. s „Träume, meine Herren, bringen gewöhnlich keine ; greifbaren Resultate und ich wünsche zu erfahren, wie ' aus meinem Traum sich eine so gut gearbeitete ■ Cigarrentasche entwickeln konnte, welche ich die Ehre - hatte, Ihnen bei dem Beginn unserer Conferenz; vorzulegen." Er antwortete: »Ich gebe zu, Herr Langford, daß das Etui ein- f schneidend sür Sie spricht, aber auch nur das Etui \ und obendrein ist cs noch möglich, daß die Directoren > sich durch eine zufällige Achnlichkeit täuschen ließen. ' Darf ich die Tasche noch einmal sehen?" Ich überreichte sie mit der Bemerkung: „Es ist unwahrscheinlich, daß sich gerade dieser \ Namenszug auf einer andern findet." Schweigend sah der alte Herr das Futteral einen ! Moment an, ehe er's Herrn Hunter reichte. Dieser drehte es um und um und schüttelte den Kopf, als f er erklärte: j „Es ist keine oberflächliche Achnlichkeit. Dies hier l ist zweifellos John Dwerrihoufe's Cigarrentasche. Ich ! habe sie hundertmal gesehen und erkenne sie ganzl gewiß wieder." „Ihrer Ansicht!" unterbrach der Präsident. „Aber ! wie kam sie in den Besitz des Herrn Langford?" „Sie lag, wie schon gesagt, zu meinen Füßen, nachdem der Besitzer auegesticgen war. Ich trat darauf, als ich ihm aus dem Wagenfenster nachfah und lief hinterher, um sie zurückzugeben, als ich Herrn Raikes mit ihm in tiefem Gespräch erblickte oder zu erblicken meinte." Dieses Mal riß mich Jonathan mit krampfhafter Heftigkeit am Aermel und raunte mir zu: „Sieh' mal Raikes an, sieh' mal Raikes an!" Während ich mich umdrehte, schlich der Beamte todtenbleich und mit zitternden Lippen dem Ausgange zu. Ich sprang ihm in den Weg, packte ihn an die Schultern wie ein Kind und drehte ihn gewaltsam gegen den grünen Tisch mit dem Ausruf um: „Da seht mir Dem mal in's Gesicht, Ihr Herren, er zeugt für mich!" Die Stirn des Präsidenten wurde finster und er drängte: „Wenn Sie etwas zu bekennen haben, Raikes, so thun Sie es jetzt." Der Schwächling konnte sich nicht von mir los- reißen und stammelte: „Lassen Sie mich los; ich weiß von nichts. Sie haben kein Recht, mich hier wider meinen Willen festzuhalten. Lassen Sie mich los, sage ich!" Der andere fragte: „Hatten Sie mit Herrn John Dwerrihouse auf der Station Blackwater eine Zusammenkunft oder nicht? Ist die Anklage gegen Sie falsch oder wahr? Wenn das letzte der Fall ist, so bitten Sie um Gnade und machen ein ausführliches Bekenntniß!" Der Schelm rang die Hände in hilflosem Schrecken und schrie: „Ich war fünfzig Stunden weit weg, weiß von der ganzen Geschichte nichts und habe nichts zu gestehen. Ich bin bei Gott unschuldig!" „Fünfzig Stunden weit weg"; wiederholte der Vorsitzende. „Wie so?" „Ich war in Devonshire. Ich hatte drei Wochen Urlaub, wie Herr Hunter weiß, und kann klar legen, daß ich die ganze Zeit dort unten war." Als die Directoren ihn so niedergedonnert und fast wahnsinnig vor Furcht sahen, stand einer der Herren leise auf und hieß den Pedell die Saalthür schließen. Dann fragte man: „Was hat Ihre Anwesenheit in Devonshire mit der Sache zu thun? Wann waren Sie dort?" Der Secretär erklärte: „Herr Raikes war im September beurlaubt und damals ungefähr verschwand Herr Dwerrihouse." „Ich erfuhr es erst bei meiner Zurückkunft." „Das wäre nachzuweisen", entschied der Präsident; „ich werde diesen Fall dem Gericht übergeben. Inzwischen rathe ich Ihnen, keinen vergeblichen Widerstand zu versuchen, sondern ein offenes und reuevolles Bekenntniß abzulegen, so lange Ihnen das noch Hilst. Was Ihre Mitschuldigen betrifft. . ." (Schluß folgt.) Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brüht'scheu Druckerei (Kr. Chr. Pietsch) in Gießen.