Hichener Jamiüenblälier. AeüeMstzfcher DMM Mm Meßmer KrrMrr- ■' ■' ■»»■»'!tv*»iii»'ii"Triirf-mrTWTK,Tni«K»«ggMn^ariir" nahm Morgan's Freund jetzt das Wort, „da ich mich für Mr. Archv balv's Ebre verbürge. Ich würde eine regelrechte Bcxerei Vorschlägen, wenn Sie als Deutscher Ber- ständniß für diesen Sport hätten." „Beklage diesen Fehler durchaus nicht', lachte Reimann spöttisch. , .o All right!" nickte der Engländer, „boxen ist also" nichts, - schießen Sie ihn meinetwegen für den Schlag mausetodt, - aber Mann gegen Mann sind weder Hunde noch dumme Jungen. Werde noch heute zu Ihnen kommen, um das Nöth-ge zu 603 1 wenn ich nicht voraussetzen durfte, einen tsenneman vor mir zu sehen, so würde ich die ganze Sache, (Fortsetzung folgt.) „Bah, Herr v. Wülfing!" unterbrach Natalie ihn lachend, „wenn Ihre Landsleute allein dort anzutreffen wären! Arroganz und Uebermuth wuchern wie die Prlze überall, wohin das Geld sich dommirend pflanzt. Doch kommen Sie, ich mag heute in der Thal keine Menschen mehr sehen." M ^den. Die beiden Damen waren an diesem Tage mcht mehr ausgegangen, doch 'nahmen sie am nächsten Morgen ihr gewohntes Bad auf der Düne, prome- nirten am Strande mit Herrn v. Wülfing und Reimann, weil Madame Borner noch immer stark erkältet war und dinirten dann bei ihr zu Hause. Allerdings hatte Frau Hartung mit ihrem Anhang sich noch prononcirter und demonstrativer gegen । die Vervehmten benommen, während die englische \ Gesellschaft sie einfach ignorirt und Mylord Archibald j urplötzlich unsichtbar geworden war. Niemand hatte l eine Ahnung davon, daß er sich direct an den | Gouverneur gewandt und diesen von dem Vorfall । in Kermtniß gesetzt hatte, um nöthigenfalls seinen Rückzug zu decken, wenn dem Gegner ein Unglück zustoßen sollte. Daß er die Beleidigung des jungen Hamburgers mit einem Faustschlage erwidert, fand der Gouverneur in der Ordnung, wünschte aber das Duell vermieden zu sehen, was Mr. Archibald ihm durch eine rasche und heimliche Abreise zusagte, zu welchem Behufs er eine Art Freischein sich erbat und erhielt, um am zweiten Morgen mit dem Dampfer nach Bremer- Hafen abzusegeln. Als Herr v. Wülfing den Sohn Albion's, ter sich zum Cartellträger Mylord's angeboten und für die Ehre desselb n sich verbürgt hatte, aussuchte, um die nöthigen Verabredungen hinsichtlich des Duells mit ihm zu treffen, da der Engländer sich bei ihm nicht hatte blicken lassen, bemerkte derselbe trocken, daß der Gouverneur von der inzwischen ruchbar gewordenen Geschichte vernommen und nur eine regelrechte Boxerei gestatten wolle, zumal Mr. Archibald nach Darlegung der Sachlage sich durch den Schlag nur sür die erlittene Beleidigung revanchirt habe, ein Grund zu einem solchen blutigen Rencontre also nicht vorliege. Der alte Herr glaubte seinen Ohren nicht trauen zu dürfen und blickte den Engländer, der mit den Händen in den Taschen ihm gleichgiltig den Cigarren- dampf in's Gesicht blies, erstaunt an. Dann aber in Empörung ausbrechend, trat er einen Schritt zurück, seinen Spazierstock unwillkürlich fester -packend. „Herr!" sagte er mit seiner gewohnten Höflich. feit, welche den alten Edelmann niemals verließ, wenn ich nicht voraussetzen dürfte, einen Gentleman 9. Capitel. Das Gerücht von der abscheulichen Scene in der Kartoffel-Allee hatte sich durch die ganze Badegesellschaft verbreitet, obwohl die Unbetheiligten nichts Genaues darüber erfahren konnten, da die Hauptattentäter wohlweislich schwiegen und die Angegriffenen sich ebenfalls nicht bewogen fühlten, darüber Ei« Festdiner Karl Maria's do« Weber. Eine sehr heitere Episode aus des Meisters Lehr- und Wanderjahren erzählt Ernst Pasqus m der Touger'schen „Neuen Musik-Zeitung", die wir im Auszugs hier wiedergeben: Es war im Jahre 1810. Drer Schüler des berühmten Tongelehrten Abt Vogler weilten damals in Darmstadt: Gänsbacher aus Wien war der älteste und längste, Karl Maria von Weber und Jakob Meyerbeer, der jüngste der fröhlichen Gesellschaft. Weber wurde von seinen Freunden viel nut seiner Wirthin, der alten Janitzsch, die ihm in der klnnen Ochsengaffe für 12 Kreuzer auftischte, gestichelt. Da rief er eines Tages mit einer Entrüstung, die jedoch die fröhliche Laune schlecht verbarg, den Genossen zu: „Was — mein 12-Kreuzer-Dmer wollt Ihr schmähend verschmähen? das muß gerochen werden! Morgen geht's der Meyerbeerschen Composttron in Eß-Dur an den Kragen, wir spielen sie vom ersten bis zum letzten Bissen herunter, und liegt sie uns nicht zu schwer im Magen, dann se'.d Ihr übermorgen meine Gäste. Und eine Festtafel sollt Ihr haben, wie Ihr noch keine im Leben gesehen, noch wieder sehen werdet, mit einer noch viel köstlicheren Tafel- *UU?Qur selben Zeit hatte Großherzog Ludwig Lf der große Musikfreund und Kenner, selbst em W I tiger Musiker, der die Concerte im Restdenzschlosse dirigirte, die in Darmstadt weilende Schauspiel- und Operntruppe des Prinzipal Krebs auf die Hofkaffe als meiner nicht würdig, fallen lassen. Ich bm indeß auch mit meiner Ehre bei dieser abscheulichen Geschichte betheiligt, da ich der Begleiter, somit auch der Vertheidiger jener jungen Dame gewesen, welche allen guten Sitten zum Hohn das Opfer eines frechen Complots geworden. Ich sage Ihnen ein. fach, daß Herr Reimann und ich jenen Mr. Archl- f bald und Sie um 6 Uhr heute Nachmittag am ? Nordhorn erwarten oder Sie beide vor der ganzen | Gesellschaft züchtigen werden. Ich lege Ihnen ferner \ als Ehrenpflicht die strengste Verschwiegenheit hierüber auf und überlasse Ihnen die Wahl der Waffen. , Gut, gut, Sir!" lächelte der Englänoer höhnisch, „wir wählen die Faust, - wir boxen!" „Sie sind entweder ein Narr oder em Feigling! rief Herr v. Wülfing zornig. , „Bah, mit Greisen boxen wir mcht, Sir I — wir werden um 6 Uhr kommen, all nght ! — AVer den Feigling sollen Sie mir bezahlen, godäani'. — ich schieße Sie nieder wie einen Hasen, was liegt daran, old. Boy!“ 604 * ihren wundervollen leider ungenießbaren Gerichten, die int geeigneten Moment durch das 12-Kreuzer- Dmer der Mutter Jenitzsch ersetzt werden sollten, dem indessen heute eine ganz besondere Sorgfalt ge- wtdmet worden war. Unter den Klängen des Glockenspiels, das von dem nahen Schloßthurm er* törne, hielten die beiden Frstgenossen, deren Neu* grerde ganz bestimmt noch viel größer war, als ihr Appetrt, ihren Einzug in das Haus der kleinen Ocysengasse. Weber hieß die Freunde mit ernster Miene einzuireten. Doch der Anblick, der ihnen da geworden, bannte beide auf der Schwelle und nur ein „Ah" der freudigsten Überraschung vermochten sie auszustoßen. „Nun zu Tische und laßt's Euch schmecken" lud Weber die Genossen freundlich ein. , "Pappe, Pappe! wahrhaftige Noten-Makulatur mit Kleister!" schrie da plötzlich Gänsbacher mit eitlem Gemisch non, ärgerlicher Enttäuschung und grimmer Freude auf. Von der gebratenen Gans unwiderstehlich angezogen, hatte er sich dieser genähert, mit einem Messer wohl ihr Alter geprüft und hielt nun da» imitirte Geflügel hoch empor und drohend dem falschen Freunde entgegen. „Wahrhaftig - Pappe!" sagte jetzt auch Meyer* beer, der ebenfalls näher getreten war und die Früchte der Hesperiden-Gärten untersucht hatte. „O Du Schalk!' wandte er sich an Weber, dabei gar lustig lachend, „Eulsnspiegel selbst hätte es nicht besser fertig gebracht, uns und unfern üppigen Appetit so zum Besten zu haben und dafür zu strafen. Pappe, der Champagner — alles — alles nur Kleister und Pappe!" In diesem Augenblicke klopfte es ziemlich stark an der Thür der Stube. Die Drei schraken ordentlich zusammen und noch halte Weber nicht sein ,,Herein!" rufen können, als der Eingang sich schon öffnete und ein Hoflakai mit einem großen geschlossenen Korbe in das Zimmer trat. „Ich komme im Auftrag Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs, die dem Hofopernthcater entliehenen kaschirten Eßsachen wieder in Empfang zu nehmen", so sagte der Mann zu den Musikern, denen es be* reits recht unbehaglich zu Muths werden wollte. Zugleich öffnete er den Deckel des riesigen Korbes, um seinen Worten die That folgen zu lassen, doch fuhr er dabei auch in seiner wohlgesetzten und nunmehr auch merkwürdigen Rede also fort: „Dafür sendet Allerhöchst Derselbe Herrn von Weber ein Diner aus der Hosküche und läßt dazu dem Abu Hassan — so glaubte ich sagte der Großherzog — und dessen Tifchgenossen guten Appetit wünschen, ver* hoffend, daß es ihnen besser munden werde als die pappenen Gerichte des Pfersdorf." Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Berlsg der Brühl'schen Druckerei (Fr, Ehr. Pietsch) in Gießen. übernommen und Zugleich den Befehl gegeben, das langst außer Gebrauch gekommene fürstliche Opern- haus, inst 100 Jahre vorher errichtet, wieder in ®f™b U setzen. Der Buchbindermeister Pfersdorf, welcher Weber manchen hübschen Dedikations-Einband em emagirter Theaterfreund, war zum Requisiteur ernannt worden und arbeitete nun Tag und Nacht an der Herstellung von Fahnen, Rüstungen, Waffen und kaschirten Sachen, die für b Abstellungen nothwendig waren. Da standen zum Bühnengebrauch fix und fertig, in ^shen und naturgetreu bemalt, gar appetit- A, ausschauende gebratene Enten, Gänse und SntJTx e7 Mau seinem natürlichen ' ^^chMstM' sodann Fische aller J MJ^en unb Schalen mit Früchten und Back- werk. „Die müßt Ihr mir für eine Stunde leihen, Weber zu dem überrascht drein- ^chbmder-Rcquisiteur und begann dann, 9 n„?ak GKtmniß seines Scherzes einzuweihen. h. fc^nöo Großherzog, wenn der just während dieser Zett käme? Na, das Donnerwetter! — es' N unb Kragen gehen! entgegnete .S^6 nber- Doch Weber wußte solche wtchttge Grunde für das Nichtkommen des hohen 5,^!'gerade während dieser Stunde anzuführen £ lange, bis Pfersdorf sich endlich für Oe, rrunb seine Meisterwerke in Weber's Nnung schaffte. In der fröhllichstm Stimmung kehrte er in seine Werkstatt zurück, sich in Gedanken ?"nen, welche nun folgen mußten, ausmalend und gewiß auch lebhaft bedauernd, nicht £b°be. sem zu können. Doch Entsetzen! beim Ueberschreiten der Schwelle seines Heiligthums — Lwarals obein Blitz vor ihm eingeschlagen und ihn gelähmt hatte — sah er den Großherzog mitten m seinem Atelier stehen und staunend auf die leeren stellen der Regale schauen. Der Fürst verlangte ®Ubeo'ben ^bleib der kaschirten Eßgegm- stände. Eine Lüge würde die Lage nur verschlimmert haben, und so entschloß der arme Buchbinder sich S b^‘ allergnädigsten Herrn die reine dabei auf dessen allbekannte bauend. Der Großherzog machte zwar anfänglich ob dieses unerwarteten und seltsamen Benchts em fmsteres Gesicht, doch nach und nach JÄ? ?ine Mienen sich auf und endlich lachte er gerade so lustig, wie einige Stunden vorher Pfersdorf über das tolle Vorhaben Weber's gelacht hatte. „Ein ganz verfluchter Kerl, dieser kleine Weber", sagte er dabei, „hätte ihm vieles, doch einen solchen Husten Emfall nicht zugetraut. Doch - Dünner £ bet Teufel!" fuhr er plötzlich sehr ernst auf, I 'ift’Ä £ b°ch gleich in's Mittel legen, ^ststnddte drei tollen Musiker im Stande, mir meme kostbaren Requisiten anzubeißen und zu rui- nire^, Damit eilte der Großherzog hinaus. — Die Mittagsstunde war da. In der Wohnung Webers prangte die reichgeschmückte Festtafel mit