Hießener Jamilienblälter Keüetrißifches Veidlatt pim Gießener ArrMer. 1111 ■ II .11. ■ i MUr- rm- ~mirr——"MimTIIHI Illi« I I I 'JirTU«W~*~rr~~TrT*^5HnP»"«»"'HIJlllll 11 <»^■-1 ’ r* ** cf-r.na-. - .-i. ■ i nrimwr ir-rnnr-. Ux. 140 Samstag den 27. November. 18865 Bis zur letzten Klippe. Original-Roman von E. Heinrichs. (Fortsetzung). „Caramba!" rief der Jäger, erstaunt zurück- ] prallend und setzte in spanischer Sprache hinzu: „Ich . hielt Euch, da Ihr meiner just nicht sanften Walkerei j Trotz geboten, für einen tobten Mann!" Der Fremde schaute ihn in dem Waldesdunkel noch immer träumerisch an, bis er sich nach und nach zu besinnen schien. „Ich wurde von dem Unwetter überrascht", sagte • er leise, „der Indianer verließ mich mitten in der Wildniß. — Ich verirrte mich — Hunger und Durst machten mich halb wahnsinnig, dann kam das Gewitter und nun freute ich mich, als der Regen herabpraffelte, daß ich vor meinem Tode den Durst noch einmal löschen durfte." „Wie lange seid Ihr im Urwalde?" „Ich weiß es nicht, die Sonne ist, glaube ich, dreimal auf» und niedergegangen — " „Armer Kerl!" murmelte der Jäger, ihm seine Flasche reichend, „da, Mann! — trinkt nur herzhaft, der Wein ist gut, er wird Euch auf die Beine : bringen." Der Fremde trank gierig und gab die Flasche mit einem dankbaren Blick seinem Retter zurück. „Trinkt aus bis auf den letzten Tropfen", wehrte jener ab, „wir haben einen tüchtigen Marsch bis zu meiner Hütte. — So, nun versucht's aufzustehen." Der Fremde erhob sich mit jugendlicher Kraft und streckte dem Jäger beide Hände mit überströmendem Dankesgefühl entgegen. „Ich schulde Euch mein Leben —" „Pah, soviel dafür!" lachte der Jäger kurz auf, „hättet ohne meinen Hund, der Euch aufgestöbert, schwerlich das Tageslicht wieder geschaut. Ihr seht, was das Thier vor der hohen Intelligenz und Gelehrsamkeit des Menschen voraus hat." Der Fremde blickte ihn betroffen an. Es war ein Mann in der Mitte der Dreißig, — eine schlanke elastische Gestalt, ein blonder Germane mit blauen ehrlichen Augen und schönen, thatkrästigen Zügen, mit einem Wort, ein Mann, den man auf den ersten Blick liebgewinnen mußte. Er streichelte den Hund, der ihm, als ob er ein Verständniß für das Gebühren und die Gedanken seines Herrn hatte, freundschaftlich die Hand leckte und dann mit einem gewaltigen Sprunge die Führerschaft übernahm, während der Gerettete mit seltsamen Gefühlen dem voranschreitenden Jäger folgte. Auf dem ganzen Wege wurde kein Wort weiter gesprochen und als sie endlich das liebliche Thal und die Hütte des Einsiedlers erreichten, sprach dieser kurz: „Tretet ein, ich begrüße Euch als Gast!" Das Innere der Hütte ließ an spartanischer Einfachheit nichts zu wünschen übrig; eine harte getrocknete Rindshaut diente als Teppich, einige Schaffelle als Lagerstätte; auf dem primitiven Herd glimmte das Feuer, die kostbaren Funken unter der schützenden Asche. In Ledernsten, Schläuchen und Strohgeflecht waren die Lebensmittel geborgen, in Kalabaffen das frischgeschöpfte Waffer, mit Pisang- blättern sorgsam bedeckt. Unter der Dachfirste hingen an einem Holzhaken der gesalzene Speck, etliche Flaschen mit Palmenöl, sowie die Jagdbeute. — Ein rohes Brett auf einem in den Boden gerammtem Pfahl bildete den Tisch, während zwei kleine Bänke ohne Lehnen in derselben Weise hergerichtet waren. Ohne eine Silbe weiter an seinen Gast zu richten, braute der Jäger rasch und geschickt einen guten Kaffee. „Trinkt!" befahl er dann ebenso kurz, „und legt Euch dort auf mein Lager. Ihr müßt schlafen, — ich will dafür sorgen, daß Ihr nicht gestört werdet." Als der Fremde etwas erwidern wollte, sprach Jener sich der Thür zuwendend: „Spart Eure Worte und thut, wie ich gesagt!" Dann schritt er hinaus, ohne sich weiter nach seinem Gast umzuschauen. Dieser blickte sinnend nach der Thür und trank dann mit sichtlichem Behagen den belebenden braunen Trank, worauf er sich auf die Schaffelle hinstreckte und nach wenigen Minuten in tiefem Schlaf lag. 2. Capitel. Der Gast des Einsiedlers schlief ununterbrochen ! zwölf Stunden lang. Der Tag neigte sich bereits, ; als er erwachte und sich wie neugeboren von dem : Lager erhob, worauf er erst eine Weile nachdenken i mußte, um seine augenblickliche Situation zu be- i greifen und der kürzlich ausgesiandenen Leiden sich wieder zu erinnern. In diesem Augenblick glitt ein Schatten an dem offenen Fenster vorüber und sein Wirth stand auf der Schwelle. „Gut geschlafen?" fragte derselbe in seiner kurzen Weise, wobei sein finsterblickendes Auge i prüfend die Gestalt seines Gasies streifte. sBs t setzte Pfeife für tu »3 fest ar Hambi mein: land - „doch Zehn stoßen ein P „3 barg i Ihren die R „Ja, wer wiÜ es ihr verbieten?" lachte der Gast, „es giebt keinen Winkel auf unserem Planeten, den wir absolut für uns allein behaupten können. Man beschäftigt sich sehr viel mit dem Einsiedler im Urwald und umwebt sein Haupt mit phantastischen Sagen und einem geheimnißvollen Zauber, dem ich nicht zu widerstehen vermochte. Ich miethete mir einen Indianer als Führer, welcher schon am ersten Tage mich heimlich verließ und dem schrecklichsten Schicksal mich preisgab; drei Tags und drei Nächte irrte ich umher, bis das furchtbare Unwetter mich packte und den vollständig erschöpften Körper darniederwarf. — Mußte ich nicht an eine göttliche Fügung glauben, welche gerade Euch, den ich suchte, mir sandte, um mich zu retten?" „Glaubt, was Ihr wollt", murrte der Jäger finster, „meine Meinung ist die, daß Ihr für Eure Neugierde und Euren sträflichen Fürwitz Euer Schicksal vollauf verdient habet und daß ich es bedaure, Euch gerettet zu haben. Ihr seid ein Mensch mit allen abscheulichen Schwächen des ganzen Geschlechtes behaftet und verdientet, wie ein giftiges Reptil von mir hinausgeschleudert zu werden." „Als ich von Euch hörte", sprach der Gast nach einer Weile, ihm ruhig in'S zornsprühsnde Auge blickend, „da sagte ich mir, daß die Welt Euch grausam mitgespielt haben müsse, — und weil auch ich eine derartige Melodie zu singen weiß, so zog es mich wie mit unsichtbaren Fäden zu dem Einsiedler, der mit den Thieren des Urwaldes Freundschaft geschlossen und eine Scheidewand gezogen hat zwischen sich und der glattzüngigen Menschheit." , Eine Scheidewand, welche jeder neugierige Geselle zu durchbrechen vermag", bemerkte der Jäger, finster vor sich hinstarrend. „Pah!" fuhr er dann heftig auf, „wer durch eigene Schuld in's Verderben gerathen, oder der Zuchtruthe des Vaters zu früh entlaufen ist und mit seiner Freiheit nichts anzufangen weiß, wer sich, von der Roth gepackt, nun als Menschenfeind ausspielt und großprahlerisch in die Einsamkeit des Urwalds sich flüchten will, um die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Welt auf sich zu ziehen, der bleibe mir fern, mir, welcher die Menschheit aus Ueberzeugung haßt." . Obwohl ich es soweit noch nicht gebracht habe", versetzte der Gast, sich eine Cigarrette drehend, „weil mir hin und wieder noch einige gute Menschen begegnet sind, ich die Welt im Großen und Ganzen somit noch für kein Sodom und Gomorrha zu halten berechtigt bin —" „Weil Sie schwach genug sind, sich immer auf's Neue von jeder menschlichen Maske täuschen zu lassen", fiel der Jäger verächtlich ein. „So erlauben Sie mir doch, Ihnen meine Geschichte zu erzählen", fuhr der Andere gleichmüthig fort. „Wollen Sie mich anhören?" „Ich bin durchaus nicht neugierig, doch erzählen Sie immerhin. — Sie sind ein Deutscher?" „Freilich, woher können Sie das wissen?" „Ich habe meine sicheren Merkmale dafür", ver- „Wie ein Dachs", lachte der Gerettete, „befinde mich ganz ausgezeichnet wohl nach der höllischen Wanderung in diesem verbotenen Paradiese." „Na, diesmal habt Ihr ungestraft unter Palmen geruht", versetzte der Jäger mit einem Anflug von Humor. „Werdet aber einen Wolfshunger haben, — dem wir vor allen Dingen jetzt erst Rechnung tragen müssen. Stille jetzt!" setzte er rauh hinzu, „könnet nachher, wenn's Euch so sehr darnach verlangt,' Euer Herz ausschütten." Die Unterhaltung war in der spanischen Sprache geführt worden und hatte jetzt ihr vorläufiges Ende gefunden, da der unhöfliche Wirth sich eifrig an dem primitiven Herde zu schaffen machte. Es währte nicht lange, so stand ein Becher mit dampfendem Cacao vor dem Gaste als eine Art Vorspeise oder Suppe, welche ihm köstlich schmeckte und ihn zu einem begeisterten Lob veranlaßte, das dem schweigsamen Wirth sogar ein Lächeln ablockte. Es sah überhaupt eigenthünflich aus, den Urwald-Jäger am Herde mit der Zubereitung der Speisen so eifrig hantiren zu sehen. Ein bereits gerupftes Waldhuhn wurde kunstgerecht in Schmalz und Palmenöl gesotten, Reis an'L Feuer gestellt, ein Maiskuchen gebacken und diese Leckerbissen nach einer halben Stunde auf den mit frischen grünen Pisangblättern gedeckten Tisch placirt, wobei dem Gaste ganz besanders die zierliche Anordnung, welche dem Ganzen etwas Wohlthuendes verlieh, auffallen mußte; eine Flasche Wein, welche einer Lederkrste entnommen wurde, Trinkbecher aus Tomataschalen vollendeten die einladende Tafel und mit einer fast hoheitrvollen Handbewegung forderte der seltsame Wirth seinen Gast auf, sich, gütlich zu thun. Schweigend wurde das Mahl eingenommen, der ausgehungerte Fremdling griff tapfer zu und erzeigte der Urwaldtafel alle Ehre, bis er endlich mit einem tiefen Athemzuge erklärte, in seinem Leben nicht vortrefflicher gespeist zu haben. Der Jäger nickte zufrieden, füllte die Becher bis zum Rande mit dem feurigen californischen Rebensaft und sagte dann in ruhigem Tone: „Jetzt sprecht, wenn Ihr nicht anders könnt. Im Ueörigen dränge ich mich nicht in Eure Geheimnisse, weil mir die Welt gleichgiltig ist, die Menschen aber widerwärtig und verhaßt sind. Diese Nacht seid Ihr noch mein Gast, morgen werde ich Euch aus dem Urwald geleiten." „Nun, meinen Dank werdet Ihr doch nicht verschmähen", versetzte der Fremde ebenso ruhig, „ohne Eure Hilfe wäre ich umgekommcn, was am Ende kein besonderes Unglück gewesen, da um mich keine Seele auf dem weiten Erdenrund geweint haben würde. — Ihr werdet mir hoffentlich auch nicht zürnen, wenn ich Euch sage, daß ich Eurethalben in den Urwald gekommen bin." Der Jäger blickte ihn mißtrauisch an. „Meinetwegen? —• Das ist mir nicht lieb zu hören, — die Welt braucht sich um mich nicht zu kümmern." Gol! schlü gern! schas nichi Wir neig Wei er I schr frax bur hin! selis den rat! erti aus t schicht Zuhö Nacht H saure! mit e EM reich! hatte! Geld Weis und sich < ihn । sehr aus wohl Ksnr 88S setzte der Jäger, dichte Rauchwolken aus seiner Pfeife blasend, „können keine schlechtere Empfehlung für mich haben." „Ja, ich bin ein Deutscher", rief der Gast, ihn fest anblickend, „und stolz darauf, ein solcher zu sein. Hamburg, die schöne Elbestadt, ist meine Heimath, mein Name Felix Nodenburg." „Ein Menschenfeind und stolz auf sein Vaterland — auf seine Heimath", murmelte der Jäger; „doch was will ich", fuhr er lauter fort, „seit achtzehn Jahren ein verbannter Flüchtling, ein Ausgestoßener und noch mit jeder Faser meines Herzens ein Pole — " „Ah, ein verbannter Pole", rief Felix Rodenburg theilnehmend, „nun begreife ich Ihr Geschick." „Wirklich?" — Gut, lasten Sie etwas von Ihrem deutschen Geschick hören, damit ich weiß, ob die Rettung der Mühe werth gewesen." Felix, besten Schicksal wir bis zu seiner Flucht aus der Vaterstadt bereits kennen, erzählte die Geschichte seiner Jugend und entrollte dem schweigenden Zuhörer dann sein ferneres Lebensbild, ein dunkles Nachtbild voll Arbeit und Entbehrung. „Der Zufall führte mich endlich, als ich durch sauren Fleiß eine Summe mir erspart, in St. Louis mit einigen Goldgräbern zusammen", setzte er seine Erzählung fort, „es waren Deutsche, welche eine reichhaltige Miene in der Sierra Nevada entdeckt hatten und noch einige Gesellschafter mit hinreichenden GeldMitteln suchten, um jene Mine in rationeller Weise aurbeuten zu können. Ich schloß mich ihnen an und es gesellte sich noch ein Fremder hinzu, welcher sich Stephan Olinski nannte." „Wie? Stephan Olinski?" unterbrach der Jäger ihn auffahrend; „er gab sich für einen Polen aus?" „Ja", nickte Felix verwundert, „doch sprach er ein sehr gutes Deutsch, was uns glauben ließ, daß er aus den preußisch-polnischen Districten stammte, obwohl er ein Vollblut-Pole zu sein behauptete. Kennen Sie vielleicht einen Mann dieses Namens?" „Nein, — nur weiter, — er schloß sich den Goldgräbern an?" „Ja, obwohl er keine Mittel besaß und die schlichten Männer nur durch seine Raisonnements zu gewinnen und sich als technischer Leiter der Gesellschaft aufzuspielen verstand. Meine Einwände wurden nicht beachtet, meine geheimen Warnungen in den Wind geschlagen. Ich fühlte eine unbesiegbare Abneigung gegen Olinski und ließ es ihm unkluger Weise merken. Als er meinen Namen hörte, fuhr er buchstäblich zurück und starrte mich beinahe erschrocken an. Dann lachte er spöttisch aus und fragte, ob ich vielleicht mit dem Kaufmann Nodenburg in Hamburg, welcher eine junge, hübsche Wittwe hinterlassen habe, verwandt sei? — So erfuhr ich seltsamer Weise aus dem Munde dieses Menschen den Tod meines Vaters, sowie die Wiederverhei- rathung seiner Wittwe mit einem reich n, schwedischen Grafen; erfuhr weiter, daß Antonie in Schweden ertrunken und mein väterliches Vermögen in den Besitz jenes Grafen übergegangen fei. Ich hatie mir geschworen, nur als reicher Mann die Heimath wieder zu sehen, obwohl ich nach jenen Mittheilungen die größte Lust bekam, nach Deutschland zurückzu- kehren. So bezwang ich die Sehnsucht, um mir Gold zu erwerben und ging nach der Sierra Nevada, wo mein Schicksal eine ungeahnte Wendung nehmen ollte." „Gold! Gold!" murmelte der Jäger verächtlich, „wie kann ich die Menschen Haffen und doch ihre Götzen lieben? Bah, — Mann — jenes Frauenzimmer, das Euch verließ, um den Geldsack Eures Vaters zu heirathen, verdiente weder Liebe noch Haß. Ihr wäret ein unreifer Knabe, der in die Welt hinauslief, anstatt daheim zu bleiben und um sein Erbe zu kämpfen. Ha, ha, wie albern, den Haß zu begraben und nach Gold zu suchen. Ihr seid des Mitleids nicht einmal werth!" „Ihr urtheilt hart und ungerecht", versetzte Felix, sich gewaltsam bezwingend, „konnte ich daheim bleiben und sie, an welcher mein Herz mit jeder Faser hing, als meines Vaters Weib sehen, sie Mutter nennen und als solche achten und ehren? — Nein, das hätte nur ein Idiot oder ein Schurke fertig bringen können." (Fortsetzung folgt). Wer war der Water? Eine Erzählung aus Amerika. (Nachdruck verb»ten.) Es war an einem schönen Frühlingsmorgen, als Dr. Westen, einer der gewiegtesten Aerzte New-Dark'« eben von der ersten Reihe seiner Krankenbesuche zurück kam, um sich daheim in seinem Studienzimmer eine Reihe Notizen zu machen, als plötzlich die Thür ohne vorheriges Anklopfen hastig aufgeristen wurde und ein jüngerer College, Mister Blind, athemlo» hinein stürzte. Westen starrte erschrocken in die sichtlich im höchsten Grade aufgeregten Züge des jungen Mannes, der ihm mit stotternden Worten zurief: „Um des Himmels willen lieber Freund, denken Sie sich, mein Onkel Johnson ist heute Morgen tobt in seinem Bette gesunden worden und die ganze Nachbarschaft behauptet mit Entsetzen, er sei ermordet. Dr. Westen, der den Onkel seines Freundes persönlich kannte, fuhr auch seinerseits erschrocken auf und wollte den Ankömmling, der ihn so jäh überraschte, mit einer Menge Fragen bestürmen, doch dieser, sichtlich in größter Verstörtheit, faßte ihn am Arm und forderte ihn mit hastigen Worten auf schleunigst mit ihm die Unglücksstätte aufzusuchen und keinen Moment zu zögern. „Kommen Sie", kommen Sie", drängte er, unterwegs kann ich Ihnen ja das alles mittheilen, soweit ich es eben selbst weiß. Wenige Augenblicke nachher saßen beide College» in Westens 560 Wagen und jagten der Glätte des Verbrechens zu. Unterwegs erzählte Blind folgendes: „Als ich bei meinen Ausgängen heute früh den Broadway passtrte, traf ich gerade auf den Omnibus und stieg ein; nur zwei Passagiere saßen darin, die sich in lebhaftem Gespräche über ein Verbrechen unterhielten, welches, wie ich sofort heraushörte, in der Gegend begangen war, wo mein Onkel wohnte. Der eine erzählte ausführlich, was er von der dort versammelten Volks-- menge vernommen und alsbald nannte er zu meinem größten Schrecken auch den Namen meines Onkels. Zn größter Bestürzung besorgte ich nur noch ein dringendes Geschäft und eilte dann zu Ihnen, um Ihren Rath und Beistand zu erbitten. Dr. Westen t lrcite stumm in die verstörten Züge seines Begleiters und drückte demselben die Hand. Mr. Johnson war em lediger alter Herr von 66—68 Jahren gewesen, er galt als sehr reich und hatte nur noch einen einzigen Verwandten, eben den jungen Dr. Blind, welcher früh verwaist war, und den er halb aus Mitleid adoptirt hatte; auch als Arzt hatte der Neffe noch längere Zeit bei ihm gewohnt, endlich aber sich in einer Pension einlogirt, weil er mit manchen Eigenthümlichkeiten des Onkels sich nicht mehr recht befreunden konnte. Als die Beiden sich dem Hause näherten, war dort eine Menge Menschen versammelt und mehrere Beamten bemühten sich, den Ankömmlingen Eingang zu verschaffen. Diese eilten sofort in das Schlafzimmer der Dr. Johnson, welches links vom Hausflur am Hofe lag, während sich auf der Straße zu auf der gleichen Seite das Bibliothekzimmer befand. Die eigentlichen Wohnzimmer des Verstorbenen lagen auf der rechten Seite des Flurs. In dem düsteren in der That wie von einem Schauer des Verbrechens durchwehten Schlafzimmer war außer einigen Nachbarn nur ein eilig gerufener Arzt, Mr. Edwards, anwesend, welcher, wie er mit- theilte, den Richter bereits benachrichtigt habe. Auf den Zügen Blind's prägte sich deutlich Helles Entsetzen aus, als er sich in dem dunkeln Raume umblickte, der ihm von früher her so wohl bekannt fein mußte und er bebte zusammen, als ihm sein College die verzerrten Züge und das unterlaufene Antlitz des auf dem Bette Liegenden zeigte. Der Arzt, der bereits einige Zeit an dem Orte anwesend war, hatte schon eine Reihe Beobachtungen festgestellt und besonders war ihm aufgefallen, daß der Todte offenbar mit bloßen Händen erdroffelt worden fein mußte, wovon die Spuren noch deutlich erkennbar waren. Gerade das Unheimliche der That ergriff auch Dr. Westen, der sich scheu umblickte, als müffe die Spur des Thäters noch irgendwo zu finden fein, während Blind wie ein Trunkener schwankend von dem Bette zurück auf einen Stuhl taumelte und tief seufzte. — „Ich muß gestehen, ich kann aus dem Fall nicht klug werden", sagte Dr. Edwards; „soviel ich mich umgesehen habe, kann ich mir gar nicht einmal erklären, rote der Thäker hier herein hat kommen xönnen; ich habe auch schon gefragt, welche Leute Nachts im Hause sind; es sind nur das Stubenmädchen und die Köchin I Das Mädchen erzählte mir auch ziemlich zusammenhängend, was es bemerkt hat. Mr. Johnson ging jeden Abend um 11 Uhr zu Bette und so auch gestern. Gegen Uhr heute früh klopfte das Mädchen wie immer, aber der sonst leicht schlafende alte Herr gab auffallender Weise heute keine Antwort, die sonst nie ausblüb. Das Mädchen rüttelte an der Thür, lauter und lauter, es blieb alles still, ihr wurde bange, denn sie hatte bei Mr. Johnson schon öfter einen Schlaganfall befürchtet und gemeinsam mit der Köchin und einem jungen Burschen brach sie denn endlich die Thür auf. Es mag wohl ein furchtbares Entsetzen gewesen sein als sie eintraten, denn die Scenerie hier hat wahrlich nichts Angenehmes. Dennoch dachten sie alle nicht an ein Verbrechen, sondern wie gesagt an einen Schlaganfall, als sie sahen, daß Mr. Johnson tobt war, und ich selbst erkannte die Situation erst, als ich die Fingerspitzen am Halse bemerkte; ich habe ja solche Fälle schon mehr erlebt, aber absolut räthselhaft ist mir, wo der Thäter geblieben ist. Sehen Sie dort die Thüre, durch die Sie und auch ich hereingekommen sind. Sie sehen noch jetzt, daß sie hier oben und unten verriegelt war, die Füllungen sind erst von den Mädchen beim Eindringen losgebrochen worden, so daß also die Thür fest verschlossen gewesen sein muß; dort kann der Thäter also nicht hinausgekommen sein. Dort die andere Thür führt in die Bibliothek nach der Straße zu; sie war von dieser Seite verschlossen, wenn auch nicht geriegelt und übrigens konnte dort unmöglich Jemand durch, denn auf der anderen Seite ist ein schwerer Bücherschrank in die Füllung eingepaßt und sogar mit Schrauben befestigt. (Fortsetzung folgt) Literarisches. „Industrie-Blätter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritte in Gewerbe, Haushalt und Gesundheitspflege. Herausgegeben von Dr. E. Jacobsen (R. Gaertner's Verlag, Berlin SW., Schönebergcrstraße 26). Preis vierteljährlich 3