Hießener Jamilienbläüer. Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger. ■■ iwun, ■ i »ihm «iii>ii»h *"Mncm»K»n**c»*w——»M—amwni 111 ■ »> »> i? -- M, 131, Dienstsg, den 6. November. 1888. , „, ..............«■■hi hi i■■«»■■■■■■■■■■■■■■■■■■■«i * Am Kaufe Irnmendorf. Deiflinal«ew«itt von 8 mitt« Heinrich». (Fvrtsrtzvn,.) „Ich kann warttn, wenn ich nur eine Stunde Zeit behalte, bevor jener Graf seinen Besuch wieder» holt", meinte der Baron zuversichtlich, indem er seine Uhr zog. „Nh, schon halb drei, de? Zug wird eintreffen, soll ich die Erwarteten am BaWchof empfangen, meine Gnädigste?" „Ich wäre Ihnen dankbar dafür, lieber Baron! Sir sind so lieb und gut." „Kein Wert davon, Verehrtests! Sie wissen, daß es mir selber d*e größte Freude bereitet." Er küßte ihr die Hand und eilte hinaus. „Sagen Sie nicht» daß wir Männer Egoisten sind, mein gnädiger Fräulein", bemerkte der alte Arzt ruhig. „Ich glaube, daß Ihr Geschlecht viele rühmliche Ausnahmen besitzt", versetzte Ulrike, ihm mit feuchtem Blick die Hand reichend, „bin auch nicht so thöricht, mich und mein Geschlecht für selbstlos zu halten. Im Gegenthril, lieber MMcinalrath, wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhm», den wir vor Gott haben sollen. Es ist für uns arme feh« ! lende Menschenkinder recht schwer, nach Christi Vor- ■ bild zu leben." „Es wäre vielmehr eine Lust zu leben, wenn nur zehn Prccent der Menschheit von einer solchen Gr sinnung beseelt wären", sprach der alte Herr, ihre Hand ergreifend und an seine Lappen sührend. „Gott steh' Ihnen bi» zum Ende bet, mein gnädiges Fräulein, und schenke Ihnen den Lohn, der Ihrem edlen Hrrzn gebührt." Er verließ rasch das Zimmer, und bemerkte draußen zum alten Johann, daß derselbe besser daran thäte, jedem Besuch, welcher den Namen Rüdershausen führe, die Thüre vor der Nase zuzuschlteßen. „Ja, wenn ich das nur dürste, an mir sollt'» nicht liegen", meinte Johann verduzt. „Das ist'» ja eben, Alter!" brummte der Medi- cinolrath, „vielleicht besorgt» der junge Herr." 25. Der gute Baron Lerchenheim war sehr enttäuscht, am Bahnhof nur Hedwiga in Empfang nehmen zu können und schüttelte über Ulrich« Krankheit bedenklich den weißen Kopf. „W ll Tante Irmgard ihn durchaus sehen?" fragte Hedwiga, al» der Wagm mit ihnen davon rollte. „Da» weniger, liebes Kind I" erwiderte der Baron, welcher sich unter vier Augm diese Vertraulichkeit zuweilen herausnahm, was immer ein Zeichen großer, innerer Erregbarkeit bet ihm war. „Da» weniger, Tante Ulrike und ich, wir hätten ihn gern al« Familien-Havpt daheim gesehen. Doch reden wir hi?r nicht weiter davon, es ist nichts für fremde Ohren." „Stehi's denn wirklich so schlimm mit Tante Irmgard?" fragte Hedwiga unruhig weiter, „Sie verbergen mir etwas, Onkel Lerchenhrim!" „Ja, ja, es steht schlimm, recht schlimm mit ihr, liebe Hedwiga! — Doch run keine Frage mehr, bi» wir daheim sind." Nach einer Weile hielt der Wagm vor dem Jm- mendors'schen Hause. Johann öffnete den Schlag und ließ die Herrschaft aussteigen, worauf Hedwiga rasch in's Haus eilte und im nächsten Augenblick von Tante Ulrike mit einer fast stürmischen Zärtlichkeit begrüßt wurde. Dann legte sie Hut nnd Mantel ad und schaute der Tante forschend in die umflorten Augen. „Füllt Dir der Abschied so schwer von Tante 1 Irmgard?" fragte sie leise, „oder — fordert sie noch l ein letztes Opfer von Dir?" „Nicht von mir", erwiderte Ulrike mit zuckenden l Lippen. I „Und von wem denn sonst? — Vielleicht von | Ulrich? — Er ist krank —" „Er ist nicht mitgekommen?" „Nein, Tante, es war unmöglich, da er im Fieber liegt." !„Der arme Junge", sprach Ulrike tonlos, „vielleicht ist es beffsr so." „Also betrifft das Opfer wirklich ihn?" „Nein, mein geliebtes Kind, nein", rief Ulrike • in ausbrechendem Schmerz, „Du sollst das Opfer« ■ lamm sein." Hedwiga richtete sich stolz empor, und ihre dunklen \ Augen flammten. I „Tante Irmgard hat über wein Schicksal keine I Gewalt", sprach sie ruhig, „auch fühle ich durchaus i kein Verlangen, als Opferlamm zu dienen, — ich ' bin nicht so selbstlos, wie ihre arme gemißhandelts Schw'st r es bislang gewesen, und werde unter diesen Umständen sofort wieder abreisen." , Du weißt ja noch gor nicht, um welches Opfer es sich handelt, Hedwiga!" sagte Ulrike, sie mit sanfter Gewalt neben sich auf'ü Sopha niedergehend^ 526 In diesem Augenblick erschien Johann in der Thür, um zu melden, daß dir Kranke nach den Damen verlange. „Bitte den Baron, zu uns zu^kommen." Sie befanden sich im Conferenz-Zimmer, während der Baron sich in's Wohnzimmer begeben hatte. Sofort erschien der alte Herr. „Die Kranke verlangt nach uns, bester Freund I' sagte Ulrike, „gehen Sie, bitte, zu ihr, Hedwiga muß erst Toilette machen, senden Sie die Pflegerin fort und beginnen Ihr Manöver. Gott fei mit Ihnen." Der Baron verbeugte sich feierlich und verschwand. „Mein Gott, was bedeutet dar Alles?" rief Hedwiga, „mir wird ganz ängstlich, Tante Ulrike!" Diese setzte sich wieder zu ihr, legte den Arm um sie und erzählte ihr, was sich heute zugetragsn. „Weshalb riesst Du mich, Tante?" fragte Hedwig« athemlos und erregt. „Sie verlangte gestern, Euch zu sehen, — die heutige Urberrafchung konnte ich nicht ahnen, geschweige denn vorher schon hindern." „Und Tante Irmgard glaubt wirklich, mich verhandeln zu können? — Ich werde ihr diesen Irr- thum rasch nehmen, Tante!" „Und sie auf der Stelle^tödten", sprach Ulrike mit erstickter Stimme. Hedwiga blickte sie mit schmerzlichem Erstaunen an. „So könntest Du dieses grausame, ja schändliche Opfer wirklich von mir erwarten, Tante Ulrike?" fragte sie unruhig. „Nein, nein» mein geliebtes Kind!" schluchzte jene, sie in die Arme schließend, „Du sollst es nicht, es wäre eine Todsünde, die keine Vergebung verdiente. Laß uns die Rückkehr des Barons erwarten, und wenn seine Bitten und Beschwörungen nutzlos gewesen, dann reife sofort wieder in die Residenz zurück, da Du mit der Sterbenden nicht reden, auch mit jenem Grafen nicht zusammentreffen darfst. Ein Wagen soll Dich nach der nächsten Station bringen, damit Du auf dem Bahnhof nicht gesehen wirst." „Ich gehe zum Major Tellkamp", versetzte Hedwiga rasch, „dort bleibe ich, bis der Sturm ganz vorüber ist." „Gut, ich werde alles Uebrige auf mich nehmen", nickte Ulrike schwermüthig, „komm' jetzt, mein Kind, wir wollen zu Tisch gehen, Du wirst hungrig genug sein." „Rein, Tante, ich könnte keinen Biffen rffen, mir ist das Herz zum Zerspringen schwer." „Wohl, Kind, auch mir ist nicht leicht um's Herz, desto weniger aber dürfen wir das Leibliche hintansetzen, um die nöthige Kraft uns zu bewahren." Sie nahm mit mütterlicher Zärtlichkeit Hedwiga» eiskalte Hand in die ihrige und sah ihr liebevoll in die Augen- „Du sollst nicht geopfert werden, mein theures Kind!" sprach Ulrike mit fester Stimme. „Ich werde für Dich eintreten, mag kommen, wa» da wolle. Nun aber sti gut und verständig, Hedwiga, trinke ein Glas Wein und esse ein wenig, mir zu Liebe." Hedwiga küßte sie und ließ sich von ihr in's Speisezimmer führen, wo der Tisch bereit» gedeckt war. Sie trank etwa» Wein und lehnte sich müde in den Sessel zurück. O, wären doch Ulrich und Egon zu ihrem Beistände hier I — Die Arme kannte Ulrike nur zu genau, um gar zu viel von ihr zu hoffen; sie wußte, daß die Kranke gerade jetzt, wo ihr Lebens-Docht nur schwach noch glimmte und in jedem Augenblick erlöschen konnte, die unumschränkteste Macht über das opferbereite Schwesterherz besaß, eine Macht, welche die despotische Irmgard sicherlich bi« zum letzten Athemzuge erbarmungslos aueüben würde. Drinnen im Krankenzimmer saß der Baron, welcher die Pflegerin eine Zeit lang zu entfernen gewußt, neben dem Sterbebett, mit leisen, einschmeichelnden Worten auf die wachsbleiche, schon einer Leiche ähnelnde Irmgard einsprechend. Unruhig tasteten ihre dünnen Finger auf der seidenen Decke umher, während die eingesunkenen Augen mit zweifelnder Angst an dem gutmüthigen Antlitz ihre» alten treuen Verehrers hafteten. „Nein, nein", flüsterte sie endlich mit einem leisen Röcheln, „Sie irren sich, Baron, der junge Graf ist sein Neffe, von ihm gesandt, eine Botschaft au« dem Grabe--hören Sie, aus dem Grabe — ich muß — gehorchen. Er sieht ihm ganz gleich, sein Ebenbild — Baron! — Nasch, ängstigen Sie mich nicht mehr — er — ein Betrüger — Sie glauben selber nicht daran — rufen Sie — Hedwiga — sagten Sre nicht, daß sie schon angekommen — o — wie lieblos — ich sterbe —" Der Baron reichte ihr erschreckt die Medicin, worauf sie sich wieder erholte und mühsam nach der Thür deutete. „Der Zug ist noch nicht angekommen", log der alte Herr mit klopfendem Herzen. Es war seine erste Lüge gegen sie, welche sein Gewissen arg beschwerte; Trauer um die Sterbende, und Mitleid mit der guten Hedwiga zerrten an dem guten Baron und führten ihn in die schlimmste Sackgasse seine» Leben». Er rief die Pflegerin wieder herein und begab sich gesenkten Hauptes nach dem Conferenz- Zimmer zurück. „Alles umsonst", seufzte er, „auf einen Sessel niederstnkend, „sie will sich'r nicht einreden lassen, daß dieser Rüdershausen möglicher Weise ein Betrüger sein könne. Es ist ja richtig, daß er seinem Onkel ganz frappant ähnlich steht, wobei aber doch ein Betrug durchaus nicht ausgeschlossen ist." „Und ich soll nun nach einem Menschenalter sür die Sünde eines Elenden büßen!" ries Hedwiga, sich jäh emporrichtend, „nein, nein, das wird nie, — niemals geschehen I" Der Baron blickte mit einer hülflosen Miene auf Ulrike, die wortlos vor sich hinstarrtr. Dann richtete auch sie sich fest entschlossen auf. „Nein, Kind!" sprach sie mit unnatürlcher Ruhe, „es soll Wort, bi wandte Freundli Tellkam; „M Der Rasckbei! „Brtl „Sp Plan, F Nicht ers - ich r gestehen, geleistet noch niö ganz zer letzten A zum erst Gott m wendige! „Da Freunde reichend, gard nil durch w stunde s unsere zum O; Ihnen Heb lassen, ! bereit, ; Johann unbeme einen b suchte Winke gung b schärfer kenzimn »,Jk Johanr „wenn berkom! „T rufe m Sii hörbar! De voll bi bie sta Genius Ul bie um „91 meldet, 52? „es soll und darf nicht sein, ich gebe Dir mein 1 „Und Hedwiga?" Wort, das ich niemals gebrochen. — Herr Baron! ' „Sie wirb kommen, beruhige D ch, ge.iebte wandte sie sich an diesen, „darf ich Sie um die Schwester!" Freundlichkeit ersuchen, meine Nichte zum Major Die Kranke Merte das Wort „allein, und Tellkamp zu geleiten?" Ulrike bat die Pflegerin, stch zu Tisch zu begeben, „Mtt Vergnügen, meine Gnädigste!" worauf diese das Zimmer verließ. Der alte Herr erhob stch mit jugendlicher „Sie wird mir gehorchen, — sich « t dem RasLbeit. Grafen verloben", flüsterte Irmgard weiter, - „sie „Bitte, lieber Baron, erst zu Tisch muß, es ist mein letzter Wille, mein TestsENt! „Später, später, meine Theure, ich ahne Ihren „Liebe, liebe Schwester, hüre mich an, aber reg« Plan, Fräulein Hedwiga, als die Hauptperson, hier Dich nicht auf', bat Ulrike, „nicht wahr, Geliebte, nicht erscheinen zu lasien, und freue mich, durch eine I Du bist gewiß überzeugt von meiner innigen L.ede — ich muß es leider zu meiner tiefen B'schämuna | für Dich?" gestehen, — unwillkürliche Lüge der Sache Vorschub l> Sie hatte sich über sie geneigt, und sah ihr zär.lich geleistet zu haben, indem ich behauptete, daß der Zug I in die geliebim Augen. noch nicht angekommen sei Ich bm in der That Es lag ein eigentümlicher Zauber in ihren ganz zerknirscht darüber, die theure Kranke in den I treuen, braunen Augen, dem sich se^st Armgard letzten Augenblicken ihres so schwer geprüften Daseins niemals ganz hatte entziehen können. Sir hatte eine zum ersten Male getäuscht zu haben, hoffe aber, daß Saite angeschlagen, welche doch Gott mir diese Sünde im Hinblick auf den noth, I Klang gab. lieber dar schmale, wächserne Gesichtchen wendigen Zweck vergeben werde." I zog etwas wie em Lächeln. , „Dar wird er sicherlich, Sie treuester aller „Du bist gut und hast mich mmer geliebt, Freunde!" sprach Ulrike, ihm tiefbewegt die Hand flüsterte sie, „ich weiß er, Schwester! reichend, „halten wir das Em« nur fest, daß Jrm. „Nun denn, geliebte J-mgard, ch will Dir ein narb nichts mehr von dem Scheinglück genießen kann, I heiliges Gelöbniß geben, wenn Du mir einen Wunsch, durch welches ihr herzloser Verderber in der Todes. I eine Bitte erfüllst.' stunde seine Seele zu retten gedacht. Weshalb soll Die Kranke blickte sie unruhig an. unsere arme Hewiga solch' abscheulicher Selbstsucht „Nenne mir erst Dein Gelöbniß. zum Opfer fallen? - Nein, lieber Freund, ich bin „Daß ich den Name« unseres Vater» bi. an Ihnen dankbar für die kleine Lüge." | mein Ende tragen w'll. Hedwiga, welche mittlerweile da» Zimmer ver- j „Ach", keuchte Irmgard athemlo» und mit ^nem lassen, kehrte jetzt völlig angekleidet und zum Gehen entsetzlichen Röcheln, "Du hast wirktt4n°4 bereit, zurück. Der Baron ließ sich draußen durch | an eine — Herrath — mit dem verhaßten Major Johann Hut und Paletot reichen und verließ dann - gedacht?" unbemerkt mit seiner schönen Begleiterin, welche! „Nein, nein, geliebte Schwester, beruhige Dich ± ÄS*** “** *6t “"ä,'S a"‘Ii6 b°*®ü Stimme be. «men Utdle, sie ,°ß 0 Ulrike horchte einen Augenblick hinaus, dann I rasch Medicin id einen Löffel, nm den Anfall M suchte sie den alten Johann auf, um ihm einige I bekämpfen, und mit zärtlichen Worten die sterbende Winke hinsichtlich der Unterbringung und Besckäfti« I zu beruhigen. „ - „ gung der Kammerzofe zu geben, und es ihm elnzu» I Wenn sie jetzt durch ihre schuld gestorben wäre schärfen, dieselbe unter keiner Bedingung dem Kran- I - Ulrike hätte ausschreien mögen vorEntsetzen und kenzimmer zu nahe kommen zu lassen. , I Herzeleid. Wie war e»nur ach, „Ich halte Wache, gnädigstes Fräulein!" versetzte Egoismus über s Grab hinaur das eM Johann einfach, „aber", setzte er stockend hinzu, Pflänzchen, roe!cf)e§no4 o 'SS, „wenn nun jener Graf mit dem bösen Namen wie, konnte, erbarmungslos ^treten mochte? Rüdere brrkommt —" Hausen und Irmgard! - Ulrike schauerte im Fiever« „Dann führe ihn in'» Wohnzimmer, Alter, und | frost zusammen. rufe mich ohne Säumen." Die Kranke starb Sie nickte ihm freundlich zu und ging mit un« I Augen ruhten starr auf dem traurigen Gericht ver hörbaren Schritten zu der sterbenden Schwester. | Schwester. Der Flügelschlag be» Todes rauschte geheimniß, I „Du hast viel für mich gethan, U^ike! begann voll durch da» Zimmer, doch noch immer kämpfte | sie jetzt sehr langsam und leise. „34 denke ab , bi“n«l7, unruhige Seele W.n den eröfenben beb ®n «>«*>*ÄlSS Genius. I aufopfernd geschaffen Hai. Du würdest oasterve zur Ulrike trat an das Bett und streichelte zärtlich eine Fremde gethan haben.' die umhertastenden Hände. ,.O Jrmgarv,« betrübest Du mich , klagte „Noch Niemand gekommen?" fragte Irmgard leise, die sonst so starke U.rike. „Ein Telegramm, welches Ulrichs Erkrankung | (Fortsetzung folgt.) meldet, meine Theure!" I ■ 528 Jermi schtes. Der Tabak als Kleiderreiniger. Wenn sich jetzt zur Herbstzeit die geheimnißvollen Pforten der Schränke, Kasten und Koffer wieder öffnen, um ihre mottenpulver-durchdufteten, aufgespeicherten Schätze aus dem langen Dunkel dem Hellen Tageslicht zu übergeben, dann tritt so mancher böse Schaden auch an's Licht, welcher der vielgeschäftigen Hausfrau es dringend an's Herz legt, ihre specielle Kunst daran zu versuchen, nämlich die: alte Sachen neu zu machen! — Mit diesem abgetragenen Tuchrock hier z. B. kann das liebe Männchen doch unmöglich anständigerweise noch durch'» Leben, respective durch die Straßen und in oder an sein tägliches Geschäft wandern. Was würden wohl die Leute dazu sagen, denn sie sind schlimm, die Leute, und schließen leider nicht mit Unrecht von der Toilette des Mannes auf die mehr oder minder sorgsamen Hände seiner armen Gattin. Also: hier ein guter Wink, um den alten Tuchgewändern eine Art von Jugend-Firniß zu verleihen, und zwar ist es ein viel schon angefeindeter Feind des häuslichen Heerdes, dessen Hilfe dabei in Anspruch genommen werden muß: der Tabak! Man nimmt 2 Loth von diesem Teufelrkraut, gießt eine Flasche heißes Wasser darauf, läßt diese angenehme Brühe !/2 Stunde ziehen, und filtrirt sie durch ein Haarsieb; — bürstet man nun mit dieser Flüssigkeit den betreffenden Patienten recht tüchtig, so erlebt man den schönen Anblick, daß er wie verjüngt erscheint. Jetzt kommt aber noch die Hauptsache: der Rockkragen, der mit grüner Seife abgerieben, und mit einer weichen Bürste nebst lauwarmem Wasser gründlich ausgebürstet wird, um von allem Staub des Daseins ihn zu reinigen; — zeigen sich aber fatalerweise kahle Stellen schon aus Altersschwäche, so greift man fluggs zu einer sehr harten Bürste, kratzt die fragwürdigen Stellen vorsichtig damit auf und bürstet sie mit einer weichen Bürste nach dem Striche, damit das kahle Tuch sich in rauhes wieder wandle. — Getrost kann dann der Herr des Hauses im alten und neuen Rocke den täglichen Geschäften nachgehen, während die Zauberin Daheim: seine bessere Hälfte, stolz ihm nachschaut. — So kann der Tabak unter Umständen sogar ein Freund der Hausfrau sein! Homoristisches. Bei der Gesangvereinsprobe Chormeister: „Meine Herren und Damen! Passen Sie doch ein bischen auf. Roch einmal das Lied: „Ich wollt', ich wär' ein Vogel, Dann baut' ich mir ein Nest." Sie nehmen den Vogel viel zu hoch und das Nest zu tief. Sodann bei der Stelle: „Am Fenster meines Liebchens" viel zu zart. Das Fenster muß mehr herausgerückt werden. — Also noch einmal von vorn!" Schlechte Weinsorte. A.: Ich muß Ihnen endlich einmal über meine Verhältnisse rein en Wein einschenken." — B.: „Na, da wird ein schönes Gesöff heraus kommen!" Wiesich dieWiener im Gedrängeunterhalten haben, als sie auf den Kaiser Wilhelm warteten: „Langsam, langsam meine Herr'n, net drucken! I begreif' überhaupt dö Neugierd' net. Dö Menge Menschen!" „Na und san Sö vielleicht net da?" „Ich? no ja, aber--„Sö sollten eigentlich net da sein. Hab'n S' denn net gelesen, daß d' deutschnationalen Farben net erlaubt sein?" „Was geht denn dös mi an?" „So? Aber ein' schwarzen Rock hab'n S', a goldene Kötten und a rothe Nasen a, is dös net Schwarz-Roth-Golden?" Geistesgegenwart. Ludwig Devrient spielte einst in dem Stücke „Der geadelte Kaufmann" mit gewohnter Meisterschaft die Hauptrolle, wurde aber in Folge von Kabalen bei jedem Abgänge vom Parterre ausgepfiffcn. Trotzdem spielte er weiter. Endlich kam eine Szene, in welcher er seinen Haushofmeister ausschelten mußte. Als er am Schlüsse dieser Szene abermals das verhängnißvolle Pfeifen im Publikum vernahm, ergriff er plötzlich den Haushofmeister bei der Brust und schrie: „An nichts denkt der Schurke! Er kann es ruhig im ganzen Hause pfeifen hören und sorgt doch nicht für Rattenpulver!" — Ein homerisches Gelächter erfüllte das Theater und das Pfeifen verstummte; der Künstler wurde gerufen. BegründeteAbweisung. Feldwebel: „Herr Hauptmann, der Gefreite Schlinghuber bittet, außer Menage gehen zu dürfen." — Hauptmann: „Nichts da! Der Kerl, er — ißt mich ja arm! Der Schlingel hat ein Verhältniß mit meiner Köchin!" Ein Pariser Geck droht seinem Onkel zum zehnten Mal, daß er sich tödten werde, wenn ihm der Onkel nicht 10000 Frcs. gebe; er müsse diese Summe haben, um eine Ehrenschuld zu begleichen. — „Das Einzige, was ich für Dich thun könnte" — bemerkt nachdenklich der Onkel — „wäre, daß ich Dir meinen Revolver leihe; aber ich darf auch das nicht riskiren, Du würdest ihn verkaufen!" Boshaft. „Du hast Frau v. X. nicht gegrüßt..., hast Du sie nicht wieder erkannt?" — „Wie, das wäre die?" — „Gewiß!" — „Das hättest Du mir vorher sagen sollen, daß sie sich hat — rasiren lassen." Ehemann, an der Seite seiner Frau die Gesellschaft musternd: „Der alte Satz, die größten Narren haben die schön st enWeiber, bewährt sich doch immer auf's Neue." — Sie: „O, Du Schmeichler!" „Ich hab' gelesen, daß hier bei einer jungen Wittwe ein Zimmer zu vermiethen ist." — „Ganz recht; die junge Wittwe bin ich." — „Sie 'ne junge Wittwe!" — „Ja wohl; mein Mann ist erst seit drei Wochen tobt. Bedsction: A. Schcyda. — Druck und B erlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Piel sch) in Wiegen. Nr. le trog Tell wäl sich i N flüstert! bißt, u gcraihe zwungi weshal dingun Imme! sonder Hause! Dir ei lasten' htnzv, teile 1 deren reißen E es ih Name leichte U Überfi letzte imme Bitte und Tellk! blick-, sollte Moli werd s frei, Zirm zmä das