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Ueberdies werden Sie wohl daran gewöhnt sein", fügte er lächelnd hinzu. „Das wohl, aber - " „Na, na, int Nothfall will ich schon sorgen, daß Sie eine andere Stelle finden. Sie haben also mit Herrn Sonnenberg nie über die fremde Dsme gesprochen. Auch am Tage nach jenem letzten Abend nicht?" „Nein, aber ich erinnere mich, daß er mich am andern Morgen fragte, wie ich geschlafen habe." „Und was antworteten Sie darauf?" „Nichts, auf solche dumme Fragen habe ich ihm nie Antwort gegeben. Wenn ich es that, dann wurde er gleich zärtlich, er kniff mich in die Wangen oder er lud mich ein, ihn Abends in seinem Zimmer zu besuchen, und solche Dummheiten ärgerten mich." Der alte Herr war stehen geblieben, ernst und voll ruhte sein Blick auf dem Mädchen, das heitere Lächeln war von seinen Lippen verschwunden. „Können Sie mich während seiner Abwesenheit in sein Zimmer führen, ohne daß Jemand es bemerkt?" fragte er. „Lieber Gott, wenn das die Herrschaft erführe —" „Lassen Sie alle diese Bedenken bei Seite", fuhr er in einem ernsten, fast befehlenden Tone fort. „Sie wissen, es handelt sich hier um die Enthüllung eines fluchwürdigen Verbrechens, dessen Thäter nur dann bestraft werden kann, wenn überzeugende Beweise seiner Schuld gefunden werden. Mit solchen Dingen ist nicht zu scherzen und nachdem nun die Verhältnisse mich genöthigt haben, Sie in dieses Geheimniß einzuweihen, sind Sie auch verpflichtet, mir den Beistand zu leisten, den ich von Ihnen fordere. Verstehen Sie das?" „Ja freilich", nickte das Mädchen, dem diese Eröffnung keineswegs angenehm zu sein schien, „ich habe Ihnen ja Alles gesagt, was ich weiß." „Schön, vor allen Dingen befehle ich Ihnen reinen Mund zu halten. Verrathen Sie keinem Menschen, daß Sie bei mir gewesen sind, und was ich Ihnen gesagt habe, und vor allen Dingen lassen Sie Sonnenberg nicht merken, welcher Verdacht auf ihm ruht. Wollen Sie mir das versprechen?" „Ja, ja —" . „Nehmen Sie es nicht leicht, liebes Kind, em Bruch dieses Versprechens könnte unangenehme Folgen für Sie haben, im andern Falle, wenn Sie meine Anordnungen gewiffenhaft befolgen, gewinnen Sie an mir einen Freund, der Ihnen oft von Nutzen sein kann. Wann pflegt Herr Sonnenberg auszugehen?" „Gegen elf Uhr Morgens." „Und wann kehrt er wieder heim?" „In der Regel um Mitternacht, oft auch später, selten früher." „Nachmittags ist er also nie zu Hause?" „Es kommt wohl vor, aber sehr selten." „Und die Herrschaft? Ist sie immer zu Hause?" „Nein, der Herr ist Nachmittags und Abends immer draußen, und die gnädige Frau geht auch oft ins Theater." „Wissen Sie, ob dies heute geschehen wird?" „Möglich wäre es, aber ich weiß es nicht." „Na, gegen Abend werden Sie es wissen", sagte Michel, nun wieder den freundlich-heiteren Ton anschlagend, „ich werde herbeikommen und läuten. Sie öffnen mir dann die Thür und geben mir Nachricht." „Darf ich fragen, was Sie in seinem Zimmer suchen wollen?" „Ja, das weiß ich selbst noch nicht, ich hoffe etwas zu finden, was als Beweismittel gegen ihn dienen kann. Möglich auch, daß ich mich in dieser Hoffnung getäuscht sehe, man muß eben Alles versuchen." Das Mädchen hatte den Korb vom Boden ausgenommen und der alte Herr hielt es nun nicht länger zurück. , Ich werde Alles thun, was Sie verlangen" sagte sie, „aber wenn ich von der Herrschaft deshalb an die Luft gesetzt werde, dann müssen Sie mich auch schützen." „Ja, das versteht sich von selbst." „Und dann noch Eins, ich hätte das fast ver- geffen, und für Sie ist es wahrscheinlich sehr wichtig, Herr Sonnenberg will morgen verreisen." „Morgen schon?" fragte der Beamte überrascht. „So hörte ich. Die gnädige Frau sagte mir, es sei noch unbestimmt, wann er zurückkommen werde." 50 „Na, dann müssen mir uns beeilen; wenn er einmal abgereist ist, sehen wir ihn hier nicht mehr wieder." „Doch, doch", nickte das junge Mädchen, ,die gnädige Frau sagte, er sei mit einer reichen Dame heimlich verlobt, und nach seiner Rückkehr von der Reise werde er heirathen." Ein ungläubiges Lächeln umzuckte die Lippen des alten Herrn, er wußte das besser, aber er legte keinen Werth darauf, daß auch das Mädchen die Wahrheit erfuhr. „Verschwiegenheit!" sagte er warnend, dann schloß er hinter dem Mädchen, das ihm bejahend zunickte, die Thüre. Er hatte noch keine Zeit gefunden, über die Mittheilungen dieser wichtigen Zeugin nachzudenken, als er einen Wagen vorfahren hörte. Einige Minuten später trat Dora in sichtbarer Erregung ein. — „Ich bringe überraschende Nachrichten", sagte sie in dem Sessel Platz nehmend, den Michel ihr angeboten hatte, „Nachrichten, die uns Sonnenberg mit gebundenen Händen überliefern!" „Lassen Sie hören", erwiderte er zweifelnd, „ich fürchte, Sie hegen Hoffnungen, die bei Licht betrachtet —" „Die sich erfüllen werden", fuhr Dora zuversichtlich fort, und nun berichtete sie Alles, was ihre Magd über die geheime Unterredung'Sonnenbergs mit Ernestine berichtet hatte. Die Miene des alten Herrn war immer gedankenvoller geworden, er spielte mit seiner Tabaksdose und hörte schweigend zu, und als Dora geendet hatte, fuhr er langsam mit der Hand über sein Gesicht. „Ein feiner Plan", sagte er, „Sie wären vielleicht an den Bettelstab gekommen, wenn Ihre Magd Ihnen nicht diesen großen Dienst geleistet hätte! Ja, ja, das Lauschen und Horchen hat auch seine guten Seiten, wenn der Horcher selbst auch eine verdächtige Person ist! Also präcise 3 Uhr heute Nachmittag?" „So lautet die Absprache", nickte Dora. „Was soll nun geschehen? Soll ich der Aufforderung, die ich erhalten werde, Folge leisten? Soll ich die Magd ausschicken und mit Ernestine die Wohnung verlassen?" „Sie meinen, ich soll Sonnenberg bei der Arbeit überraschen?" fragte der Beamte nachdenklich. „Ich liebe solche Ueberraschung nicht, sie führen in der Regel zu einem verzweifelten Kampf, und wir haben es hier mit einem Manne zu thun, der sehr wohl weiß, daß er verloren ist, wenn er verhaftet wird. Hm, er wird ja die Diebeswerkzeuge mitbringen, finden wir sie bei ihm, so haben wir Beweise genug, und die Wittwe Hennig möchte ich bei dieser Gelegenheit auch etwas näher anschauen. Ich werde zu Ihnen kommen, gnädige Frau, Sie sollen zugegen sein, wenn er in seiner eigenen Schlinge gefangen wird." „Aber wird er auch kommen, wenn er sich nicht vorher überzeugt hat, daß wir das Haus verlassen haben?" fragte Dora besorgt. „Ich denke mir, daß er auf der Lauer steht, um unsere Abfahrt zu erwarten —" „Nicht doch, dadurch könnte er sich bei Ihren Nachbarn verdächtig machen. Er verläßt sich auf das Zeichen, das seine gute Freundin ihm geben soll, und dieses Zeichen darf natürlich nicht fehlen. Lassen Sie mich nur machen, er wird zur bestimmte» Stunde kommen und dann allerdings sehr überrascht sein, wenn wir ihn empfangen." „Sie werden allein kommen?" „Ja, aber meine Leute werden in der Nähe sein, für den Fall er den kühnen Entschluß faßt, bei unserm Anblick sofort wieder umzukehren und die Flucht zu ergreifen." „Und wie habe ich mich bis zu Eintreffen zu verhalten?" „So, daß Madame Hennig keinen Verdacht schöpfen kann. Wenn der bewußte Brief Ihnen übergeben wird, so äußern Sie keinen Zweifel, lassen Sie einen Wagen bestellen und fordern Sie Ihre Gesellschafterin auf. Sie zu begleiten. Soll die Magd unter irgend einem Vorwande ausgeschickt werden, so erklären Sie sich auch damit nach einigem Zögern einverstanden, aber schicken Sie sie nicht eher fort, bis ich bei Ihnen bin. Die Magd soll dann den Wagen benutzen; wenn Sonnenberg aus der Ferne beobachtet, so sieht er diesen Wagen abfahren, in dem er natürlich Sie und Madam« Hennig ner- muthet. Und das Weitere wird sich dann finden", fügte er hinzu, indem er einen raschen Blick auf feine Uhr warf. „Noch eine Viertelstunde, dann muß ich Sie verlassen." Es lag ein geheimnißvoller Zug um seine Mundwinkel, als er die letzten Worte sprach, ein Zug, der Dora aufmerksam machen mußte. „In unserer Angelegenheit?" fragte sie. ,Ja, ich hoffe, nach Ablauf einer Stunde den Lassendieb hinter Schloß und Riegel zu haben." „Reichert?" fragte sie plötzlich in auffallender Erregung. „So vermuthe ich", nickte er. „Bewiesen ist noch nichts, aber ich erwarte sogar mit Zuversicht, die Beweise noch in dieser Stunde zu erhalten." „Warten Sie, Eins habe ich noch vergessen Ihnen mitzutheilen. Meine Magd behauptet, gehört zu haben, daß Sonnenberg sagte, wenn er reden wolle, müsse Gustav Dornberg sofort aus der Haft entlassen werden." „Ah, das ist sehr wichtig", sagte der Beamte, „einen Namen hat er dabei wohl nicht genannt?" „Nein, aber die Aussage Katharinen's wird hoffentlich genügen, ihn zur Nennung des Namens zu zwingen." „Hm, mir beweist diese Behauptung, daß er ohne Bedenken den Namen nennen wird, sobald er einen persönlichen Vortheil daraus ziehen kann. Und dieser Name wird Oscar Reichert lauten!" „Das glc wird der Rich schenken? Ist Vermuthung 1 Behauptung i „Es ist » sie, indem er Garten Reic wurde, er kau und einem fi wird Reichert muß ich mich „Dann n darf Sie als, „Jawohl, was in der trauen erwec Nachdem Herr in sein wenigen Mi Brille zurück „Darin bi« ich erst gang verdau Jener mit c Der io vermuthlich ficht umrah, „Nun, welche das auch ein pi damit wir wieder. „< Dinge vorz der ganze ginge." 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Und wenn nun diese Behauptung nicht bewiesen werden kann —" „Es ist mehr als das", unterbrach der alte Herr sie, indem er sich erhob. „Sonnenberg war ja im Garten Reichert's, als der Cassenraub entdeckt wurde, er kann ja Alles sehr genau beobachtet haben, und einem so gut unterrichteten Zeugen gegenüber wird Reichert nicht zu leugnen wagen. Aber nun muß ich mich beeilen —" „Dann will ich Sie nicht länger aufhalten. Ich darf Sie also gleich nach Tisch erwarten?" „Jawohl, und bis dahin vermeiden Sie Alles, was in der Seel, ihrer Gesellschafterin ein Mißtrauen erwecken könnte." Nachdem Dora sich entfernt hatte, ging der alte Herr in sein Schlafzimmer, aus dem er schon nach wenigen Minuten im Pelzrock mit Perrücke und Brille zurückkehrte. Fortsetzung folgt. Mach hohem Met. N»»eLe »»n M»ritz Lilie. (Fortsetzung.) „Darin kannst Du Recht haben, rother Heinrich; bi» ich erst soweit, dann wird mir an Eurem Umgang verdammt wenig mehr gelegen sein", erwiderte Jener mit cynischer Offenheit. Der rothe Heinrich verdankte diesen Namen vermuthlich seinem brandrothen Bart, der das Gesicht umrahmte. „Nun, der Fuchs wird uns von den Federn, welche das Gänschen ihm zubringt, ohne Zweifel auch ein paar Kiele zufließen laffen, es ist schon, damit wir reinen Mund halten", meinte der Erst« wieder. „Es wäre doch ärgerlich, wenn gewisse Dinge vorzeitig zur Sprache kämen und dadurch der ganze schlau eingesädelte Plan in die Brüche ginge." Der Fuchs warf dem Sprecher einen wülhenden Blick zu. „Was ich gesagt habe, gilt, Ihr sollt mit mir zufrieden sein, wer aber dann noch schwatzt, dem breche ich den Hals, verstanden?" zischte er leise zwischen den Zähnen hervor. „Jetzt aber zu dem Geschäft, das mich heute zu Euch führt, obgleich ich diese Spelunke eigentlich nicht mehr betreten wollte." „Hoho, Freundchen, nur nicht so wegwerfend vom Löwenkeller gesprochen, wo Leute verkehren, die mindesten« so anständig sind, wie Du!" sagte der rothe Heinrich lachend. „Aber Du sprichst von einem Geschäft, Fuchs, lass' hören, um was es sich handelt, und wenn etwas Ordentliches dabei zu verdienen ist, kannst Du auf uns rechnen." Der Angeredete schwieg eine Weile, als überlege er, ob er über die Angelegenheit weiter sprechen solle oder nicht. „Ich habe in der Eile einen dummen Streich begangen, der mir verderblich werden kann", begann bet Fuchs endlich im Flüstertöne, so daß die Drei sich über den Tisch beugten, um ihn besser verstehen zu können. „Es gilt einen Patron, der mir im Wege steht, unschädlich zu machen." Fragend blickten die Männer auf ihren Genossen, der abermals eine Pause machte. „Das Herrchen hat ebenfalls Absichten ans die Kleine, und ich fürchte, der Teufel hat das Mädchen geblendet, daß sie ihn nicht ungern sieht", fuhr der Fuchs fort, „einer von uns wird also weichen müssen. Gestern Abend traf ich mit ihm zusammen, es kam zu Auseinandersetzungen, und das Ende vom Siebe war, daß ich ihn auf Pistolen forderte." „Donnerwetter, das war gewagt", rief der Aelteste am Tische. „Und wann soll das Duell stattfinden?" fragte der Rothe. „Ich habe es, eine nothwendige Reise vorschützend, um einige Tage hinausgeschoben, dann aber muß die Sache zum Austrag kommen, wenn ich nicht Mittel und Wege finde, den ganzen ärgerlichen Handel beizulegen, auf irgend eine Weise unmöglich zu machen", erklärte Jener. „Dazu aber darf nicht ich die Veranlassung fein, sondern sie muß von meinem Gegner ausgehen." „Und wer ist dieser?" „Das sollt Ihr gleich erfahren. Ihr begreift jetzt, daß hier etwas geschehen muß, und zwar ohne mein Zuthun, was um so leichter durchzuführen ist, als man glaubt, ich sei verreist. Gelingt es mir nicht, diese Duellgeschichte zu Hintertreiben, so riskire ich, daß mich der Kerl über den Haufen schießt wie einen tollen Hund, denn nach den Regeln des Zweikampfes muß ich ihm den ersten Schuß überlassen. Auch Euch kann es nicht gleichgültig sein, ob mir das Lebenslicht ausgeblasen wird, denn mit dem Euch zugedachten Antheil wäre es dann natürlich nichts, so wenig wie mit der Heirath." „Weshalb zögerst Du auch bis in's Unendliche!" rief lauter, als es wohl seine Absicht war, der rothe Heinrich, und es lag in dem Tone der unverhohlene Ausdruck des Vorwurfs. „Ich würde an Deiner Stelle längst vorgegangen sein, denn wozu diese Zurückhaltung führt, siehst Du jetzt." „Davon versteht Ihr gerade so viel wie der Esel vom Tanzen, behaltet Eure Weisheit also hübsch für Euch", versetzte der Fuchs unwillig „Glaubt Ihr denn nicht, daß ich ganz triftige Gründe habe, de» geeigneten Moment abzuwarten, daß jede Voreiligkeit die ganze Sache verderben würde? Dem Menschen aber, der mir so unvermuthet in den Weg getreten ist, mußte ich imponiren, ihm energisch entgegentreten und das konnte nur in der unter Cava- iieren üblichen Weise geschehen." Die Gefährten am Tische ließen ein unterdrücktes Lachen hören. 52 „Unter Eavalieren — ganz recht I" meinte der Dritte. „Du hast Dich in der That nicht übel hineingefunden!" Wieder schoß aus den tiefliegenden, dunklen Augen des Mannes einer jener giftigen Blicke hervor, die seine inneren Gedanken zu verrathen schienen; aber die Anwesenden kümmerten sich wenig darum, sondern lachten bei der letzten Bemerkung in der ungenirtesten Weise weiter. Der Fuchs aber war klug genug, nicht merken zu lassen, daß er sich darüber ärgere. „Ihr wißt", sagte der Fuchs, „wie es steht, und aus welchen Gründen ich gezwungen bin, nunmehr baldigst ans Ziel zu gelangen, das mich von allen Unannehmlichkeiten mit Einem Schlage befreien soll; habe ich erst das nöthige Geld und ein wenig Fürsprache, zu welcher mir der künftige Schwiegerpapa verhelfen muß, so hat es keine Noth mehr. Ich muß also um jeden Preis das Rencontre mit dem Legationssekretär von Sohr vermeiden." Er schaute sich um und bemerkte, daß ein Mann am nächsten Tische dem Gespräche lauschte, obgleich er ein Zeitungsblatt in der Hand hielt und an- scheinend in die Seetüre desselben vertieft war. Aber gerade in dem Momente, als der Fuchs sich umwandle, begegnete er dem Blick des Fremden, der forschend auf ihm ruhte. Jener hatte dieses Gesicht noch nie im Lömenkeller gesehen, es beunruhigte ihn daher, daß der Mann sich so nahe herangesetzt hatte, daß er hören mußte, was hier gesprochen war. Besorgt schaute er daher auf den rothen Heinrich, indem er zugleich mit einer kaum bemerkbaren Handbewegung auf den Fremden deutete. „He, Nachbar, unfer Freund hier hat Euch im Verdacht ein Spitzel zu sein", rief der Rothe dem am nächsten Tische Sitzenden zu, „und es kann doch keinen ehrlicheren Kerl geben, als Euch! Sei also ohne Sorge, Fuchs, der Mann ist gut eingcsührt und versteht sein Fach in einer Weise, daß wir Alle von ihm lernen könnten." Der also Gelobte lachte geschmeichelt, nickte dem Sprecher zu und las anscheinend weiter. „Mir ist hier die Luft zu drückend, ich vermag kaum Athem zu schöpfen", sagte der Fuchs; ein heftiger Hustenanfall bestätigte die Wahrheit seiner Worte. „Die Nacht ist schön, wer begleitet mich?" „Dann brechen wir Alle auf, Arbeit gießt es doch nicht heute Abend!" entschied der rothe Heinrich, sein Glas leerend; „Du aber bist uns noch die näheren Mittheilungen über Deine Absichten mit dem Herrn von Sohr schuldig." „Das läßt sich auch unterwegs besprechen", meinte Fuchs, einen mißtrauischen Blick auf den Lefenden werfend. Dann hängte er den Ueberrock über die Schultern, stülpte den Hut auf den Kopf und schritt den Uebrigen voran nach der Ausgangs- thür; die drei Anderen folgten ihm, hier und da einem Bekannten gute Nacht wünschend, einem Redaktion; A, Schehva. — UM und Verlaß der Anderen die Hand reichend und den anwesenden Frauenspersonen Kußhändchen zuwerfend, ein Brauch, der hier, im Löwenkeller, Sitte zu sein schien, denn die Weiber gaben diese Aufmerksamkeit sofort in gleicher Weise zurück. „Mir gefällt der Mann nicht, sein Blick hat etwas Lauerndes", sagte der Fuchs, als sie auf der Straße angelangt waren. „Du bist allzu mißtrauisch,^ der Quetscher ist ungefährlich" versetzte der Aeltere, „und außerdem von dem alten Stößer eingeführt. Du kennst den Stößer?" „Eine brave Haut, auf den man sich verlassen kann", warf der Rothe für Fuchs ein, diesem mit der Antwort zuvorkommend, „hat viel durchgemacht, kennt alle großen Gefängnisse der Monarchie, würde sich aber ohne Besinnen lieber in Stücke reißen lassen, ehe er einen von uns verriethe. Der hätte den Quetscher nicht mitgebracht, wenn er nicht wüßte, daß Häuser auf ihn zu bauen wären." „Ist Quetscher sein wirklicher Name?" fragte Jener. „So wenig wie Fuchs der Deine und rother Heinrich der meine", lachte er. „Du weißt, daß cs von großem Werthe für alle Theile ist, wenn die im Löwenkeller Verkehrenden sich nur beim Spitznamen kennen, das hat schon manchen armen Teufel aus den Händen der Justiz befreit. Stößer brachte den Neuling unter dem Spitznamen Maulwurf mit, da wir aber aus Erfahrung wissen, daß es besser ist, wenn bei einem Kneipenwechsel der bisherige Name nicht beibehalten wird, nannten wir ihn Quetscher, da er regelmäßig der Letzte ist, welcher das Local verläßt." Die Erklärung schien den Anderen zu befriedigen, denn er brachte seinen Plan zur Sprache, aber so vorsichtig und leise, daß seine Freunde Mühe hatten, seinen Worten zu folgen. (Fortsetzung folgt). -Letzter Aase. Nach der Melodie: „Die letzte Rose." (Gegen Schluß der Hasenjagd in ausgeschundenen Revieren zu singen). Letzter Hase, ach wie einsam, In der schneebedeckten Flur. Nur 10 Jäger folgen schweigsam, Deinem Wechsel, Deiner Spur. Machst Du auch oft Wiedergänge, Absprung hin und Absprung her. Täuschest wohl der Hunde Menge, Aber nicht das Jägerheer. Letzter Hase, Du mußt sterben, Tückisch kesseln sie Dich ein. Ach der Schnee war Dein Verderben Triumphirend zieh'» sie heim. Leer und wüst ist das Gefilde Oed' und traurig die Natur, Und in diesem Jammerbilde Nicht mehr eine Hasenspur! (D. Jäger-Ztg.) B, B rnhl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Wcheu,