nein Gastsreund; 3t Dich so rasch m acht und Du Prendergast von n; meine Frau le Stube. Nicht rrihouse so trau« dern in ein hüb- enstübchen- Ich at mein Bestes, e mein Abenteuer Es stand mir reine Hemdknöpse, , vis Handschuhe, tzie, der in die iu Jets oberfläch- ging. will ich beschrei» rovinz sehen sich > diese war keine luiann mit seiner iren Frauen, der : es giebt nichts ier Tafel. Eine, geführt und oie mir zur Linken, von Kindern — hljeßlich trat eine nommrn und der Wenn oie Unter* atte, so hörte sie Aeflüzel vor und uan wohl sprechen durch den Sinn: 3 ich begann: heute ein tüchtig r des Weges ge« err und zerlegte ruft seines Vogels. von dem ich Dir sihnacht Heimsucht, u Irls. Ihnen, Verehrte." chauptete die Fra» uns.nicht auf die s, wer es war. :Her, Herr Zehn ) Hiehener Jamiüenblätter. Belletristisches Beiblatt;um Gießener Anzeiger. Nr. 28. Dienstag dm 6. März. 1888. Ate Verkorene Miöek. Original-Roman in 3 Bänden »en Dr. Carl Hartm ann-Pltn. (Fortsetzung). Gegen sechs Uhr Nachmittags waren bereits Alle außer dem General, Felix und Franziska in einem Salon des italienischen Anbaues versammelt. Nur Wenigs hatten sich gesetzt, die Meisten standen in Gruppen von Zweien, Dreien ober auch mehreren beisammen, in lebhafter Unterhaltung begriffen. Alexandra ging von einer Gruppe zur andern und hatte für jeden Gast ein paar freundliche Worte. Dübel warf sie von Zeit zu Zeit einen Blick auf ihren Gemahl, der mit einigen Herren anscheinend unbefangen sprach. Sie hatte, was sonst wohl Niemand gewahr werden konnte, auf seiner Stirn eins kleine Wolke und eine Vertiefung der Falten zwischen den Brauen bemerkt. Sie hatte ihn schon gefragt, ob er sich unwohl fühle oder im Geschäft etwas Unangenehmes gehabt, worauf seins Stirn sich sofort entwölkt und er ihr mit freundlichem Gesicht er* widert hatte, daß er wie immer auf ihren Festen sich außerordentlich wohl fühle trnd sehr heiter ge* stimmt fei. Aber dis Wolke war zurückgekehrt, nachdem sie ihn verlaffen, und da sie an ihrem Maune noch niemals die geringste Verstimmung ge» sehen, war es ihr um so auffälliger, daß sie es, wenn auch nur leise ««gedeutet, gerade inmitten einer großen Gesellschaft gewahren mußte. Eben dieser Umstand, daß Wolter in dieser lauten, plaudernden Umgebung die Wolke nicht gänzlich verscheuchen zu können schien, sagte ihr, daß ihm etwas Besonderes passtrt sein müffe, von dem seine Ge* danken so nachhaltig auch noch in diesem Augenblick in Anspruch genommen wurden, und eine unbestimmte Sorge keimte in ihrer Seele auf. In dieser Sorge dachte sie gar nicht daran, sich auch einmal nach Frieda umzusehen, sonst würde sie bemerkt haben, daß ihre Tochter ein wenig zu entfernt, zu abgesondert von der übrigen Gesellschaft in einer Epheulaube neben einem jungen Manne stand. Es war Siegfried Rohdenberg. Nicht weit von dieser Laube entfernt unterhielten stch in einer Fensternische der Professor Marquardt und Siegfried's Großmutter. „Er freut mich doch sehr, liebe Fcau Rohden« berg", sagte der Erstere, „daß Sie sich nach langer Berathung endlich entschlossen haben, der Einladung Folge zu leisten, es wird Ihnen jetzt die Gelegenheit ; geboten- unsere herrliche und liebenswürdige Frau [ Wirthin etwas näher kennen zu lernen und sicherlich i wird Ihr Scharfblick noch heute Abend Ihr Urtheil ! von früher rectificirrn." „Ich habe dis Frau Geheimrath", erwiderte Frau Rohdenberg, „schon längst wegen meines vor- I schnellen Urteils von damals in meinem Herzen um Verzeihung gebeten, ich habe später auch noch andere Urtheile über sie vernommen, die dem Ihrigen, Herr Professor, ziemlich gleich kamen. Also von dieser Seite fürchte ich keine Gefahr mehr, wohl aber von einer andern." „Nun, von welcher denn?" „Wenden Sie einmal den Kopf, was sehen Sie dort in der ephruumrankten Ecke?" „Dort sehe ich Siegfried neben der Tochter der Hauses." „Betrachten Sie seine Augen! Wenn sie in dieser Weise Mühen, so ist Alles in ihm Feuer und Flamme." „Dann sprechen die beiden jungen Leute wahrscheinlich über Musik. Kommt Ihr Enkel auf dies Thema, namentlich auf Bach, Händel oder Beethoven, dann leuchten feine Augen immer vor Begeisterung." „Oder ihn begeistert etwas Anderes." „Auch möglich, Frau Rshdenbsrg." „Ach, ich weiß es nur zu gewiß! Er hat sich in den letzten Wochen sehr verändert. Zwar giebt er sich Mühe, mir gegenüber den alten, fröhlichen Ton anzuschlagen, aber ich sehe den Zwang und der sagt mir Allrs. Und mehr noch sagt mir sein Gesicht, wenn er sich unbeobachtet glaubt, und fein Gesicht ist noch immer der Spiegel feiner Seele gewesen." „Sie meinen also, daß der Junge regelrecht verliebt ist?" „Wenn er noch verliebt wäre! Aber es ist mehr, weit mehr, er liebt, und das ist fein Unglück." „Warum denn sein Unglück?" „Weil er an dieser Li. ' s zu Grunde gehen kaun- Glauben Sie, daß der .■ he Herr Geheimrath und seine schöne Gemahlin i',. . izigrr Kind einem jungen Manne zur Frau gebe werden, der nichts hat und nichts ist?" „Warum soll ein jiw? Mann nicht einmal ein junger Mädchen lieben ntgegnete der Professor. ;,Sie sprechen von der Liebe, Herr Professor, wir der Blinde von der Farbe. Sie haben ihre ) in Gießen. 110 Macht nicht kennen gelernt, und können dahs nicht ermessen, welches Unglück sie im Gefolge haben kann." „Wiffen Sie das so gewiß, Frau Rohdenberg? Wenn Sie bar glauben so will ich Ihnen doch eine kleine Geschichte erzählen, und daß ich darüber ruhig sprecht« kann, mag Jhn-n beweisen, daß ich in meinem Herzen Alles überwunden habe. Als ich noch Lehrer am KossernLtoriLM in L. war, da hatte ch ein junges hübfchr» Mädchen, das sich für die Oper ausbildrn waötg, im Gesang zu unterrichten. Ich war ein junger Mensch, was Wunder, daß ich mich bis über me Ohren in sie verliebte. Lange zögerte ich, ihr meine Liebe zu gestehen, denn ich war mir bewußt, kein anziehendes Aeußers zu haben. Erst, als die junge Sängerin sich rüstete, das Konservatorium zu verlassen, gestand ich ihr meine Liebe, und stellen Sie sich meinen Jubel vor, sie erwiderte mir, daß sie mich schon lange wieder- geliebt habe. Acht Tage lang genoß ich das reinste Liebesglück. Von L. reiste sie nach Berlin, wo ihr Debüt stavftnden sollte. Schon nach ihrem ersten Auftreten war ihre Zukunft entschieden, sie errang einen koloffalen Erfolg, nach wenigen Wochen nannte man sie den ersten Stern am Himmel der Kunst. In der ersten Zeit schrieben wir uns sehr flMig, — ich besuchte sie einmal in der Stadt, wo sie gerade gastirte — da war noch Alles beim Alten, dann wurde die Csrrespondenz etwas spärlicher, nach einem Jahr etwa erhielt ich einen Brief, worin sie mir schrieb, daß sie sich übereilt, daß sie ihr Herz nicht gekannt, daß sie für Lebe gehalten, was nur Dankbarkeit und Freundschaft gewesen. Ja, Frau Rohdenberg, damals hot mein Herz geblutet und um meinen Schmerz zu betäuben, stürzte ich mich in die Arbeit; ich componirte und was in dieser Zeit entstand, der große Cyclus von Liedern, die nach heute in jedem Conesrt, an jedem Klavier gesungen werden, die meinen Namen, meinen Ruhm begründet, entstand in dieser Zeit. Was aus dem jungen Mädchen, das mich verlassen, geworden ist — ich weiß es nicht, später erfuhr ich, baß sie sich ver« hsirathet habe und noch etwas später drang das dunkle Gerücht zu mir, daß sie in einer Krankheit ihre Stimme gänzlich verloren habe." Frau Rohdsnberg und Marquardt konnten ihr Zwiegespräch nicht weiter fortsetzen, da in diesem Augenblick die Geheimräthin sich ihnen näherte und eine Unterhaltung anknüpfte, worin sie namentlich betonte, wie überraschend zufrieden alle Mitglieder des Gesangvereins mit den Leistungen ihres Direktors seien, und wie stolz sie sich fühle, eine solche Kraft entdeckt zu haben. In der Epheulaube war die Unterhaltung zwar eine lebhafte, aber Frau Rohdenberg würde sich gewundert haben, wenn sie gehört hätte, wie alltäglich in diesem Augenblicks der Gegenstand, und daß von Nichts Wichtigerem die Rede war, als vom Weiter. Siegfried hatte noch nie in seinem Leben mit solcher Freude und Sehnsucht etwas erwartet, als den heutigen Tag. Er lieble Frieda mit der ganzen Macht einer ersten Liebe. Schon am Uebungsabend, an dem er dirigirt hatte, war es ihm zum klaren Bewußtsein gekommen; u^b während der letzten Probe hatte er zu sehen geglaubt, daß er dem jungen hübschen Mädchen nicht gleichgültig sei. Es »ar ihm gelungen, Frieda mehrere Male abgesondert und ungestört von den Anderen allein zu spreche«. Anfangs hatte er nur roenij Worte mit ihr wechseln können, später während einer größeren Pause, als alle Sänger und Sängerinnen sich im Garten der Villa ergingen, fand sich Gelegenheit zu einem Gespräch. Er hatte sich ihr, die zuletzt aus dem Gartensalon trat, angeschlossen; Frieda war nicht im Mindesten erstaunt gewesen, als er so ohne Weiteres an ihre Seite trat und auf dem Kieswege mit ihr dahinschritt. Sie hatte sogleich begonnen, unbefangen zu plaudern. „Sie kennen den Park noch nicht, Herr Rohdenberg", sagte sie, „wenn es Ihnen recht ist, so gehen wir dahin, ich möchte Ihnen denselben so gern einmal zeigen." „O, wie gern, gnädiges Fräulein I" „Er ist freilich lange nicht so groß", fuhr Frieda fort, „als der Park auf dem Schlangenberge, dafür besteht er aber aus lauter prachtvollen, hohe« Buchen, und Buchen sind meine Lieblingsbäume." „Meine auch." „Wirklich? Dann werden Sie Ihre Freude an den unfern haben. Ich kenne nun nichts Schöneres, als in einem kleinen Walde ganz allein umher zu wandern und zu träumen." „Sie können auch träumen?" „Sie betonen so besonders das Auch?" „Weil ich ebenfalls feit einiger Zeit, was ich früher nie gekannt Habs, beständig träume, nicht allein im Schlafe, sondern auch im Wachen, wo ich gehe und stehe. „Seltsam I" sagte Frieda. — „Ich kann mir", Hub sie wieder an, „lebhaft de» Inhalt Ihrer Träume denken; er sind schöne, herrliche Melodien, die Sie nächstens auf das Papier fetzen werde»." „Kompositionen meinen Sie? O nein, gewiß nicht." „Sie haben doch schon etwas componirt, Herr Direktor?" „Nur das, was ich für den Unterricht im Generalbaß csmponiren mußte; aus eigener innerer Intention noch nichts. Aber jetzt plötzlich kommt mir die Lust, den Versuch zu wagen." „Und was würden Sie zuerst componiren? Eine Sonate, ein Lied ober —?" „Natürlich ein Lied." „Von welchem Dichter? Vielleicht von Lenau oder Heine?" „Ich würde mir wohl selbst eins machen." „So können Sie auch dichten?" „Das kann Jeder, dem das Herz voll ist." „Wäre es unbescheiden von mir, wenn ich Sie bäte, auf Ihre erste Komposition gelegentlich einm Blick werfen zu dürfen?" 111 oniren? Eine von Lenau , fuhr Frieda nbsrgs, dafür ollen, hohe« lingsbäume." re Freude an ts Schöneres, ;in umher zu lebungsabend, . zum klaren । der letzten t dem jungen ei. Es »ar zefondert und prechs«. An« ihr wechseln i Pause, als » Garten der ;t zu einem tzt aus dem >a war nicht sr so ohne sein Kieswege ch begonnen, Herr Rohden« ist, so gehe» so gern ein« achen." »oll ist." wenn ich Sie entlich eine« ch?' >eit, was ich räume, nicht tchen, wo ich kann mir", fnhalt Ihrer Hs Melodien, ;en werden." nein, gewiß rponirt, Herr t im General« rnerer Inten« mmt mir die Blick an und schwiea. „Und er ersuchte mich, seiner Cousine mitzutheilen, sie brauche dieses Mal ihm zu Ehren das Schloß nicht anzuzünden, müsse jedoch vor seiner Ankunft den Schornstein im blauen Zimmer fegen lasse«. Ich hatte den Satz noch nicht vollendet, als die | Gesichter der Tischgenoffen länger und immer länger „Zürnen Sie mir, gnädiges Fräulein?" „Nein", erwiderte Frieda leise, di« Augen noch gesenkt. (Fortsetzung) Jonathan Jelf legte Messer und Gabel hin: die Frau sah mich mit einem eigenthümlich verwunderten „Doch, gnädiges Fräulein, müßte ich eine Be« dingung daran knüpfen." „Sine Bedingung?" "Die Bedingung nämlich, das Lied Niemandem z,Menn dar Lied mir nun gefällt, dann ist die Bedingung sehr hart, aber trotzdem gebe ich Ihnen da» Versprechen. Doch weshalb soll ich es Keinem reige»? Fürchten Sie vielleicht Mama'« Kritik?" „Ja, ich fürchte diese Kritik in - dopp-lter Beziehung !" Hatte Frieda den Sinn der letzten Worte sofort verstanden? Eine dunkle Gluth bedeckte plötzlich ihr Gesicht, und obgleich die Sonne bereit» untergegangen war und beide soeben den Park betraten, zwischen dessen Bäumen die Dämmerung schon Platz gegriffen, konnte Siegfried den Farbenwechsel doch noch bemerken und nun fühlt; er, wie auch ihm das Blut ins Gesicht stieg. Eine Strecke Weges gingen dis beiden jungen Leute schweigend nebeneinander hin. Siegfried brach zuerst das Schweigen und sagte: „Wie schön ist es unter diesen Bäumen, ein herrlicher natürlicher Dom; die prächtigen geraden Stämme der Buchen sind die Säulen, die da? Gewölbe tragen; hier möchte ich zu einem ganz bc- stimmien Gotte beten, daß er meine stillen Wünsche erhören möge. O, blicken Sie hinauf zu diesem Gewölbe, gnädiges Fräulein; dis Spitzen der Bäume sind noch vom Abendroth vergoldet; das ist die glückverheißende Farbe der Hoffnung, dem das Morgemoth des Glückes unfehlbar folgen muß! Ist es verwegen, dar Glück so sicher und fest zu erwarten ?" Bei diesen mit erhöhter Stimme gesprochenen Worten wurde Frieda plötzlich von einer eigenthüm- lichen Angst befallen; sie rrehte sich kurz um und er klang so ganz ander«, als wie sie bisher gesprochen, fast schroff und kalt, als sie nun sagte: „Wir müssen umkehren, die Pause wird vorüber sein." Wie ein Wasserstrahl siel dieser kühle Ton auf seine emporwallenden Empfindungen, denen es keinen Damm entgegengesetzt hatte. War er zu kühn, zu vermessen gewesen? Nun gingen die Beiden wiederum eine Strecke nebeneinander hin, aber diesmal war das Schweigen peinlich. Siegfried hätte gern etwas gesagt, um dies drückende Schweigen zu unterbrechen, aber er fand kein Wort. Sie hatten den Ausgang des Parker erreicht und betraten den Garten. Auf der anderen Seite desselben kehrten auch die übrige» Mitglieder des Gesangvereins lachend und plaudernd bereit» von ihrer Promenade zurück. Da endlich sagte Siegfried in einem weichen, fast schmerzlichen Tone: Kine Gespenstergeschichte. Nach dem Englischen. „O Dank, taufend Dank!" rief Siegfried freudig aus. „So darf ich Ihnen das nächste Mal meine Composttion überreichen?" „Ja" kam es ebenso leise über ihre Lippen« aber sie begleitete da« Wort doch mit einem kurzen Blick. , , Mit dem Zwiegespräch war e« jetzt vorbei, ewige Damen, die in einen musikalischen Streit begriffe» waren, kamen ihnen entgegen nnb forderten den Herrn Direktor zum Schiedsrichter auf. Für den Rest de« Abends fand sich keine Gelegenheit wieder, Frieda auch nur eine Secunde lang allein zu sprechen. Als er sich am Schluß von Alexandra und Frieda, die neben einander standen, zugleich verabschiedete, traf ihn ein voller Blick der Letzteren. Mit diesem Blick vor Augen ging er trunken nach Hause und setzte sich sofort hin und machte dar Gedicht. Am andern Tage componirte er dasselbe. Aber nie waren ihm die Tage so endlos lang geworden, als diejenigen, dis noch durchlebt werden mußten, dis er Frieda wieder« fab. Doch auch diese Zeit verging, der ersehnte Mittwoch und mit ihm die Fahrt nach der Schlangenburg war endlich da. , „ .. Frieda begrüßte ihn mit demselben Blick, mit dem sie ihn vor acht Taz n entlassen, dar war ihm vorläufig genug. Er sah bald ein, daß es schwierig sein würde, in dieser zahlreichen Gesellschaft chr auch nur ein Wort ohne Zeuge" zuflüstern zu können, wenigstens vor dem Diner nicht. Dennoch beo^ achtete er sie unausgesetzt und aufmerksam, um doch noch einen günstigen Augenblick zu erspähen. Frieda hatte sich während der Musikproben rasch mit der Baroneß Schleiden bsfreundet, die beider jungen Mädchen fanden sich auch heute sogleich, wanderten einige Male im S'lon Arm in Arm aus und ab und setzten fich darauf in die Epheulaube. K mm hatten die Freundinnen dort Platz genommen, als Siegfried zu seiner Freude bemerkte, daß die Mutter "der Baroneß Letztere zu sich heranwinkte. Rasch eilte er nun nach der Laube und im nächsten Moment standen sie sich gegenüber. (Fortsetzung folgt.) 112 Warum wundert Dich das?" „Weil", dehnte mein Freund in seinem leisesten Ton, „weil Jshn Dwerrihouse sich vor einem Vierteljahr mit sünshunderttausend Thaler von dem Geld seiner Gesellschaft aus dem Staube machte und seitdem kein Mensch von ihm das allergeringste gehört * John Dwerrihouse war also seit drei Monaten heimlich davongegangen und nichtsdestoweniger hatte ich ihn vor drei Stunden gesehen; er hatte seiner Gesellschaft eine halbe Million gestohlen und mir erzählt, daß er das Geld bei sich habe. Stimmten solche Widersprüche zusammen? Wie durfte er sich an dar Tageslicht wagen und gar auf seiner eigenen Bahn sich zeigen; insbesondere fragte er sich jedoch, wo war er im letzten Vierteljahr gewesen? Derlei Bedeuten warfen wir auf; aber die Lösung war für mich nicht leicht und für den Rittmeister noch schwerer; der Hausherr freilich war noch schlimmer daran als wir, denn er war förmlich außer sich, als ich ihm in einer Stubenecke ausführlich mittheilte, was ich wußte. Nachdem am Spätabend der Besuch Abschied genommen, kam Jonathan noch in mein Zimmer hinauf und wir betrachteten die Geschichte von jedem Standpunkt, ohne zu einem Resultat zu „Du hast Dich nicht in der Person geirrt; weil das unmöglich ist?" Ich antwortete: „Eben so unmöglich, als Dich mit einem beliebigen Dritten zu verwechseln." „Es handelt sich zunächst nicht um das Aussehen im Allgemeinen, sondern um nähere Thatsacgen. Seine Persönlichkeit ist hinreichend dadurch festgestellr, daß er von dem Feuer in der blauen Stube sprach. Aber wie schaute er aus?" „Ich glaube älter, bedeutend älter, blaß und vergrämt." „Vergrämt soll er schon drein sehen", sprach düster mein Freund, „ob er nun schuldig ist oder nicht schuldig." „Ich halte ihn für nicht schuldig", entgegnete ich. „Gr war nicht verlegen, als ich ihn ansprach, auch nicht, als der Schaffner die Blllet« einforderte. In der Unterhaltung erwies er sich offenherzig bi» zur Geschwätzigkeit." „Sehr eigenthümlich, denn in Geschäften ist er sonst zugeknöpft, meisten« stumm wie ein Fisch. Er sprach ausdrücklich von sünshunderttausend Thalern, die er in brr Tasche hätte?" „Ja." ',',Hm I meine Frau hat darüber nachgedacht und ich meine, sie könnte recht haben." „Was schließt sie denn?" „Sie denkt — (Du weißt, alter Freund, die Weiber versetzen sich in den Geist Dritter viel leichter, als die gescheutesteu Mannsleute), daß er mit dem 1 Geld sich während der drei letzten Monate in irgend einer abgelegenen Gegend des Landes versteckte und daß seine Gewissensbisse ihm weder erlaubten, seine Beute über das große Meer in Sicherheit zu bringen, noch dieselbe den rechtmäßigen Eigenthümern zu erstatten." „Aber er ist ja wieder da?" „Da liegt's. — Sie meint, er hat sich mit der l Gesellschaft ausgeglichen, das Geld zurückgegeben und I seine amtlichen Obliegenheiten mit Erlaubniß der Verwültungsraths stillschweigend und ohne Weiteres wieder ausgenommen." „Das Letztere ist durchaus unwahrscheinlich", be- i hauptete ich. „Deine Frau beurtheilt die Sache nach ‘ der Art ihres Geschlechts und nicht aus dem Ge- I stchtspunkt eines Eisenbahn-Directors, bei denen hat t vergeben und vergeßen eine bestimmte Grenze." „Deiner Meinung! Trotzdem finde ich keinen $ Ausweg, als in der Erklärung jener Frau. Inzwischen wollen wir morgen nach Clayborough fahren und nach Neuigkeiten umhören. Ich erinnere mich, ? Prendergast sagte, Du hättest „seine" Cigarrentasche." - „Da liegt sie." Jelf erkannte das Ding, weil er es in den Hän- < den von Mr. Dwerrihouse öfter geschen hatte und • fügte hinzu: j „Zum Ueberfluß ist hier auch noch sein Namens- ’ zug I und D verschlungen, wie auf seinem Briefpapier.. 5 (Fortsetzung folgt. ) . Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. wurden und schließlich ganz verhängnißschwer dreinsahen. Jnstinctmäßig fühlte ich, daß Schweigen nicht nur Gold, sondern Diamanten und Perlen sür mich gewesen wäre; ich saß da, als ob der Blitz neben mir eingeschlagen hätte und mochte den Mund nicht mehr aufthun. Rittmeister Prendergast half mir aus der verzweifelten Lage; mit dem verzweifelten Muth eines Mannes, der sich in eine Bresche stürzt, rief er über den Tisch: „Ich höre, Langsord, Du bist ein paar Monate in Rußland gewesen; erzähle un« mal, wie es dort drüben nach dem Kriege ausfieht." Dieser Einfall des tapferen Gardehufaren war der Helfer in der Roth. Ich antwortete allerdings zögernd, aber er hielt die Unterhaltung im Gang; einer ober der andere beseitigte sich und wir kamen alle über die Schwierigkeit weg, obgleich sich ein sichtbarer Zwang nicht verwischen ließ. Bisher waren die Gäste schlichtweg langweilig gewesen, jetzt dagegen offenbar verlegen und ungemüchlich. Als die Damen sich zurückgezogen hatten, setzte ich mich aus einen leeren Stuhl zu Prendergast. „Zum Teufel, alter Freund, was ist denn los?" „Du hast John Dwerrihouse erwähnt." „Was liegt daran? Ich traf ihn ungefähr vor drei Stunden." „Sonderbar!" erwog der Rittmeister. „War er es auch wirklich?" „So gewiß ich hier sitze. Wir haben zwischen London und Blackwater in einem fort geplaudert. ober gesehen hat." *