rstulttmt; auch uch sie beugen Alters und der irdsren Reihen r sich mehr zu. tät hin. denn llick nach den ich mit einem n sich, so steht vernimmt man eri gleichzeitig och Nachzügler !lt die Melodie : „Ich bin ein der faßt Posto, isers Arbeit«, k das Palais Inster. Sein e Weste, der ofort sind die des Kaisers en Soldaten, ge, ein unoe. rt das ehr- der Hochruf; :n geschwenkt, Söhe, daß sie leigt sich nach t er aus die lit der Hand, : die Menge; e Schutzleute er eilen die winkt der Hintergrund auch der Ge, kenge. Alle der Ausdruck :rem Unwohlster erscheint, Ereignch'en, >en, die dem rer Rückkehr tage war die Arbeitszimmer । Fenstervor- !olke sichtbar zur höchsten e Huldigung g, die, wie strömt, so nmen wird, »ge auch der ritterlichen langter Ge- n kann." egen. ßneßener Isamrüenblätler. Belletristisches Beiblatt mm Gießener Anzeiger. Hx, 17, Dontierstag dA 9. Februar. 1888- Die verlsrene Wißet. Original-Roinan in 3 Bänden von Dr. Earl Hartm ann-Plön. (Fortsetzung). Wenn ich mir denke, daß sie mich mit erstaunten Blicken angesehen, daß sich ihre Brauen unmuthig rusammengezogen, daß sie sich, wenn auch nur leise, gesträubt und wohl gar gesagt hätte: das ist gegen unseren Contrakt, haben wir uns nicht lediglich Freundschaft gelobt und jetzt verlangst Du mehr und weißt doch, daß ich nicht mehr zu geben vermag? — O, dann hätte ich mich wie ein er- tüppier Dicb beschämt gefühlt, mit einem Schlage wären alle meine Hoffnungen, wäre mein einziger T.aum von Glückseligkeit zerstört, und ein solcher Augenblick würde den Keim der Zerstörung in unsere Freundschaft gel-g? haben. Wenn Alexandra ahnte, was ich leide, wen» sie wüßte, wie jeder Blick aus ihren dunklen Augen, die ste auf einen Mann wirst, der jünger m>b schöner ist, als ich, ein jedes freundliche Wort, das sie an ihn. richtet, die Qualen der Eifersucht in mir aufwühlt, sie würde Mitleid mit mir haben, imb könnt? nicht Mitleid die Brücke zwischen Freundschaft und Liebe werden? Aber ich wage kein > estäudniß aus Furcht, vielleicht darnach All s verlieren u müffen. Und daneben die Angst, sie könnte ein? s Tages mir sagen: Ich, die ich noch nie geliebt, die ich bis dahin geglaubt habe, daß mein Herz zur Liebe überhaupt nicht veranlagt sei, ich liebe jetzt zum ersten Male, gieb mich frei, wie Du es mir versprochen hast und laß mich dem folgen, den ich voll und ganz liebe! Das, das wäre mein Tod!" Wiederum schwieg er mehrere Sekunden, dann fuhr er mit dumyfer Stimme fori: „Und wenn ein Ungefähr ihr das Geheimniß meines Lebens vrrrieihe, wenn sie erführe» daß der Name Wolter — daß ich nicht der bin, der ich vor zwanzig Jahren war, daß ich damals —! Ja, wer war ich denn vor zwanzig Jahren? Weiß ich es selbst? Erst, nachdem man mich vor das Ehrengericht der Kameraden gerufen, wo man Schimpf und Schande auf mein unschuldig Haupt gehäuft, erst an diesem fürchterlichen Tage, als ich betäubt, fast von Sinnen, den Entschluß faßte, mir eine Kugel durch den Kops zu schießen — erst da erfuhr ich, daß ich «ich: Dnjenigs sei, für den ich mich bis dahin gehalten!" Der Gchernnalh schwieg und ve'senkte sich immer > tiefer in finstere» schwere Gedanken. Die längst ver- s gangenen unheilvollen Tage, wo das ganze fürchte:- i liche Unglück mit Schande und Verzweiflung im Ge« l folge so unerwartet über ihn hereinbrotz, traten l ihm so deutlich vor die Augen, daß er ste noch ein« l mal zu durchleben glaubte. Diese Grdanken, die längere Zeit in der Vergangenheit geweilt, kehrten plötzlich wieder in die ; Gegenwart zurück. „Alexandra würde mir glauben", sprach er leise vor stch hin, „daß ich unschuldig bin, wenn ich ihr das Unglück schilderte, welches mich vor zwanzig Jahren aus der Helmath trieb — aber was könnte I ich denn dadurch gewinnen? Sie würde mich bedauern, bemitleiden — doch nein, Mitleid kann keine Liebe Hervorrufen, sie kann i »durch inniger werden, I aber sie muß schon vorhanden sein, Liebe hat ihr eigenes Entstehungsgesetz und kann durch kein anderer Gefühl geweckt werden. O. diese Qualen der unsäglichen Furcht, es könnte ein Anderer vou dem Schatz Besitz ergreifen, wonach ich mit so sehnsuchts- vollem Verlangen die Arme ausstreäe! Könnte ich l die Gedanken tödien, das Gefühl vernichten!" „Ich habe mir", fuhr er nach einer Pause mit । etwas stärkerer Stimme fort, , Geschäftssorgen gewünscht, nicht die gewöhnlichen, sondern solche, die die ganze Denkkraft, die ganze Schärfe des Geistes ! in Anspruch nehmen, um sie zu besiegen» dann würden die Sorgen des Herzens vielleicht in den s Hintergrund trete«; mein armes Gehirn befreite sich i von dem lähmenden Druck, der es erschlafft, und l in dem ewigen Grübeln und dem hoffnungslosen ” Verzweifeln würde eine wohlthuende Pause ein- E treten!" Ein gefährlicher Wunsch. Wünsche sind Bitten, । die an das Schicksal gerichtet sind, Gebete, die von den guten und schlimmen Mächten gehört werden. I Wehe dem, der sich ein Unglück wünscht, einerlei zu 5 welchem Zweck. Die schlimmen Mächte haben das $ Recht, solche Wünsche zu erfüllen, und geschäftig i! eilen sie herbei, ihr Recht geltend zu machen. Sie § begnügen sich nicht mit der einfachen Gewährung, l sondern legen in böser Freude Keime ferneren Un- f glücks in sie hinein, die zu neuem Unheil stch ent- l wickeln können, und nicht immer gelingt es den i guten Mächten, das wieder zu beseitigen, was die \ schlimmen schadenfroh über ein armes Menschenkind ■ verhängt, ohne daß es an Leib rmd Seele für immer Schaden nimmt. f Wolter ahnte nicht, daß er bereits sehr nahe vor der Erfüllung seines gefährlichen Wunsches stand. 66 Ein Klopfen an der Thür weZts den Gsheim- rath ans feinem tiefen Nachdenken, er schrack zusammen und erst nach einigen Secunden war er im Stande, Herein zu rufen. Es war der alte Comptoirdiener Bernhard Struck, welcher schon bei Wolter's Vorgänger und des Letzteren Vater diesen Posten bekleidet hatte, der ins Zimmer trat und meldete, daß eine Arbeiterin den Herrn Gehsimrath zu sprechen wünsche. Es kam dem Fabrikhsrrn in diesem Augenblick sehr erwünscht, den qualvollen Grübeleien, denen er sich in der letzten Zeit immer häufiger hingab, gewaltsam entrissen zu werden. „Wer ist es, die mich zu sprechen wünscht?" fragte Wolter. „Die Auguste Brandt." „Lasten Sie sie eintreten." Struck entfernte sich und gleich darauf überschritt die Arbeiterin die Schwelle. Auguste Brandt hatte in dem Frauensaal, wo medicinische Kräuter ausgesucht und sortirt wurden, den Posten einer Aufseherin, die Arbeiterinnen anzuweisen und deren Arbeiten zu controliren. Wolter kannte saft jeden seiner Untergebenen bei Namen und von Vielen deren nähere Familienver- häünifle. „Ah, Fräulein Brandt", rief er der Eintretenden entgegen, „was führt Sie zu mir —" „Herr Geheimrath, ich bitte um Verzeihung —" „Wie befindet sich Ihre Frau Schwester?" „Leider nicht gut, und ich komme deshalb zu Ihnen, um Sie abermals um einige Tage Urlaub zu bitten." „Hat sich ihr Zustand verschlimmert?" „Ihr körperlicher Zustand eigentlich nicht, aber sie ist geistig so sehr erregt, wie in vielen Jahrm nicht; sie behauptet, Jemanden, der ihr früher sehr nahe gestanden, flüchtig zwar, aber ganz bestimmt gesehen zu haben. Ich bin überzeugt, daß sie stch geirrt hat, denn von dem Fenster unserer Wohnung aus will ste an dem großen EingangSthor, das auf den Klosterhof führt, d Betreffenden in einem Wagen, der rasch vsrüb chren, erblickt und erkannt haben. Nun zittrrt sie vor Angst, daß er ihren Aufenthalt entdecken. er ste aufsuchen könne, und einer solchen g wären ihre Nerven allerdings nicht gewachst. Ach, Herr Gehsimrath, was meins arme Schm? st und auch ich durch diesen Mann gelitten haben, kann ich Ihnen in Worten nicht ausdrücken. Er allein hat unser ganzes Unglück verschuldet. Und nun, Herr Geheimrath, flehe ich Sie an — wir haben Niemanden hier, an den wir uns mit einer solchen Bitte wenden könnten — schützen Sie uns, schützest Sie meine Schwester vor diesem Manne!" „Schützen? Ich bitte sich deutlicher zu erklären! Sie sagten soeben, Fräulein Brandt, daß er Ihrer Frau Schwester sehr nahe gestanden — war er viel- leicht M Verwandter oder wohl gar —?" „Er war ihr Gatte. Darf ich Ihnen, Herr Gcheimrath die traurige Geschichte meiner arme» Schwester erzählen? Störe ich Sie nicht bei der Arbeit und wird es Ihre Zeit nicht zu sehr in Anspruch nehmen?" „Durchaus nicht. Ich bin jetzt nicht beschäftigt, und wäre ich es, so würde ich doch keinen meiner Leute in einem Au genblick sortschicken, wo ste mich um Schutz anrufen." „Sie sind so gütig gegen Alle, und das gisbt auch mir den Muth, mich Ihnen anzuoertrausn." „Setzen Sis sich, liebes Fräulein." Auguste Brand nahm auf dem nächsten Stuhl Platz und nun begann ste: „Meins Schwester war in ihrer Jugend sehr schön und eine Künstlerin ersten Ranges. Ihre bedeutenden Einnahmen befähigten sie, auf großem Fuß zu leben, eine hübsche Villa zu miethen und Equipage und Dimerschaft zu halten. Unzählige Männer bewarben sich um ihre Gunst und unter allen Denen, die ihr huldigten und sie vergötterten, mußte gerade ihr Herz für den Unwürdigsten eine leidenschaftliche Liebe faffen. Ich sah ihn zum ersten Mal an den Tage, an welchem meine Schwester sich mit ihm vermählte. Er war unleugbar ein sehr schöner Mann, mit eleganten, seinen Manieren, aber ich sand in seinem Gesicht einen eigenthümlichen Zug, den ich nicht definiren konnte, der mir aber nicht sympathisch war, und ich fragte mich sogleich, ob der Charakter meines Schwagers wohl ein wirklich grundguter sei. Was mich von vornherein gegen ihn einnahm, war der Umstand, daß er seine bisherig« Lebensstellung aufgegebm und keine Miene machte, eine anders zu ergreifen, sondern geradezu erklärte, daß er bei der großen Einnahme seiner Frau nicht nölhig habe, sich von irgend Jemanden abhängig zu machen, und daß er als deren Secretär, der alles Geschäftliche ordne und leite, eins hinreichende Beschäftigung fände. Ich konnte ihn nicht vollkommen als Mann achten, weil er sich, ohne daß es ihm im Mindesten unwürdig erschien, von seiner Frau ernähren lassen wollte. In der ersten Zeit, als dis Honorare für dis Gastspiels reichlich flössen, war das Verhältniß zwischen den beiden Eheleuten leidlich gut. Aber schon, als meins Schwester in ihrem öffentlichen Auftreten eine Pause eintreten lassen mußte und hiermit die brillanten Einnahmen aufhörten, trat eine Mißstimmung ein. Sie hatten stch nach dem letzten glänzenden Gastspiel in St. Petersburg in ihrs Villa daheim von der Welt zurückgezogen, um hier den Eintritt eine« freudigen Ereignisses zu erwarten. Meine Schwester war gezwungen das Haus zu hüten, ihr Gatte saber verbrachte j-tzt fast seine ganz; Zeit außer demselben, kehrte erst spät in der Dcht zurück, verbrauchte ungeheure Summen und man sagte ihm nach, daß er häufig hazardtrs. Bei dem leicht erregten Temperament meiner Schwester gab er von nun an fast täglich unerquickliche Scenen, die namentlich eines 67 Lsgrs einen solchen HöZepankt aunahmkn, daß dis Arms in heftige Krämpfe Verfiel. Am andern Morgen wurde sie von einem tobten Knabm entbunden. Noch denselb n Abend trat ein starkes Fieber ein, das von Tag zu Tag zunahm und sie dis an dm Rand des Grabes führte; wochenlang schwebte die Kranke zwischen Tod und Leben, und als sie endlich nach Monaten so weit osnesm war, daß sie das Bett verlasim konnte, war das einst so schöne Weib nur noch ein Schattenbild, eine Ruine, ja, was das Maß des Entsetzlichen voll machte, war dis fürchterliche Entdeckung, daß sie in dieser unheilvollen Krankheit ihre glockenhelle, vielbewunderte Stimme unwiederbringlich verloren hatte,' die durch keine der angewandten Kuren auf's Neue heroorge- zaubert werden konnte. Ihr Gemaol hatte unierdeß sein wüstes Leben obne Unterbrechung forlges tzt; um die nöthigen Gelder hierfür zu beschaffen, verkaufte er hinter dem Rücken seiner Gattin ein Stück nach dem anderen von ihren, viele Tausende werthen Schmucksachen, ja rr hatte sogar, wie es sich später herausstMe, das ganze Ameublement der Villa verpfändet. Bis dahin war es mir nicht möglich gewesen, zur Hülse und Pflege der Kranken herbeizueilru, weil unsere, mit einem unheilbaren Leiden behaftete Mutter inem langsamen, aber sicheren Ende entgegenging und ich dieselbe nicht verlassen konnte. Nachdem der Himmel sie endlich erlöst Ha ie, reiste ich sofort ab, aber wie rrschraä ich, als ich meine Schwester so furchtbar verändert wiedersah." Auguste Brandt unterbrach sich und sagte: „Doch ich bitte um Entschuldigung, Herr Geheimrath, daß ich so weitschweifig geworden, es kann Sie unmöglich das traurige Schicksal meiner Schwester in der Weise interesstren, daß —" „O, da irren Sie, liebes Fräulein", erwiderte Wolter, „ich fühle eine herzliche Theilnahme mit der so schwer Geprüften und bitte darum, in Ihrer Erzählung fonzufahren." (Fortsetzung folgt.) Km alles Lied. Novellette von Elise Polko. (Nachdruck verboten.) „Ach daß man nimmer halten kann. WaS uns nur Freuden brachte, Und daß man nie vergessen kann, Was uns so elend machte." M. Hartmann. Za, die Nacht ist keiner Schlaflosen Freund, die stille Nacht mit den taufend und aber tausend Gedanken, die sie ausscheucht, daß sie umh rflattern w'e scheue Vögel tm engen Käfig, mit der Qual dir Erinnerungen und jener grenzenlosen Sehnsucht nach Aflem, was uns unerreichbar fern, — Auch die mondscheindurchflimmerte Nacht wär es nicht, wie sie eben jetzt in den Prunkgemächern eines alten Florentiner Palastes auf leisen Sohlen einherschlich, mit großen, geheimnißvollen Augen in alle Winkel und Ecken schaute, und über den zauberischen Garten spielend ihrs silbernen Schleier warf. Di? mächtigen Platanen und die dunklen, melancholischen Ulmen schauerten läse zusammen, die Orangeblathm tropften lautlos zu Boden und die Rosen zitterten, als die kühle Hand der Nacht über sie hinstrich, — von dm Riesenpinien aber wehte es herüber wie schwere Seufzer. Auch der geisterhaft emporsteigend- Svring- brunnen unter dem geöffneten Al an — im ersten Stockwerk des finstern Baus — rauschte und plätscherte ganz anders wie im Hellen Tageslicht, erzählte nur traurige Geschichten und summte nur seltsame vergessene Melodien ans längst vergangenen Zeiten, denen der gebrochene Mann, der in dem tiefen Sessel an der offenen Balkonthür ruhte, lauschen mußte, fort und fort, weil er keinen Schlaf finden kannte. Tief vergraben in bett Falten eines dunklen Sammetgewandes, das auf feine Füße niederfiel und die hohe Gestalt umhüllte, stützte er das ergrauen? e Haupt in die Hand und schaute hinaus in den eir» ssmen Garten mit ruhelosem Blick. Das waren Augen I Von goldig schimmerndem Braun war ihre Fa.be, die schwarzen Wimpern bogen sich an den Spitzen aufwärts, wie mit feinstem Pinsel gezeichnet erschienen die Brauen, die nach der Mitte der Stirn sich zusammendrängten. Ein Meer von Trauer und düsterem Fmer überfluthete aas ihren Blicken den mondbeleuchteten Garten. Und da waren sie wieder, die Gespenster brr Erinnerungen, da zogen sie wieder ihre Kreise um ihn, aus denen es kein Entrinnen gab. So, genau so glitzernd hell und geyeimMvoll strahlend war jene schrecklichste Nacht seines Lebens gewesen, als sie, sein schönes blondes Weib ihm entfloh, um nie wieder zu ihm zurückzukehren, sie, die er g liebt mit verzehrender Leidenschaft, die er heute noch liebte, trotz allen Jammers, den sie über ihn gebracht. Ueber diesen breiten Weg, am Springbrunnen vorbei, waren ihre kleinen Füße gewandert, seine Tropfen waren auf ihr dunkles Gewand niederge- stäubt wie Brillanten, — sie hatte wohl noch einmal ihr stolzes, blühendes Antlitz im Rahmen de« üppigen Goldha r§ nach seinem Fenster gewandt, und die blauen Augen hatten dann wohl wie im Triumph geleuchtet, in dem Bewußtsein, daß die Freiheit jetzt winke, — die Freiheit und das Glück der Liebe, die höchsten Güter des Lebens. Die endliche Erlösung war ja aus der Gefangenschaft ein?» Ty rannen, eines Eifersüchtigen, eines Verkommenen. Keine Kinderhand war da, die Fliehende festzuhalten. Sie verließ ihren Gatten und sti b ihn zurück in die tiefe Einsamkeit, — in eine endlose Nicht, der Mn Tag mehr folgen konnte. — Wie eine junge Königin hatte sie einst in den Marmorhallen des Palazzo Marefochi in Maeerra neben ihm gestandtn, die herrliche Gestalt, um ihr? Ö8 Hüns in die seine zu legen, die deutsche strahlende Braut, ein fürstliches Diadem in den Locken, im weißen silbergesticktm Atlasgewande, dessen weithin üder den kostbaren Teppich und dir Blumenfülle hinflseßende Schleppe von zwei Pagen getragen wurde. Weiß, wie die Orangenblüthen in ihrem Goldhase, schimmerten Hals und Nacken mit dem kostbaren Perlenschmuck und stolz war der Blick, der nach der Trauung jenen Mann streifte, dem sie nun üZigehörte. Ach, er war damals schon ihrer Jugend und Schönheit nicht mehr würdig. Verfallen Antlitz und Gestalt — durch das Haar zogen sich schon S lberfädm, nur die Augen leuchteien noch mit jenem alten dämonischen Zauber, wie die Sage ihn den Augen der Valois und — der Stuarts zuschreibt. Wer das Alles doch vergessen könnte, was einst ge- wesen! Die Fluthsn des irdischen Lethestrom- , zu dem er sich niederbeugte, der feurige Wein, der fort und fort seine Lippen netzte, brachte nur Betäubung, Sun Vergessen und die Nacht brachte keinen Schlaf. Dir Freunde hatten ihn verlassen — wie sollte er fttu verfehltes Leben ertragen?! Wer half ihm?! So fragte er jeden Abend und jeden Morgen. — Ec horchte auf den Springbrunnen unter dem Altan. Leise wogte es zu ihm herüber und sang und klang — aus einzelnen Tömn und abgebrochenen Takten setzte sich ein Lied zusammen — eine süße, fröhliche Melodie, die sie in dem fernen Schottland dem letzten Swart einst gesungen: „Prince Charlie is my darling, Te young Chevalier!“ Warum stöhnte der einsame Mann in der Nacht so verzweifelt auf und barg sein Gesicht in seine bleichen schlanken Hände?" Wie Nebel zerriß es plötzlich vor seiner von Gram umnachteten Seele — ein Helles Bild stieg empor. . . Es war im Jahrs 1745, als man jener Jubel- lisd, dessen Melodie der Springbrunnen summte, zu« erst sang — der junge Kriegsheld von Preston Pans, Kurl Edwart Stuart, war an der schottischen Küste gelandet. Das Volk der Schotten strömte dem Prätendenten der Krone in Schaaren entgegen — umringte ihn, küßte ihm Hände und Füße und streute Blumen vor die Huss seines Pferdes. Und ein junges reizendes Mädchen von kaum 16 Jahren, ein Köpfchen, wie von dem Pinsel eines Watteau gemalt, rosig und weiß mit hazel eyes, tauchte dicht neben ihm auf, einen großen Slrautz blauer Glocken« blumen in den Händen jener berühmten blue bells of Scottland, die das Glück bringen. Mit bezauberndsten Lächeln reichte sie dem Ltzten der Stuarts den Strauß hinauf und er nahm ihn lächelnd und bankend und führte ihn ritterlich an dis Lippen. Dann mischte die junge Geberin, heiß erröthend, ihre silber« Helle Stimme wieder in den Chor, der brausend da« hinströmte: hatten die Truppen Georg's II. aus Flandern die Anhänger des L-tzten der Stuarts bei Culloden ge« schlagen und der jugendliche Prätendent der schottischen Krone war nichts mehr als - ein heimathloser Flüchtling auf fremdem Boden. Aber er war nicht verlassen und einsam — ein junges lieblichesr'Wesen theilie mit ihm die Verbannung; die blue bells of Scottland hatten in der That Glück gebracht, da, stille verschwiegene Glück -einer opferwilligen, bis in den Tod getreuen Liebe. Die Spenderin der blauen Blumen, Mary Walkinshaw, gehörte in heimlicher Ehe ihrem vielbewunderten Prinzen ohne Land an. I« dem Siebe von den blue bells of Scottland lautet ja die eine Strophe zu ihrem Preise, daß sie: „an emblem that her daugthers tre modest loyal and true —* Mary's süße Stimme sang ihm zu tausend Malen jenes Willkommen-Lied des schottischen Volkes zu seinem Trost, und ihre junge warme Schönheit entzückte seine Augen und sein Herz in der kalten Fremde, er nannte sie nur seine Glockenblume. t Jahrelang blühte sie an seinen irren Wegen, in dem Lichte der Stuartaugen, nichts begehrend, als Armuth und Gefahr mit ihm thrilen zu dürfen, ihn hegend, pflegend und tröstend. Sie welkte endlich in feinen Armen, in Rom, nachdem sie einer Tochter das Leben gegeben. „Unser Kind wird leben, um Dich zu lieben und zu pflegen, wenn ich nicht mehr bei Dir bin auf Erden", — flüsterte sie sterbend — „die frommen Nonnen werden sie fromm für Dich erziehen!" Eine entfernte Verwandte des Letzten der Stuarts nahm sich des kleinen Wesens an nach dem Tode der Mutter, und brachte e» später in das Kloster der barmherzigen Schwestern nach Paris. Als der trostlose Gatte an dem Sterbelager der geliebten Frau kuirte, da schwebte von den fieberglühenden Lippen Mary's noch einmal — leise wie ein Hauch — das Triumyhlied: „Prince Charlie is my darling!“ Die kleinen Hände hoben sich, wie damals, als sie ihm den Strauß hingereicht, jenes geheimnißvolle Lächeln, wie es nur der Anblick der himmlischen Herrlichkeit auf den Lippen der Scheidenden erblühen läßt, schwebte um den süßen Mund, der nur Worte der Liebe und des Trostes für den Verbannten ge« hab!, noch ein Seufzer — und sein guter irdischer Schutzengel war von dem Letzten der Stuarts gewichen. Da eben geschah es, daß der Vereinsamte, ohne Halt, ohne Hoffnung, ohne Glauben, nach jenem Lethesirom schrie, in dessen Wellen nur zu bald seine Kcaft, sein Stotz, seine Schönheit rettungslos versanken. — „Prince Charlie is my darling!“ sang und rauschte der Springbrunnen weiter in jener schlaflosen Er-nnerungt-Nachr. — (Fortsetzung folgt.) „Prince Charlie is my darling!“ Armer Prinz Charlie! Kaum ein Jahr später ; Rcdaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gieße».