entgegnete er, Syndikus und voll von sei« ichen Wichtigreinlich außer prechen. Desstand, den er i, die er über» inigketten und er des einen t des zweiten. oi8, weil sein usführlich von ner in Stockgreisen wollten, : directen Verden einfältigen Jen unerhörten ung über das «g hatte wohl Sefährten, aber etflung verbrei- ltere Probleme. Baukosten per enen Unterneh- aus der Güter- feinlich eingehen der Kopf weh Augen zufielen, tat." ir", wiederholte den Augenblick ouse und wies zwischen ist das chließlich zahlen albe Million in ;tn ja seit einer e Abend Schlag auf den Kauf- uns übernom« fern ungeheuren rch Stockbridge >cat. „Ich muß en. Ich dachte, t, daß das Geld :Re Station für unser Weg von ) gar durch den Hichener Jamilienoläller. Belletristisches Beiblatt sum Gießener Anzeiger. Ux.' 27. Samstag den 3. März- 1888. Die verkorene Wiöek. Original-Noman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartm ann-Plön. (Fortsetzung). „Sehen Sie", sagte Alexmdra, nachdem der Rittersaal betreten war, „dort ist Ihr Ahnherr!" Felix trat einige Schritts vor und starrte minutenlang schweigend aus das Bild. Eigenthüm- liche Gedanken mochten bet diesem Anblick in seinem Gehirn keimen. Langsam strich er stch mit der behandschuhten Rechten mechanisch über die lang herab- hängenden dunkelblonden Favoris und schien die Gegenwart verg-ffn zu haben. Wolter und seine Frau unterbrachen durch keinen Laut das Schweigen. Endlich wandte Fel x stch wieder um und sagte: „Es ist doch schade, daß zwischen dem Stifter meines Namens und mir eine ganze Reihe fehlt, es ist dies eine Lücke, die nicht auszufüllen sein wird, wenn auch ich mir die ersten Anfänge eines Ahnensaals einrichten werde. Ich danke Ihnen nochmals für Ihr großmüthiges Geschenk und füge noch die Bitte hinzu, das Bild hier gütigst noch einige Zeit beherbergen zu wollen, bis ich auf Fichtenberg die Handwerker los bin, die jetzt Alle» drunten und drüber kehren." „Daß Sie, Herr von Stolzenberg", sagte Asirandra, „ein Abkömmling dieses Herrn dort sind, geht unverkennbar aus der Äehnlichkeit zwischen ihm und Ihnen hervor, und ist dieselbe auch nicht frappant, fo ist sie doch unleugbar btt/’ „Mit meinem Onkel ist die Äehnlichkeit noch größer", versetzte Felix, „es ist fast, als fähe ich sein Bild. Da wir doch in diesem Augenblicke von Aehnlichkeiten sprechen", fuhr er fort, „so möchte ich wohl an Sie, Herr Geheimrath, die Frage richten: Sind wir uns wohl schon irgendwo im Leben be« begegnet?" Die Frage lam so plötzlich, und doch haite Wolter, seitdem er gefühlt, daß Felix ihn schon mehrfach forschend angeschaut, sich darauf gerüstet, eine solche oder ihr ähnliche zu hören. Obgleich bei diesen verhängnißvollen Worten seine Seele innerlich bebte, so war er doch im Stande, ohne daß ein Zug seines Gesichte» sich veränderte, ge- laffen und in natürlichem Tone zu sagen: „Sie meinen, ob wir uns schon einmal gesehen haben könnten? Ich entstnne mich wirklich nicht. Es ist indeß nicht unmöglich. Waren Sie kürzlich in unserer Stadt?" „Ich war noch nie früher dort." „Dann müßte es jr schon in Hamburg gewesen sein. Warm Sie schon dort ?" „Nein — doch ja, einmal zwei Tage, vor etwa vierzehn, fünfzehn Jahren." „Da kann e« nicht gewesen sein, denn vor zweiundzwanzig Jahrm wanderte ich schon nach Afrika au» und bin erst vor zehn Jahren nach Europa zu« ruckgekchrt. Wer seitdem ich die Fabrik habe, habe ich oftmals reifen muffen, namer.ttich habe ich fach- rwstenschastliche Vcrsammlunge t und Industrieausstellungen besucht, da könnte es ja sein, daß wir zufällig in irgend einer der größeren Städte, Berlin, Wim und so weiter, an der table d’hote ober sonstwo zusammengetroffen wären. Eme gegenseitige Vorstellung hat wohl kaum stattgffundin, denn ein Name wie der Ihrige bleibt sehr leicht im Gedächt« niß haften und ich hätte ihn nicht vergessen; dagegen könnte Ihnen mein Gesicht mit den vielen Blatternarben irgendwo aufg< feilen sein und S:e erinnern sich jetzt nur nicht dec näheren Umstände." „Es sind nicht die Blatternarben", entgegnete Felix sinnend, „es ist ein anderer Zag in Ihrem Gesicht, der mir bekannt vor kommt, der mir schon aufgestoßen sein muß, und doch kann ich mich nicht entsinnen, wann und wo cs gewesen sein könnte." „ES ergeht Vielen so und mir ist es schon oft pafsirt, daß mir aus einem ganz fremden Gesicht, welches ich nie zuvor gesehen, etwas ungemein Bc- kanntts entgegintritt, man glaubt demselben schon begegnet zu fein, zerbricht sich den Kopf darüber und schließlich hat man sich doch getäuscht!' „Es muß wohl so sein", sagte Fesix, noch immer in seinen Erinnerungen suchend, „denn daß wir uns, wenn auch vor langer Zeit schon, vorgrstellt wären oder uns auch nur gesehen h-tt-n, glaube ich selbst nicht; aber ich finde auch den nicht in meinem Ge- dächtntß, in dessen Gesicht ein ganz gleicher Ausdruck war, wie in dem Ihrigen. Dach auch ich will mir darüber d u Kopf nicht weiter zerbrechen, vielleicht fällt es mir später noch ein!" Man wanderte jetzt um den ganzen Saal herum, Alexandra gab einig; Erklärungen über verschiedene fürstliche Persönlichkeiten, deren Gemälde hier al» Ahnen eines untergegangenen Geschlechts die Wand zierten und deren Geschichte sie zufällig kannte, so auch über den wilden Herzog, worauf man langsam durch die Prunkgemächer in den Garten und die Muschellaube wieder znrückkehrte. Gedelmann hatte sich auf diesem Wege nicht wieder blicken lasten, dem Diener Johann, der aus der großen Vorhalle b'e Herr- schäften erwartete, hatte Wolter einige Worte rüge» flüstert, worauf dieser sich sogleich durch die Thür entfernte. „Nun, mein Kind", sagte Alexandra, stch neben die Tochter sitzend, die noch immer eifrig an ihrer Sticktrei arbeitete und nur einmal flüchtig die Augen erhoben hatte, als die Zurückkehrenden schon ganz in ihrer Nähe wäre-», „nun, Frieda, bist Du auch ganz folgsam gewesen?" „Ja, Mama, ich habe mich nicht von der Stells gerührt." Felix hatte seinen alten Platz wieder eingenommen und wandte sich fragend an Frieda: „Haben Sie, gnädiges Fräulein, keine Furcht vor all den G-.spevstern, die in diesem alten Ritterschloß umgehen sollen?" „Ich glaube nicht daran", erwiderte das junge Mädchen, „da fällt die Furcht von selbst fort." „Dächten doch alle Frauen so, aber die meisten neigen mit Vorliebe zum Aberglauben und allen voran meine Cousine. Sie haben keinen Begriff, von welcher fast kindischen Furcht von Geistern und dergleichen Unholden sie erfüllt ist. Müßte sie in einem Hause, von dem es hieße, daß es darin spucke, eine Nacht zubringen, sie würde kein Auge schließen und sich halb zu Tode ängstigen." „Das begreife ich nicht", sagte Frieda. Der Diener brachte j-tzt auf einem silbernen Tablet Wein und Gläser. „Einen kühlen Trunk, Herr von Stolzenberg", sagte Wolter, dürst» Sie bei dieser Hitze nicht verschmähen. Wir haben Keller unter der Burg, so ties und kalt, daß sie mit jedem Eiskeller concurriren können; in einem derselben lagern meine Weine!" Er gab dem Diener einen Wink, stch zu ent» fernen, und füllte selbst die Gläser. „Ich heiße Sie hier willkommen, Herr v. Stolzenberg", sagte er und hielt Felix das Glas zum Anstoßen hin. „Laffen Sie uns gemeinschaftlich anstoßen auf eine gute Nachbarschaft, hoffen wir, daß sie für uns Alls recht fruchtbringend werden möge." Er sah hierbei auf Frieda, die den Arm ausstreckte, um mit ihm anzustoßen, aber der Zufall wollte es, daß es nicht dazu kommen sollte, auf halbem Wege entsank das Glas ihrer Hand, es fiel zu Boden und zersprang. „Wie ungeschickt ich bin!" rief sie aus. „Ich will ein neues Glas besorgen", sagte Wolter. „Ich danke, Papa, bitte, laß es, Du weißt ja, ich trinke nicht ßerne' Wein." „Wenn ich abergläubisch wäre", sagte Felix, „so würde ich dieses kleine Malheur als keine gute Vorbedeutung für unsere nachbarliche Freundschaft an- fehen, aber ich bin nicht abergläubisch." „Ein Zufall", erwiderte Frieda, „kann keine Vorbedeutung haben." „Ich danke Ihnen für diese Bemerkung!" Frieda sah ihn eine Secundr wie fragend an, dann senkte sie wieder die Augen. Eine Weile faß man noch zusammen, die Con- veisation lenkte sich auf verschiedene Gegenstände, Felx war sehr aufgeräumt, witzig, aber niemals ironisch und bochait, wenn auf Einwohner von Helzendorf die Rede kam, die er bereits kennen gelernt, wie es sonst wohl seine Gewohnheit war; er fühlte sogleich heraus, baß es hier nicht angebracht sei, er war liebenswürdig, hinreißend in der Unterhaltung, er konnte merken, daß er, wenigstens auf Wolter und besten Gemahlin, einen günstigen Eindruck gemacht. Nach einer halben Stunde stand er auf und verabschiedete sich. Er war in einem Gig, ohne Kutscher und Diener, gekommen. — Wolter begleitete ihn an den Wagen und nachdem er Johann ein Goldstück in die Hand gedrückt, fuhr er langsam, fast im Schritt den Zickzaüweg, der von der Burg durch hohe Buchen in das Thal führte, in dieses hinab. Eins Fluth von Gedanken zog durch feinen Kspf. Als er die Chaussee erreicht hatte, wandte er sich noch einmal um und sah zu der von der Abendsonne umglänzten Schlangenburg hinauf und laut rief er aus: „Das stolze Schloß muß mein werden und mit ihm das holde, liebliche Mädchen! Ist es denn möglich, daß ich nach wilden Stürmen der Leidenschaft zum ersten Male liebe? Bin ich nicht würdig, von ihnen betrachtet zu werden? O, sie sollen sich noch auf mich richten, voll und gavz, glühend und heiß! Denn mir gehören sie und keinem Andern werde ich sie lassen! An wen erinnert mich nur der Vater?" sprach er nach einer Pause weiter. „Dieser tiefe dunkle Blick aus seinen Augen, er muß schon auf mir geruht haben! Wo nur, wann nur? Wohl Dir, Gehetmrath Wolter, daß Du eine so hübsche Tochter I hast, sonst würde ich ringen mit Dir um die Liebe Deines schönen Weibes! Da ist verborgens Gluth! Jetzt endlich steige ich den Berg hinan, dessen Gipfel zu erreichen zeitlebens mein unablässiges, stetes Streben war. Verschwunden find alle Schatten der Vergangenheit, was mir den Weg nach aufwärts verlegen könnte, ist fort, verschollen, todt, und den Gipfel will und werde ich erreichen!" Elftes Kapitel. Arn Mittwoch darauf war ein reges Leben auf der Schlangenburg. Es hatte sich eins iernlich zahlreiche Gesellschaft zusammengefunden; die meisten bet Gäste, unter ihnen die Mitglieder des Gesangvereins, waren aus der entfernter gelegenen größeren Stadt auf der Bahn gekommen, die Uebrigen bestanden aus Honorationen der nahe gelegenen Fabrikstadt Holzendorf und außerdem hatte man einige Familien von den umliegenden Gütern geladen. Frau Geheimrath Wolter hatte es erreicht, ihr 107 Hans zu einem sehr exclusiven und theilweiss aus diesem Grunde zu einem sehr gesuchten zu machen. Selbst diejenigen, die bei Weitem höher im Ringe standen, als der Geheimrath, rechneten es sich zur Ehre an, in dessen Hause zu verkehren, denn es war allgemein bekannt, daß seine Frau, die Seele und Leiierin des Ganzen, nur solchen ihre Salons öffnete, die eine geistige Bedeutung hatten, sei es in wissen- schastlicher oder in künstlerischer Hinsicht, und zu diesen zu zählen war für Manchen eine angenehme Befriedigung seines Ehrgeizes. Alexandra war in gewiffer Beziehung eme ausgebildete Aristokratin, und wie sie es selbst nannte: eine Geschmacksaristokratin. Verletzte Jemand durch unfeine Manieren, durch Aufgeblasenheit, Arroganz oder andere unangenehme Eigenschaften ihr Gefühl, war er nicht nach ihrem Geschmack, so konnte er daneben noch so sehr durch geistige Vollkommenheit sich auszeichnen, sie blieb ihm gegenüber die unnahbare Aristokratin, welche nie geradezu unfreundlich wurde, aber auch nie solche Elemente an sich heran« kommen ließ. Daß sie bei solchem Aurwahlsystem Unzufriedene machte und Manchen erzürnte, war erklärlich, ebenso daß von diesen der Eme und Andere sich zu rächen und ihr etwas anzuhängen suchte, doch wagte Niemand bei der großen Zahl ihrer Verehrer und Vertheidiger ihr etwa« Anderes nachzusagen, als daß sie sehr kokett sei, was aber von allen denen, die sie kannten, energisch bestritten wurde. So hatte es sich gemacht, daß diejenigen, die beim Geheimrath Wolter in kleineren und größeren Gesellschaften zusammen kamen, nicht allein durch Geist und Talent hervorragten, sondern auch fast durchweg Menschen waren von angenehmem und liebenswürdigem Wesen. Daß zu dem heutigen Feste eine größere Zahl Gäste geladen war, als es bei kleinen Gesellschaften zu geschehen pflegte, hatte seinen Grund darin, daß außer den Eingeladenen der nächsten Umgebung der Schlangenburg auch die Verwandten der Mitglieder de« Gesangvereins gebeten waren. (Fortsetzung folgt.) Eine Hefpenstergeschichte. Nach dem Englischen. (Fortsetzung) „Bitte tausendmal um Entschuldigung", stammelte ich. „Sie gehen also heute Abend nur noch bis nach Mallingford?" „Natürlich. Im „grünen Ochsen" nehme ich einen Wagen. Und Sie?" „Jelf läßt mich von Clayborough abholen. Darf ich etwas für Sie bestellen?" „Sagen Sie, bitte, ich hätte gern gleich die ganze Strecke mit Ihnen zusammen gemacht und komme noch vor Weihnacht, wenn irgend möglich." „Weiter nichts?" Er lächelte halb bösartig. „Doch", brummte er. „Sagen Sie meiner Cousine, ste brauchte „dieses" Mal mir zu Ehren das Haus nicht anzustecken und möchte vor meiner Ankunft den Ofen im blauen Zimmer fegen laffsn." „Das klingt ja tragisch! Brannte es bei Ihrer letzten Anwesenheit in Dumbleton?" „Beinahe. Seit Frühjahr war in meiner Stube kein Feuer gewesen, die Krähen hatten im Schornstein Nester gebaut und als ich zu Bett gehen wollte, war das Zimmer voll Rauch und das Rohr schwfl'e. — Ist hier schon Blackwater?" Der Zug war während dieses Gesprächs allmälig langsamer gefahren und ich sah, als ich den Kopf i aus dem Fenster steckte, die Station in einer Entfernung von ein paar hundert Schritt. Ein Güterzug stand auf denselben Schienen und der Schaffner benutzte den Aufschub, um die Billets zu sammeln. Ich hatte mich kaum orientirt, als der bärtige Beamte an der Wagenthür stand und hineinrief: „Dis Billets, meine Herren!" „Ich gehe nach Clayborough", antwortete ich. Er nahm meine rothe Fahrkarte, warf beim Schein der Laterne einen Blick darauf, gab sie zurück, sah, wie mir vorkam, meinem Ressegefährtm ziemlich scharf in’S Gesicht und verschwand. „Er hat Ihnen Ihr Billet nicht abgefordert", bemerkte ich erstaunt. „Das geschieht auch nicht", erwiderte er. „Ich bin bekannt und fahre selbstverständlich frei." „Blackwater! Blackwater!" ertötte es, und wir waren am Perron. Herr Dwerrihouse zog seinen Actenkasten hervor, steckte dis Reisemütze in dis Tasche, setzte den Hut wieder auf, nahm den Regenschirm, machte sich reisefertig, kurz, er verfuhr mit systematischer Umständlichkeit, wie beim Einsteigen, nur nach umgekehrter Reihenfolge. Hierauf sprach er mit altmodischer Höflichkeit: „Sehr verbunden für Ihre Begleitung. Gute Nacht, Mr. Lrngford." „Gute Nacht", sagte ich und streckte die Hand au?. Aber entweder sah er es nicht oder wollte es nicht l sehen; er berührte leicht die Krämpe seines Hutes mit ! der Hand und trat auf den Perron. Langsam ging , er seine Wege und verschwand in der Menge. Ich lehnte mich hinaus und sah ihm nach. Da r trat ich auf ein Cigarrenetui, welches ohne Zweifel j aus seinem Regenmantel gefallen war. Es war von : dunkelbraunem Maroquin mit einem silbernen Schildchen. Ich sprang au« dem Wagen, gerade, als der Schaffner die Thür schließen wollte und fragte eifrig: „Haben wir nicht noch eine Minute übrig? Der Herr, welcher mit mir von London ankam, hat sein Cigarrenetui fallen lassen, und ist sicher noch in der Halle." „Anderthalb Minuten, zu Befehl!" bestätigte der Angeredete, „machen Sie schnell." Ich lief, was mich meins Füßen tragen konnten; der Perron war lang und Mr. Dwerrihouse schon - 108 auf der Hälfte; indessen sah ich ihn deutlich mit dem Strsm langsam treiben. Als ich näher h-rankam, bemerkte ich, daß er einen Bekannten traf, mit dem er sprach und einen Augenblick stehen blieb. Ich drängte mich zu ihnen durch. Gerade über ihren Köpfen warf eine Gaslaterne ihr Helles Licht auf beide und ich unterschied das Gesicht meines Reisegefährten und seines Begleiters. Obgleich ich athem- los in meinem Eifer über Koffsrträgsr und Passagiere stürzte, in der Besorgniß, daß mein Zug ohne mich sbfützren möchte, entging mir dennoch nicht, daß der neue Ankömmling bedeutend jünger und kleiner war, als das Mitglied des Verwaltungsraths; blond, mit einem Schnurrbart, einem schmalen Gesicht und in einem engen Bvxkinanzug. Nur noch wenige Schritte war ich von ihnen entfernt, als ich gegen einen dicken Herrn anrannte, über einen Reisesack stolperte und über einen Packträger fiel — da schrillte plötzlich die Signalpfeife. Was war das? Die beiden waren nicht mehr da! Ich hatte sie vor kaum zwei Sccnnden gesehen und jetzt waren sie fort. Ich stand still und sah nach links und rechts: nirgends! Es war, als ob der Boden sich geöffnet und sie verschlungen hätte. Neben mir stand der Bahrchofsverwalter. „Vor einem Moment waren hier zwei Herren", sagte ich; „wo sind sie geblieben?" „Ich habe keinen Menschen gesehen." Die Pfeife gellte noch. Hinten hob der Schaffner feinen Arm in die Höhe und rief mich an. Der Oberbeamte neben mir ermahnte: „Sie haben die höchste Eile, wenn sie m't diesem Zug fort wollen." Und so beeilte ich mich und kletterte in mein Coup6, als dis Locomativs schon arbeitete. Ich fiel aus meinen Sitz mit Mr. Dwerrihouse's Cigarrentasche in der Hand, nachdenklich erwägend, wo er wohl hinge- kommen wäre. <& Das Verschwinden war unbegreiflich, es kam mir vor, wie eine Versenkung im Theater. Vor einer Minute noch standen sie da, so daß man sie mit Händen greisen konnte und schwatzten, hell von der Laterne beschienen; und dann waren sie weg, ohne daß irgend eine Thür, Treppe oder Fenster sie hätte hinauslaffen können. Sie standen auf festem Stein an der gemauerten Wand. Wunderbar! Ueberlcgen half nicht, und doch ließ mich der Ge- danke nicht les; ich wollte und mußte das Rächsel lösen. Es beschäftigte mich ausschließlich von Bick« water nach Clayborough und von Clayborough nach Dumbleton, während der schweigsamste Kutscher in ganz Ostangeln mit mir über die herrliche Landstraße dahinjagte. — Um halb sieben gelaugten wir au die Einfahrt zum Schloß und kurz darauf schien der warme Schein aus der Hausthür auf den Kiesweg; herzlich ergriff Jemand meine Hand und eine freundliche Stimme erschallte: „Willkommen in Dumbleton!" Nach der ersten Begrüßung sagte mein Gastfreunb; „Komm, alter Junge, Du mußt Dich so rasch wie möglich umkleiden. Wir essen um acht und Du findest Bekannte; die Biddulphs und Prendergast von den Gardehusaren. Auf Wiedersehen; meine Frau erwartet Dich mit Sehnsucht." Der Diener führte mich in meine Stube. Nicht in das blaue Zimmer, wo Herr Dwerrihouse so traurige Erfahrungen gemacht hatte, sondern in ein hübsches wohldurchwärmtes Junggesellenstübchen. Ich schnallte meinen Koffer auf und that mein Bestes, um fertig zu werden; aber ich konnte mein Abenteuer auf der Eisenbahn nicht vergessen. E« stand mir allenthalben im Wege; ich verlegte meine Hemdknöpse, zerknitterte mein Halstuch und zerriß dis Handschuhe. Deshalb war ich denn auch der letzte, der in die Wohnstube trat und hatte kaum Frau Jelf oberflächlich begrüßt, als es schon zum Essen girg. Weder das Essen noch die Gäste will ich beschreiben. Alle Gesellschaften in der Provinz sehen sich ähnlich wie ein Ei dem andern und diese war keine Ausnahme von der Regel. Ein Edelmann mit seiner Gnädigen, ein paar Pastoren mit ihren Frauen, der ewige Puterhahn und ein Rehrücken: es giebt nichts Neues unter der Sonne! Ich saß ungefähr mitten an der Tafel. Eine „geistliche Dame" hatte ich zu Dsch geführt und die Frau eines zwetien Predigers faß mir zur Linken. Beide sprachen über mich hinüber . . von Kindern — es war grauenhaft langwellig. Schließlich trat eine Pause ein. Die Enträes waren abgenomm-n und der Puter erschien auf der Bildfläche. Wenn die Unterhaltung schon seit Langem gestockt hatte, so hörte sie jetzt gänzlich auf. Jelf legte das Geflügel vor und „Sie" schien nachzusinnen, worüber man wohl sprechen könnte. Unglücklicherweise fuhr mir durch den Sinn: „Theile Deme Abenteuer mit!" und ich begann: „Da fällt mir ein, Jelf, ich bin heute ein tüchtig Stück mit einem Bekannten von Dir des Weges gekommen." „So?" entgegnete der Hausherr und zerlegte mit wissenschaftlicher Sorgfalt vie Brust seines Vogels. „Mit wem?" „Mir einem gewissen Jemand, von dem ich Dir sagen soll, daß er Dich noch vor Weihnacht Heimsucht, wenn es seine Geschäfte gestatten." „Wer kann das sein?" „Major Thorpe?" forschte Frau Jelf. Ich schüttelte den Kopf. „Nicht der. Ein Verwandter von Ihnen, Verehrte." „Das kann ich nicht rathen", behauptete die Frau vom Hause. „Bitte, spannen Sie uns.nicht auf die Folter und sagen Sie gerade heraus, wer es war. „Kein geringerer, cls Ihr Vetter, Herr Zehn Dwerrihouse." iFortsetzung folgt.) Chr. Pietsch) in Gießen. Redactisn: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr.