Mehener AamiüenbWier. Belletristisches Beiblattzum Gießener Anzeiger. 1888. Dienstag dm 5. Juni. Nr. 65- SSSEB seinem Herzen emporge- und konnte ihrer nicht der Trostlosigkeit durch» Der Schmerz schien seine Siebe, die unmrsehens in wachsen war — kämpfte Herr werden. Ein schreckliches Gefühl Seine Lippen zuckten heftig und seine Schritte glitten rascher über den weichen Teppich hin. Es war eine Stunde der strengsten Selbstprüfung und Selbstrrkenntniß. Sir Arthur, ausgerüttelt zur Er- kenntniß seiner gefahrvollen Leidenschaft, die erlange st'll in sich getragen hatte, bis er plötzlich erwachte- um sie riesengroß zu finden, dachte lange und tief nach. Er liebte die schöne, junge Blanche, wie Männer selten lieben — mit zärtlicher Sehnsucht, mit hingebender Verehrung, mit leidenschaftlicher Innigkeit. Aber küne Hoffnung hatte je feine Liebe erhellt. Er sühlie die ganze Zärtlichkeit eines Vaters für seinen zurückgekehrten Sohn; und über all' feine Gedanken an sich selbst erhob sich der Wunsch, daß Blanche und sein Sohn glücklich sein sollten. Keines von ihnen sollte je wiffea oder nur ahnen diese seine lächerliche Thorheit — diesen unglückseligen, erb-irm« lichen Wahnsinn! Und unter solchen Gedank n verging die Nacht. Es war ein ernstes und müdes Gesicht, jedoch von einem warmen, selbstlosen Lächeln erhellt, das der Baron am nächsten Morgen im Frühstückzimmer zeigte. Blanche war allein und schaute sorg.os nach dem fitzt verödeten Blumengarten hinaus. Ja ihrem langen Morgenkleide von weißem Plq.-6 sah sie allerliebst aus. Ern blaue« Band be« ; festigte ihren schmalen Halekcagen und blaue Schlei» fen hielten lose ihrs prächtigen blonden Locken zusammen. Sie betrachtete gedankenvoll den Brillant» ring, den ihr Lowder gegeben hüte und ihr Vormund glaubte, daß sie in zärtliche Gedanken an den Geber versunken sei. L Er näherte sich ihr noch ernster und bleicher, aber mit einem muth'gen Blick in seinen braunen Augen und einem bebenden Lächeln auf seinen ‘ Lippen. .. , I „Guten Morgen, Blanche", sagte er, ehr leise nähertretend. „Einen Penny für Deine Gedanken!" Das Mädchen schaute halb erschrocken zu dem großen stattlichen Baronet auf. Er war von ungewöhnlich hoher Gestalt und hatte etwas Mm-stätt- sches in seinem Aufsehen. Er hatte ein einfaches, reines und ehrenhaftes Leben geführt und sah in Folge beffett für seine Jahre noch jung au . Blanche war vielleicht zum ersten Mal von seiner Erchei» nung berührt. Halb unbewußt dachte sie, wie schön und vornehm ihr Vormund aussehe. „Ich wollte, Guy gliche feinem Vater mehr- in der äußeren Erscheinung", dachte sie unwillkürlich, i „Mein Vormund ist der schönste Mann, den ich ;e thörichten Leidenschaft verdächtigen?" drang sein ganzes Wesen. Seele überfluthen zu wollen. „Welche Thorhüt! Welcher Wahnsinn!" dachte Sir Arthur, ruhelos im Zimmer auf- und abgehend. „Ein Mann von 45 Jahren in ein 20jähriges Mädchen verliebt! Dir Jugend soll sich mit der Jugend paaren und Blanche wird Goy heirathen und nie ahnen, wie sehr ich sie liebte. So tst's am Besten. Aber Blanche ist das einzige Weib, das ich je geliebt habe. Die Leidenschaft des Jünglings, die Verehrung des Mannes, die Vergötterung des Greifes, sie alle sind in meiner Liebe zu ihr verschmolzen. Und dennoch habe ich nie daran gedacht, sie mein zu nennen. Ich habe immer gefühlt, daß sie einen Jüngeren als mich heirathen muß. Sie soll und darf von meiner wahnsinnigen Liebe nichts ahnen. Ach! wer würde mich einer solch' hoffnungslosen, M Kröe des Kaufes. Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) Vierzehntes Kapitel. Lowder stößt auf Klippen. Jasper Lowder schlief ruhig in der ersten Nacht seines Aufenthaltes in Tresstlian - Hof. Keine quälende Erinnerung kam, um seine Seele zu martern oder die Ruhe von seinen Augenlidern zu verscheuchen. Keine Erinnerung an den echten Guy Tressilian, der in einem fremden Lande, fern von der Heimath, Vater und Freunden, als das Opfer geistiger Umnachtung schmachtete, störte ihn. Er dachte ebensowenig an die geheimnißvolle Frau Hefter Lowder in Berlin. Seine Vergangenheit war wirklich, wie er es gesagt hatte, vor seinen Blicken begraben. Wird sie sich je erheben in furchtbarer Aus- nstelmng, um ihm gegenüberzutreten? Er schlief und träumte von Blanche — solche Träume, die seine Seele erhitzten und seinen Entschluß, sie zu heirathen, befeft gten. Schon liebte er das schöne, unschuldsvolle, junge Mädchen, für das seine bloße Berührung eine Beleidigung war. Und während er schlief und träumte, kämpfte Sir Arthur auf seinem eigenen Zimmer mit der 262 ä Gedankengang unterbrach sie da-r Eintreten Lowder's. Sir Arthur eil e ihm entgegen und begrüßte den Betrüger freundlich und liebevoll. Lowder trug einen sehr eleganten französischen Morgenanzug. Er liebte heimlich ebenso schöne Kleider, wie irgend eine junge Modedame. Sein tadelloser, violettgrauer Anzug stand ihm sehr gut. Sein Halstuch war von äußerst geschmack- vollem Muster und ein zarter Wohlgeruch entströmte seinem Battist-Tsschentuche. Sein einziger Schmuck bestand in einer massiven Uhrkette und einem Siegelring, den er an dem kle'- nen Finger der linken Hand trug. Er hatte eine leichte und aumu'.hige Haltung und erwiderte den Empfang des Baronets mit scheinbarer Herzlichkeit, dann begrüßte er Blanche mit ehrerbietiger Wärme. Ter Haushofmeister und einige Dierer traten ein und man setzt; sich an den Frühstückstisch. Lowder machte sich bald wieder zum Mittelpunkte und begann auf eine hingeworfene Bemerkung Sir Arthur's auf's Neue von seinen Reisen und Abenteuern zu erzählen. Die Drei saßen etwa eine Stunde am Früh, stü Mische und begaben sich dann in ein hübsches, freundliches Wohnzimmer. Da» Weiter war nicht viel bester, al« am vergangener, Tage. Der Sturm hatte nachgelaffen, aber der Himmel war noch immer trübe und von schweren Wolken bedeckt. Lowder, der es wie war, allein das Gespräch zu führen, und den Wunsch fühlte, die Besitzungen von Tresstlian-Hof genauer kennen zu lernen, trat an'Z Fenster r»d schaute auf die Wiese und den brausenden Strom hinaus. Diese Aussicht fachte in ihm das Verlangen an, noch mehr zu sehen. Er wünschte den Preis, für den er seine Seele verkauft hatte, so bald als wög- lich kennen zu lernen. „Das Wetter ist nicht gar so arg", bemerkte er. „Es ist windig, kalt und trübe, das ist wahr, aber es ist ein englisches Novemberwetter. Blanche, was meint Ihr zu einem kleinen Spaziergangs durch den Park? Ich bin ungeduldig, zu sehen, was sich während meiner Abwesenheit Alles verändert hat." „Er wird Dir gut thun, Blanche", sagte der Baronet. „Der Regen hat Dich gestern an's Zimmer gefestelt und Du benöthigst der frischen Luft." „Du mußt auch mitgrhen, Onkelchea", erwiderte Blanche, über die Aussicht auf den Spaziergang fehr erfreut. Sir Arthur willigte ein und seine Mündel hüpfte davon, um sich anzukleiden. In wenigen Minuten erschien sie wieder, aller- liebst aussehmd in dem dunkelblauen Tuchanzuge, aber mit denselben leuchtenden Augen und frisch ge- rötheten Wangen. Die beiden Herren waren bereit und Blanche flatterte wie eine Elfe voraus, den Weg über die Wiese einschlagend. Zuerst zum Fluste", sagte sie munter. „Ich weiß, wie Einem ein solcher Theil der Heimath cm- gesrhen habe. Ich wünschte seine Tochter zu sein! Ich möchte wissen, ob ihn nicht etwas bekümmert!" Sir Arthur fuhr ihr mit der Hand väterlich liebkosend über das seidenweiche Haar. Und es war auch ein väterlich wohlwollender Blick, mit dem er in das liebliche, zu ihm emporgewandte Gesicht schaute. „Nun, meine liebe Blanche", sagte er scherzend, /Wie verhält sich Guy zu Deinem Ideale?" Das Mädchen senkte ihr holdes Antlitz. „Ei, Onkelchsn, ich weiß es kaum", sagte sie in plötzlicher Verwirrung mit erröthenden Wangen. „Er ist hübsch, ein feinerer Gentleman als unsere hiesigen jungen Leute, ich meine, daß seine Manieren sehr vornehm von ausländischem Schliff sind." „Und ist das eine Anziehungskraft?" fragte Sir Arthur. „Gieb mir nur ruhige, altmodische, englische Einfachheit und Höflichkeit! Ich fraae nicht nach fremdländischen Manieren. Nicht etwa, daß mir Guy nicht gefiele. Er äfft fremde Thorheiten nicht nach, wenn fein Benehmen auch etwas ausländisch ist. Ich bin entzückt von ihm. Er scheint meine schönsten Hoffnungen zu verwirklichen. ' Er hat sich das alte warme Herz bewahrt, wie es dis Begrüßungen mit Frau Goß und Purmton beweisen! Es liegt nicht in seiner Natur, selbst den geringsten seiner Freunde zu vergessen. Er scheint wirklich ein edler Mensch zu fein I" Blanche's Gesicht erglühte' wie unter peesön- lichem Lob. „Armer Guy!" murmelte sie. „Welche seltsame Abenteuer er gehabt hat I Es war fast ein Wunder, daß in dem schrecklichen Schiffbruchs sein Leben gerettet wurde I Ach, Onkel, wie, wenn unserem G»y das schreckliche Unglück an der sicilianifcheu Küste widerfahren wäre 1 Und sie schauderte. Ich kann zuweilen den furchtbaren Gedanken nicht los werden, ; w, wenn es unser Guy gewesen wäre, der irrsinnig geworden ist!" „Ter Gedanke ist mir auch schon hundertmal gekommen", sagte Sir Arthur. „Der arme, junge Lowder! Allein in der Welt, zerstört an Geist und Seele, wie ein Baum vom ös/roffen — tobt sür das Leben! Armer Mensch 1 Eine gnädige Vorsehung hat uns vor dem Schmerze bewahrt, unfern Guy in dieser Weise zu verlieren I Ich fthe es, daß mein Sohn seinen Freund betrauert! Wir müssen Guy um der Gefahren willen lieben, die er geduldet hat, kleine Blanche! Er sagte mir gestern Aden >, wie sehr er Dich bewundert! Er ist mit freiem Herzen nach Hause gekommen, wie ich es erwartete. Aber ich glaube, hier wird sein Herz nicht lange frei bleiben!" fügte der Baronet mit einem schwachen Lächeln hinzu. Er wandte sich von dem Mädchen ab, ein auf- wallendes Gefühl schnürte ihm die Kehle zu. Blanche beugte sich wieder über ihren Ring und schaute sinnend in das helle Feuer des Diamants, als ob er ein Zauhexstein wäre, der das Geheim- niß chrer Zukunft MMchlsffm hielt. Zn diesem 263 Allem in das Gedächtniß eingeprägt ist! J4 ver- muthe, Guy bat nur in Verbindung mit dem Flusse an Tressilian-Hof gedacht!" „Er stand immer in erster Reihe meiner Er,nm- runaen an dir heimathliche Landschaf^, erklärte der Betrüger mit affcktirter Wärme. „Der liebe, alte Severn! Als Kind spielte ich an seinen Ufern, al» Knabe ruderte ich auf seinen Wellen. Ihr habt Recht, Blanche, zu glauben, daß ein solcher The l der'Heimath am meisten in das Gedächtniß eingeprägt ist. Der heimathliche Strom und die heimath- lichen Berge erscheinen uns immer als die schönsten. Und als Knabe glaubte ich, daß es in der ganzen Welt keinen größeren Strom gebe, als dieser hier. Sie hatten den kleinen Damm erreicht und Low- der starrte mit scheinbarer Begeisterung auf das brausende Master. Der Baronet und Blanche waren still. e.e wollten den Zauber der Versunkenheit nicht brechen, in die den jungen Mann die Erinnerungen an seine Knabenzeit versetzt hatten. , „Wir werden nächsten Sommer hier reizvolle Wasterfahrtm unternehmen", bemerkte Lowder nach einer Panse. „Der Fluß scheint unverändert zu sein; die Häuser und Gärten sind wie ein oft gesehenes Bild. Wie bekannt mich diese gelbe Stein- ö'öa dort drüben anschaut! Ich erinnere mich genau daran. Ich habe ost in der Erinnerung an ihre altmodische Bauart gedacht." Er hielt plötzlich inne, denn er bemerkte, daß Um beiden Zuhörer ihn erstaunt anschauten. Augenblicklich verstand er, daß er einen Jrrthum begangen habe — und der kalte Schweiß trat ihm auf die Stirn. „Guy, dieses Haus steht noch nicht zwei Jahre. Sein Eigenthümer ist ein Londoner Kaufmann, der sich von den Geschäften zurückgezogen hat. Wie kannst Du Dich also seiner Bauart erinnern und darüber gelacht haben?" Der Betrüger wußte nicht, wie er antworten sollte. Hundert Antworten schwebten ihm auf den Lippen, aber keine davon würde seine Angaben entschuldigt haben. Seine Augen senkten sich vor dem festen Blick des Baronets, und er blickte hilflos zu Blanche hinüber. Das Mädchen wurde von Mitleid für ihn erfüllt. Sie fand eine hinreichende Erklärung für seinen seltsamen Jrrthum und flüsterte Sir Arthur zu: „Lieber Onkel, es muß die Folge seiner Ver- letzung sein, von der er uns erzählte. Thun wir, als ob wir die Schwäche seines Gedächtnisses nicht bemerkten." Der Baronet nickte zustimmend. Lowder hatte die geflüsterten Worte gehört und faßte sich jetzt wieder ein Herz zu sagen: „Ich muß irgendwo ein ganz ähnliches Haus gesehen haben, denn es schien mir im ersten Augen- blicke sehr bekannt zu sein. Ich glaube, mein Kopf ist nicht ganz in Ordnung! Aber dort steht ein Haus, mein lieber Vater", fügte er hinzu, auf ein unleugbar altes Haus weiter om Strome deutend; „und' daß ich dieses schon gesehen habe, weiß ich bestimmt! Wer wohnt dort?" Sir Arthur schaute Lowder aufmerksam, aber obnr Spur eines Argwohnes an. ' „Versuche es und denke nach, Gay", sagte er freundlich. ' „Du host manche glückliche Stunde mit dm Bewohnern dieses Hauses verlebt. Di« Söhne seines Besitzers waren Deine intimen Freunde. Kannst Du Dich ihrer nicht erinnern?" Der Betrüger sah sich in einer ärgeren Memme, als vordem und wurde abwechselnd roih und bleich. „Ich — ich kann mich nicht erinnern", stam- mcltc et. „Und denuoL hast Du Dich nicht nur gleich an mich, sondern auch an den alten Haushofmeister erinnert. Du hast Frau Goß gleich erkanM und Dich an ihre Freundlichkeit, als Du noch ein Kind wirst, erinnert. Dein Geist muß mit diesen Freunden, die Du wie Brüder liebtest, ebenso verknüpft sein." (Fortsetzung folgt.) Are perfekte Köchin. Humoreske von Anna vom Strande. (Fortsetzung.) „Mit meinem Wirthschaftsgeld, lieber Arthur, kann ich aber doch nicht auskommen, sie verlangt zu ö’el!" „So halte sie kürzer!" Das war leicht gesagt, aber ich wußte nicht, wie ich es anfangen solüe. Martha war 30 Jahre älter als ich und ihre Sicherheit imponirte mir geradezu. Als Lessing den Kaffee brachte, überraschten uns feine, warme Waffeln, Arrhur's Lieblingsgebäck, er war entzückt über die zarte Aufmerksamkeit seiner jungen Hausfrau, wie er scherzend sagte. Ich schämte mich so, daß ich kein Wort der Ec- widerang fand, die Rauchwolken von Arthur's feiner Havanna malten lauter grausige Zahlen in die Luft, das unglückliche Ausgabebuch lag mir wie ein Stein auf dem Herzen. Sollte ich es Arthur zeigen? Aber er war so glücklich, warum ihm den ersten Tag zu Hause ver< bitter»? Ich seufzte herzbrechend. Arthur legte seine Cigarre hin und sah mir herzlich in die Augen. „Aber Lorchen, was fehlt Dir denn?" Ich warf mich in seine Arme und weinte bitter- lich, ich hätte es gern vermieden, aber ich konnte nicht anders. Er war ganz erschrocken Über meinen Paroxismus. „Liebes Kind, laß uns keine G-heimniffe vor einander haben, sondern sprich Dich offen aus." „Martha we ß Alles bester, über die Hälfte meines Wirthschaftszeldes ist schon fort, wenn ich ihr alle Auslagen erstattet habe, und ich weiß nicht, I was ich anfangm soll", fügt sie schluchzend hinzu, 264 Arthur sah sehr ernst aus, sagte aber freundlich: i , Lärchen, laß uns gleich am ersten Tage ganz i klar sehen, siehst Du, nichts trübt das häusliche | Glück mehr, als jede Kleinigkeit so entsetzlich schwer l zu nehmen." „Kleinigkeit." Ich war verblüfft. „Sei Deiner Martha gegenüber durchaus fest und entschieden, schließlich bist Du noch ihre Gebir- terin und sie muß Dir folgen." „WiLst Du das Ausgabebuch sehen?" fragte ich etwas getröstet. „Wozu, mein Herz, ich verstehe kein Wort davon. Wenn es Dich aber beruhigt, nenne mir die verausgabte Summe, im Uebrigen will ich selbst mit Martha sprechen, wenn Du er wünschest. Aber jetzt, Lärchen, mach' Dich fertig, wir wollen spazieren gehen." Ich nannte Arthur die Summe, und obgleich er keine Miene verzog, merkte ich doch, daß er erschrak. Der Spaziergang war wundervoll, Arthur so liebenswürdig, das Wetter herrlich, daß ich vergnügt nach Hause zurüäkehrte und sogar die Störung freundlich hinnahm, daß einige Kameraden Arthur's ibn begrüßten und, wie es mir schien, neugierige Blicke in unsere Häuslichkeit warfen. Wir plauderten harmlos und vergnügt, und ich dachte eben daran, ob die Herren nicht bald gehen würden, da unsere Theestunds nahte, als plötzlich Lessing mit dem Theebrett erschien und, als sei ich gar nicht vorhanden, Thee und seines Gebäck herumpräsentirtt. Das war wieder ein eigenmächtiger Streich meiner Perfekten. Ich sprang auf, und wäre Arthur nicht wie zufällig schnell bei mir vorübergegangen, mir warnend die Hand zu drücken, wer weiß, ob ich mich nicht unsterblich blamirt hätte, so versuchte ich Meine Fassung zu gewinnen und schluckte energisch meinen Th-e, drr mir ganz entsetzlich bitter vorkam. Dem Theo folgte Butterbrot, kalter Aufschnitt und Bier, Alles sehr zierlich und elegant, abrr natürlich möglichst kostspielig.. Ich zitterte innerlich, durfte mich aber nicht hinauswagen, denn hätte ich Martha zur Rede gestellt, so wäre ihre schrille Stimme sicher bis in den Salon gedrungen, es hals also nichts, ich mußte Geduld haben, und was das Schlimmste war, die Herren scherzten, lachten, tranken meine Gesundheit und dachten natürlich gar nicht daran, aufzubrechen. Innerlich kochend, mußte ich liebenswürdig sein, und das war mein erster Tag im eigenen Hause, aber an alle dem Elend war Martha schuld! Endlich gingen die Herren, ich war todmüde und Arthur sagte herzlich: „Tröste Dich, Lärchen, nimm Dir Martha's Eigenmächtigkeit nicht so zu Herzen, aber von morgen an tritt ganz bestimmt und entschieden auf, denn so kann es natürlich nicht fortgehen. Du weißt, daß wir bei genauer Einrichtung anständig und standesgemäß leben können und keinen Luxus treiben dürfen." „Des me ß ich, Arthur, und deshalb bin ich auch so bekümmert, ich werde die Nscht vor Verdruß kein Auge zuthun." „Das ändert gar nichts an der Sachs und ist durchaus nicht praktisch, kleine Hausfrau, im Gegen- theil, schlafe Dich frisch und rüstig, daß Du Dich morgen als tapferer Feldherr zeigen kannst. Uebrt- gens wäre diese Martha für recht reiche Leute ein kostbarer Besitz, die Dame vom Haus könnte sich b,quem pflegen, denn sie arrangirt Alles geradezu tadellos." „Dis Kosten abgerechnet", sagte ich verdrießlich. „Natürlich, aber beruhige Dich, Lorchen, schließlich ist diese Erfahrung eine gute Lehre für die Zukunft, die Du besser jetzt als später empfängst." „Diese Lehre kostet über 100 Mark." „Schadet nichts, wenn sie gute Früchte bringt." „War meinst Du damit?" „Daß Du unbeschränkte Herrscherin in Deinem Reich sein sollst, ebenso absolut als der größte Despot im Orient." „Grausamer Mann, das wollte ich ja so gern, aber es ging eben nicht." (Forts, folgt.) Wermifchtes. Ueber das Durchbohren vonMajolika und Porzellan macht die Fachschrift „Metallarbeiter" folgende Mitteilungen. Zum Bohren von Majolika und Porzellan bewähren sich am besten Spitzbohrer gewöhnlicher Form, diamantartig gehärtet und bei der Anwendung mit Terpentinöl befeuchtet, wenn es sich um das Durchbohren der Glasur oder eines Glaskörpers handelt. Bei Majolika und Glas konimt man am besten fort, wenn man die Bohrung unter Wasser vornimmt, so z. B. ist ein Gefäß vorher mit Wasser zu füllen, so daß der Bohrer unter dem Wasser zur Anwendung kommt und nach dem Durchdringen des Thonkörpers wieder ins Wasser gelangt. Bei innen glasirten Objekten kann statt der Wasierfüllung die Stelle, wo der Bohrer durchkommen muß, mit Kork unterlegt werden. Der Druck, unter welchem der Bohrer angewendet wird, richtet sich nach der Härte des Materials, muß jedoch, wenn der Bohrer dem Austreten auf der anderen Seite nahe ist, allmälig abnehmen und schließlich fast gänzlich aufhören, wenn Ausbrechungen vermieden werden sollen. Um bereits vorhandene kleine Bohrungen zu vergrößern, sind am besten drei- oder vierkantige glattgeschliffene Reibahlen anzuwenden, und zwar ebenfalls (wie oben gesagt) unter Wasser oder, wenn das Material zu hart ist (wie Glas oder Glasur), mit Terpentinöl befeuchtet. Die gleichzeitige Anwendung von Terpentinöl und Wasser bewährt sich in allen Fällen am besten anch dann, wenn der zu bohrende Gegenstand die bloße Anwendung des Oeles nicht gestattet, wie dies namentlich bei Majolika und nicht glasirtem Porzellan der Fall ist, welche ohne Anwendung des Wassers das Oel einsaugen. Kr. brui den We glei das köw er Na der net, rud wei Leb unl Di, Jes wa ber un die bei A BI flll N« ha ar di, & be m N bc Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.