Eichener Jamilienbläüer. BellMstischss Keidlatt MW Gießener Anzeiger- M 102. Dienstag den 31. August. 1636. .....-'—-— »Oll» " ■ iiiiTiir|i«.bimttJiM|iiiMM|imi TH»nin»Mjjm«a Saat und Zrnte. Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.) 15. Capitel. Die Begegnung. Bei seiner Rückkehr in den „Weißen Hirsch" fand der Referendar einen Brief seines Freundes Maiwind vor. Er hatte jetzt keine Zeit, ihn zu lesen; die Damen, die bereits zur Abreise gerüstet waren, erwarteten ihn ungeduldig; sie wünschten seinen Bericht über das Vorgefallene zu vernehmen, und er selbst mußte einige Fragen an Tante Lina sichten, deren Beantwortung für die weitere Untersuchung wichtig war. Madame Schirmer erkannte Uhr und Ring augenblicklich wieder. „Mein guter Vater hat sie stets getragen", sagte sie mit bewegter Stimme, während sie, in der Erinnerung an vergangene Zeiten versunken, das Wappen auf der Uhr betrachtete, „er war stolz auf diese Uhr, weil er sie einst als Geschenk von unserem König erhalten hatte. Rach seinem Tode gingen Uhr und Ring auf meinen Bruder über, und von ihm, der leider zu früh starb, erbte sie mein Reffe Hermann. Ich habe damals als ich hierher kam, um das Grab meines unglücklichen Neffen zu besuchen, sofort nach diesen beiden Sachen gefragt; man hatte sie bei der Leiche nicht gefunden, und ich konnte unmöglich glauben, daß Hermann sie verkauft haben sollte. Ich war entschloffen, eine Untersuchung zu beantragen, aber wie ich Ihnen schon früher sagte, mußte ich befürchten, dadurch die zahlreiche Familie eines Forsthülers ins Unglück zu bringen, die mir als durchaus ehrlich und gewissenhaft geschildert wurde. Ich habe selbst mit dem Manne gesprochen, und der Eindruck, den er auf mich machte, entsprach ganz der Auskunft, die ich über ihn erhalten hatte; so verzichtete ich denn auf gerichtliche Nachforschungen, die ja, wie wir jetzt wissen, zu keinem Resultat geführt haben würden." „Freilich nicht", erwiderte der Referendar, „der Raub lag in dem hohlen Baume, und dort würde Niemand ihn gesucht haben. Und neben diesem Raube lag die Büchse des Wilddiebes; ich kann noch immer nicht den Verdacht los werden, daß Hermann von Salberg ermordet worden ist." Tante Lina schüttelte ablehnend das ergraute Haupt. „Wird dieser Verdacht nicht durch die Abschiedsbriefe widerlegt, die mein Neffe vor seinem Ende geschrieben hat?" fragte sie. „Scheinbar ja, aber so ganz doch nicht. Der Schein soll nie die Wirklichkeit erreichen —" „Dieser Verdacht wird ferner dadurch widerlegt, daß die Schußwaffe neben der Leiche gefunden wurde." „War die Waffe ein Pistol?" „Nein, ein Revolver!" „Wissen Sie das ganz bestimmt?" „Ich habe derzeit die Waffe hier gesehen, sie wurde mir vorgelegt: ein gewöhnlicher, kleiner Taschenrevolver, wie man ihn in jeder Waffenhandlung kaufen kann." „Seltsam!" sagte Rommel gedankenvoll, während er ungeduldig an der goldenen Brille rückte. „Wer erklärt mir, Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur! Besaß Ihr Neffe nicht ein Pistol, das am Schaft auf silberner Platte seinen Namen trug?" „Ein Paar solcher Pistolen befand sich in der Waffensammlung meines Vaters." „Und eins befindet sich jetzt im Besitz des hiesigen Oberförsters. Finden Sie dafür eine Erklärung ?" Die alte Dame blickte ihn betroffen an. „Ich könnte es mir nur dadurch erklären, daß mein Neffe die Pistolen verkauft hat", erwiderte sie; „dann allerdings wäre es möglich — " „Aber immer nicht wahrscheinlich", fiel der Referendar ihr erregt in's Wort. „Ich muß Sie bitten, meine Mittheilungen vorläufig geheim zu halten; gerade auf diese Entdeckung lege ich großen Werth; aber sie muß mein Geheimniß bleiben, wenn sie ihren Werth behalten soll. Erführe der Oberförster nur eine Silbe davon, fo würde er wahrscheinlich die Waffe beseitigen, schon deshalb, um unangenehmen Fragen und Erörterungen aus dem Wege zu gehen." „Sie könnten ja die Waffe sofort confisciren!" „Das will ich nicht! Ich muß zuvor mit meinem Vorgesetzten darüber berathen, die volle Verantwortung möchte ich doch nicht allein übernehmen. Was Du thust, bedenke das Ende!" „Und von der Beraubung der Leiche abgesehen, glaube ich auch nicht, das Sie hier weitere Entdeckungen machen werden", sagte Tante Lina. „Daran, daß der Unglückliche selbst sich das Leben genommen hat, ist wohl nicht zu zweifeln; nur die Gründe, die ihn dazu getrieben haben, sind und bleibm ein dunkles Geheimniß." 406 Der Referendar hatte die Brille abgenommen; er rieb mit seinem Taschentuch rastlos ihre Gläser. „Ich muß noch einmal auf die Auffindung der Leiche zurückkommen", sagte er; „sie soll bereits unkenntlich gewesen sein —" „So sagte man mir, als ich hierher kam; sie wurde erst acht oder zehn Tage nach der That ge- funden. Im Sommer ist der Verwesungsprozeß ein ziemlich rascher. Jnsecten und Raubvögel werden die Leiche auch nicht verschont haben, und man fand sie an einer Stelle, die selten besucht wurde." „Und als einziges Erkennungszeichen mußte der Inhalt des Portefeuilles dienen?" „Auch der Paletot und die Gegenstände, die in den Taschen desselben gefunden wurden." „Wer weiß, was in der Zeiten Hintergründe schlummert!" sagte der junge Mann sinnend. „Etwas ist faul im Staate Dänemark, das lasse ich mir nicht ausreden. Wenn Hermann von Salberg den Vorsatz hegte, seinem Leben ein Ende zu machen, weshalb that er es nicht in seiner Wohnung? Was konnte ihn veranlassen, hierher zu reisen, um diesen Vorsatz „fern von Madrid" auszuführen?" „Vielleicht glaubte er dadurch das Aussehen ab- zuschwächen, das dieser Selbstmord in seiner Garnison machen mußte." „Wär' der Gedank' nicht so verwünscht gescheidt, man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen. Nehmen wir an, Ihre Vermuthung sei richtig, sollte dann aber Hermann von Salberg nicht seine eigene Waffe, eines jener Pistolen mitgenommen haben und zwar dasselbe Pistol, das jetzt der Oberförster besitzt? Ich sage Ihnen, mir wird von Alledem so dumm, als ging' mir ein Mühlrad' im Kopf herum! Neben der Leiche hat man einen Revolver gefunden —" „Könnte nicht der Oberförster den Revolver hingelegt und dafür die andere Waffe mitgenommen haben?" „Kaum denkbar! Der alte Herr mußte ja wissen, welcher Gefahr er sich durch diesen Tausch aussetzte. Dann auch hätte er zuerst die Leiche entdecken müssen. Nein, nein, das läßt sich denn doch nicht annehmen!" „So wären also die Räthsel, deren Lösung wir vergeblich zu erforschen suchen, noch dunkler geworden", sagte die alte Dame. „Sie werden hier nichts erreichen; nur Herr von Görlitz und der Oberst Johnson können das Dunkel lichten. Aber still, ich höre Frau Ackermann kommen; erwähnen Sie in ihrer, Gegenwart Nichts von Ihren Entdeckungen. Die arme Frau trägt schwer genug an dem Druck, der auf ihr ruht." „Sie hat den Unglücklichen geliebt?" „Sie liebt ihn noch; sie kann sich von dem Ge- danken nicht trennen, daß seine Liebe zu ihr ihn in den Tod getrieben hat." Vera trat in diesem Augenblick vor. Der Referendar wechselte noch einige Worte mit den ’ Damen, dann entfernte er sich, um die nöthigen I Anorderungen zum Transport des Gefangenen zu treffen. , Der Ortsvorsteher wollte den rothen Fritz der heimatlichen Behörde überliefern, aber dagegen protestirte Rommel. Er hatte die Untersuchung begonnen, nun wollte er sie auch beenden. Die liebet» Weisung an ein anderes Gericht konnte später noch erfolgen, wenn sie gefordert und gesetzlich begründet wurde. . Er selbst nahm zu großes Interesse an dieser Untersuchung, als daß er sich so ohne Weiteres dazu hätte verstehen können, sie einem andern Richter zu übertragen; er wollte wenigstens den Versuch machen, sich diesen „interessanten Fall" zu sichern. Er fand kaum Zeit, von den Damen Abschied zu nehmen. Mit demselben Zuge, den sie benutzten, sollte auch der Gefangene abgeführt werden, und die gesetzlichen Formalitäten, die dabei berücksichtigt werden mußten, nahmen umsomehr Zeit in Anspruch, als der Protest des Ortsvorstehers die Schwierigkeiten noch vermehrte. Endlich war auch das erledigt. Auf dem Bahn- hofe harrte der Verbrecher, gefesselt und von einem Gensdarm bewacht, der Ankunft des Zuges, und der Referendar stand im Wartesaal vor den Damen, um Abschied von ihnen zu nehmen. „Sie könnten uns nun begleiten", sagte Lud- milla, „den Verbrecher haben Sie wieder einge- sangen, und Ihre Mission ist nun erfüllt. Was hält Sie nun noch zurück?" „O, der Einfall war kindisch, aber göttlich schön!" erwiderte er, während er ihre Hand in der seinigen hielt und ihr tief in die blauen Augen schaute. „Was mich zurückhält? Manches! Aber morgen werde ich nachkommen; liegt dir Gestern klar und offen, wirst du heute kräftig frei; kannst auch auf ein Morgen hoffen, das nicht minder glücklich sei!" Ludmilla entzog ihm leise ihre Hand. „Ich werde Herrn Maiwind berichten, daß Sie Fortschritte in Ihren klassischen Studien gemacht haben", sagte sie lächelnd. „Aber was haben Sie denn hier noch zu besorgen? So ganz allein im „Weißen Hirsch" zu wohnen, kann doch auch nicht angenehm fein 1" Der Blick Vera's ruhte brennend auf ihm. Er sah es nicht, mit bedauernder Miene wiegte er das Haupt. „Gewiß nicht, aber ich werde die Einsamkeit mit der Erinnerung an diese schönen Tage von Aranjuez vergolden", antwortete er. „Und wie gesagt, es bleibt noch einiges zu erledigen, ehe ich von hier scheiden kann; noch ist es Tag, da rühre sich der Mann, die Nacht tritt ein, wo Niemand wirken kann! Da kommt schon der Zug: Es ist bestimmt in Gottes Rath -" „Wir werden also übermorgen Sie erwarten dürfen?" schnitt Tante Lina ihm das Wort ab. „Gewiß", erwiderte er, während er geschäftig das Handgepäck der Damen zusammenraffle, um es ihnen nachzutragen. „Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme!" 407 Vera schritt dicht neben dem Referendar einher. „Haben Sie in den letzten Tagen den Oberst Johnson nicht wiedergesehen?" fragte sie. Betroffen blickte er sie an. Ein Zug der Geringschätzung glitt über ihr blasses Antlitz. „Sie werden ihn heute Nachmittag Wiedersehen", sagte sie, „das ist der Grund, weshalb Sie erst morgen abreisen wollen." Er konnte seine Ueberraschung nicht verhehlem aber er fand keine Zeit, eine Antwort darauf zu geben; die Schaffner drängten zum Einsteigen, und er mußte den Damen noch das Gepäck in das Coupo hineinreichen. Nur ein kurzes: „Auf Wiedersehen!" konnte er ihnen noch zurufen, dann setzte sich der Zug in Bewegung, und mit einem höhnischen Grinsen nahm jetzt auch der rothe Fritz von ihm Abschied, der aus einem Coupo der dritten Classe herausschaute. Lange blickte Rommel dem Zuge nach, dann trat er gedankenvoll den Heimweg an. Das Wetter hatte sich aufgeklärt. Es war kalt, aber windstill. Der Referendar beschloß, den Oberst aus dem „Eber" abzuholen; er wußte ja, mit welcher Ungeduld dieser auf die Abreise der Damen wartete, um in den „Weißen Hirsch" zurückkehren zu können. „Wie kam die schöne Frau nur zu der Ver- muthuug, daß er den Oberst heute noch wiedersehen werde? Hatte sie erfahren, daß er noch in der Nähe war? Oder stützte diese Behauptung sich nur auf eine dunkle Ahnung?" Aber weshalb sollte er sich mit diesen Fragen quälen, auf die er ja doch keine befriedigende Änt- wort fand! Sie war fort, und der Oberst brauchte von dieser Ahnung Nichts zu wissen. Nach einer ziemlich langen Wanderung langte er im „Eber" an und der Oberst empfing ihn mit lebhafter Freude. „Ich hätte Sie ausgesucht, wenn Sie heute nicht gekommen wären", sagte er, dem jungen Manne die Hand reichend; „ich mußte mich selbst überzeugen, daß die Kugel des Meuchelmörders Sie verschont hatte." „So wissen Sie schon, was sich ereignet hat?" fragte der Referendar. „Natürlich, ich erfuhr es heute Morgen." „Auch, daß der Bursche bereits verhaftet ist?" „Der rothe Fritz?" „Jawohl, er ist bereits auf dem Wege zum Zuchthaus" In dem Blick des Obersten, der erwartungsvoll auf dem Antlitz des jungen Mannes ruhte, spiegelte sich ernste Besorgniß. „Und ist dabei noch einmal die Rede auf die vergangenen Ereignisse und den Oberförster gekommen?" fragte er. „Natürlich!" nickte Rommel. „Wir fanden ja in den Taschen des Gefangenen die Uhr und den Ring Salberg's." „Nicht möglich! Wissen Sie auch ganz bestimmt —" „Madame Schirmer hat die Gegenstände als das frühere Eigenthnm ihres Neffen recognoseirt." „Und der rothe Fritz?" „Hat mit frecher Stirn erklärt, er werde Alles leugnen. Verdient ein solcher Mensch noch Mitleid?" „Ich verstehe das Alles nicht!" sagte der Oberst kopfschüttelnd, während er sein Etui öffnete, um dem Freunde eine Cigarre anzubieten. „Wie konnte dieser Vagabund solche werthvolle Gegenstände so lange ausbewahren, ohne der Versuchung zu erliegen, sie zu verkaufen?" „Ja, ja, ein vollkommener Widerspruch bleibt gleich geheimnißvoll für Kluge wie für Thoren! Der Bursche hat derzeit die Sachen hier versteckt sammt seiner Büchse, unb ich vermuthe, daß er dem Tobten auch die Börse geraubt und darin die Mittel gefunden hat, die Reisekosten zu bestreiten. Ich vermuthe ferner, daß er nicht nur einen Raub, sondern auch einen Mord begangen hat; Nichts halb zu thun, ist ebter Geister Art, und der Oberförster weiß auch mehr, als er verrathen will; aber sie sollen Beide beichten." „Lasten Sie den alten Oberförster aus dem Spiel", erwiderte der Oberst unwillig; „er hat genug zu tragen, bürden Sie ihm nicht noch mehr auf!" „Ich verlange ja Nichts weiter von ihm, als daß er —" „Ihr Verlangen kann und darf er nicht erfüllen!" „Holla, sollte er auch sein Ehrenwort verpfändet haben?" rief der Referendar überrascht. (Fortsetzung folgt.) Aehnlichkeit und Unterschied der Kleidung beider Geschlechter*) von Dr. E. D. Mund v. Poch Hamm er. „Mann und Weib und Baum und Blume Sind gar wunderbar verwandt; Streiten wollten Baum und Blume, Bis sich gleiche Liebe fand." Ed. Gasparini. Wenn man darüber auch verschiedener Meinung fein kann, ob die Aehnlichkeit oder der Unterschied der Kleidung des männlichen und des weiblichen Geschlechtes größer ist, — der Zweck derselben ist vollständig der gleiche; denn die Hauptaufgabe der Bekleidung ist hier wie dort: der Schutz vor Erkältung, Warmhalten des Körpers und die Bildung einer denselben umgebenden ruhenden Luftschicht. Daß die Kleider außerdem durch Bedeckung der *) Aus der Berl. Gerichts-Ztg. 408 Körperblöße auch der Sittlichkeit dienen sowie zum Schmucke des Körpers, ist eigentlich nebensächlich uub findet im Allgemeinen bei beiden Geschlechtern statt, ob auch Gewohnheit, Gebrauch und Mode einen übergroßen, oft geradezu widerstnnigen Emfluß ausüben'. Wenn aber bei dem einen oder dem anderen Geschlechte gelegentlich behauptet wird, diese oder jene Kleidung sei wärmer als eine andere, so ist dies ein ungenauer Ausdruck; denn im eigentlichen Sinne des Wortes wärmt keine Kleidung, sondern sie hält nur die eigene Körperwärme des Bekleideten mehr oder weniger zurück und verhindert die Em- Wirkung äußerlicher kälterer Temperatur aus die seinen Körper zunächst umgebende Luftschicht. Bei jeglicher Kleidung kommt also zuerst die Fähigkeit derselben, die Wärme zu leiten, in Betracht, und ie nach dem Grade ihrer Leitungsfühigkeit mutz die Kleidung den sonstigen Verhältnissen angemefien sein, und abgesehen von der Jahres- und Tageszeit, der Witterung, dem Klima, Alter und Geschlecht, Le»,cns- weise, Nahrung, Beschäftigung und dem Grade der Eigenwärme mutz bei der Wahl der Kleidung zu allererst der Temperatur« und Feuchtigkeitsgrad der äußeren Luft berücksichtigt werden. Die innerhalv der Kleider den Körper umhüllende Luft pflegt circa 30 Grad Celsius, gleich 24 Grad Reaumur, zu haben, und je größer der Unterschied der Tem- peraturen dieser Lufthülle und der äußeren Luft ist, umsomehr Wärme entzieht die äußere Lust der inneren zur Ausgleichung dieser Differenz, und ein nm so schlechterer Wärmeleiter muß die Kleidung sein, um die Wärmeabgabe nach außen möglichst zu beschränken, oder umgekehrt, wenn die äußere Luft eine höhere Temperatur hat, den Eintritt von Wärme nach innen abzuhalten. Da aber die atmosphärische Lust ein sehr schlechter Wärmeleiter ist, so leiten diejenigen Stoffe, welche viel Lust in ihrer Masse emhalten, also nicht fest und dicht sind, am wenigsten Wärme und schützen am meisten vor Kaltwerden oder bei größerer äußerer Wärme vor Erhitzung. Deshalb tragen die polnischen und oberschtestfchen Bauern das ganze Jahr hindurch dicke Pelze, das Leder nach außen, und sagen mit Recht, daß diese im Winter warm halten und im Sommer vor der Litze schützen. Zu beachten ist in dieser Beziehung auch lose und zusammengedrückte Watte, indem diese letzrere gerade noch einmal so viel Wärme leitet, also dem Körper entzieht, oder nach Umständen zuführt als lose Watte, die in ihren Zwischenräumen viel Luit enthält. Ein neuer wattirter Ueberzieher oder Hausrock hält bekanntlich weit wärmer als ein vielgebrauchter, weshalb es bei solchen wattrrten Winterkleidern räthlich ist, die zusammengedruckte Wattirung von Zeit zu Zeit zu erneuern. Aus demselben Grunde halten gestrickte, weitmaschige Strümps und Unterkleider wärmer als dicht gewirkte, wert der gestrickte Stoff lockerer und poröser ist und m seinen Maschen viel Luft enthält. Nächst dem schlechten Wärmeleitungsvermögen, welches bei der ' RcdactiöinUchcYda. — Druck und Verlag der Kleidung eigentlich als Wärmezurückhaltung wirkt« kommt die hygroskopische Eigenschaft der Kleiderstoffe, d. h. die Fähigkeit zur Aufnahme von Feuchtlgke-t, in Betracht, nämlich in welchem Grade die Stoffe Waffer aus der Luft oder unsere wäffrige Hautaus- dünstung (Schweiß) aufnehmen und zurückhalten können, weil dies, namentlich betreffs Abkühlung des Körpers von großer Bedeutung ist. Je hygroskopischer ein Stoff ist, und je mehr Feuchtigkeit er aufnimmt, umsomehr leitet er in durchfeuchtetem Zustande die Wärme, — wirkt also wegen leichteren Durchgangs der Eigenwärme und Verstrahlung derselben abkühlend und erkältend auf unsere Haut besonders durch Verdunstung des Schweißes. Durchnäßte Kleider erkälten wie ein nasser Umschlag, weil das Waffer viermal so viel Wärme entzieht als kalte, trockene Luft. Am meisten kühlt nasses Leinenzeug, viel weniger Baumwolle, am wenigsten thierische Sioffe: Wolle und Tuche oder Seide, und die schlechtesten Wärmeleiter sind Pelze und Flaum (oder Dunen), welche deshalb die wärmsten Kleidungsstücke geben. — Für den Sommer, in heißem Klima oder bei Hautkrankheiten mit brennender, heißer, juckender Haut eignen sich daher am besten leinene Stoffe, weil sie bei äußerer Hitze und beim Transpiriren mehr Kühlung verschaffen in Folge des Sinkens der E.genwärme, die umsomehr abnimmt, je mehr Wasser auf der Haut oder in den Kleidern verdunstet und dem Körper die dazu nöthige Wärme entzieht. Bei weitem nicht so porös wie Leinen- und Hanffasern sind seidene, wollene und baumwollene Stoffe; daher nehmen sie weniger Waffer auf und lasten es nur langsam verdunsten, verhüten also die rasche Abkühlung des Körpers und das unangenehme Gesuhl, welches naste Leinewand, die auf bloßem Leibe trocknet, erregt. Stoffe aber, die für Wasterdunst und Waffer undurchdringlich sind, wie Guttapercha, Kautschuk, Mackintosh, halten zwar im Regen das äußere Master vom Eindringen ab, nehmen aber auch die Hautausdünstung und den Schweiß nicht in ihr Gewebe auf, noch lasten Sie die Wasserkünste durch; daher erregen sie ein lästiges Gefühl von feuchter Wärme und stärkere Absonderung von Schweiß, der sich an der inneren Seite solcher Regenmäntel ansetzt, weil die wästerige Ausdünstung sich daselbst an dem kühleren Stoffe tropfbar Nieder- schlägt. Nicht gleichgiltig ist auch die Farbe der Kleidungsstücke, insofern als dunkle, zumal schwarze Stoffe die Wärmestrahlen von außen bester einbringen lassen als hellfarbige, besonders weiße Stoffe, welche die Wärme« und Lichtstrahlen zum grotzen Theile zurückwersen und deshalb für den Sommer und heiße Länder pasten. Dunkelfarbige Stoffe saugen auch leichter Feuchtigkeit und flüchtige Gerüche ein als Helle. Am meisten von Gerüchen nimmt Schwarz auf, dann Blau, Roth, Grün, wenig Gelb und fast nichts Weiß. (Schluß folgt). rü hl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.