Kichener Jamiüenblätter. Belletristisches Beiblatt pim Gießener Anzeiger. Nr. 72. Dienstag den 22. Juni. ” —— 1886. Saal und Ernte. Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Hat er Ihnen das gesagt?" fragte der Landrath mit einer Hast, die den jungen Mann befremden mußte. „So ist's, mein Feldherr!" nickte der Buchhalter. „Sie werden ihm jenes Anstieren nun wohl nicht mehr so übet nehmen; Gott schuf ihn, also laßt ihn für einen Menschen gelten." Der Landrath lächelte; es schien fast, als sei ihm ein schwerer Druck von der Seele genommen. „Das ändert freilich die Sache", sagte er, „nichtsdestoweniger kann dieses Anstieren mir nur unangenehm sein; machen Sie den Herrn gelegentlich darauf aufmerksam. Wenn mein Vetter drüben Nachrichten über mich zu erhalten wünscht, so mag er sich an mich persönlich wenden; ich werde ihm die Antwort nicht schuldig bleiben." Damit entfernte er sich, ohne den halb spöttischen, halb schadenfrohen Blick zu bemerken, den der Buchhalter ihm nachsandte. Die Equipage stand noch vor dem Hause; Ackermann befahl dem Kutscher, heimzufahren; er selbst setzte zu Fuß seinen Weg fort, der ihn bald in den belebtesten Stadttheil führte. Hier trat er in den Laden eines Juweliers; auf der Schwelle schien er plötzlich wieder umkehren ; zu wollen, als er den großen, breitschulterigen Herrn < gewahrte, der vor dem Verkaufstisch stand. Es war zu spät, diesen Vorsatz auszuführen; der Herr hatte ihn bereits bemerkt. „Sieht man Dich auch einmal wieder?" fragte er in jovialem Tone. „Ich hatte Dich längst zur Jagd erwartet, aber Du kommst gar nicht mehr heraus, wir kennen unfern Landrath kaum noch." „Was soll ich im Winter draußen auf dem Gut, lieber Niesenthal?" antwortete der Landrath, während er den Händedruck des Freundes erwiderte und ihm einigermaßen verlegen in das runde, ge- röthete Antlitz schaute, das ein kurz geschorener blonder Vollbart umrahmte. „Die Jagd allein könnte mich für die Langeweile nicht entschädigen." „Na, es giebt auch im Winter genug zu thun!" „Ja, wenn man mit Kindern so reich gesegnet ist, wie Du, dann freilich." „Neun Stück!" lachte Riesenthal. „Meine Käthe weiß manchmal nicht, wo ihr der Kopf steht; .aber so groß die Arbeit ist, so groß ist auch die Freude." „Vielleicht urtheilst Du anders, wenn sie so alt geworden sind, daß sie flügge werden." „Möglich, daß Eins oder das Andere nicht einschlägt, wie ich es wünschen möchte", sagte Riesenthal achselzuckend, und das gutmüthige freundliche Lächeln umspielte dabei noch immer seine Lippen. „Das wollen wir dann abwarten; einstweilen mache ich mir noch keine Sorgen deshalb." Der Landrath hatte dem Juwelier einen bedeutungsvollen Blick zugeworfen, aber der Letztere schien ihn nicht zu verstehen. Er öffnete einen Schrank und holte ein elegantes Etui heraus, das er offen auf den Tisch stellte. „Ich will nur eine Kleinigkeit einkaufen", fuhr Riesenthal fort, indem er sich dem Verkaufstisch wieder zuwandte; „morgen hat meine Aelteste Geburtstag, dann muß es doch irgend Etwas sein, und meine Käthe meinte, ein Korallenkettchen oder ein goldenes Medaillon behielten auch für später ihren Werth." „So sehr brauchtest Du doch wahrlich nicht zu geizen", sagte der Landrath; aber es lag etwas Gezwungenes in dem scherzenden Ton, den er anschlug. „Der Name Ferdinand Niesenthal hat einen guten Klang, und die Einkünfte Deines großen Gutes —" „Na, na, wenn man neun lebende Kinder hat, dann muß man auch an die Zukunft denken — hilf Himmel, welcher Glanz, welche Pracht! Soll . dieser Schmuck vielleicht ein Lockvogel fein, mein ] Herr? Ich kann ihn nicht taufen, meine Mittel erlauben mir das nicht." Ackermann zog die Unterlippe zwischen die Zähne; der Juwelier lächelte geschmeichelt. „Dieser Schmuck ist bereits verkauft", sagte der Letztere; „der Herr Landrath hat ihn erworben." „Du?" erwiderte Riesenthal erstaunt, den Freund mit großen Augen anblickend. „Ja freilich, Du kannst es, Du Glücklicher!" Der Landrath hatte rasch sein Portefeuille aus der Tasche gezogen, er holte die Banknoten heraus und übergab sie dem Juwelier, der keine Ahnung davon zu haben schien, wie unangenehm ihm die Sache war. „Fünftausend Thaler", nickte der Juwelier, nachdem er die Scheine gezählt hatte; „wünschen Sie eine Quittung darüber?" Ackermann schüttelte ablehnend das Haupt und schloß das Etui, dann steckte er es in die Tasche seines Paletots. „Es wäre mir lieb gewesen, wenn Sie dieser Geschäft etwas diskreter behandelt hätten", sagte e< S86 abzulegen, und die Möglichkeit, daß ich mich finanziell ruiniren könnte, ist überhaupt ausgeschlossen. Ich gebiete über hinreichende Mittel, um mir diesen Luxus gestatten zu können, und eines Rathe« in solchen Dingen, mag er auch noch so wohlgemeint fern, bedarf ich nicht." „Wohlgemeint ist mein Rath", nickte Riesenthal; ^rch fürchte, Du wirst da» zu spät erkennen. Wenn Du nun keine Rücksichten auf Deine Frau nehmen willjt, so bedenke wenigstens Deine Stellung! Ich kann Dir nicht verhehlen, daß sie erschüttert ist: man ist unzufrieden mit Dir —' „Ich weiß das!" „Nicht die Regierung allein ist es, auch die Kreiseingesessenen sind e«; um so strenger müßtest Du darauf achten, daß Dein Lebenswandel völlig makellos bleibt." „Ich werde wohl nicht lange mehr in dieser Stellung bleiben", spottete der Landrath. „Diese ewigen Querelen habe ich längst satt, und was meinen Lebenswandel b.trifft, so gestehe ich Niemanden das Recht zu, einen Makel auf ihn zu werfen. Du magst es ehrlich meinen, Ferdinand, und ich nehme Dir Deine Worte nicht übel, aber Dein Urthei! reicht über Deinen Gesichtskreis nicht hinaus. Laß mich meinen Weg gehen, wenn er Dir persönlich auch nicht gefallen mag — man kann an Jedem mäkeln, Du wirst das an Dir selbst wohl auch erfahren haben. Und noch Eins: ich erwarte von dem Freunde, dem nur ein Zufall diese Angelegenheit verrathen hat, strenge Diskretion." Der Gutsbesitzer hatte trotzig das Haupt erhoben; dem halb bittenden, halb drohenden Blick des Freundes begegnete er mit sichtbarer Geringschätzung. „Schon aus Rücksicht auf Deine wirklich be- dauernswerthe Frau werde ich schweigen," sagte er; „das Uebrige mußt Du nun mit Deinem eigenen Gewissen ausmachen!" Er wandte ihm den Rücken und schritt von dannen; der Landrath sandte ihm einen zornglühenden Blick nach, dann setzte er seinen Weg fort. E unverhohlenem Unwillen; „es war sehr überflüssig, daß Sie anderen Personen den Schmuck rügten und ihn als mein Eigenthum bezeichneten." „Ich wüßte nicht, mit wem ich darüber ge- sprachen haben sollte", erwiderte der Juwelier verwirrt. „Mit dem Banquier Morgenroth." „Er sah den Schmuck zufällig." „Wenn auch, Sie brauchten ihm den Namen des Eigenthümers nicht zu nennen, — guten Morgen!" Riesenthal schien ganz vergessen zu haben, daß er selbst Emkäuse machen wollte; er nahm seinen Hut und folgte dem Freunde. „Wir sehen uns später wohl noch einmal", sagte der Landrath draußen; „jetzt habe ich Eile, und mem Vorhaben erlaubt mir nicht, Dich zu dem ge- wohnten Frühschoppen in den Gasthof zu begleiten." „Nur einige Worte möchte ich Dir noch sagen", ttwiderte Riesenthal ernst; „erlaube mir, daß ich Dich eine kurze Strecke begleite. Für wen ist der Schmuck bestimmt?" o. teiger, verächtlicher Zug umzuckte die Lippen Ackermann's. „Du erwartest wohl selbst nicht, daß ich diese indiskrete Frage beantworte", entgegnete er. „Diese Frage genügt; sie beweist mir, daß meine Vermuthung richtig ist. Wir sind seit Jahren mit einander befreundet, Hugo; da meine ich, keiner von uns Beiden dürfe es übel nehme», wenn der Andere ihm gegenüber ehrlich und aufrichtig seine Meinung ausspricht. Ich würde Dir stets dankbar dafür sein, und Du weißt auch, daß ich nicht gewohnt bin, mit meinen Gedanken hinter dem Berge zu halten. Du hast eine brave und schöne Frau, um die Jeder Dich beneidet —" „Laß das!" unterbrach Ackermann ihn rauh. „Wenn Du einen so scharfen Blick besäßest, so mußtest Du längst erkannt haben, daß ich in Bezug auf diesen Punkt keineswegs so beneidenswerth „Dann liegt die Schuld an Dir!" „Wie rasch Du mit Deinem Urtheil fertig bist 1 9ch Hube keine Lust, mich in lange Erörterungen einzulassen; kümmere Dich nicht wieder um meine Privatangelegenheiten; derartige Einmischungen bringen keinen Dank ein." „Es mag Dir unangenehm sein, daß ich so ' offen mit Dir rede", sagte der Gutsbesitzer, ihm einen vorwurfsvollen Blick zuwerfend; „aber ich fühle mich dazu verpflichtet, um Dich vor einem Abgrunde zu warnen, den Du in Deiner Verblendung nicht zu sehen scheinst. Du ruinirst Dich für eine Comödiantm! So lange Du ihr kostbare Geschenke onngst, bist Tu ihr willkommen; später, wenn Du K N'chtr mehr zu bieten hast, ist ihre Thür für Dich verschlossen!" „War kümmert'» Dich!" erwiderte der Landrath mit wachsendem Aerger. „Ich brauche Niemandem über die Verwendung meines Geldes Rechenschaft 4. Kapitel. Signora Barlotti. In ihrem reizenden, mit künstlerischem Geschmack reich ausgestatteten Boudoir saß Julia Barlotti auf dem kleinen Divan und rührte mit dem goldenen Löffelchen ungeduldig in der Chocolade, die ihre Zofe eben gebracht hatte. In ihrer einfachen, eleganten Toilette war sie eine anmuthige, fesselnde Erscheinung; e» bedurfte nur eines Blicker in ihr lieblich«, rosiges Antlitz, das keinen Hauch von Schminke zeigte, und in ihre tiefdunklen, feurig blitzenden Augen, um zu erkennen, daß sie trotz aller Versuchungen sich ihre Herzensreinheit und ihre Jugendfrische zu bewahren gewußt hatte. „Er kommt noch immer nicht!" sagte sie seufzend. 287 „Und der Rommel hat mir doch das feste Versprechen gegeben ihn — da läutet'«, sieh' zu, Car- lotta, nur für ihn bin ich zu sprechen." Die kleine Zofe eilte hinaus; sie kehrte nach einigen Minuten zurück und legte ein Notenheft auf den Tisch. „Der Theaterdiener", sagte sie, das blonde Lsckenköpfchen schüttelnd, „er hat eine neue Rolle gebracht; der Director läßt die Signora bitten, sie heute noch durchzusehen —" „Und so weiter, ich kenne ja die stereotype Redensart", unterbrach die Sängerin sie ungeduldig, während sie eine mit Brillanten geschmückte Uhr hervorzog und einen Blick auf das Zifferblatt warf. „Und wenn der Herr Landrath kommt?" fragte Carlotta mit schelmischem Lächeln. „Wird abgewiesen!" „Wie grausam! Wenn Sie wüßten, Signora, welche Ueberraschung Ihrer wartet, Sie würden heute gewiß Erbarmen mit ihm haben." Die dunklen Augen hefteten sich forschend auf dar hübsche Gesicht der Zofe. „Und was weißt Du von dieser Ueberraschung?" fragte sie. „Der Banquier Morgenroth hat's ausgeplaudert, er war gestern Abend hinter den Couliffen." „Zur Sache, Carlotta!" „Der Landrath hat einen kostbaren Diamantschmuck bestellt, er soll tausend Louisd'or kosten." „Und dieser Schmuck soll mir zugedacht sein?" fragte sie. „Der Landrath will ihn heute bei dem Juwelier in Empfang nehmen." „Vielleicht ist er für seine Frau bestimmt." Ein silberhelle« Lachen war die Antwort Car« lotta's auf diese Bemerkung. „Daran glauben Sie selbst nicht, Signora", sagte sie. „Der Herr Landrath hat ja oft genug angedeutet, wie gleichgiltig ihm seine Gemahlin ist." „Und darüber kannst Du spotten?" fragte die Sängerin in vorwurfsvollem Tone. „Ich verachte diesen Mann, der —" (Fortsetzung folgt.) Migflm. Erzählung von Th. Hempel. (Fortsetzung). „O diese Pftngstreisen! Eisenbahnunqlücksfälle, überfüllte Gasthäuser, nirgends ein Plätzchen zu ungestörtem Naturgenuß, überall lärmende, schreiende Menschen, welche ihre Festfreude nur darin suchen, des Guten im Trinken zu viel zu thun und zuletzt, al» Dämpfer auf da» Vergnügen, noch ein tüchtiger Platzregen. Run, wenn alle Menschen wie von der Tarantel gestochen sind, sollten wenigstens die Aerzte vernünftig sein und zu Hause bleiben, um bei den unvermeidlichen Unglückssällen am Platze zu sein." Der alte Herr mußte erst seinem Aerger Luft machen, ehe es Erich gelang, ihm seinen Freund vorzustellen, welcher lächelnd sagte: „Auch ich gehöre zu den Fahnenflüchtigen, Herr Forstmeister, ich konnte der Verlockung nicht widerstehen, die Festtage hier im Heim meines liebsten Freundes zu verleben. Sollte es Ihnen wünschen»« werth erscheinen, ärztlichen Rath zu hören, so bin ich gern bereit meinen abwesenden College« zu vertreten und die Ehre unsres Standes zu retten." Der Forstmeister nahm sein Anerbieten dankbar an und bat für den nächsten Morgen um seinen Besuch, doch der Doctor bat: „Sie werden mir gestatten, mich sogleich von der Verletzung zu überzeugen möglicherweise finde ich ein Mittel, die Schmerzen schnell zu stillen." Der Forstmeister wollte Alfred begleiten, nahm aber dankbar Erichs Anerbieten an, den Freund zu führen, bis er das Ziel nicht mehr verfehlen könne und blieb bei der Gesellschaft. „Run, viel Glück zu Deiner Cur", — sagte Erich, als er sich vom Freunde trennte, — , aber Fräulein Anna hätte wirklich warten können, bi» morgen, Du warst so hübsch im Zuge mit dem Tanzen." „Der Arzt darf nicht zögern, wenn seine Hülfe gewünscht wird, eile, daß Du zu Deinen Gästen zurückkommst, sie werden Dich schmerzlich vermissen." Alfred schritt in den Wald hinein. Aufhorchend blieb" er stehen, klang e« nicht wie der schnelle Schritt eines Pferdes? Ritt sie wieder durch den Wald trotz ihres gestrigen Abenteuers, durfte er noch einmal in ihre Augen blicken? Ach nein, es war nur eine Täuschung, so viel er auch lauschte. Nur der Gesang der Vögel und das leise Rauschen der Wipfel droben in den Bäumen, drang in sein Ohr. Eine Weile stand er still, dann erwachte er zum Bewußtsein der übernommenen Pflicht und setzte nun um so schneller seinen Weg fort. Bald machte ihm Hundegebell bemerklich, daß er am Ziele sei, er stand vor dem Forsthaus, idyllisch mitten im Walde gelegen, bis hinauf an das Dach dicht mit Epheu bewachsen. Auf der Bank dicht vor der Thür feierte eine Dienerin den Ruhetag durch ein Schläfchen. Erweckt durch da« Gebell fuhr sie auf, griff nach ihrem Strickstrumpf und sah den Nähertretenden verschlafen an. Auf seine Frage nach dem Fräulein, welches er als Arzt zu besuchen komme, führte sie ihn in das Haus und verschwand in einer Thür, bald erschien sie wieder und bat ihn einzutreten. Es dauerte einige Zeit, ehe er sich in dem matt erhellten Zimmer zurechtsand, dessen Fenster durch den an der Wand emporstrebenden Epheu verhüllt waren. Eine schlanke Gestalt erhob sich au« einem Seffel und trat ihm einige Schritte entgegen. Träumte er denn noch immer? Nein er wachte und jubelnd rief eine Stimme in seinem Innern: 288 Siedaction: A, Scheyda. Druck und Vertag der Lrühl'schen Druckerei (Fr. Shr. Pietsch) m Gießen. n fürchte mich, meinen Ungehorsam ein-uqe» stehen. Dem Reiten mit großer Vorliebe zugethan, venutzte ich oft ein lammfrommes Reitpferd des feiner Erlaubniß, leider ward es, als mcht mehr tauglich, verkauft und das neue Reit» Pt«® 8“ besteigen, ward mir verboten. Ich habe sie wiedergefunden die Waldeskönigin, mit den tiefen, tiefen Augen! Rur ein Blick war ihm vergönnt, dann senkten sie sich zu Boden und ein tiefes Erröthen überflog das feine Gesicht der jungen Dame, als sie;ben Herrn er» kannte, welcher sich gestern im Walde ihrer ange- pommen. Dieser hatte sich von seiner freudigen Ueberraschung so weit wieder gefaßt, daß er ihr Nun mit äußerer Ruhe auseinander zu setzen vermochte, auf welche Weise er heute zu ihr gekommen. Sie nahm Platz und der Arzt begann sein Examen: „Verletzten Sie sich gestern beim Sturz vom Pferde?" 0 „Ja, ich schlug hart mit der Hand auf eine ttlorrlge Wurzel und fürchtete sogleich eine ernstliche Beschädigung." „Warum schenkten Sie mir Ihr Vertrauen Nicht ,,^zch klage nicht gern, hätte ich aber gewußt, daß mein Retter ein Arzt sei, hätte ich Sie wohl j um Wen Rath gebeten, ich verlebte unter vielen I ^^rzen eine schlechte Nacht und, sonst keine ängstliche Seele, erregte mir doch das arge An- schwellen der Hand die Befürchtung, daß sie gebrochen sei." ö Alfred untersuchte das Handgelenk, gab ihr die Versicherung, daß eine ernstliche Verwundung nicht I vorliege, rieth für heute nur kühlende Umschläge I und versprach mit sehr fröhlichem Herzen, den andern Morgen wieder zu kommen. Sie dankte ihm und sagte erfreut: „Gut, daß ich noch so weg gekommen, es thnt I mic lerä genug, daß ich heute das Fest in der I Muhle versäumen muß, wo man sich köstlich amüsirt und Väterchen verdarb ich die ganze Laune, als er ouein gehen mußte, doch habe ich die Mutter überredet, ihm nachzugehen, da die Schmerzen sich etwas I beruhigten, sie muß einen andern Weg gewählt haben, wenn Sie ihr nicht begegneten." I Alfred mußte sich gestehen, daß er die Frau Forstmersterm noch nicht vermißt habe, wenn er es ?uch nrcht ausfprechen durfte. Er fand es wunderbar, hier zu Zweien, mit seiner hübschen Patientin zu plaudern. ~ $ater. sAen nicht zu wissen, auf hatten „^eie ®ie ^ch die Verletzung zugezogen I wenft mir nicht unvermuthet ein Retter erschienen wäre. , .'^Weichen Sie, Rath und Hülfe verschmähend, so schnell als möglich abschüttelten." ... "Die Folge des bösen Gewissens, jeder Lebende schien mir ein Verräther." . Sie plauderten noch eine Weile, bis es Alfred einftel, daß es endlich an der Zeit sei, seinen Kranken- besuch zu beenden. Das Fräulein geleitete ihn zur ^hur,, nachdem er sich verabschiedet, blickte er sich noch einmal um; da stand sie im grünen Rahmen, von einem Sonnenstrahl beleuchtet, wie eine süße Marcheugestalt. r l v , 0 hwuj hinein cm? fnmen Ritt durch den stillen, grünen Wald. Gestern Wen die Eltern aus, ich ließ mich verlocken das . romme ,um leM„ »ÄÄrutÄa I ä. „Auf Wiedersehen!" rief ihr Alfred mit einem ubermuthlgen Lächeln zu, so daß sie schnell im Saufe verschwand. Der Doktor eilte mit schnellen Schritten durch den Wald, ihn lockte hier nichts mehr, er lauschte nicht mehr auf Rosseshufen. Dort das von Epheu umsponnene Haus, das barg, was ihn fesselte und morgen durfte er dahin zurückkehren. mußte noch manche Stunde vergehen, bis morgen, aber rn Gedanken durste er immer dort weilen, das I wehrte ihm Niemand. Er jubelte seine Freude aus I m einem fröhlichen Studentenlied und dann über- kam ihn wieder ein Bangen und Zagen, was hatte er für ein Recht, so freudigen Herzens zu sein? Und er war es doch! In der Mühle empfing man ihn mit Fragen nach feinem langen Ausbleiben. Er beruhigte die besorgten Eltern über das Befinden I sllrer Tochter, gab aber auf alle anderen Erkundigungen ! so verworrene Antworten, erzählte so viel durcheinander von dem Zauber des Waldes, daß Niemand klug aus ihm wurde, dann stürzte er sich mit aller die Geselligkeit, und riß durch seine Heiterkeit Alle mit sich fort, so daß manche der jungen Damen verwundert nach dem Großstädter schaute und es gar nicht übel vermerkte, wenn er sich speciell ""t lhr ein wenig beschäftigte. Es ahnte ja Nie- r n « ^ein Herz ihm untreu geworden und dort sich festgekettet halte im cpheuumrankten Forsthaus. ot größter Pünktlichkeit eilte der gewissenhafte Arzt alltäglich zu seiner Patientin und dehnte seine Besuche immer länger aus, es plauderte sich so ae- inuthlich dort. Mit dein Forstmeister fand er viel Berührungspunkte, auch die Forstmeisterin, welche ihm anfangs etwas steif und gemessen entgegen kam, wußte er zu gewinnen und je länger er- blieb Mo langer konnte er in Annas dunkle Augen schauen, manches Wort mit ihr wechseln. Nur zu schnell verging die Pfingstwoche, schon 8 ”ar. der Sonnabend gekommen, morgen hieß es m Imä äw an ihrer Seite und begann zögernd: ^Jch komme zum letzten Mal, die goldnen Tage ß”k »U» »t „ W6e„8.. (Schluß folgt).