1886. Donnerstag den 25. März. Nr. 36. BMeMWcheZ Beidlstt |um Gießener KnMgm Die Jaffchmünzer. Crnmnsl-Roman von Gustav Lössel. (Fortsetzung). „Das heißt", zischte er, „wegen Nennung, des angeblichen Mörders; denn wenn Du, wie Du sagst, Martin Forster nicht auf die Straße folgtest, und nicht sähest, wie er zu seinem Ende kam und durch wen, kannst Du auch nicht mit Bestimmtheit sagen, daß Der und Jener der Mörder gewesen." „Allerdings", entgegnete Klara. „Aber ich hoffe doch, daß mein Verdacht mich nicht trügt. Denn wenn dieser Brief des alten Forster in unrechte Hände gefallen wäre — es wäre entsetzlich!" Der Kommerzienrath athmete tief und schwer. An diese Möglichkeit hatte er noch gar nicht gedacht. Der, Mörder harte dem jungen Forster Alles genommen, also auch seine Papiere; und da Klara den Brief mit eigenen Augen gesehen hatte, war kein Zweifel darüber, daß er sich zur Zeit der Ermordung im Besitz Forsters befunden hatte. Die Angst trieb ihn aber, ein solches Zugeständniß nicht zu machen. „Es wird wohl mit dem Briefe wie mit der Verdächtigung des Herrn sein", sagte er spöttisch. „Weshalb sonst ließ er ihn Dich nicht sehen?" „Und weshalb lassest Du mich den Keller nicht sehen, da doch darin nichts Verdächtiges verborgen ist?" - Der Kommerzienrath fand keine Antwort auf diese eigenthümliche Gegenfrage, oder vielleicht hielt er es wirklich unter seiner Würde, seiner Tochter den Willen zu thun. „Ich habe Dir darauf Nichts zu^erwidern", sagte er. „Du weißt nun, wie die Sachen hier liegen und wirst hoffentlich meiner Aussage, nicht widersprechen, wenn ich dem Kommissar oder seinem Vertreter, Herrn Soltmann versichere, daß Du den Ermordeten nie gekannt." „Was bleibt mir weiter", sagte Klara mit einem Seufzer. „Ich muß schweigen. Mein Verhängniß will es so; und ich habe wahrhaftig keinen Grund, den Baun zu brechen, unter dem ich stehe." Der Kommerzienrath maß sie mit einem eigen» thümlichen Blick. „Du stehst unter einem Bann?" fragte er zweifelnd. /.Ja." „Und — Dein Befinden?" Sie blickte rasch und verwundert auf. „Ich verstehe", sagte sie voll Bitterkeit. „Aber fürchte Nichts für meinen Verstand. Wollte Gott, es wären nur Visionen, die mich beunruhigen; aber leider, leider —" Sie brach ab kurz und griff wankend nach einer Stuhllene. Der Kommerzienrath sprang hinzu und gerade noch recht, um die Sinkende aufzufangen. Klara hatte sich zu viel zugetraut oder sich zu weit fort- reißen lassen. Die Sinne schwanden ihr, ihre Kräfte verließen sie. Zu spät erkannte ihr Vater, daß er der kaum Beruhigten diese neuen heftigen Gemüthßbewegungen nicht hätte verursachen sollen. Er ließ sie auf ein Kanapee gleiten und setzte den Zimmertelegraphen in Bewegung, um Hülfe herbeizurufen. , Indem er sich dann von dem Telegraphen wieder fortwandte, fiel sein Blick auf eine Portiöre, welche eine innere Thür verdeckte; an derselben glaubte er in diesem Moment eine verdächtige Bewegung wahrzunehmen. Er sprang mit einem dumpfen Wuthschrei auf die Thür zu, die Portiere zurückrcißend. „Lauschte da Jemand?" fragte er in chas geöffnete Nebenzimmer hinein. Aber weder kam eine Antwort noch sah er Etwas, das auf die Gegenwart eines Menschen schließen ließ. „Ich werde mir doch die Medicm des Doktors verschreiben lassen müssen", murmelte er. „Meine Nerven sind überreizt. Ich höre Stimmen und sehe Gespenster. Es ist zu arg." Er beobachtete genau das Nahen der Dienerin, so daß er überzeugt war, sie sei die vermeintliche Lauscherin nicht gewesen. „Warum ist Niemand hier, Minna?" fragte er ärgerlich; „Komme herein, um meine Tochter zu besuchen, und finde sie in diesem Zustande. Sind Sie Ihres Dienstes überdrüssig, so bedarf es nur eines Wortes, um Sie desselben für immer zu entheben.". Das unglückliche Mädchen stammelte eine Entschuldigung. Das Fräulein habe sich sehr wohl gefühlt, sagte sie, und sie selbst weggeschickt, damit sie sich nach mehreren durchwachten Nächten mit einem kurzen Schlaf erquicken solle. „So, so", sagte der Kommerzienrath schon weniger unfreundlich, „und da haben Sie nun geschlafen? Ich meinte aber doch, Jemanden hier gesehen zu haben." Er deutete nach dem Nebenzimmer. „Waren Sie das nicht, oder haben Sie keine Ahnung, wer das gewesen sein könnte?" Das Mädchen verneinte. 142 „Der Herr Kommerzienrath müssen sich doch wohl getäuscht haben", sagte sie, „da es auf das strengste verboten ist, die Zimmer des Fräuleins zu betreten." „Bringen Sie meine Tochter sogleich zu Bett, Minna", brach er das Gespräch kurz ab. „Ich werde inzwischen nach dem Arzte senden." Er ging hinaus, überzeugt, daß ihn in Bezug auf den gefürchteten Belauscher nur eine Einbildung getäuscht habe, 8. Kapitel. Ein Kampf im Dunkeln. In der „Fuchsbau" genannten Penne des Vater Christoph begann es sich mit Anbruch der Dunkelheit unheimlich zu regen und lebendig zu werden. Aus Kammern, Nischen und Ofenecken hervor z krochen Diejenigen, deren unsauberes Gewerbe sie! zwang, die Nacht zum Tage zu machen, während ; andererseits Die in den „Fuchsbau" hinabstiegen, welche den Tag über, sich unredlich geplagt und nun Anspruch hatten auf die Ruhe oder Unruhe des beliebtesten Stelldichein der weltstädtischen Verbrecherwelt. Bafsermann'sche Gestalten, so weit man blickte! Und Alles bestrafte Menschen. Selbst Vater Christoph war ein alter Verbrecher, welcher sich in seiner gefängnißfreien Zeit genug zusammenge— stöhlen hatte, um nun als Pennvater auf seinen schwer verdienten Lorbeeren auszuruhen. Der „Fuchsbau" entsprach durchaus seiner volks- thümlichen Bezeichnung. Es war eine umfangreiche Höhle mit vielen Gängen und Kammern. Nur wenige klein brennende Gasflammen sorgten für eine spärliche Beleuchtung, welche noch beeinträchtigt wurde durch einen intensiven Qualm, der sich von den kurzen Pfeifen und schlechten Cigarren der Gäste Verbreitete, ohne irgendwo einen Abzug zu finden. Zu diesem verrufenen Lokale begaben sich jetzt in später Nachtstunde Duprat und sein Freund, der Baron. „Komm' nur, mein Freund", sagte Dryden ermunternd zu dem zögernden Duprat, in dessen Phantasie sich der „Fuchsbau" denn doch nicht ganz so elend und ekelerregend gemalt hatte. „Da Du bei mir bist, hast Du Nichts zu besorgen. Man kennt mich hier und keine Krähe hackt der anderen die Augen aus." „O, ich fürchte auch Nichts von diesen Menschen; ich bin kein Schurzenheld", sagte Duprat prahlerisch. „Aber wenn ein Geheimer mich hier sehen sollte —" „Ohne Sorgen! Die kommen selten mehr, seitdem sie wissen, daß sie hier verlorenes Spiel haben. Der Christoph ist ihnen zu schlau; und was das Beste, sie können ihm Nichts anhaben." Duprat schien trotz dieser Versicherungerl wenig beruhigt. Drpden führt? ihn durch mehrere höhlenartige Gewölbe, welche sämmtlich mit Menschen überfüll waren, nach dem Platz, wo Riston beim Glase Schnaps saß. Dies war in einem jener kleineren Räume, welche nur durch eine einzige Gasflamme erhellt wurden und deren der „Fuchsbau" eine beschränkte Anzahl zur Verfügung hatte. Es waren nur wenige Männer darin, und diese nahmen von den Eintretenden reine Notiz. Unter ihnen befand sich auch ein Kahnfahrer, welcher schon stark angetrunken war. Riston saß in der hintersten Ecke des Zimmers; in der anderen Ecke lag ein schwarzes Bündel, welches dem Schiffer zu gehören schien und das Duprat's Aufmerksamkeit nicht weiter erregte. Er dachte nur noch an Riston, auf den sich seine Blicke jetzt forschend richteten. Dieser war em Mann in vorgeschrittenen Jahren, mit einem verwilderten Aussehen und einer entsprechenden Unstätheit in seinem Blick und ganzen Wesen. Sein unrasirtes Gesicht war mit ungleichmäßig vertheilten Bartstoppeln bewachsen. Markante Züge, tiefe Falten und ein gelber Teint vollenden das wenig einnehmende Antlitz. Duprat wurde ihm von Dryden als ein gewisser Steiner vorgestellt, der in Amerika, wo Riston gewesen sein wollte, einen verschollenen Bruder hatte, über den er von Jenem Etwas zu erfahren hoffte; er selbst gab sich als reicher Mann. Das Beste und Theuerste, was Küche und Keller des Vater Christoph hergaben, mußte heran. Riston schwelgte in einem Genuß, welchen er sehr, sehr lange entbehrt hatte. Er freute der sich gebildeten Gesellschaft, der reichbesetzten Tafel, der feurigen Weine und guten Cigarren, welche Duprat aus seinem eigenen Vorrath ihm darbot, kurz, des ganzen vergnügten Beisammenseins. Seine eingesunkenen Augen leuchteten noch ein- - mal auf, wie ein halb erloschenes Feuer, wenn ein plötzlicher Windstoß es trifft; in seine pergament- gelben Wangen kam etwas Farbe, und seine übliche Wortkargheit war einer regen Gesprächigkeit gewichen. Die Art und Weise, wie er aß und trank, verrieih bessere Gewohnheiten, als er sie letzthin pflegte. Auch seine Ausdrucksweise war eine solche, daß man sofort den Eindruck eines gebildeten Menschen empfing. Sicher konnte nur eine unglückliche Verkettung von Umständen Riston zu Dem gemacht haben, was er war; kein innerer Drang zum Bösen und Gemeinen, wie er die meisten der hier verkehrenden Menschen beseelte. - Es war die günstigste Stimmung und Stunde, um den Münzfälscher zum Erzählen seiner eigenen Lebensgeschichte zu bringen und Duprat war entschlossen, sich diese einzige Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Er wollte keine Wiederbegegnung mit Riston und hier nicht mehr zurückkehren. Jener sollte ihn hiernach noch einmal ganz und gar vergessen, damit er später seine Hände nicht merkte, j wenn es ihn zu vernichten galt. 143 „Ich bebaute unendlich", sagte Riston jetzt mit schwerer Zunge, „Ihnen von Ihrem unglücklichen verschollenen Bruder gar nichts mittheilerr zu können. Ich habe den Namen Steiner niemals nennen hören, trotzdem ich in der Welt recht weit umhergekommen, bin." „Will ich schon glauben", entgegnete Duprat mit einem eigenthllmlichen Blick auf den Baron: „Wohl möglich, daß mein Bruder drüben seinen Namen wechsele. Dennoch würde es mir gewiffer- inaßen eine Erleichterung sein, wenn ich nur etwas Genaueres über das Land erfahren könnte, welches meinem unvergeßlichen Bruder Raum zum eigenen Herde ober zum Grabe gewährte." (Fortsetzung folgt.) Amerikanische Aerzte. In meinem Heimathsdorfe am gesegneten Schwarzwalde war es beim besten Willen nicht mehr gegangen; ich war doch sicherlich nicht gerade der Dümmste im Dorfe gewesen und für meine noch bessere Ausbildung hatte mein Onkel, der Schulmeister, Mittel und Wege gefunden, so daß ich sogar ein ansehnliches Quantum Lateinisch mein eigen nannte. Bei meinen specicllen Landsleuten stand ich deshalb auch in großem Nespcckt und doch verfolgte mich ein hartnäckiges Pech; über mehrere bescheidene Hilfsquellen bei Kaufleuten und Advokaten in den Nachbarstädten kam ich nicht hinaus, und darum faßte mich nach und nach ein wüthender Ingrimm gegen diese nichtswürdige Ordnung im Staate, die kein Talent mehr auskommen ließ. Ich weiß nicht, wie es kam, aber es dauerte nicht lange, so kannte ich auch eine Anzahl Schicksalsgenossen in der Stadt, denen es gerade ging wie mir und die sich allabendlich im Hinterstübchen beim Hirschemvirth versammelten. Dort tauschten wir unser Leid aus, und an dem dicken Wirth, der im Jahre 1848 unter Friedrich Hecker republikanischer Gouverneur des Städtchens gewesen war, hatten wir ein leuchtendes Vorbild eines Mannes der doch wenigstens versucht hatte, den Mächtigen dieser Welt an den Kragen zu gehen. Obwohl selbst ein biederer Hausbesitzer, hatte sich der Wirth nach und nach zu einem großen Socialdemokraten herangebildet und an seiner Hand schwärmten wir nun für Freiheit und Gleichheit und für die „gesunden" Verhältnisse in Amerika. Dorthin war auch des Wirthes eigener Neffe, der Brauergehilse Johann Dietrich, gegangen und hatte auch Niemand seither wieder etwas von ihm vernommen, so stand doch unverbrüchlich fest, daß derselbe „drüben" ein großer Mann geworden sei. Mit der Zeit siel aber unsere Tischrunde der Polizei auf und eines schönen Tages erhielt ich von derselben das schriftliche Ersuchen, mich bei deren Chef einzusinden. Dies schlug dem Faß den Boden ein, und statt nach dem Amtslocale reifte ich mit Hinterlassung fulminanter Straßenplakate Knall und Fall nach dem gelobten Lande der Freiheit ab. — Einen Monat später schlenderte ich durcy bie Straßen von Boston, trübselig an bie letzten 4 Dollars in meiner Tasche benfenb, als Mfallig mein Auge auf ein großes vergoldetes Schild fier, mit den Worten: „Johann Dietrich, Arzt, Wundar^ und Geburtshelfer". — „Dietrich", murmelte ich für mich, ist mir ja ein ganz bekannter Name, so hieß ja auch der junge Bierbrauer aus Gengenbach, des Hirschenwirthen Neffe", und nachdenklich suchte ich mir die Züge des mir noch erinnerlichen Portmts aus der Wirthschastsstube zurückzurufen. Im gleichen Augenblick sah ich zu meiner großen Ueberraschung auch das leibhaftige Original jenes Conterfeis an einem Fenster im Erdgeschoffe stehen, etwas alter allerdings, aber doch auf den ersten Augenblick erkenntlich. Fröhlichen Muthes eilte ich ins Haus, um beu Landsmann zu begrüßen und in der Thai naqm mich derselbe auch mit Vergnügen auf. Bald waren wir im heitersten Gespräch über die Heimaih und deren Bewohner, über den Onkel Hirschennnrth, und die Insassen des Hinterstübchens, wo ich zuerst von meinem Gastgeber vernommen hatte. Mehrmals wurde das Gespräch durch das Erscheinen von Patienten unterbrochen und endlich wagte ich denn auch die Anspielung, wie denn eigentlich mein vis ä vis zu dieser Praxis gekommen sei. Mit gedämpfter Stimme, hastig meinen Arm erfaßend, sich scheu nach der Nebenthür umblickend, entgegnete Dr. Dietricy: „Schweigen Sie um Gotteswillen hiervon, wenn das meine Frau erführe, ging sie mit lammt ihrem Vermögen auf und davon zu ihren Eltern. Kern Mensch weiß hier etwas von meiner Vergangenheit und das ist auch nicht nöthig; meine Papiere habe ich mir mühsam errungen und ich würbe sie sicherlich sofort wie-ber los, wenn man erführe, daß ich früher Halt ärztlichen Mixturen das edle Braunbier gemischt habe!" „Seien Sie ganz ruhig", versicherte ich meinen Landsmann, „ich sage gewiß nichts und warum sollte ich auch? Aber ich möchte in der Thai wohl wisien, wie ich es anfangen soll, hier oder anderswo eilte ähnliche Saniere zu beginnen, denn nöthig habe ich es, weiß Gott! und dabei zeigte ich ihm mit verständlichen Geberden mein flüssiges Gefammtkapital, das ich mit einem einzigen Griff in die Tasche umfaßt hatte. „Lächelnd erwiderte er darauf: „Nun ja, kann mir's denken, brauchen aber, wenn Sie's richtig einleiten, keine Sorge zu haben. Nur müssen Sie nicht glauben, in Amerka stehe nur die wirkliche Arbeit und der eigene Schweiß in Ehren; Gott bewahre; sehen Sie nur die Inhaber unserer Staatsposten an; es sind fast lauter Leute, die es verstanden, irgend ein Aufsehen zu erregen und dadurch emporkamen, weil man merkte, daß sie smart genug waren, für eine Parthei gute Werk-- U4 zeuge abzugeben. So ging es auch mir. Erst wollte ich ehrlich als Bierbrauer Arbeit suchen und trieb mich im Innern herum, klapperte alle Zunftgenossen an und fand nichts; nur auf einem Posten sollte ich fortwährend Quassiaholz mahlen und den Hausknecht spielen. Da packte ich mir denn eines schönen Abends — jetzt sind es schon mehrere Jahre — eine Portion Quassia, einige Flaschen Ricinusöl und ein Bündel Lakritzstangen ehi und verschwand. Zwei Tage nachher kam ich nach Chicago, kaufte mir zuerst einen eleganten Anzug, miethete mit bodenloser Kühnheit ein hochfeines Parterre im vornehmsten Viertel, wo die ärgsten Schlemmer beisammen wohnten und hing ein prächtiges Schild aus, mit der Bezeichnung als deutscher Arzt unb Wundarzt." (Schluß folgt.) ßnkhüih der Große und die Hatzen. i. Es ging der Große Friedrich, Einst sehr verstimmt und ärgerlich Im Garten zu der Mittagszeit; Da plötzlich sah er Spatzen fliegen, Zu seinen Füßen Kirschen liegen, Zerfressen und unihergestreut. 2. „Wer hat euch, Spatzen, das geheißen, Daß ihr die Kirschen sollt abreiß-n?" Sprach da der König zornentbrannt. „Das soll nicht ungerochen bleiben, Ich will euch aus dem Garten treiben, Vor meinen Augen seid verbannt." 3. Und eiligst hat er ausgeschrieben: „Wer wünscht im Schießen sich zu üben, Der schieße mir die Spatzen tobt. Sechs Pfenn'ge werd' ich jedem geben Für eines kleinen Spatzen Leben." So hieß des Königs streng Gebot. 4. Da sah man alle Bürger schießen, Das Blut der armen Spatzen fließen, Aas Lust und schnödem Geldgewinn. Als keiner nun mehr war zu finden Und man's dem König that verkünden, Sprach er vergnügt in seinem Sinn: 5. „Wenn mein Gebot ist ausgerichtet, Und alle Spatzen find vernichtet, Die großen Schaden uns gebracht, Wird's nächste Jahr uns doppelt geben. So wird belohnt der Menschen Streben, Für Nützliches, was er erdacht." Redaktion: A- Scheyda. — Druck und Verlag der 6. Als nun der nächste Frühling kam Und von der Erd' den Schnee wegnahm, Da würd' im Garten alles grün, Die Gräser fingen an zu sprießen, Die Bäche rieselnd an zu fließen, Die Kirschenbüume an zu blühn. 7. Da freuete sich Friederichs Und dachte oftmals so bei sich, Wenn er die schönen Blüthen sah: „Nun wird's der Kirschen viele geben, Denn sieh! es ist kein Spatz am Leben Durch die der Schaden uns geschah." 8. Doch kaum war kurze Zeit verstrichen, Da war die Freude ihm verblichen. Und lag entblättert in dem Staub; Denn alle schönen Bäume waren Zerfressen von der Raupen Schaaren Und alles würd' der Würmer Raub. - 9. Da sah der große König ein, Daß Spatzen niüßten nützlich sein, Und sprach das königliche Wort: „Niemand soll'einen Spatzen schießen Wer meine Gnade null genießen, Im Walde oder hier am Ort." Schwerin. Dr. M. Schulz. Literarisches. „Industrie-Blatter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritts in Gewerbe, Haushalt und Gesundheitspflege. Herausgegeben von Dr. E. Jacobsen (R. Gaertner's Verlag, Berlin SW., Schönebergerstraße 26). Preis vierteljährlich 3 M. — Inhalt von Nr. 11, 1886: Unsere Schrift. — Versuch einer qualitativen Analyse der im Handel vorkommenden Farbstoffe. (Fortsetzung und Schluß.) — Coco. — Räuch ern der Petroleumlampen. — Das Quecksilber gegen die Reblaus. — Ueber Feuerlöschmittel. — Mittel zur Kälteerzeugung. — Cosmetica gegen Sonnenbrand, Somniersprossen u. dgl. — Der Einfluß der Massage auf den Stickstosswechsel und die Assimilation der Stickstoffbestandtheile der Nahrung. — Schwarzer Ueberzug für Eisen. — .Bleivergiftung. — Ueber den Einfluß von Phosphaten auf Währung. — Deutsche Reichs-Patente. —- Farbenrecepte zur Nachahmung von Maserirungen feiner Hölzer. — Uebertrag- barkeit der Schwindsucht auf Geflügel. — Hautcreme aus Lanolin. — Sicherheitslampe. — Buchdruckerschwärze. 'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.