Kichener JamilienbläÜer. Belletristisches Beiblatt ;um Gießener Anzeiger. Nr. 67. Samstag den 9. Juni. 1888. US Der Gröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) Der Tag verging der jungen, schönen Gefangenen sehr langsau?. Sie hatte durch Jim Nachricht erhalten, daß sein Schutzbefohlener einfach in sein Asyl zurückgebracht worden sei mit der Drohung für Frau Vieini, er würde in ein Irrenhaus verbracht werden, sobald er sich wieder in der Villa blicken lasse. Nun ging Olla mit unruhigen Schritten in ihrem Zimmer auf und ab. Sie dachte an Flucht — ersann Pläne über Pläne, aber immer wieder stellte sich ihr ein Hinderniß entgegen. Bei Tage zu entfliehen war unmöglich, bei Nacht äußerst gefährlich, des zottigen Wolfshunde» halber, und überdies stand kein Dampfschiff bereit, sie aufzunehmen. „Und doch will ich entfliehen, mag e« kommen, wie es will", sagte Olla zu ihrer mütterlichen Freundin. „Wir müssen unfern Plan Jim schriftlich mittheilen, da j der mündliche Verkehr bewacht ist." Am nächsten Morgen besuchte Jim wiederum die Fischerhütte und der Bericht, den er Olla im Beisein Krigger's abstattete, lautete trostlos genug. Nicht nur, daß der junge Engländer trübsinniger war denn je und Speise und Getränke van sich gewiesen hatte, da» Unglück hatte sich auch in anderer, schrecklicherer Form unter dem Dache der Frau Viclnt gezeigt. Ale der Sendbote Olla's nämlich der Fischerhütte sich näherte, kam ihm die ehrliche, gute Frau mit rothgeweinten Augen entgegen mit dem Ausruf: „Tomaso, mein guter Mann, er ist todt!" Mit vor Weinen erstickter Stimme hatte ste ihm mitgethetlt, daß er auf dem Meere, im Begriffe, die Segel seines Bootes einzuziehen, von einem Windstoß über Bord geschleudert wurde. Dem Gefährten war es nur gelungen, dem tückisch n Element eine Leiche zu entreißen. Die unglückliche Frau hatte Jim ferner mitge« thetlt, daß sie die Hütte, den Weingarten und da« Vieh verkaufen und die Stätte für immer verlassen wolle, um zu ihren Verwandten zu gehen. Ste könne daher auch Guy nicht länger verpflegen. Sechszehntes Kapitel. Ein kühner Entschluß. Zur selben Stunde, als Jim bei Frau Vicini war, trat Gonnr in Olla'» Zimmer ein. Da» junge Mädchen befand sich allein, da ihre Vertraute im Nebenzimmer beschäftigt war und faß vor dem knisternden Kaminfeuer, den Kopf auf die Brust gesenkt, das G-sicht voll namenloser Traurigkeit. „Guten Morgen, mein Fräulein!" In Gedanken versunken hatte sie das Oeffnen der Thürs nicht bemerkt, nun aber beim Klange der verhaßten Stimme schnellte sie empor und maß den Eindringling mit einem Blicke voll Stolz und Verachtung. „Ihr seht nicht wohl au», mein schönes Kind", sagte er, „Euch fehlt frische Lust und Bewegung. Ich habe nicht erwartet, daß Ihr die Gefangenschaft so leicht ertragen werdet. Ihr habt diesen Zustand nur Euch zuzuschreiben, aber ich will Euch keine Vorwürfe machen, vielmehr bin ich g> kommen, um Euch zu sagen, daß Ihr jeden Augenblick frei sein könnt — wenn Ihr nur wollt." Da» Mädchen schaute ihn durchdringend an. „Unter welchen Bedingungen?!' fragte sie. „Daß Ihr meine Gattin werden wolltl" Er trat einen Schritt näher auf sie zu, während wilde Gluth au» seinen Augen sprühte. Offenbar glaubte er an einen sicheren Erfolg, doch Olla wich scheu vor ihm zurück. „Ihr habt meine Antwort bereit» erhalten. Niemals I Niemals! Niemals!" Ec blickte sie finster an. Die Gefangenschaft allein genügt nicht, wie ich sehe, ich muß zu andern Mitteln-Zuflucht nehmen, um diese Hartnäckigkeit zu besiegen." „Welcher Art sollen die s:in?" „Ihr scheint ein großes Interesse für den Blödsinnigen auf dem Felsen gefaßt zu haben", murmelte Herr Gower ausweichend. „Ja, dos habe ich auch — der arme Mensch! Wer würde ihn nicht bemitleiden?" „Für den Fall, daß Ihr fortsahrt, mir zu trotzen und Euch meiner Bewerbung zu widersetzen", sagte Herr Gower finster lächelnd, „werde ich mich Eures Günstling« annehmen. Ich werde ihn in ein Irrenhaus bringen lassen." „Ihr würdet wirklich den armen Jasper Lowder an einen solchen Ort bringen lassen? schrie Olla, die Augen weit öffnend. „Welches Recht habt Ihr, ihn au» seiner j tzigen Heimath wegzuführen?" „Ihr habt eine romantische Neigung für diesen armen Wahnsinnigen gefaßt und aus Mitleid für ihn müßt Ihr einwilligen, meine Gattin zu werden", l sagte Herr Gower. Olla war bleich, aber noch immer trotzig. 270 „Ihr habt meine Antwort", sagte sie. „Dann geht Jasper Lowder morgen in ein Irrenhaus", erklärte Gower. „Und dann?" flüsterte Olla. „Wird er den Rest seines Lebens dort znbrin- gen", sagte Gower, seine sinnlichen Lippen mit wildem Ausdrucke zusammenpressend. Olla schauderte. Ein furchtbares Weh schnitt ihr durch's Herz. Namenloses Mitleid für den armen Guy Tresstlian erfüllte ihre Seele. „Und wenn das Mitleid für den Unglücklichen und Hilflosen, den Ihr so leicht retten könnt, Euch nicht zum Nachgeben zwingt", fuhr Herr Gower mit höhnischem Lächeln fort, werdet Ihr vielleicht aus Mitleid für Euch selbst nachgeben. Fügt Ihr Euch mit Anbruch des morgigen Tages nicht in meine Wünsche, so wandert der junge Mann, der Euer Herz so rasch eingenommen, in das Irrenhaus. Auf einer Seite winkt ein sorgenloses, freies Leben, auf der andern Kummer, Finsterniß, Gefangenschaft, Verzweiflung — bedenkt das wohll Entscheidet über Euer und des jungen Mannes Schicksal, morgen früh hole ich Antwort." Er kehrte ihr den Rücken, warf die Thür hinter sich in's Schloß, verschloß dieselbe und entfernte sich. Fünf Minuten, nachdem Herr Gower Olla verlassen hatte, flog ein mit einem Kiesel beschwerter und mit Bindfaden befestigter Brief durch das offene Fenster in's Zimmer. Der Brief war von Jim geschleudert und der ehrliche Bursche schillerte darin die Vorkommnisse in der Fifcherhütte. Zum Schlüsse bemerkte er, daß zu einem Fluchtversuche das Boot der Frau Vicini, welche» mit ihrem gesummten Eigenthum verkauft sei, gute Dienste leisten könne, umsomehr als Gower in der kommenden Nacht beim Konsul speisen würde. Auch finde in der Nähe ein Dienerschaftkball statt, den Krigger sowohl als die Haushälle-in, des einförmigen Lkbens müde, auf einige Stunden zu besuchen beabsichtigten. Olla's Gesicht erglühte in freudiger Erregung, als sie den kurzen Brief durchlas. „Liebe gute, gute Amme, endlich ein Hoffnungs- strahl auf Erlösung", begann Olla in beinahe heite- rem Tone. „Heute Nacht müssen wir entfliehen oder es bietet sich uns vielleicht nie mehr dazu Gelegenheit. Jim theilt mir soeben mit, daß unser Peiniger heute Nacht zu einem Diner beim Konsul eingeladen ist und ein Theil der Dienerschaft zu einem Ball gehen wird. Ich müßte mich sehr täuschen, wenn nicht auch die zur Wache bestimmten Diener sich von ihrem Posten schlichen, um an einem ihnen so seltenen Vergnügen Theil zu nehmen. Aber hast Du auch Muth?" „Gewiß, meine Theuerste. — Die ganze Welt will ich mit Dir durchwandern und vereint mit Dir jeder Gefahr trotzen." „Nun heißt es nur recht vorsichtig sein, damit wir keinen Verdacht erregen — wir können keinerlei Vorbcrei'ungen treffen und müssen Alles erst ordnen, wenn wir wieder frei find. Dem Himmel sei gedankt, daß ich reichlich mit Geld und Juwelen versehen bin, in solchen Augenblicken lernt man erst den Werth des Geldes kennen. Pocke etwas Wäsche und noch etwaige Werthsachcn in die kleine Reisetasche — olles Andere überlassen wir dem Himmel und dem Zufall." Als Krigger den beiden Gefangenen da« Mit- tagsmahl fervirte, fand er anscheinend zwei hoffnungs- lose, vsizweiflungsvolls Frauen und beeilte sich sofort, Herrn Gower diese Situation anzuzeigen und ihm dadurch baldigen Sieg in Aussicht zu stellen. Ein triumphirendes Lächeln auf den Lippen und den Befehl, strenge Wache zu halten, noch einmal wiederholend, bestieg Herr Gower seinen Wagen. Genau auf dieselbe Weise, wie Jim seine junge Herrin von den Tagesbegebenheiten unterrichtet hatte, theilte sie ihm in einem unbewachten Augenblicke ihren Entschluß mit, die kommende Nacht zur Flucht zu benützen. Mit Hoffnung und Zittern verbrachte Olla den Abend, harrend auf den Augenbl ck, wo ihre Gefäng- nißwärter zum Tanze eilen sollten, um ihre Freiheit und die Guy Tresstlian's zu erringen. Siebzehntes Kapitel. Der Eindringling gewinnt immer sichereren Boden. Die kleine G-sellschaft, bestehend aus Blanche Jrby, Sr Arthur Tresstlian und Jasper Lowder dehnte ihren Spaziergang übtr fämmrliche Anlagen, Gärten, Gewächshäuser und sonstige interessante Plätze, die nicht wett vom Herrenhause entfernt waren und zum Tresstlian-Hof gehörten, aus. Low. der war vorsichtig und hütete sich vor jeder über, eilten Bemerkung. Hier und da tiff er einen Umstand zurück, den er entweder von Guy selbst oder ou« dessen Tagebuch erfahren, und der von der Umgebung, in der er sich befand, angeregt wurde. Er überließ sich im ersten Augenblicks Ausbrüchen des Entzückens; zeigte Urberrafchung, wenn er etwa» Neues sah und bewegte sich im Ganzen sehr geschickt. Endlich kehrten sie in das Schloß zurück. Blanche ging auf ihr Zimmer und Sir Arthur führte Lowder in da« große alte Bibliothekzimmer. „Ich bin froh, daß ich den lieben alten Saal unverändert finde", sagte Lowder, langsam an den langen Reihen der mit Büchern beladenen Schränke vorbeigehend und dieselben turch die Glasthüren aufmerksam betrachtend. „Du hast eine prachtvolle B.blio hek, Vater, und jedes Buch ist werthvoll." Er betrachtete die Büsten, welche über der höchsten Bücherreihe unter der prachtvoll gemalten Decke des Zimmers angebracht waren und prägte sich genau die Möbel und Alle«, was sonst im Zimmer war, ein. „Du siehst ermüdet aus, mein Junge", sagte Sir Arthur, mit der Hand über die blonden, parfümirten 1 Locken des Betrügers streisind. „Wir dürfen »ich. v rg den »och ange @in ren lieb ten, Lor mu gen Lei bei vei we Hit Lc ni sp roi U ui ei S ei G l. 9 i r t s I 271 krummen, wenn er vom Dienst kommt. Er machte ein etwas langes Gesicht. „Hast Tu Dich auch nicht übereilt, Lorchen?" „Nein, gewiß nicht, es war nicht zum Aushalten, ich habe den ganzen Tag nichts wie Verdruß und gen schon leid sein, denn ete weroen rem anjianoy j ( ges Esten haben und dir Herr Lieutenant wird j als diese beiden Tage. saate ab-r nicht», krumm n. wenn er vom Dienst kommt. I Ec sah etwas we.felhaft aus, sagte ab.r Nicht,. v raeffett, daß Du Dich von der Erschütterung und den Verletzungen Deines unglücklichen Schiffbruches noch nicht ganz erholt und auch von der Reise noch angegriffen bist. Wie ich mich freue , mein lieber Guy, Dich wieder zu Hause zu haben.' Seine Hand zitterte, als sie auf Lowder s Haupt rerweffte und seine klaren, braunen Augen schauten liebevoll in die falschen blauen hinein , die es wagten seinen Blick ohne Zucken ausruhalten." ' „Es macht mich sehr glücklich, hier zu sein", sagte Lowder, besten Gedanken zu den Tagen seiner Ar- muth und Abhängigkeit zurückschweiften und besten genußsüchtige Seele über sein jetziges behagliches Leben triumphirte. „Ich kannte bis jetzt den Sinn des Wortes „Daheim" nicht. Mrt D-r und Biarche vereint, wird das Leben ein langer, schöner Traum Diele Perfekte hatte wirklich ein Mundw-rk, ab t ich gab ihr alles Geld, damit ich sie nur los wurde und Arthur keinen Verdruß hätte. Gleich darauf war sie mit Sack und Pack verschwunden, natürlich ohne Abschied. Ich jauchzte vor Entzücken und tanzte lustig in meiner hübschen Küche umher. Nun bin ich Herrin in meinem Hause. Zunächst hieß es Kaffes für meine» Arthur kochen. „Lessing, können Sie wohl Feuer anmachrn?" „Zu Befehl, gnädige Frau." Leasing mahlte Kaffee, goß ihn auch auf, holte Zwieback, Alles, was ich sagte, und hatte niemals eine eigene Meinung, es war ein wahre» Vergnügen, in meinem Hause zu wirthschasten. Glücklich, wenn auch etwas heiß, faß ich wenige Minuten später neben Arthur, der sich erholt hatte und fröhlich mit mir Kaffee trank. „Nun, Herz, wie west bist Du denn mit Deiner i Perfekten?" fragte er gemüthlich. „Da» Esten war wieder brillant." Arthur, sie ist fort!" „Fort?" rief er ganz verblüfft." „Ja, ich sagte ihr, wenn sie nicht-gehorchen wolle könne sie gehen und da ging sie." ^^Sir Arthur rückte sich einen Armstuhl zu ihm hin und setzte sich in denselben. Dann schaute er Lowder mit ernster Zärtlichkeit an. „Mein lieber Sohn", sagte er, „ich höre Dich nicht gern von dem Leben wie von emem Traume sprechen. Ich will nicht, daß Du ein Träumer wirst Da» L-ben ist ernste, ost rauhe Wirklichkest. Und es giebt gar viel Arbeit in dieser Welt sur Arme und für Reiche. Ich habe gehofft in meinem Sohn einen Arbeiter zu finden - einen Mann, d°r an Segen für seine Umgebung wird, besten Leben voll guter Thaten und reich an edlem Wirken ist ........ kurz, ein Mann unter Männerm" I ^reHdtäschen."'"Ätzer' sage'doch, Arthur, was ist Ein schwacher Ausdruck von Mißbehagen ub.rflog gütlich doppelte Buchführung?" Ssssi“ - “ "«SS» (Fortsetzung folgt.) Arthur lachte. „Gehorchen kann er allerdings, aber weiter auch -------------* | nichts I" | „Ach, e» wird prächtig gehen, liebster Mann, r ß, mir ist so froh, so leicht um's Herz, daß Martha Alk petfeßfl Aolym. I ^ort ich bin wirklich ganz thatendurstig, aber fitzt, Humoreske von Anna vom Strande. Arthur, komme einmal in die Küche, Du hast mein ------ I prächtiges Kochgeschirr noch gar mch-, bewunoert. (Schluß.) | Wir gingen hinaus, Lessing hatte aufgeräum«. „Geben gnädige Frou mir nur erst meine Am- und geputzt, cs sah wirklich reizensaus^et grinste lagen wieder, dann gehe ich sofort" erwiderte Martha. I über da» ganze Ges ch, ch „Natürlich, ab r 6 Mark gehen ab." , und da» störte mich^twa^ Borchen, „Ich verlange meine Auslagen vollständrg zurück, „Die Küche ist ii 9» J,'. ^0(j.en werden?" sonst gehe ich klagen. Gnädige Fron wird es mor- I aber wie wird es 9 . -^snfalls billiger, gen schon leid sein, denn Sie werden kein anständi- | ^tig, unb ieben,aU8 Der Nachwiitog und Abend verlief himmlisch wir waren Beide so lustig, wie nie zuvor; Lessing mußte eine Annonce zur Zeitung tragen, daß sofort ein Mädchen verlangt werde, er machte uns Thee, kochte Eier und besorgte später am Abend nach meiner Angabe noch einige Einkäufe für den nächsten Tag, bill'g und gut, wie die sparsamste Hausfrau, sagte ich meinem Arthur, und ganz anders, wie eine Perfekte. Was für ein wundervoller Morgen war der nächste, Außen und Innen Heller Sonnenschein. Arthur ließ freiwillig einige Besorgnisse wegen des Mittagscher.s blicken und schlug vor, wir möchten zusammen in einer Restauration effen, aber davon wollte ich nichts hören. Kaum war er fort, so rannte ich eilfertig auf den Markt, um rechtzeitig zu Hause zu sein, wenn sich ein Mädchen melden würde. Lessing ging mit dem Korbe hinter mir; ich war nie in meinem Leden auf dem Wochenmarkte gr» wesen und es machte mir großen Sprß, ich kaufte Fleisch, Eier, Butter und Tauben, die billig waren. Sehr befriedigt mit dem Beginn meiner Thätigkeit kehrte ich heim. Aber hier begegnete ich einem unerwarteten Dilemma. Es wäre mir um Alles in der Welt nicht möglich gewesen, die Tauben zu schlachten, ich blickte zweifelnd auf Lessing, der Feuer machte, Kartoffeln schälte und geschäftig hin und her liif. Da klingelte es. L-ssing stürzte hinaus. „Gnädige Frau, da sind zwei Mädchen." „Zwei? Nun hcffentlich keine Perfekte", sagte ich innerlich. Nein, Perfekte waren es nicht, sie hatten sogar noch niemals gekocht, das ging also auch nicht. Als ich wieder in die Küche kam, hatte Lessing die Taubm dersi s geschlachtet, er war ein gut« müthiger Bauernjunge und an dergleichen gewöhnt. Ich war entzückt. Dieser Lessing war ein wahrer Schatz I Im Lause des Vormittags, der mir diesmal sehr kurz erschien, gelangte ich noch in den Besitz eines Dienstmädchens, sie war ein harmloses, junges D.ng, blieb gleich da und stellte das Effen fertig. Mit ungeduldiger Spannung sah ich Arthur entgegen, ihm meins Erlebnifle zu berichten, er lachte über meinen Eifer, das Effen schmeckte prächtig und Alles ging wundervoll. Meine „Neue" verstand nicht Alles, manches sogar machte sie geradezu verkehrt, wir verdarben zusammen einige Speisen, aber was schadet das, Arthur lachte mit mir, als unser erster Hasenbraten, der zuvor regelrecht zugesichtet war, auf der Braten- schussel wie eine Windmühle mit verschobenen Flügeln aussah, man lernt ja bald das Nöthige, ich hatte Freude an meiner Häuslichkeit, Frieden um mich und nie wieder Gelegenheit, bittere Thränen über mein A rsgabebuch zu weinen. J e r m i s ch t e s. Schnell gefreit. Aus Newyork wird der »Frkf. Ztg." geschrieben: Während Chicago, die berühmte Metropole von Illinois, in der Lieferung von raschen Eheschließungen und Scheidungen allen anderen Städten der Welt bisher den Rang ablief, kommt jetzt aus den vornehmen Kreisen Philadelphia's die Nachricht von einer Heirath, die an Schnelligkeit sicher alles Dagewesene übertrifft. Ein junger New- yorker, soeben in der Stadt der Bruderliebe zum Besuche angelangt, war von einer fashionablen Familie zum Besuch res Theaters eingeladen. Auch eine junge Tochter im rosigen Alter von sechszchn Jahren war von der Parthie, und Cupido fügte es, daß die beiden jungen Leutchen, die sich nie zuvor gesehen, nebeneinander zu sitzen kamen. Nach Schluß des ersten Aktes, in welchem ein Liebespaar (das sich natürlich im letzten Akt „kriegt") auftrat, erklärte der Jüngling dem Backfisch seine Liebe. Nach dem zweiten Akt willigte sie ein, die Seine zu werden und zu Beginn des dritten Aktes flüsterten die Liebenden zur großen Störung der Umsitzenden miteinander, worauf sie sich einer nach dem anderen entfernten. Sie hatten einen bekannten Seelsorger im Parterre entdeckt, den sie sogleich ins Foyer rufen und die Trauung dort auf der Stelle vornehmen ließen. Papier und Feder, um den heiligen Akt zu unterzeichnen, lieferte der Portier; dieser Würdige und die respektable Logenfrau unterschrieben sich auch als Trauzeugen. Inzwischen „kriegten" sich auf der Bühne die beiden Liebenden und das Stück ging unter rauschendem Beifall zu Ende. Als Papa und Mama schon in der Garderobe standen und sich ungeduldig nach den jungen Leuten umsahen, schlenderten diese Arm in Arm daher und stellten sich den erstaunten Eltern als „Mann und Frau" vor. Sie waren schneller noch zum Ziele gegangen, als jene Liebenden auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Moderne Jugend. Der verwittwete Amtmann 3E. bewarb sich um die Hand eines reichen Mädchens und wie es schien, mit Glück. Plötzlich aber begünstigte sie einen andern, den sie auch hei- rathete. Ein Jahr darauf starb die junge Frau. Der Amtmann saß mit seinem achtjährigen Sohn beim Frühstück, als er die Nachricht las. „Siehst Du", sagt er zu dem Knaben, „es ist gut, daß ich Fräulein N. nicht geheirathet habe, gestern ist sie ä gestorben". „Ja, Papa", entgegnete der Junge, i „sie wären wir los, aber ihr Geld hätten wir doch s eingesackt." | ________________________ Vor der Front. Feldwebel: Es ist schade, Kerl, daß man deine Dummheit dereinst nicht in Spiritus aufbewahren kann! Redaktion: A, Sch eh da, — Druck und Vertag der Brüht'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.