linger, „aber wenn «zigtausend hat, ft bekommen." >er", sprach Weller, fünftausend Thaler »ment unangefochten erwickle." Zliedensliebe", mur< einen Proceß dürfen ankommen lassen." wie entschlossen, die t", versicherte der ber Hand, wie eine ) t es. Bewegnng im der im Freien lebt, ) in der Gefangen- Abgesehen von den römischen Vortheilen, r geübter Beine zu Lokomotiv zu besitzen, rliche Ergänzung zn erbe, die Versöhnung fröhliche Erzieherin schen festen Willensund Papier so ost jedanken und krumme e Nerven eine reelle sine übernehmen und :r§ an die freie Lust n d. Spiel und Be- intlich in England in , und sind nicht nur für die Leitung und m Angelegenheit ver- nd wirksame Vereine, “ und die „Ladies r es auch, in unab- thätigkeit zum Zweck Spielplätzen wach zu öffentliche Plätze, aus ifsicht der Lehrer ihre Spring- und Marsch- Bradford hat sieben tze mit einem Kostenhergerichtet; Birming- f und Manchester elf. Hichener Jamilienbläüer. Belletristisches Beiblatt?um Gießener Anzeiger. 1888. Samstag b$n 5. Mai. Nr. 53. Der Gröe des Kaufes. \ Roman von Hermine Frankenstein. (Fortsetzung.) Olla ging in den Salon hillab, wo ihr Vor- mund sie erwartete. Er reichte ihr seinen Arm und \ führte sie durch die weite Halle in einen großen, f prachtvollen Speisesaal, von welchem hohe Bogen» - fenster nach dem Orangenhain hinausgingen. Olla nahm am oberen Ende des T'sches Platz, ihr Vormund am unteren. i Krigger bediente. Herr Gower bemühte sich, ein Gespräch aufrecht s zu erhalten, aber seins Mündel war in keiner ge- - sprächigen Laune und nach einer Weile wurde er , auch still. Nachdem Krigger den Nachtisch aufgetragen hatte, entfernte er sich auf ein stummes Zeichen seines Herrn. Olla schlürfte ihren schwarzen Kaffee und spielte mit ihren grünen Feigen und rothen Trauben; und ihr Vormund, welcher ihr zuschaute, fühlte seine Liebe für sie neu aufleben. Sein Gesicht glühte und seine Augen fingen an zu leuchten. „Ich glaube, ich habe Euch nicht gesagt, daß ich um einen Wagen und um ein paar Pferde sandte", bemerkte er; „Ihr seht, wie vorsorglich ich auf Eure Bequemlichkeit bin, Olla. Ich habe keinen Wunsch, Eure Bewegung zu beschränken! Er giebt einige hübsche Spazierfahrten hier I Die Straße nach Palermo ist die schönste! Ihr könnt' täglich ausfahren! Es sind auch romantische Spaziergänge in der Umgebung! Ihr zeichnet gut und werdet monatelang Nahrung für Euren Stift finden. Ihr könnt' Eure künstlerischen Anlagen hier sehr gut ausbilden I Aber geht ja nicht unbeglettet aus! Er giebt allerhand Vagabunden in der Gegend, laßt Euch daher stets von Frau Popley und ihrem Sohne begleiten!" Olla schaute ihren Vormund mit heiteren Blicken an. Seine Worte klangen, als ob er in der That beabsichtige, ihr volle Freiheit zu lassen. Herr Gower mißdeutete diesen Ausdruck; er glaubte, daß sie an einen neuen Fluchtversuch denke. „Natürlich werde ich jede Vorsicht für Eure s Sicherheit gebrauchen", fügte er hinzu; „nicht nur | Popley soll mit Euch gehen, sondern Krigger soll Euch gleichfalls begleiten!" „Als Spion?" fragte Olla. „DLü'n bin ich wirklich eine Gefangene hier?" ___ „Ihr seid Herrin hier, Olla; aber natürlich werde ich gegen jede Möglichkeit weiterer Fluchtversuche vorbauen. Der Kutscher, die Haushälterin und der Koch sind alle von mir gedungen. Ihr könnt' sie nicht bestechen! Ich werde Euch nicht verfolgen, aber ich will Euch nur klar machen, daß ich jetzt Herr bin und daß jede Flucht unmöglich ist!" Er stand auf, reichte ihr seinen Arm und führte sie in das Empfangszimmer zurück. Olla war eins Gefangene, das heißt, sie wax eine Gefangene, die spazieren gehen, fahren, reiten konnte, aber außer Frau Popley und ihrem Sohne Jim war stets Jemarn hinter ihr, der die Rolle des Wächters und Spions zu spielen hatte. Olla konnte das Haus nicht verlassen, außer es war Herr Gower bei ihr oder dessen Kammerdiener und ein riesiger, grauer Hund, der gegen jede Liebkosung unzugänglich war und nur von Krigger gefüttert und gepflegt wurde. So verging eine Woche. Während dieser Zeit hatte sich Olla mit allen schönen Punkten in der Nachbarschaft bekannt gemacht; sie hatte die Spitze des Pelegrino erstiegen und die Grotte der heil. Rosalia besucht und einige Skizzen gemacht, die sie an regnerischen Tagen zu vollenden beabsichtigte. Sie hatte auch gelernt, sich in der Villa heimisch zu fühlen. Herr Gow-r behandelte sie mit der ausgesuchtesten Höflichkeit und hütete sich, sie durch allzu große Wärme und Freundlichkeit seines Benehmens zu beunruhigen. Das arglose junge Mädchen glaubte wirklich, daß er allen Ansprüchen aus ihre Hand entsagt habe und daß er sie nicht wieder mit feinen Liebesbetheuerungen quälen werde. Wie wenig kannte sie Devrevx Gower! Er war nicht der Mann, der so leicht aufgab, was er sich zu erreichen vorgenommen hatte. Er konnte unermüdlich und geduldig fein, wie ber Indianer , aber sein starker, unbeugsamer Wille und seine heißen Leidenschaften gewannen früher oder später immer den Sieg. Da er jetzt nur ei» zartes Mädchen vor sich hatte, das die Welt nicht kannte, erwartete er einen leichten raschen Sieg. An einem sommerhellen, freundlichen Nachmittag wünschte Olla einen Streiszug aufwärts der Küste gegen Capo di Gallo zu machen. Wie immer, begleitete sie die mütterliche Freundin, deren Sohn und der unvermeidliche Spion nebst dem großen Hunde. „Wenn ich nur diesen widerwärtigen Menschen nicht mehr in meiner Nähe wüßte", sagte Olla zu ihrer Begleiterin. „Er ist offenbar mein Gesangen'- tsch) in Gießen. 214 Der junge Mann blickte das schöne Mädchen lange und schweigend an. Kein Zag in seinem Ge- sichte veränderte sich; er erhob sich auch nickt zum höflichen Gruße, sondern blieb wie geistesabwesend sitzen und auf einmal bemerkte dar Mädchen mit unaussprechlichem Staunen, daß aus den Augen des schönen, jungen Manne« Thräne um Thräne hervor perlte. , L , „Verzeiht, daß ich den Anstand verletze und Euch zuerst anspreche", sagte Olla, „aber Ihr scheint unglücklich, sehr unglücklich zu sein und offenbar seid Ihr den Zügen und Eurer Kleidung nach ein Engländer." Der junge Mann schaute sie an mit ernster, milder Sanftmuth. Es war scheinba nichts Leerer - in seinem schönen edlen Gesichte, nur eine tiefe \ Melancholie, ein trauriger Ernst, der Olla rührte - und betrübte. Er antwortete nichts auf ihre Ansprache. Halb beleidigt über dieses sonderbare Stillschwei, gen wandte sich Olla um, ihn zu verlassen, als er - mit seinem schmerzlichen Schrei ihren Umhang erfaßte \ und ausrief: „Geh'nicht fort I Schöne Dame, geh' nicht fort!' In diesem Augenblicke eilte Frau Meint, die die I Fremden von ihrem Fenster aus gesehen hatte, zu l ihrem Pflegling heraus. Ihr rosiges, angenehmer Gesicht gefi-l Olla auf den ersten Blick. „Wollt Ihr nicht in die Hütte kommen, Signo- rina?" fragte sie knlxend. „Alles, was mein Haus bieten kann, steht zu Euren Diensten. Verzeiht, daß | der arme, junge Engländer Euch nicht antwortete, als Ihr ihn zu fragen schient, er spricht sehr wenig." „Er — er ist nicht krank?" stammelte Olla in \ verwirrter Überraschung. „Ach ja, Signorina!" seufzte Frau Mcini. „Er \ hat eine hoffnungslose Krankheit — im Gehirn, ’ wißt Ihr, Signorina", und sie legte einen schlanken, braunen Finger an ihre Stirn, um den Worten mehr Nachdruck zu geben. „Nicht verrüät — er ist nicht wahnsinnig!" rief Olla ganz außer sich. Tressilian seufzte tief und schwer und setzte sich wieder auf den Felsen, von dem er aufgestan- den war. , , , „Nicht toll — nicht tobsüchtig, Signorina", sagte die Sicilianerin kummervoll; „aber so wie Ihr ihn da seht, er ist sanft wie ein Kind und so höflich und ruhig — der atme, junge Engländer! Aber er spricht nichts, Mylady, und er erinnert sich an gar nichts, nicht einmal an seinen Namen." „Aber was thut er hier?" fragte Olla. „Das will ich Euch erklären, Signorina. Vor einiger Zeit war ein schrecklicher Sturm. Es war in der Nacht vom 12. dieses Monats, ich weiß er ganz genau, denn am nächsten Tage ging das Dampf- boot nach Marseille ab." „Ja, ich erinnere mich an diesen Sturm, flüsterte Olla. r ...... s In diesem Sturme litt ein kleines, sardinischer Wärter und wer weiß, ob er nicht auch beauftragt j ist, des Nachts meine Thür zu bewachen." „Das wird kaum nöthig sein", entgegnete Frau Poplry. „Herr Gower hat einen andern Wächter im Garten, der ihm noch treuer ist, als der bezahlte Diener. Ich meine den wilden Hund, der uns folgt. Ich glaube, er streicht die ganze Nacht um die Villa herum. So oft ich in der Nacht ein Fenster öffne, um frische Luft zu schöpfen, machte der Hund einen Sprung in die Höhe und heulte, als wollte er mich zerreißen. Ich fürchte dieses Geschöpf, Fräulein Olla. Er ist gegen Jeden wild, nur Krigger und Herr Gower ausgenommen, und Jim hat den Befehl, ihn weder zu füttern noch zu hätscheln; ja er darf nicht einmal mit ihm sprechen. Jim sagt, der Hund werde täglich nur einmal mit rohem Fleisch gefüttert ä und Kriager brauche nur ein Wort zu sagen und j das Thier würde selbst Euch in Stücke zerreißen, | Fräulein Olla." Das Mädchen schaute erschrocken drein. \ „Ich sehe, Amme", rief sie aus, „mein Vormund | hat wirklich eine genügende Waffe für seine Gefan- ’ grne ausgefunden. Ich bin froh, die Eigenschaft; dieses Hundes zu kennen; so lange Herr Goweri seine jetzige Brhandlungrweise aufrecht erhält, werde ! ich mich nicht beklagen." i Sie schlug den Weg die Küste entlang ein und blieb nur hier und da stehen, um ein Schiff zu bk- trachten oder das prachtvolle blaue Meer zu bewundern. Ungefähr eine Meile von der Mlla entfernt kamen sie durch ein ärmliches Fischerdorf und dann Mer eine schmale Ebene, die sich zwischen den Bergen hinzog, zu den Felsen des Capo di Gallo. „Wir müssen diesen Berg erklimmen, Mutter Popley", sagte sie lachend. „Weich' eine herrliche Aussicht werden wir bet dieser reinen Luft und dem Hillen Sonnenschein aus das Meer und den Monte Pelegrino haben. Bist Du nicht ermüdet?" „Durchaus nicht. Ich könnte bis an's Ende des Vorgebirges gehen", erwiderte Frau Popley, Dies war ein einsamer, kahler Punkt, mit einer einzigen Hütts in Sicht; diese Hütte stand in geringer Entfernung vom Felsenrande und ein kleiner Wintergarten und eine Wiese, auf welcher Ziegen weideten, stießen rückwärts daran und gehörten offenbar zur Hütte. „Ich gehe dort in die Hütte nach einigen Trau- ben, Mutter Popley — ich bin so durstig 1 lieber* dies möchte ich gern das Innere eines so hübschen, kleinen, weinumrankten Häuschens sehen. Willst Du mitgehen?" Ohne eins Antwort abzuwartrn, lief sie davon; aber in der nächsten Minute blieb sie verwirrt und eriöthend stehen. Denn nur einige Schritte von ihr entfernt faß auf dem Felsen ein junger Mann, der bet' schönste war, den sie bisher gesehen hatte, und er sckauke sie an mit traurigen Augen — blau wie das Meer unter ihnen — Augen, deren seltene Schönheit sie nie wieder im Leben vergessen konnte. 218 schöne Mädchen 1g in seinem (Sc« > auch Et zum e geistesabwesend as Mädchen mit ,s den Augen des um Thräne herverletze und Euch r Ihr scheint un- und offenbar seid eidung nach ein an mit ernster, >ba nichts Leere» , nur eine tiefe der Olla rührte Ansprache. erbare Stillschwei- vrrlaffen, als er m Umhang erfaßte e, geh' nicht fort!' cau Meint, die die gesehen hatte, zu rgeS, angenehmer Blick. ! kommen, Signo- >, was mein Haus sn. Verzeiht, daß nicht antwortete, spricht sehr wenig," stammelte Olla in Frau Mcini. „Er t — im Gehirn, gte einen schlanken, , um den Worten t wahnsinnig!" rief wer und setzte sich >em er aufgestan- Signorina", sagte er so wie Ihr ihn und so höflich und Mndcr! Aber er rtnnert sich an gar amen." agte Olla. Signorina. Vor ! Sturm. Es war inats, ich weiß er gr ging das Dampf- it diesen Sturm", kleines, sardinischer Lchiff an den Felsen unten Schiffbruch. Der Kspi- tän und die Mannschaft gingen zu Grunde. Die zwei Passagiere wurden auf die Felsen geschleudert. Dieser Herr war einer der Briden. Die grausamen Wogen trieben seinen Kopf gegen eine scharf aus dem Wasser hervordringende Felfenspitze und diese spaltete ihm fast den Schädel. Seht Signorina." Sie schob sanft Guy'r Hut bei Seite und ebenso seine üppigen Massen blonden Haares, und zeigte Olla und Frau Popley eine mit Pflaster bedeckte Wunde von schrecklicher Ausdehnung. „Wie entsetzlich!" sagte Olla schaudernd und erbleichend. „Nicht wahr, Signorina?" und die gute Theresa schob sanft Guy's Hut zurecht. „Sein Freund rief um Hilfe» und Tomasso, mein Gatte, Mylady, und mein Verwandter Jacopo Palestro gingen hinab, um ihnen zu helfen. Sie kamen zurück, den armen Eng, länder tragend und gefolgt von dem andern. O, welch' ein Anblick war der arme Junge mit seiner klaffenden, blutenden Wunde, seinen durchnäßten Klei, der» und seinem bleichen Gesichte? Er kannte uns nicht. Wir schickten nach dem guten Doktor SpeZzo, der ihn untersuchte und sagte, daß er sich nie wieder an etwas erinnern, noch seinen Namen oder sonst etwas wissen wird." Thränen de» Mitgefühls traten in Olla's Augen. „Habt Ihr an feine Verwandten geschrieben?" fragte sie. „Ec hat keine Verwandten, Signorina!" „Wie, er hat gar keinen Verwandten? Und der andere Engländer? Wer war er?" „E n großer englischer Mylord, Signorina. Dieser Herr war sein Reisebegleiter — nicht sein Diener, Mylady, sondern sein Freund und Gesellschafter. Der Name des Mylords war Tresstlian. Er zahlte reichlich für die Verpflegung des jungen Menschen und hinterließ das Geld für die Behandlung des guten Spezza. Aber der arme Kranke ißt nicht einmal genug, um einen Vogel zu sättigen. Ich fürchte, er wird kerben!" (Fortsetzung folgt.) Wuchstäötich. Von C. Jochner. (Schluß.) „Nur ruhig Blut, junger Freund!" mahnte der Alte. „Ich will Ihnen einen Rath geben." „Ich höre!" „Ich garantire nicht für den Erfolg, aber ich stehe dafür ein, daß Sie zum Mindesten keinen Nachtheil davon haben sollen." „Also ... was rathen Sie?" „Lassen Sie sich von den ehrwürdigen Brüdern schriftlich bestätigen, daß sie Ihnen von dem Ihrer Tarne fünftausend Thaler aurbezahlen wollen." „Aber die Herren thun ja mehr als das, sie legen mir die fünftausend Thaler gleich baar auf den Tisch", versicherte Weller- „Das können wir nicht brauchen", wehrte veL Kceisrichter ab. „Wir brauchen die Erklärung und nicht das Geld. Aber, merken Sie sich, junger Freund, es kommt Alles auf den Wortlaut an, in dem die Erklärung abgefaßt ist. Sie muß genau so lauten, wie ich Ihnen schon vorhin gesagt habe." „Schreiben Sie sie mir auf!" „Der Kreisrichter that so und der Doctor entfernte sich . . . allerdings ohne Hoffnung auf Erfolg dieses Rathes. Nach einer Woche befand sich die verlangte Erklärung, vom Prior des Ordens unterschrieben, in den Händen Weller's und gleichzeitig kam dis Aufforderung, sich an einem bestimmten Termin bei der Verlassenfchoftsbehörde einzvfinden, um das Erbe in empfang, zu nehmen. „Sol" sprach der Kreisrichter. „Jetzt wählen Sie mich als Rechtsbeistand, und es müßte komisch zugehen, wenn wir nicht um neunzigtausend Thaler reicher Heimkommen, als Sie jetzt glauben." Doctor Weller erbat sich zwar Aufklärungen, aber der Alte versetzte: ,-Vorher muß man nie reden . . . thun Sie mir die einzige Liebe, seien Sie bei der Verhandlung ganz mäuschenstill." Aus Rücksicht auf zwei glänzende blaue Augen, die hintrr des Alten Rücken zur Nachgiebigkeit mahnten, versprach Weller vollständigen Gehorsam. Die beiden Männer erschienen auf den Termin, desgleichen der ehrwürdige Prior, der mit Salbung den jungen Mann ob seiner Pietät gegen die letzten Wünsche seiner verstorbenen Tante beglückwünschte. „Nicht als ob wir den Ausgang einer Pcocesses zu fürchten gehabt hätten", sprach er, „ober wir wollen Liebs und Freundschaft halten und alle; Streiten ist uns ein Greuel." Dabei betrachtete ec sich aber dennoch den von Wkller mitgebrachten „Rechtsbeistand" mit argwöhnischen Blicken. Er fand dessen Anwesenheit mindestens überflüssig. Die Verhandlung kegann. Nachdem der dieselbe leitende Beamte der Vorschrift entsprechend Zweck und Ziel der Tagfahrt auseinandergesetzt, erbat sich der Kreisrichter im Namen seines Clienten das Wort: „Wir haben", sprach er, „Kenntniß von dem Inhalt des Testamentes. Soweit er die beiden h ec anwesenden Ecb-Jn'eressenten betrifft, lautet es dahin, daß „die ehrwürdigen Brüder vom Orden der hell. Liguori zu Universalerben eingesetzt seien, und daß diese dem Herrn Doctor Weller „so viel als L:gat aue- bezahlen sollen, als sie selbst wollm." Wir nehmen nun zuvörderst Veranlaffung, unser Einverständniß mit diesem Testament und unfern Verzicht auf die Anfechtung desselben zu den Acten zu erklären." Der Prior athmete leichter auf. „Und", fuhr der Kreisrichter fort, ,präsentiren zweitens eine vom Kloster ansgest llte, außergericht« s liche Urkunde, worin dasselbe sich anheischig macht, 216 meinem Herrn Mandanten den Betrag von fünftausend Thalern auszubezahlen." „Ganz richtig!" bestätigte der Prior. ist also", fuhr der Kreisrichter mit verbindlicher Artigkeit gegen den Prior fort, „nachdem con« statirt ist, daß dis Gsfammtfumms des Erbes in runder Zahl sich auf hunderttausend Thaler beläuft, das Weitere constatirt, daß der Orden fünfundneunzig, tausend Thaler will." „Was soll Das?" wendete der Prior ein. Aber der Kreisrichter ließ sich nicht aus dem Concept bringen: , Ich bitte, mir diese Thatsache entweder zu widerlegen oder zu bestätigen." „Nun ja", versetzte der Prior, „es ist so . . . kommen wir doch zu Ende!" „Wir sind schon zu Ende", erklärte der Kreir- richter. „Sie geben selbst zu, daß Sie fünfundneunzigtausend Thaler wollen ... mit dieser Erklärung sind wir vollständig zufrieden, denn die verstorbene Jungfer Barbara Mürrlich hat bestimmt, daß ihr Neffe als Legat gerade die Summe haben solle, die der Orden selbst wolle. Der Orden will nur, wie wir eben mit Befriedigung gehört haben, fünfundneunzigtausend Thaler haben, und damit sind wir vollständig einverstanden, acceptiren dieselben und willigen gern in die Ausantworiung des Rechtes von fünftausend Thaler an den Orden der ehrwürdigen Väter." Der Prior versuchte zwar energischen Protest, aber Mallinger ließ ihn nicht mehr los. Gerade aus der Urkunde, daß der Orden dem Doctor fünf» taufend Thaler ausbezahlen wolle, bewies er, was zu beweisen war, nämlich: daß der Orden für sich das ganze Erbe, weniger die fünftausend Thaler wolle, und daß es eben deshalb an den Doctor fallen müffe, denn wäre die Auffaflung des Priors die richtige, fo müßte es im Testamente heißen: Der Doctor erhalte als Legat den Betrag, den der Orden ihm „ausbezahlen" wolle; es fehle aber hier das Wort „aurbezahlen" gänzlich, und es fei unstatthaft und willkürlich, es ergänzend hinzuzudenken. Dis Sache war „in dubio“, wie der Jurist sagt. In dubio aber wird nach der Billigkeit entschieden; wie es da im Falle einer Erbschleicherei gehalten wird, bedarf wohl kaum eines näheren Aufschlusies. Scelenvergnügt traten drr Kreisrichter und der Doctor den Heimweg an, es brannte sie auf der Zunge, Rosalien den Erfolg von des Alten Inter- vention mitzutheilen. „Und fo, Mädl", sprach der Kreisrichter am Schluffs seiner Erzählung, „fo hat der Doc or aus den Händen der frommen Brüder fein Vermögen hrrausgehauen." „Mein Vermögen?" wendete der Doctor sich an Rofolie. „Oder ist's . . . unser Vermögen?" Und da Rosalie in die dargebotene Hand gern einschlug und der Kreisrichter dazu, so ... ist diese Geschichte u Ende. Wermischles. Ein freiwilliger Vagabund. Der Gutsbesitzer v. K. aus der Provinz Preußen hatte Geschäfte in Kurland und war auf feiner Rückreise sehr eilig, da er zu einem bestimmten Termine wieder in seinem Wohnorte einzutreffen beabsichtigte. Auf der Grenz-Station fand man in seinem Passe jedoch gewisse Formalitäten außer Acht gelassen — und bestand deshalb, gestützt auf gesetzliche Vorschriften, auf seiner Rückreise bis zur nächsten Gouvernementsstadt, um die fehlenden Visas rc. nachzuholen. Alle dringenden Bitten von K's., ihn die Grenze ohne weitere Behelli- gung passiren zu lassen, blieben anfänglich erfolglos, endlich foll der betreffende Grenzbeamte Herrn v. K. selbst den Rath ertheilt haben: „Lassen Sie sich von einem hiesigen Einwohner wegen Schulden verklagen, erklären Sie, vollständig erwerblos zu sein, und Sie werden als Vagabund per Schub über die Grenze gebracht werden." Ein Kläger war für ein mäßiges Honorar bald aufzutreiben, und Herrn v. K. trat nur noch das einzige Bedenken entgegen, daß fein Name in preußischen Amtsblättern mit dieser gerade nicht ehrenvollen Prozedur in Verbindung gebracht werden könnte. Jndeß fand man Mittel, dieses Bedenken zu beseitigen. Ein Name ward bald gefunden und die Reise über die Grenze rasch per Zwangspaß zurückgelegt; auch sollen Herrn v. K's. Reiseeffekten auf einem andern Weg ihrem Besitzer bald gefolgt sein. Landwirtschaftliches. Vertilgung der Herbstzeitlosen in den Wiesen. Gerade jetzt wird es Zeit, im Monat Mai. Die Fälle von Vergiftungen von Rindvieh und Pferden und auch von Hühnern und Enten durch den Samen der Herbstzeitlose sind nicht sielten. Bei dem Rindvieh treten gewöhnlich durch das Verzehren von grünem Kraut der Zeitlosen heftige Diarrhöen ein, die meistens ohne weitere Gefahr für die Thiere verlaufen, dagegen erzeugen die Samen der Pflanze, wie sie aus dem Heu in die Krippen gelangen, sehr gefährliche Koliken. Wenn auch gewöhnlich die Thiere die Herbstzeitlose sowohl als auch Samen instinktmäßig verschmähen, gelangen doch jene Pflanzentheile leicht zur Verzehrung bei der Heu- und Grasfütteruug und es sind gewiß die Vergiftungssälle bei den Thieren viel häufiger, als man gewöhnlich glaubt, zumal die wenigsten in ihrer Ursache erkannt werden. Man sollte nun denken, daß die Vertilgung dieses gefährlichen Unkrauts aus den Wiesen überall angestrebt würde, um einerseits den Platz für die guten Gräser zu gewinnen, andererseits um ein giftfreies Heu zu ernten. Leider begegnet mau aber nur selten einer Wiese, wo man durch Ausziehen der Zeitlosen im Mar die Vertilgung bewerkstelligt hat oder wenigstens die Wucherung zu vermindern bestrebt ist. Die vollständige Vertilgung gelingt nur durch sorgsame Entfernung des Unkrauts während vier Jahren (im Mai), da die Pflanze dieser Zeit bedarf, um zum Sammentragen zu gelangen. Ncdaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.