Hießener Jamilienblätter Dellettistifches JüdLatt zum Gießener Anjüger- ArH" "^Samstä-s den 29."2Kai""" —- ............... ■itimiii ir1 Are Jaffchmünzer. Criminal-Roman von Gustav Lössel. (Schluß.) Der Kommissar blickte betroffen auf. In Etwold's Antlitz war Etwas, das ihn erschreckte. Dennoch bewahrte er seine ernste Ruhe. „Darf ich um Ihre sämmtlichen Schlüssel bitten", sagte er, „wenigstens nm diejenigen, welche zn irgend welchen verschlossenen Räumen gehören, zum Beispiel zu den Kellern — zu diesen ganz be- sonders." Er fügte rasch diese letzten Worte an, als er sah, daß der Kommerzienrath bei dem Worte „Keller" lebhaft erschrack. „Ich habe die Schlüssel nicht", erwiderte er. „Ich habe sie verloren oder verlegt. Der Keller ist übrigens seit Jahren außer Gebrauch. Niemand konnte da hinein; ich wüßte also nicht, was Sie da suchen wollen, wie überhaupt in meinem Hause." „Lassen Sie uns nur gewähren", sagte der Kommissar, „um so schneller werden Sie uns los. Dies war Herrn Duprat's letzter Aufenthalt, und hier müssen wir vor allen Dingen nach möglichen Hinweisen auf sein unzeitiges Ende suchen. Bringen Sie also, bitte, die Schlüssel zur Stelle und, wenn es sein kann, auch die Kellerschlüssel, da ich den Keller sonst erbrechen lassen müßte. Ich gehe hinunter, um noch ein paar befreundete Herren zu holen, die mir bei der Haussuchung, die ich Ihnen leider nicht ersparen kann, behilflich sein werden." Der Kommerzienrath nickte verständnißinnig. „Gehen Sie vorne hinunter — ich werde Ihnen den Weg zeigen", sagte er. „Lassen Sie die Thür nur angelehnt und kommen Sie dann direkt nach meinem Privatkabinet." Indem sie nun zusammen durch den Wintergarten nach der Haupttreppe gingen, erklärte Etwold seinem ernsten Begleiter, wie er zu gehen habe, um nach seinem Privatkabinet zu kommen. „Gleich daneben liegt Duprat's Zimmer", sagte er, ,und da können wir den Anfang machen." Der Kommissar ging hinab und Etwold nach seinem Kabinet. Als Jener noch vor der Thür stand und seinen Freunden winkte, hörte er aus dem Hause einen Schuß fallen. Von einer bösen Ahnung erfüllt, eilte er mit mehreren Dienern zugleich nach dem Kabinet. Sie fanden den Kommerzienrath entseelt auf dem Teppich liegen. Ein Schuß durch die Schläfe hatte seinem Leben ein Ende gemacht. „Hier besteht ein Zusammenhang", raunte der Kommissar seinen Begleitern zu, „er wußte offenbar von Duprat's Ende." Man durchsuchte nun das ganze Haus, fand aber Nichts, das auf eines der beiden Verbrechen, des Mordes und des Selbstmordes, hingewiesen hätte. Endlich stieg man zu den Kellern hinab und erbrach diese. Hier fand man denn das Fäßchen Dynamit als einziges Beutestück. Die Zelle, welche vordem Forster und Eduard innegehabt hatten, war leer, ohne daß eine Spur ihres Entkommens zu erspähen gewesen wäre. Das Geheimniß verdichtete sich. Dieses Dynamit deutete wieder auf den lange gewitterten Anarchistenbund ; dennoch traute Niemand dem Kommerzienrath, der früher den Anarchisten Matthies verjagt hatte, staatsfeindliche Umtriebe zu. Einstweilen blieb Alles in der Schwebe und man fürchtete schon, gar keine Erklärung zu erhalten. Die Nachricht von dem Selbstmord des Kommer- zienraths verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Straßen der Stadt, und der Telegraph meldete denselben bis tief in's Land hinein. Nicht lange mehr, und man hatte mehr Zeugen, als man sie zu finden gehofft hätte, nämlich Niston, der sich jetzt freiwillig dem Gericht stellte, Klara, Eduard und den alten Forster — alle meldeten sich zum Zeugniß. Was diese sagen konnten, wissen wir bereits, mit Ausnahme, daß Klara von Anfang an wußte, wer der Mörder des jungen Forster gewesen, nämlich Duprat, und daß sie das gezwungen verschwieg, da Duprat ihr sagte, daß die Anschuldigungen Martin Forster's wahr seien und Letzterer habe sterben müssen, um ihren Vater zu retten; sie hatte das Verbrechen durch ihr Schweigen aber nicht gefördert, da sie erst nach vollbrachter That Kenntniß von demselben erlangte. Riston sagte Alles, was von seinen traurigen Verhältnissen zu sagen war, auch — was Duprat ihm noch vertraut hatte —, daß er als Viton eine elegante Wohnung in der Promenadenstraße innegehabt und wo er dort die Kostüme des Ermordeten und sein eigenes versteckt hatte. Man fand diese, und wurden dieselben von Neubert sofort als aus dem Flußfund im „Fuchsbau" stammend wiedererkannt. Es war ein Herrenpolenkostüm, das ! Duprat am Ballabend getragen; da er aber einen ■ sehr zierlichen kleinen Fuß Halle, mit dem er stets 250 kokettirte, paßten auch die getragenen Stiefeletten genau in die seinerzeit zu Papier gebrachten Fußspuren an der Mordstätte. Damit war denn die Unschuld des rothen Matthies an dem Verbrechen konstatirt, der nun nur noch wegen seiner anarchistischen Umtriebe -verfolgt werden konnte. Der war aber schon längst nach England geflüchtet, wo seine früher erwähnte Schuldgenossin ihn erwartete. Eduard und Forster waren — von Jonas befreit worden, dessen Schleicherei und Falschheit damit endlich einmal etwas Gutes zu Tage gefördert hatte. Er hattS in jener Nacht die ganzen Vorgänge bei dem Zimmer des »Kommerzienraths belauscht, Eduard dann mit den erbeuteten Schlüsseln nach dem Keller schleichen gesehen. Duprat folgte ihm, und er wäre nicht minder gern in den Keller gehuscht, wenn er nicht hätte fürchten müssen, von Duprat gesehen zu werden. Des Letzteren nachträgliches auffälliges Betragen hatte ihn in der Ver- muthung bestärkt, daß jener den jungen Etwold im Keller ermordete oder einsperrte. Er öffnete in der darauf folgenden Nacht mit einem Nachschlüssel die Kelleithüren und befreite die Gefangenen, die sich dann nach dem Landgut flüchteten, wo sie trotz Klara's Anwesenheit bis zur Stunde verborgen blieben. Des alten Forsters merkwürdiger Bericht bestätigte, was Riston von der ihm geraubten Erbschaft seines Vaters sagte. Demnach hatte ein alter Diener des Letzteren, der um die Erbschleicherei wußte, Etwold zufällig gesehen und wiedererkannt. Er hatte seinen ehemaligen Herrn zur Rede gestellt und Namens des geschädigten jüngeren Bruders Herausgabe von dessen Antheil verlangt. Denn der Diener wußte ebensowohl, daß der jüngere Wellnau damals im Elendsviertel von London hauste. Etwold hatte ihn dann unter dem »Vorwande, ihm das Geld für seinen Bruder geben zu wollen, in den Keller gelockt und ihn erschlagen. Forster aber, der — nichts Gutes ahnend — jenem gefolgt war, war noch gerade dazu gekommen, wie der Kommerzienrath den Erschlagenen verscharrte. Vor einem zweiten Morde zurückbebend, hatte er den Zeugen seines Verbrechens in die Zelle geschlossen, um ihn mundtodt zu machen/ da kein Versprechen ihn bestimmen konnte zu schweigen. * * * Der Nachklang unserer stürmisch bewegten Erzählung ist ein sehr friedlicher. Das Testament Etwold's bestimmte Klara zu seiner Universalerbin, und ein Kodizill sprach sogar die Enterbung Eduard's aus. Klara gab ihrem Bruder trotzdem seinen vollen Antheil, und Beide nahmen sich in der liebevollsten Weise ihres Oheims und seiner unglücklichen Gattin an, indem sie für diese sorgten, und es Riston — Wellnau freistellten, nach verbüßter Strafhaft für die Falschmünzerei seine ihm nicht verkürzte Erbschaft aus ihren Händen zurückzunchmen oder bei ihnen zu leben, von ihrer Liebe gehegt und zu einem besseren Dasein zurückgeführt. Riston zog das Letzterr vor, da während seiner Gefangenschaft auch seine Gattin gestorben und er selbst schon ein gebrochener Greis war. Die Wandlung mit Klara -in ihren Gesinnungen gegen Soltmann, welche Ida bemerkt zu haben glaubte, bestätigte sich; denn sie und der arme Assessor wurden über Jahr und Tag ein Paar. Und ebenso heirathete Eduard seine Hedwig, die Nachtwächters- Tochter, wie er denn auch seinem Freunde Ebers zu dem Vermögen verhalf, welches dem strebsamen jungen Schriftsteller ermöglichte, ganz seiner Muse zu leben und nicht nur sich einen geachteten Namen als Romanschriftsteller zu verschaffen, sondern auch die Tochter des Sanitätsraths, Klara's intimste Freundin, zum Altar zu führen. Jonas, gebessert, verblieb im Dienste Eduard's. Er legte seine schleichenden Manieren ab und befleißigte sich in Bezug auf Lauscherei einer zunehmenden Taubheit. Auch der arme alte Leuchtmann wurde von Eduard aufgesucht und für seine frühere Verdrängung aus dem Geschäft entschädigt. Im Uebrigen verkauften die Geschwister Ates und zogen sich nach einer benachbarten kleinen Stadt zurück, wo sie fortan ganz ihrem Glücke lebten, das ihnen erst aus so schweren Kämpfen und Sorgen hatte erblühen sollen. Der Kausgarten, wie er sein soll. (Schluß). Die andere Eigenthümlichkeit der Natur, welche uns in dem Bestreben, immer Reichthum an schönen Blumen zu haben, entgegensteht, ist diese, daß mit Ausnahme einiger wenigen dankbaren, die meisten Blumen, eine kurze Zeit, etwa drei Wochen lang blühen und zwar in Perioden. Vor und nach jeder Periode hat man eine Zeit des Stillstandes, in welcher es oft Mühe genug kostet, ein Körbchen mit Blumen zu füllen — selbstverständlich gilt dies nur vom Hausgarten, in welchem man mit beschränkten Räumlichkeiten und kargen Mitteln rechnen muß. Man kann ungefähr vier bis fünf Perioden annehmen: Die erste zu Ende des Winters, wo allein die Schneeglöckchen und etwas später noch die Märzblümchen auftreten. Die zweite Periode charakterisirt sich Mitte des Frühlings durch die Tulpen, einen Monat später ist die Blüthezeit der Syringen und Goldregen, dann stellt sich die vierte Periode ein, Anfangs des Sommers die Rosenzeit und in der letzten Periode endlich, welche sehr lang ist und bis in den Spätherbst hineindauert, dominiren die Herbstblumen Georginen, Astern u. s. w. Dieser unserem Zwecke widerstrebenden Eigenheit der Natur muß man nun dadurch begegnen, daß man theils die Aussaat oder Auspflanzung derjenigen Blumen, die sich hierzu eignen, mehrere Male nach einander vornimmt, theils die sogenannten Remontanten, d. h. die mehrmals blühenden, wie Nelken 251 und Rosen, mit berücksichtigt, dann aber auch die Kultur derjenigen nicht verschmäht, welche die Zwischenräume aussüllen, d. h. also, welche zu jenen Zeiten blühen, in denen die eigentlichen Prachtgattungen schon geblüht haben oder in welchen die letzteren noch nicht blühen. Hat man Raum für eine ziemliche Verschiedenheit von blühenden Gesträuchen wie von Stauden, so helfen auch diese sehr gut aus; namentlich folgen sich die ersteren, wenn man deren viele hat, in ununterbrochener Reihe, von dem frühesten Ribetz (blühende Johannisbeeren) bis in die Rosenzeit hinein. Rach Johannis haben wir nur noch wenig Blumen, im Spätherbst aber erscheinen sie wieder und bleiben bei uns bis in den Winter hinein, wenn alle anderen schon den Platz geräumt haben. Der echte Blumenliebhaber schenkt bei seiner Auswahl den wohlriechenden Blumen einen besonderen Vorzug. Sie sind im Hausgarten noch wichtiger und gewähren in demselben mehr Vergnügen, al» in dem landwirthschaftlichen Garten, weil man sie dort immer in unmittelbarer Nähe hat. Und wie viel süßer duftet das Blumenkörbchen auf dem Tische, wenn man es nur mit solchen wohlriechenden Kindern Floras gefüllt hat. Man muß also auch hinsichtlich der Wohlgerüche sich darauf legen, immer die betreffenden Blumen zu haben. Mannigfaltigkeit ist hier indeffen weniger nothwendig, es genügt, wenn das Bouquet auch nur eine Art enthält, nur daß man möglichst selten ganz ohne diese Pflanzen ist. Noch über die Auswahl der Blumen ein paar Winke. Der erste ist dieser, daß man auf den Gebrauch Acht gebe, den man von seinen Blumen zu machen pflegt. Hält man nämlich darauf, nur sein Wohn- oder Arbeitszimmer beständig mit einem Körbchen oder einer Vase voll Blumen geschmückt zu haben, oder auch darauf, diesen und jenen Freund, der selbst kein Gärtchen besitzt, öfter mit Blumen zu beschenken, so kann dieses nicht ohne Einfluß auf die Wahl der zu pflegenden Blumengattungen sein. Denn mehrere eignen sich vorzüglich zu diesem Gebrauche, worunter glücklicher Weise einige allgemein beliebte Blumen, andere wiederum gar nicht, obwobl sie sich sonst im Garten sehr schön ausnehmen. Wo der Raum knapp, muß man auch dieser Richtung Opfer bringen. Der andere Wink ist: Man wechsele jährlich mit einigen Blumen ab, was schon an und für sich den Genuß vermehrt, um desto mehr noch bei dem in den neuesten Zeiten so sehr zugenommenen und noch immer anwachsenden Reichthume der Kunstflora. Neben den Lieblingrblumen, denen man das Bürgerrecht verliehen hat, halte man sich einige Wander, bursche, denen man sozusagen nur auf eine Nacht, will sitzen, auf eine Saison, Herberge giebt. Man verschreibe sich zu diesem Zweck alljährlich solche auf’s Neue aus einer Samenhandlung. Ob viele oder wenige, immer behandele man sie solitair als Stauden und bei den Stauden, es sei denn, daß man vorher mit Gewißheit weiß, daß sie sich für Gruppen vorzüglich eignen und als solche des Platzes werth sind. Durch diese Abwechslung bleibt man einigermaßen auf der Höhe der Gärtnerei und wird nach und nach bekannt mit dem unendlich reichen Schatze der Natur. Kennt und liebt man doch eine Pflanze nicht recht, bevor man sie nicht wenigstens ein Mal selbst gezogen hat. Und wünscht man von diesem Genüsse noch einen Nachgeschmack zu haben, so lege man sich von dieser kurzen Bekanntschaft ein Album an, trockene ein paar Exemplare, oder auch nur einige wohlgewachsene Blüthen und Blätter auf die bekannte Weise ein und mache sich davon ein kleines Herbarium eigener Pflege. Noch ein paar Worte über die zu wählenden Sträucher' für den Hausgarten. Es giebt deren sehr viele und sehr schöne, aber an dieser Stelle seien nur zwei Sträucher namhaft gemacht, die im bürgerlichen Hausgarten viel weniger verbreitet sind, als sie es ihrer Schönheit und Vortresflichkeit wegen verdienten. Der eine davon ist eine Art Hagedorn, mit dem Beinamen: alleinduftende oder morgenländische (Crataegus orientalis s. odoratissima), übrigens nicht südlicher als aus der Krim her- stammend und unseren Winter sehr wohl vertragend. Der Strauch besitzt den angenehmen süßen Geruch, der mehreren Arten dieses Geschlechts eigen ist, in sehr hohem Grade und mit einer eigenen Lieblichkeit, und ist ebenso, wie der andere Strauch, al» Korboder Vasenblume zu benutzen. Der Wuchs vom Crataegus orientalis ist niedriger als derjenige anderer Sträucher. Der zweite Strauch ist der längst bekannte aus Nord-Carolina stammende Gewürzstrauch (Calycanthus floridus). Der eigen» thümliche, säuerliche, von den anderen Blumengerüchen abweichende Duft — der mehr den Früchten ähnelt, namentlich demjenigen der feinsten Reinetten — welchen die unansehnlichen, braunen und sich zum Bouquetbinden nicht besonders eignenden Blumen von Calycanthus floridus aushauchen, ist außerordentlich stark. Er reicht — besonder» wenn der Strauch von der Sonne beschienen wird — hin, um einen ganzen kleineren Garten zu parfürniren. Der Wuchs des Strauches läßt den letzteren überall anwendbar erscheinen und sollte derselbe in keinem Garten fehlen. Es kommt schließlich noch die Einfriedigung des Hausgartens in Betracht. Sie besteht meist aus Plankwerk oder lebendigen Zäunen. Beide sind unschön wegen des starken Hervortretens der steifen, gartenwidrigen geraden Linie in der Richtung sowohl wie in der Begrenzung. Die Plankenzäune sind kostspielig in Anlage sowohl als in Unterhaltung und häßlich, wenn sie alt und verfallen sind. Wo man gezwungen ist, zu ihnen seine Zuflucht zu nehmen, haben sie blos diesen praktischen Vortheil vor anderen Einfriedigungen, daß man sie mit Spalierobst besetzen kann. Was die lebenden Hecken anbelangt, so läßt man am besten die Scheere ganz weg und pflanzt solche blühende Sträucher, die gs« rade empor und nur zu einer mittelmäßigen Höhe 252 wachsen, mehrere Arten Spiräa, sowie wilder Jasmin eignen sich zn diesen! Zwecke sehr gut. Wer Ausdauer und Geschicklichkeit besitzt, sich aus der japanischen Dornbeere (Pyrus jäpanica) einen guten Zaun zu bilden, wird sich reichlich belohnt finden. Sie blüht, was bei anderen Pflanzen selten der Fall ist, auch unter dem Wasser, insofern sie vorsichtig und schonend behandelt wird. Und da gewährt sie gerade in jener ersten noch sehr blumenarmen Lenzperiode, in welcher fast noch kein Gesträuch blüht, kurz vor den Frühtulpen einen ganz köstlichen Anblick mit ihren prächtigen, scharlachrothen, goldgeherzten Blumen- Neuerdings ist eine Einfriedigung mehr in Aufnahme gekommen, die unter geeigneten Umständen den Vorzug vor allen anderen verdient. Es sind dies die leichten Gitterwerke aus galvanisirtem Eisen, entweder aus dünnen Stäben oder geflochtenem starken Draht bestehend. Freilich setzt diese Art der Einfriedigung voraus, daß man mit dem Gartennachbar auf friedlichem und freundschaftlichem Wege verkehre und ist das Gitter einmal da, und wünscht man seine Erhaltung, nun, so muß man auch das freundnachbarliche Verhältniß aufrecht erhalten und demselben nöthigenfalls etwas zum Opfer bringen. Wenn der Hausgarten auch noch dieses thun könnte, uns zu veranlassen, freundlich mit dem Nächsten zu verkehren, da hätte er neben dem sinnlich-ästhetischen noch einen höheren sittlichen Werth als Factor des Lebensglückes. Nun, warum nicht! Ist er es doch so schon mit oder ohne Gitter! Erfindungen, Neuerungen, Ver- befierungen. Siemens' Guß-Glas. Friedrich Siemens in Dresden übt seit einiger Zeit ein Verfahren aus, Glas ebenso zu gießen, wie es mit Metallen geschieht, dem Glase also ohne Dazwischentreten der Bläser gleich die gewünschte Form zu geben. Das Gußglas soll alle Eigenschaften des gleichfalls von Fr. Siemens erfundenen Preßhartglases besitzen, das heißt, etwa so hart und widerstandsfähig sein als Diamant und achtmal mehr aushalten, als gewöhnliches Glas. Das Verfahren weicht insofern von dem Metall, Gießverfahren ab, als die nicht aus Sand, sondern aus pulverisirtem Porzellan bestehende Form erhitzt und gleich darauf abgekühlt wird. Anscheinend handelt es sich hier also in der Hauptsache um eine verbesierte Methode der Herstellung von Preßhartglas. Dieses wird bekanntlich dadurch gewonnen, daß man glühend gemachte Masse gewöhnlichen Glases in eine aus Metallplatten bestehende Presse bringt und dadurch zugleich plötzlich abkühlt, also in letzterer Beziehung wie beim Härten von Stahl verfährt. Der Grad der dadurch erzielten Härtung hängt von dem Wärmeleitungsvermögen der Metallplatten der Presse ab. Bestehen dieselben aus Kupfer, d. h. "aus einem guten Wärmeleiter, so erfolgt die Abkühlung rascher und es wird das Glas härter; verwendet man aber z. B. Eisen, so entsteht das sog. halbgehärtete Glas, welche« indessen immerhin dreimal härter ist als gewöhnliches. Preßhartglas und Gußglas verdienen schon deshalb Beachtung, weil diese Produkte mit der Zeit nicht blos das gewöhnliche Glas verdrängen, sondern auch Eisen und Stahl eine empfindliche Konkurrenz bereiten können. Es steht Gußglas schon jetzt, obwohl die fabrikmäßige Herstellung kaum begonnen hat, nicht höher im Preise als Gußeisen, und man darf erwarten, daß die Preise noch weiter herabgehen werden. Daß aber Glas, sobald es eine gleiche Festigkeit besitzt wie Eisen oder Stahl, vor letzterem in vielen Fällen den Vorzug verdient, steht außer Frage. Unschätzbar ist namentlich der Umstand, daß es gegen atmosphärische Einwirkungen unempfindlich ist, also nicht rostet; es erscheint demnach die Annahme nicht ausgeschlossen, daß es dereinst, wenn nicht die Bahnschienen, so doch wenigstens die hölzernen oder metallenen Vahnschwellen ersetzen werde. Der Erfinder saßt aber daneben Spiegel- und Fensterglas, Bau-Ornamente, Fliesen, Flaschen, selbst Werkzeuge, sowie überhaupt zahl- geiche Gegenstände ins Auge, zu deren Herstellnng man Glas, dessen Zerbrechlichkeit wegen, nicht verwenden durste, obwohl sich dieses Material zu den betreffenden Zwecken vorzüglich eignet. Literarisches. „Industrie-Blätter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritte in Gewerbe, Haushalt und Gesundheitspflege. Herausgegeben von Dr. E. Jacobsen (R. Gaertner's Verlag, Berlin SW., Schönebergerstraße 26). Preis vierteljährlich 3 X — Inhalt von Nr. 20, 1886: Die Patina der modernen Broncedenkmäler. (Schluß.) Ueber das Vergiften schädlicher Jnsecten. — Pergamentpapier. — Selbstdichtende Hähne „System Klein". — Resorcingriin. — Mikrophotographie bei Fälschungen. — Platingefäße. — Einfache Probe für die Qualität von Leder. — Wasserdichtes Papier. — Ueber die Löslichkeit von Gummi elasticum in Aether. — Die Conservirung der Hefe. — Zur Prüfung von Olivenöl. — Deutsche Reich-Patente. — Färben von Messing. — Pasteur-Chamberland'sche Wasserfllter. — Bacterioskopische Untersuchung des Wassers. Sternschnuppen von F. W. Hackländer. Jllustrirt von Emil Klein. (Preis 1 Mk. Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart.) Wie Bergluft und frischer, thauiger Morgenhauch liegt's über der Erzählung, in der uns Hackländer zu nichts Geringerem als zum Passionsspiel von Oberammergau führt und an seinen ihm so lieben Starnbergersee und wo er zwei eigenartige Menschen sich begegnen — sich grüßen — sich sehen — sich lieben läßt, aber ganz anders mit ihnen verfährt, als es der Brauch — es war ja nur eine Sternschnuppe! Kaum irgendwo lernt man neben dem kecken, übersprudelnden Humoristen den Dichter und Landschaftsmaler in Hackländer so kennen wie hier. Und frisch und fröhlich ist auch der Illustrator — ein junger, begabter Künstler — ans Werk gegangen und hat in reizenden, liebenswürdigen Bildchen die Geschichte nacherzählt mit so viel Lust und Liebe — letzteres namentlich in der anmuthigen Gestalt der Heldin — daß wir ihm beinahe die Echtheit von Gott Amor's heißen Thränen glauben, die der kleine Schelm auf der Schlußvignette so rührend vergießt — weil es eben nur eine Sternschnuppe war! Redaction; B. Scheyda. — Druck und Verlag der Bruhl'schen Druckerei (Fr, Ehr. Pietsch) in Gießen.