Eneßener Aamilienblätler. Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger. Rr. 5. ~ ” Donnerstag dm 12? Januar ' ~ ”1888 Are verkorene Miöek. Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartmann-Plön. (Fortsetzung). Sie haben mir durch meinen Vormund als Abfindungssumme, als Ausdruck Ihres letzten Pflichtgefühls gegen mich vierhundert Thaler anbieten lassen, — ich weise ste zurück, denn wie Sie mich verworfen, so verwerfe ich Sie, und hebe jede Ge- mrinschast mit einem Vater auf, der so schlecht an seinem Sohne handeln konnte! Ob ich so zu Ihnen zu sprechen vermöchte, wenn ich Sie ein einziges Mal gesehen, ein einziges Mal in Ihre Augen geblickt, mit dem Bewußtsein, vor meinem Vater zu stehen? Ich weiß es nicht! Jetzt kann ich es, und ich füge noch hinzu, daß ich von ganzem Herzen in meinem Groll gegen Sie den Wunsch hege, daß die Reue, Ihrem Sohne in seiner unverdienten Roth nicht zu Hülfe geeilt zu sein und Ihre Vaterpflichten gegen ihn nicht erfüllt zu haben, mit ganzer Gewalt Sie erfaffen möge! Ich habe nichts mehr zu sagen. Franz Thalheim. Franz reichte seinem Vormund den Brief, und während dieser denselben las, setzte er sein Ertt- lassungsgesuch aus dem Militärdienst auf. „Ein hartes Wort, das der Vater vom Sohne zu hören bekommt", sagte der Vormund, nachdem er den Brief zu Ende gelesen, „aber ich kann mir Deine Gefühle erklären, Franz." Der Abschied zwischen Vormund und Mündel war ein herzlicher und sehr bewegter. Abends um die elfte Stunde fuhr Franz mit dem Nachtzuge nach Hamburg. Was hmter ihm lag, war eine versunkene Welt, von der er nichts, nichts jemals wiedersehen wollte. Für immer wollte er aus ihr scheiden, die ihm seinen ehrlichen Namen, seine Ehre geraubt. Er befand sich in einer Stimmung, in der er seine Vaterstadt, Deutschland, ja, Europa haßte. Was lag ihm an einem Vaterland, in dem der eigene Vater sich von ihm gewandt? Für Aller, war er je gekannt, wollte er für ewig tobt sein, tobt bleiben, Niemandem aus der Welt hinter ihm je wieder begegnen. Vor ihm lag eine neue Welt, in der ?r vielleicht noch glücklich werden konnte, wenn nicht das finstere Schicksal seinen Arm tibrr's Meer reichte u? b ihn auch hier ergriff. Wie lucht konnte nicht etwas von dem, was man ihm vorgeworftn und von seiner Aechtunz ins Publikum bringen, trotzdem man sich vorgenommen, darüber zu i schweigen, aber Wände haben Ohren und Diener j können lauschen, und wie leicht konnte es geschehen, s daß in Amerika, wo in jeder größeren Stadt eine \ Anzahl Deutscher waren und wohin jährlich eine ’ Menge auswanderte, ihn Jemand erkennen würde, । und dann war es auch dort mit ihm vorbei. Diese ; Gefahr war für ihn in Afrika eine bei Weitem ge- | ringere, und dies bedenkend, faßte er schon unter» l wegS den Entschluß, den ursprünglichen Plan, in i Amerika sich eine neue Heimath zu gründen, aufzu- ' geben, und statt dessen in Afrika sein Glück zu Der« l suchen. In der Hansastadt angelangt, erfuhr er zu • feiner Freude sogleich, daß ein Schiff, welches nach s der Kapstadt wollte, segrlferüg sei und noch im ’ Laufe des Tages die Anker lichten würde. In der i Mittagsstunde ging er an Bord und lernte hier | einen jungen Mann kennen, der ihm sogleich gefiel, dem er sich anschloß, mit dem er schon in den ersten Tagen der Seefahrt sich rasch befreundete, eine Bekanntschaft, die für seine fernere Zukunft von ent» ] scheidender Bedeutung werden sollte. i Er erfuhr nicht mehr, daß am andern Tage ein i D> freier und ein Mann in grüner Zolluniform ihm l nachgereist waren, daß sie auf allen Schiffen, die l nach Amerika wollten, in allen Gasthäusern nach s ihm gefragt, und schließlich nach langem ermüdendem, l vergeblichem Suchen in ihre Heimath zurückgekehrt 5 waren. ch> * * Seit jener Zeit, wo ein junger Olficler, beit . man fälschlich eines gemeinen Verbrechens angeklagt \ und den seine Kameraden für ehrlos erklärt hatten, i nach Afrika auswanderte, find mehr als zwanzig i Jahre verfloffen. Zweites Kapitel. ,,Ss ist also Ihre feste Absicht, Frau Rohden- berg, Ihrem Enkel nichts von dem Geheimniß zu | sagen?" „Ja, Herr Proseffor", erwiderte die Gefragte, ' eine hübsche alte Matrone von fünfundsechszig Jahren, < „es ist meine feste Absicht; das unglückselige Gepeim» niß hat meinem Sohn den Verstand gekostet und seinem Leben im Jrrenhause ein Ende gemacht, ich könnte es nach dieser Erfahrung nicht mit meinem Gewissen vere-nigen, meinen Enkel derselben Gefahr auszusetzen. Und Gott möge mich bewahren, daß ich noch einmal eine so schreckliche Zeit erlebe!* 18 „Ich kann es Ihnen im Grunds nicht verdenken." „Und doch Habs ich das Gefühl, als wenn ich es Jemandem mittheilen müsse, als wenn es nicht absolut verloren gehen dürfe; und ich kann mir immerhin noch einen Fall denken, wo er es, ohne daß seine Ruhe gesährdet würde, erfahren könnte: Wenn nämlich sich Ihre Prophezeiung erfüllt, daß er noch einmal ein großer Künstler wird, und wenn er dann sich ein ansehnliches Vermögen bereits erworben hat! In diesem letzteren Falle, wo nicht zu befürchten ist, daß er, wie sein armer Vater von der Girr gepackt wird, plötzlich reich zu werden, aus der Dürftigkeit zu einem glanzvollen Leben emporzusteigen, nur in diesem Fall mag er es wissen! Dann steht zu erwarten und kann man doch wohl als ziemlich sicher annehmen, daß er, will er wirklich nach der ominösen Bibel Nachforschungen anstellen, — und es ist ja nicht unmöglich, daß sie noch irgendwo existirt — mit Ruhs und Besonnrnheit dieselben ins Werk setzt, und ohne daß er dabei an seiner körperlichen und geistigen Gesundheit Schaden nimmt. Wenn er also dies Ziel noch einmal erreichen sollte und ich dann nicht Mihc unter den Lebenden weile, dann Herr Professor, haben Sie die Freiheit, ihn in das, was Sie von mir hören werden, einzuweihen. Aber geben Sie mir das Versprechen, cs nur dann zu thun, wenn Sie der Ueberzeugung sind, daß er keinen Nachtheil davon haben wird." „Das Versprechen gebe ich Ihnen feierlichst, obgleich es gar nicht nöthig wäre, denn bei dem Interesse, welches ich für Siegfried empfinde, ist es selbstverständlich, baß ich nach dem, was wtr mit Konrad erlebt, sehr ernst mit mir zu Raths gehen werde, ob ich es wagen darf, ihm das Geheimniß zu enthüllen. Aber ich gebe Ihnen noch einmal zu bedenken, ob Sie es mir nicht lieber ebenfalls verschweigen wollen! Was soll ein Dritter darum wissen, — und denn auch, es prickelt mich jetzt schon — wenn ich nun auch die Finderwuth bekäme, wenn ich nun auch von der Manie erfaßt würde, die verlorene Bibel durchaus entdecken zu wollen —?" „So hätte es doch weiter keine G-fahr für Sie, als daß es höchstens Ihre Zeit ein wenig in Anspruch nähme. Nein, Herr Professor, da ich nun einmal den Entschluß gefaßt habe, muß ich es vom Herzen los sein. Ich wäre auch wohl noch nicht darauf verfallen, wenn sich nicht ganz zufällig unser Gespräch auf meinen verstorbenen Sohn und die Ursache seines frühen Todes gelenkt hätte. Ich habe schon seit Jahren kaum mehr daran gedacht, und wenn die Gedanken kamen, fie stets energisch zurück- grwiesen." Bei diesen Worten nahm sie aus einem Korbe ein Schlüsselbund, ging damit zu einem altmodischen Secretair, erschloß denselben und öffnete mit einem kleinen Schlüssel ein darin enthaltenes Fach, aus dem sie ein Convolut Papiere herausnahm, das mit einem verblichenen Band von rothsr Seide zusammen- gchatt-n wurde. „Hier habe ich drei Briefe", sagte sie, während sie an den Tisch zurücktrat und sich auf ihren Stuhl wieder niederließ, „die ich Ihnen nach der Reihe vorlesen muß." Sie löste j-tzt das rotße Band von den Papieren und kragte aufdlickend: „Warum sehen Sie nach der Uhr, Herr Professor? Ist Ihre Zeit gemessen? Dann können wir lieber ein anderes Mal —" „Durchaus nicht — aber ich weiß ja, daß Sie um sechs Uhr eine Musikstunde zu geben haben, und da es in wenigen Minuten —" „Die Musikstunde ist abgesagt, Siegfried erwarte ich vor sieben Uhr nicht zurück, so sind wir eine Weile ungestört." „Als Konrad und ich vor zwanzig Jahren", fuhr sie fort, „diese Briefe hier gelesen hatten, da glaubte auch ich, daß eine Bibel, an der so charakteristische Merkmale vorhanden, doch vielleicht aufzufinden sei, aber was mein Sohn unternahm, war vergeblich. Was hat er nicht Alles gethan! In alle gröberen Zeitungen sandte er wiederholt eine genaue Beschreibung der Bibel und forderte denjenigen auf, der eine solche im Besitz habe, sich bei ihm zu melden, da sich für ihn an dieselbe ein Familienge- heimniß knüpfe, — es meldete sich Niemand. Eine Menge öffentlicher wie privater Mus-en in den verschiedensten Städten Deutschlands durchstöberte er, und eins ebenso große Menge hatte er noch auf seinem Programm, die er besichtigen wollte; dabei war aber unser Vermögen aufgezehrt, die kostspieligen Reisen hatten es verschlungen; als ihm die Mittel versagten, die Forschungen fortzusetzen, wurde er wahnsinnig und mußte ins Irrenhaus. Seine Frau unterlag der Aufregung und starb, nachdem sie ein todtes Kind geboren. Ich hatte, als Konrad von feinen Leiden erlöst wurde, nichts mehr noch, wovon ich und fein kleiner Siegfried hätten Üben können. Da faßte ich den Entschluß, Musikunterricht zu geben, und durch Ihrs Empfehlungen, weither Freund, bekam ich eine so reichliche Schülerzahl, daß ich mich anständig durchschlagen konnte." Sie drückte das Taschentuch an di; feucht gewordenen Augen und fuhr dann fort: „Ich denke jetzt weit ruhiger über die ganze Sache, und halte mir weit mehr als früher die Möglichkeit vor Auge», daß die Bibel gar nicht mehr vorhanden ist. Kann sie in der langen Zeit nicht in der That gänzlich verloren gegangen sein, können nicht die Motten die Blätter zerfressen haben, und kann nicht der Rest, nachdem man von dem Einband den Silberbeschlag heruntergenommen, in einer Rumpelkammer oder auf einem Kehrichthaufen vollends verkommen sein? Ich habe mich gewöhnt, dies als feststehend anzunehmen und finde darin einen Trost. In meinem Innern betrachte ich die Geschichte als abgethan, und niemals würde ich die Hand dazu bieten, daß man auf's Neue auf die Suche geh?, denn Gott möge mich davor bewahren, daß ich in meinem Alter noch ein- rs Wal [?rt diesen Wirbel hineingeriffen werde, dem meine Verstandeskräfte nicht mehr gewachsen sein würden." Frau Rohdenberg machte eine kleine Pause, strich sich das volle, natürlich gelockte, aber schneeweiße Haar mit der rechten Hand hinter dar Ohr und sagte darauf: „Ist Ihnen, Herr Profesior, die Geschichte unseres westlichen Nachbarlandes, dar früher ein einfaches Herzogtum war, bekannt?" „Einigermaßen glaube ich darin bewandert zu sein", erwiderte der Profesior Marqaart. „So werden Sie sich auch erinnern, was sich unter der Regierung des Herzogs Ernst Ludwig zu- getragen hat!" „Ernst Ludwig? Ganz recht! War es nicht während seiner Regierung, daß eine zweite Pompa, dour die Wohlfahrt des Landes untergrub und es gänzlich ruinirte?" „Sie nennen sie eine zweite Pompadour, — die Bezeichnung mag zutreffend fein, nur mit dem Unter- schiede, daß die Rerchsgräfin Fichtenberg, die geschiedene Frau des Musikdirektors Grunert, die rechtmäßige, wenn auch nur morganatisch angetrante Gemahlin des Herzogs war." Sie hielt ihm ein kleines, auf Elfenbein gemaltes Portrait hm, welches zwischen den Papieren gelegen hatte, und sagte: „Sehen Sie — das ist sie." Der Professor führte sein Pincenez vor die Augen, nahm das Bild in dis Hand, und nachdem er nur einen flüchtigen Blick darauf geworfen, rief er erstaunt aus: „Aber das sind ja Sie, Frau Rohdenberg, — so müssen Sie in Ihrer Jugend aurgesehen haben, — das sind auch zugleich Siegfrieds so hübsch- wie edle Züge!" „Die ehemalige Frau Musikdirektor Grunert, die spätere Gräfin Fichtenberg, Gemahlin des Herzogs Ernst Ludwig, war meine Urgroßmutter. Die große, breite Figur des Professors sank vor Überraschung auf seinen Stuhl zurück, in seinen kolossalen, wenn auch nicht schönen, so doch sehr intelligenten Gesichtrzügen zuckte es eigenartig auf, gerade so, als wenn auf dem Konservatorium, dessen Direktor er war, eine musikalische Dissonanz sein Ohr peinlich berührte, und mit seiner gewaltigen Baßstimme, die er für gewöhnlich sehr zu mäßigen verstand, sagte er in einem dröhnenden Tone: „Das frappirt mich! Also diese berüch —, ich wollte sagen, diese bekannte Gräfin Fichtenberg war Ihre Urgroßmutter?" „Gebrauchen Sie immerhin den Ausdruck berüchtigt, Herr Professor, er ist gerechtfertigt, denn ihre Zeitgenossen haben sie verachtet und die Weltgeschichte hat sie gerichtet. Vis zu dem Augenblick, wo ich düse Papiere erhielt, hübe ich es nicht ge- mußt, daß dis Frau die Mutter meiner lieben und hochverehrten Großmutter war. Und meine Großmutter frlbst hat es erst von ihrem Vater, kurz vor dessen Tode erfahren. Er ist doch eigenthümlich, daß wohl die Meisten, die ein wichtiges Familien- geheimniß zu bewahren haben und aus weifen Gründen dasselbe ihren Angehörigen verschweigen, plötzlich, wenn sie den Tod nahen sehen, anderen Sinnes werden, und nicht von hinnen scheiden können, ohne es irgend Einem mitzutheilen; sie betrachten es gewissermaßen als ihrs Pflicht, das, was sie allein wissen, nicht mit in die Ewigkeit zu nehmen: So erging es meinem Urgroßvater, als er meiner Großmutter es mittheilte, so erging es Letzterer, als sie diese Schriften an mich adressicte, so ergeht es mir in diesem Augenblick, wo ich im Begriff steh--/ Sie damit vertraut zu machen, damit es meinem Enkel nicht absolut verloren gehe, damit ich ihm nicht für immer etwas entziehe, worauf er doch vielleicht ein gutes Recht hat." Frau Rohdenberg deutete mit dem Finger auf eins der Papiere und fuhr fort: „Dieses umfangreichste, zu einem Buch geheftete Manuskript ist der Brief oder vielmehr sind die in Briefform gemachten Aufzeichnungen meiner Groß- mutter, und diese beiden Episteln sind von der Gräfin Fichtenberg eigenhändig geschrieben. Aber ich sehe ein, daß unsere Zeit nicht ausreicht, um Ihnen das Alles vorzulesen, es ist auch nicht nothwendig, so Manches ist darin, was für Sie gar kein Interesse habe,: kann, und das Wissenswerthe kann ich Ihnen aus dem Gedächtniß reproduciren. So müssen Sie denn, Herr Professor, mit mir um mehr als hundert Jahre in die Vergangenheit zurückwandern. (Fortsetzung folgt.) Aer Schnupfen. Leicht und klein nennen wir die Gesundheit^, störung, welche nicht unmittelbar das Leben bedroht, aber lästig ist sie deshalb nicht minder; an einem Nadelstichs stirbt man nicht, aber häufige Nadelstiche verbittern doch das Leben. Zu den kleinen, ade- häufig wiednkchrenden und lästigen Störungen zählt auch der Nafenkatarrh, schlechtweg „Schnupfen" genannt. W:r kann sich rühmen, von ihm gänzlich verschont geblieben zu sein, und wer kennt nicht seine Unannehmlichkeiten? Die Disposition zu dem Schnupfen ist wohl bei den verschiedenen Personen ungleich, und zarte, schwächliche Individuen werden häufiger befallen, als kräftige und muskulöse, aber von der Kindheit bis zum Greisenalter erkranken wir Alle und öfter daran. Meist ist der Schnupfen Folge von Erkältung der äußeren Haut, insbesondere der Füße, doch können auch örtlich einwirkende Schäo- 2Ö lichkeiten denselben veranlassen, so das Emathmkn heißer Loft, nachdem man vorher in kalter L -ft sich befunden, auch das Emathmen von Staub, gewisser schädlicher Gase, ungewohntes Tabakschnupsen u. s. w. Beim Nebergange des Herbstes in den Winter, sowie der Winters in den Frühling, überhaupt bei Temperaiurschwankungen finden wir Gelegenheits- Ursachen hierzu in der leicht möglichen Erkühlung. Bei Beginn des Leidens fühlt man die Nase trocken, das eine oder andere Nasenloch verstopft, dann entsteht ein Jucken und Prickeln in der Nase, welches zu häufigem Niesen reizt; bald folgt auf die Trockenheit eine reichliche Absonderung eines farblosen, salziarn Sekrete», welches die Nasenflügelränder und die Oberlippe reizt und röthet; der Geruch- und Geschmacksinn sind beeinträchtigt, das Esten mundet nicht wie gewöhnlich, dem Raucher schmeÄ die Cigarre nicht. Ein Gefühl von Druck oder Schmerz | in der Stirne ist dabei ziemlich häufig, da die Stirn- । höhle mit ergriffen zu sein pflegt. Fast immer ist ] der Schnupfen von einem mehr oder weniger heftigen Fieber begleitet, welches sich durch Frösteln, allge- I meine Niedergeschlagenheit und Appetitlosigkeit kund- giebt und welches in der Regel 1-2 Tags lang andauert. Der ganze Verlauf bis zum Uebergang in Genesung beansprucht gewöhnlich 6—10 Tage. Bei längerer Dauer des Schnupfens, also in chronischen Fällen, oder bei häufigen Wiederholungen dieses Leidens verdeckt sich die Nasenschleimhaut, wird wulstig und führt wohl auch zur Bildung von Nasen - Polypen, Verengung der Nasengänge, AlhmungsbesHwerden re. Zur Borbeugung gegen dieses kleine Nebel dienen vor Allem jene Maßregeln, - welche vor Erkältung schützen. Man Härte den | Körper allmälig gegen schädliche WitterungSeinflüsse j durch zweckentsprechende kalte Waschungen ab, ver- j wahre sich während der rauhen Jahreszeit gehörig, ! sehe namentlich auf gute Fußbekleidung; man über- i heize das Wohnzimmer im Winter nicht und halte i sich nicht unmittelbar neben dem geheizten Ofen auf, | um den Temperaturwechsel beim Aasgehen in die i frische Luft weniger empfindlich zu machen. Gegen? das Leiden selbst empfiehlt es sich, anfangs das t Z-mmer zu hüten, warme Getränke zu genießen, z eventuell unter Vorstchr ein Dampfbad zu rühmen; gegen die chronische Form nützen am meisten Ein- pmselrmgm mit einer Lösung von salpeter saurem Srlber und ist es am zweckmäßigsten, in hartnäckigen Fällen ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kmnoristisches vom Kronprinzen. In der Schwimmanstalt. Der deutsche Krm pnnz ist, wie bekannt, ein Stamm- poft der M h är-Schwimmavstalt in Potsdam. Er opfert jeden Margen einige Münzen, nach denen sich dann ein lustiges Wetttauchen entspinnt. Als der Kronprinz das letzte Mal vor seiner Orient Reise erschien und das übliche Tauchen nach seinen Silberstücken begann, kam einer der Schwimmmeister mit einem prachtvollen Rosenbouqaett mit der Inschrift: „Auf Wiedersehen!" aus der Tiefe empor. Man batte dies Bovquett kurz zuvor versenkt. Diese Ueberraschung machte dem Kronprinzen so viel Freude, daß er noch extra siebenzehn blanke Thaler in den Fluchen verschwinden ließ, die natürlich prompt geholt wurden. Compromiß. Bü der Besichtigung der St. Georgskirche in Nördlingen sprach sich der Kronprinz lobend über deren Pracht und Größe aus. Es wurde ihm nun bedeutet, daß die katholische Kirche in Dinkelsbühl eine noch schönere und größere sei, und deshalb beschloß er, dieselbe auch zu besichtigen. Von diesem Entschlüsse wurde der Magistrat in Dinkelsbühl telegraphisch in Kermtniß gesetzt, und so erwartete der Vorstand den Kronprinzen. Bi Ankunft des Letzteren wollte der Bürgermeister eine Ansprache halten, doch der Kronprinz nnlerbrach ihn mit den Worten: „Wissen Sie was, wir zwei schließen miteinander einen Vertrag ab, Sie reden nichts und ich auch nicht!" worauf die Besichtigung der Kirche stattfand. Nach Beendigung derselben nahm der Kronprinz in den schmeichelhaftesten Worten Abschied und fuhr weiter. Apell an die Tochter. Während der letzten Manövertage bemerkte der Kronprinz aus dem Bahnhof zu D. unter der ihm enthusiastisch zujub-lnden Menge einen ihm aus früheren Jahren wohlbekannten Gutsbesitzer nebst Tochter. In chevaleresker Weise schritt „Unser Fritz", sofort an den Herren von M. zu und unterhielt sich minutenlang mit ihm. Herr von M. behielt während dieser Unterredung respektvoll den Hut in der Hand und bedeckte sein Haupt selbst dann noch nicht, als der Kronprinz ihn hierzu auffordrrte. Da wandte sich der hohe Herr mit den Worten an Fräulein von M.: „Mein gnädiges Fräulein, Sie haben gewiß einigen Einfluß aus Ihren Herrn Vater, vielleicht veranlasien Sie Ihren Papa, den Hut aufzusetzen, — ich habe vergeblich ihn darum gebeten." — Welchen Eindruck diese Liebenswürdigkeit auf die Zeugen dieser Scene gemacht, das braucht wohl nicht erst geschildert zu werden. Sicbaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Meßen.