ein Wahltag ftag und der " gewöhnlich re Abtheilung nder Persön- en geschieden Ltraßenlieder s wenn Per- :tt, oder auch Unglücksfälle, ;en. genden Buch- Terminologie :t und Weise Unterabthei- sogenannten Speculan- c Geständnisse ragödie" von Erzählungen verungen von Sachen zum er" repräsen- rnndler, weil efinden, dem >n anpreisen; Buchhändler, galten pflegen, engen Menge ien Waare in ) der fliegende l einen stehen- assage, einer ch anhält und nelches an der Inhalt seiner ciebener.Form mer Straßen- Personen, lich Schriften verboten ist; n Preis einen > Schrift als >zweig erheischt Verschämtheit; Strohhändler d was je nach stitischen, bald »sittlichen Jn- angeblich nicht ltig in einen daß Niemand Weiteres auf (trug entdecken h der Verkauf x schlüpfrigen Hichener Iamilienbläiler. Belletristisches Beiblatt;um Gießener Anzeiger. Nr. 107. Dienstsg dm 11. September. 1888. Im Kaufe Immendorf. Original-Roman von Emilie Heinrichs. (Fortsetzung.) 7. Fräulein Ulrike hatte noch am selben Abend eine geheime Unterredung mit dem alten Johann gehabt, worauf dieser in der ersten Frühe des nächsten Morgens, bevor noch irgend ein Anderer im Hause wach geworden, geräuschlos bei dem überraschten Ulrich eingetreten war, und ihn auf des gnädigen Fräuleins Anordnung in eins der entlegensten Zimmer des großen Hauses geführt hatte. „Der gnädige Herr würden sich hier in Ihrem eigenen Zimmer, das Sie früher bewohnt haben, heimischer fühlen", setzte der Alte mit bebender Stimme hinzu, „und über meine Dienste besser verfügen können." Ulrich nahm dem alten Diener die Kerze aus der Hand, setzte dieselbe aus den Tisch und warf dann einen langen Blick in dem bekannten Raum umher. „Er ist gut, alter Freund!" preßte er mühsam hervor, „gieb mir Deine Hand und leg Dich dann wieder schlafen." „O, mein lieber, junger gnädiger Herr!" schluchzte Johann, „gebieten Sie nur über mich, wie früher, und wenn mein altes Leben von Nutzen für Sie sein kann, so will ich's gern hingeben." „Ich danke Dir, Du treue Seele!" versetzte Ulrich, mühsam seine tiefe Bewegung niederkämpfend, „wenn ich nur erst von hier fort wäre, und wieder auf dem Meere mich befände, es sollte sicherlich dir letzte Thorheit meines Lebens fein." Er winkte dem Alten, zu gehen, und seufzend verließ dieser das Zimmer. Am Vormittag ging Hedwigs aus. — Das Wetter hatte sich aufgeklärt, die Sonne vergoldete mit ihren herbstlichen Strahlen die letzten welken Blätter. Mit sorglos heiterem Antlitz hatte sie das Haus verlassen, einen Umweg durch die Promenaden gemacht, und das Haus des Majors betreten, wo sie zu ihrer großen Genugthuung diesen allein traf. „Dir Damen find nach dem Bahnhof, meine kleine Gnädige!" ries Tellkamp, ein stattlicher Fünfziger mit kurzgefchorenem grauem Haar und starkem, militärischem Schnurrbart, dessen gutmüthiges Amlitz bei ihrem Anblick auflsuchtete, „wir haben eine große Ueberraschung gehabt, da, lesen Sie selber," Er reichte ihr ein Telegramm, das Hedwigs verwundert überflog. „Ach, Ihr Neffe, der berühmte Reifende kehrt heim, welche Freude für Sie Alle, lieber Herr Major!" „Ja", nickte er fröhlich, „der Wetterrjunge schreibt natürlich keine Zeile, woher die Muße dazu nehmen? Der Blitz kann's besorgen, — ich komme mit dem Elf-Uhr-Zuge, das muß hinreichend sein. Wollte natürlich such hin, um ihn zu empfangen, da muß die alte Wunde von anno 66 wieder höllenmäßig rumoren und mich an's Haus fesseln. Aber bitte doch, sich zu srtzrn, Fräulein von Jmmendorf, — verzeihen Sie meine Vergeßlichkeit. Alles wohl da« heim? Die gnädigen Tanten —" „Tante Ulrike sendet mich zu Ihnen, lieber Herr Major I" unterbrach Hedwiga ihn hastig, „sie erbittet einen großen Freundschaftsdienst von Ihnen." „Das freut mich von ganzem Herzen", versetzte der Major, sich stolz aufrichtend. „Ich stelle mich dem gnädigen Fräulein mit meiner Person und meiner Habe zur unumschränkten Verfügung." „Wir besinden uns seit gestern Abend in einer furchtbaren Lage", fuhr Hedwiga rasch fort, „und Tame Ulrike meinte, daß wir eines treuen, verschwiegenen Freundes, mit einem Worte, Ihres Beistandes bedürften —" „Ich danke dem gnädigen Fräulein für dieses Vertrauen", unterbrach der Major sie freudig erregt, „nun kurz jetzt, meine Gnädige, wir werden nicht lange mehr allein fein." Hedwiga erzählte mit halblauter Stimme, was sich fett gestern bei ihnen zugetragen, und gespannt hörte der Major zu. : „Halten Sie meinen Bruder für den Thäter?" fragte sie am Schluß ihrer Erzählung. „Nein, Fräulein Hedwiga!" versetzte Tellkamp im Ton heiligster Ueberzeugung. „Ihr Bruder Ulrich zeichnete sich schon als Knabe durch seine strenge Wahrheitsliebe aus. Ich kannte ihn genau, er war | mir lieb und werth, und wäre ich damals hier zur Stelle gewesen, dann hätte sein Schicksal jedenfalls eins andere Wendung genommen. Selbstverständlich werde ich jetzt für feine Rettung eintreten, das Wie müßte ich jedoch mit Ihrer Tante überlegen, und da das Fretfräulein Irmgard sicherlich nichts davon erfahren darf —" „Um keinen Preis, Herr Mazor!" — „Ich selber ihr außerdem höchst unsympathisch bin", fuhr Tellkamp melancholisch lächelnd fort, „io 1 müßte Fräulein Ulrike sich also zu einem Besuch in h) in Gießen, 430 Reinem Hause bequemen, wobei allerdings in den nächsten Tagen auf keine vertrauliche Erörterung zu hoffen ist. —" „Sie könnten immerhin bei uns einen Besuch wagen, ohne von Tante Irmgard gesehen zu werden, Herr Major!" bemerkte Hedwiga etwas zögernd. Tsllkamp sah ste nachdenklich an. „Meinen Sie? — Nun, wir werben schon das Richtige finden, meine kleine Gnädige! — Hier meine Hand darauf, ich reite den armen Ulrich trotz aller Wachen und Spione. Er darf um keinen Preis in die Hände der Polizei fallen, da man ihn unbedingt für den Thäter halten und verurtheilen würde. BZ» wahren wir also das Gesetz vor einem Justizmord, da es schwer fallen dürfte, seine Unschuld fest- zustellen. —" „Zumal ihn Niemand als den Sohn unseres Hauses erkannt hat", setzte Hedwiga tief aufath» mend Hinz«. „Was uns besonders zu statten kommen soll", sprach der Major zuversichtlich, „hoffen wir da« Beste, Fräulein Hedwiga! — Und nun —" „Werde ich mich empfehlen, bevor Ihre Damen mit dem Erwarteten eintreffen. — Ach, da sind sie schon!" Ein Wagen hielt vor der Thür. Während der Major, nachdem er Hedwiga gebeten, zu bleiben, das Zimmer verließ," um den Heimkehrenden zu begrüßen, entfernte sich diese ebenfalls, und huschte eiligst auf einem anderen ihr bekannten Weg aus dem Hause, da es ihr zu peinlich erschien, als Fremde bei dem ersten Wiedersehen zugegen zu sein. Es war ein gar herzlicher Empfang, welcher dem Neffen von dem Onkcl Major zu Theil wurde. Der Sohn seiner Schwester, Egon Dörner, war ein ernster, junger Mann von 28 Jahren, viel zu ernst und zu gereift für seine Jugend, wie die Frau Mama bedauernd meinte, obwohl ste voll mütterlichen Stolzes auf den schönen, von einer südlichen Zone gebräunten Sohn schaute, welcher sich bereits einen berühmten Namen in der wissenschaftlichen Welt erworben hatte. Bor fünf'Jahren war Egon mit einer Afrika- Expedition hinausgezogen, und als kühner Forscher und Reisender bekannt und geehrt worden. Sein erstes wiffenschaftliches Werk hatte Epoche gemacht und sein Ansehen in der gelehrten Welt fest gegründet, durfte die Familie nicht stolz sein auf diesen Angehörigen? „Ich wundere mich, daß ein berühmter Mann genau wie andere Menschenkinder aursieht", meinte seine Pflegeschwester, die hübsche blonde Magda, ihn muthwillig von allen Seiten beschauend. „Habe ich mir doch steif und fest eingebildet, daß so ein Mann, welcher jahrelang die Welt durchwandert und mit Wilden aller Art verkehrt hat, ein ganz aparte» Aussehen haben müsse, etwa —" „Nun, etwa?" fragte Egon lächelnd, al« ste\ stockend nach dem rechten Ausdruck zu suchen schien, i | „Ach, wie ein Häuptling mit Federnschmuck und Tätowirung", lachte Magda fröhlich auf. „Aber Kind, welche absurde Idee!" rief die Mama entsetzt. „O, ich finde diese Idee sehr natürlich, liebe Mama!" bemerkte Egon in seiner ruhig ernsten Weise, „in früheren Zeiten wäre sie vielleicht ver< wirklicht worden, da kein Mensch des damalige« civiliflrten Europas uns anders Glauben geschenkt \ haben würde. Wir find übrigens bei den Neger« i gewesen, kleine Magda", setzte er lächelnd hinzu, !„wo jeder Stamm seinen König besitzt, die einzige Cultur, auf welche ste Anspruch machen. Und für einen Neger könnte ich meiner Hautfarbe nach bei« I nahe schon passtren." „Bewahre Gott, mein Junge!" lachte der Major, l sich behaglich in eine Sopha-Ecke drückend, „Du l siehst mit Deinem ernsten Broncegeficht wie ein ara> bischer Emir aus. Komm', mach' Dir's bequem, nimm die andere Ecke ein; sorge für einen guten Credenztrunk, Magda!" „Der Frühstückstisch ist im Speisezimmer herge- I richtet, Rudolf!" bemerkte die Regierungsräthin, zu i ihrem Bruder gewendet. „Wir wollen Euch dort i erwarten." „Gut, gut, liebe Clotilde", nickte der Major zufrieden, „laß uns einstweilen Cigarren bringen." Im nächsten Augenblick waren die beiden Herren allein und zündeten sich eine Cigarre an. In den Sopha-Ecken zurückgelehnt, beobachteten sie mit einer f Art Andacht die kunstvollen Ringel des duftigen ! Krautes, welche langsam zur Decks emporstiegen. Der Onkel schien dabet einen sorgenvollen Ge- f danken zu verfolgen, da sein Gesicht sich ungewöhn- z lich umwölkte. „Du kennst doch die Familie von Jmmendorf", fragte er plötzlich so unvermittelt, daß der schweigsame Neffe erstaunt emporfuhr. „Freilich, — freilich — so aus respektvoller Entfernung, lieber Onkel!" versetzte Egon geradezu verblüfft, weil er von der Jugendliebe desselben genug erfahren hatte, um von einer solchen Frage nicht im höchsten Grade überrascht zu werden. „Der Freiherr ist im vorigen Jahre gestorben", \ fuhr der Major, nur mit seinen Gedanken beschäf- j tigt, rasch fort, „die Familie, ich meine diese letzte l Generation, ist von schweren Schicksalen heimgesucht worden. Vielleicht hast Du früher davon vernommen?" „Es ist mir so, als ob sich dort vor vielen Jahren ein Drama abgespielt habe", versetzte Egon, den Onkel nachdenklich anblickend, „handelt es sich nicht um ein Duell, einen Treubruch oder dergleichen?" „Ja, um beides", nickte der Major, „in Folge dessen die älteste Tochter des freiherrlichen Hanfes, welche gerade vermählt werden sollte, von einem Schlaganfall betroffen wurde, welcher eine lebenslängliche Lähmung zur Folge hatte." „Jetzt erinnere ich mich, Onkel, — da» Duell fand zwischen dem Freiherrn von Jmmendorf und einem Grafen — wie nannte er sich doch?'! „Mi Cigarre die Thü Gestalt „We sprach £ Egai und mei nächstens lassen. „kln „We Abwesen ihre Vsr Schmeiä gehört, ! zerstreut, könig ße Die und scha ein laut« --Ich sprach 2 tes gean Sache ei „Sa freilich, I könig w wie, klei -,Da durchaus Hier Regierur Mißverfl Der wurde d die unge lienkreife , A Magda, „We ,,M« fall» seh „Eir schaltete sich zu g Egon „Gtt ist mein Hochmut! Vermöge theile au daß sie si „Ein 431 dernschmuck und auf. Zdre!" rief die natürlich, liebe ruhig ernsten re vielleicht ver- des damaligen tauben geschenkt :i den Negern lächelnd hinzu, itzt, die einzige chen. Und für färbe nach bei» rchte der Major, drückend, „Du ht wie ein ara> Dir'« bequem, ür einen guten sezimmer herge< mngsräthin, zu llen Euch dort der Major zu- !N bringen." i beiden Herren ! an. In den tt sie mit einer l des duftigen nporstiegen. rgenvollen Ge- flch ungewöhn- ! Jmmendorf", rß der schweig» s respektvoller Egon geradezu »liebe desselben solchen Frage werden. jre gestorben", danken beschäf» Ine diese letzte en heimgesucht vernommen?" wr vielen Jah- tzte Egon, den 1 es sich nicht dergleichen?" or, „in Folge lichen Hauser, r, von einem c eine lebenr- — das Duell amendorf und . doch?-; „Graf Rüdershausen —" Ahl" „Mit diesem kurzen Ausruf legte Egon seine Cigarre in bett Aschenbecher, weil im selben Moment die Thür geöffnet und Magda's schlanke, zierliche Gestalt sichtbar wurde. „Wenn die Herren jetzt die Güte haben wollen?" sprach Letzere mit einem anmuthigen Knix. Egon erhob sich rasch, um ihr den Arm zu bieten, und meinte lächelnd, daß er darauf gefaßt sei, sich nächstens ihren zukünftigen Gemahl vorstellen zu lassen. „Und weshalb beim", fragte sie befremdet. „Weil meine Pflege-Schwester währenb meiner Abwesenheit zu reizend herangewachsen ist, um nicht ihre Verehrer und Anbeter zu haben." „O, versteht ein großer Gelehrter auch das Schmeicheln?" lachte Mazda belustigt auf, „hastDu's gehört, Onkel Rudolf?" „Freilich, freilich, Kind!" versetzte der Major zerstreut, „Egon wird dabei an irgend einen Negerkönig gedacht haben." Die beiden jungen Leute blieben erstaunt stehen und schauten sich dann an, um zu gleicher Zeit in ein lautes Lachen auszubrechen. „Ich glaube wahrhaftig, Ihr lacht mich aus", sprach Tellkamp verlegen, „habe ich etwas Verkehrtes geantwortet?" „Ja, Onkelchen!" lachte Mazda, ihm sofort .die Sache erklärend. „So, so", schmunzelte der gutmüthige Herr, „na, freilich, da hattet Ihr Ursache zum Lachen, ein Neger- könig wäre am Ende doch auch nicht zu verachten, wie, kleine Mazda?" „Danke vielmals, Onkel Rudolf! — ich trage durchaus kein Verlangen nach einer Krone." Hier betraten sie das Speisezimmer, wo die Regierungsräthtn bereits ihrer harrte und das drollige Mißverständniß des Majors ebenfalls belächelte. Der edelste Trunk Wein, dm der Keller barg, wurde dem theuren Gast gespendet und bald herrschte die ungetrübteste Fröhlichkeit in dem kleinen Familienkreise. „O, wenn Hedwiga doch hier jetzt wäre", rief Mazda, mit Egon wiederholt anstoßend. „Wer ist Hedwiga?" fragte dieser aufgeräumt. „Meine einzige Herzensfreundin, welche Dir jedenfalls sehr gefallen wird, Egon!" „Ein hochadeliges Freifräulein von Jmmendorf", schaltete die Regierungsräthtn ein, „deren Familie sich zu gut hält, mit uns umzugehen." Egon runzelte die Stirn. „Gleich zu Gleich", sagte er etwas herbe, „das ist mein Grundsatz Uebrigens finde ich einen solchen Hochmuth hier gänzlich unmotivirt, da Bildung und Vermögen in der heutigen Zeit alle Standesvorur- theile ausheben. Was find denn diese Jmmendorfs, daß sie stch gezsn den mächtigen Zeitgeist auflehnen?" „Ern in seinen Vermögens-Verhältnissen sehr i heruntergekommenes Geschlecht", versetzte dis Frau Mama geringschätzig, „dessen letzter Sprosse —" „Bitte, liebe Clotilde", Mischte sich hier der Major mit sichtlicher Verstimmung ein, „lassen wir I solche unerquickliche Erörterungen und Randglossen bei Seite. — Die sreihrrrliche Familie von Jmmendorf steht zu hoch in meinen Augen, um eine Verunglimpfung derselben dulden zu können. Der letzte Sprosse ist allerdings durch einen beklagmswerthen Zwiespalt vor Jahren veranlaßt worden, in dis weite Welt zu gehen, wird iv.dch, wie ich erfahren, in kürzester Zeit wieder Heimkehrer?, um das Ecbe des freiherrlichen Namens als jetziges Oberhaupt der Familie anzutreten." „Ach, Hedwiga's Bruder kehrt zurück?" rief Mazda überrascht, „da haben wir uns ja viels Neuigkeiten mitzutheilen." „Ist das nicht der tolle Baron Ulrich, von welchem seiner Zeit so viel die Rede war?" fragte Egon aufmerksam. „Ich hörte auf der Universität eins Menge fabelhaftester Geschichtchen über den tollen Jmmendorf, welche mich mit Grauen isab Bewunderung erfüllten." „Ja, er war ein Brausekops", nickte der Major gedankenvoll, „aber dabei ein ehrlicher, durch und durch wahrhaftiger Charakter. Er wollte Officier werden, während ihn der Vater zum Staatsmann bestimmte und den zukünftigen Minister in ihm erblickte. Darin lag der eigentliche Conflict seines verfehlten Daseins. Dann traten allerlei andere Thorheiten seines leidenschaftlich'» Charakters hinzu, um den Bruch zwischen Vater und Sohn unheilbar und den Unglücklichen heimathlos zu machen." Die Regierungsräthtn, welche die brüderliche Rüge mit innerem Unwillen entgegen genommen, konnte stch zugleich eines Malitiösen Lachens nicht enthalten. Der MajorWickte sie befremdet an. „Verzeih', lieber Rudolf!" sprach sie, „aber ich muß über Deinen tragischen Ton lachen. Der junge Jmmendorf läßt sich nicht zum Märtyrer umwan- deln, da er nichts weiter als ein mauvais sujet gewesen." „Darin kann ich Dir kein Urtheil zugestehen, liebe Schwester!" entgegnete der Major etwas gereizt, „weil Du den jungen Jmmendorf nur vom Hörensagen, ich ihn aber ganz genau gekannt habe, und deshalb mit Fug und Recht behaupten kann, daß in ihm das Zeug zu einem außerordentlichen Mann steckte." „Ich glaube das ebmsalls, Onkel!" tief Egon, „er hätte als Soldat sicherlich Großes geleistet." „Er kann's ja jetzt nachholen", meinte dis Regie- rungsräthin einlenkend, „obwohl nicht jung mehr —" „O, er ist höchstens um dis Vierzig herum'', fiel der Major eifrig ein. „Zum Militärdienst ist es l natürlich zu spät, aber seinem Stande kann er immer- ? hin noch Ehre machen. Ich freue mich arfcichtig, j ihn wiederzusehen." i (Fortsetzung folgt.) Die „fliegenden Buchhändler" 432 . I aber wird von den Theilnehmern der Buchhändler llt | mit Stentorstimme unter Hervorhebung der Stichworte ausgerufen, wahrend die Einzelheiten nur ge- heimnißvoll angedeutet werden und diese Specula- tion auf die Neugierde des Publikums erweist sich in den meisten Fällen als richtig. Andere der fliegenden Buchhändler cultiviren als ihre Specialität den Verkauf der sogenannten zweiten Nr. 108 gggggg** London. (Schluß.) Der Verkäufer nimmt gewöhnlich eine alte Zeitung, eine religiöse Erbauungsschrift oder eine „Schneiderposaune", ein Blatt Papier, auf welchem ein billiger Schneider seine Anzüge anpreist, und schlägt dieses unschuldige Preßerzeugniß sorgfältig in einen farbigen Bogen, welcher dann an allen Ecken und Enden zugesiegelt wird, worauf er es mit einem bezeichnenden, faunischen Mienenspiel ausbietet. In verschiedenen Theilen Londons liegen in den Vuchhändlerladen Bücher bedenklichen Inhalts aus, und die fliegenden Buchhändler suchen ihre Packete nun so einzurichten, daß dieselben den erwähnten ausgelegten Productionen äußerlich ganz ähnlich sehen. Sie nehmen darauf ihren Stand in der Nähe eines dieser Laden und sobald sie nun bemerken, daß Jemand die Titel der in dem Schaufenster ausgelegten Bücher mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet, reden sie ihn an und äußern, daß sie im Stande seien, dieses oder jenes Buch um so und so viel Schilling oder Pence billiger zu verkaufen, als der Ladenpreis beträgt. Geht nun der betreffende Buchliebhaber auf dieses Anerbieten ein, so wird ihm gegen Erlegung des von dem fliegenden Buchhändler geforderten Preises das schon vorher präparirte Packet in die Hand gedrückt und der Verkäufer hat es begreiflicher Weise alsdann sehr eilig, um die nächste Ecke zu verschwinden. Sehr häufig betreiben aber auch die Londoner fliegenden Buchhändler ihr Geschäft nicht einzeln oder nur durch einen Chaunter unterstützt, sondern in Gruppen von drei oder vier Personen. Diese Art der fliegenden Buchhändler legt das Hauptgewicht bei ihrem Vertriebe ebenfalls darauf, die Neugierde des Publikums zu reizen, ohne sie zu befriedigen. Deshalb rufen die zu der Gruppe gehörigen Personen nur gewiffe Stichworte aus, als Mordthat! Entführung! Einbruch!; der Gegenstand der von ihnen vertriebenen literarischen Preßerzeugnisse besteht überhaupt stets in schrecklichen Mord- oder Piratengeschichten, Verführungen, verbrecherischen Verschwörungen, Explosionen, Eisenbahnunfällen, Schiffbrüchen, Duellen und ähnlichen Ereignissen, welche im Stande sind, die Nerven des Publikums zu erschüttern. Immer aber nehmen gräßliche Mordthaten die erste Stelle ein und die Procedur, welche dis fliegende Buchhändlergruppe hierbei anwendet, ist ganz systematisch; erst erscheint ein Quartblatt, welches die frühesten Nachrichten bringt, darauf kommen die halben Bogen mit späteren Einzelheiten, Enthüllungen und Verhören, welche gewöhnlich den Berichten der Zeitungen entnommen und für die Straße bearbeitet sind und zuletzt erscheinen ganze Bogen, ja, bei ganz besonderen Anläsien sogar Doppelbogen. Jede neue Auflage oder Extra-Ausgaben der Zeitungen, die namentlich in politisch bewegten Zeiten in London sehr häufig erscheinen und die Leute machen hiermit außerordentlich gute Geschäfte, wenu die Weltereignisse nur einigermaßen danach angethan sind. Wieder andere der fliegenden Buchhändler befassen sich mit dem Vertriebe der eigentlichen Gesänge der niederen Volksschichten Londons, jener Gassenhauer, die namentlich auf den Bühnen der Londoner komischen Theater untergeordneten Ranges zum Repertoire gehören und ihren Weg alsbald in breite Schichten der untersten Volksklassen gefunden haben. Diese Lieder sind meist auf einen meterlangen, handbreiten Streifen Papier gedruckt, welcher an einen Stab befestigt wird, so daß der Streifen seiner ganzen Länge nach zu sehen ist und nach dem Maße werden sie in der That auch verkauft. Diese Species der Londoner Straßenbuchhändler vertreibt auch außerdem noch Wahrsagebüchlein, Traumbücher, Penny-Lehrbücher für die Kinder und Sammlungen von Charaden, Räthseln, Witz- und Wortspielen. Ein geschickter Verkäufer der genannten Sammlungen giebt einige der anziehendsten Stellen aus seiner leichten Waare zum Besten, um die Kauflust zu animiren. Wie z. B.: „Nun meine Herrschaften, auf welcher Seite hat das Pferd die meisten Haare? Sie wissen es nicht? O, so belieben Sie dieses Büchlein zu kaufen, es wird Ihnen sagen, daß das Pferd stets auf der Außenseite die meisten Haare hat!" Doch bindet sich der Verkäufer nicht immer an den Inhalt seines Buches, sondern improvisirt irgend eine Räthselfrage, die natürlich Niemand zu beantworten im Stande ist und die schließlich der Verkäufer selber in einer Weise beantwortet, welche stets das schallende Gelächter der Zuhörer hervorruft. In früheren Jahren vertrieben die fliegenden Buchhändler in den Straßen Londons auch Missionsberichte, Tractätchen und sonstige kleine Erbauungsschriften, da dieses Genre in der englischen Metropole eine Zeit lang sehr „in Mode" war. Gegenwärtig aber ist diese eigenartige literarische Erscheinung fast gänzlich von der Straße verschwunden, zumal in Loudon ja eine Reihe frommer Gesellschaften bestehen, deren Sendboten mit ihren Tractätchen von Haus zu Haus ziehen und dieselben gratis vertheilen — wer möchte denn da noch etwas für solche Sachen ausgeben? Wenn Einem gegenwärtig in London ein Erbammgsschriftchen auf offener Straße angeboten wird, so versteckt sich in den meisten Fällen nur eine ganz gewöhnliche Bettelei dahinter und die fliegenden Buchhändler selber protestiren am meisten gegen eine solche Pfuscherei in ihr Handwerk. Redacüon: i. B. Hermann Elte. Druck und Verlag der Briihl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießern I Orsi „Es mich, das eine Boml kopfschütte „Aller der Majo nur seltsa nun genm einen Sp darnach, wieder zu „Und lief Mag „dar hält wiga war bereits h rückkehrte dafür, D Dies« begaben gang uw Der Glanz st und fpv gefärbte« Das sich das spielt, t er jetzt sindels < Hier Randga weil zu seine sck Da« hier,un sonst w den kat De« führt, zu veile heftend „T