Hießener Aamitienblätier. Belletristisches Beiblatt MM Gießener Anzeiger. Donnerstag den 8. März. 1888.' Nr. 29. Die verkorene Wiöet. Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartm ann-Plön. (Fortsetzung). Frieda begrüßte ihn in herzlichster Weise und nach einem kurzen Gespräch sagte Siegfried: „Erlauben Sie die Frage, gnädiges Fräulein, ob Sie schon zu Tische engagirt sind?" ,,Nein." „Würden Sie dann mir die Ehre schenken?" „Gern." „Ich danke Ihnen." „Und haben Sie mir weiter nichts zu sagen, nicht, daß Sie Ihr Versprechen erfüllt, mir heute Ihre erste Composttion mttzubringen?" „Sie werden dieselbe später in Ihrem Notenbuche finden." „Geben Sie mir dieselbe, bitte, jetzt schon!" „Würde es nicht auffällig erscheinen, wenn ich Ihnen hier vor Aller Augen etwas überreichte?" „Da haben Sie wohl Recht. Dann müffen wir uns in anderer Weise helfen. Wenn Sie leise Ihr Heft hervorzögen, Ihr Taschentuch, das Sie ja noch in der Hand halten, zur Erde fallen ließen und dabei die Noten hinter den Porzellankübel mit den Epheupflanzen dirigirten? Dann laffe auch ich mein Taschentuch fallen und suche sie mit Letzterem zugleich in meine Hand zu bekommen!" „Das geht! Welche Erfindungsgabe Sie besitzen, gnädiges Fräulein", rief Siegfried. Wenige Sekunden später lag das Notenheft an der bezeichneten Stelle und mit einer geschickten Bewegung ließ Frieda die Composilion in der Tasche des Kleides verschwinden. Siegfried sah glückselig mit seinen offenen, lustigen Augen auf das liebliche junge Mädchen und rief begeistert aus: „O, dies reizende Jntriguenfpiel der--" Bald hätte er gesagt „der Liebe", aber noch zur rechten Zett fiel ihm ein, daß er dies Wort noch nicht aussprechen dürfe. Dies reizende Jntriguenfpiel war aber doch von Jemandem beobachtet worden, nämlich von Frau Rohdenberg,' sie behielt aber still für sich was sie gesehen und nahm sich vor, sobald sie mit ihrem Enkel allein sein würde, diesem die erusthaftestcn Vorstellungen zu machen. Frieda hatte kaum fc' 3 Natenhest in ihrer Tasche verborgen, als der Diener in der Eingangsthür mit lauter Stimme Seine Excellenz, den Herrn Genera von Tramm-Weißenburg, die Frau von Barsen und den Herrn von Stolzenberg anmeldete. „Als Tochter des Hanfes", sagte Frieda, „habe ich dis Verpflichtung, ebenfalls ein wenig die Honneurs zu machen, und muß deshalb wohl etwas rmhr in den Vordergrund treten." Sie trat aus der Laube und Siegfried folgte ihr. Aber so eilig schien sie es doch mit dem Vorsatz, die Honneurs machen zu wollen, nicht zu haben, denn sie blieb wiederum stehen und sagte: „Bei Tisch sehen wir uns ja wieder, vielleicht gelingt es mir, noch bis dahin das Gedicht tu lesen. Ein Notenheft in der Hand zu halten und einen Blick darauf zu werfen, hat selbst in der größten Gesellschaft etwas Unverfängliches und wird man dabei ertappt, so ist es nicht gefährlich! Oder hat der Herr Compostteur seinen Namen auf das Manuscript gesetzt?" „Nein, ich wollte es nicht eher thun, als bis Sie mir gesagt, daß es Ihnen gefallen." „Das ist mir lieb, Herr Direktor." Und nun Siegfried mit einem schelmischen Lächeln ansehend, fuhr sie fort: „Sie fürchteten die Kritik meiner Mama, fürchten Sie, mein Herr, die meinige nicht minder!" „Ich baue auf die Nachsicht meiner gnädigen Prolectorin." „Wir werden jr schen." Dann trat sie etwas weiter in den Saal hinein. Siegfried folgte langsam nach. Von der Gesellschaft hatte Niemand, selbst Frau Rohdenberg nickt, die glücklichen Gesichter und die glücklichen Blicke bemerkt, womit die Beiden ihr letztes Gespräch begleitet hatten, da Aller Augen nach dem Ende des Saals gerichtet waren, den soeben Seine Excellenz in großer Generalsuniform, die Brust bedeckt mit unzähligen Orden, sowie dessen Nichte und Neffe betreten hatten. Der Geheimrath und seine Grmahlin näherten sich sofort den neu Angekommenen, um sie zu begrüßen, worauf sie mit Letzteren einen Gang durch den Saal machten, um sie der Gesellschaft, von der kaum Einer sie kannte, vorzustellen. Felix von Stolzenberg hatte, sowie er die Schwelle überschritten, seine Blicke durch den ganzen Raum streifen lassen, um diejenige zu finden, für die er, war ihm bis dahin noch nie widerfahren war, und worüber er, sich selbst verspottend, ha'te lachen müssen, in Siebe erglüht war. Aber was war denn das? Da stand ja das Mädchen, das er bis jetzt m nur mit scheuer Zurückhaltung und mit stets gesenkten Lidern gesehen, jetzt die Augen weit geöffnet, und neben ihr ein junger Mann, den sie lächelnd und vertraulich, fast zu vertraulich anblickte, und der in gleicher Weise, ja, noch mehr, wie ein Verzückter die Blicke erwiderte! Wie? War ihm Jemand zuvorgekommen? Harte sich ein Anderer schon dort warm gebettet, wo er ruhen, ausruhen wollte nach den wilden, leidenschaftlichen Stürmen des Lebens? Wer war der unleugbar hübsche, junge Mann, der nach dem wahrscheinlichen Geschmack eines so jungen Mädchens etwas Wesentliches vor ihm voraus hatte, nämlich die Jugend? Seines Wiffens hatte die Familie Wolter keinen nahen Verwandten, dem gegenüber eine solche Vertraulichkeit gerechtfertigt und erklärlich erschienen wäre. Wer konnte es also sein? Sollte er den Plan wieder aufgeben müssen, den er wohldurchdacht sich zurecht gelegt und zu dessen Ausführung er heute schon die einleitenden Vorder itungen treffen wollte? Das waren die Gedanken, die ihn bestürmten und beunruhigten, während er von den vorstellenden Gastgebern umhergesührt wurde und sich unaufhörlich verbeugen mußte. Es kam auch die Reihe an Siegfried. Mit Spannung erwartete Felix die N-nnung von dessen Namen. Als er hörte, daß derjenige, der so plötzlich seine Eifersucht erregt hatte, nur der Direkior des Gesangvereins sei, also ein Mann von einer Lebensstellung, die ihn nicht berechtigte, um die Tochter eines Millionärs zu werben, schien ihm die Sache weniger bedenklich, aber gleich hinterher fiel ihm ein, daß er ein Künstler sei, der nach Frau Al«xandra's Meinung eine große Zukunft habe, und daß bei der allgemein verbreiteten Schwärmerei der jungen Mädchen für Künstler, zumal wenn diese hübsch sind, nichts so große Schwierigkeiten bereite, als einen solchen aus einem Herzen, in welches fein eitles Bild eingezogen, wieder zu verdrängen. Nur einen kurzen Mdment ruhten seine Blicke durchbohrend auf Siegfried, dann sprach er freundlich und liebenswürdig zu ihm, bat ihn, seinen künftigen Direktor, beim Singen etwa« Nachsicht mit ihm zu haben und sagte, daß er sich freue, heute noch einen Vortrag von ihm zu hören, der, wie man ihm all. fettig versichert, ein wirklicher Kunstgenuß sein würde. Seine Worte klangen natürlich und fast herzlich, sodaß er auf Siegfried einen sympathischen Eindruck machte. Felix hatte mit der festen Absicht den Saal betreten, Frieda als Tischdame zu gewinnen. Nach der gemachten Beobachtung änderte er jedoch seinen Plan, näherte sich der Baroneß Schleiden und bat dieselbe um die Ehre, sie zu Tisch führen zu dürfen. In diesem Augenblick machte der Diener die Meldung, daß srrvirt sei. Die Paare traten zusammen, der General mit Alexandra voran, dem der Geheimrath mit der Baronin von Schleiden folgte. Siegfried bot Frieda den Arm. Je mehr der genossene Wein den Geist anregte, desto animirter wurde die Unter- < Haltung, Toast folgte auf Toast und in der angeregten Conversatton hatte Frieda Gelegenheit, da« Gedicht von Siegfried unbemerkt zu lesen: Als ich zum ersten Mal gesehen Dein liebes, holdes Angesicht. Da war es gleich um mich geschehen, Doch wir'« geschah, das weiß ich nicht Ich fühlte nur, wie eine Wells So rasch, so heiß zum Herzen drang, Und wie darin so rein, so Helle, Ein ganzer Jubelchor erklang. Ist Dir er ähnlich so geschehen? Pulst rascher auch bei Dir das Blut Als mich Dein Äug' zuerst gesehen? O sage Ja — und dann ist's gut! Dies eine Ja bedeutet Liebe, Dies kleine Wort ist Schwur und Eid, Es heißt, ich fühl' die gleichen Triebe, Sei mein, fei mein in Ewigkeit! Siegfried zitterte ein wenig, als er sah, daß Frieda mit dem Lesens seines Gedichtes begann. War er nicht wiederum zu kühn gewesen? Der Inhalt war ein unverblümter Liebesantrag, wie würde sie ihn aufnehmen? Plötzlich gewahrte er, daß sich ihr Gesicht wie mit Blut übergoß, und ihre Hände leise bebten. Langsam legte sie, nachdem sie das Gedicht zu Ende gelesen, das Notenheft wieder zusammen und blickte starr und wie abwesend vor sich nieder. „Hat da« Gedicht Ihren Beifall nicht gefunden, gnädiges Fräulein?" fragte Siegfried. „Ich kann Ihnen heute noch nicht darauf antworten, ich habe e» zu — flüchtig gelesen, nach einiger Zeit sollen Sie meine Meinung darüber hören, ich muß er auch erst einmal durchsingen. „O, gnädiges Fräulein, sagen Sie mir nur da» Eine: Fühlen Sie sich durch das Gedicht verletzt?" „Verletzt?" rief Frieda aus, wobei wieder ein schelmische» Lächeln um ihre Lippen spielte. „Wie könnte ich da», da Sie es doch nur zu dem Zweck gemacht haben, um e« zu componiren?" „Und wenn es noch einen anderen Zweck gehabt hätte?" „Der Papa will reden, er sieht zu uns herüber, ich wette, der Toast gilt Ihnen." Und dem war so, der Geheimrath ließ den Direktor de» Gesangverein» leben, der in so kurzer Zeit sich allseitig die Anerkennung seiner Fähigkeiten erworben. Frieda stieß zuerst mit Siegfried an, wobei sie ihm zuflüsterte: „Jetzt keine Frage mehr, Herr Direktor, wenn ich da» Gedicht geprüft habe, werde ich Ihnen sagen, ob ich e» für würdig halte, in einem Journal gedruckt zu werden." „O, Sie sind grausam mit Ihrer Ironie." „Vielleicht verbiete ich Ihnen auch die Veröffentlichung und behalte e« für mich, und wenn ich mir erst die wenn w Fell dame ui halten, obachtet, etwas g glühend gerade i Beiden f er jetzt Aehnlich falls ih Dar gehoben wo der Feli zu ihr: »Tr habe ml Fra währerü „W- „Di au» ein« und Dic mir zu Hand z> „Wc „Jck „W« „A Deine s „Fe Körper auf ihr« „Un Possen; ich verb Fremdli richtet f ltchkeit ? „W- Der leichter; Direktor hören, machen? „Da »Ne men. aufgehal 115 erst dis NotM eitigeübt, singe ich es Ihnen vor, wenn tt'.t einmal ganz — allein find." Felix hatte, trotzdem er sich mit seiner Tisch« dame «nb Alexandra abwechselnd sehr lebhaft unterhalten, unausgrsitzt Frieda und Siegfried scharf beobachtet, er hatte auch gesehen, daß Erstere irgend etwas gelesen, vermuthlich ein Gedicht, daß sie dabei glühend roth geworden, und war er bisher noch nicht gerade völlig überzeugt gewesen, daß zwischen den Beiden sich ein Lirbrsverhältniß entwickelt, so glaubte er jetzt ee als unzweifelhaft annehmen zu können. Aehnliches dachte auch Frau Rohdenberg, die ebenfalls ihren Enkel nicht aus den Augen gelassen. Das Diner war zu Ende, dis Tafel wurde aufgehoben und man ging in den ersten Saal zurück, । wo der Kaffee servirt wurde. Felix näherte sich Franziska und sagte leise zu ihr: „Tritt etwas weiter in den Saal hinein, ich habe mit Dir zu sprechen." Frau von Barsen sah ihn erstaunt an und während sie von seiner Seile trat, erwiderte sie: „Was wünschest Du?" „Du weißt, unter welchen Bedingungen ich Dich aus einer drückenden, ausgespielten Situation befreit und Dich hierhergerufin habe, unter der Bedingung, mir zu jeder Zeit, wenn ich es verlange, hilfreiche Hand zu leihen." „Was willst Du damit in diesem Augenblick?" „Ich habe einen Auftrag für Dich." „Was habe ich dabei zu thun?" „Ich kenne Dein Talent, junge Männer in Deine Netze zu locken." „FelixI" rief Franziska fast laut, wobei sie den Körper stolz aufrichtete und ein Blick der Entrüstung auf ihren Vetter niedcrfiel. „Unterlaß' mir gegenüber diese theatralischen Possen; sie imponiren mir nicht im Mindesten und ich verbiete sie Dir geradezu, zumal hier, wo auf Fremdlinge die Augen aller in jedem Augenblick gerichtet sind. Wozu also der Aufwand von Empfindlichkeit?" „Was willst Du von mir?" Der Auftrag, den Du erfüllen sollst, ist ein leichter; er besteht in nichts Anderem, als den Direktor des Gesangvereins, zu dem wir jetzt gehören, Herrn Rohdenberg, in Dich verliebt zu machen." (Fortsetzung folgt.) Eine HefpenstergeschMe. Nach dem Englischen. (Fortsetzung.) „Da habe ich zum wenigsten nicht geträumt." „Nein; aber es ist schon lange Zeit zum Träumen. Nimm es nicht übel, daß ich Dich so lange susgehalten habe; schlaf' wohl!" „Du auch! nur vergiß nicht, daß ich herzlich gern allerwärts hingehe, nach Claybsrough, Blackwater, London oder wo es sonst ist, wenn ich Dir den geringsten Dienst damit erweise." „Danke sehr; ich weiß, Du meinst es, wie Du sprichst und nehme Dich vielleicht in Anspruch. Nochmals gute Nacht I Er ging und um 8 Uhr früh fanden wir uns im Eßzimmer wieder, aber es war ein hastiges, unge- müthliches Frühstück. Niemand hatte geschlafen. Frau Jelf hatte geweint, ihr Mann wollte fort; und der Rittmeister und ich befanden uns in der bedenklichen Lage Fremder, wenn ste in einen Ehrzwist hineinplatzen. Zwanzig Minuten später waren wir auf der Straße nach Clayborough und als unsere schwarze Stute scharf austrabte zwischen den entlaubten Zäunen, sagte mein Nachbar: „Der Kukuk hole es, Liebster, ich habe verteufelt wenig Lust, in dem Nest da unten Dwerrihouse zu erwähnen. Jeder Lampenputzer kennt unsere Verwandtschaft und, wie die Sachen liegen, ist das für mich ein verdammtes Bewußtsein. Laß uns mit dem nächsten Zug nach Blackwater fahren; da ist viel mehr Verkehr und also auch weit größere Wahrscheinlichkeit, etwas zu erfahren." So geschah es, wir kamen um dreiviertel 12 Uhr an's Ziel, und machten uns ohne Zögern an unsere Arbeit. Zuerst fragten wir nach dem Bahnhofrverwalter — einem dicken praktischen Herrn, der, nach seiner Aussage, Herrn Dwerrihouse besser kannte, als irgend ein anderes Mitglied des Verwaltungrraths. „Früher kam er zwei oder drei Mal wöchentlich, als die Zweigbahn angeregt wurde, aber seitdem . ." Er hielt zeichnend inne. Jelf stieg das Blut in'S Gesicht. „Ja, ja, weiß schon!" stieß er hervor, „und wir wollen für den Augenblick blos wissen, ob man in allerletzter Zeit über ihn etwas in Erfahrung gebracht hat." „Nicht, so viel ich weiß", antwortete der Beamt« „Ist er z. B. nicht gestern mit irgend einem Zug gefahren?" Der Angeredete zuckte die Achseln und erwiderte: „Bei uns würde er sich gewiß zuletzt zeigen; jeder Vorstand, Schaffner, Kofferträger kennt ihn auswendig und würde gleich Schutzmänner reqririren oder den Telegraph spielen laffen, wenn er ihn irgend wie in Sehweite hätte; seit dem 25. September ist da» sogar Befehl." „Dennoch", unterbrach mein Freund, „bezeugt Jemand, welcher gestern mit dem Nachmittags-Schnellzug von London kam, daß er Herrn Dwerrihouse traf und daß derselbe auf dieser Station ausstieg." „Durchaus unmöglich, Herr", versicherte.der Angestellte ohne Zögern. „Warum?" „Weil er auf der ganzen Linie nirgends besser ; bekannt ist und deshalb allerwärts weniger Gefahr - läuft; ei hieße wirklich in die Höhle des Löwen irß hinein rennen und wäre reiner Wahnsinn. Hätte Mr. Dwerrihouss nichtsdestoweniger das Wagniß un< ternommen, so wäre er stcherlich auf dem Perron schon arretirt worden." „Wer nahm die Billets ab?" fragte Jelf. „Der Schaffner Benjamin Somers." „Kann ich ihn sprechen?" „Wenn Sie bis Eins warten wollen, so kommt er von Crampton mit dem Schnellzug, der hier 10 Minuten Aufenthalt hat." Bis dahin verbrachten wir unsere Zeit so gut oder so schlecht wir konnten und warteten zur bestimmten Zeit in der Halls. Der Train kam mit dem Schlag und ich erkannte augenblicklich den bärtigen Schaffner von gestern Abend. Der Bahnhofsverwalter winkte. „Diese Herren, Somers, wünschen Sie über Herrn Dwerrihouse zu befragen." Falkenartig flogen die Augen des Angeredeken zwischen mir und Jelf hin und wieder, ehe er mit angenommener Unbefangenheit sagte: „Meinen Sie das vormalige Mitglied des Ver- waltungsrathr?" „Jawohl. Kennen Sie ihn von Ansehen?" „Ganz genau." „War er gestern mit im Schnellzug?" „Nein." „Woher wiffen Sie das mit solcher Bestimmtheit?" »Ich sah in jedes Coupö und in jedes Gesicht und kann meine Behauptung beschwören ; Sie dagegen waren im Zug und wendeten sich scharf mir zu; ich habe Sie meines Wiffens nie zuvor gesehen, aber erinnere mich Ihnen sehr genau. Sie wären beinahe nicht mehr mitgekommen, mein Herr, und stiegen in Clayborough aus." Ich fiel ihm in's Wort: „Das ist schon so, Schaffner; aber erinnern Sie sich nicht einer Person, die mich bis hierher begleitete?" „Ich glaube, Sie find allein gewesen", sagte Somers verwundert. „Keineswegs; ein Paffagier fuhr mit bis nach Blackwater und weil ich ihm fein Cigarrenetui zurück- geben wollte, welches aus seinem Regenmantel fiel, hätten Sie mich um ein Haar sitzen lasten." „Ja, von einer Cigarrentasche haben Sie gesprochen, aber . . . ." „Sie forderten mir mein Billet ab, ehe wir in die Halle einfuhren." „Freilich, mein Herr." „Dann müssen Sie ihn gesehen haben, weil er unmittelbar an Ihrer Seite des Wagens saß." „Wirklich nicht." Ich blickte Jelf an. Es fuhr mir durch den Sinn, daß der Mensch von dem früheren Director in's Vertrauen gezogen und bestochen sein dürste. Somers sprach weiter: „Wenn ich einen andern Reisenden gesehen hätte, würde ich ihm sein Fahrbillet abgenomtnen haben. That ich das?" „Nein", gab ich zu, „aber der Paffagier behauptete" — Ich brach mitten im Satz ab, weil ich sürchtete, zuviel zu sagen. Somers und der Bahnhofsverwalter sahen mich an; der erstere besragts ungeduldig seine Uhr und bemerkte: „Ich habe nur noch vier Minuten." Hrlb verzweifelt sprudelte Jelf heraus: „Noch eine einzige Frage denn. Wenn der Reise- gesährte dieses Herrn John Dwerrihouse gewesen wäre und an der Coupörhür gesessen hätte, wo Sie die Billets abnahmen, mußten Sie dann unfehlbar Ihren Director erkennen?" „Unter jeder Bedingung." , „„ „Und Sie wissen gewiß, daß Sie ihn nicht sahen? „Wie gesagt, das kann ich beschwören; noch mehr, ich könnte fast ebenso sicher einen Eid darauf ablegen, daß dieser Herr hier auf der ganzen Strecke von London nach Clayborough allein saß, denn — bewie» er leise, während sein Vorgesetzter einem Packträger Befehle gab. — Sie gaben mir ein Trinkgeld und ich wies Ihnen auf Ihren ausdrücklichen Wunsch einen leeren Waggon. — Entschuldigen Sie mich; meine Zeit ist abgelaufen." Damit faßte er an seine Dienstmütze und ging eilig seiner Wege; die Maschine keuchte und dahin ging der Zug. Ich brach das Schweigen zuerst. „Der wackere Benjamin weiß mehr, als er ein» gesteht." „Glaubst Du?" , „ „Er muß Dwerrihouss gesehen haben/ „Es giebt kein muß, lieber Junge." „Was meinst Du damit?" „Du hast vielleicht geschlafen und das ganze ist ein Traum." „Kann man denn von einer Zweigbahn träumen, die man nicht kennt; oder von hundert und ein Ge» schäftsfachen, die einem allzumal mehr als gleichgiltig sind oder von einer halben Million?" „Im Ausland wirst Du vielleicht von dem häßlichen Fall ein unbestimmtes Gerücht gehört haben. Damals hat Dich das nicht gekümmert; jetzt bringen die Namen der Stationen Dir das Andenken an die Geschichte zu frischem Bewußtsein zurück." „Habe ich ebenfalls auf meiner Reise von dein Brand in der blauen Stube etwas gehört?" „Nein, das ist noch der letzte schwierige Punkt." „Und wie steht es um die Cigarrentasche?" „Ach, zum Henker, das Etui! Ja, da» ist der richtige Knoten! Na, es ist eine gcheimnißvolle Geschichte und um Licht hineinzubringen, braucht'» einen bessern Polizeimann, als ich bin. Ich denke, wir thun am besten, wir fahren nach Hause. e Fortsetzung folgt.) Mattim; A. Kcheyd». - Druck und «erlag der Briihl'schen Druckerei (Fr, Ehr, Pietsch) in «ikßen. E>i Nr. 30 „Ach, im Wege, auffallend entente c „Spar genau, wc daß Du i führst. A Dir mein. Dein gan; ich sehe, treibst, bt Sitte kein Augen ös Dir klar „Dm „Halt jetzt mein, Felix Gruppe 1 Einen los mitt ihre klei Lippen f: „Ihr mch an Um bis dahir streuen; im Gart der die von dem Auch sich diese artigen < Räume 1 Als der die feine dre Herrn m desselben Herrn v.